Der Fremde

von Albert Camus 
4,1 Sterne bei506 Bewertungen
Der Fremde
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Positiv (389):
Andreas_H__Dreschers avatar

Mit 20 legte ich das Buch noch kopfschüttelnd fort. Mit 30 ging mir auf, wie großartig es ist.

Kritisch (28):
Larissa_Schwarzs avatar

Es muss was dran sein. Ich habe es aber leider nicht gefunden.

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Inhaltsangabe zu "Der Fremde"

«Ich begriff, dass ich das Gleichgewicht des Tages, das ungewöhnliche Schweigen des Strandes zerstört hatte, an dem ich glücklich gewesen war. Dann schoss ich noch viermal auf einen leblosen Körper, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es sah. Und es waren gleichsam vier kurze Schläge an das Tor des Unheils.»

Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation. Der Roman bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus und gilt heute als einer der Haupttexte des Existentialismus.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499253089
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.01.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 25.07.2013 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

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    pardens avatar
    pardenvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Mir erschließt sich der Begriff 'Existenzialismus' in dem Roman nicht so recht - für mich eher ein nihilistisches Buch - aber beeindruckend!
    Albert Camus erster Roman...

    ALBERT CAMUS ERSTER ROMAN...

    Die Geschehnisse des Romans werden geschildert aus der Sicht des Hauptcharakters Meursault, einem etwa dreißigjährigen französischen Büroangestellten in Algerien, der eher zurückgezogen lebt. Meursault erschießt an einem heißen Tag am Strand einen jungen Araber, landet vor Gericht und wird dort schließlich zum Tode verurteilt - weniger für die Tat an sich als eher für seine offensichtliche Gleichgültigkeit, die sich nicht nur auf den Tod des Arabers bezieht, sondern auf alle Ereignisse in Meursaults Leben.

    Der Roman besteht aus zwei etwa gleich langen Teilen: Der erste schildert die Ereignisse vor der Tat - die Beerdigung von Meursaults Mutter, der Beginn einer Liaison mit einer ehemaligen Kollegin, die Begegnung mit einzelnen Nachbarn - und das Verbrechen selbst, der zweite den Gerichtsprozess und Meursaults Gefängnisaufenthalt mit dem bangen Warten auf seine Hinrichtung.

    Nüchtern, distanziert, gleichgültig - so kann Meursaults Grundhaltung wohl am ehesten charakterisiert werden. Ob es sich um ein Mittagessen handelt, ein Gespräch mit dem Chef, der ihm eine berufliche Veränderung in Aussicht stellt, den Tod seiner Mutter oder aber den Schuss auf den Araber - alles erscheint gleichsam unbedeutend in den Augen des jungen Franzosen. Noch dazu ist Meursault gnadenlos ehrlich, beschönigt, verschweigt und leugnet nichts und heuchelt keine Reue, die er nicht empfindet.

    Inhalt und Form erfahren durch die Art des Schreibens eine große Übereinstimmung. Meursault selbst spricht nicht viel - wenn es nichts zu sagen gibt, dann schweigt er. Genauso erzählt Camus auch die Geschichte: kein Wort erscheint hier zu viel, die Sätze meist kurz gehalten. Die Gleichgültigkeit als zentrales Motiv spiegelt sich ebenfalls in der Art der Erzählung wider - sehr neutral und distanziert wird hier berichtet, so dass der Leser kaum eine Möglichkeit erhält, sich dem Geschehen und dem Hauptcharakter wirklich zu nähern.


    "Und doch war etwas anders geworden (...) Als könnten die in den Sommerhimmel gezeichneten vertrauten Wege genauso gut ins Gefängnis wie in unschuldigen Schlaf führen." (S. 127)


    'Der Fremde' ist Albert Camus erster Roman, den er 1942 im besetzten Frankreich veröffentlichte, wo das Buch sogleich große Aufmerksamkeit erhielt. Es fiel wohl  passend in eine Zeit, in der  angesichts von Diktatur, Krieg und Zerstörung keine Antworten mehr auf Sinnfragen gefunden werden konnten. Tatsächlich gilt dieser Roman als eines der Hauptwerke des Existenzialismus. Das Absurde der menschichen Existenz soll hiermit demonstriert werden - Meursaults nahezu provozierende Gleichgültigkeit und seine Fremdheit in der Welt spiegeln diese Absurdität. Alles ist ohne Bedeutung, ein Einfluss auf das Geschehen kaum möglich, es bleibt nur, alles fatalistisch hinzunehmen - und das möglichst glücklich.


