Nicholas Shakespeare Broken Hill

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Inhaltsangabe zu „Broken Hill“ von Nicholas Shakespeare

Im fernen Europa tobt der Erste Weltkrieg, als im australischen Hinterland am Neujahrstag 1915 die Bewohner von Broken Hill unbeschwert zu ihrem traditionellen Picknick vor den Toren der Stadt aufbrechen. Sie ahnen nicht, dass an diesem Tag die angestaute Wut zweier indischer Einwanderer hervorbrechen und ihre Welt in eine Tragödie stürzen wird. Nicholas Shakespeare macht deutlich, was es heißt, fremd in einer anderen Kultur zu sein, und wie Missachtung und Ausgrenzung - vor hundert Jahren wie heute - den Weg zum Fundamentalismus ebnen. Ein Roman, der mehr erklärt als jeder Leitartikel.

Ein kleines Buch zu einem großen Thema, dass heute noch aktuell ist: Ausgrenzung und globale Zusammenhänge von Taten.

— Mixia

Kleine, aber feine Novelle über den Fundamentalismus als Folge von Ablehnung, Ausgrenzung und Rassismus.

— Gulan

Shakespeare hält der heutigen Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor – und man sieht die Fratze der Intoleranz voller Vorurteile und Hass.

— Buecherherbst

"Broken Hill" ist ein historischer Roman und gleichzeitig brandaktuell, wundervoll geschrieben und absolut beeindruckend. Lesen!

— Alexandra_Luchs

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  • Reine Fiktion?

