John Williams Butcher's Crossing

(83)

Lovelybooks Bewertung

  • 81 Bibliotheken
  • 4 Follower
  • 6 Leser
  • 28 Rezensionen
(40)
(29)
(11)
(3)
(0)

Inhaltsangabe zu „Butcher's Crossing“ von John Williams

Ein überwältigender Roman über die Zerbrechlichkeit von Menschlichkeit und Würde.Es ist um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«. In Butcher’s Crossing, einem kleinen entlegenen Städtchen in Kansas, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten: Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen – und entfesseln eine Tragödie. Ein Roman darüber, wie man im Leben verliert und was man dadurch gewinnen kann.

Spannende Westerngeschichte, authentisch und bewegend geschrieben!

— Maritzel
Maritzel

Harter melancholischer Erzählton ohne Schnörkel. Auf der Suche dem wahren Leben gehen manche verloren.

— Bücherfüllhorn-Blog
Bücherfüllhorn-Blog

Einfach fantastisch!!

— genihaku
genihaku

Stöbern in Romane

Der Frauenchor von Chilbury

Ein sehr unterhaltsamer, warmherziger und informativer Briefroman!

takabayashi

Swing Time

Interessantes Thema schwach umgesetzt

Leseprinzessin1991

Heimkehren

Beeindruckender Roman über das Leben zweier ghanaischer Familien, die untrennbar mit der Sklaverei und ihren Folgen verbunden sind.

Xirxe

Als die Träume in den Himmel stiegen

Man vermutet zunächst ein Happy End, liest aber immer mehr die tragische Geschichte eines jungen Mädchens.

Loooora

Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso versteht es wie kein anderer Autor Genres verschmelzen zu lassen.

Almilozi

Der Sandmaler

Leider wieder viel zu aktuell.

Faltine

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Harter melancholischer Erzählton ohne Schnörkel. Die Suche nachdem wahren Leben ...

    Butcher's Crossing
    Bücherfüllhorn-Blog

    Bücherfüllhorn-Blog

    10. October 2016 um 22:31

    Eine Geschichte, auf die ich mich bewusst einlassen musste. Der Erzählton am Anfang gewöhnungsbedürftig, dann doch irgendwie genial in seiner „harten kernigen Melancholie“. Ich habe mal gelesen, dass jemand den Schreibstil altmodisch nannte. Dies ist sicherlich Ansichtssache. Hauptprotagonist Andrews wandelt sich durch die entbehrungsreiche Reise von einem Bostoner Bürschchen in einen Mann. Ein Naturparadies wird entweiht. 5000 Büffel getötet. Zerstörung der Natur. Tragisch der Schluss, als Leser ahnte man es schon. Obwohl mir die Hauptprotagonisten seltsam fern blieben, hatte das Buch doch das gewisse „Etwas“, dass ich nicht näher beschreiben kann. Eine ausführliche Rezension findet ihr in meinem Bücherfüllhorn.   Meiner Meinung nach lässt sich das Buch nur sehr leseaffinen Lesern empfehlen, die bereit sind etwas Neues mit alten Geschichten zu wagen. Am Schluss kann ich für mich sagen, dass mich die Geschichte auf irgendeine Weise berührt hat.

    Mehr
  • Großartiges Leseerlebnis - wie auch schon "Stoner"

    Butcher's Crossing
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    31. March 2016 um 14:58

    1870 verlässt William Andrews die Universität und begibt sich, inspiriert von den Naturauffassungen Ralph W. Emersons, auf die Suche nach der Wildnis und seiner Beziehung zur Natur. In Butcher‘s Crossing, einem kleinen Städtchen in Kansas, begegnet er Miller, einem Jäger und Abenteurer. Er erzählt Andrews von einer riesigen Büffelherde in einem entlegenen Tal der Colorado Rockies, die nur eingefangen werden müsse. Andrews schließt sich der Expedition an und sie erreichen einen Ort von besonderer Schönheit. Von Gier blindgetrieben entfesseln die Männer eine Tragödie. John Williams Roman Butcher’s Crossing, der im Jahr 1870 spielt, bewegt sich fernab von jeglicher Wildwestromantik. Eigentlich geschieht in dem Buch nicht viel. Ein paar Männer fahren mit einem Ochsenkarren in ein Jagdgebiet und gehen auf Büffeljagd. Der Leser begleitet sie auf diesem Weg und in ihrem Kampf mit der Natur und vor allem mit sich selbst und lernt die Figuren sowie ihre inneren Abgründe so nach und nach kennen. Für mich sticht hier vor allem die detaillierte Beschreibung von Miller mit seiner Gier und Besessenheit heraus, die ihn während der Jagd in einen Blutrausch zu versetzten scheint. Anders erscheint Andrews, der völlig unerfahren an der Jagd teilnimmt. Nachdem er sein altes Leben hinter sich gelassen hat und sich selbst in der Natur sucht, stößt er schon schnell an seine Grenzen. Es ist faszinierend, ihn dabei zu beobachten, wie er neue Erfahrungen sammelt, diese verarbeitet und sich immer mehr verändert und entwickelt. In der Natur erhofft er sich, sein wahres Ich zu finden. Miller und Andrews sind sehr gegensätzlich aufgebaut, auf der einen Seite Miller, der besessen von der Jagd ist und einen rastlosen, fiebrigen Eindruck macht. Auf der anderen Seite der junge Andrews, der aus einem wohlhabenden Hause stammt mit seinem Idealismus und seiner Begeisterung für die Natur. Andrews kämpft mit sich selbst, gegen die Gier und die entstehende Abstumpfung während der Jagd. Als einziger Teilnehmer scheint er noch die Schönheit und die Einzigartigkeit der Natur zu erkennen. Aber auch die anderen beiden Teilnehmer der Expedition, der einhändige Charley Hoge und der deutschen Fred Schneider, der für das Häuten der erlegten Tiere zuständig ist, sind spannende Charaktere. Ein Genuss ist erneut der Schreibstil von John Williams. Ruhig und ohne eigene Wertung beschreibt er die Grausamkeit und das allmähliche Abstumpfen der Männer. Gerade diese ruhige Art des Erzählens lässt die Handlung für mich umso eindringlicher erscheinen. Ebenso atmosphärisch gelungen sind die Darstellungen der Natur sowie die genauen Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Gedanken und Gefühle. Nachdem bereits Stoner von John Williams für mich zu den Lesehighlights des letzten Jahres zählte, ist auch Butcher’s Crossing ein ganz besonderes Buch. Die detaillierten Charakterbeschreibungen und ihre Entwicklungen sowie die bildhaften Landschaftsbeschreibungen machen den Roman zu einem tiefsinnigen und auch literarisch anspruchsvollen Erlebnis. Ein Western ohne Klischees, der existenzielle Fragen zum menschlichen Sein und seinem Wirken in der Natur aufwirft. Für mich jetzt schon ein Höhepunkt meines diesjährigen Lesejahres!

