A. L. Kennedy Also bin ich froh

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Inhaltsangabe zu „Also bin ich froh“ von A. L. Kennedy

Jennifer Wilson mag keine Gefühle. Sie ist Sprecherin im Radio, und ihre Stimme ist überall im Äther. So kommt sie anderen nahe und bleibt doch auf Distanz. Jetzt aber hat es sie kalt erwischt. Plötzlich steht ein verunsicherter Mann in ihrer Küche, der sein Gedächtnis verloren hat. Er behauptet, Cyrano de Bergerac zu sein. Aber da ist Jennifer bereits in ihn verliebt.

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  • Rezension zu "Also bin ich froh" von A. L. Kennedy

    Also bin ich froh

    glowinggloom

    10. January 2010 um 15:23

    Jennifer lebt 1993 in Glasgow. Ihrer schönen Stimme verdankt sie eine Stelle als Sprecherin beim Radio. In schonungsloser Ehrlichkeit, stellte sie bei sich selbst eine zunehmende Distanziertheit in ihren Beziehungen zu anderen Menschen fest. Ihr wurde unwohl, wenn sie wußte, dass noch jemand im Haus war, der ihr etwas bedeuten sollte und sie versuchte intime Nähe durch Intimverkehr zu vermeiden, denn währenddessen mußte sie ja nicht mit ihrem Partner sprechen. Um diesen „häuslichen Begegnungen der dritten Art“ zu entgehen, mietet sie ein Zimmer in einem Haus, wo sie mit drei zunächst Fremden wohnt. Jennifer erzählt dem Leser mit großer Offenheit und brutaler Ehrlichkeit von ihrer Gleichgültigkeit gegenüber ihren Eltern, von ihren erotischen Erfahrungen, den Witzigen und den Schockierenden, von ihren unkonventionellen Theorien. So hat sie festgestellt, daß ihre eigene Emotionalität vom Üblichen abweicht und auf einer anderen Wellenlänge funktioniert. Sie ist unspontan und, ohne ersichtlichen Grund, gefühlsmäßig leer. Wenn ihr etwas passiert, weiß sie nicht, was sie fühlen soll. Es dauert bei ihr länger, „bis ich ein Gefühl zusammengekratzt habe, so lange, bis jede Reaktion schon wieder irrelevant geworden ist.„ Eines Tages bringt ein Mitbewohner Martin ins Haus, der ist drogensüchtig und heruntergekommen und behauptet, er wäre Cyrano de Bergerac gewesen. Außerdem löst er in Jennifer Gefühle aus, und im Alter von 35 Jahren stellt sie fest, daß sie „einen Satz bilden und fühlen und meinen konnte, der gegenwärtige Liebe ausdrückt“. Warum es sich bei Martin nicht um einen zeitgenössischen Schotten, sondern einen Franzosen aus dem Barock handeln mußte, hat sich mir nicht erschlossen. Die Protagonistin fand ich faszinierend, rührend und sympatisch. Die Sprache hat mir gut gefallen. Hier noch eine Sprach-Kostprobe: Arthur hatte Biskuittorte gebacken, was ungewöhnlich war, denn zu Hause buk er nicht gern. „Tut mir leid, aber ich habe eigentlich keinen -“ „Ist mir scheißegal, ob du eigentlich keinen hast, ich backe nicht aus sportlichem Ehrgeiz Biskuittorte. Ich versuche, ein wenig häusliche Gemütlichkeit in unsere Wohngemeinschaft zu bringen.“ „Warum?“ „“Warum? Machst du Witze? Liz ist kurz davor, für immer zu verschwinden, Soundso -“ „Savinien.“ „Pflügt entweder den Rasen um oder schläft -“ „Und ich bin eine depressive Zicke?“ „Und du arbeitest wieder zuviel. Du wirst noch krank. Nimm ein Stück Torte. Echte, selbstgeschlagene Sahne.“ „Und echte Marmelade?“ „Ja, hat meine Mutter gemacht.“ „Ich fühle mich geehrt.“ „Du hast es gar nicht verdient. Habt ihr euch gestritten? Und frag bloß nicht >Wer wir?< Du weißt genau, wen ich meine.“ „Ich weiß nicht.“ „Könntet ihr euch dann vielleicht mal gegenseitig fragen? Wenn ich noch eine Woche hier auf Schloß Dracula verbringen muß, freue ich mich womöglich noch auf meine Arbeit.“ „Ist gut.“ „Versprochen?“ „Ja. Ich verspreche es. Was auch immer.“ „Und wie schmeckt die Biskuittorte?“ „Tut mir leid, darauf habe ich jetzt gar nicht geachtet, wahrscheinlich ganz gut.“ „Du ekelhafte Ziege.“ „Sie ist phantastisch. Das war ein Witz. Eine großartige Biskuittorte, ehrlich. Zwölf von zehn möglichen Punkten.“ „Zu spät. Ich werde mich in die Waschmaschine setzen, wahrscheinlich bleibe ich eine Weile drin.“ „Könntest du ein paar von meinen Blusen mit reinnehmen?“ „Das wird dir noch leid tun.“ Er hatte ja recht. Ich mußte etwas unternehmen. Von allen anderen Unannehmlichkeiten abgesehen, wußte ich, daß Einsamkeit nicht gut für Saviniens Gesundheit war. Er sah viel müder aus, als er von der Gartenarbeit sein dürfte.

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