    " Als hätte diese große Wut mich vom Bösen geläutert, von Hoffnung entleert, öffnete ich mich angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne zum ersten Mal der zärtlichen Gleichgültigkeit der Welt." (S. 159)


    Trostlos wirkte die Lektüre oftmals auf mich, nihilistisch und hinterfragend. Ich will nicht behaupten, die Idee des Existezialismus wirklich durchdrungen und verstanden zu haben, aber den Tod des Menschen als das einzig Sichere im Leben zu sehen und damit alle Leben gleichermaßen als bedeutungslos zu deklarieren, ist schon eine verstörende Sichtweise. Meursault jedenfalls begreift zuletzt, dass es daher keine Rolle spielt, ob er in jungen Jahren stirbt oder erst wenn er alt ist - und dadurch ist es ihm letztlich möglich, sein Schicksal ruhig anzunehmen.

    Trotz seines geringen Umfangs ist dieser philosophisch durchdrungene Roman nicht einfach zu lesen - aber auf eine besondere Art doch beeindruckend.


    © Parden

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    Ophiuchuss avatar
    Ophiuchusvor einem Jahr
    L'indifférence

    Er hat mir gesagt, er bedauert mich. Er meinte, das wäre für einen Menschen unmöglich zu ertragen. Ich habe nur gespürt, dass er mich allmählich langweilte (S. 153).

    Der unsympathische Protagonist Meursault lebt in Algerien der dreißiger Jahre. Nach der Beerdigung seiner Mutter lässt er sich auf eine Affäre mit Eva ein. Danach hilft er seinem Freund, der Zuhälter ist, eine Araberin kennenzulernen. Doch sie wird schlecht behandelt, sodass ihr Bruder sehr verärgert wird. Als Meursault ihn zufällig wiedertrifft, hält der Araber ein Messer in der Hand. Meursault erschießt ihn und wird später verhaftet. Im zweiten Teil versuchen die Richter ein Motiv für den Mord zu finden, was sich als schwierig erweist. Denn nichts hat irgendwelche Gründe und Zusammenhänge.

    Meursault pflegt extrem seine Gleichgültigkeit und er handelt wie eine Maschine. Doch das heißt nicht, dass er nicht gefühlskalt ist.

    Der Fremde ist eines der Hauptwerke des Existenzialismus und ist schwer zu lesen. Es ist aus Meursaults Sicht geschrieben, und da er ein gleichgültiger Mensch ist, ist der Stil subjektiv, sachlich und leidenschaftslos.

    Wer sich jedoch für französische Literatur interessiert, soll doch mal versuchen.

    Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte (S. 79).

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    Larissa_Schwarzs avatar
    Larissa_Schwarzvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Es muss was dran sein. Ich habe es aber leider nicht gefunden.
    Es muss was dran sein. Ich habe es aber leider nicht gefunden.


    Es muss was dran sein. Ich habe es aber leider nicht gefunden ... Bereichert um eine tragische Geschichte, beraubt der Illusion, eine großartige Schreibe erleben zu dürfen. Es mag an der Übersetzung gelegen haben, leider ist mein Französisch aber auch nur medioker - also keine Chance, das zu prüfen.

    Von Camus' "Der Fremde" habe ich erwartet, ein erleuchtendes Moment zu finden, etwas, das mich an seine Größe heranführt und sein Gesamtwerk lesen wollen lässt. Dieses Buch war immerhin sein Durchbruch. Leider ist bei mir nichts durchgebrochen, weder Licht noch Lust.
    Für die wenigen Seiten habe ich mehr als zwei Wochen benötigt. Camus' Stil ist im "Fremden" sehr - hölzern!? Es liegt an der Thematik, dem Protagonisten - also stimmig eigentlich, aber ich wurde damit nicht warm.

    Zu Ende gelesen habe ich es, weil ich mir erhoffte, dass es eine Wandlung gibt oder einen Wendepunkt. Stattdessen läuft die Geschichte geradlinig weiter. Für mich gewinnt der Protagonist nichts. Die "Erkenntnis", sein Wunsch und sein Verhalten am Schluss sind schlüssig, jedoch ist dort auch kein Element zu finden, das mich als Leser Sympathie oder - überhaupt irgendeine Emotion aufkommen lässt.