    Mehr
  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

    Mehr
    • 1702
  • Ein amerikanischer Traum?

    Butcher's Crossing
    Sikal

    Sikal

    26. February 2016 um 20:18

    1870: Will Andrews bricht sein Harvard Studium ab und macht sich auf die Suche nach einem anderen Leben. Ist es das Abenteuer das lockt? Oder die Natur? Jedenfalls landet Will in dem kleinen Butcher’s Crossing in Kansas, wo er auf „richtige“ Männer trifft. Männer, die jagen, schnelles Geld mit Fellen machen und sich die Nächte mit Alkohol und Frauen um die Ohren schlagen. Einer davon ist Miller, der Will von Büffelherden in den Bergen vorschwärmt und ihn dazu bringt, eine Expedition dorthin zu finanzieren. Miller organisiert ein kleines Team und die vier Männer machen sich auf eine strapaziöse Reise. Dass es letztendlich in einer Katastrophe endet, war beinahe vorhersehbar… John Williams beschreibt diese Reise und die darauf folgende Büffeljagd sehr detailliert. Beinahe kann man die Kälte, den Durst und das Konfliktpotential spüren, dem die kleine Gemeinschaft trotzen muss. Immer an der Grenze des Ertragbaren kommen die vier Männer letztendlich doch an den von Miller prognostizierten Ort und beginnen eine Schlacht gegen eine riesige Büffelherde. Ein Blutbad wird angerichtet, das seinesgleichen sucht. Zu Hunderten werden Büffel niedergemetzelt, gehäutet und einfach liegen gelassen. Es geht ihnen ja nur um die Felle, denn die bringen das große Geld – so denken sie zumindest. Der amerikanische Traum vom schnellen Geld ist dann relativ schnell ausgeträumt, das muss auch Will auf seinem Weg zum Erwachsenwerden erfahren. Mit welcher Grausamkeit Menschen hier ihre Gier und Besessenheit ausleben, ist erschreckend. Der Roman hat nicht allzu viel Handlung und nur wenige Akteure. Einiges blieb für mich ungeklärt, so konnte ich nicht ganz verstehen, welchen Antrieb Will Andrews hatte sich dieser wilden Horde anzuschließen, wo er doch eigentlich einer gebildeten Familie entstammt. Wie kann man eine derartige Lust verspüren zu töten? Die Landschaftsbeschreibungen gefielen mir sehr gut, doch dieser Tötungswahn hat mich ziemlich abgestoßen.

