Das weiße Feld

von Lenka Hornakova-Civade 
4,1 Sterne bei13 Bewertungen
Das weiße Feld
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miro76s avatar

Streckenweise etwas unausgegoren, aber alles in allem nicht schlecht. Großmütter, Mütter und Töchter als Träger der Geschichten.

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Drei Frauen, drei Generationen und ein Schicksal

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Inhaltsangabe zu "Das weiße Feld"

"Eine raffiniert gewobene Familiensaga" (Libération) - ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot des Lycéens 2016.
Sie heißen Magdalena, Libusa und Eva und teilen dasselbe Schicksal: Sie wachsen jeweils ohne ihren leiblichen Vater auf. Aber statt an diesem Schicksal, das in den Augen ihrer Umgebung ein regelrechter Makel ist, zu zerbrechen, entwickeln sie jede auf ihre Art einen unbändigen Freiheitswillen: Magdalena, die mit ihrer Mutter Marie aus dem braun gewordenen Wien flieht. Libusa, die mit ihrer Neugierde auf die Außenseiter der uniformierten Gesellschaft ihre Umgebung in Atem hält. Und Eva, die als Linkshänderin pädagogische Umerziehungsprogramme sabotiert und von fernen Ländern träumt. Alle drei eint die Zuneigung zu ihrer ebenso mürrisch-verschlossenen wie unbeirrbar selbstbewussten, beinahe überlebensgroßen Großmutter "Maman Maire", die sich als Hebamme im Dorf unentbehrlich zu machen verstand.
In einem Panoptikum unvergesslicher Charaktere - auf männlicher Seite: ein größenwahnsinniger Apparatschik, ein dichtender Tagträumer, ein patriarchalisch-humaner Bauer – entfaltet sich eine Familiengeschichte, deren großes Geheimnis erst auf den letzten Seiten seine Auflösung findet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783896675828
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Blessing
Erscheinungsdatum:11.09.2017

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    Vildanvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Drei Frauen, drei Generationen und ein Schicksal
    Drei Frauen, drei Generationen und ein Schicksal


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    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor 7 Monaten
    Drei Generationen, drei Frauen, drei Geschichten


    "Das weiße Feld" gibt einen wunderbaren Einblick in die Geschichte von Tschechien im 20. Jahrhundert.   Die Hoffnungen nach dem ersten Weltkrieg, der Ausbruch des zweiten Weltkriegs, der Kommunismus und der Prager Frühling. Turbulente Zeiten in denen die Frauen leben.


    Lenka Horňáková-Civade schaffte es in ihrem Debütroman dem Leser eine Unmenge über dieses herrliche Land beizubringen. Eingebetet in eine spannende Familiensaga über drei Generationen lernt man die Ängste, Sorgen und Hoffnungen der Menschen kennen. Politische Unsicherheiten, Verurteilungen in einem kleinen Dorf nahe der österreichischen Grenze, die Sehnsucht nach der großen Liebe und jede Menge Leid.


    Es werden so viele Aspekte verarbeitet, dass es fasst unmöglich scheint diese auf gerade einmal 270 Seiten unterzubringen. Und dennoch verliert die Geschichte am Ende deutlich an Tempo. Es ist wie eine wilde Rallyefahrt die abrupt mit dem Aufprall an einer Mauer ins Stocken gerät.


    Der Roman ist die in drei Teile gegliedert. "Magdalena", "Libuče" und "Eva" jede der drei Frauen erzählt ihre Geschichte. Dabei wechselt in jedem Teil die Rolle des Ich-Erzählers. Dies beschert uns einen schönen Einblick in die Gefühle der Frauen und sorgt für Nähe.


    Doch gerade im letzten Teil von Eva merkt man wie die Geschichte Schwierigkeiten hat ein Ende zu finden. Die losen Fäden werden zusammengeknüpft und dabei wirkt vieles leider zu stark konstruiert. Dabei hätte es mich gar nicht gestört wenn diese Fäden einfach lose überblieben. Denn so wie im wirklichen Leben gebt es oftmals Fragen, die nicht aufgeklärt werden können. Oder Situationen in denen der Mantel des Schweigens vor unvorstellbaren Leid beschützt.


