Die Treibjagd

von Antonin Varenne 
4,2 Sterne bei18 Bewertungen
Die Treibjagd
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Barbara62s avatar

Fest zementierte Clanstrukturen geraten ins Wanken.

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Spannend bis zur letzten Seite.

Alle 18 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die Treibjagd"

Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328101567
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:13.06.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 8 Monaten
    Es geht hoch her in Frankreichs Bergen

    Der Anfang: »›Als ich geboren wurde, war R. noch eine Stadt. Vierhundert Leute haben bei Phillips in der Fabrik gearbeitet. Es gab genauso viel Gründe, hier zu leben, wie anderswo.«

    Ein kleines Dorf im Zentralmassiv in Frankreich wird von zwei rivalisierenden Familien beherrscht. Den Courbiers gehören die Wälder, das Holzunternehmen, den Messenets die Agrarländereien, sie betreiben Landwirtschaft. Rémi Parrot ist von Beruf Revierjäger, hält den Wald in Ordnung, mischt sich nicht in die Familienfehden ein, was nicht immer leichtfällt. Sein Großvater wanderte einst aus der Bretagne ein, darum wird Rémi niemals als Einheimischer anerkannt werden. Die Stadt ist zum Kaff verfallen, die Zeit der Gerbereien, Spinnereien, Tuchfabriken ist vorbei. Heute ist der größte Arbeitgeber das Courbier-Holzunternehmen TechBois.


    »Im Val Ver herrschte wieder Ruhe. Das Wasser des Sees spiegelte den Himmel, und die Äste bogen sich unter dem Gewicht des frischen Laubs. Sonnenstrahlen durchschossen die Blätter und luden sie mit Licht und Energie auf.«


    Rémis bereitet die jährliche Jagd vor, ist immer auf der Suche nach seinem Freund Philippe, den sie »Ökofritze« oder »Ökoterrorist« nennen, der spurlos verschwunden ist. Rémi geht davon aus, nur noch seine Leiche zu finden. Er war irgendeiner Sache auf der Spur. Die Ruhe trügt.

    »Dennoch wussten diejenigen, die ihn kannten, Bescheid: Paul Courbier war der schlauste und durchtriebenste Geschäftsmann der Region, vergleichbar nur mit dem alten Messenet. Die beiden Alten hatten die Hälfte der kleinen Höfe der Gegend aufgekauft. Paul Corbiers Wort, so hieß es, war nur in einem einzigen Fall von Wert: Wenn er geschworen hatte, jemandem den Garaus zu machen.«

    Obwohl sich Rémi aus allen heraushält, ist der Einzelgänger nicht sehr beliebt, er ist starrköpfig (aber das sind hier alle). Verunstaltet durch einen Unfall, bei der Feldarbeit hat ihm vor vielen Jahren eine Zapfwelle den Kopf zerschmettert, plagen ihn höllische Schmerzen. Narben durchziehen sein Gesicht, er ist tablettensüchtig. Damals hatte er etwas mit Michèle Messenet, was der arroganten Familie nicht passte. Sie ist weggezogen. Doch plötzlich ist sie zurück. Wegen Rémi? Bei der großen Jagd wird Rémi, der Jagdführer, angeschossen, oben auf dem Hochsitz, also nicht zu verwechseln mit einem Wildschwein. Wildwestschießereien, Sabotage, Brände, wildernde Sintis, Höhlenforscher, Umweltskandal, Selbstjustiz: Courbiers gegen Messenets und die Gitanes sind sowieso an allem schuld.

