Ferne Tochter

von Renate Ahrens 
4,4 Sterne bei42 Bewertungen
Ferne Tochter
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Petra54s avatar

eine sehr emotionale Geschichte

lui_1907s avatar

Geheimniss über eine früheres Leben, wieder eine starker Ahrens Titel.

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Inhaltsangabe zu "Ferne Tochter"

Der Anruf dauert höchstens drei Minuten, doch er verändert alles. Das neue Leben, das Judith sich in Rom aufgebaut hat, gerät ins Wanken. Sie wird eingeholt von dem, was sie vor zwanzig Jahren, nach einer verhängnisvollen Entscheidung, hinter sich gelassen hat – Hamburg, die Eltern, ihre Jugendliebe.

In Rom arbeitet Judith als Restauratorin von Fresken der Renaissance; Engel sind ihre Spezialität. Mit Francesco führt sie eine glückliche Ehe, nur Kinder sind ihnen versagt geblieben. Von ihrem früheren Leben ahnt er nichts. So hatte es bleiben sollen. Nie mehr, das hatte Judith sich geschworen, wollte sie nach Hamburg zurückkehren.

Aber jetzt muss sie zurück, muss sich ihrer Vergangenheit stellen – dem Tod des Vaters, der kranken Mutter und dem Menschen, an den sie die letzten zwanzig Jahre jeden Tag gedacht hat. Wie soll sie ihrem Mann erklären, dass ihr gemeinsames Leben auf einer Lüge basiert?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783426510933
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:Knaur Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.10.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    Petra54s avatar
    Petra54vor einem Jahr
    Kurzmeinung: eine sehr emotionale Geschichte
    eine packende, emotionale Geschichte

    „Ferne Töchter“ ist bereits der dritte Titel, den ich von dieser Autorin lese und der mich ebenso wie „Geheime Tochter“ und „Fremde Schwestern“ absolut begeisterte.

    Judiths Geschichte hat mich sehr berührt. Sie verlässt ihre Eltern mit 17 Jahren, nachdem sie ihr Kind zur Adoption freigegeben hat. 20 Jahre später trifft sie ihre Mutter wieder und lernt ihre Tochter kennen.

    Hinter diesen wenigen Worten verbergen sich Verstrickungen, Missverständnisse, Kummer und Sehnsüchte. All das ist wunderbar feinfühlig und nachvollziehbar erzählt und hat mich recht oft zu Tränen gerührt. Dabei ist es alles andere als eine rührselige Geschichte, sondern wegen der kurzen und knappen Wortwahl besonders eindringlich.

    Mir gefällt der Schreibstil dieser Autorin ausgesprochen gut, weshalb ich ihr Buch gern weiter empfehle.

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    Sonnenschimmervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: gut
    berührend

    Das Buch " Ferne Tochter" ist sehr schön, berührend, Herz zereißend und Opjektiv geschrieben. Die Erzählung  springt in fast jedem Kapitel zwischen der Vergangenheit und Judith jetzigem Leben hin und her. Man muß sich schon etwas konzenrtieren beim lesen. Judith hat in Rom ein schönes Leben und ist glücklich verheiratet. Eines Tages kommt ein Anruf aus ihrer Heimat der ihr Leben verändert sich und ihre Vergangenheit holt sie wieder ein. Spannend geschrieben.

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    Fay1279s avatar
    Fay1279vor 5 Jahren
    Ein Anruf verändert alles!

    Judith ist in Rom seit langer Zeit glücklich verheiratet und arbeitet als Restauratorin von Fresken. Aber eigentlich kommt sie aus Hamburg.
    Doch sie hat mit 17 Jahren alle Kontakte abgebrochen, da sie sich von ihrer Mutter verraten gefühlt hat, und ist nach Rom gegangen.
    Über ihre Vergangenheit schweigt sie!
    Dann bekommt sie einen Anruf aus Hamburg. Eine ehemalige Schulfreundin hat sie ausfindig gemacht. Der Anruf dauert höchstens 3 Minuten doch er verändert ihr Leben. Ihre Vergangenheit holt sie ein!
    Doch sie lügt ihren Mann weiter an. Sie fliegt nach Hamburg und was sie dort vorfindet, damit hat sie nicht gerechnet. Ihre Mutter ist ein Pflegefall und ihr Vater schon lang tot.
    Doch was für ein Geheimnis hütet sie? Was hat sie in Hamburg erlebt, das sie diesen Schritt als 17 jährige gegangen ist!?
    Als sie ihrem Mann die Wahrheit erzählt ist dieser so verletzt, das ihre Ehe daran kaputt zu gehen scheint.

