Anne Enright Rosaleens Fest

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Inhaltsangabe zu „Rosaleens Fest“ von Anne Enright

Rosaleen ist eine Frau, die nichts tut und von den anderen alles erwartet. Sie ist Mitte siebzig, die Kinder gehen schon lange ihre eigenen Wege. Da entscheidet sie sich, Ardeevin, das Haus, in dem die vier groß geworden sind, das voller Erinnerungen an Glücksmomente und Verletzungen steckt, zu verkaufen – und lädt zu einem letzten Weihnachtsfest ein. Die Geschwister reisen mit diffuser Hoffnung auf Versöhnung an – und doch endet auch dieses Weihnachten, wie noch jedes geendet hat.

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

— EmilyTodd
EmilyTodd

Eine düstere irische Familiengeschichte, deren Grundaussage mich nicht ganz überzeugen konnte.

— Barbara62
Barbara62

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  • Schwierige Lektüre, Plot kommt zu spät

    Rosaleens Fest
    Silkchen2909

    Silkchen2909

    26. January 2017 um 13:52

    Rosaleen ist kein einfacher Mensch. Ihr Mann ist verstorben und ihre vier Kinder in aller Welt verstreut. Hannah, Constanze, Dan und Emmet haben alle ihre Probleme, alle ihr mehr oder weniger schwieriges Leben. Und doch treffen sie sich Weihnachten bei Rosaleen, weil diese das Elternhaus verkaufen möchte. Dieses Treffen verläuft, wie zu erwarten, nicht konfliktfrei. Anne Enright begleitet sowohl die vier erwachsenen Kinder als auch Mutter Rosaleen bei einzelnen Stationen ihres Lebens, allerdings fehlt der rote Faden. Denn diese Episoden scheinen ohne Bezug zueinander zu verlaufen. Erst nach mehr als der Hälfte trifft die Familie wirklich aufeinander und es entsteht wirklich ein Plot. Und so habe ich mich beim Lesen auch schwer getan, in die Geschichte reinzukommen. Keiner der fünf Protagonisten ist durchweg sympathisch, die Sprache ist zum Teil verwirrend. Die Kälte der Mutter den Kindern gegebenüber, die Kinder, die sich wenig zu sagen haben sind bisweilen schwer zu ertragen. Diese Kälte wird allerdings gut transportiert, der Autorin gelingt es hervorragend, die schwierigen Mutter-Kind-Beziehungen zu beschreiben und die Ohnmacht zu transportieren. Was mir gefallen hat war, dass jede Episode vom Stil angepasst ist an den Protagonisten, dem die Episode gewidmet ist. Bei einigen Abschnitten ist dies allerdings anstrengend, denn die Gedanken scheinen nicht immer geordnet, die Sprache ist daher sperrig. Mir fehlte am Ende der rote Faden und der Stil der Autorin scheint leider auch nicht meiner zu sein.

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  • Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

    Rosaleens Fest
    EmilyTodd

    EmilyTodd

    14. January 2017 um 23:50

    Der Klappentext des Buches sprach mich sofort an. Zum einen natürlich, da es sich hier um eine irische Autorin handelt und zum anderen natürlich auch weil die Geschichte in Irland angesiedelt ist. Das waren dann die beiden Hauptgründe weswegen ich mich auf dieses Buch beim Bloggerportal beworben haben. Und zuma anderen erhoffte ich mir eine etwas andere Weihnachtsgeschichte. Und ich wurde nicht enttäuscht.Im ersten Teil des Buches lernte ich zunächst die vier Kinder von Rosaleen kennen. Die vier Kinder könnten nicht unterschiedlicher sein und habe alle ihre wirklich schweren Päckchen zu tragen. Die Erzählungen hier sind sehr emotional und habe mich wirklich sehr mitgerissen. Mir taten die vier zwischendurch richtig leid und ich dachte nur, warum müssen die armen Kinder nur soviel ertragen und haben dann noch so eine Mutter? Denn im Anschluss an die Kinder lernte ich Rosaleen kennen. Sie war mir von Anfang an nicht sympatisch und wurde es bis zum Schluss auch nicht mehr.Rosaleens Fest ist ein wirklich packender Roman. Ich würde nicht sagen, dass er spannend ist aber er ist durchaus fesselnd. Das Ende hat mir nicht so gut gefallen. Denn zum Schluss bleibt noch so einiges offen und mich würde wirklich interessieren wie es mit den Kindern weitergeht.Alles in allem aber ein wirklich gutes Buch, was ich gerne weiter empfehlen. Ein Buch welches man gut zu Weihnachten lesen kann aber ohne diesen ganzen kitsch drum herum.Ich vergebe daher gerne 4 von 5 Sternen.

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  • Jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise

