E.L. Doctorow Homer & Langley

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Inhaltsangabe zu „Homer & Langley“ von E.L. Doctorow

Ein großes kleines Meisterwerk von Doctorow, berührend und witzig, das auf Anhieb die New York Times-Bestsellerliste eroberte. Die Brüder Homer & Langley hat es tatsächlich gegeben. Als Söhne einer New Yorker Patrizier-Familie wurden sie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geboren und lebten zeitlebens zusammen in ihrem New Yorker Elternhaus an der Fifth Avenue. Sie waren bekannt für ihre Sammelleidenschaft, die dazu führte, dass sie sogar ein Automobil der Firma Ford in ihrem Esszimmer unterbrachten. Zwei exzentrische Einsiedler, die sich nach und nach aus der Welt zurückzogen. Doch vorher kommt die Welt zu ihnen ins Haus mit einer Vielzahl wunderbarer Figuren und Begebenheiten.

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  • Lebensfroh, skurril, heiter, traurig, welthaltig: ein absolutes Must-read

    Homer & Langley

    Schelmuffsky

    11. April 2017 um 08:49

    Eine Weile dachte ich, dieser Roman könnte zwei ähnliche Männer beschreiben wie Flaubert in "Bouvard und Pecuchet". Weit gefehlt! Während die "Ver-rückten" bei Flaubert im Grunde zwei ausgesprochene Spießer sind, treffen wir mit Langley und Homer auf zwei menschenfreundliche Sonderlinge, die, obwohl Langley ihr riesiges Elternhaus nach und nach in ein höhlenartiges Labyrinth aus Sammelsurium verwandelt (das ist dezent untertrieben; siehe den auf Wikipedia verlinkten Spiegel-Artikel mit Fotos), doch fast bis zu ihrem traurigen Lebensende ausgesprochen weltzugewandt, lebensfroh und menschenfreundlich bleiben. Die Geschichte kann man auf Wikipedia nachlesen. Die Collyer-Brüder gab es wirklich und gelangten schon zu Lebzeiten zu einer gewissen Berühmtheit. Zu verquer war ihr Lebensstil, zumal in der Umgebung des rasant zum Zentrum der Welt aufsteigenden Manhattan, zu befremdlich für die "bürgerliche" Umgebung, deren Misstrauen, ja Hass die beiden häufig weckten. Zwischendurch sei erwähnt: Der Roman ist großartig! Doctorow macht alles richtig! Für mich zeichnen sich sehr gute Romane durch eine Beiläufigkeit im Erzählen aus. Beiläufig wird uns fast ein ganzes Jahrhundert nahegebracht, natürlich immer nur in kleinen Scherben, die aber sind so kennzeichnend, dass wir nach der Lektüre auch etwas mehr über den 1. Weltkrieg wissen, die spanische Grippe, die zig Millionen dahinraffte und unter anderem auch die Eltern von Homer und Langley, über den 2. Weltkrieg - hier ist vielleicht die Szene symptomatisch, in der Homer und Langley nach Pearl Harbour ein amerikanisches Paar aufnehmen, das aus Japan stammt, deswegen den Angriffen des Mob ausgesetzt ist und schließlich in ein Internierungslager verbracht wird -, über die Mafia, die Korruptheit der New Yorker Polizei, Vietnam, die Hippie-Zeit (phasenweise wohnen zahlreiche "Hippies" bei Homer und Langley, die auf eine geradezu verstörende, weil absolut selbstverständliche Weise gastfreundlich sind). Beiläufig sind auch kleine Details, die eine uns ferne Welt erstehen lassen, zum Beispiel die Beschreibung – Langley und Homer veranstalten zeitweise „Tanz-Tees“ für nicht so Begüterte in ihrem Salon -, wie die Nadel des Plattenspielers aus der letzten Rille springt und dann über das Papieretikett in der Mitte der Schallplatte kratzt. Das ist für uns alles sehr weit weg und dann plötzlich so nah, als ob ein Scheinwerfer ins Dunkel der Vergangenheit leuchtet und ein kleines Bild aufscheinen lässt, das uns ein vergangenes Zeitalter nahebringt. Natürlich sind Homer und Langley absolute Sonderlinge. Homer erblindet schon in jungen Jahren und vertreibt sich die Zeit vorrangig am Klavier, man muss sagen: an dem von ihm bevorzugten Klavier, denn Langley, ein Sammler, der von allem, was gebraucht und nicht gebraucht wird, immer gleich mindestens ein Dutzend Exemplare herbeischafft, sorgt auch dafür, dass irgendwann vierzehn Klaviere, Flügel und Pianolas im Haus verteilt sind. Sammeln: Im Speisezimmer steht irgendwann ein Ford T, das ganze Haus ist zunehmend vollgestopft mit Dingen, nach dem Tod der beiden hat man angeblich über 100 Tonnen zum größten Teil unbrauchbare Gegenstände aus dem Haus geschafft. Insbesondere sammelt Langley Zeitungen und kauft jeden Tag alle Ausgaben, deren er habhaft werden kann, denn sein größtes Vorhaben ist, irgendwann die endgültige Zeitung zu erstellen, die in einem einzigen Exemplar die Gesamtheit aller Zeitungen kondensiert (in diesem Prinzip können wir das Prinzip des Romans erkennen). Zum Schluss wird Langley und mit ihm auch Homer die Sammelleidenschaft zum Verhängnis. Der Schluss des Romans: im wahrsten Sinne todtraurig. Homer, der früh Erblindete, erzählt die Geschichte. Der Verlust des Augenlichts trägt dazu bei, dass seine übrigen Sinne extrem ausgebildet sind, so dass er sich fast wie ein Sehender bewegen kann. Er ist auch ein Mensch voller Sinnlichkeit, seine Zuneigung zu Frauen, zumal zu seinen beiden großen Lieben wird eindrücklich beschrieben. Doctorow lässt vor unseren Augen zwei äußerst sanftmütige Gestalten erstehen. Man merkt, dass diese Sonderlinge die wahren Menschenfreunde sind, nicht die „Normalen“, deren „Gefühlswelt“ allzu oft in Hass gegenüber allem ausschlägt , das nicht ihrer „Normalität“ entspricht. Insofern ist der Roman auch ein Lehrstück. Der Roman ist so unendlich viel mehr. Man staunt, wie viel auf 220 Seiten erzählt werden kann. Und so bleibt mir nur ein Wort: Lesen! Ein zweites: Unbedingt!

