Hilal Sezgin Nichtstun ist keine Lösung

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Inhaltsangabe zu „Nichtstun ist keine Lösung“ von Hilal Sezgin

Es ist für uns alltäglich geworden: Bilder von in Syrien ermordeten oder im Mittelmeer ertrunkenen Kindern, Aufmärsche von Rechtspopulisten, Billigkleidung aus den Händen unterbezahlter Näherinnen. Oft spüren wir den Wunsch, einfach nicht hinzuschauen, abzuschalten. Wir tragen dieses betretene Gefühl mit uns herum, und tun oft … nichts. Weil wir glauben, die Diskussionen lohnen doch nicht. Aber auch weil wir wissen, dass wir anecken und als Weltverbesserer verunglimpft werden. Wer kritisiert und sich engagiert, gilt schnell als naiv. Es gibt viele Stimmen, die uns erklären, warum das Gute nicht getan werden kann – auch in unserem Kopf. Die Philosophin Hilal Sezgin widerspricht ihnen und zeigt, warum es sich lohnt, Haltung zu zeigen – für eine tolerante, demokratische, gerechtere Gesellschaft und für uns selbst. Sie plädiert für eine Ethik, in der nicht Rechthaben, Konkurrenz und Verzicht im Vordergrund stehen, sondern gemeinsames Handeln für eine bessere Welt. Kurz: Sie macht dem Leser Mut zur eigenen Courage.

Wichtiger Beitrag zu einem Thema, dass uns alle scheitern lässt.

— jamal_tuschick

Eine intelligente, nachhaltige Motivation für eine Stärkung des Miteinanders & demokratischen Verhaltens!

— DieBuchkolumnistin

ein wunderbar kluges und wichtiges Buch!

— fridaP

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    Nichtstun ist keine Lösung

    jamal_tuschick

    05. October 2017 um 09:39

    In der Flüchtlingsdebatte stärkten eine Reihe von Ereignissen, angefangen bei der „Kölner Silvesternacht“ über die Ermordung der Freiburger Studentin Maria L. bis zu dem LKW-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, die Positionen der Willkommenskulturgegner. Diesem Bollwerk der Ablehnung stemmt sich die Philosophin Hilal Sezgin in aktivistischen Szenarien entgegen. Zuerst rehabilitiert sie den „Gutmensch“. Ihm spricht sie Mut zu. Was anderen gut tut, ist gut, auch wenn es dir selbst guttut und dich das misstrauisch macht. Das Nichtgelingen des Richtigen darf aber der Resignation nicht Vorschub leisten.Wie konnte es dahin kommen, fragt Sezgin, dass schieres Mitgefühl und moralische Integrität in Verruf geraten - und im Sturm des gesellschaftlichen Hohns einknicken konnten? Sezgin erklärt das psychologisch. Großzügig verteilt sie Gold und Silber aus dem eigenen Erfahrungsschatz.Menschen, die von ihrem Verantwortungsbewusstsein bestimmt werden, sind nicht zwangsläufig empfindsamer als andere. Auch Hilfsbereitschaft kann zu einer Haltungsfrage erklärt werden. Hilal Sezgin widmet sich in einer Mischung aus Erlebnisbericht und Streitpapier der Wohlfahrtsprärie am Rande gesetzlicher Regelungen. Sie plädiert und appelliert. Sie verbessert die Artikulationsfitness hilfsbereiter Macher. Vor allem erzählt sie. Die Tierschützerin lebt umgeben von Hochständen tief in Niedersachsen. Ihre aktivistische Position findet sogar da Unterstützung, wo die Rechtsprechung in den Händen von Jägern liegt. Einmal fährt sie mit einer Freundin „nach Ostdeutschland, wo irgendwer drei Kaninchen vorm Schlachten gerettet hatte und sie uns übergegen wollte.“ Es regnet „in durchgehenden Schnüren“, die Gegend erscheint zunächst entvölkert wie nach einem Atomschlag. Plötzlich schälen sich Fußgänger aus Dunst und Nebel. Die Freundinnen bringen in Erfahrung, dass es sich um - von einem verantwortungslosen Busfahrer - ausgesetzte Flüchtlinge handelt, die im Nirgendwo den Bahnhof suchen.Sezgin verbindet Persönliches mit Fernsehbildern und Facebook News. Kinder irren durch das zerbombte Aleppo, strecken Arme durch Stacheldraht, ertrinken im Mittelmeer und verdursten in der Sahara.„Eine Menschheit, die sich von Kindergesichtern nicht anrühren lässt, ist keinen Pfifferling wert.“Sezgins Sehnsucht nach einem großen, moralisch starken, weltweit lokal handelnden „Wir“ will wieder ein Anfang sein und zugleich Beitrag einer fortgeschrittenen Debatte über richtige und falsche Welt- und Menschenbilder. Uns ruft die Autorin zu: Seid gut(en Mutes). Auch wenn das für andere so aussehen kann, als sollten sie moralisch ausgestochen werden.