    »Du hältst dich raus Parrot. Wir wissen genau, dass du zu den Sinti hältst und sie sogar auf deinem Gebiet jagen lässt. Diesmal wird uns keine Polizei davon abhalten, uns um diese Sache zu kümmern.«

    Varenne hat das Buch auf mehreren Zeitebenen spielen lassen, springt in die Vergangenheit und nach vorn. Der Wald, das Dunkel des Tals, die Einsamkeit, der Geruch, die Stille des Waldes, aber auch der eingefleischte Zusammenhalt, die Dickköpfigkeit der Bevölkerung, ist spürbar, Provinz pur. Auf der einen Seite finde ich das Buch recht gut, doch bis zur Mitte habe ich mich durchkämpfen müssen, es immer wieder weggelegt. Ab da kommt Leben in die Geschichte und der Roman wird wirklich spannend. Veränderung der Industriegebiete, Zerfall von Regionen, Umweltaspekte, es werden interessante Themen angesprochen. Antonine Varenne schreibt eindringlich, sein erzählerischer Stil hat mir gefallen, auch wenn ich den Anfang ein wenig zäh empfand. Durchhalten am Anfang, es lohnt sich.

    Antonin Varenne hat Philosophie studiert, was als Hochhauskletterer und Zimmermann tätig. Für seine Krimis erhielt er in Frankreich wichtige Preise, sie gehören zu den Bestsellern in Frankreich.

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Fest zementierte Clanstrukturen geraten ins Wanken.
    Alte Clanstrukturen im Massif Central

    Vor acht Jahren hat Michèle Messenet ihre kleine Heimatstadt im Massif Central verlassen, um allem, was sie hasste, zu entfliehen. Nach einem Absturz in die Drogensucht und einem Gefängnisaufenthalt ist sie nun zurückgekehrt. Wegen ihres kranken Vaters? Weil sie ihren Frieden mit ihrem Geburtsort machen will? Oder vielmehr wegen ihrer Jugendliebe Rémi Parrot, der nach einem Unfall im Alter von 15 Jahren, nach zwei Jahren im Krankenhaus und 28 chirurgischen Eingriffen mit chronischen Schmerzen und einer Codeinabhängigkeit als „Monstergesicht“ lebt?


    Michèle ist Teil des Familienclans der Messenets, neben den Courbiers der beherrschende Familienverband in einer Region, in der Körperkraft und Verwandtschaft die wichtigsten Merkmale sind. Die beiden Großgrundbesitzerfamilien regieren schon seit Generationen ohne Rücksicht auf die Menschen, polarisieren die Bewohner, haben die Politiker in der Hand und degradieren die Staatsmacht zu einer marginalen Größe. Befassen sich die Courbiers mit der Holzwirtschaft, so machen die Messenets ihr Geld mit Vieh. Auch die Familie von Rémi, die erst in der dritten Generation hier lebt, konnte nie Fuß fassen und eine Verbindung zwischen dem Parrot-Enkel und der Messenet-Tochter war (und ist) für Michèles Familie undenkbar. Rémi hat sein Land vor einiger Zeit an die Platzhirsche verkauft, sich in die Waldhütte Terre Noire zurückgezogen, dem letzten Stück des Parrot-Hofs, und arbeitet als Revierjäger. Die Rückkehr von Michèle und das Verschwinden seines Freundes, des Waldaufsehers und Umweltaktivisten Philippe kurz vor der jährlich stattfindenden großen Treibjagd, reißen Rémi aus seinem zurückgezogenen Leben. Eine Lawine kommt ins Rollen, plötzlich tut sich die Chance auf, die seit alters zementierte Ordnung zu überwinden…


    Glaubt man dem sehr atmosphärisch gestalteten Cover, so handelt es sich bei "Die Treibjagd" des Franzosen Antoine Varenne um einen Roman, für mich ist es jedoch eher ein psychologischer Krimi oder  Thriller. Die nicht-chronologische Erzählweise stellt in diesem Fall hohe Anforderungen an die Konzentration der Leser, zumal die Überschriften in Bezug auf die zeitliche Abfolge eher zum Rätseln einladen. Da mit den Kapiteln auch die Perspektiven wechseln und immer wieder polizeiliche Vernehmungen von Michèle und Rémi eingestreut sind, die zum Teil Ereignisse vorwegnehmen, habe ich einige Zeit gebraucht, um mich in der Geschichte zurechtzufinden. Dann allerdings habe ich die in einer düsteren, rauen und doch faszinierenden Landschaft angesiedelte Handlung um despotische Familienclans, Machtspiele, Rache, Gerechtigkeit, verletzte Seelen und nicht zuletzt Liebe mit großer Spannung verfolgt und die Puzzleteile Stück für Stück zusammengesetzt.