    Mehr
  • Wilder Westen pur und endlos

    Butcher's Crossing
    sursulapitschi

    sursulapitschi

    Butcher´s Crossing. Hochgelobt und viel gepriesen wegen seiner wunderbar atmosphärischen Beschreibungen, die einen die Natur und die Wildnis des alten Amerikas spüren lassen. Das tut es zweifelsohne, nur gab es da wirklich viel Natur und Wildnis. Auch das vermittelt dieses Buch, was wohl den meisten gefällt. Mich hat es zu großen Teilen gelangweilt, die Beschreibungen sind wirklich weitschweifig. Will Andrews aus Boston, Massachusetts, beschließt, sein Studium abzubrechen und in die Wildnis zu ziehen, um ein ganz anderes Leben kennenzulernen. Warum er das tut, erfahren wir leider nicht. Er engagiert einen Trupp von erfahrenen Jägern, um an einer Büffeljagd teilzunehmen. Vier Mann, drei Pferde und ein Ochsengespann machen sich auf. Eine recht skurrile Zweckgemeinschaft, über die man aber auch nur das Nötigste erfährt. Man hört die Räder rattern, fühlt den Staub der Prärie, lechzt nach Wasser, hat aber keine Ahnung, warum der abgebrühte Miller, der ohne mit der Wimper zu zucken 150 Büffel an einem Tag erlegt, sich rührend besorgt um Charlie Hodge kümmert. Wie kann es sein, dass Andrews, fast noch ein Kind und behütet aufgewachsen, interessiert das Schlachtfest beobachtet und vorbehaltslos daran teilnimmt? Er feilt an seiner Technik beim Fell abziehen, gewöhnt sich an den Gestank der Kadaver, die zu Tausenden liegen bleiben, weil niemand das Fleisch braucht, macht sich aber sonst keine Gedanken. Entweder ist Will Andrews ein stumpfsinniger Trottel, oder Herr Williams deutlich mehr an Atmosphäre als Personenzeichnung interessiert. Das ist schade, weil wir hier wirklich ein paar hochinteressante Exemplare auf dem Tisch haben, die eindrucksvoll hungern, frieren, dürsten und auch gelegentlich durchdrehen, nur denken tun sie kaum. Da gibt es einige Stellen, an denen mir ein schnödes „Ist halt so“ zu wenig ist. Durch dieses Buch musste ich mich beißen. Es schildert bildreich, wie entbehrungsreich eine lange Reise durch die Ödnis der Prärie gewesen sein muss und liest sich deshalb auch genau so: qualvoll und lang. Man bekommt einen lebendigen Eindruck von der Grausamkeit und Sinnlosigkeit der Vorgehensweise amerikanischer Büffeljäger und das ist deprimierend und ekelhaft. Wer also Lust hat auf Wilden Westen ohne Romantik, blutiges Abschlachten ohne Bedauern und Protagonisten ohne Charakter, der sollte sich auf diese Reise begeben. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. 

    Mehr
    • 3
  • Gute Story und toller Schreibstil

    Butcher's Crossing
    reading-books

    reading-books

    14. February 2016 um 11:27

    2014 habe ich “Stoner” gelesen und war damals nach anfänglicher Skepsis extrem begeistert. Ich hatte den Autor nicht einschätzen können und tat mich anfänglich schwer. Aber es hat sich gelohnt und als nun ein weiteres Buch von John Williams veröffentlicht wurde, musste ich es lesen. Im Grundansatz ist Butcher’s Crossing ganz anders als “Stoner” und auch diesmal habe ich ein wenig Zeit benötigt um ins Buch zu finden. Das liegt am Schreibstil, der für mich noch immer ungewohnt ist. Nach der Erfahrung mit “Stoner” habe ich mich davon aber nicht abschrecken lassen und voller Motivation weitergelesen. Ich muss gestehen, es ist mein erster Western – wenn man es denn so nennen möchte. Ich schaue nicht einmal Filme in dieser Hinsicht und so war es sicherlich ein weiterer Test in mehrfacher Hinsicht. Interessant ist, dass die ersten Seiten wie eine kleine Heimkehr gewesen sind. Es ist ähnlich dem Gefühl seine Eltern zu besuchen, wenn man bereits ausgezogen ist und in seinem alten Kinderzimmer steht. Ok, der Vergleich hinkt vielleicht ein wenig, aber ich hoffe ihr könnt mir dadurch besser folgen ;) John Williams Schreibstil beginnt sehr ruhig und fesselt den Leser hinter dessen Rücken. Auch die Geschichte um Will Andrews spinnt ihre Fäden langsam. Es passiert zunächst nicht viel und dennoch konnte ich nicht aufhören zu lesen. Mit jeder weiteren Seite fesselte sie mich mehr und ich konnte ein weiteres Mal in eine wunderbare Zeit eintauchen. Die Unterschiede zu heutigen Autoren sind teilweise deutlich spürbar, den Lesefluss stört das aber nicht. Insgesamt konnte mich “Butcher’s Crossing” leider nicht ganz so packen wie Stoner. Ich kann nicht genau beziffern woran dies tatsächlich gelegen hat, denn die sowohl die Figuren wie auch die Story an sich war gut. Leider hat es mich jedoch nicht restlos gepackt und so vergebe ich an dieser Stelle nur 4 Sterne für “Butcher’s Crossing”.

    Mehr
  • Gute Story und toller Schreibstil

    Butcher's Crossing
    reading-books

    reading-books

    14. February 2016 um 11:27

    2014 habe ich “Stoner” gelesen und war damals nach anfänglicher Skepsis extrem begeistert. Ich hatte den Autor nicht einschätzen können und tat mich anfänglich schwer. Aber es hat sich gelohnt und als nun ein weiteres Buch von John Williams veröffentlicht wurde, musste ich es lesen. Im Grundansatz ist Butcher’s Crossing ganz anders als “Stoner” und auch diesmal habe ich ein wenig Zeit benötigt um ins Buch zu finden. Das liegt am Schreibstil, der für mich noch immer ungewohnt ist. Nach der Erfahrung mit “Stoner” habe ich mich davon aber nicht abschrecken lassen und voller Motivation weitergelesen. Ich muss gestehen, es ist mein erster Western – wenn man es denn so nennen möchte. Ich schaue nicht einmal Filme in dieser Hinsicht und so war es sicherlich ein weiterer Test in mehrfacher Hinsicht. Interessant ist, dass die ersten Seiten wie eine kleine Heimkehr gewesen sind. Es ist ähnlich dem Gefühl seine Eltern zu besuchen, wenn man bereits ausgezogen ist und in seinem alten Kinderzimmer steht. Ok, der Vergleich hinkt vielleicht ein wenig, aber ich hoffe ihr könnt mir dadurch besser folgen ;) John Williams Schreibstil beginnt sehr ruhig und fesselt den Leser hinter dessen Rücken. Auch die Geschichte um Will Andrews spinnt ihre Fäden langsam. Es passiert zunächst nicht viel und dennoch konnte ich nicht aufhören zu lesen. Mit jeder weiteren Seite fesselte sie mich mehr und ich konnte ein weiteres Mal in eine wunderbare Zeit eintauchen. Die Unterschiede zu heutigen Autoren sind teilweise deutlich spürbar, den Lesefluss stört das aber nicht. Insgesamt konnte mich “Butcher’s Crossing” leider nicht ganz so packen wie Stoner. Ich kann nicht genau beziffern woran dies tatsächlich gelegen hat, denn die sowohl die Figuren wie auch die Story an sich war gut. Leider hat es mich jedoch nicht restlos gepackt und so vergebe ich an dieser Stelle nur 4 Sterne für “Butcher’s Crossing”.

