Guy Deutscher Du Jane, ich Goethe

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Inhaltsangabe zu „Du Jane, ich Goethe“ von Guy Deutscher

Keine Sprachkommission hat die vielschichtigen Grammatiksysteme geschaffen oder ellenlange Wörterlisten angelegt, und auch von der Möglichkeit göttlicher Eingebung wollen wir einmal absehen. Aber wie kamen die Menschen dann von steinzeitlichen Äußerungen wie »Ich Tarzan, du Jane« zu den komplexen Sprachen der Gegenwart? Lebendig, geistreich und mit viel Witz vermittelt Guy Deutscher die neuesten Erkenntnisse der Sprachforschung.

Macht Nicht-Linguisten Lust auf Mehr und verdeutlicht uns Sprachwissenschaftlern noch einmal, was wir an Sprache so faszinierend finden! :)

— leselea
leselea

Interessante Fakten und Skuriles aus der Welt der Sprache, anschaulich dargestellt anhand von witzigen Beispielen. Lesen!

— TinaLiest
TinaLiest

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    Du Jane, ich Goethe
    leselea

    leselea

    20. April 2014 um 21:22

    Der Sprachwissenschaftler Guy Deutscher unternimmt in Du Jane, Ich Goethe einen wilden Ritt durch die Geschichte der Sprache - der wohl größten "Erfindung" der Menschheit. In 7 Kapiteln + einer Einleitung und einem Epilog skizziert Deutscher, wie durch die grundlegenden Bedürfnisse der Sprecher (Ökonomie, Expressivität und Analogie) aus der rudimentären Ausdrucksform einer nicht genau datierbaren Anfangszeit das komplexe, ausgefeilte System wurde, das wir heute verwenden. Anders als selbsternannte Sprachpäste (Wolf Schneider) oder Erfolgsautoren weiterer populärwissenschaftlicher Bücher (Bastian Sick) macht Deutscher dabei klar, dass es keinen "Sprachverfall" gibt - eine Lektion, die jeder Linguistik-Student im ersten Semester lernt und der entscheidende Punkt, warum ich dieses Buch ruhigen Gewissens auch Nicht-Linguisten empfehle. Sprache befindet sich im ständigen Wandel und zwar auf Grund der Bedürfnisse, die wir - ihre Sprecher - haben: Sie "verfällt" weder noch ist unsere heutige Sprache ein kläglicher Abklatsch eines untergegangen goldenen sprachlichen Zeitalters. Deutscher bzw. sein Übersetzer fokussiert sich hauptsächlich auf deutsche Beispiele und Sprachwandelphänomene, bezieht aber auch immer andere (zum Teil mir nicht bekannte) Sprachen in seine Erläuterung mit ein. Der Ton seiner Erklärungen ist dabei locker und witzig und macht sowohl linguistischen Laien als auch linguistisch interessierten/gebildeten Lesern Lust auf mehr. Deutscher verzichtet fast durchgehend auf Fachvokabular; in seinen Augen sehr komplexe Zusammenhänge werden als Angebot für den neugierigen Leser in den Anhang verfrachtet, ohne dass das Überspringen dieser Erläuterung das Verständnis der weiteren Kapitel erschwert. Das Buch vermittelt auf angenehme Weise, als "Geschichte" mit viel Witz und Charme den Stoff den man im ersten Semester des Linguistik-Studiums lernt. Dabei skizziert Deutscher auch immer wieder die Entwicklung des Faches und umreißt kurz und knapp die verschiedenen wissenschaftlichen Strömungen, die die Disziplin zu unterschiedlichen Zeiten geprägt haben. Wer sich als Laie spielerisch einen ersten Überblick über die Linguistik und ihre Forschungsfragen machen will, ist mit diesem Buch gut bedient. Hoffentlich macht es Lust auf dieses so spannende Fach! Mir persönlich haben dann doch manchmal Fachbegriffe gefehlt, die die einzelnen Phänomene genau, auf den Punkt bezeichnen; die von Deutscher verwendeten Begrifflichkeiten waren mir teilweise zu schwammig. Einige Aspekte wurden für mein Empfinden auch zu häufig wiederholt. Da das Buch sich aber hauptsächlich an Nicht-Linguisten richtet, kann ich diese Punkte nicht wirklich kritisieren, will es aber für andere Leser, die linguistische Kenntnisse besitzen, betonen. Mein persönliches Highlight lag in Deutschers ausführlicher Darstellung der semitischen Sprachen, von denen ich bis dato keine Ahnung hatten (da sie nicht zum Schwerpunkt eines Germanistik-Studiums gehören). Gerade dieses "Über-den-Tellerrand-Schauen" des Buches hat mir sehr gut gefallen, sodass es meiner Meinung nach auch noch genug Überraschungen für linguistisch gebildete Menschen bereithält!