    Ein Wort noch zur Herstellung des Taschenbuchs: Der recht enge Druck bis dicht an die Buchmitte führt dazu, dass man das Buch mit Kraft aufhalten muss, ja, es scheint sich der Lektüre förmlich zu widersetzen. Ich würde in diesem Fall eine leserfreundlichere Ausstattung bevorzugen, auch wenn der Preis dadurch etwas höher wäre.


    http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/antoine-varenne-die-treibjagd/

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    Wortverzaubertes avatar
    Wortverzaubertevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannend bis zur letzten Seite.
    Romeo und Julia lassen grüßen!

    Inhalt

    In einem kleinen französischen Dorf steht der Förster Rémi Parrot zwischen den Stühlen. Er muss sich gegen die zwei rivalisierenden Familien Messenet und Courbier behaupten. Hinzu kommt noch, dass er sich in die schöne Michèle Messenet verliebt hat und um deren Gunst buhlt. Doch es dauert nicht lange und Rémi kommt einem Umweltskandal erster Güte auf die Spur. Dies führt schlussendlich zu einer mörderischen Treibjagd, aus deren Fängen sich Rémi befreien muss und nicht weiß, wer Freund oder Feind ist...

    Meine Eindrücke

    Als ich das Buch anfing zu lesen, war ich von der Erzählweise absolut geplättet. Der Plot war einfach raffiniert geschrieben. Was mir auch sympathisch war, waren die Bezüge zu William Shakespeare, den ich einfach Klasse finde. Denn bei den Beschreibungen der Rivalität zwischen den zwei Familien Messenet und Courbier glaubt man, man sei in Verona und erlebe die Fehde zwischen den Capulets und Montagues aus "Romeo und Julia" noch einmal hautnah mit. Für solche Geschichten bin ich immer sehr empfänglich. :)

    Fazit

    Antonin Varenne erzählt packend eine Krimigeschichte, die ihresgleichen sucht. Durch den Aufbau, der der Struktur von der "Göttlichen Komödie" aus der Feder Dantes gleicht, wirkt der Krimi noch intensiver und fesselnder auf den Leser. Der Plot war von der ersten bis zur letzten Seite gut durchdacht. Dank der Rückblenden wurde der nötige Spannungsbogen - den ein guter Krimi braucht - erreicht und der Leser kam so auf seine Kosten. Jeder, der die Krimis von Agatha Christie und Claude Chabrol liebt, wird diesen Krimi lieben und nicht mehr aus den Händen legen wollen.

    Am Ende heißt es für mich: Ich gebe dem Krimi 5/5 Sternen.

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    MellieJos avatar
    MellieJovor einem Jahr
    Kurzmeinung: alte Geschichte neu und gut erzählt
    alte Geschichte neu und gut erzählt

    4,5 von 5 🌟 alte Geschichte neu und gut erzählt 


    Inhalt 
    Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft. 


    Hui, ein für mich ganz neuer Schriftsteller, aber wohl in Frankreich mehr als nur ein Geheimtipp. Dementsprechend war ich dann doch gespannt, was auf mich zukommt. 


    Erster Gedanke nach dem Klappentext war, Romeo und Julia in Frankreich. Zwei verfeindete Familien und eine tiefe Liebe ❤! Diese Ähnlichkeiten sind auch das einzige Manko an diesem Thriller. 


    Das Cover vermittelt passend zur Geschichte eine Beklommenheit aus, der Fluss, der dunkel durch eine karge Landschaft schlängelt. Auf der Rückseite steht einsam und verlassen eine Gestalt vor dem Meer. Tolle Gestaltung! 


    Der Schreibstil ist flüssig und absolut fesselnd, man verspürt einen Sog, der ein regelrecht in die Handlung reinzieht! 


    Der junge Revierjäger, Rémi Parrot ist ein Fremder und im Gesicht nach einem Unfall in der Jugend entstellt, dementsprechend argwöhnisch wird er begutachtet und für sein Land geneidet. Er ist aufgrund des gesellschaftlichen Ausschluss sehr einsam bis er seine Jugendliebe Michèle wieder trifft. 