    Mehr
  • WHERE THE WILD BUFFALO ROAM..... Vom Töten, Fi...en und der Macht des Zufalls....

    Butcher's Crossing
    Pashtun Valley Leader Commander

    Pashtun Valley Leader Commander

    All diejenigen, die einen Verriss erwarten mögen Ihre Herzen verteilen und sich weiter machen..... Dieses Buch erinnert mich an eine Jugend die lange zurück liegt. Höre ich doch seit der Lektüre wieder die Band "12 Drummers drumming". Ein Album hiess "where the wild buffalo roams" und der gleichnamige Titelesong war integraler Bestandteil postpubertären Rumbaggerns. Ansonsten sollen alle die Kanda von John Ford gelesen haben, die Finger von diesem Buch lassen.... Ratlos hinterlässt dieses Buch einen Leser. Ratlos ob dieses Buches, Spiegelbestseller.... hmpf, zum Glück im Taschenbuch... fein und die gestellbebrillte Buchhändlerin in Amberg holt es vom Stapel gleich neben "50 Shades of Grey". Ratlos bin ich, da dieser Roman ein Antibestseller ist. Keine Action, wenig Sex, eine Mischung aus Hemingways, Steinbeck und John Ford..... Es ist ein ruhiges Buch über Veränderungen und Macht und Ohnmacht. Fast philosophisch.... Ein junger Mann verlässt im Amerika des späten 18. Jahrhunderts seine Uni, nein nicht um Karriere zu machen, sondern um das echte Leben kennen zu lernen.... Echtes Leben, impliziert schon ein kleines bisschen Blut, Schweiss und Scheisse... Ein kleines Kaff im Nirvana, Boomtown, da angeblich an einer Eisenbahntrasse gelegen, Boomtown, da von hier der amerikanische Markt mit Bisonfellen versorgt wird.... Sometimes a man has to do, what a man has to do Es wird die Anreise des jungen Menschen beschrieben, das vorsichtige Annähern an eine Kleinstadt, die auch "Fourwinds" heissen könnte. Da weit Draussen, mitten im Grasmeer irgendwo zwischen Missisippi und den Rockys. Unser junger Freund wirkt noch so städtisch, dass er das Verlangen einer Prostituierten weckt, die sich auf ein sauberes weiches Stück Fleisch freut. Die Vorbereitungen der Defloration des jungen Mannes geschehen im hellen Licht, welchers in Kombination mit der nicht vorhandenen Unterwäsche der Dame ihn rumphilosophieren lassen, welcher erfüllt eine Sexworkerin in einem ruralen Umfeld. Die Errektion fällt in sich zusammen, er verlässt die Wallstadt um ins Ungewisse aufzubrechen..... Wenige Tage vor dem Fastverkehr hat sich unser Freund einer Jagdgesellschaft angeschlossen. Deren Zweck ist es möglichst viele Bisons zu töten und diese Abzuhäuten und deren Häute zwecks Inverkehrsbringung nach Butchers Crossing zurückzubringen.... Anführer des Ganzen ist ein Unsympath, der im Stile eines Captain Ahabs statt eines weißen Wals Bisons jagt, die Jagd über Gebühr verlängert und hierdurch die Jagdgesellschaft zum Überwintewrn in den Rockies zwingt. -Eingeschneit- Unser Held sublimiert seine sexuelle Energie und seinen Frust über den Verzicht des Aktes durch Abschlachten und Häuten von 4000 Bisons. Der Akt des Tötens als Negation des Sexuellen? Zwischendurch lyrische Betrachtungen der Berge, des Grases und des Büffels..... Purgatorium: Der Frühling kommt, der Gebirgspass ist vom Schnee befreit und die muntere Jagdgesellschaft macht sich mit 1200 von 400 Fellen auf den Weg.... Der Transport kommt niemals an, der schmale Fluss wird zur Todesfalle wg. Schneeschmelze (da hat der Krakauer das also her!!!) der Wagen samt begleitenden Reiter von einem mit hoher Geschwindigkeit ankommenden Baustamm getroffen. Der Wagen kippt um, ein Pferd verblutet, trifft aber vorher den Reiter mit dem Huf am Kopf... alles klar Das Ende hat etwas. Die Jagdgesellschaft trifft nach fast einem Jahr auf eine sterbende Stadt. Verläuft die Bahn doch nun ganz woanders entlang. Unser junger Held holt mit der Sexworkerin all die Dinge nach, die er vermisst hat (banal ein wenig wie Dijan) um dann am Ende im Morgengrauen ins Ungewisse aufzubrechen. Für ein Buch in dem so wenig passiert, doch wieder einmal eine lange fast versöhnliche Rezension, wer schmerzhaft mag kann statt Butchers Crossing auch Kierkegaard lesen.