    Broken Hill

    Bri

    19. December 2016 um 11:06

    Nicholas Shakespeare ist Brite, wuchs in Asien und Lateinamerika auf und lebt mittlerweile sowohl in England als auch in Tasmanien. Die Inspiration für seine Romane findet er meist in historischen Tatsachen. So auch im Fall von Broken Hill, seinem neuesten Versuch, einem verbrieften Ereignis auf die Spur zu kommen. Dass fast alles an diesem schmalen Roman fiktiv ist, schadet dem Unternehmen in keinster Weise, zeigt Shakespeare doch in seiner Variation der Vorkommnisse des Neujahrstages 1915 grundsätzliches auf.Wie an jedem Neujahrstag macht sich ein mit vielen Menschen besetzter Zug aus Broken Hill auf, um seine Passagiere zum traditionellen Neujahrspicknick zu bringen. Es ist heiß, die Picknick-Gesellschaft setzt sich aus den Bewohnern Broken Hills zusammen. Broken Hill ist eine Bergarbeiterstadt, die, zwar im fernen Australien gelegen, vom in Europa ausgebrochenen großen ersten Krieg betroffen ist. Die großen Erzvorkommen sind der Grundstock für die preußische Munitionsproduktion. Oder besser waren es. Denn die Australier stehen nicht als Verbündete der Deutschen im Krieg.Etwas abseits von Broken HIll hat sich eine Ansiedlung afghanischer Kameltreiber gegründet. Ghantown wird sie genannt. Abseits liegt sie sicherlich auch wegen des Geruchs, den die Tiere nun einmal verbreiten, der einzige Grund für die unfreiwillige Abkapselung aber ist er nicht. Die Afghanen, die mit ihren Kamelen in der Wüste wichtige Arbeitskräfte sind, erscheinen aufgrund ihres Glaubens und Aussehens anders. Die Kinder von Broken Hill sind jederzeit willkommen – wie auch alle anderen Einwohner – und nutzen diese Offenheit und Gastfreundschaft. Diese aber wird von den Australiern nicht erwidert. "Die Ansiedlung existierte seit 1890 und wurde von einer Minderheit in Broken Hill abgelehnt, die ihr den Spitznamen «Ghantown» gegeben hatte. Ihre Vorurteile fanden ein Sprachrohr im ehemaligen Herausgeber des Barrier Miner, Ralph Axtell, der seit einigen Jahren in Melbourne lebte, aber vor zwei Wochen nach Broken Hill zurückgekehrt war, um eine kranke Cousine zu besuchen. […] Der untersetzte Sozialist mit hoher Stirn und einem furchsrotem Schnauzbart verwandelte sich auf der Bühne in einen feurigen Redner. Axtell war ein geschickter Agitator gegen Afghanen und anderes «Türkenvolk», wie er sie nannte. Seine aufwiegelnde Rede war eine Zusammenstellung seiner alten Parolen und darauf aus, die anti-türkische Stimmung anzufachen, die seit dem Ausbruch des Kriegs wiederaufgeflammt war. Die Zielscheibe seines Spotts war der stolz sich aufblasende deutsche Kaiser, aber Axtell ging noch weiter und bezog auch den osmanischen Sultan und Kalifen Mehmet V. mit ein, der in diesem Sommer einen Vertrag mit den Deutschen unterzeichnet hatte; ebenso alle Muslime, die den Sultan als ihren Herrscher betrachteten; und zuletzt nahm er diejenigen ins Visier, die am Ende der Straße wohnten, «in dem stinkenden Pfuhl namens Ghantown.»Ein Mann, der nicht mehr am Ort lebt, nur auf Besuch ist, schafft es, die Menschen, die in einer Ansiedlung am Ort leben, sich in den letzten Jahrzehnten dort nichts zu Schulden haben kommen lassen, außer anderer Herkunft, anderer Hautfarbe und anderen Glaubens zu sein, an einem Abend vollends zu diskreditieren. Als einer der jungen afghanischen Männer, der sein Geld als Eisverkäufer verdient, zum Weihnachtsball erscheint, wird er brutal hinauskomplimentiert. Wieder einmal gedemütigt, wächst in Gül Mehmet ein Zorn, der schlussendlich in einem verrückten Plan mündet, den er gemeinsam mit dem in der afghanischen Siedlung als Metzger tätigen Molla Abdullah umsetzen wird.Abgrenzung, Demütigung, Verachtung gegenüber anders lebenden Menschen – das sind die Gründe, die Nicholas Shakespeare gekonnt unprätentiös und fast kühl berichtend als Auslöser für den Angriff zweiter bewaffneter Männer auf einen Zug voller Ausflügler ins Feld führt. Ruhig, fast stoisch entwickelt er die Geschichte einer Rache, die die falschen Menschen trifft. Und noch dazu von weit entfernten Kriegstreibern geschickt medial umgemünzt wird. Nachprüfbarkeit der Tatsachen war ja kaum gegeben. Und noch heute weiß man nichts, über die wahren Gründe für die Tat der beiden Afghanen namens Gül Mehmet und Mulla Abdullah – den beiden echten Figuren des Romanes.Echt allerdings ist der Ausschnitt aus einer deutschen Zeitung, den Nicholas Shakespeare am Ende seiner Erzählung einarbeitet: "Wochen später schlägt der Direktor der Berzelius Bleihütte im sächsischen Freiberg die Leipziger Volkszeitung auf und liest: Mit Freuden vermelden wir einen Erfolg unserer Truppen in Broken Hill, einer Hafenstadt an der australischen Westküste. Einheiten nahmen australische Soldaten unter Feuer, die mit dem Zug auf dem Weg zur Front waren. Die Verluste des Feindes betrugen 40 Tote und 70 Verwundete. Auf unserer Seite fielen zwei Türken. Die Eroberung von Broken Hill öffnet den Weg nach Canberra, der stark befestigten Hauptstadt Australiens."Tatsächlich starben bei den Ereignissen am Neujahrstag 1915 vier Menschen, allesamt Zivilisten. Nicholas Shakespeare betont den fiktiven Charakter seiner Erzählung in seiner Danksagung. Der Satz: „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt“, den Shakespeare nicht nutzt, erfährt hier eine ganz neue Deutung und das Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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  • ‚Der Zug war die einzige Möglichkeit hier rauszukommen.'