    Dieses Buch ist leicht zu lesen und die Geschichte an sich ist sehr gut.
    Mich hat es jedoch irgendwie nicht berührt. Es war für mich zu oberflächlich und lieblos. Ich konnte mich in die Geschichte nicht hineinfühlen und es ging alles zu schnell.
    Stellenweise waren mir unwichtige Dinge zu ausführlich beschreiben und andere zu wenig.

    Schade denn ich hätte gern mehr über die Personen und ihre Vergangenheit erfahren.

    Und das Wort " telefonino" konnte ich irgendwann nicht mehr ertragen... Warum auch immer, für mich kam es einfach zu oft vor, auch wenn die Protagonistin in Italien lebt.

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    GuteMienes avatar
    GuteMienevor 5 Jahren
    wenn die Vergangenheit dich einholt...

    Judith, eine Restauratorin alter Fresken, lebt mit ihrem Mann Francesco glücklich aber kinderlos in Rom. Seit Jahren versuchen die beiden ein Kind zu bekommen - jedoch ohne Erfolg. Sehr stimmig, dass die beiden in Rom leben und dass Judith gerade ein Fresco restauriert, das den Erzengel Gabriel mit Maria darstellt, der ihr verkündet, dass sie ein Kind - Gottes Sohn - gebären werde. Da erhält Judith einen Anruf aus ihrer Heimatstadt Hamburg. Dieser Anruf verändert ihr Leben und sie muss sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, von der Francesco allerdings nichts ahnt.
    Renate Ahrens beschreibt realistisch und doch auf gefühlvoller Weise Judiths Geschichte und zeigt wie die Beziehung zu Francesco in eine Krise gerät.
    ...man muss einfach immer weiterlesen um zu erfahren, ob die beiden ihr Leben wieder in den Griff bekommen und sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen können. Ein Buch das keine "leichte "Kost ist, also "wie im echten Leben".    

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    Nirenas avatar
    Nirenavor 5 Jahren
    das Schicksal...

    Das Buch ist in einem, wie ich finde, sehr nüchternen Stil geschrieben. Normalerweise habe ich damit und ebenso mit kurzen, oft wie Stakkato klingenden, Sätzen so meine Probleme, weil mir dadurch das Transportieren der Gefühle der Protagonisten schwer fällt - ganz anders hier. Ich kann nicht erklären wie, aber Renate Ahrens schafft es mühelos, ihre Protagonisten absolut realistisch vor dem inneren Auge entstehen zu lassen und gerade durch ihren Schreibstil, die Stimmungen erschreckend authentisch zu übermitteln.

    Und Stimmungen, davon gibt es viele und die wenigsten sind friedlich, freundlich oder optimistisch. Ja, das Buch hat etwas beklemmendes, aber gleichzeitig übt es eine Faszination aus, die es dem Leser quasi unmöglich macht, nicht in den Bann der Autorin zu geraten oder gar - nicht weiterzulesen.

    Der Leser kommt vor allem der Hauptprotagonistin Judith so nah, dass man tatsächlich mitten drin ist - nicht nur einmal bin ich mit der Romanfigur gedanklich aneinander geraten, weil ich ihre Handlungsweise nicht in Ordnung fand - ebenso wie mit ihrem Mann. Aber genauso leidet man mit ihr, fürchtet mit ihr und hofft mit ihr.

    "Ferne Tochter" ist nicht nur ein Roman, der absolut realistisch wirkt, oft eher wie eine Dokumentation als eine Fiktion, sondern ebenso ein Buch, das den Leser berührt und mitnimmt, nicht loslässt vor dem letzten Buchstaben.