    Trotz des Bemühens, kritisch, aufgeklärt und mit dem Sinn für die große Literatur an dieses Werk heranzugehen - ich bin wohl in dessen Tiefe untergegangen. Oder gibt es sie gar nicht? Ist es so oberflächlich und emotionslos, wie sein Protagonist?
    Mir erschließt sich der Sinn, genau dadurch zum Nachdenken und zu einer Wertung angeregt zu werden. Aber mein Sprachempfinden und der Wunsch, auch in Anspruchsliteratur eine Form von Mitgefühl für den Protagonisten zu entwickeln, miterleben bzw. die Geschichte spüren zu wollen, sind hier leider enttäuscht worden.

    Warum dann zwei Sterne? Ich habe sehr viel schlechter Geschriebenes, Unlogischeres und Unbedarfteres gelesen, das sich als Anspruchsliteratur verkauft hat. Das kann ich Camus also nicht antun.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Nach ein paar Seiten abgebrochen


    Nachdem ich ein paar Rezensionen auf Anoobi gelesen hatte, wollte ich auch "Der Fremde" von Camus lesen. Das Buch war auch schon auf meiner Leseliste für August u_u Aber nach ein paar Seiten habe ich das Buch wieder zugemacht.

    Ich kenne in groben Zügen die Geschichte und gebe zu, dass der von Camus gewählte Stil für die Gleichgültigkeit der Hauptfigur gegenüber Menschen, Gefühle und Ereignisse sich eignet.


    Leider nicht nur die Geschichte sondern auch der Protagonist hat mir nicht gefallen. Ich fand ihn egoistisch und teilnahmlos.

    Aber worum geht es in dem Roman? 
    Die Handlung ist relativ einfach. Die Mutter von Meursault (die Hauptfigur) stirbt und das Altersheim informiert ihn über den Termin für die Beerdigung. Er fährt dahin aber möchte nicht die Leiche der Mutter in dem Sarg sehen. Alle drücken ihm ihr Beileid aus aber er scheint von dem Tod ihrer Mutter nicht berührt zu werden. An einem schicksalsvollen Sonntag fährt er ans Meer um einen Freund zu besuchen und unsinnig begeht er ein Verbrechen und wird dafür festgenommen. x_x

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    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor 3 Jahren
    Gleichgültigkeit die provoziert


    Meursault, ein Franzose der in Algier lebt und arbeitet, ist ein seltsamer junger Mann. Die Hitze dort setzt ihm stark zu, alles ist ihm gleichgültig und stets erscheint er gelangweilt und teilnahmslos. Selbst der Tod seiner Mutter scheint ihn nicht zu berühren, auch die zweistündige Fahrt zur Totenwache und Beerdigung sind ihm lästig. Menschliche Nähe und Wärme sind ihm fremd, selbst die Frage seiner Freundin nach einer Heirat beantwortet er mit Teilnahmslosigkeit und Desinteresse. Mit dieser selbst gewählten Isolation wäre er ganz gut durchs Leben gekommen, wenn nicht ein einschneidendes Ereignis alles geändert hätte. In sommerlicher Gluthitze und nahezu blind von der gleißenden Sonne erschießt er, mehr zufällig als gewollt, am Strand einen Araber. Meursault kommt ins Gefängnis und wird wegen Mordes angeklagt. Jetzt rächt sich seine provozierende Gleichgültigkeit, seine Teilnahmslosigkeit und innere Abwesenheit wird ihm als Gefühlskälte unterstellt, die Tat als abscheuliches Verbrechen bezeichnet. Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe …
    Mit diesem kurzen, aber umso prägnanteren, Roman schaffte der in Algerien geborene Franzose Albert Camus seinen Durchbruch als Schriftsteller. Die Geschichte des jungen Franzosen in Algerien war 1942 im besetzten Frankreich eine literarische Sensation – 1967 wurde sie von Luchino Visconti mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle verfilmt.
    Camus gliedert diesen Roman in zwei Teile. Im ersten Teil lernt der Leser Meursault mit seiner seltsamen provozierenden Gleichgültigkeit kennen, der zweite Teil befasst sich mit dem Prozess. Der Protagonist erzählt in Ich-Form, dadurch ist der Schreibstil bewusst einfach gehalten. Die Aneinanderreihung von Hauptsätzen benutzt Camus als besonderes Stilmittel. Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit sind als hervorstechende Eigenschaften stets präsent, menschliche Abgründe werden durchleuchtet und sinnliche Eindrücke wie Hitze, Licht und Farben sind sehr fein heraus gearbeitet.
    Fazit: Ein empfehlenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt und das man, ohne Übertreibung, als kleine literarische Kostbarkeit bezeichnen kann.