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  • Rezension zu "Homer & Langley" von E.L. Doctorow

    Homer & Langley

    WinfriedStanzick

    19. October 2012 um 10:35

    Der amerikanische Schriftsteller E.L. Doctorow ("Ragtime" und "Billy Bathgate") hat sich zu diesem wunderbaren Roman inspirieren lassen von zwei Menschen, die tatsächlich gelebt haben und einer Geschichte, die tatsächlich in ihren Grundzügen so in New York in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts geschehen ist. Es geht um die beiden Brüder Homer und Langley Collyer, Söhne eines wohlhabenden Frauenarztes in Manhattan, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern in einer riesigen Wohnung an der Fifth Avenue in Manhattan wohnen bleiben und über die Jahre zu sehr abstrusen Persönlichkeiten mutieren, die ihre Wohnung mit den unmöglichsten Sachen zumüllen und so eine vormoderne Form des Messietums leben. Wer sich über die historischen Brüder informieren möchte, der sei auf die sehr instruktive englische Seite bei Wikipedia verwiesen. In der Realität sind beide schon 1947 gestorben, Homer 66 -jährig und Langley 62- jährig. Der Autor des Romans, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, hat man ihn einmal begonnen, jedoch lässt sie viel länger leben. Komponiert als ich-erzählender Bericht des früh erblindeten Homer, der neben dem Klavierspielen im späten Aufschreiben seines Lebens und das seines Bruders seine Erfüllung findet, spannt E.L.Doctorow mit der Lebensgeschichte der beiden Brüder einen weiten Bogen über die Geschichte des 20. Jahrhunderts vom Ersten Weltkrieg, aus dem Langley mit einem schweren Giftgasschaden zurückkehrt bis zu den Hippies, die sich in den siebziger Jahren, während des Vietnamkrieges für viele Wochen in dem bereits total verwahrlosten Haus der beiden niederlassen. Davor waren es etliche Mitbewohner, zunächst das alte, von den Eltern übernommene Personal, dann immer wieder Frauen, mit denen vor allem Homer seine sexuellen Bedürfnisse auslebt, nach dem Angriff auf Pearl Harbour über einige Zeit ein japanisches Ehepaar, das im Haus der Collyers Exil suchte, weil sie aus ihren alten Wohnung vom wütenden Mob vertrieben worden waren. Doch bald werden sie vom FBI abgeholt und aller Widerstand vor allem von Langley kann ihnen nicht helfen. Es ist vor allem Langley, der neben seinem lebenslangen Projekt einer einzigen Zeitung, die die ultimativen Nachrichten in sich vereinigen soll, Widerstand leistet gegen die Bank, denen die beiden, im übrigen millionenschwer auch durch die Große Depression gekommenen Brüder, Geld schulden, dem Stromlieferant und dem Wasserwerk und der immer wieder in den Dutzenden von Zeitungen, die er täglich über Jahrzehnte nicht nur gelesen, sondern auch in der Wohnung, zu Bergen aufgetürmt, gesammelt hat, immer wieder lesen muss von Kriegen. Und so ist diese ansprechende Geschichte zweier Brüder auch die Geschichte eines Amerika, das sich permanent im Krieg befindet. Nach dem Ersten der Zweite Weltkrieg, dann der Koreakrieg und schon bald darauf Vietnam. Es ist aber auch eine Kulturgeschichte eines sich verändernden New York in den ersten achtzig Jahren des 20. Jahrhunderts. Ein wunderbarer, kurzweiliger Roman über zwei Brüder, die in ihrer Sammelwut ein riesiges Haus vollstopfen und eine ganz eigene Form von Leben führen.

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