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  • Rezension zu "Du Jane, ich Goethe" von Guy Deutscher

    Du Jane, ich Goethe
    sofie

    sofie

    17. June 2012 um 15:14

    Dies war das zweite Buch von Guy Deutscher, das ich gelesen habe, allerdings ist es vor „Through the language glass“ erschienen. Im direkten Vergleich muss ich sagen, hat mir „Through the language glass“ doch um einiges besser gefallen, trotzdem ist auch „Du Jane, ich Goethe“ ein sehr gutes Buch. Diesmal geht Deutscher (der trotz seines Namens kein Deutscher ist) der Frage nach, wie die Sprache an sich entstanden ist. Ihn treibt vor allem um, wie sie zu einem so hochkomplexen Gebilde werden konnte, wie wir es heute kennen. Ein Gebilde, das so komplex ist, dass man eigentlich annehmen muss, irgendjemand hätte es sich von Grund auf ausgedacht. Das Sachbuch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt. Zunächst geht Deutscher dem angeblichen Sprachverfall, der zu allen Zeiten beklagt wurde, nach und fragt sich, wie unsere Sprache sich überhaupt entwickeln konnte, wenn doch überall nur Verfall herrscht. Im zweiten Teil des Buchs macht er dann ein kleines Gedankenexperiment und versucht zu erklären, auf welchen Weg die Sprache (ganz allgemein, keine bestimmte) vom „Ich-Tarzan“-Stadium zu ihrer heutigen Komplexität kommen konnte. Das Ganze ist nicht zu wissenschaftlich gehalten und auch für Laien gut verständlich erklärt. Zudem kann Deutscher auch einfach mit der Sprache umgehen und spielt mit ihr. Was mich allerdings wie schon bei „the language glass“ wirklich genervt hat, war das typisch angloamerikanische Lehrbuchsystem: am Anfang jeden Kapitels wird erklärt was wir lernen werden, dann lernen wir es und zum Schluss wird noch einmal zusammengefasst, was wir gelernt haben. Für den Leser ist das meiner Meinung nach ziemlich redundant. Hinzu kommt, dass er seine Leser an mehreren Stellen warnt, dass das Nachfolgende doch komplizierter wird und man diesen Teil auch überspringen kann. Dadurch habe ich mich als Leser oft nicht ernst genommen gefühlt und diese Hinweise wurden auch viel zu sehr ausgebreitet. Trotzdem kann ich das Buch insgesamt jedem Sprachliebhaber empfehlen und auch die deutsche Übersetzung ist ausgezeichnet!

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  • Rezension zu "Du Jane, ich Goethe" von Guy Deutscher