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    A
    Alice-33vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Geschehen das ein Konglomerat an Explosivstoffen birgt. Doch alles fest eingebunkert . Warum nicht ein sondern 5 Schüsse fielen?
    Nach Jahrzehnten ein zweiter Versuch

    Ich bin mir des Sakrilegs bewusst, doch  der Protagonist Meursault ist mir ein Papierheld geblieben. Zu aufgesetzt empfand  ich die geballte Ladung an Intoleranz und Antriebsschwäche, an Gleichgültigkeit, Abgestumpftheit und völligem  Mangel an Empathie, die - selbst gepaart mit  einer inkompatibel genauen Beobachtungsgabe  - einfach kein Wesen aus Fleisch und Blut ergeben wollten. Die Umsetzung der Philosophie des Absurden  in Literatur, sagte man mir. Aber ist diese Umsetzung gelungen, wenn der Protagonist in mir keinen Funken von Gefühl oder Verständnis oder Neugierde zu erwecken vermag? Natürlich ist Camus ein großartiger Erzähler. Die Stimmungen - ob am Meer oder in der Stadt - konnte ich innerlich miterleben. Der Held blieb für mich blutleer, gleichgültig und unglaubwürdig,  selbst dort, wo er sich endlich in Auflehnung versucht. 

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    Franzis2110s avatar
    Franzis2110vor 3 Jahren
    Ein Buch voller provozierender Gleichgültigkeit

    „Der Fremde“ ist der Debütroman von Albert Camus, der im Jahr 1943 erschien, als Camus gerade 29 Jahre alt war.

    Es ist die Geschichte eines jungen Franzosen, der in Algier lebt und den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht. Der Roman war der schriftstellerische Durchbruch von Albert Camus und das obwohl er sehr schlicht, fasst schon kindlich schreibt, ohne komplexe Strukturen, ohne komplexe Geschichten einfach nur. Oder vielleicht auch gerade deshalb.

    „Als der Wärter mir eines tages gesagt hat, ich wäre seit fünf Monaten da, habe ich es geglabut, aber ich habe es nicht begriffen. Für mich war es unaufhörlich der selbe Tag, der sich in meiner Zelle breitmachte, und dieselbe Aufgabe, der ich nachging.“ (S. 105)

    Meursault lebt ein unauffälliges, fast schon langweiliges, bedeutungsloses Leben. Er pflegt kaum soziale Kontakte, ist ausdruckslos und emotionslos. Die Geschichte wird uns durch ihn erzählt. Dabei gliedert sich die Geschichte in zwei Teile, wobei der erste nur wenige Tage, der zweite jedoch mehrere Monate umfasst.

    Meursault beginnt mit seiner Erzählung, als seine Mutter stirbt und er zu ihrer Beerdigung fährt. Er hält Totenwache und wohnt der Beerdigung bei ohne auch nur eine Träne zu vergießen. Gefühle und Emotionen scheint er nicht zu haben, er ist schlicht gestrickt, stört sich an physischen Begebenheiten wie etwa zu großer Hitze mehr, als an der Tatsache, dass er gerade seine Mutter beerdigt.

    Am nächsten Tag lernt er Marie kennen, die seine Freundin wird und ihn heiraten möchte. Doch auch dies ist Meursault vollkommen gleichgültig. Marie ist da, ab und an verspürt er etwas wie Glück mit ihr, aber ihm ist egal ob sie nun seine Freundin ist oder nicht. Marie liebt ihn gerade deshalb, weil er nicht wie andere ist, weil er seine Eigenheiten hat. Sein Nachbar Raymond ist das genaue Gegenteil von Meursault, er ist emotional, aktiv und eher gewalttätig, währen Albert gleichgültig und passiv ist. Raymond ist quasi der Auslöser der Handlung, indem er Meursault in den Konflikt mit einem jungen Araber hineinzieht.

    Die Geschichte ist kühl, einfach, schlicht. Sie besticht durch viele kurze Sätze mit vielen Hilfsverben – zumindest in der Übersetzung Das machte es mir den kompletten ersten Teil sehr schwer, mich für das Buch zu begeistern. Doch gerade im zweiten Teil ist es genau das, was den Kern der Geschichte so unfassbar gut transportiert.