    Broken Hill

    sabatayn76

    27. July 2016 um 23:49

    ‚Der Zug war die einzige Möglichkeit hier rauszukommen. Entweder das, oder man tauchte hinab in die Erde.‘Inhalt: Broken Hill in New South Wales: Der Erste Weltkrieg, der im weit entfernten Europa tobt, hat auch Auswirkungen auf den abgelegenen Ort an der Grenze zum Outback. Broken Hill, berühmt für seine Blei- und Zinkminen, hat vor dem Krieg intensiven Handel mit Deutschland getrieben, doch durch den Krieg ist Broken Hills wichtigster Handelspartner weggebrochen. Rosalind, die Hauptprotagonistin des Buches, hat ihren Bruder William bei einem Unfall in der South Mine verloren und soll nun dessen besten Freund Oliver heiraten. Doch dann trifft sie auf den Afghanen Gül, der sie fasziniert, aber von den restlichen Bewohnern Broken Hills ausgegrenzt wird. Zusammen mit seinem Freund Molla Abdullah, der tagtäglich tyrannisiert und schikaniert wird, plant Gül schließlich seinen Rachefeldzug gegen die Weißen, und am Neujahrstag 1915 kommt es zur Katastrophe. Mein Eindruck:Ich war selbst schon in Broken Hill und habe beim Lesen festgestellt, dass ich fast auf den Tag genau 100 Jahre nach dem beschriebenen Neujahrstag 1915 in der Stadt war. Dieser persönliche Bezug hat mir von Anfang an sehr gefallen, zumal ich mir die Schauplätze des Buches aus diesem Grunde perfekt vorstellen konnte. Nicholas Shakespeare hat die Stimmung in der Bergbaustadt hervorragend eingefangen, nimmt den Leser mit auf eine Reise an den Rand des Outbacks und zeigt, wodurch das Leben in Broken Hill geprägt wurde. Das Buch ist sprachlich anspruchsvoll, und trotz der Kürze gelingt es dem Autor, eine authentische, komplexe und anschauliche Geschichte zu erzählen und seinen Protagonisten Leben einzuhauchen. Begeistert hat mich auch die Art und Weise wie er die Verwandlung, die mit Gül und Molla geschieht, wiedergibt. Eher traurig hat mich gestimmt, dass zwischen der Geschichte um Gül und Molla und der Gegenwart zwar 100 Jahre liegen, doch dass sich in diesen 100 Jahren so wenig in den Köpfen der Menschen getan hat. Die Parallelen zum Rassismus, zur Fremdenangst, zum Fremdenhass und zum radikalen Islam in der heutigen Zeit geben dem Leser das Gefühl, dass sich die Geschichte genauso gut im Jahre 2015 zugetragen haben könnte. Etwas verwundert hat mich der Zeitungsartikel auf Seite 122, in dem die Rede davon ist, dass Broken Hill ein Küstenort in Westaustralien und dass Canberra die Hauptstadt Australiens ist (was sie erst 1927 wurde). Mein Resümee: Ein knappes Buch, das den Leser in eine andere Zeit versetzt und dennoch sehr aktuell ist.

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  • Angst vor dem Fremden

    Broken Hill

    serendipity3012

    16. June 2016 um 17:31

    Angst vor dem Fremden Im Jahr 1915 irgendwo in Australien. Die Menschen leben ihr Leben losgelöst vom Ersten Weltkrieg, der fernab ihrer Heimat herrscht. Es ist ein einfaches ländliches Leben. Hier soll die junge Rosalind, die ihren geliebten Bruder William bei einem Unglück in einem Bergwerk verloren hat, Williams besten Freund Oliver heiraten. So ist es vorgesehen. In letzter Zeit aber sieht sie neue Seiten an ihm: Oliver äußert sich gegenüber Rosalinds Vater abfällig über eine Gruppe von Einwanderern, die etwas abseits leben und die von den Einheimischen kritisch beäugt werden. Die Afghanen nähmen den Australiern die Jobs weg, sie seien Schmarotzer und außerdem seien auch die weißen Frauen nicht vor ihnen sicher. Rosalind ist irritiert. Sie scheint die Einzige zu sein, die wissen will, wo die Einwanderer herkommen, welche Geschichte sie mitbringen. Rosalind möchte wissen, was für Menschen da ganz in ihrer Nähe leben und doch so anders sind als sie. Sie lernt Gül kennen, der eigentlich als Kameltreiber nach Australien gekommen war. Nachdem es für ihn aber keine Arbeit mehr gab, kaufte er einen Eiswagen und verdiente damit Geld, immer mit dem Vorsatz, eines Tages in seine Heimat zurückzukehren. Rosalind ist fasziniert von dem jungen Mann. Die Einwanderer werden durch die Einheimischen streng kontrolliert, man passt genau auf, dass sie sich an die Regeln halten und sollte dies nicht der Fall sein – der Grund spielt keine Rolle – werden Strafen verhängt. Schließlich hat die Ausgrenzung und die herablassende Behandlung der Fremden schwerwiegende Folgen. Schon nach einigen Seiten wird dem Leser bewusst, dass Nicholas Shakespears neues Buch „Broken Hill“ – mit 130 Seiten ist es eher eine Erzählung als ein Roman – zwar eine Geschichte erzählt, die vor 100 Jahren spielt, dass seine Thematik aber sehr aktuell ist. Shakespeare erzählt in einer nüchternen Sprache von den Menschen in Broken Hill, die sich durch die Fremden, durch das Fremde bedroht fühlen und deren Antwort auf die Verunsicherung, der sie sich ausgesetzt sehen, nicht etwa der Versuch ist, zu verstehen und ein friedliches Miteinander anzustreben, sondern die auf Ausgrenzung setzen. Sie übersehen dabei, dass bei denen, die sie nicht um sich haben wollen, ihre herabsetzende Behandlung Folgen hat. Gül etwa erlebt Wut und stets das Gefühl des Ausgegrenztwerdens, aber auch schlicht Einsamkeit zwischen Menschen, deren Lebensart und deren Kultur mit der seinen so wenig gemein zu haben scheint. Er und Molla Abdullah, ein Schlachter, der unter den willkürlichen Repressalien der Einheimischen sehr zu leiden hat, fühlen immer wieder Erniedrigung und Schande, die sie irgendwann nicht mehr ertragen möchten. „Broken Hill“ zeichnet seine Charaktere mit wenigen Pinselstrichen. Der Leser erfährt nur das Wichtigste über sie und ihre Hintergründe. Der Autor zeigt einen Ausschnitt aus ihrem Leben, zeigt uns fast nüchtern eine Ausgangssituation, den Umgang mit ihr und ihre Folgen. Shakespeare ist dabei hauptsächlich jemand, der beobachtet. Trotzdem taucht man als Leser ein und fiebert mit, auch wenn keine Zeit für eine tiefergehende psychologische Betrachtung bleibt, die man selbst bewerkstelligen muss, was aber seinen Reiz hat. Jede Wertung wird dem Leser vorenthalten, seine Schlüsse muss dieser selbst ziehen. Gut so, und vielleicht ist dies auch der Grund für die starke Wirkung, die die Erzählung erzielt. „Broken Hill“ lässt sich als Studie lesen darüber, welche Probleme entstehen können, wenn verschiedene Kulturen, wenn Menschen verschiedener Religionen, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund aufeinander treffen und dem Neuen, Anderen mit Misstrauen und Feindseligkeit begegnen. Dabei ist es zunächst zweitrangig, um welche Nation, um welche Kultur es genau geht. „Broken Hill“ ist ein Lehrstück gerade für uns in der heutigen Zeit, gnadenlos hält Shakespeare uns den Spiegel vor. Die Lehre überlässt er uns, damit sie wirken kann.