    Rosaleens Fest
    Barbara62

    Barbara62

    "Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise", beginnt Lew Tolstois Roman Anna Karenina. Unglücklich sind auch die Mitglieder der irischen Familie Madison in Anne Enrights Familienroman Rosaleens Fest. Als sie sich im zweiten Teil des Romans 2005 auf Wunsch der 76-jährigen Mutter Rosaleen vor dem Verkauf des Elternhauses noch einmal zum gemeinsamen Weihnachtsfest versammeln, bringen die vier Kinder "auf der Schwelle zum mittleren Alter" die unterschiedlichsten Lebens- und Beziehungsschicksale mit. Gemeinsam ist allen, dass sie ihr Glück nicht gefunden haben, dass sie sich nicht von ihrer fordernden, launischen Mutter abnabeln konnten, einer Frau, "die nichts tat und alles erwartete", egal wie weit weg sie inzwischen leben. Rosaleen ihrerseits fühlt sich verlassen, nicht gewürdigt und unbedeutend. "Warum sie nicht nett zu ihnen sein konnte, sie wusste es nicht. Sie liebte sie so sehr." Dennoch übt sie eine Macht über ihre Kinder aus, der diese sich offensichtlich nicht entziehen können. Über 25 Jahre verfolgt die irische Autorin Anne Enright das Leben der einzelnen Familienmitglieder distanziert, entlarvend und zuweilen, wie mir schien, unbarmherzig. Gut gefallen hat mir der Aufbau des Romans, in dem im ersten Teil die vier Kinder Hanna, Dan, Constance und Emmet, auf typisch irische Weise in alle Winde verstreut, und die Mutter Rosaleen an scheinbar zufällig ausgewählten Punkten ihres Lebens zwischen 1980 und 2005 porträtiert werden, um dann 2005 erstmals nach langer Zeit wieder aufeinanderzutreffen. Anne Enright hat für ihren Roman Das Familientreffen 2007 den Man Booker Price erhalten und auch Rosaleens Fest stand 2015 auf der Longlist. Mich konnte diese recht düstere Familiengeschichte dagegen nicht überzeugen, denn die Grundaussage, dass das Unglück der Kinder allein durch das Wesen der Mutter hervorgerufen wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Zwar wurde mir Rosaleen genau wie ihre Kinder nie sympathisch, doch schien mir ihr Verhalten nicht so einengend und grauenvoll, dass die Kinder fern von zuhause nicht hätten ihres Glückes Schmied werden können. Immerhin schafften sie den Absprung vom Elternhaus und hätten meinem Empfinden nach - Mutter hin, Mutter her - mit etwas mehr Zielstrebigkeit einen für sie zufriedenstellenderen Weg einschlagen können. Auch in Bezug auf die Sprache bin ich eher gespalten. Einerseits haben mir die Präzision und der an manchen Stellen deutlich durchschimmernde Spott gut gefallen, ebenso wie die poetischen Passagen, wenn es um die Beschreibung der faszinierenden irischen Landschaft geht. Andererseits fand ich die Sprache aber stellenweise unnötig und unpassend vulgär. Trotz meiner Kritik werde ich sicher auch noch Das Familientreffen lesen, um zu testen, ob mir dieser frühere Roman besser gefällt.

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    • 3
  • Die ach so liebe Familie

    Rosaleens Fest
    19angelika63

    19angelika63

    03. August 2016 um 16:19

    KlappentextRosaleen ist eine Frau, die nichts tut und von anderen alles erwartet. Sie ist Mitte siebzig, die vier Kinder sind schon lange aus dem Haus. Die Brüder Dan und Emmett sind vor der Enge der irischen Heimat in die Ferne geflohen; das Nesthäkchen Hanna wollte auf den Theaterbühnen der Welt reüssieren, spricht aber nun dem Alkohol zu, und Constance, die Älteste, hat sich selbst verloren. Doch abgenabelt hat sich keines der Kinder. Noch immer versucht jedes auf seine Weise, es dieser besten aller Mütter recht zu machen. Und scheitert.Da kommt die Einladung zu einem letzten Weihnachtsfest in Ardeevin. Rosaleen möchte das Haus, in dem die Kinder groß geworden sind, das voller Erinnerungen an glückliche Momente und Verletzungen steckt, verkaufen. Die Geschwister reisen mit diffuser Hoffnung auf Versöhnung an – und doch endet es, wie bisher jedes Weihnachten geendet hat.„Oh my Dark Rosaleen,Do not sigh, do not weep!The priests are on the ocean green,They march along the deep.” (Seite 202)Im ersten Teil geht es um die einzelnen Charaktere. Die Kinder und auch Rosaleen werden in einzelnen Kapiteln porträtiert. Hanna ist das Küken der Familie. Als ich sie kennen lerne hat sie einen Traum: Sie möchte einmal Schauspielerin werden. Jahre später ist aus ihrem Traum nichts geworden. Vor lauter Frust hat sie sich in dem Alkohol zugewandt. Einzig ihr Baby ist ihr ab und an ein Trost.Constance ist Mutter und Ehefrau. Sie ist immer für alle da. Ihr Perfektionismus bringt sie an den Rand der Selbstaufgabe. Als sie erkrankt ist niemand für sie. Erst da erkennt sie, dass sie etwas ändern muss …Emmett ist aus der familiären Idylle früh ausgebrochen. Ihn hat es in die weite Welt verschlagen. Dort versucht er Gutes zu tun, findet aber auch keinen Anker im Leben. Beziehungen halten nie lange.Dan braucht ein halbes Leben um sich seiner Homosexualität zu stellen. Er lebt eine Zeitlang in Amerika zu einer Zeit in der Aids noch nicht so bekannt war. Viele seiner Freunde sterben daran.Rosleen, Mutter dieser vier Kinder, Witwe. Sie hat sich wenig um die Kinder gekümmert. Oft lag sie stunden- oder sogar tagelang im Bett und hat sich ihrer Welt hingegeben. Die Kinder wuchsen mehr oder weniger alleine auf.Im zweiten Teil geht s um das Weihnachtsfest, zu dem Rosaleen ihre Kinder eingeladen hat. Sie will ihnen mitteilen, dass sie das Haus verkaufen will. Aber irgendwie läuft wie immer alles aus dem Ruder …“And Spanish ale shall give you hope,My Dark Rosaleen,My own Rosaleen!” (Seite 202)Ehrlich gesagt habe ich mich mit diesem Buch sehr schwer getan. Keiner der Protagonisten ist mir ans Herz gewachsen. Ich mochte keinen von ihnen. Alle waren irgendwie nur mit sich selber beschäftigt. Das liegt sicherlich an Rosaleen, die durch ihre Art und Weise für mich keine gute Mutter war/ ist. Ihre Anliegen waren und sind immer wichtiger als die ihrer Kinder. So auch an dem Weihnachtsfest. Als schließlich Constance als die Ältere es endlich schafft sich von der Mutter zu „befreien“ passiert etwas, womit Rosaleen nicht gerechnet hat. Und hier liegt die Krux. Keines der Kinder hat es geschafft sich von der Mutter abzunabeln, obwohl diese so lieblos zu ihren Kindern war/ ist. Diese Lieblosigkeit hat die einzelnen Kinder sehr geprägt.Ein Buch, das sicherlich wegen der Familiengeschichte interessant ist, sich aber nicht leicht lesen lässt, weil die Protagonisten schwierig sind. Ein Buch, bei dem ich als Buchhändlerin nicht weiß wem ich es empfehlen soll/ kann.Aber macht euch bitte euer eigenes Bild oder auch nicht “Shall glad your heart, shall give you hope,Shall give you Health, and help, and hope,My Dark Rosaleen!” (Seite 203)

