Maylis de Kerangal Die Brücke von Coca

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Inhaltsangabe zu „Die Brücke von Coca“ von Maylis de Kerangal

Die neuen Dimensionen der Komödien und Tragödien im Alltag der Globalisierung erzählt der preisgekrönte Roman der französischen Autorin Maylis de Kerangal. Personen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden treffen aufeinander, und es entwickeln sich neue ungeahnte Verwicklungen, Verhältnisse und Beziehungen zwischen den Menschen, es entstehen völlig unbekannte Situationen mit unvorstellbaren Konsequenzen, Vorgänge, in den sich alte Einstellungen und neueste Haltungen gegenüberstehen. In Coca, einer Stadt im fiktiven Kalifornien, soll am Anfang unseres Jahrtausends eine enorme Brücke entstehen, mit der die letzte Kluft zwischen der westlichen Zivilisation und dem Rest an unberührter Kultur überwunden werden soll. Menschen aus allen Teilen des Erdballs strömen an diese gigantische Baustelle. Auf diese Weise bildet sich ein menschlicher Schmelztigel unbekannten Ausmaßes. In diesem Zusammenprall der Kulturen werden Kräfte ungeahnten Ausmaßes freigesetzt: Die Brücke von Coca registriert anhand der Stationen der Fertigstellung dieses Menschheitsdenkmals detailliert die Tricks der großen und kleinen Politik, die Passionen und Leiden, Verbrechen und Amouren beim Zusammentreffen der Kulturen: eine andere kosmopolitische Generation entsteht unter schmerzhaften Kämpfen.

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  • Rezension zu "Die Brücke von Coca" von Maylis de Kerangal

    Die Brücke von Coca
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:27

    Ein verrücktes Brückenprojekt als Ausgangspunkt eines rasanten Romans Maylis de Kerangals erster ins Deutsche übersetzte Roman versammelt eine internationale Mannschaft in der imaginären Stadt Coca, um dort, angeheuert vom größenwahnsinnigen Bürgermeister, eine Brücke von gigantischen Ausmaßen zu bauen. Die Palette der angeheuerten Kräfte ist bunt gemischt, Frauen und Männer aller möglichen Herkunftsländer und Charaktere sind dem Ruf der Firma Pontoverde gefolgt. Sie leben und arbeiten, lieben und hassen nun in Coca, das sich in einem ebenso fiktiven Kalifornien befindet, in dem es im Winter unter Anderem Eisschmelze gibt. Coca soll, so der irre Traum des Bürgermeisters, entstanden bei einer Reise ins ferne Dubai, vom verschlafenen Provinznest zur internationalen Drehscheibe werden. Zuerst muss die Brücke her, eine Brücke, die so riesig sein soll, dass sogar das Flussbett durch Sprengungen erweitert werden muss. Maylis de Kerangal geht ihren recht flüssig geschriebenen Roman forsch an und führt Figur um Figur ein. Besonders überzeugend ist die Diskrepanz zwischen den Träumen der meisten angeheuerten Kräfte und der tatsächlichen Situation, die für die meisten eher enttäuschend ist. Bald macht sich auch Unmut in der Bevölkerung breit, die sich massiven Einschränkungen, Umsiedlungen und Veränderungen ausgesetzt sieht. "Die Bauarbeiten sind in vollem Gang. Zunächst fing es unauffällig, ja, heimlich an, niemand in der Stadt hätte sich vorstellen können, was sich da zu beiden Seiten des Flusses anbahnte, niemand ahnte, was da aus dem Boden wachsen würde ..." Und während die Natur leidet und die Menschen immer vorsichtiger und skeptischer werden, strömen die Mitarbeiter der Firma Pontoverde nur so nach Coca. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst und führt sogar zu einem eher misslungenen Attentat auf den Bauleiter Diderot. Maylis de Kerangals Prosa ist meist überzeugend, wechselt rasch die Perspektiven und spricht den Leser ziemlich direkt an. Das ergibt eine Nähe, die mitunter etwas anstrengend ist. Die Protagonisten dieses Romans sind alle mit Namen bedacht, die bisweilen zu schrägen, aber nicht ganz nachvollziehbaren Assoziationen führen. Der chinesische Bauarbeiter heißt Mo Yun, möglicherweise eine Anspielung auf den Künstlernamen des großen chinesischen Autors Mo Yan, aber keine wirklich denkbare Kombination im Chinesischen. Die us-amerikanischen Arbeiter heißen Duane Fisher und Buddy Loo und haben "rote Haut, schwarze Haut, gemischtes Blut." Shakira Ourgas hat frappierende Ähnlichkeit mit der Sängerin Shakira, und Summer Diamantis ist für die Herstellung des Betons zur Errichtung der Pfeiler zuständig. Ein Mexikaner namens Sancho Alonso Cameron ist, ebenso wie die Herren Soren Cry und Ralph Waldo, dabei im Theater der Globalisierung, das Maylis de Kerangal hier dem Leser präsentiert. Intrigen, Liebesgeschichten, Eifersucht, Hass, Starrsinn, Kurzsichtigkeit und Geldgier sind einige der Gewürze, die die Autorin im Sinne ihrer Sache einsetzt. Geschickt wechselt die Erzählung zwischen den verschiedenen Protagonisten hin und her, aber auch die Masse der nach Coca herbeigeströmten Arbeiter ist als eigene Erzählschicht vorhanden. "Wenn um Mitternacht die Sirene das Ende der zweiten Schicht anzeigt, verlassen die Leute taumelnd das Pontoverde-Gelände, ihre Haut spannt, ihre Augen brennen unter den flackernden Lidern. Die meisten kehren in ihre Unterkünfte zurück, einige steuern das Stadtzentrum an, die Spiel- und Vergnügungszone. Die Junggesellen der Baustelle schätzen diesen Rhythmus, der zwar den Organismus schlaucht und das Nervengefüge durcheinanderbringt - sie stehen um vierzehn Uhr auf, arbeiten von sechzehn Uhr bis Mitternacht, feiern bis zum Morgengrauen-, ihnen aber die Nachtklubs zu den heißen Stunden öffnet." Maylis de Kerangals Roman ist somit ein vielschichtiges Porträt der verschiedenen Charaktere im Baugewerbe, ein Manifest gegen die Rodung und Unterwerfung der Natur für wahnwitzige Bauprojekte, ein Roman der Globalisierung und nicht zuletzt ein spannend zu lesender Text. Offensichtlich überzeugend übersetzt, erzählt Maylis de Kerangals Prosa aus einer allwissenden Perspektive distanziert aber trotzdem immer wieder den Leser integrierend fast rastlos gehetzt und entspricht somit perfekt dem gezeichneten Bild dieser schnelllebigen, gewinnsüchtigen, nur auf Profit und Erreichen von Abgabedaten orientierten Gesellschaft. Dieses Bild wird vollendet inszeniert und überzeugt; eine Bemerkung über das Fehlen einer gewissen Tiefe und feiner Gefühlswelten wäre hier allerdings ungefähr so angebracht wie eine Kritik daran, dass Wasser nass ist. (Roland Freisitzer; 06/2012) erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at

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