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    IlonGerMons avatar
    IlonGerMonvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ferne Tochter" von Renate Ahrens

    Seit zwanzig Jahren lebt Judith, glücklich verheiratet mit Francesco, in Rom. Als Restauratorin von Fresken hat sie sich eine erfolgreiche Existenz aufgebaut und gilt als eine Könnerin ihres Fachs. An Hamburg, an ihre Heimatstadt, an ihre Familie hat sie seither jeden Gedanken erfolgreich verdrängt.

    Es ist heiß in diesen Tagen und als Judith aus den kühlen Kirchenräumen tritt, überfällt sie die unbarmherzige Hitze in den Gassen und Häuserzeilen. Eine kühle Dusche, ein Eistee, ein wenig Ruhe und danach steht einem Abend zu zweit nichts mehr im Wege. Aber jäh dringt ein Telefonanruf mit einer Hamburger Rufnummer in diese Minuten, die die doch so sehr Entspannung und Erholung sein sollten. Hin- und hergerissen entschließt sich Judith schließlich doch, den Anruf entgegen zu nehmen. Am Telefon ist ihre langjährige Hamburger Schulfreundin Claudia, die ihr aber in entscheidenden Momenten den Rücken gekehrt hat. Und deshalb hat es auch zu ihr keinerlei Kontakt mehr gegeben – und auch jetzt will Judith diesen Kontakt eigentlich nicht.
    Mit Hamburg, mit ihrer Familie und den Ereignissen damals hat Judith vollkommen abgeschlossen. Zumindest hat sie das bislang geglaubt. Warum aber wühlt sie dieser Anruf dann dermaßen auf? Vor zwanzig Jahren hat sie Hamburg den Rücken gekehrt, fluchtartig hat sie die Stadt verlassen und wollte nie wieder eine Verbindung zu ihren Eltern und ihrer Herkunft zulassen. Seither bewahrt sie tief in sich verborgen ein düsteres Geheimnis, von dem sie nicht einmal Francesco berichten konnte. Dieses Geheimnis, so fürchtet Judith, könnte das Ende ihrer leider immer noch kinderlosen Ehe bedeuten.
    Aber Judith stellt fest, dass die Vergangenheit sie seit diesem Anruf täglich mehr einholt und dass sie sich davon nur endgültig und versöhnt lösen kann, wenn sie sich der Erinnerung stellt.
    Judith reist nach Hamburg, sucht das Elternhaus auf, doch dort wohnen fremde Leute. In den nächsten Tagen erfährt sie, dass der Vater verstorben ist, die Mutter lebt nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim. Während sie einige Male am Bett der Mutter sitzt, durchlebt Judith ihre Jugend noch einmal. Die Spießigkeit des Elternhauses, der despotische Vater und die Mutter, die diesem nichts entgegensetzen konnte, alles lebt vor ihrem inneren erneut Auge auf. Und Judith versucht, sich mit den Folgen ihrer damaligen Entscheidung auseinanderzusetzen.

    Mit großer Spannung erzählt Renate Ahrens diese Geschichte einer immer mutiger werdenden Frau, die sich mit sich selbst und den Entscheidungen ihrer Jugend auseinandersetzt. Einer Frau, die versucht, Gegenwart und Vergangenheit nach zwanzig Jahren in Einklang zu bringen und trotzdem weiterhin mit Francesco glücklich verheiratet zu bleiben. Die Charaktere sind glaubwürdig geschildert, ihre Zweifel und Ängste sehr nachvollziehbar. Alles in allem ein gut zu lesender Roman für alle, die gern Geschichten von und um starke Frauen lesen wollen.

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    Ekas avatar
    Ekavor 6 Jahren
    Rezension zu "Ferne Tochter" von Renate Ahrens