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    • 7
  • Emotional und berührend

    Rosaleens Fest
    Girdie

    Girdie

    22. December 2015 um 20:55

    Während nur noch ganz vereinzelt Blätter an Bäumen und Sträuchern hängen, beginnt Rosaleen, die Protagonistin im Buch „Rosaleens Fest“ von Anne Enright, im Jahr 2005 mit dem Schreiben von Weihnachtskarten. Sie ist 76 Jahre alt, ihr Mann längst verstorben und die inzwischen erwachsenen vier Kinder haben vor Jahren schon das Haus verlassen. Die Karten beinhalten wie jedes Jahr eine Einladung zum Fest im elterlichen Haus, der in den letzten Jahren aber nicht alle gefolgt sind. Diesmal ergänzt Rosaleen den Einladungstext um die Mitteilung, dass sie das Haus verkaufen wird. Ob das der Hauptgrund ist aus dem alle vier in diesem Jahr tatsächlich der Einladung folgen? Bevor Rosaleen erstmals in den Fokus des Lesers tritt, lernt dieser im ersten der beiden Romanteile die Geschwister kennen. Die Erzählung beginnt im Jahr 1980 und er begegnet dort Hanna, der Jüngsten, als Kind. So wird er ganz nebenbei auch mit den übrigen Familienmitgliedern bekannt. Die weiteren Kapitel nehmen in Zeitsprüngen jeweils eins der Geschwister in den Mittelpunkt. Anlass für den Halt bei der jeweiligen Person ist ein für sie bedeutendes Ereignis. Rund um diese Begebenheit erzählt die Autorin im Rückblick oder schildert die Gedankengänge des Charakters, stets im Schreibstil eines allwissenden Erzählers. Dabei schont sie niemanden und vermag es ein ums andere Mal genau die Schwachstelle im Leben der Person zu beschreiben, immer im Bewusstsein, dass ihr Charakter darüber Bescheid weiß. Es ist nicht das Außergewöhnliche, was den Inhalt des Buchs ausmacht, sondern das was uns im täglichen Leben begegnet und von dem wir alle schon gehört haben oder betroffen sind. Die Geschwister stehen mitten im Leben doch ihre Gedanken wandern immer wieder in ihre Heimat zu ihrer Mutter. Und sie sind sich bewusst, dass sie deren Erwartungen in Bezug auf Familie und Karriere zum größten Teil nicht erfüllt haben. Über die Jahre hinweg hat sich auch der Kontakt untereinander gelöst. Sie teilen ihre Ängste und Gefühle nicht miteinander. Selbst in ihrer neuen Umgebung haben sie keine Menschen denen sie sich vorbehaltslos anvertrauen können, jeder hat den Schein nach außen hin aufrecht zu halten, dass er das von ihm gewünschte Leben führt. Anne Enright bezieht den Leser mit der benutzen Wir-Form an einigen Stellen in ihre Geschichte ein, so dass er sich mitten in der beschriebenen Szene wiederfindet, die auch zu seinem eigenen Leben gehören könnte. Rosaleen ist der Reibungspunkt für alle vier Geschwister. Sie ist stolz auf ihre Kinder und ihre eigene Erziehung. Aus einem betuchten Haus kommend hat sie unter ihrem Stand geheiratet. Schon früh hat sie über körperliche Wehwehchen geklagt und darüber die Aufmerksamkeit der Geschwister eingefordert. Obwohl die beiden Männer ihr Glück weit entfernt gesucht haben konnten sie sich genau wie die jungen Frauen nicht vollständig von ihrer Mutter lösen. Ein schlechtes Gewissen hat sie immer dabei begleitet, ihren eigenen Vorstellungen beruflicher Ziele nachzugehen. Andererseits hat Rosaleen über ihre Erziehung scheinbar vergessen, dass ihre Kinder zu selbständig denkenden Menschen mit eigenen Sorgen und Problemen herangewachsen sind. Sie verschließt davor mehr oder weniger bewusst ihre Augen, blendet aus, womit sie sich in ihrem Alter nicht mehr auseinander setzen möchte, das in früheren Jahren aber auch nie gemacht hat. Sie war immer Rosaleen und hat ihre Perspektive nicht gewechselt. Ein Ereignis am Ende des Buchs bringt alle dazu, gemeinsam zu handeln. Es stimmt den Leser nachdenklich wie Rosaleens Familie als Zweckgemeinschaft funktionieren kann und bringt die Gedankengänge hin zum Vergeben, Vergessen und einem neuen Anfang. Die Autorin transportiert in ihrem Roman eine große Fülle Emotionen, die sie dank ihrer Beobachtungsgabe und Fähigkeit, das Gesehene, Erlebte und vielleicht Gelesene zu Papier zu bringen, glaubhaft macht. Die alltäglichen Geschichten mit ihren großen Gefühlen haben mich sehr berührt und finden sich in diesem Buch zu einer einzigen großen Erzählung zusammen in die jeder eventuell ein Teil von sich wiederfinden wird. Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.