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  • Blutige Folgen der Ausgrenzung

    Broken Hill

    Buecherherbst

    08. May 2016 um 14:15

    Die Ausgrenzung von Menschen kann unterschiedlichste Ursachen haben. Innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur mit verschiedenen „Schichten“ trifft es allerdings zumeist die Schwächsten, insbesondere Minderheiten sind zuvorderst davon betroffen, ausgegrenzt zu werden. Führt man sich die aktuelle Flüchtlingsdebatte vor Augen, sieht man zahlreiche Versuche, eine Trennung zwischen den bereits hier lebenden sowie den geflüchteten Menschen zu vollziehen – sei es bei der finanziellen Versorgung, der Unterbringung oder der Integration in den Arbeitsmarkt. Doch ist die Diskriminierung von Minderheiten oder neu zu integrierenden Menschengruppen kein Phänomen der heutigen Gesellschaft, sondern zieht sich durch die gesamte Bevölkerungsgeschichte. In seinem Roman Broken Hill zeigt Nicholas Shakespeare dies anhand der Geschichte der Einwanderer der australischen Bergbaustadt Broken Hill, die rund um den Jahreswechsel 1914/1915 im Camel Camp leben, dem von den Ausländern bewohnten Siedlungsgebiet, das unter den Einwohnern nur abfällig Ghantown genannt wird. Der Hass und die Restriktionen zermürben die Ghantown-Bewohner, so dass einige von ihnen irgendwann nur noch einen radikalen Ausweg sehen.Die vollständige Rezension unter https://buecherherbst.wordpress.com/2016/05/03/rezension-nicholas-shakespeare-broken-hillWährend in Europa der Erste Weltkrieg tobt, sind die Bewohner von Broken Hill am Bahnhof zusammengekommen, um zu Jahresbeginn zum Neujahrspiknik, dem alljährlichen Höhepunkt der Region, aufzubrechen. Shakespeare beginnt dabei in rasanter Erzählweise: Wie in einer filmischen Eröffnung werden die Protagonisten im Sekundentakt eingeführt – man kann sich die Regieanweisung zum Voice-over vorstellen, wie mit schneller Kameraführung nur kurz bei den einzelnen Personen verweilt wird. Gemein ist den meisten die ablehnende Haltung gegenüber den Kriegsgegnern Australiens (unter anderem Deutschland und das Osmanische Reich) – viele ihrer Angehörigen wurden erst kurz zuvor an gleicher Stelle in den Kriegseinsatz verabschiedet -, weshalb sie auch gegenüber den Siedlern aus dem Camel Camp eine Abneigung hegen. Einzig Rosalind Filwell versucht, den Fremden mit Offenheit zu begegnen. Das fällt ihr gar nicht so leicht, immerhin stellt sie sich damit gegen ihre Familie sowie ihren künftigen Verlobten. Selbst Sozialisten wie Ralph Axtell betätigen sich als harsche Gegner der Ansiedlung der Ausländer. Auch er hetzt unerbitterlich sobald sich ihm ein Publikum bietet: „Mit ruhiger, plötzlich einschmeichelnder Stimme versichert Axtell seiner kleinen Zuhörerschaft: »Selbsterhaltung ist das oberste Gesetz der Natur.« Welche Gründe man auch immer gegen den Konflikt in Europa habe […], das ganze Mitgefühl der Nation müsse der Politik des Weißen Australien liegen.“ Solche Aussagen lassen den Leser erschaudern, denn ein Unterschied zu den heutigen rechtspopulistischen Demagogen ist kaum auszumachen. Man könnte sich dieselbe Szenerie auch in vielen Teilen Europas im heutigen 21. Jahrhundert vorstellen.Nicholas Shakespeares Roman ist trotz der einhundert Jahre zurückliegenden Begebenheit brandaktuell. Es ist eine Parabel über den Umgang mit geflüchteten oder zu integrierenden Menschen, die erschreckende Parallelen zur derzeitigen Flüchtlingssituation aufzeigt und deshalb ein beachtlicher Beitrag zur Debatte ist. Shakespeare schlägt die Brücke zwischen damaliger und heutiger Zeit und beschreibt wirkungsvoll die Normalität der Ausgrenzung. Er zeigt ganz ohne moralisierenden Ton auf, wie durch Ignoranz und Engstirnigkeit lediglich Klischees entstehen. Dabei hält Shakespeare mit Broken Hill auch der heutigen westlichen Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor – und man sieht die Fratze der Intoleranz voll faltiger Vorurteile und abstoßendem Hass.