    Ich finde Rémi sehr sympathisch, ein starker Charakter, der nicht wie so oft bei Protagonisten, ein perfektes Aussehen vorweisen kann, aber das macht er durch seine beschriebenen Charme mehr als wett.


    Michèle ist ebenso interessant, denn obwohl sie die Abneigung der andere Rémi gegenüber zwar wahrnimmt, diese aber ignoriert. Aber auch ein sehr interessanter Charakter, zumal sie auch selbst das eine oder andere noch zu bekämpfen hat!


    Und nachdem Rémi erste zarte Bande knüpft mit seiner Jugendliebe, dann verschwindet ein weltbekannter Umweltaktivist! Die ganze Geschichte ist ist sehr tiefgründig und interessant geschrieben! 


    Klare Leseempfehlung! 


    Fakten
    304 Seiten  
    Buch 10,00 €
    Ebook 8,99 €


    Erschienen im @Penguin Verlag 


    Kaufen kann man das Buch direkt beim Verlag und hier :
    https://www.amazon.de/gp/aw/d/332810156X/ref=mp_s_a_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85Z%C3%95%C3%91&qid=1508932395&sr=8-1&pi=AC_SX236_SY340_FMwebp_QL65&keywords=die+treibjagd+varenne&dpPl=1&dpID=51qD0h36LYL&ref=plSrch


    Ich möchte mich bei @Randomhouse für die Verfügung Stellung des Rezensionsexemplars bedanken.


    Ihr findet diese Rezension auch wie immer auf unserem Blog:
    http://ourfavorbooks.blogspot.de/?m=1

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    Angie*s avatar
    Angie*vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannend, kämpferisch und doch auch ein romantischer Krimi,,,
    Todbringende Beziehungen,,,

    INHALT/Klappentext:

    Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.


    MEINE MEINUNG:

    Diese Geschichte und die Stellung des Revierjägers und Aussenseiter Rémi Parrot in der sozialen Gemeinschaft wird vom Autor Antonin Varenne äusserst interessant und in etwas anderer Strukturierung als üblich dargestellt. Die Überschriften der Kapitel  sollten unbedingt beachtet und genauestens gelesen werden . Auch die Zeitpunkte der Ereignisse sollte der Leser im Kopf speichern oder  sich sogar einige Notizen machen. Dadurch erschliesst sich der Leserschaft nämlich das Romangeschehen genau und einprägsam. Der Schreibstil ist  ansonsten sehr unterhaltend, spannungsreich und flüssig gestaltet. Rémi lebt in einer abgelegenen Waldhütte, das einzige Landstück, das ihm und seiner Schwester vom Verkauf seines Anwesens an die einflussreichen Familien der Messenet und Courbier geblieben ist. Während seiner  Zusammenarbeit  mit dem Umweltaktivisten Philippe und dessen plötzlichem Verschwinden  kommt Rémi einem unglaublichem Skandal auf die Schliche und deckt die Machenschaften der  sogenannten *Mächtigen* auf. 

    Jahrhundertelange, eingefahrene soziale Beziehungen der Bevölkerung untereinander, daraus folgende Konflikte in Kleinstadt und ländlichem Raum hat der Autor sorgfältig beschrieben und analysiert. Auch in der 3. Familien-Generation, von Rémi Parrot verkörpert, wird man von der Bevölkerung immer noch als fremder Eindringling gesehen und muss um Anerkennung kämpfen. 

    Ein  resoluter und starker Kämpfer ist Rémi. Als Jugendlichem wurde  ihm eine Hälfte seines Gesichts durch einen Unfall zerstört und er war dem Tod näher als dem Leben. Aber er überlebte und hat klaglos über zwanzig Operationen überstanden. 

    Nur die Schmerzen sind  ihm geblieben und er erfährt durch Medikamente immer nur kurzzeitige Linderung. In diesem Roman kämpft Rémi auch um seine Jugendliebe Michèle, die zu der einflussreichen Familie der Messenet gehört. 