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  • Eine tiefgründige und schonungslose Familiengeschichte

    Rosaleens Fest
    Hexchen123

    Hexchen123

    21. December 2015 um 09:48

    Ehrlich gesagt habe ich eine ganz andere Familiengeschichte erwartet, als jene, welche mich in „Rosaleens Fest“ erwartet hat. Anne Enright beschreibt nüchtern und unverblümt über diese ach so zerrüttete Familie. Der Roman gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil lernen wir die vier Geschwister und Rosaleen kennen. Hier ist zunächst Hanna, in ihrer Kindheit arm, später bildschön und doch versagt sie als Schauspielerin und flüchtet sich im Alkohl. Dan, der zunächst Priester werden wollte, homosexuell ist und nicht so richtig dazu stehen kann. Die Übergewichtige Constance, welche sich selbst aufgegeben hat und in ihrer Rolle als Mutter Zuflucht gefunden hat. Und schließlich noch Emmet, der als Entwicklungshelfer die Welt bereist und unfähig ist, eine feste Bindung einzugehen. Und schließlich noch Rosaleen. Rosaleen, die nie loslassen konnte und ihre Kinder mit ihrer Mutterliebe schier erdrückt hat. Auch auf hinterlistige Art und Weise. Heute ist sie depressiv und möchte nochmals mit allen Kindern ein letztes Weihnachtsfest feiern, bevor sie das Haus verkauft. Der zweite Teil spielt im Jahre 2005 und handelt von dem letzten Fest. Wer hier nun denkt, dass alle zusammen kommen um ein harmonisches Fest zu feiern, der wird leider enttäuscht. Das Weihnachtsfest läuft so ganz anders ab, als man sich dies vorgestellt hat. Anne Enright beschreibt hier sehr tiefgründig, teilweise schon poetisch, wie tief eine Familie verwurzelt ist. Emotionen kochen hoch, Hass wird unterdrückt, Liebe ist vorhanden, Mutterliebe kann erdrückend sein und dennoch haben alle Kinder ein verletztes Selbst, eine verletzte Seele. Und die komplette Abnabelung vom Elternhaus hat bis heute noch nicht funktionert, es ist ja schließlich die Mutter. Auch Rosaleen erkennt, welche Fehler sie gemacht hat. Doch nun, mit über 70 Jahren, ist fast nichts wieder gut zu machen. Und jedes ihrer Kinder muss sich selbst durchs Leben kämpfen und versuchen, mit der Vergangenheit klar zu kommen. Fazit Diese Familiengeschichte ist nüchtern und aus dem Leben geschrieben. Sehr viele emotionale Begebenheiten lassen einen die Wahrheit zwischen den Zeilen erkennen. Schonungslos und offen, manchmal nicht gleich zu verstehen, ist es doch ein Buch, welches man gelesen haben sollte.

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  • emotionaler Familienroman mit kleineren Schwächen

    Rosaleens Fest
    charmingbooks

    charmingbooks

    15. December 2015 um 14:14

    Klappentext: Rosaleen ist eine Frau, die nichts tut und von den anderen alles erwartet. Sie ist Mitte siebzig, die vier Kinder sind schon lange aus dem Haus. Die Brüder Dan und Emmett sind vor der Enge der irischen Heimat in die Ferne geflohen; das Nesthäkchen Hanna wollte auf den Theaterbühnen der Welt reüssieren, spricht aber nun dem Alkohol zu, und Constance, die Älteste, hat sich selbst verloren. Doch abgenabelt hat sich keines der Kinder. Noch immer versucht jedes auf seine Weise, es dieser besten aller Mütter recht zu machen. Und scheitert. Da kommt die Einladung zu einem letzten Weihnachtsfest in Ardeevin. Rosaleen möchte das Haus, in dem die Kinder groß geworden sind, das voller Erinnerungen an glückliche Momente und Verletzungen steckt, verkaufen. Die Geschwister reisen mit diffuser Hoffnung auf Versöhnung an – und doch endet es, wie noch jedes Weihnachten geendet hat. Booker-Preisträgerin Anne Enright wagt sich auf den dunklen Grund unserer Gefühle, studiert menschliches Verhalten dort, wo es am störanfälligsten ist, wo Liebe und Hass nahe beieinander liegen und es kein oder zumindest kein einfaches Entrinnen gibt: in der Familie.   Meinung: Als der Verlag das Buch über das Bloggerportal ankündigte, war ich vom Klappentext fasziniert. Es hörte sich wie ein dramatisch emotionaler Fammilienroman an und ließ nicht erkennen ob mit oder ohne Happy End.  Ich fragte das Buch auf jedenfall an und war sehr erfreut als ich es lesen durfte. Von der Autorin hatte ich zwar schon mal gehört, aber noch kein Buch gelesen. Der Einstieg ins Buch hat mir schon sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und leicht und lässt einen problemlos ins Buch finden. Es ist aus mehreren Sichtweisen geschrieben und gewährt einen Einblick auf das Leben der Kinder, Hanna - Dan - Emmet - Constanze. Aller Leben, auch das der Mutter Rosaleen wird auseinander genommen und dargelegt. Man erkennt wie zerstörerisch die Macht einer Mutter sein kann und wie negativ sich das auf das weitere Leben der Kinder auswirken kann. Dieses Buch vermittelt quasi die Abnabelung der Kinder zur Mutter, verdeutlichen aber auch das keines der Kinder wirklich ohne Rosaleen sein kann und wie die ganze Bande wieder zusammen kommt. Anne Enright hat eine fantastische Art die Dramatogie eine Familienlebens darzustellen und aufzuschlüsseln. Emotionale Momente begleiten einem beim lesen dieses Buches und rühren einen zutiefst. Man entwickelt sympathie und antipathien und kann sich sehr gut in die ganze Familie, jeden einzelnen Menschen, hineinversetzen. Fazit: Bis auf ein paar kleinere Schwächen, die dieses Buch leider für mich beinhaltet, hat es mir sehr gut gefallen. Wer auf ein emotionales Werk und eine Familiengeschichte nicht abgeneigt ist, wird hier ein wunderbares Buch vorfinden.