    Mit ihrem Leben in Hamburg hat Judith schon vor 20 Jahren abgeschlossen.Sie lebt seit dem in Rom, ist glücklich verheiratet mit einem attraktiven Mann, nur der Kinderwunsch hat sich bisher trotz aller Bemühungen nicht erfüllt. Auch in ihrem Beruf als Restauratorin hat Judith großen Erfolg und arbeitet im Augenblick an dem Fresko Maria Verkündung von Filipino Lippi.
    Eines Tages erhält sie einen Anruf ihrer Jugendfreundin Claudia aus Hamburg, die ihr nur kurz mitteilt, dass mit ihrem Elternhaus etwas nicht in Ordnung ist und Judith sich unbedingt darum kümmern müsste.
    Schweren Herzens macht sich Judith nun auf den Weg nach Hamburg und trifft dort nicht nur das völlig vernachlässigte Haus, sondern auch eine schwerkranke Mutter an, die weder laufen noch sprechen kann. Es fällt ihr zunächst schwer, sich um alles zu kümmern, denn die Vergangenheit holt sie natürlich ein, die sie 20 Jahre verdrängt hat. Eine Vergangenheit, von der sie ihrem Mann Francesco nie etwas erzählt hat. Aber nun wird sie ihr Geheimnis wohl nicht länger hüten können?.
    Die Autorin erzählt die Geschichte wechselseitig zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Alle Charaktere sind hervorragend beschrieben und durch den wunderbaren Schreibstil liest sich alles sehr flüssig.
    Ein emotionaler Roman, der den Leser berührt und nachdenklich macht.
    Ich kann eine unbedingte Leseempfehlung geben.

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    Lesegenusss avatar
    Lesegenussvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ferne Tochter" von Renate Ahrens

    Ein heißer Tag Ende August in Rom. Judith Velotti, geb. Wolf, Ende Dreißig, erhält an diesem Abend einen Anruf von ihrer ehemaligen Jugendfreundin Claudia Dressler. Eigentlich wollte Judith gar nicht ans Telefon gehen, als sie sah, dass es eine Hamburger Nummer war.
    Mit dem Leben in Hamburg hatte sie vor gut 20 Jahren abgeschlossen. Inzwischen glücklich verheiratet mit einem tollen Mann, sie liebte ihren Beruf als Restauratorin und hatte sich hier schon einen Namen in der Branche gemacht und zudem auch schon einen Preis gewonnen.
    Fresken der Renaissance, vor allem Engel, waren ihre Lieblinge. Derzeit arbeitete sie an dem Fresko Maria Verkündung von Filipino Lippi. Eine Szene, ie sie besonders liebte, die ihr aber auch wieder zeigte, dass ihre Hoffnung schwanger zu werden, wieder einmal zerplatzt war. Die neue Behandlung hatte noch keine Früchte getragen, ihre Ehe mit Francesco weiterhin kinderlos.

    Mit dem Anruf der Jugendfreundin wurde Judith in ihr altes Leben zurückbefördert, ein Leben in einem strengen Elternhaus, einem Vater mit moralischen Grundsätzen, einer Mutter, die sich dem unterwarf und Judith ihren Platz suchte.
    Dieses alte Leben holte sie nun wieder ein, denn Claudia teilt ihr nur kurz mit, dass irgendetwas nicht in Ordnung sei mit dem Elternhaus in Winterhude. Alles würde so einen vernachlässigten Eindruck machen.
    Mit voller Wucht hatte der Anruf Judith erwischt, denn es verging kein Tag, an dem sie nicht an Hamburg denken mußte. (S. 13)
    Die Decke des Schweigens wurde angehoben, um letztendlich ihr Geheimnis, welches sie bis zum heutigen Tag Francesco nicht mitgeteilt hatte, zu lüften.
    Warum Judith damals ihre Eltern, ihre Heimat verließ, um letztendlich in Italien zu bleiben, wie sollte sie ihm nun die ganze wahre Geschichte erklären?
    Sie lebten nun schon viele Jahre glücklich miteinander und wie hätte sie ihm jetzt erklären sollen, was damals in Hamburg passiert war.
    Sie und Francesco, die sich beide so sehr ein Kind wünschten.
    Wie sollte sie es weiterhin schaffen, dies vor ihm geheim zu halten?
    Will sie das überhaupt?
    Und dann das Wiedersehen zwischen Judith und ihrer schwerkranken Mutter.

    Renate Ahrens „Ferne Tochter“ wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, erzählt Judiths Geschichte, die Gründe, Hamburg zu verlassen und die Probleme Jetzt und Heute, die durch ihr Schweigen entstehen.