    Aber ohne die Hilfe seines engen Freundes , dem Schreiner Jean, hätte er kaum eine Chance gehabt, all diese Probleme in Ruhe und Gelassenheit anzugehen, zu beobachten und vor allen  Dingen aus diesen Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

    Ein Kriminalroman, der mir sehr gefallen hat durch die schönen Beschreibungen von eindrucksvollen Natur - und Landschaftsbildern und den aufregenden und gefährlichen  Schilderungen vom  Anpirschen und Jagen des Wildes ,hauptsächlich von Wildschweinrotten, im abgelegenen Zentralmassiv von Frankreich.



    Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für diesen spannenden Roman über Familientragödien, Freundschaften und todbringende Feindschaften. 

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    Gulans avatar
    Gulanvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Starkes, archaisches Stück aus dem Zentralmassiv um Macht, Liebe, Wut und Rache!
    Provinzfehden.

    Der Alte fuhr einen uralten verbeulten und schmutzigen Citroën C15. Er stieg aus und richtete sich langsam auf. Schon ein halbes Jahrhundert trug er diese kakibraune Kunststoffhose, wasserdichte Stiefel und dieselbe Arbeitsjacke. […] Dennoch wussten diejenigen, die ihn kannten, Bescheid: Paul Courbier war der schlauste und durchtriebenste Geschäftsmann der Region, vergleichbar nur mit dem alten Messenet. Die beiden Alten hatten die Hälfte der kleinen Höfe der Gegend aufgekauft. Paul Corbiers Wort, so hieß es, war nur in einem einzigen Fall von Wert: wenn er geschworen hatte, jemandem den Garaus zu machen. (S.85)


    Eine kleine Stadt im Zentralmassiv: Zwei rivalisierende Familienclans kontrollieren das Gemeinwesen. Nur wenige sind nicht einer der beiden Seiten zuzuordnen, unter anderem der Revierjäger Rémi Parrot. Mit dem Verschwinden eines Umweltschützers und Freund Parrots kurz vor der jährlichen Treibjagd wird eine Kette an Ereigissen in Gang gesetzt, die den Ort bis in die Grundfesten erschüttern werden.


    Die Fronten sind in der Stadt R. geklärt: Den Courbiers gehören die Wälder und der holzverarbeitende Betrieb, den Messenets gehören die Weideländer. Damit bestimmen diese beiden Familien in der strukturschwachen Region die wirtschaftlichen (und letztlich auch die sozialen) Geschicke. Diese Macht kosten die Clans dann auch reichlich aus, samt ständiger Rivalitäten. Doch es herrscht Unruhe im Ort, seitdem Umweltschützer Sabotageakte verüben und ein Sinticlan Wilderei betreibt. Der verschwundene Umweltschützer wird schließlich auch tot aufgefunden und es wird nicht der letzte Leiche bleiben.


    Der Revierjäger Rémi Parrot lebt in einer Hütte in den Wäldern auf dem letzten Stück Land, das seiner Familie geblieben ist, seitdem sie systematisch von den beiden Clans ruiniert wurde. Damals vor zwanzig Jahren musste Rémi seinem Vater auf dem landwirtschaftlichen Hof helfen. Bei einem Unfall mit einer Maschine wurde Rémi schwer verletzt, eine Gesichtshälfte ist seitdem entstellt. Aus dieser Zeit rührt auch seine Liebe zu Michèle Messenet. Aufgrund seiner Verletzung und jahrelanger Krankenhausaufenthalte zerbrach die Beziehung, Michèle verließ die Stadt. Rémi blieb und führt mehr oder weniger ein Leben als Einzelgänger. Wegen seiner Verletzung nimmt er starke Schmerzmittel und ist tablettenabhängig – und doch ist der Schmerz sein ständiger Begleiter. Er hat den Status Quo in der Stadt nie in Frage gestellt, doch nun ergibt sich eine neue Situation: Michéle ist nach vielen Jahren zurückgekehrt und durch Unterlagen seines getöteten Freundes kommt Rémi einem Umweltskandal auf die Spur, in den beide Familien verwickelt sind.


