Irmgard Keun Kind aller Länder

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Inhaltsangabe zu „Kind aller Länder“ von Irmgard Keun

Kully ist erst zehn, aber sie kennt schon Wien, Warschau, Prag und Paris, denn ihre Eltern sind auf der Flucht vor den Nazis. Kully weiß, wie schwer es ist, wenn man kein Geld, keinen Pass und kein Zuhause hat, aber sie lässt sich nicht entmutigen. Das hat sie von ihrem Vater, einem liebenswerten Luftikus, der als Schriftsteller quer durch Europa reist, um Geld für die Familie zu besorgen. Mutter und Tochter lässt er meist in Hotels zurück, wo virtuose Ausreden zu erfinden sind, wenn die Rechnungen eintreffen. Keun lässt uns nicht nur am rastlosen und tragikomischen Leben der erstaunlich abgeklärten Kully teilhaben, sondern gibt auch tiefe Einblicke in die Situation der Emigranten in Europa.

Dieses Hörbuch enthält einen Bonustrack: Volker Weidermann, Literaturkritiker, Journalist und Autor des Bestsellers »Ostende«, spricht über Irmgard Keuns Exilroman »Kind aller Länder«. In Ostende begann Irmgard Keun mit Joseph Roth eine leidenschaftliche Affäre – und diesen Roman.

Ungekürzte Lesung mit Jodie Ahlborn
4 CDs | ca. 5 h 16 min

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  • Ein Kind aller Länder

    Kind aller Länder

    Buecherschmaus

    13. July 2016 um 17:29

    1938 erschien der Roman „Kind aller Länder“ erstmals im Exilverlag Querido. Irmgard Keun, vor 1933 mit zwei Titeln sehr erfolgreiche Schriftstellerin und nun von den neuen Machthabern verfemt, war da bereits auch ein solches heimatloses „Kind“, verfolgt, auf der Flucht durch Europa. Ihre Stationen waren dieselben wie für die zehnjährige Kully, die, gefragt, ob sie nicht manchmal Heimweh hätte, erst einmal überlegen muss, was Heimweh für sie eigentlich bedeutet. "Manchmal habe ich Heimweh, aber immer nach einem anderen Land, das mir gerade einfällt. Manchmal denke ich an die singenden Autobusse an der Cote d’Azur, an eine Wiese bei Salzburg, die ein blaues Meer von Schwertlilien war, an die Weihnachtsbäume bei meiner Großmutter, an die Slotmaschinen in New York, an die Riesenmuscheln in Virginia und die Strohschlitten und den Schnee in Polen." Kully und ihre Eltern reisen durch Europa. Ihr Vater, der Schriftsteller konnte "nicht mehr in Deutschland sein, weil eine Regierung Freunde von ihm eingesperrt hat, und weil er nicht mehr sprechen und schreiben durfte, was er wollte." Ersetzt man Deutschland durch andere Länder, zeigt sich, wie aktuell das Buch auch heute noch ist. Irmgard Keun wählt den kindlich-naiven Blick und macht dadurch viele Wahrheiten und Absurditäten umso deutlicher. Etwa: „Ein Visum ist auch etwas, das abläuft. Zuerst freuen wir uns immer schrecklich, wenn wir ein Visum bekommen haben und in ein anderes Land können. Aber dann fängt das Visum schon an, abzulaufen, jeden Tag läuft es ab – und auf einmal ist es ganz abgelaufen, und dann müssen wir aus dem Land wieder raus.“ oder „Eine Grenze ist auch keine Erde, denn sonst könnte man sich ja einfach mitten auf die Grenze setzen oder auf ihr herumlaufen, wenn man aus dem ersten Land ’raus muss und in das andere nicht rein darf. Dann würde man eben mitten auf der Grenze bleiben, sich eine Hütte bauen und da leben und den Ländern links und rechts die Zunge rausstrecken. Aber eine Grenze besteht aus gar nichts, worauf man treten kann." oder „Aber wir sind Emigranten, und für Emigranten sind alle Länder gefährlich, viele Minister halten Reden gegen uns und niemand will uns haben, dabei tun wir gar nichts Böses und sind genau wie alle anderen Menschen." Die Zitate verdeutlichen ein wenig den Tonfall, den Irmgard Keun wählt. Eine Kinderperspektive ist meist ein wenig heikel, hier gelingt sie im Großen und Ganzen perfekt. Nur selten schießt sie ein wenig über das Ziel hinaus. Die im kindlichen Plauderton, oft auch staunend über die Welt der Erwachsenen aneinander gereihten Episoden über das Leben in teuren Hotels, die sie sich gar nicht leisten können, den stets auf der Suche nach Geld und Gönnern abwesenden, leichtlebigen und dem Alkohol zugeneigten Vater, die zunehmend verzweifelte Mutter und die kleinen Kinderabenteuer lesen sich amüsant, oft tiefgründig-witzig. Das gibt dem Buch eine große Leichtigkeit, hat allerdings auch oft einen etwas unguten Beigeschmack. Bei aller Hellsicht, die Irmgard Keun auf die Lage in Deutschland und Europa bereits 1938 hatte, welch fürchterliche Ausmaße das Ganze annehmen sollte, konnte sie nicht absehen. Das kindlich-heitere wirkt dadurch manchmal etwas unpassend. Gerade angesichts der Aktualität der Flüchtlingsfrage ist die Wiederentdeckung dieses gelungenen, eindrücklichen Buchs aber unbedingt zu begrüßen. Jodie Ahlborn liest das Buch hervorragend und sehr authentisch vor.

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  • Bewegend

    Kind aller Länder

    Pongokater

    29. May 2016 um 17:05

    Jodie Ahlborn liest dieses Buch so glaubwürdig, dass ich es mir gar nicht als stille Lektüre vorstellen kann. Kullys Flucht mit Schriftsteller-Vater und Mutter durch viele Länder Europas und letztlich sogar die USA zeigt mit großer sprachlicher Kraft die Leiden des Exils im Allgemeinen und die von Kindern auf der Flucht im Besonderen. Die Kinderperspektive ist mehr literarisch als authentisch, aber sie verleiht der Erzählerin Worte, die Erwachsenen fehlen. Ein Hoch auf den Verlag, der dieses Juwel wiederentdeckt hat. Ein zweifaches Hoch auf die begnadete Vorleserin.

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