Alan Bennett Miss Fozzard findet ihre Füße

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Inhaltsangabe zu „Miss Fozzard findet ihre Füße“ von Alan Bennett

Sie sind wieder da, die skurrilen britischen Gestalten des Alan Bennett! Diesmal
weiß der Meister der bitterbösen Satire zu berichten von einer geldgierigen
Antiquitätenhändlerin, die sich einen echten Michelangelo durch die Lappen
gehen lässt, einem Parkwächter mit dunkler Vergangenheit, einer Dame mittleren
Alters, die in der Fußmassage ihre Erfüllung findet und dabei einen Fetischisten
glücklich macht, einem zwielichtigen Schlachter, der nur zum Schein
mit dem Wachhund Gassi geht, von Nächten in spanischen Gärten, von denen
Mrs. Horrocks nicht träumen mag, und einer alten Dame, die auf das Glückwunschtelegramm
der Queen zu ihrem Hundertsten wartet – und sich dabei an
die Feldpost aus dem Krieg erinnert.
Einmal mehr demonstriert Bennett seine Klasse: In wenigen Strichen entwirft
er auf engstem Raum ganze Lebensläufe – wie etwa das Leben und Sterben
der Peggy Schofield, einer unbedeutenden Bürokraft, Bennetts allererstem
"talking head", deren Geschichte die Form seiner Prosamonologe begründet hat.

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  • Rezension zu "Miss Fozzard findet ihre Füße" von Alan Bennett

    Miss Fozzard findet ihre Füße

    rumble-bee

    Zuerst war ich ja skeptisch, weil gerade im Falle von Alan Bennett der deutsche Verlag die Strategie zu verfolgen scheint, in unregelmäßigen Abständen in Schubladen zu kramen und das darin Enthaltene zu veröffentlichen. Im Falle der "Souveränen Leserin" war das zwar ein Glücksgriff, kann aber dennoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, das diese in England in Buchform längst nicht solche Popularität genießt wie bei uns - weil sie eine erst später erschienene Zeitungskolumne (!) war. Nun, ein Blick ins Impressum, und in weitere Quellen hat mich beruhigt. Auch in England sind diese Geschichten erst in einem zweiten Schritt veröffentlicht worden, sie sind der zweite Teil der Serie "Talking Heads" - und erschienen somit erst nach dem "Kräcker unterm Kanapee". Die einzige Ausnahme bildet hier die allerletzte Geschichte, "Eine Frau ohne Bedeutung". Diese wurde auch in England erst dem zweiten Band angehängt, da sie zwar als erstes verfilmt, aber vorher nie gedruckt wurde. Wenn ich das richtig verstanden habe! Alan Bennetts Stil aber ist es vor allem gewesen, der mich auch diesen Band hat lieben lassen. Man kann ihn, den Stil, kaum beschreiben, ohne ihn zu "zerreden". Es ist eine ganz und gar eigene Mischung aus unterkühltem Witz, britischem "Spleen", und satirischer bis bitterböser Gesellschaftsbeobachtung. Dies dann gepaart mit dem sehr spärlichen "Setting" ( es handelt sich jeweils nur um Monologe für einen Ein-Mann-TV-Auftritt) ergibt eine zwar ungewöhnliche, für mich aber gerade deshalb unvergessliche Mischung. Sogar die Regieanweisungen hat man in der Buchfassung stehen lassen! Wenn das mal nicht "eigen" ist... Allerdings hat sich die Thematik in diesem Band doch in eine andere Richtung entwickelt, sie ist nachgerade sinister bis tiefsinnig geworden. Für mich war das ein Schritt weg von reiner Unterhaltung, hin zu echter Weltliteratur. Nein, ich scheue mich nicht, diese Worte in den Mund zu nehmen! Denn was sonst soll "Weltliteratur" bewirken, wenn nicht, uns an unsere Grenzen zu führen, und uns bisweilen das Lachen im Halse steckenbleiben zu lassen...? Nur die erste hier vertretene Geschichte, "Der Finger Gottes", ist noch, wie im ersten Band, heiter-verdreht und fröhlich (zumindest für den Leser). Hier geht es um eine geldgierige Antiquitätenhändlerin, der durch eigene Schusseligkeit das Geschäft ihres Lebens durch die Lappen geht. Doch danach geht es bedeutend ernster weiter, fast zu ernst für einen Bennett. Ungewöhnlich oft taucht Sexualität auf, in allen möglichen und unmöglichen Spielarten. Eine gelangweilte Ehefrau, die zur Fußmassage geht und nicht merkt, dass sie einem Fetischisten auf den Leim gegangen ist. Eine demente alte Dame, die im Heim auf den Tod wartet. Eine weitere Ehefrau, deren Mann Metzger ist, und die sich wundert, warum er immerzu mit dem Hund raus muss - und das zu den Zeiten, zu denen junge Mädchen ermordet werden. Eine biedere Büroangestellte, für die es nichts Lebenswichtigeres gibt als die Sitzordnung beim Mittagessen - und die natürlich vollkommen verpeilt, dass keiner sie so recht ernst nimmt. Bis sie schwer erkrankt... Ja, wie es scheint, ist unser Alan Bennett erwachsen geworden. Obwohl ich mich das bei einem Mann, der sich ein Hausschwein hält und mit ihm Gassi geht (!) fast nicht zu sagen traue. Nun, zu berücksichtigen ist ja auch die große zeitliche Distanz zur ersten Veröffentlichung in England - das war im Jahre 1998! Dennoch, ich bleibe dabei. In diesem Band zeigt Alan Bennett, dass er mehr ist als ein "Unterhalter" oder Pausenclown. Sein Witz tut hier fast schon weh, er zwingt den Leser in die Knie, und entlässt ihn irgendwo zwischen "himmelhoch jauchzend" und "zu Tode betrübt". Auf jeden Fall aber entzieht sich jede dieser Geschichten dem wohlfeilen und daher schnell vergessbaren Konsum. Und das finde ich schlicht großartig.

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    thursdaynext

    31. January 2012 um 08:22
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