    Mit "Das weiße Feld" ist Lenka Horňáková-Civade ein hervorragender Debütroman gelungen. Man lernt eingebetet in eine spannende Geschichte so viel über Tschechien und seine Geschichte im 20. Jahrhundert. Die Autorin schafft es dabei die politischen Ereignisse so darzustellen, dass es kein/kaum Vorwissen bedarf.


    Leider wirkt das Ende etwas zu stark konstruiert und nimmt der hervorragenden Geschichte viel an Spannung. Dafür muss ich schweren Herzens einen Stern abziehen. Dennoch hoffe ich noch vieles mehr von Lenka Horňáková-Civade zu lesen.

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    Erdhaftigs avatar
    Erdhaftigvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Hervorragend!
    Das weiße Feld

    Drei Frauen einer Familie, die allesamt unehelich geboren wurden und sich jede auf ihre Art durchs Leben schlagen. Von der Großstadt aufs mährische Dorf verschlug es die Großmutter. Von Apparatschiks, Rebellen, politischen Umwälzungen in der Zeit zwischen Erstem Weltkrieg und dem Fall der Mauer handelt dieser Roman ebenso wie von den Vorurteilen der Nachbarn und Gesellschaft.

    Es gibt mehrere Erzählstränge. Sie sind so miteinander verflochten, dass manchmal der eine in den anderen über zu gehen scheint. Dabei leicht anspruchsvoll geschrieben und in Atem haltend. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht und wie alles miteinander zusammenhängt. Oma, Mutter und Tochter bzw. Enkelin – sie alle handeln klug, oft vorausschauend und immer mit dem Quentchen Impulsivität, welches der Handlung Würze verleiht. Dazu kommt das Geschehen jener Jahre, die auch eine ländliche Region wie Mähren nicht unbeachtet ließ.

    Ein faszinierend verfasster Roman, der in Frankreich einen Literaturpreis gewann. Unbedingt lesen – geht gut an einem einzigen Tag!

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    KristinSchoellkopfs avatar
    KristinSchoellkopfvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Roman der Sonderklasse!
    Drei Frauen - Drei Leben

    Drei Frauen, jede von ihnen mit einer ganz eigenen Lebensgeschichte, verpackt in einen Roman der Sonderklasse…

    In „Das weiße Feld“ begleitet der Leser drei Frauen, wie sie leben, lieben und mit Problemen in ihrer jeweiligen Zeit zu kämpfen haben. Ich bin keine Freundin davon, zu viel des Inhalts eines Romans preiszugeben, weswegen diese Inhaltsangabe zwar kurz ist, ich Euch allerdings versprechen kann, dass es das Geschehen in den 273 Seiten in sich hat. Was mich etwas aus dem Geschehen geworfen hat, war die Tatsache, dass das Buch in drei Teile gegliedert ist und jeder in der ersten Person geschildert wird. Ich hätte mir eine Verflechtung der Geschichten gewünscht, da ich so nur begrenzt in den Fluss der Geschichte hineinfinden konnte und mich durch den personalen Erzählstil erst wieder neu einfinden musste.

    Mit welchen Charakteren könnt Ihr Euch am besten identifizieren? Ich liebe es, von echten Menschen zu lesen. Die Fehler, die kleinen Macken – sie machen uns menschlich und in diesem Roman haben wir es mit authentischen Charakteren zu tun. Dies haucht dem Geschehen das wahre Leben ein und füllen es mit Herz. Da der Leser die Geschichte des 20. Jahrhundert verfolgen darf, wird durch die gekonnte Inszenierung der Figuren auch ein Stück Geschichte zum Leben erweckt.