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  • Weihnachten, das Fest der Familie

    Rosaleens Fest
    Alexandra_Luchs

    Alexandra_Luchs

    06. December 2015 um 18:42

    Rosaleen ist Mitte siebzig und lebt mittlerweile allein im großen Familienanwesen. Die vier Kinder sind längst erwachsen, ausgezogen und leben ihre eigenen Leben. Zu Weihnachten jedoch erwartet die Mutter eine vollständige Familie und ein perfektes Fest. Constance, die Älteste, schuftet für ein festliches Weihnachtsessen, Hanna, die Künstlerin der Familie, versucht nüchtern zu wirken und die Brüder Dan und Emmett tragen zumindest ihre Anwesenheit bei. Doch statt eines besinnlichen Familienabends endet es, wie noch jedes Weihnachtsfest geendet hat. Der erste Teil des Romans ist wie eine Sammlung von Kurzgeschichten zu lesen. In einzelnen Kapiteln werden die Familienmitglieder vorgestellt und jeweils ganz individuelle Situationen umschrieben. So lernen wir die Charaktere und ihre Eigenarten direkt kennen, erfahren einiges über ihre Wünsche und Ziele und ihre Position innerhalb der Familie. Erst im zweiten Teil des Buches kommen alle beim eigentlichen Weihnachtsfest zusammen. Die verschiedensten Konflikte und unerfüllten Wünsche treten zutage und die Geschichte bekommt eine spannende Dynamik. Grundthemen des Buches sind für mich Nähe und das Reifen. Alle Kinder Rosaleens sind längst Erwachsen, müssen sich aber dennoch neben der Mutter behaupten, fühlen sich ihr gegenüber gezwungen. Auch Rosaleen beweist, dass nicht Alter allein klug macht, zeigt Schwächen und stößt ihre Familie von sich weg. So schwanken alle zwischen Distanz und Liebe. Zwar sind die Figuren zum Teil extrem, die Situationen sind auf jeden Fall authentisch umschrieben. „Rosaleens Fest“ war für mich eine wirklich beeindruckende Lektüre. Die Charaktere sind sehr authentisch und (wie im Falle von Rosaleen) ehrlich umschrieben, nicht jeder ist wirklich ein Sympathieträger aber wie es in Familien eben so ist, nimmt man sie alle wie sie sind. Außerdem hat mich der sprachgewaltige Stil der Geschichte fasziniert. Einfachste Situationen werden beeindruckend beschrieben. Detailliert aber nicht überfrachtet und mit einer Menge Bedeutung hinter den einfachsten Szenen. Einziger Wermutstropfen sind einige für meinen Geschmack zu weite Abschweifungen. So werden einzelne Spannungen angedeutet aber nicht wieder aufgegriffen. Hannas Alkoholkonsum zum Beispiel wird als Problem thematisiert, dann aber weitestgehend ignoriert. Einige Themen aus dem ersten Teil des Buches wurden im zweiten Abschnitt toll aufgegriffen und verbunden, doch einige lose Fäden hinterließen bei mir das Gefühl, dass da „was fehlt“. Unterm Strich vergebe ich überzeugte 4 von 5 Sternen. Kein ganz perfektes Buch aber eine spannende Lektüre die Spannung zwischen individueller Entwicklung und der Erwartung innerhalb von Familien.

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  • bewegende Familiengeschichte......

