Der Journalist und Publizist Florian Klenk hat mit seinem Buch "Ausreden" den Versuch gewagt das Leben der Serienmörderin Elfriede Martha Blauensteiner anhand von Protokollen zusammenzufassen.
Elfriede Blauensteiner, in Österreich auch als "Schwarze Witwe" bekannt, suchte sich ihre Opfer per Kontaktanzeigen, um nach ihrem Tod an ihr Vermögen zu gelangen. Sie war im höchsten Maße spielsüchtig und verspielte ihre "Beute" anschließend in den Casinos.
Florian Klenks Schreibstil war im ersten Moment für mich gewöhnungsbedürftig, aber war absolut stimmig zum Text. Die zugrundeliegenden Protokolle der Gerichtspsychiaterin lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Sätze ohne Gefühl oder gar Reue gehen tief und ließen mich öfter den Kopf schütteln.
Das Aufwachsen von Blauensteiner war ein hartes und entbehrliches Stück Kindheit, geprägt von Kälte und Gewalt. Doch dies war in der damaligen Zeit leider üblich und dennoch wurden nicht alle Kinder als Erwachsene zu Serienmördern. Ein Gedankenspiel, welches bis heute Gültigkeit hat, wann entscheidet es sich, welche Mensch durch seine Kindheit zum Mörder wird und welcher nicht.
Besonders Lesenswert fand ich die Passage, in dem Klenk aus der Sicht der Tochter Blauensteiner berichten kann, mit der er persönliche Gespräche führen konnte. Ein völlig konträres Bild zu den Einlassungen der Mutter, die sich immer als Versorgende, pflegende und liebende Person darstellte, die nie morden, sondern nur helfen wollte.
Florian Klenk hat mit "Ausreden" ein beeindruckendes Bild einer Serienmörderin geschaffen.
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Quelle: Verlag / vlb
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1996 sorgte in Österreich und auch international der Fall der Elfriede Blauensteiner für Aufsehen, die mehrere Menschen, die sie pflegte, ermordet und sich an ihrem Vermögen bereichert hat. Der Journalist Florian Klenk hat Aussagen Blauensteiners, die während eines Gesprächs mit der Gerichtspsychologin Sigrun Roßmanith in der Justizvollzugsanstalt protokolliert wurden, redigiert und gekürzt. Der dabei entstandene Monolog bildet den ersten Teil von „Ausreden“ und vermittelt einen interessanten Eindruck von Elfriede Blauensteiner und ihrem Selbstbild.
Der zweite Teil besteht aus der „Nachrede“, in welcher der Autor über die Fakten, die zu den Fällen bekannt sind, Blauensteiners Herkunft, ihre Familie und die damals sehr sensationslüsterne Berichtserstattung von Teilen der Presse schreibt.
Da das Buch mit dem Monolog beginnt und ich mit Blauensteiners Fall nicht vertraut war, sind manche Passagen schwer zu verstehen. Im Nachhinein hätte ich lieber den zweiten Teil zuerst gelesen. Zudem frage ich mich, wie stark das Protokoll redigiert und gekürzt wurde, weil der Text in seiner Form beinahe poetisch wirkt und nicht wie natürliche gesprochene Sprache.
„Ausreden“ ist kein klassisches „True Crime“-Buch, das den Fokus auf die Taten selbst legt. Vielmehr interessiert hier der soziologische Aspekt: Welchen Anteil hatte Elfriede Blauensteiners Kindheit daran, dass sie einerseits fixiert darauf war, zu füttern und zu pflegen, und sie anderseits hilfsbedürftige Menschen quälte und schließlich gezielt ermordete? Blauensteiners Aussagen im Monolog lassen auf eine lieblose, entbehrungsreiche Kindheit schließen. Wie wirkte sich das auf ihre Moral aus?