    Du Jane, ich Goethe
    thursdaynext

    thursdaynext

    22. February 2012 um 16:14

    Als Liebhaberin sprachlicher Feinheiten kam ich an Guy Deutschers "Geschichte der Sprache" nicht vorbei. Anspruchsvoll aber amüsant und humorvoll erläutert hier ein Fachmann. Dabei geht es natürlich nicht ohne Grammatik, wovor ich mich schon zur Schulzeit mehr oder weniger grauste und drückte. Schließlich hat man dieselbe ja, zumindest in der Muttersprache, die sorglos Glücklichen auch im Englischen im Gefühl. Doch in der Sprachgeschichte geht es nicht ohne, also nochmal kurz auffrischen und nachsitzen, was mir seltenst soviel Spass bereitet hat . Nach Lektüre, gefühlt um einiges schlauer, würde sogar behaupten bereichert ist mir jetzt klargeworden, dass das Lamentieren um den Sprachverfall ebenso schwachsinnig ist wie das Gejammere um die aufsässige, respektlose Jugend, welches bekanntlich schon vor 2000 Jahren en vogue war. Sprache fliesst, passt sich Gegebenheiten an, verändert sich und eine absolute Logik kann ihr deshalb nie zugrunde liegen. Deutscher ist ein sehr angenehmer, rücksichtsvoller Lehrer. Animiert er doch vor schwierigen Kapiteln den Leser sich ein Tasse Kaffee zu gönnen und warnt die "müden und mutlosen" vor dem semitischen Flattervokal. (Zurecht, den habe ich mir für einen hohen von geistigem Elan durchdrungenen Moment aufgehoben.) Das Gros seiner Beispiele ist dafür verständlich, seine eingeflochtenen Anekdoten köstlich (Achtung: das Lesen dieses Buches, stellt ein Paarbeziehung, in welcher beide begeisterte Leser sind, auf die Probe, da die Geduld des oft mit "Hör dir das an" belästigten "Nichtdeutscher Lesers" schwer geprüft wird.) Guy Deutscher verdanke ich unterhaltsame Einblicke in die sprachliche Entwicklung, Linguistische Forschung, Auffrischung meiner rudimentären Grammatikkenntnisse, andere Sprachgepflogenheiten und die Wahl des Fachs Französisch nachdem ich meinem Sohn etliche lateinische Wortendungen und den immensen, damit verbundenen Lernaufwand mal kurz nebenbei überzeugend demonstrieren konnte . Würden alle Lehrenden ihren Stoff so interessant darstellen, könnte das der (auch seit Jahrhunderten verkommenden ) Allgemeinbildung neuen Auftrieb geben. Grandios !

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  • Rezension zu "Du Jane, ich Goethe" von Guy Deutscher