    Autor Antonin Varenne ist in Frankreich bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Auf Deutsch sind neben „Die Treibjagd“ noch sein erfolgreichstes Buch „Fakire“ und „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ erschienen. Varenne lebt im Departement Creuse, in dem dieser Roman auch spielt. Der Nordwesten des Massif Central ist ein sehr ansprechender Schauplatz. Varenne bringt dies exzellent zur Geltung, besonders hervorheben möchte ich den Auftritt einer Wildschweinrotte an zwei Stellen des Buches. Er beschreibt eine reizvolle, aber durchaus auch raue Landschaft, die allerdings auch starkem ökonomischem Druck ausgesetzt ist. Ebenso überzeugt auch die Darstellung der Kleinstadt R., die wirtschaftlich darnieder liegt, wo der Filz wie ein Krebsgeschwür wuchert und wo offenbar auch die Geschäfte der beiden Clans nicht mehr so laufen wie früher.


    „Sie und Mademoiselle Messenet haben mich zwar belogen, mir aber auch die Augen geöffnet, was hier geschehen ist. Wie für fast alle, die ich befragt habe, gilt auch für Sie, dass ihre Antworten die Situation ebenso sehr erhellten wie in einen Nebel hüllten, in dem die Wahrheit nicht mehr auffindbar ist. Ich habe Leute befragt, die verdächtigt wurden, Verbrechen begangen zu haben, die sie nicht begingen […] - obwohl sie zweifellos für andere Dinge verantwortlich sind, von denen wir nie mehr etwas hören werden. Ich habe noch nie so viele Lügen gehört, so viele Feinde verhört, die sich gegenseitig decken. Bis zu dem Punkt, an dem es unmöglich und absurd wird, zwischen guten und bösen Absichten zu unterscheiden.“ (S.235) .


    Der Autor schafft es, durch seine Erzählweise und den reizvollen Aufbau des Buches, die Spannung und Intensität noch zu steigern. Er erzählt nicht chronologisch, sondern streut immer wieder Kapitel ein, in denen Michèle Messenet und Rémi Parrot vom Polizeichef Vanberten befragt werden und so zusammen mit den Kapitelüberschriften weitere Ereignisse andeutungsweise vorwegnehmen.


    Bestechend an diesem Buch ist auch die Zeitlosigkeit. Obwohl es im Jahre 2012 spielt, kann man die Thematik und den Plot problemlos um Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte zurückversetzen. Antonin Varenne gelingt es in diesem französischen „Country noir“ sehr eindrucksvoll, die Themen Liebe, Macht, Wut und Rache zu einer kraftvollen, düsteren und melancholischen Geschichte zusammenzubringen.

    Kommentare: 3
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    walli007s avatar
    walli007vor einem Jahr
    Fremd in dritter Generation

    In einem kleinen Ort des  Zentralmassivs im südlichen Frankreich erledigt der Revierjäger Rémi Parrot seinen Dienst. Er ist Fremder in dritter Generation, bereits sein Großvater bewirtschaftete einen kleinen Hof. Und den alteingesessen Familien war schon dieser Fremde ein Dorn im Auge. Gerne hätten sie die Hofstelle aufgekauft. Doch noch immer befindet sich Land in Rémis Besitz. Nach einem Unfall, den er in seiner Jugend nur knapp überlebt hat und von dem er entstellende Narben im Gesicht zurückbehalten hat, läuft Rémi wie ein Mahnmal durch sein Revier. Als seine Jugendliebe Michèle in den Ort zurückkehrt schöpft Rémi neue Hoffnung. Doch dann verschwindet ein bekannter Umweltaktivist.


    Zwei Familien, die sich spinnefeind sind, beherrschen den kleinen Ort und die Umgebung. Sie besitzen das meiste Land und haben den größten Einfluss. Und meist setzen sie ihre Macht für eigennützige Ziele ein. Beliebt sind sie nicht, aber Strukturen, die schon immer so waren, bricht so schnell keiner auf. So behalten sie ihre Postion und können nach Gutdünken schalten und walten. Um die Strukturen schert sich Rémi nicht, er will seine Arbeit, die ihm teilweise Polizeirechte gibt, ordentlich ausüben. Allzu gerne möchte er auch die Bekanntschaft mit Michèle erneuern. Diese hat jedoch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen.