    Mehr
    • 4
  • 'Du kannst doch nicht jeden gottverdammten Büffel in diesem gottverdammten Land erlegen.'

    Butcher's Crossing
    sabatayn76

    sabatayn76

    06. January 2016 um 19:08

    'Du bist verrückt. Was willst du eigentlich? Du kannst doch nicht jeden gottverdammten Büffel in diesem gottverdammten Land erlegen.' Inhalt: Der 23-jährige William Andrews hat in Harvard studiert, doch sein altes Leben zurückgelassen und sich auf die lange Reise nach Butcher's Crossing gemacht, um das Land kennenzulernen, denn er 'war noch nie da draußen und will so viel wie möglich davon sehen'. Andrews nimmt Kontakt mit dem Jäger Miller auf, der vor etwa 10 Jahren ein abgelegenes Tal voller Büffel entdeckt hat und seither davon träumt, an diesen Ort zurückzukehren, um die Büffel zu schießen und das große Geld zu machen. Andrews finanziert das Vorhaben, denn er wittert eine Gelegenheit, sich durch das Abenteuer selbst zu finden. Bald brechen Miller und Andrews zusammen mit dem Häuter Fred Schneider und Millers Faktotum Charley Hoge auf nach Colorado. Sie irren ohne Wasser durch die Prärie und finden schließlich das legendäre Tal mit der riesigen Büffelherde. Mein Eindruck: Ich habe vor zwei Jahren 'Stoner' mit großer Begeisterung gelesen und mich seitdem auf ein weiteres Buch von John Williams gefreut. Auch 'Butcher's Crossing' ist ein großartiges Buch und eignet sich meiner Meinung nach auch für diejenigen, die normalerweise nichts mit Wildwest-Geschichten anfangen können. In langen Sätzen und mit zahllosen Einschüben erzählt John Williams seine Geschichte um Millers Büffeljagd und Andrews' Suche nach sich selbst. Dabei beschreibt er die Handlungsorte wie Butcher's Crossing, die Prärie und das Büffeltal sowie die Protagonisten detailreich und plastisch, so dass er ein realistisches Szenario heraufbeschwört, das den Leser ins späte 19. Jahrhundert und in den Wilden Westen versetzt. 'Butcher's Crossing' ist ein großes Abenteuer mit einem gelungenen Spannungsbogen, wobei die Wendungen im Buch überraschend, aber stets glaubwürdig sind. Williams' Schilderungen der Gier und Besessenheit Millers und der Brutalität und Skrupellosigkeit der Büffeljäger sowie seine Beschreibungen der Gefahren, auf die die vier Abenteurer stoßen und wie sie diese bewältigen, sind durchweg packend und meisterhaft erzählt. So ist 'Butcher's Crossing' nicht nur eine spannende Lektüre, sondern bietet zudem Einblicke in die damalige Zeit und in die Natur des Menschen, der - ohne die Konsequenzen zu bedenken und zu jedem Preis - seine Interessen durchsetzt. Mein Resümee: Wegen der Gier, Zügellosigkeit und Besessenheit Millers hat mich 'Butcher's Crossing' oft an Joseph Conrads 'Herz der Finsternis' erinnert. Aufgrund der Schauplätze (Prärie, Wilder Westen) ähnelt der Roman den Szenarien in Michael Punkes 'Der Totgeglaubte' und Philipp Meyers 'Der erste Sohn'. Wem diese Bücher gefallen haben, der kann mit 'Butcher's Crossing' meiner Meinung nach nichts falsch machen. Alles in allem ist 'Butcher's Crossing' ein sprachlich anspruchsvolles und inhaltlich fesselndes Buch und damit eines meiner Lesehighlights 2016.

    Mehr
  • Der Wilde Westen

    Butcher's Crossing
    Pocci

    Pocci

    14. November 2015 um 15:52

    Der junge Will Andrews entflieht seinem behütetem Elternhaus und der Universität und reist in den Wilden Westen. Dort hofft er, die ursprüngliche, vom modernen Menschen unbeeinflusste Natur zu finden, und schließt sich zu diesem Zweck einem Jagdtrupp an. Gemeinsam mit diesem will er Büffel erlegen und deren Felle verkaufen. Will Andrews steht im Fokus der Erzählung, der Leser begleitet hauptsächlich ihn und erhält dabei auch Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt. Man kann sich sehr gut in ihn hineinversetzen, hat aber trotzdem das Gefühl, dass er recht blauäugig und unvorbereitet an diese Unternehmung herangeht. Von seinem Plan lässt er sich auch nicht durch gutgemeinte Ratschläge oder gar Arbeitsangebote abbringen. Spannend fand ich, seine charakterliche Entwicklung mitzuerleben, denn die Jagd verläuft von Beginn an nicht ganz so, wie er es sich vorgestellt hatte, und er gerät immer wieder an seine Grenzen. Als Leser konnte ich seine Wandlung und sein Wachsen gut nachvollziehen und zusammen mit den tollen Beschreibungen der Landschaften trug dies dazu bei, dass ich mich mitten in die Erzählung versetzt fühlte. Dabei passiert über lange Passagen eigentlich nicht viel, dort gibt es kaum eine äußere Handlung beziehungsweise passiert nichts außergewöhnliches, sondern der Fokus liegt mehr darauf, wie die Männer mit ihrer Situation zurecht kommen und wie besonders Will Andrews sich mit den Gegebenheiten und unvorhergesehenen Belastungen arrangieren muss. Insgesamt ist das Buch trotz des "schweren" Themas gut und leicht zu lesen. Immer wieder gibt es Passagen, in denen sich auch Spannung aufbaut und man als Leser wissen möchte, wie es nun mit Will Andrews weiter geht. Ein großes Manko ist allerdings, dass meiner Meinung nach der Klappentext der deutschen Ausgabe schon viel zu viel vom Inhalt verrät, da es eben keine umfangreiche äußere Handlung gibt.