    Hornakova-Civades Schreibstil entwickelt sich, wie es auch das Leben Magdalenas, Evas und Libusas tut. Eine solche Variabilität in die Sprache zu legen, beeindruckt den Leser nicht nur, sondern unterstützt die Entwicklung der Charaktere und verleiht ihr die nötige Glaubwürdigkeit in einem Roman, wie er nur selten geschrieben wird.



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    Literaturwerkstatt-kreativs avatar
    Literaturwerkstatt-kreativvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Eine schöne Familiengeschichte mit starken Frauen als Hauptfiguren !!!
    „Es ist nichts wichtiger, als die eigene Freiheit.“

    Literaturwerkstatt- kreativ“ stellt vor:


    Das weiße Feld“ von Lenka Hornakova-Civade


    Lenka Horáková-Civades Roman spielt in der Tschechoslowakei, vom zweiten Weltkrieg bis heute. Es handelt sich dabei um eine über mehrere Generationen dicht erzählte Familiengeschichte.


    Beginnend mit Großmutter Marie, die als Krankenschwester und Hebamme in der Praxis des jüdischen Arztes Dr. Stein arbeitet. Dieser wird mit der Zeit auch ihr Liebhaber und sie hat mit Ihm eine uneheliche Tochter namens Magdalena. 1938 flieht Dr. Stein mit seiner Familie aus Wien vor den Nazis und Marie ist auf sich alleine gestellt. Doch sie ist eine Kämpferin und zieht mit ihrer Tochter, die mittlerweile 10 Jahre alt ist, aufs Land. Sie erhofft dort eine Anstellung als Hebamme und Stickerin zu bekommen; als alleinstehende Frau mit einem unehelichen Kind hat sie es jedoch nicht leicht. Sie heiratet den Witwer Alois. Doch der will mit Magdalena nichts zu tun haben und schickt sie zum Arbeiten auf dem Gutshof der Familie Feldmann. Als Magdalena den Sohn der Feldmanns kennenlernt, verliebt sie sich in ihn und wird von ihm schwanger. Aufgrund der politischen Situation müssen die Feldmanns von ihrem Hof fliehen und so kehrt Magdalena schwanger zu Marie zurück. Libuse erblickt als uneheliches Kind das Licht der Welt. Das Schicksal hat sich wiederholt und wiederholt sich Jahre später 1969 noch einmal. Libuse bringt eine unehrliche Tochter auf die Welt – Eva.


    Alle drei Frauen – Magdalena, Libuse und Eva – werden als Bastarde geboren, denn auf ihren Geburtsurkunden steht nicht der Name des Vaters, – dort befindet sich ein weißes Feld.


    Fazit:


    Lenka Horáková-Civades hat sowohl einen Roman geschrieben, der in der damaligen Tschechoslowakei spielt, uns Leser aber auch gleichzeitig einen kleinen Geschichtsdiskurs dieses Landes präsentiert.


    Die Autorin hat eine interessante Familiengeschichte gesponnen, mit einer sehr starken Frau – sozusagen – an der Spitze, Marie. Mutter von Magdalena, Großmutter von Libuse und Urgroßmutter von Eva. Sie ist für mich der rote Faden des Buches und diejenige, die alles mit ihrem eisernen Willen zusammenhält und den Frauen immer wieder sagt: „Es ist nichts wichtiger, als die eigene Freiheit.“ Sie ist auch diejenige, die allen Frauen das Sticken beibringt. Jetzt könnte man meinen, das Buch würde aus ihrer Sicht erzählt, aber weit gefehlt.


    Die Autorin hat das Buch in 3 Kapitel unterteilt.


    1. Magdalena   2. Libuse    3. Eva


    Die drei Frauen erzählen ihre Geschichte jeweils aus der eigenen Perspektive und trotzdem ist Marie bei allen drei Frauen sehr präsent.