    Du Jane, ich Goethe
    Kaivai

    Kaivai

    "In morgan werbenti in burg hungurita. Inti gisah einan figboum nah themo wege inti quam zi imo inti ni fand niowiht in imo nibi ekkorodo thiu loubit. Inti quad imo: niomer fon thir washmo arboran werde zi ewidu! Tho sar sliumo arthoreta thie figboum." Das ist deutsch. Niedergeschrieben um 830. Ein Mönch aus Fulda hat in diesem Text einen Abschnitt aus dem Matthäusevangelium aus dem griechischen ins deutsche übersetzt. Heut liest sich derselbe Text so: "Als Jesus am nächsten Morgen nach Jerusalem zurückging, bekam er Hunger. Er entdeckte einen Feigenbaum an der Straße und ging hinüber, aber er fand nichts als Blätter. Da sagte er zu ihm: "Du sollst nie wieder Früchte tragen!" Und sofort verdorrte der Baum." Sprache wandelt sich unaufhörlich. So kann es sein, dass ein- und dieselbe Sprache tausend Jahre später wie Fremdsprache klingt. Guy Deutscher ist hauptsprachlich Engländer und kann, seinem Namen zum Trotz, kein Deutsch. Zum Glück gibt es Übersetzer und in diesem Buch haben diese Helden im Hintergrund weit mehr getan als pures Übersetzen. Ganze Abschnitte haben sie hinzugefügt, um das Buch für Deutschsprachler annehmbar zu gestalten. Das ist ihnen sehr gelungen. Guy Deutscher hat sich mit diesem Buch einer schweren Aufgabe gestellt. Er, der mit allen Wassern der Linguistik gewaschene, versucht dem Laien zu erklären, wie Sprache entsteht und wie Sprache sich wandelt. Dies gelang ihm bei mir nur teilweise: Begeisterung wechselte mit Streik. Manche von seinen Erkenntnissen stiegen in mir auf wie seifige Sprachblasen und stiegen immer höher und höher und ich staunte ihnen hinterher. Andere fielen träge auf meine Füße und platzten schneller als ich denken konnte. Wenn ich streike, beim lesen, überspring ich ganze Absätze und schnapp nur einzelne Worte auf. Sind aber auch nicht leicht zu verstehen, all die Grammatika. Sehr beeindruckend fand ich seine Theorie, dass die Kräfte der Zerstörung, die in die Sprache hineinwirken, zugleich die Kräfte der Erneuerung sind. Spannendes Thema. War das erste Buch, das ich über Linguistik gelesen hab und hab gleich Lust auf mehr. War ein bißchen wie träumen. Beim Träumen versteh ich auch viel Bahnhof und vergeß das meiste, aber ein paar unzerplatzte Blasen bleiben (und die sind bemerkenswert!) So ist dies Buch! Und es ist immer wieder lustig, er erzählt Witze und schreibt mit zwinkernden Augen. Süß ist auch wie er den Leser bittet, das Kapitel zu überspringen, weil es so schwierig zu verstehen ist. Und wenn der Leser dann doch bleiben will, dann bittet er ihn einen starken Kaffee zu kochen, bevor er weiterliest. So mach ich das jetzt auch, bevor ich ein paar in mir tief hängengebliebene Blasen in den Raum werfe. Kurze Pause.............Kaffee trinken.........weiter gehts: Erste Blase: Sprache wandelt sich vor allem wegen Effizienz und Expressivität. Die Sprechenden vereinfachen mühsam zu sprechende Worte und verleihen Worten mit hoher Bedeutung mehr Gewicht. Beispiele für Expressivität sind in meinem löchrigen Hirn nicht hängengeblieben. Aber zwei Beispiele für Effizienz: 1.) das englische Wort für Pferd ist "horse". War aber früher "hros" (so wie "Ross" im deutschen). Der Sinn dieser Änderung liegt auf der Zunge: es läßt sich leichter aussprechen. 2.) das Wort "heiß" stammt vom Proto-Indoeuropäischen Wort "kai" ("brennen") ab. Daraus wurde im Proto-Germanischen "chai" und im Germanischen "hai-ta" und im deutschen schließlich "heiß". Von k zu ch zu h. Das ist Zungeneffizienz. Beim k muß die Zunge ganz zum Gaumen hoch, beim ch (wie in "Bach") nur halb, beim h gar nicht mehr. Diese kraftsparende Wandlung ist auch bei anderen Buchstaben gang und gäbe. Methodisch dargelegt hat dies als erster Jakob Grimm und darum wird diese Wandlung als "Grimmsches Gesetz" bezeichnet. Die Italiener übrigens sind nicht so faul wie wir Deutschen. Aus dem Proto-Indoeuropäischen Wort "kel" ("warm") wurde "calidus" im Lateinischen und daraus "caldo" im Italienischen. Das heißt bekanntlich auch heiß (klingt aber wie kalt). Zweite Blase: in den semitischen Sprachen (u.a. hebräisch und arabisch) gibt es Verbwurzeln. Diese bestehen (von ein paar Ausnahmen abgesehen) aus drei Konsonanten. Von den einzelnen Verbwurzeln ausgehend wachsen bis zu hundert Verbbeugungsworte. Das funktioniert so: die Konsonanten sind Slots (Leerstellen), um die herum sich je nach Verbbeugung immer dieselben Buchstaben gruppieren. Z.b. bei der einfachen Gegenwart: "ya_ _a_u". Oder bei der einfachen Vergangenheit: " _a_i_ ". Bei der Verbwurzel "slm", die mit "in Frieden sein" übersetzt wird, hieße das dann: "yaslamu" (er ist im Frieden) und "salim" (er war im Frieden). "Salam" heißt "das im Frieden sein". "Islam" heißt "die Handlung des im Frieden sein lassens" und "muslim" heißt "einer der in Frieden sein läßt". Diese Verbwurzeln sind eine hochraffinierte Art aus Verben alles nur erdenklich mögliche heraus zu quetschen. Rätselhaft, wie soetwas entstehen kann, ohne einen bewußten Erfinder. Der Autor vermochte mir die Lösung des Rätsels gut zu vermitteln. Kann mich dunkel erinnern, dass ichs verstanden hab. Habs aber zu meiner Schande schon wieder vergessen. Dritte Blase: Worte verlassen manchmal ihre grammatischen Kategorien. Soetwas nennt sich Kategorienwechsel. Ein Beispiel dafür ist das Verb "go" im Englischen. Der Futur von "go" heißt "going to". Dieser Futur hat sich in den letzten Jahrhunderten aus dem "wird gehen" im Sinn einer Bewegung in ein "wird gehen" im Sinn der Zeit gewandelt. Markiert dadurch einen Tempus und nennt sich nicht mehr Verb, sondern Hilfsverb.So wurd aus "going to" ein vom "go" losgelöster Begriff. Irgendwann, so um 1918 herum, stampfte die Effizienz auch noch das "going to" zu klump und so wurd daraus "gonna", das seitdem ein aufstrebender Stern im englischen Sprachhimmel ist (das läßt sich sehr gut im Google Ngram Viewer erkennen: http://ngrams.googlelabs.com/graph?content=gonna&yearstart=1800&yearend=2000&corpus=0&smoothing=3). Guy Deutscher brilliert auch hier wieder mit messerscharfen Gedanken, ihm gelingt es deutlich zu machen, dass nicht die Worte die Kategorien wechseln, sondern dass den Worten Kategorien schnurzpiepe sind und die Kategorien einfach nur zu starr sind, um Worte wirklich zu fassen. Vierte Blase: im Englischen, Französischen, Arabischen, Thai und hunderten anderen Sprachen (so etwa die Hälfte der Weltsprachen) steht das Verb vor dem Objekt und demzufolge baut sich der Satz auf. Im Türkischen, Baskischen, Japanischen und hunderten anderen Sprachen (in etwa die andere Hälfte der Weltsprachen) steht das Objekt vor dem Verb und demzufolge baut sich der Satz auf.. Ein türkischer Satz sieht dann aus wie ein englischer im Spiegel. Hier hinten ist da vorne. Im Deutschen und Niederländischen und ein paar afrikanischen Sprachen ist mal das Verb vor dem Objekt und dann wieder das Objekt vor dem Verb. Der Autor erklärt das beim deutschen so: alle germanischen Sprachen waren zuerst OV-Sprachen. Irgendwann fingen diese Sprachen an das Verb vor das Objekt zu stellen. Die Skandinavier und die Engländer haben diese Wandlung konsequent durchgezogen. Die Deutschen sind in der Mitte stehengeblieben. Warum? "Die Gründe hierfür sind Stoff für ein ganz anderes Buch." schreibt Guy Deutscher. Oh ja und wenns rauskommt, werd ich mich draufstürzen...:-))