    Meursault selbst spricht nicht viel, er schweigt, wenn er nichts zu sagen hat. Weder drückt er Emotionen aus, noch transportiert er sie in das Gesagte und das Getane anderer. Er hat eine emotionale Distanz zu allem und jedem um ihn herum. Er ist nicht moralisch oder gewissenlos, wie die Anwälte in der späteren Gerichtsverhandlung es hinstellen. Er ist losgelöst von moralischen Werten, er macht scheinbar keinen Unterschied zwischen Gut und Böse. Nicht nur sein Leben und seine Handlungen sind im Gleichgültig, auch jedes andere Leben ist im Gleichgültig, weil ja doch jeder einmal sterben wird, es macht für ihn keinen großen Unterschied ob heute oder in 30 Jahren.

    Der zweite Teil des Buches hat mich vollkommen überzeugt. Eine Geschichte die symbolisiert, wie sinnlos dieser Versuch eigentlich ist, rationale Erklärungen für alles Irrationale zu finden. Ein Roman voller philosophischer Aspekte der soviel aussagt und unter die Haut geht, trotz seiner wenigen Seiten und der Tatsache, dass mich der erste Teil kaum begeisterte. Es zeigt uns einen Menschen ohne Gewissen, ohne Absichten ohne Ehrgeiz – einen Menschen, der einen in der Form erschreckt. Dem die Tatsache, das er das Gleichgewicht des Tages störte mehr beunruhigte, als der Tod eines Menschen.

    Ein Buch über das Brechen von Werten und Grundsätzen und über da Nicht-Einhalten von gesellschaftlichen Konventionen. Über einen Menschen, der dennoch erkennt, kurz vor dem Ende, dass er glücklich gewesen ist. Ein Buch voller provozierender Gleichgültigkeit und dem Versuch der Gesellschaft, damit umzugehen.

    „Worauf es ankam, war eine Fluchtmöglichkeit, ein Sprung aus dem unerbitterlichen Ritus heraus, ein wahnsinniger Lauf, der jede mögliche Hoffnung zuließ.“ (S. 142)

    Autor:

    Albert Camus war französischer Schriftsteller und Philosoph. 1957 erhielt er für sein publizistisches Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur. Er gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

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    Voegelchenvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Faszinierender Roman, liest sich schnell weg und regt die Gedanken an: Heißt leben lediglich existieren? Muss Gleichgültigkeit scheitern?
    Faszinierender Roman

    Ich war zu Beginn etwas skeptisch, weil der Roman literaturphilosophisch hochgelobt wird und ich daher eine anspruchsvolle Lektüre erwartete. Doch schon nach wenigen Seiten wurde ich in den Bann des Buches gezogen. Die Sprache ist einfach und trotzdem ausdrucksstark, kennzeichnend für den Protagonisten. Der nüchterne Stil spiegelt die nüchterne Haltung der Hauptfigur wieder.
    Das Buch besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil wird die Handlung bis zum "Unfall" mit der Pistole beschrieben, im zweiten Teil die Haft des Protagonisten geschildert. Für die Kunstfertigkeit des Autors spricht, dass im zweiten Teil praktisch alle Figuren des ersten Teils noch einmal auftauchen, das Werk also in sich geschlossen ist.
    Inhaltlich ist das Buch sehr faszinierend, weil dem Leser durch den faktenorientierten Erzähler erlaubt wird, eigene Schlüsse zu ziehen. So musste ich während des Lesens oft innehalten, um über die Psyche des Protagonisten nachzudenken. Führt seine Einstellung, seine Emotionslosigkeit, ihn zum Scheitern, oder ist es die Wahrnehmung der anderen? Heißt leben lediglich existieren? Wenn man ohne Ziel durchs Leben treibt, ist es einem zwangsläufig egal, wann und wie es endet?
    Ich kann jedem nur empfehlen, das Buch zu lesen und sich seine eigene Meinung zu bilden.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Existentialismus in seiner absurden Form
    Sich dem Absurden entgegensetzen

    Irgendwo in Algir stirbt die Mutter des Protagonisten Meursault. Er fährt zu dem Altersheim, kann aber keine besondere Trauer bei sich entdecken. Das Leben geht weiter, er und seine Mutter hatten sich schon lange nichts mehr zu sagen. Doch dann erschießt er einen Araber, mitten auf der Straße, mehrmals. Und muss nun erklären, wieso er schon bei der Beerdigung seiner Mutter keine Gefühle gezeigt hat.
    Eine gelungene Darstellung des Existenzialisten Albert Camus. Wie sinnlos ein Leben in Algir, Paris, oder sonstwo wäre, schildert Camus in aller Deutlichkeit, die Gleichgültigkeit des Protagonisten spigelt die Philosophie wunderbar wieder. Las sich für mich besser als "Die Pest".