Beim Lesen wird schnell deutlich, dass Blauensteiners Angaben zu den Todesfällen „Ausreden“ sind und den gerichtsmedizinischen Gutachten widersprechen. Ich fragte mich deswegen allerdings, inwieweit ich dann ihren Angaben zu ihrer Kindheit Glauben schenken darf. Hat sie hier auch gelogen, die Tatsachen bewusst verdreht? Hier hätte ich gerne etwas darüber erfahren, ob Florian Klenk versucht hat, Blauensteiners Angaben zu ihrer Kindheit zu verifizieren, auch wenn dies nach so vielen Jahren schwierig sein dürfte. Da er seine kriminalsoziologische Argumentation jedoch auf eben diesen Angaben gründet, fände ich es wichtig zu erfahren, inwieweit diese überhaupt zutreffend sind. Daher ist der Erkenntnisgewinn des Buches für mich begrenzt und Klenks Schlüsse stehen auf wackligen Beinen. Das Buch regt jedoch in jedem Fall dazu an, sich über die Gründe Gedanken zu machen, aus denen manche Menschen zu Straftätern werden und andere, die einen ähnlichen Hintergrund haben, nicht.
Dieses Buch hat quasi sofort mein Interesse geweckt. Ich MUSSTE es lesen. Und als ich es dann in der Hand hatte, MUSSTE ich es in einem Zug lesen (was leicht möglich war, dank geringer Seitenzahl und großzügiger Setzung).
Dank meiner True-Crime Vorliebe kannte ich den Fall der Elfriede Blauensteiner vage, denn er wird relativ oft besprochen, da es verhältnismäßig wenig weibliche Serienmörder*innen gibt.
Elfriede Blauensteiner wurde 1931 in Wien geboren und wurde ingesamt für drei Morde, die ihr nachgewiesen werden konnten, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. In Medien und Presse sorgte ihr Fall für große Aufmerksamkeit und Blauensteiner ging als „Schwarze Witwe“ in die Kriminalgeschichte ein.
Florian Klenk, österreichischer Jurist und Journalist, hat den Fall und das Leben Blauensteiners akribisch recherchiert und mit vielen intensiven Gesprächen und Akteneinsicht aufgearbeitet.
Der erste Teil des Buches besteht aus einem Monolog Blauensteiners, den Klenk aus protokollierten Aussagen redigiert und verdichtet hat.
Dieser Monolog geht mir unter die Haut.
„Ich hatte sechs Geschwister.
Es war nie ein gutes Verhältnis zu den Geschwistern.
Es war nie ein gutes Verhältnis zur Mutter.“
Blauensteiner erzählt von einer harten Kindheit, die von Schlägen, Hunger und Lieblosigkeit geprägt war. Einer Kindheit, in der sich keine Empathie entwickeln konnte. Auch als erwachsene Frau sind ihre Beziehungen voller Gewalt. Über ihre Verbrechen spricht sie nicht, sondern findet Ausreden und Entschuldigungen.
Habe ich nach diesem Monolog Mitleid mit dieser Frau? Ja, natürlich habe ich das.
Umso wichtiger finde ich den zweiten Teil des Buches, in dem Klenk den Monolog einordnet und mit den überprüfbaren historischen Daten in Blauensteiners Lebenslauf und mit ihren nachgewiesenen Verbrechen abgleicht. Auch die Sichtweise ihrer Tochter Monika, mit der Klenk stundenlange Gespräche geführt hat wirft ein hartes Licht, auf die Frau, die von ihrer Mutter gequält wurde, aber auch später ihre eigene Tochter sadistisch quälte.
Klenks Nachrede ist knapp, aber aussagestark und ausgewogen, wie ich finde.
„Sie war das Produkt eines kalten Jahrhunderts. Sie, die als Kind Opfer war - schwach, hungrig, gedemütigt -, ermächtigte sich und machte sich die Schwachen untertan. Nicht wegen einer psychischen Erkrankung, sondern aus sadistischer Gier. Und diese Gier, so sehr sie uns abstößt, war wohl auch eine Spätfolge jener frühen Jahre voller Entbehrung und Angst.“
„Ausreden“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und gehörte für mich zu den frühen Highlights des Jahres.
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