    Mehr
  • Simplicissimus im wilden Westen

    Butcher's Crossing
    Girl56

    Girl56

    Will Andrews kommt, nach dreijährigem Studium in Harvard, aus dem fernen Boston nach Butcher’Crossing. Bis zum Rand angefüllt mit den Gedanken und Reflektionen von R.W. Emerson über das Glück mit und in der Natur, Wildnis zu leben (ganz berühmt und bekannt Emersons Buch "Nature“). Wir schreiben das Jahr 1870, der sogenannte „Wilde Westen“ wird immer mehr von der „Zivilisation“ erreicht, sprich man wartet wöchentlich darauf, dass die Eisenbahn nach Butcher’Crossing kommt, die Natur wird nur als Möglichkeit des Gelderwerbs gesehen, von einer Naturidylle à la Emerson ist man hier weit entfernt. Obwohl das sicherlich nicht der Emersonschen Intention entspricht, fällt seinem Jünger Will nichts Gescheiteres ein, als eine Büffeljagd in einsamer Gegend zu finanzieren und auch Teil der Jagdgesellschaft zu werden. Die Tage vor diesem Jagdausflug verbringt Will in merkwürdiger Benommenheit, die Avancen, die ihm die Hure Francine macht, stürzen ihn in ein restloses Seelenwirrwarr. Er rettet sich wie immer in seine eigenwilligen Gedanken über das Eins werden und sich gar verlieren in der Weite des von ihm bald zu bereisenden Landes. Die Büffeljagd, zusammen mit Miller, Schneider und Charlye gerät, wie zu erwarten war, zu einem fürchterlichen Desaster, doch der Held Will Andrews ist wie zu Beginn seiner Ankunft in Butcher’s Crossing völlig unbeeindruckt und strahlt eine Gelassenheit aus, die ihresgleichen sucht. Das Angebot des alten Pelzhändlers McDonald, mit ihm zurück in den Osten zu reisen, um dort aufs Neue geschäftlich wieder Fuß zu fassen, lehnt Will Andrews ab, und er reitet allein in die Prärie, um endlich das zu finden, was Emerson ihm vom Leben in der Freiheit der Natur suggeriert hat. Ich habe nach der ersten Begeisterungswelle , die das Erscheinen dieses Buches ausgelöst hat, erst einige Zeit vergehen lassen, bis ich mich an die Lektüre gewagt habe, auch weil ich nicht gerade ein Freund von exzessiven Jagdszenen bin. Diese Passagen habe ich aber erstaunlich gut bewältigt, das ungerührte Verhalten der Hauptfigur, der kaum Regung in dem ganzen Blutrausch zeigt, hat wahrscheinlich geholfen. Was mich aber im Laufe der Lektüre immer ärgerlicher machte, war die Gestaltung der verschiedenen Personen. Alles in allem, bin ich froh, dass ich dieses Buch von John Williams gelesen habe, aber für meinen Teil ist die Lektüre dieses Autors nun beendet. „Stoner“ hatte mich schon so merkwürdig „kribbelig“ gemacht, „Butcher’s Crossing in Teilen noch mehr, nun ist es genug.

    Mehr
    • 2
  • Ein kraftvoller Roman mit guter Sprache

    Butcher's Crossing
    Callso

    Callso

    19. October 2015 um 16:28

    Ein einsamer Büffel ziert das Buchcover. Ein Sinnbild für den Roman, dessen großes Thema die Büffeljagd ist. Ein Buch aus einem anderen Jahrhundert, ein Werk, das komplex, anspruchsvoll und wild daher kommt. John Williams ist ein Autor vom alten Schlag. Einer, der über die Natur mit viel Kraft, Würze und sehr ausschweifend zu berichten vermag. Einer, der die Sprache gerne mag und sie wunderbar verarbeitet. So hat der Roman an manchen Stellen einige Längen, ganz manchmal kommt auch die Geschichte etwas schleppend voran.Die Story: Will Andrews kommt nach Butchers Crossing. Als studierter Großstadtmensch möchte er den Wilden Westen kennen lernen. Mit dem abgebrühten Miller und Schneider, der als Häuter eingekauft wurde, lernt er hartgesottene Raubeine kennen, die sicher auf dem Pferd daher kommen. Es ereignet sich in der Wildnis ein Abenteuer, in dem es ums Wasser, Kälte, die Jagd und das schwierige Miteinander geht. Und es geht um Büffel und deren Felle. Ein kraftvoller Roman. Kein platter Western, sondern mehr ein intensives Werk zum Eintauchen. Stoner vom Autor war super - Butchers Crossing ist indes (nur) sehr gut.