    Antonin Varenne hat seine Geschichte von Rémi, Michèle und den Familien interessant strukturiert. Manchmal wird die Handlung in ihrem zeitlichen Verlauf erzählt, dann befindet man sich in Verhören oder auch vor den Ereignissen. Es lohnt sich daher, die Kapitelüberschriften genau zu studieren. Wenn man die Hinweise erstmal eingeordnet hat und sich die geschickte Konstruktion erschließt, wird man von dem Buch gefesselt sein. Varenne versteht es einfach, eine hintergründige Geschichte zu erzählen. In dieser muss manchmal sehr tief gebohrt werden, um an den Kern der Dinge zu gelangen. Ist die Neugier geweckt, will man immer mehr erfahren über Rémi und Michèle und die anderen überraschenden Konstellationen, die sich nach und nach ergeben. Ein Dorfdrama, in dem jeder jeden kennt, aber nicht jeder am Ende gut dasteht, besticht schließlich durch die Erkenntnis, dass aus einem Fremden in dritter Generation ein Einheimischer in erster Generation werden kann.

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    jaylinns avatar
    jaylinnvor einem Jahr
    Mehr davon!!!

    Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com.

    Allgemeines:

    Die Treibjagd ist 2015 Frankreich und 2017 auf Deutsch bei Penguin erschienen und umfasst 302 Seiten. Autor Antonin Varenne ist gebürtiger Franzose. Er lebt in der Gegend, in der die Handlung seines Buches spielt. Seine Romane wurden mit den wichtigsten französischen Krimipreisen ausgezeichnet. Auch in der ZEIT stand der Vorgänger von Die Treibjagd wochenlang auf der Krimibestenliste.

    Inhalt:

    „Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

    Meine Meinung:

    Der Schauplatz des Romans ist das fiktive Dorf R. in Frankreich. Die wirtschaftliche Situation dort hat sich über die Jahrzehnte nicht gerade verbessert, viele junge Menschen hat es von dort weggezogen. Es muss etwas passieren – das wird der Grund für die Geschehnisse, die im Laufe der Geschichte passieren. Eines kann verraten werden: Schön wird es nicht!

    Die Bevölkerung des Dörfchens R. kann man als Mikrokosmos der realen Gesellschaft betrachten: Es gibt die Mächtigen, die Nörgler, die Kritiker, die Veränderer und die Mitläufer. Alle sind durch glaubhaft konstruierte Charaktere vertreten, das hat Varenne sehr gut geschafft. Es geht um Intrigen, Machtverhältnisse, uralte Besitzansprüche, einen Umweltskandal und um Rache und vermeintliche Gerechtigkeit.

    Die Handlung ist lange nicht so einfach zu durchschauen. Man braucht einige Zeit, um die Querverbindungen der Protagonisten zu erkennen und zu verstehen. Das ist für mich aber auch das Reizvolle an Die Treibjagd. Der Titel ist auf mehreren Ebenen passend: Treibjagd zur Revierpflege (für mich eher uninteressant), die Jagd im Verborgenen, um Linientreue durch Einschüchterung zu erreichen, aber auch das Getriebensein, das Weglaufen vor denen, die man als Bedrohung empfindet. Ein klug gewählter Titel! Das Cover des Buches unterstützt den Inhalt zusätzlich.

    Für mich, die ich Frankreich nicht gut kenne, war die Orientierung zunächst nicht ganz so einfach. Gleiches gilt für die Namen. Ich bin aber schnell in die Geschichte reingekommen, da die Kapitelüberschriften eine sehr gute Orientierung bildeten. Der Spannungsaufbau und die knappe emotionslose Sprache ziehen einen – ob man will oder nicht – magisch an. Zum Schluss wollte ich nur noch weiterlesen und hoffe sehr, dass die Geschichte aus R. weitergeht.