    Die Autorin schreibt sehr bildhaft und fesselt, hält den Spannungsbogen hoch. Sie schafft es auch zum Ende hin die Fäden gut zusammenlaufen zu lassen. Wobei mir persönlich die Geschichte von Eva etwas zu kurz kam. Auch die Problematik, das sie Linkshänderin ist, wurde zwar angerissen, aber mit wenig Tiefgang beschrieben. Da hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht.  Aber diese Einwände sind wirklich nur marginal, zudem was Lenka Horáková-Civades in ihrem warmherzigen Roman ansonsten zu Papier brachte.


    Ein Buch das ich Euch gerne ans Herz legen möchte !!!


    https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2017/11/26/es-ist-nichts-wichtiger-als-die-eigene-freiheit/


    Besten Dank an den Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar.



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    Magicsunsets avatar
    Magicsunsetvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Die Geschichte einer Familie, insbesondere der Frauen dieser Familie, mit Bezug auf die Zeitgeschichte
    Frauenleben im zeitgeschichtlichen Kontext

    "Schau dir zum Beispiel der Sterne an, sie sind weit genug weg, damit wir von ihnen träumen, und nah genug, damit wir sie sehen können.“ (Zitat Seite 165)

    Ihre ersten Lebensjahre verbringt Magdalena in Wien, wo ihre Mutter Marie in der Praxis des Arztes Dr. Stein als Krankenschwester und Geburtshelferin arbeitet. Auch die Wiener Wohnung, in der Marie mit ihrer Tochter Magdalena lebt, wird von Dr. Stein bezahlt. Doch 1938 verlässt der Jude Dr. Stein über Nacht Wien und Marie kehrt mit der beinahe 10-jährigen Magdalena zurück nach Brünn, wo sie auf Hilfe von Verwandten hofft. Diese wollen mit einer ledigen Mutter nichts zu tun haben und so zieht sich Marie mit ihrer Tochter in ein entlegenes mährisches Dorf zurück, wo niemand sie kennt. Im Dorf verdient Marie Geld mit Nähen, Sticken und als Hebamme. Magdalena träumt davon, in Wien zu studieren, um Ärztin zu werden, während sie sich auf dem Gutshof der Familie Feldmann um die Tiere kümmert und in der Küche hilft. Sie verliebt sich in den Sohn des Gutsbesitzers. Als ihre Tochter Libuše auf die Welt kommt, ist Magdalena 20 Jahre alt.  Ausgerechnet an dem Tag, als sie Josef seine kleine Tochter zeigen will, von der er noch nichts weiß, muss die Familie Feldmann als Vertriebene das Land verlassen. Im diesem Februar 1948 hat die Kommunistische Partei die Macht in der Tschechoslowakei übernommen und die Auswirkungen haben auch das kleine Dorf in Mähren erreicht, wodurch sich das Leben jedes einzelnen Dorfbewohners massiv verändert. Was wird aus Magdalenas Träumen?

    Der Roman ist gleichzeitig die Geschichte der Tschechoslowakei, beginnend mit dem Ende des 1. Weltkriegs, mit Schwerpunkt auf die Zeit der Beneš Dekrete 1945, den Kommunismus nach dem Umsturz im Februar 1948, den Prager Frühling 1968 und endet mit der erneut einsetzenden Liberalisierung des politischen Regimes 1984.

    Die Autorin gliedert ihre Erzählung in drei Teile, Buch I Magdalena, Buch II Libuše, Buch III Eva, wobei die erzählende Ich-Form verwendet wird, jedoch mit den drei wechselnden erzählenden Hauptprotagonistinnen. Verdichtet wird die Handlung im Laufe der Geschichte durch Rückblicke, welche sich durchaus auch auf das Leben der Mutter oder Großmutter der gerade erzählenden Frau beziehen.

    Insgesamt ist es die Geschichte einer Familie, welche aus Frauen besteht, die jeweils ihr erstes Kind, immer eine Tochter, sehr jung und ledig bekommen. Die gesamte Handlung ist ähnlich einer Biographie aufgebaut und erzählt das Schicksal der einzelnen Menschen, ohne jedoch zusätzlich Spannung aufbauen zu wollen.