    Mehr
  • unverblümtes Wild West

    Butcher's Crossing
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    Hörbuch, 8 Stunden, 57 Minuten gesprochen von Johann von Bülow Nachdem ich von John Williams Buch „Stoner“ so begeistert war, habe ich mir diesen „Western“ als Hörbuch zugelegt und bin wieder begeistert. Der Vorgänger ist allerdings ein Klasse besser, der hätte 7* verdient. Dieses historische Buch in die Richtung moderner „Wild West“ abzulegen, unverklärt, weit entfernt von einer „Karl-May Beschreibung“. Williams löst sich von den amerikanischen Mythen, weist dem Westernklischees den Rücken. Es geht nicht um große Ideale und Abenteuer, die Büffeljagd war ein Geschäft. Der Leser wird mit Entbehrung, harter Arbeit und dem Tötens konfrontiert, riecht förmlich beim Lesen die ungewaschen Männer, die Büffel, den Geruch von Blut. Männer und Tiere in der Wüste, die fast am Verdursten sind, Ochsen, deren Zungen mit dem letzten Wasser befeuchtet werden, damit ihre Zungen nicht anschwellen, eindrückliche Beschreibungen, die es dem Leser erscheinen lässt, als reite er mittendrin. „Behutsam badete Miller das rauhe, gequollene Fleisch; Hand und Handgelenk steckten tief im Hals des Ochsen.“ Phantastisch, wie Williams die Herstellung von Patronen beschreibt, die die Männer erst kurz vor der Jagd in der Einöde herstellen, weil sie sonst verdorben wären. Psychologisches, wie die Verhaltensweisen von Miller, der im Blutrausch einen Büffel nach dem anderen abknallt oder seine Handlungsweise, als die Truppe nach Butcher‘s Crossing zurückkehrt, sind fein beobachtet und erzählerisch eindrücklich dargestellt. Um 1870 finanziert Will Andrews, der Harward-Student aus Boston, Miller den Deal seines Lebens, eine Jagd auf die kostbaren Felle der Büffel in einem unbekannten Tal in den Rocky Mountains. Will sucht das große Abenteuer. Er wird es erhalten, den Ritt in die Hölle. Büffel sind zu der Zeit fast ausgestorben, für Felle wird viel Geld geboten. Miller behauptet, er wisse, wo sich immer noch große Herden aufhalten, völlig versteckt. Miller, ein knallharter Trapper alten Stils, geldgierig, abenteuerlustig, abgebrüht, dagegen Will Andrews, ein verweichtes Söhnchen, naturbegeistert und idealistisch, hochnaiv, ein Stoff, aus dem sich mehr als eine gute Geschichte entwickelt. Miller ist ein Mistkerl, aber auch er zeigt einen weichen Kern. Mit von der Partie ist sein Freund, der leicht verrückte Charley Hoge, den Miller einst vor dem Kältetod rettete, wobei er ihm allerdings die verfrorene und verfaulte Hand amputieren musste. Fred Schneider ist dabei, der beste Häuter. Er erklärt Will später, wie man Tiere ausweidet und das Fell sachgemäß abzieht. Innereien, die sich als schwierig gestalten, Gestank, Fliegenheere, der Leser ist mit allen Sinnen dabei. Nach acht Monaten kehren die Männer zurück: „Meine Güte, ihr Männer verbreitet einen mächtigen Gestank“, sagt der Rezeptionist im Hotel von Butcher‘s Crossing. Ich möchte den Ausgang der Geschichte nicht verraten. Nur so viel, es wäre kein Williams, wenn dieser Roman kein Drama wäre. Dieser Roman ist amerikanische Geschichte. Aber es ist mehr, denn Williams beschreibt eindrücklich Naturgewalten (die Wüste und Schneestürme), die Gier des Menschen und seine grausame Gewalt, seine Dummheit, sich selbst seine Lebensgrundlage durch Zerstörung zu entziehen. Williams beschreibt aber auch die Schnelligkeit der Märkte, den Zerfall von Siedlungen, wenn sie sich den Märkten nicht anpassen können. Schäbige Hotels, schmutzige Saloons, ein Stück von Wild West in seiner Reinform. Von den geschätzten 50 Millionen Büffeln, die es in Amerika einmal gegeben hat, waren um 1900 nur noch 500 Exemplare übrig. Fasziniert durch die Dramaturgie und die gewaltige Sprache wird der Leser mitgezogen in eine vergessene Welt, weit entfernt vom Kitsch des Malboroman.