    Fazit:

    Die Treibjagd ist kein typischer Krimi. Das Buch ist eher ein psychologisch fein gesponnenes Konstrukt, bei dem jeder Baustein immens wichtig ist. Versetzt oder zerstört man einen, kippt dieses Konstrukt und es passiert eine Katastrophe. Ich werde auf jeden Fall weitere Krimis von Varenne lesen, denn Treibjagd hat Suchtpotential!

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    tootsy3000s avatar
    tootsy3000vor einem Jahr
    Menschliche Abgründe, spannend inszeniert

    Schon das Cover lässt einen recht düsteren Thriller hinter der Geschichte vermuten. Und das ist er dann auch, voller Hass und Rivalität, einem Umweltskandal, tiefe Freundschaft und einer verzweifelten Liebe.

    Das Massif Central mit seinen tiefen Schluchten, ausgedehnten Wäldern und Hochplatteaus ist Schauplatz dieses düsteren, psychologisch bestechenden Thrillers. Rémi Parrot, der Revierjäger, ist in dieser Gegend aufgewachsen. Schon als Kind galten er und seine Familie bei den machtbesessenen Courbiers und Messenets als unerwünschtes Pack. Sie versuchten alles um die Parrots von ihrem Land zu vertreiben. Besonders die Beziehung zwischen Rémi und Michèle als Teenager, war der Familie Messenet ein Dorn im Auge. Als Rémi nach einem schweren Unfall war, erhofften sich die beiden Clans, dass die Parrots nun endlich verschwinden würden. Zwanzig Jahre später, baut sich Rémi ein Blockhaus im Wald und Michèle kehr in die Heimat zurück. Wieder tun die Messents und die Corubiers alles um die Beiden voneinander fern zu halten. Als der junge Förster Phillip nach einem Streit mit den Clanchefs nicht mehr auftaucht, beginnt eine verzweifelte Suche. Dies ist der Auslöser tragischer Ereignisse und unfassbarer Entdeckungen, in dessen Mitte sich die Messenets, Courbiers und auch Rémi, seine Freunde und Michèle befinden.

    Der Thriller punktet vor allem durch seine psychologisch gut durchdachten Charaktere und tiefsinnigen Handlungsstränge. Der Aufbau der Geschichte ist interessant, aber auch gewöhnungsbedürftig. Besonders am Beginn tat ich mich nicht ganz leicht einzuschätzen in welcher Phase der Handlung ich mich gerade befinde. Die Kapitel wechseln ihre Perspektiven vom hier und jetzt zu Vorkommnissen in jüngerer Vergangenheit.

    Mein Fazit:

    Ein düsterer Thriller, der menschliche Abgründe behandelt und lange nachwirkt.

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    kassandra1010s avatar
    kassandra1010vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ich war beeindruckt über den Hass, die große Macht der Natur und der langen stetig anhalten Feind- und Freundschaft.
    Ein großer Thriller über Feind- und Freundschaft!

    Rémi, der Revierförster im Nationalpark lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen. Erst als sein Kollege Philippe spurlos verschwindet, begibt sich Rémi auf die Suche.

    Dass Philippe sich bei den beiden herrschenden Familienclans in der Gemeinde keine Freunde mit seinem ökologischen Gewissen gemacht hat, war allen bekannt und er kassierte dafür regelmäßig Prügel.

    Jean, Rémis einziger Freund findet mit seinem Jagdhund das, was von Philippe übrig ist und es hagelt Blei. Während die Polizei machtlos versucht, aus den Verflechtungen und den Machtverhältnissen dem Mörder auf die Spur zu kommen, hat Rémi die Fährten bereits gelesen und muss feststellen, dass ausgerechnet seine alte Jugendliebe Michéle mehr als einmal seinen Weg kreuzt.

    Ich war beeindruckt über den Hass, die große Macht der Natur und der langen stetig anhalten Feind- und Freundschaft.

    Ein wahnsinnig spannender Thriller, bepackt mit großer Macht, unerreichter Liebe und einer Verschrobenheit, die in der heutigen Zeit unvorstellbar scheint.

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