    Rosaleens Fest
    steffis-und-heikes-Lesezauber

    steffis-und-heikes-Lesezauber

    03. December 2015 um 06:55

    Kurzbeschreibung Rosaleen ist eine Frau, die nichts tut und von den anderen alles erwartet. Sie ist Mitte siebzig, die vier Kinder sind schon lange aus dem Haus. Die Brüder Dan und Emmett sind vor der Enge der irischen Heimat in die Ferne geflohen; das Nesthäkchen Hanna wollte auf den Theaterbühnen der Welt reüssieren, spricht aber nun dem Alkohol zu, und Constance, die Älteste, hat sich selbst verloren. Doch abgenabelt hat sich keines der Kinder. Noch immer versucht jedes auf seine Weise, es dieser besten aller Mütter recht zu machen. Und scheitert. Da kommt die Einladung zu einem letzten Weihnachtsfest in Ardeevin. Rosaleen möchte das Haus, in dem die Kinder groß geworden sind, das voller Erinnerungen an glückliche Momente und Verletzungen steckt, verkaufen. Die Geschwister reisen mit diffuser Hoffnung auf Versöhnung an – und doch endet es, wie noch jedes Weihnachten geendet hat. Meinung Als ich die Anfrage vom Verlag bekam und den Klappentext las, dachte ich mir, ja…dies könnte ein toller Familienroman werden. Von der Autorin selbst habe ich noch nichts gelesen und somit war ich ganz gespannt darauf…. Vorab mal gesagt, dieses Buch war anders, als ich gedacht hätte. Große Gefühle stehen im Mittelpunkt. Vor allem die Liebe und der Hass in der Familie. Eine Mutter die nicht loslassen kann und damit ihre Kinder nur noch weiter von sich weg drängt. Es kommt zu vielen Komplikationen und Missverständnissen und am Ende, da passiert noch etwas Ausschlaggebendes, denken alle über ihre Meinungen und Verhaltensweisen nach. Der Einstieg war ganz ok. Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Teil 1 beinhaltet den Abschied und das Loslassen von Rosaleen zu ihren 4 Kindern. Sie sind erwachsen und jeder möchte seinen eigenen Weg gehen. Leider kommt die Mutter damit nicht so zurecht und steigert sich in Depressionen hinein. Bei den Kindern, Constance, Emmet, Dan und Hanna läuft auch nicht so alles rund wie es sollte und somit sind sie eigentlich nur von ihrer Mutter genervt und flüchten so weit wie möglich. Dennoch ganz abnabeln können sie sich nicht, sie wollen ja doch der Rosaleen alles recht machen. Dies klappt aber nur bedingt und Rosaleen wird immer mürrischer und nerviger. Im zweiten Teil erfuhr ich über die Rückkehr der Kinder zur Mutter. Alle haben sich seit Jahren nicht mehr gesehen und so sah dann natürlich auch das Wiedersehen aus. Die Charaktere fand ich ganz gut beschrieben. Jeder hat seine Schwächen und Stärken und wurde von der Autorin genau richtig in Szene gesetzt. Rosaleen hat mich zeitweise etwas mit ihrer Mutterliebe genervt, zum Ende hin verstand ich sie aber besser und kam auch mit ihrer Person klar. Den Schreibstil von Frau Enright empfand ich als sehr angenehm und das Buch ließ sich schnell und flüssig lesen. Die Kapitel waren für meinen Geschmack manchmal etwas zu lang. Cover Ein schönes Cover mit weißem Hintergrund und roten Blättern, dass man auf jeden Fall in die Hand nehmen möchte. Fazit „Rosaleens Fest“ ist eine bewegende Familiengeschichte, mit vielen Emotionen und Gefühlen, sei es positiv oder negativ, mit vielen Schicksalen und Tragödien. Es zeigte mir auf, wie das Leben so wirklich sein kann. Ich fand es recht gut, aber es hätte bestimmt noch etwas mehr herausgeholt werden können. Somit vergebe ich sehr gute 3 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung.

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  • Gnadfenlos ehrlich - ungefiltert

    Rosaleens Fest
    gsimak

    gsimak

    Gnadenlos ehrlich - ungefiltert lasst Euch nicht von dem herbstlichen Cover täuschen, bei dem man eine zarte Familiengeschichte erahnen möchte. Vielmehr geht es um eine Geschichte, die kein Blatt vor den Mund nimmt.Gleich im ersten Teil erleben wir eine Rosalee, die nicht dulden kann wenn jemand seinen eigenen Weg gehen möchte. Ihr Sohn Dan möchte Pfarrer werden. Rosaleen verlässt daraufhin lange Zeit ihr Bett nicht mehr.  Jahre danach gehen Rosaleens erwachsene Kinder ihren eigenen Weg. Rosaleen fühlt sich verlassen. Sie sieht gar nicht ein, dass ihre Kinder eigenständige Persönlichkeiten sind.Hanna begräbt ihren Traum zur Schauspielerei in Ehefrust und Alkohol. Ihr einziger Lichtblick ist ihr Baby.Constance verwandelt sich in eine übereifrige Hausfrau und Mutter von vier Kindern. Ihr Körpervolumen wird immer umfangreicher.Dan wird kein Pfarrer. Er hat mich von allen Kindern am meisten überrascht.Emmet verschlägt es nach Afrika, wo er den armen Menschen helfen will. Für ihn zählt nichts anderes mehr. Als sein Vater im Sterben liegt,  kehrt er für kurze Zeit nach Ardeevin und begleitet ihn auf seinem letzten Weg. Rosalee ist passiv wie eh und je. Außer einmal, als sie zu einem letzten Weihnachtsfest ihre Kinder einlädt. Meine Meinung Die Autorin schreibt knallhart; bei ihr wird nichts beschönigt. Sei es wenn sie von der Schwulenszene in den 80iger Jahren schreibt oder von Hausfrauen die deprimiert ihr Dasein fristen. Die Geschichte erzählt uns von einer Familie, in der Kinder sich vom Elternhaus lösen wollen. Dan und Emmet ziehen in die Ferne und denken eigentlich selten an ihre Mutter. Dan braucht Jahre um um sich selber zu stehen. Emmet muss lernen einzusehen, dass er nicht alles Elend dieser Welt beseitigen kann.Hannah führt eine Ehe, bei der ich nicht ganz durchblicke. Ist sie gut oder schlecht? Warum trinkt sie? Wegen ihrer versäumten Chancen als Schauspielerin? Auch sie hat selten Kontakt zu ihrer Mutter. Ihr Baby liebt sie heiß und innig.Constance ist in der Hausfrauenfalle gefangen. Sie ist die Einzige, die sich ständig für ihre egoistische Mutter verantwortlich fühlt. Ich denke, ihre Ehe ist nicht schlecht und ihre vier Kinder wohlgeraten. Rosalee lebt nun allein in dem großen Haus im irischen Ardeevin und wartet, dass etwas passiert.  Ich konnte für Rosalee keine Sympathie entwickeln, da sie sich eigentlich nur für sich selber interessiert hatte. Als ihre Kinder noch im Haus waren, mussten diese sich oft um sie kümmern.  Dan fand ich nett; jedoch hatte auch er nur sein eigenes Leben im Kopf. Vor Emmet hatte ich großen Respekt. Seine soziale Ader kannte keine Grenzen und er verzichtete auf jeglichen Luxus. Besonders gepunktet hat er bei mir, als er bei seinem Vater Sterbebegleitung machte.Hannah und Constance kamen mir von den vier Kindern am unglücklichsten vor. Fazit Rosaleens Fest ist eine der besten Familiengeschichten die ich bisher gelesen habe. Schreibstil und Ausdrucksweise heben sich sehr stark vom Einheitsbrei ab. Die Autorin spielt mit Worten und ist dabei gnadenlos ehrlich.Wir erleben mit, dass es unmöglich ist, sich von der eigenen Mutter komplett zu lösen. Egal wie untauglich diese auch war. Das ist besonders beim letzten Weihnachtsfest zu spüren. Verkrampft sind alle Kinder bemüht, dieses Fest harmonisch zu gestalten. Keiner kennt den anderen richtig. Streitereien sind beim Fest vorprogrammiert und alle vier Kinder werden es nie vergessen, da Rosalee das Weihnachtsfest verlässt und verschwunden bleibt.  Ich war sehr gespannt, wie dieses Fest ausgeht. Es war deutlich zu spüren, dass die Vier an ihrer Mutter hängen. Egal wohin man reist, wie lange man seine Mutter nicht gesehen hat, sie ist immer und überall präsent. Sie formt das Leben ihrer Kinder mit. Rosalee hat das geschafft, ohne dabei aktiv zu werden. Der Schreibstil ist stellenweise richtig derb, bringt aber die verschiedenen Situationen voll zur Geltung. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Danke Anne Enright 5 Sterne