    Die Hauptcharaktere sind insgesamt vier Frauen: Marie, Magdalena, Libuše und Eva. Jede der Frauen hat einen eigenen Lebenstraum, sie treffen jedoch, gezwungen durch die Umstände einer Politik- und Männerdominierten Zeit, Entscheidungen, die ihr gesamtes Leben und auch das ihrer Töchter nachhaltig beeinflussen.

    Die Sprache ist zu Beginn des Buches ziemlich einfach und geradlinig, den Gedanken der zehnjährigen Magdalena angepasst. Im Laufe des Romans entwickelt sich auch die Sprache, wird flüssiger, beschreibender, spielt mit Wortbildern.

    Ich konnte zu keiner der Hauptprotagonistinnen wirklich Zugang finden, denn die Entscheidungen, die sie plötzlich treffen, stehen für mich im Widerspruch zu ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit und zu ihren Träumen. Dadurch scheint sich für mich durch das ganze Buch eine gewisse stagnierende Resignation zu ziehen, welche sicher sehr gut das tatsächliche Befinden der Menschen in der Tschechoslowakei 1968, nach dem Scheitern des Prager Frühlings und Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes, beschreibt, mir aber insgesamt zu negativ ist. Sehr gut beschrieben ist das Leben der einfachen Menschen, die sich dem Druck der politischen Mächte beugen müssen und mit den Gegebenheiten weiterleben.

    Ein Buch für Leser, die sich für Zeitgeschichte und Erzählungen in diesem Rahmen interessieren, wobei hier insbesondere Leben und Alltag der einfachen Menschen im sich ständig wechselnden politischen Umfeld beschrieben werden, mit Schwerpunkt auf das damals geltende Frauenbild.

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    Jana3000s avatar
    Jana3000vor einem Jahr
    Kurzmeinung: 3 Frauen im 20. Jh der Tschechischen Republik - Großmutter, Mutter und Tochter - allesamt "Bastarde".Großartige Umsetzung
    Ein unglaublich gutes Buch!

    Inhalt

    Sie heißen Magdalena, Libusa und Eva und teilen dasselbe Schicksal: Sie wachsen jeweils ohne ihren leiblichen Vater auf. Aber statt an diesem Schicksal, das in den Augen ihrer Umgebung ein regelrechter Makel ist, zu zerbrechen, entwickeln sie jede auf ihre Art einen unbändigen Freiheitswillen: Magdalena, die mit ihrer Mutter Marie aus dem braun gewordenen Wien flieht. Libusa, die mit ihrer Neugierde auf die Außenseiter der uniformierten Gesellschaft ihre Umgebung in Atem hält. Und Eva, die als Linkshänderin pädagogische Umerziehungsprogramme sabotiert und von fernen Ländern träumt. Alle drei eint die Zuneigung zu ihrer ebenso mürrisch-verschlossenen wie unbeirrbar selbstbewussten, beinahe überlebensgroßen Großmutter „Mama Marie“, die sich als Hebamme im Dorf unentbehrlich zu machen verstand.

    ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot des Lycéens 2016

    Meine Meinung

    Beim Lesen zuerst aufgefallen ist mir der rote Faden, von dem im ganzen Buch nie abgekommen wird. Um diesen roten Faden herum werden immer wieder Ergänzungen der Protagonistinnen eingeflochten. Bspw. befindet sich Eva in einem Auswahltest für ein Gymnasium, bei dem sie ein Bild von einem Haus malen soll. Die Lehrerin spricht und an einem Punkt hakt Eva ein, indem sie von iher Mutter, ihrem Vater, ihrer Großmutter und dem Stricken erzählt, für das sie sehr begabt ist. Diese Ausschweife sind ein paar Seiten lang und am Ende dieser wird der Leser sofort von Evas Gedanken wieder in die Realität katatpultiert, in der das Gespräch mit der Lehrerin weitergeht. Diesen Schreibstil könnte man als störend empfinden, aber irgendwie schafft es die Autorin die Gedankengänge nicht gekünstelt wirken zu lassen – das Buch liest sich dadurch sogar noch flüssiger und aufregender! Ich war selbst immer wieder ganz überrascht, als von den Gedanken wieder zur Realität gewechselt wurde, denn ich war so im Lesefluss, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass sich die Protagonistin ganz in ihren Gedanken verloren hat – die Figuren haben mich einfach mitgenommen in ihre Welt, so wurde ich immer wieder überrascht und das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht, der ernsten Thematik zum Trotz. Und dadurch schien die harte Realität damals nur noch härter.