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  • Rezension zu "Du Jane, ich Goethe" von Guy Deutscher

    Du Jane, ich Goethe
    Golondrina

    Golondrina

    09. February 2011 um 12:22

    Schulz von Thun, der große Kommunikationsguru nennt die vier Säulen der Verständlichkeit: Einfachheit (in der sprachlichen Formulierung), Gliederung-Odnung (im Aufbau des Textes), Kürze-Prägnanz (statt weitschweifiger Ausführlichkeit) und zusätzliche Stimulanz (anregende Stilmittel). Nun, wenn das so etwas wie das Kochrezept für wissenschaftliche Bücher ist, dann hat Guy Deutscher alles richtig gemacht. Es war ein Genuß, seinen Ausführungen zur Geschichte und Entwicklung von Sprache zu folgen. Als Leser durfte ich einige persönliche Höhepunkte (Juuhu, das habe ich verstanden!) und Erkenntnisblitze erleben. Man verstehe mich nicht falsch - ich halte mich geistig nicht für unterbemittelt, finde aber, daß es vielen auch populärwissenschaftlichen Büchern nicht gelingt, den Leser mitzunehmen. Stattdessen wird er zur Projektionsfläche des ach so Weisen degradiert - ich, der Autor, weiss ganz viel und du, Leser kannst eh nur einen Bruchteil dessen nachvollziehen. Am Ende schien es mir, daß Sprache eigentlich keine dingliche Geschichte sondern eher ein lebender faszinierender Organismus sein muß - entstehen, entwickeln, vergehen und neu geschaffen werden und mittlerweile ertappe ich mich, genauer hinzusehen und zu lesen und dabei vielleicht der Geburt eines neuen Wortes - supasale - beizuwohnen. Besonders hervorheben möchte ich auch die Leistung des Autors, die deutsche Ausgabe komplett für den Leser zu überarbeiten und die Beispiele der deutschen Sprache anzupassen. Wer Gefallen an sprachlichen Formulierungen hat und dem ewigen Rufen des allgemeinen Sprachverfalls etwas entgegensetzen möchte, der sollte dieses Buch lesen.

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