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    • 3
  • Ein mit großer Meisterschaft geschriebenes Buch

    Rosaleens Fest
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    30. November 2015 um 12:55

    In ihrem neuen Roman "Rosaleens Fest", der für die Auszeichnung des Booker -Preises 2015 nominiert war, den sie vor Jahren mit ihrem Buch "Familientreffen" schon einmal gewann,  geht es wieder einmal um eines der Lieblingsthemen und -sujets der irischen Schriftstellerin Anne Enright. Die Familie,  was sie zusammenhält und charakterisiert,  wie Kinder von ihr geprägt werden, vor allen Dingen von starken Mutterfiguren, wie sie versuchen,  ihr in ein eigenes Leben zu entfliehen und wie sie am Ende doch anerkennen müssen,  dass das Zuhause nicht nur der Ort ist, wo die unterschiedlichen Lebensprobleme begannen,  sondern erstaunlicherweise auch der, wo sie gelöst werden können. Rosaleen ist in der Gegenwartsebene des Buches, also im Jahr 2005, als sie ihre vier Kinder zu Weihnachten nach Hause ruft,  etwa Mitte siebzig Jahre alt. Sie hat zwei Söhne,  Dan, der zunächst Priester werden wollte und Emmet. Dan ist homosexuell und geht bald nach Amerika,  wo ihn Anne Enright im ersten Teil des Buches in den achtziger Jahren begleitet, als Aids noch auf eine vernichtende und meist tödliche Weise in der Schwulenszene wütete. Emmet hat sich der Entwicklungshilfe verschrieben. Auch ihm und seinem Leben und seinen immer wieder von bitterer Enttäuschung heimgesuchten Idealen folgt Anne Enright über eine lange Strecke.  Ihr gelingt es hervorragend an diesen beiden in die Ferne geflohenen Söhnen etwas zu zeigen von einer Welt,  die in diesem Zeitraum der achtziger und neunziger Jahre schon beginnt sich zu globalisieren und an vielen Orten aus den Fugen gerät und nicht nur in Irland sondern überall Krisen, Chaos und Elend produziert. Doch die beiden Töchter Rosaleens, das Nesthäkchen Hanna, die nach enttäuschten Theaterambitionen in  der traurigen Welt des Alkohols und Selbstmitleids hart gelandet ist und die Familienfrau und Mutter Constance, die sich leer gebrannt und in der Aufopferung für ihre Familie selbst verloren hat, haben sich von ihrer Mutter und Familie ebensowenig abgenabelt und selbständig gemacht wie ihre Brüder, die die Lösung in einer mit Freiheit imaginierten Fremde gesucht haben.  Jeder auf seine eigene Weise, meist nicht recht bewusst, versucht sein Leben so zu führen,  als ob er es als Kind der trotz allem geliebten Mutter recht machen wollte. In wechselnden chronologisch geordneten Rückblicken verfolgt Anne Enright das Leben der vier Kinder und ihrer Mutter von 1980 bis zu jenem Winter 2005, als Rosaleen ihre Kinder zum Weihnachtsfest einlädt, wo sie ihnen offenbaren will, dass sie das Haus in Ardeevin, in dem die vier Geschwister aufgewachsen sind und mit dem sie die widersprüchlichsten Erinnerungen verbinden, verkaufen möchte. Alle reisen pünktlich an mit Gedanken und Hoffnungen auf so etwas wie Versöhnung mit einer nie wirklich mit ihrem Leben zufriedenen Mutter.  Doch was sie erleben, scheint altbekannte und eingespielt. Same procedure as every year. "Rosaleens Fest" ist ein dichter Familienroman, der sich hinabwagt in die Gründe und Abgründe von Liebe und Hass,  der menschliches Verhalten und Fehlverhalten schonungslos beschreibt und dennoch voller Verständnis ist für seine allesamt irgendwie gescheiterten Figuren.  Und vor allen Dingen voller Hochachtung dafür, was eine Familie und was eine Mutter bei allen Schwächen und Fehlern leisten und bedeuten. Mit einer enormen emotionalen Wucht will der Roman zeigen und in Erinnerung rufen, was das Leben wirklich ausmacht. Ein mit großer Meisterschaft geschriebenes Buch.