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    Jacynthes avatar
    Jacynthevor 3 Jahren
    "Der Fremde" von Albert Camus

    Inhalt


    Algerien in den 1930ern: der Büroangestellte Meursault wird Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen seinem Nachbarn und einem Araber. Als er den Araber später alleine trifft fühlt er sich von ihm bedroht und erschießt ihn. Er scheint kein Gewissen zu haben und vor Gericht gibt er sich gleichgültig. Erst in seiner Zelle beginnt er, sich näher mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen.


    Meine Meinung


    Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, als ich dieses Buch begann. Meine Freundin hat es mir mit den besten Empfehlungen geliehen und da ich für alles offen bin, ließ ich mich darauf ein.

    Das Buch war leichter zu lesen als gedacht und die Sprache ist unerwartet leicht und modern. Obwohl die Thematik schwer ist und sich viel Ungesagtes zwischen den Zeilen versteckt, lesen sich die Kapitel schnell und ohne große Mühe. Wie schon angedeutet ist es aber vor allem das, was zwischen den Zeilen steht, das von Bedeutung ist.

    Von Anfang an auffällig ist die Gleichgültigkeit des Protagonisten. Er ist etwa 30 Jahre alt und hat kaum Freunde und Bekannte. Seine Mutter brachte er mangels Geld um sie zu Hause zu pflegen in ein Heim, scheint sie aber nur selten besucht zu haben. Ihr Tod scheint ihn nicht zu berührern. Er weiß nicht mal ihren Todestag und scheint sich auch nicht dafür zu interessieren, wie schon die ersten Zeilen zeigen.

    Seiner Freundin gegenüber verhält er sich ebenfalls auffällig passiv. Er sagt ihr ganz offen, dass das nichts heißen wolle, dass er sie aber zweifellos nicht liebe (S. 46), und auf ihre Frage, ob er sie heiraten wolle antwortet er, es sei ihm egal und sie könnten es tun, wenn sie es wollte (ebd). Ähnlich verhält es sich, als sein Chef ihn fragt, ob er interesse daran hätte, eine Filiale in Paris zu leiten - er sagt schlicht, dass es ihm egal ist, was dem Chef natürlich nicht imponiert.

    Aus diesem Verhalten spricht andererseits auch ein hoher Grad an Ehrlichkeit. Meursault sagt, was er denkt, ohne sich darum zu kümmern, was andere von ihm erwarten könnten. Diese Eigentschaft ist es dann auch, die ihm die Freundschaft seines Nachbarn Raymond zusichert, über die er in die Ereignisse hineingezogen wird, die ihm letztendlich die Todesstrafe einbringen.

    Obwohl Meursault aktiv und selbstbestimmt handelt (beim Mord an dem Araber ist er nämlich alleine) erschien es mir, als sei Meursault ein Opfer der äußeren Umstände, seiner Ehrlichkeit und seinem Pflichtbewusstsein. Damit meine ich nicht den Mord selbst, sondern die Ereignisse, die dorthin führten.

    Mit "Der Fremde" zeichnet Camus symbolisch die Entwurzelung einer vom Krieg traumatisierten Generation auf, sagt der Klappentext in meiner Ausgabe. Hisorisch habe ich zu wenig Kenntnis dieses Thema betreffend und wortwörtlich konnte ich einen solchen Bezug im Roman nicht finden. Meursault stellvertretend für die entwurzelte Nachkriegsgeneration zu deuten macht zwar Sinn, heutzutage kann man meiner Meinung nach aber noch weiter gehen und die Deutung auf die moderne Gesellschaft ausdehnen. Die "Ist mir egal"-Mentalität tritt heutzutage nämlich ganz deutlich hervor, vor allem bei der Jugend.

    Vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung völlig falsch, andererseits ist Literatur ja da, um zum Nachdenken anzuregen über eigene Einstellungen und deren Folgen. Ich habe den Roman jedenfalls gerne gelesen und er bot mir reichlich Stoff für Überlegungen - und tut es noch immer. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

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