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  • Eine intellektuelle Ermutigung zum Aufstand der Gutmenschen!

    Nichtstun ist keine Lösung

    DieBuchkolumnistin

    10. September 2017 um 00:04

    Wie und weshalb sollte man in Zeiten von Shitstorms, Trollen und Hatespeech gegen Diskriminierung, Hass, Rassismus und für die eigenen Überzeugungen eintreten? Warum aufstehen für das, was heute wichtiger ist denn je, für ein soziales Miteinander, für gesellschaftliche Werte und gelebte Demokratie? Die Philosophin Hilal Sezgin geht diesen Fragen in ihrem Buch, einem 150 Seiten langen Essay, auf den Grund. „Liebe Menschen, die Welt, wie wir sie kannten, ist für immer verloren“, so schrieb Sibylle Berg neulich in ihrer Spiegel Kolumne und Sezgin befürchtet Ähnliches – vieles ist für immer zerstört, wir haben Raubbau betrieben an unserem Planeten, an der Flora und Fauna, an uns selbst, immer noch - jeden Tag. Zu spät sei es jedoch nie, auch wenn dies mit Anstrengung, Überwindung und Verzicht einhergehe – die Belohnung, so die Autorin, könne aber der Zugewinn dessen sein, auf das zuliebe man verzichtet. Die Lösung ist ihrer Meinung nach die sofortige Verhaltensänderung, der Wechsel auf die gute Seite. Die überzeugte Veganerin fordert und erklärt dies anhand aktueller gesellschaftlicher Beispiele in den Bereichen Kommunikation/Sozialverhalten sowie persönliche Lebensweise/Ernährung und nimmt dabei sich selbst stets mit in die Pflicht. Sie prüft kritisch, zieht andere Philosophen zu Rate, hinterfragt und spielt beständig mit den Gedanken des Lesers, die möglicherweise währenddessen bereits Ausreden suchen, innerlich Widerstand leisten wollen, denen sie im nächsten Satz argumentativ Vorschub leistet.Erstaunlicherweise schafft sie es trotz des ernsten Stoffes Leichtigkeit zu transportieren und auf jeder Seite, in jedem Themenbereich neu zu motivieren. Auch dies macht das Buch derart lesenswert – es unterhält, informiert und fordert. Es ist ähnlich, als ob man sich bei einer Flasche Wein mit Freunden über die aktuelle Weltlage unterhalten würde und am Ende des Abends sicher ist: morgen, ja, dann packen wir es an, zusammen retten wir die Welt. Ob man am nächsten Tag noch etwas davon weiß, ob etwas übrig ist vom Tatendrang? Für Gutmenschentum gibt es keinen Wettbewerb, so Sezgin. Fangen wir an und leisten, was leistbar ist, im Großen wie im Kleinen. Gründe gibt es genug: „… mit allem, was wir für uns und andere tun, ist etwas in die Welt gekommen, was es wert ist, dass man dafür morgens aufsteht. Nichts ist verloren. Jede Freude, die wir jemandem gemacht haben, hat diese Welt bereichert; jeder Trost, den uns jemand gespendet, und jedes Eintreten für die Gerechtigkeit hat unsere Verbundenheit gestärkt.“ 

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