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  • Eine bewegende Familiengeschichte die durchTiefgründigkeit und Leben hervorsticht

    Rosaleens Fest
    aly53

    aly53

    15. November 2015 um 22:36

    Als ich in dieses Buch eingetaucht bin, hatte ich mich auf eine etwas andere Familiengeschichte eingestellt. Doch was mich letztendlich erwartet hat, war so ganz anders, als ich mir hätte träumen lassen. Rosaleen ist das Familienoberhaupt der Familie Madigan, ihr Mann ist schon früh von Ihnen gegangen. Im ersten Teil des Buches erfahren wir viel über ihre Kinder. Dabei ist jedes einzelne Schicksal unglaublich drückend, fesselnd und emotional beschrieben. Das ganze bewegt sich im Zeitraum von 25 Jahren. Dabei haben alle unterschiedliche Bürden zu tragen. Aber alle haben sie eins gemeinsam. Ihre Verzweiflung und Ausweglosigkeit zieht sich durch das ganze Buch. Sie sind getrieben von inneren Dämonen und kommen einfach nicht zur Ruhe. Als erstes hätten wir Hanna, sie lernen wir anfangs als Kind kennen, auch da mochte ich sie schon, dennoch , ihr Lebensweg ist voller Unzufriedenheit, schließlich wendet sie sich dem Alkohol zu. Dan ist ein stattllicher Mann, der Probleme hat, seiner Umwelt und sich selbst seine wahre sexuelle Orientierung einzugestehen. Dadurch ist gerade sein Lebensabschnitt ziemlich bewegend und emotional gehalten. Was zwischen den Zeilen stand hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gestimmt. Auch Emmet hat so seine ganz eigenen Probleme. Und schließlich ist da noch Constanze, die mit einer schweren Bürde belastet wird. Auch sie und ihr Schicksal haben mich sehr berührt. Nun nach Jahren möchte Rosaleen endlich wieder alle gemeinsam zu einem letzten Weihnachtsfest da haben. Doch werden sie kommen? Sie sind schließlich damals geflohen, um sich selbst zu finden. Um von Rosaleen wegzukommen. Wenn man die einzelnen Geschichten liest, bemerkt man immer wieder, wie wenig sie Rosaleen mögen. Aber ist dem wirklich so? Erst als etwas tragendes passiert, spüren sie was sie wirklich empfinden. Doch ist es da bereits zu spät? Rosaleen selbst wirkte auch sehr verletzlich und einsam auf mich. Unzufrieden mit ihrem Leben, versucht sie ihre Kinder an sich zu binden. Mit schonungsloser Klarheit und auf sehr intensive Art und Weise, bringt uns die Autorin jedes einzelne Schicksal näher. Sie zeigt uns, worauf es letztendlich ankommt im Leben und was die Familie an sich wirklich bedeutet. Aber sie zeigt uns auch was am Ende noch geblieben ist. Die Charaktere entwickeln dabei eine sehr gute Tiefe, man lernt sie sehr gut kennen, dadurch entwickelt man immer mehr Bezüge zu ihnen und lernt mit Ihnen zu leiden und zu fiebern. man fühlt sich ihnen auf eine ganz eigene Art und Weise verbunden. Es ist eine Familiengeschichte die mitunter mitnimmt und nicht kaltlässt. Mich hat sie sehr berührt, gerade weil die Autorin es auf sehr eindringliche Art und Weise beschreibt. Auch die Beschreibungen der Umgebungen und der Gefühle der Charakteren lassen alles noch intensiver und realer erscheinen. Dieses Buch spricht nicht von Glückseligkeit und Harmonie pur. Durch dieses Buch zeiht sich eine Welle durch Verzweiflung, Ängste und Selbstfindung. Uns wird sehr gut aufgezeigt, was hinter der Fassade steckt und das hat mir sehr gut gefallen. Auch begreift man hier wie nah Liebe und Hass beeinander liegen. Ich empfand dieses Buch als etwas schwermütig und drückend. Aber genau diese Atmosphäre unterstreicht den Inhalt nur noch mal. Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt , auch wenn  mitunter ein paar Längen entstanden sind. Die Charaktere wirken allesamt authentisch und klar beschrieben. Ihre Handlungen und Gedanken sind stets gut nachvollziehbar gestaltet. Die Handlung ist gut durchstrukturiert und überzeugt durch schonungslose Wahrheit, am Ende gab es so gar noch etwas, das mich selbst überrascht hat. Hierbei erfahren wir die einzelnen Lebenswege von Dan, Hanna, Emmet, Constanze und Rosaleen aus der Sicht des Erzählers. Das hat mir ziemlich gut gefallen, denn dadurch konnte man alles aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Auch Schicksale die nichts mit dieser Familie zutun haben, haben mich sehr bewegt. Das Buch ist in zwei Teile unterteilt, die einzelnen Kapitel haben eine normale Länge. Das Buch spielt sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Der Schreibstil der Autorin ist intensiv und stark einnehmend, aber auch sehr mitreißend gestaltet. Die Spannung ist eher unterschellig spürbar, jedoch immer vorhanden. Das Cover hat eine ganz bestimmt Bedeutung, die sich mir auch erschlossen hat, dennoch hat mir daran etwas das dunkle gefehlt. Der Titel passt jedoch hervorragend. Fazit: Eine bewegende Familiengeschichte die durchTiefgründigkeit und Leben hervorsticht. Hier blickt man hinter die Fassade und wird mit schonungsloser Wahrheit und bewegenden Schicksalen konfrontiert. Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt. Eine klare Leseempfehlung. Ich vergebe 5 von 5 Punkten

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