    Mehr
    • 2
    Arun

    Arun

    01. October 2015 um 20:53
  • Die Unbarmherzigkeit der Natur

    Butcher's Crossing
    sofie

    sofie

    „Der Atem der Gäule, das Klappern der Hufe, selbst die wenigen Worte, die fielen, wurden von der Stille des Waldes aufgesogen, weshalb jeder Laut gedämpft, fern und leise klang und ein Geräusch sich fast wie das andere anhörte, ob nun ein Pferdeschnauben oder ein gesprochenes Wort; sie alle wirkten wie dumpfe Töne, die nicht von ihnen selbst, sondern vom Wald zu kommen schienen, so als schlüge darin ein gewaltiges Herz, das jedermann hören könnte.“ (S. 148) Ich habe „Stoner“ und „Butcher’s Crossing“ von John Williams direkt nacheinander gelesen und wie Virginia Blackburn auf der Rückseite des Buchs sagt, könnte man meinen das zweite Buch sei eine genaue Umkehrung des ersten. Stoner geht als Farmerssohn in die Stadt und entdeckt die englische Literatur für sich, William Andrews – der Protagonist von Butcher’s Crossing – geht von Harvard in den Westen, um in der Prärie die Wildnis zu erleben. Doch was beide gemeinsam haben ist, dass sie als Außenseiter in eine ihnen unbekannte Welt kommen. Und diese Welt wird so auch dem Leser nähe gebracht. William Andrews scheint allerdings eine sterbende Welt kennenzulernen. Gemeinsam mit dem Jäger Miller, seinem Freund Hoges und dem Häuter Schneider geht er völlig unerfahren auf große Büffeljagd. Während die Herden ringsherum schon fast ausgerottet sind, kennt Miller noch ein Tal, wo sich Tausende Büffel aufhalten. Der Roman beschreibt diese Jagd in großen Details – der Kampf Mensch gegen Natur, Hitze, Kälte, Hunger, Durst, Einsamkeit. All das müssen die Männer durchleben und der Autor John Williams beschreibt es meisterhaft. Wie auch „Stoner“ zieht einen das Buch in seinen Bann und in die Welt, die es beschreibt. Und ganz besonders die Landschaftsbeschreibungen sind toll. Von mir also eine ganz klare Leseempfehlung – wem „Stoner“ gefallen hat, der sollte auch unbedingt „Butcher’s Crossing“ lesen! 5 von 5 Sternen.

    Mehr
    • 5
    Arun

    Arun

    23. September 2015 um 00:02
  • ... intensiv leben wollte ich

    Butcher's Crossing
    Bri

    Bri

    Was sagt man zu einem Buch, das den Leser nicht nur räumlich sondern auch zeitlich so weit entführt, dass er sich auf dem Rücken eines Pferdes durch die Prärie reiten sieht? Klingt schwierig - und genau damit hadere ich seit einiger Zeit. Butcher's Crossing ist eines dieser raren Bücher, das nicht nur in andere Welten und Zeiten entführt, sondern gleichzeitig eine Allgemeingültigkeit besitzt, die nur mit einem Wort beschrieben werden kann: episch. Und dem kann keine Vorstellung meinerseits jemals genügen. Dennoch muss ich dieses Buch vorstellen, das für mich DAS Lesehighlight 2015 sein wird. Will Andrews ist ein junger Mann, der aus der Welt des Wissens, der Bücher, der Wissenschaft kommt und sich danach sehnt, das Leben zu spüren. Ihm erscheint es deshalb notwendig, der Stadt den Rücken zu kehren und sich à la Ralph W. Emerson oder Henry D. Thoreau der Natur zuzuwenden. Zunächst aber landet er nicht direkt in der Einöde, sondern eher an einem Schnittpunkt. Butcher's Crossing ist eine Ortschaft, in der sich eine bunte Gemeinde versammelt hat. Glücksritter, Jäger, Huren, Fellhändler ... alle suchen sie nach etwas. Genau wie Andrews und doch wieder auf andere Art und Weise. Andrews, das klassische Greenhorn, trifft auf Miller, der seit einiger Zeit versucht, Kapital für ein ihm äußerst wichtiges Vorhaben aufzutreiben. Andrews hat das Geld, Miller kennt die Gegend wie kein anderer. Und so ziehen schlussendlich vier Männer gen Westen, machen sich auf die Suche, in die Prärie. Andrews Innenleben in der Weite der Prärie zeichnet Williams so authentisch, dass der Eindruck entstehen könnte, er selbst hätte diese Erfahrung gemacht. Vielleicht ist das auch so, für den Leser aber ist das nachgelagert. Zählt für ihn doch nur eines: die Wirkung des Textes. Und diese ist grandios. Stille breitet sich aus, die Gefühle Andrews' werden physisch greifbar und ich bin mittendrin. Ein Aufgehen in der Natur, ein Einswerden mit ihr ist es, was da passiert. Nicht Identitätsverlust oder Wurzellosigkeit, sondern das genaue Gegenteil gepaart mit Freiheit und Leichtigkeit. Habe ich schon erwähnt, wie sehr das spürbar ist? Gleichzeitig zu dieser absolut individuellen Erfahrung, skizziert John Williams etwas, das nicht allgemeingültiger sein könnte, was eine unglaublich tiefliegende Wahrheit und damit Zeitlosigkeit besitzt: Die Gier des (weißen) Mannes als Bild für die Menschheit gegenüber der Natur: kein Leben mit ihr sondern von ihr findet hier in der brutalsten Ausprägung statt. Das ist es nicht, was Andrews sucht. Er findet es trotzdem. Diese Allgemeingültigkeit zeichnet das Werk John Williams', das ich bisher nur in Teilen kenne, scheinbar aus. Hier geht es nicht wirklich um die Büffeljagd oder das Überleben eines plötzlichen, nicht erwarteten Wintereinbruchs in den Bergen und damit um die vermeintliche Dominanz und Stärke der Menschen, sondern vielmehr um die Abwendung des Menschen von seiner Umwelt als Einheit, mit der er verbunden ist. Und deshalb sollte man sich, auch wenn man mit den Vorgängen, die geschildert werden, hadern mag - was zugegebenermaßen verständlich ist - die Zeit nehmen und mit Andrews ein Stück weiter in die Prärie reiten. Bei der Rückkehr wird man ein anderer Leser sein.

    Mehr
    • 3
  • weitere