Isaac Rosa Das Leben in Rot

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Inhaltsangabe zu „Das Leben in Rot“ von Isaac Rosa

Der Universitätsprofessor Julio Denis und der Student Andrés Sánchez geraten ins Visier des spanischen Geheimdienstes, sie werden verhaftet und verschwinden spurlos. Weder bei der Polizei noch beim Geheimdienst finden sich Unterlagen über das Schicksal der beiden. Was aber ist wirklich geschehen? Immer widersprüchlichere Tatsachen über den seltsamen Professor Denis kommen ans Licht; ein an sich unbescholtenen Professor, der an der Madrider Universität spanische Barocklyrik lehrt und sich allem Anschein nach nicht um Politisches kümmert. Doch ist er wirklich ein so weltferner Mensch, wie er es nach außen hin glaubhaft zu machen versucht? Warum sonst hätte er sich am Vortag der Ereignisse mit Andrés Sánchez getroffen, dem Rädelsführer und Mittelpunkt des Studentenaufstands?

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  • Rezension zu "Das Leben in Rot" von Isaac Rosa

    Das Leben in Rot

    WinfriedStanzick

    01. September 2011 um 09:41

    Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass ein 1974 geborener spanischer Autor einen solchen Roman über die Franco-Diktatur überhaupt schreiben kann, war er doch zum Zeitpunkt des beschriebenen Geschehens noch gar nicht geboren. Mit großem Ernst und völlig frei von jeder Leichtfertigkeit im Umgang mit einem schwierigen Thema hat Isaac Rosa, der als einer der wichtigen neuen Autoren in Spaniens Literaturszene gilt, erzählt von dem Schrecken und den unsäglichen Geschehnissen, die sich in den Folterkammern des franquistischen Geheimdienstes während der Diktatur abspielten. Während Hunderttausende von Deutschen, Engländern und anderen Europäern jedes Jahr an den noch recht unbebauten sonnigen Stränden des Landes sich erholten, wurden Tausende gequält, gefoltert und ermordet, zahllose Menschenleben ruiniert und Familien zerstört. Das ganz besondere an diesem beeindruckenden Roman ist seine Anlage. Der Autor sucht eine authentische Nähe zu seinem Gegenstand, in dem er zu Beginn des Buches seinen Status als Erzähler problematisiert und seine Arbeitsweise offenlegt. Er hat nämlich aus vorgeblich historischen Namensregistern und Fußnoten sich seine Hauptfiguren erschaffen. Sie baut er dann aus, verschafft ihnen eine Identität und verfolgt ihre Entwicklung, die er immer wieder aus Interviews und Zeitungsberichten aber auch aus Quellen der Literatur unterfüttert. Immer wieder bricht er dabei abrupt ab, wenn er glaubt nicht weiter zu kommen und beginnt mit einem neuen Puzzleteil. Permanent befindet er sich dabei im Gespräch mit imaginären Lesern und Zeitzeugen, die sein Vorhaben kritisieren, bewerten und einordnen. Rosa tut das mit einer solchen Konsequenz und derart radikal, dass es ein großer Lesegenuss ist. Er kehrt das innere eines Romans nach außen, schreibt über Entstehungsbedingungen und die Probleme eines Autors und spart auch nicht mit eingeworfener Kritik an seinen Kollegen. So schreibt er einmal: "Auf den Bürgerkrieg kommen unsere Literaten und Filmemacher mit Vorliebe immer wieder zurück, er eignet sich als unerschöpfliche Quelle für individuelle Heldengeschichten." Genau das möchte Rosa mit seinen Protagonisten nicht tun. Er erzählt von dem Universitätsprofessor Julio Denis und von dem Studenten Andres Sanchez. Beide geraten irgendwann in den Blick des franquistischen Geheimdienstes, werden verhaftet und verschwinden spurlos. Es gibt keine Akten über diese Vorgänge, kein Archiv hat Informationen gesammelt. Doch was ist wirklich geschehen ? In einem schon erwähnten permanenten Dialog mit dem Leser und anderen fiktiven Zeugen versucht Isaac Rosa den immer widersprüchlicheren Fakten nachzugehen, die er über den skurrilen Professor Denis sammelt. Der lehrt Barocklyrik an der Madrider Universität und hat mit Politik nur wenig im Sinn. Doch ist seine Weltferne echt ? Versteckt er etwas anderes dahinter ? Francos Geheimdienste haben Denis in dem Verdacht mit den Gegnern des Systems zu kooperieren. Denn warum sonst hat Denis sich mit dem Studentenführer Andres Sanchez getroffen, genau einen Tag bevor es zu einem Studentenaufstand kam ? Doch auch Sanchez gerät in den Verdacht ein Spitzel zu sein. Isaac Rosa hat sich mit diesem historisch eher am Rande des Geschehens agierenden Figuren in die Mitte des Systems der Folter hineingeschrieben. Es geht um den Wert, der dem Individuum in Zeiten harter Repression überhaupt noch zugesprochen wird. Und sofern ist der beachtliche Roman nicht nur ein Buch über die Franco-Diktatur, sondern ein bewegendes Zeugnis gegen die Folter überhaupt, egal wo und wann sie stattgefunden hat oder stattfindet. Seine Schilderungen berauschen sich nicht an der Gewalt, obwohl ihre Lektüre manchmal schwer zu ertragen ist. Isaac Rosas Roman ist ein Beispiel dafür, dass die Literatur eben nicht nur von Zeitgenossenschaft lebt, sondern mehr noch vom künstlerischen Reflexionsvermögen der Literaten. Ros beschreibt eindrucksvoll, welche Deformationen die Diktatur in Spaniens Demokratie bis auf den heutigen Tag hinterlassen hat: Denkfaulheit, Angst und vorauseilender Gehorsam. Und er stellt sozusagen ein Warnschild auf, darauf steht "Vergangenheitsbewältigung" heißt noch lange nicht, dass man das Wesen der Barbarei verstanden hat. Vielleicht gelingt das auch nie. Rosas Buch aber ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man es immer wieder versuchen sollte.

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