    Der Roman ist in 3 Teile gegliedert: Magdalena, Libusa und Eva. Man begleitet Großmutter, Mutter und Enkelin durch ihre Jugend. Die Charaktere sind unterschiedlich gestaltet, sodass jede eine eigene Persönlichkeit darstellt und sich klar von den adnnderen abgrenzt. Sehr interessant ist es dann bei Erzählungen der Töchter, wie sich die Mütter jeweils verändert haben. Waren sie in ihrer Jugend alle unbeschwerte Träumerinnen, so erschienen sie in den Erzählungen ihrer Töchter als gealterte, vom Leben gezeichnete Frauen. Bspw. Magdalena ist Mitte 40 mit einem Mann verheiratet, der sie und ihre Tochter schlägt, allerdings ordnet sie sich ihm völlig unter und wirkt gebrochen – im Vergleich zu der 17-jährigen Magdalena ist das besonders erschreckend, denn wenn man nicht wüsste, dass die gleiche Person beschrieben wird, könnte man denken, es ist eine völlig andere. Das Buch zeigt dem Leser auch erschreckend auf, wie sich Menschen mit der Zeit verändern (können).

    Lenka Horňáková-Civade hat in ihrem Buch meisterhaft die Geschichte der Tschechischen Republik mit der Geschichte seiner Bewohner verflochten. Die Schreibart erinnert mich an Christoph Heins „Landahme“, die von Deutschlands Geschichte und der ein paar ausgewählter Bewohner erzählt. Stilistisch besser, spannender und flüssiger als Hein hat Lenka Horňáková-Civade ihren Roman allerdings verfasst, denn er übertrifft „Landnahme“ in allen Punkten bei Weitem.

    Fazit

    „Das weiße Feld“ ist ein Buch über starke Frauen in schwierigen Zeiten, großartig umgesetzt mit 3 großen Zeitsprüngen im Buch wird die Jugend dreier Frauen beschrieben. Erst auf den letzten Seiten wird das große Geheimnis, das seit dem ersten Kapitel besteht, gelüftet und man erkennt, wie alles irgendwie und unverrückbar zusammenhängt. Und ganz nebenbei erfährt man viel Interessantes über die Tschechische Republik im 20. Jahrhundert. Absolut empfehlenswert!

    Dafür auch 5 von 5 Punkten!

    Titel: „Das weiße Feld“ Autorin: Lenka Horňáková-Civade Verlag: Karl Blessing Verlag Erscheinungsdatum: 11. September 2017 Seitenzahl: 272 Seiten

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    Ariettas avatar
    Ariettavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine tolle Familiensaga um drei Generationen von Frauen,die für einander da sind und sich ihrer Fehler nicht schämen....
    Eine tolle und raffinierte Familiensaga

    Meine Meinung:


    Zur Autorin:


    Lenka Hornakova-Civade, hat mit ihrem ersten Debüt-Roman den sie in französicher Sprache schrieb, und es ins Deutsche übersetzt wurde ein meisterliches und facettenreiches Werk geschaffen, das mich begeisterte beim Lesen. Eine wirklich raffinierte Familiensaga, die nichts zu wünschen übrig lässt. Facettenreich, Bildhaft und sehr spannend und mitreißend. Schon von der ersten Seite an war der Spannungsbogen sehr hoch und fesselnd bis zur letzten Seite. Eine wundervolle und tragische Zeitgeschichte durch die wir die drei Frauen begleiten, angefangen vom Untergang der k.u.k Monarchie, dem 2.Weltkrieg und seinen Auswirkungen, bis hin zum Prager Frühling und dem Fall der Mauer. Mähren ein Land das dem Kommunismus zum Opfer fiel, Menschen ob Arm oder Reich die enteignet wurden. Alles gehörte von nun an dem Volk, und mitten drin Großmutter Marie, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, ihre Tochter Magdalena, Enkelin Libusa und Urenkelin Eva. Alle drei verbindet ein Schicksal, sie sind unehelich und Bastarde, und ihre Begabung begnadete Stickerinnen zu sein. Ihr Sprach und Schreibstil, ist sehr Kraftvoll, klar und Packend. Man hat das Gefühl ihr sind die Worte nur so aus der Feder geflossen. Auch das Historische Zeitgeschehen kam nicht zu kurz und wurde Korrekt wiedergegeben. Der Plot war sehr schlüssig und alle losen Fäden oder Unklarheiten fließen am Ende zu einem großen ganzen zusammen. Ihre Figuren wirken sehr real und Glaubhaft, so wie deren Handlungen sind nachvollziehbar.Ich konnte mich sehr gut in jede der Frauen hineinversetzen. Auch die einzelnen Charaktere und Emotionen sind sehr gut heraus gearbeitet. Wahrheit und Fiktion sind gut miteinander verwoben. Ein Buch das keine Wünsche Offen lässt.


    Zum Inhalt:

    Sehr schön fand ich das der Inhalt in 3 Bücher geteilt ist und jedem der drei Frauen gewidmet ist.

    Es fängt mit Großmutter Marie und ihrer unehelichen Tochter Magdalena an, die mit ihr Wien verlässt, als ihr Liebhaber und Chef ein Jude Dr. Stein das Land verlässt. Marie zieht mit der kleinen in ein Gottverlassenes Dorf nach Mähren. Am Anfang verdienen sich die beiden mit ihren begnadeten Stickkünsten ihren Lebensunterhalt. Später kann sie sich als Hebamme niederlassen. Sie lernt den Witwer Alois kennen, bekommt mit ihm eine Tochter Rose, aber dieser Despot erkennt Magdalena nicht an, besorgt ihr eine Stelle auf dem Gutshof Feldmann einem Keksfabrikanten.

    Sie fühlt sich ganz wohl dort, aber das ganze endet als sie den Sohn kennen lernt und sich in ihn verliebt, sie wird Schwanger, die Feldmanns müssen fliehen. So kehrt sie schwanger zurück, das Schicksal scheint sich zu wiederholen, wieder erblickt ein uneheliches Mädchen die kleine Libusa das Licht der Welt. Die Jahre ziehen ins Land, Libusa wächst heran, ihre Mutter heiratet einen Mann aus dem Dorf, die Ehe ist die reinste Hölle und auch Libusa bekommt es spüren. Es scheint mir ein Fluch auf den Frauen zu liegen, den auch Sie wird vom falschen Mann Schwanger und die kleine Eva erblickt das Licht der Welt. Trotz das die Frauen von ihren Männern schlecht behandelt und gedemütigt werden, halten sie zusammen. Es sind stolze und Starke Frauen, die sich ihrer Herkunft nicht schämen, besonders Eva weiß sich zu wehren, sie träumt von Freiheit und Paris.

    Ob sich Eva das Tor zu Welt öffnet und sie diesem geknechteten Land entfliehen kann, das muss jeder beim Lesen herausfinden und diese tollen und selbstbewußte Frauen kennenlernen. Es war toll in das Leben dieser Frauen teilzuhaben, mit ihnen zu lachen und zu weinen. Mit ihnen zu träumen und zu hoffen...

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    miro76s avatar
    miro76vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Streckenweise etwas unausgegoren, aber alles in allem nicht schlecht. Großmütter, Mütter und Töchter als Träger der Geschichten.
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    Petriss avatar
    Petrisvor 7 Monaten

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