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  • Broken Hill von Nicholas Shakespeare

    Broken Hill

    Alexandra_Luchs

    24. April 2016 um 19:16

    Mit nur 125 Seiten hat es Nicholas Shakespeare wieder geschafft, mich zu begeistern. In “Broken Hill” erzählt er die Geschichte eines Attentats am Neujahrstag des Jahres 1915 in Australien. Gleichzeitig beschreibt das Buch ein zentrales Problem unserer Zeit. Im Örtchen Broken Hill leben die Siedler von der Metallverarbeitung und treiben vor allem Handel mit Deutschland. Durch den zweiten Weltkrieg wird dies erschwert, die wirtschaftliche Situation ist angespannt. Wo es den “weißen” Einwohnern noch relativ gut geht, bekommen die Afghanen, die “Kameltreiber”, die volle Härte der Lage zu spüren. Sie werden gesellschaftlich ausgegrenzt, leben mittel- und chancenlos am Rande der Gemeinde. Als die Erniedrigungen und Anfeindungen überhand nehmen, wollen sich Gül und Molla an den Bewohnern Broken Hills rächen. Wie aus Gewalt immer neue Gewalt entsteht, aus Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit Aggression wächst, zeigt sich auch heute in furchtbaren Attentaten. Die Geschichte von “Broken Hill” scheint da eine Metapher auf unsere Zeit. Im kleinen Rahmen dieses Ortes führt uns der Autor vor Augen, dass im Konflikt der Kulturen beide Seiten zu den Verlierern zählen. Nicholas Shakespeare schafft es in dieser kurzen Geschichte die Probleme einer Gemeinschaft, aber auch die individuellen Situationen zweier interessanter Personen zu zeigen: Gül Mehmet ist der eigentlich friedliebende Eisverkäufer und wird im Verlauf der Geschichte zum Attentäter. Rosalind, ein freundliches und weltoffenes Mädchen, gerät durch ihren Kontakt zu “den Afgahnen” in Gefahr. Anhand der Beziehung dieser beiden Figuren erzählt Nicholas Shakespeare die Geschichte des Ortes. Seine wunderschönen und atmosphärischen Beschreibungen schaffen es in nur wenigen Seiten, dass man die Figuren versteht und mit beiden Seiten leidet. Obwohl die furchtbaren Taten des Buch überschatten gibt es nicht “den Bösen”. Diese neutrale und sachliche, trotzdem nie kühle oder gefühllose Darstellung hat mir wunderbar gefallen. Für mich schafft es Nicholas Shakespeare auch in diesem Buch wieder anhand einer recht einfachen Geschichte, ohne Nebenhandlungen oder Schnörkel, viel zu erzählen. Noch mehr aber gab mir dieses Buch zu denken. Es sind weniger die Fakten der Handlung, als vielmehr das Gefühl der Verzweiflung in Angesicht dieser traurigen Entwicklungen, das übrig bleibt. Wirklich beeindruckend!

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