    Eine Nebencharaktere möchte ich unbedingt erwähnen, und zwar Vincenzo, Judiths Schwiegervater. Ein Italiener durch und durch, ein alter Mann, der seine Grundsätze hat, aber innendrin ein großes Stück Herz zeigt.

    Weiter möchte ich auf den Inhalt nicht eingehen. Die Buchinformation sagt schon sehr viel aus. Doch einen Satz möchte ich hervorheben (S. 274):
    „Ich danke meiner Großmutter dafür, dass sie den Brief aufgehoben hat“.

    Ja, ich gebe zu, „Ferne Tochter“ zu lesen, ging nicht emotionslos an mir vorbei und das ist auch gut so.

    Hoffnung für Judith und Francesco, denn am Ende des Romans tauchen sie wieder auf, die Schmetterlinge im Bauch, das Flattern, das Gefühl, welches Judith schon einmal erleben durfte.

    Fazit:
    „Ferne Tochter“ von Renate Ahrens:
    die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung,
    ein Familiengeheimnis, gut behütet und bewahrt,
    eine Handlung, die berührt und letztendlich aufzeigt, wie wichtig Vertrauen ist und lernen muss, mit seinen Ängsten umzugehen.

    „Jeder geht seinen Weg, der ihm vorbestimmt ist. Doch so manches Mal geht das Schicksal seinen eigenen Weg, aber in deinem Inneren bist du der Hüter deiner Gedanken und die gehen immer mit dir, egal, wo deine Reise dich hinführt.“ (© Hannelore Kühlcke)

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    Atis avatar
    Ativor 6 Jahren
    Rezension zu "Ferne Tochter" von Renate Ahrens

    Eine Geschichte beginnt immer mit einer Figur, sagt Renate Ahrens. Die Geschichte ihres Lebens begann mit ihrer Geburt 1955 in Herford. Die Autorin studierte Englische Philologie und Romanistik und arbeitete vor ihrer Tätigkeit als freie Autorin als Lehrerin. Ihr Leben teilt sie nach Aufenthalten in Italien, Südafrika, Frankreich und Irland heute zwischen Dublin und Hamburg auf. Sie bezeichnet sich selbst als neugierigen Menschen, der gerne neue Welten – bei Auslandsaufenthalten – entdeckt.

    Die Figur, um die es im neuesten Roman von Renate Ahrens geht, heißt jedoch Judith. Judith ist Restauratorin, lebt in Italien und hütet sehr erfolgreich ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit. Am 28. September diesen Jahres war ich zur Buchpremiere von Ferne Tochter im Speicherstadtmuseum Hamburg eingeladen. Leider konnte ich nicht hingehen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich dann das Buch in Händen hielt.

    Niemand kann vor seiner Vergangenheit auf Dauer davonlaufen

    Rom, seit nahezu vierzig Jahren die Lieblingsstadt der Autorin, ist einer der Schauplätze, an dem die Geschichte der Hauptfigur Judith spielt. Judiths sorgsam aufgebautes Lügenkonstrukt bezüglich ihrer Vergangenheit samt bis dahin gut funktionierender Verdrängungstaktik droht ihre glückliche, aber kinderlose Ehe mit Francesco von heute auf morgen zu zerbrechen, als eine ehemalige Freundin aus ihrer alten Heimat sich meldet. Er weiß, dass sie alle Brücken hinter sich abgebrochen hat, kennt jedoch nicht den wahren Grund. Er ahnt nicht, dass sie eine mittlerweile erwachsene Tochter hat, die sie gleich nach der Geburt zur Adoption freigab. Er weiß nicht, die wahren Gründe für Judiths Flucht aus Deutschland. Und sie weiß nicht, wie sie ihm erklären soll, warum sie sich alleine um ihre Mutter kümmern muss, die nach einem Schlaganfall im Krankenhaus gelandet ist. Oder wie sie ihm gar von ihrer Tochter erzählen könnte, die den Kontakt zu ihr sucht. Bei ihrem anfangs widerwilligen Versuch, sich um ihre Mutter zu kümmern bzw. die Dinge zu klären, muss sich Judith nicht nur ihrer Vergangenheit stellen. Sie lernt auch ihre Mutter in gewisser Weise neu kennen und bekommt zumindest die Chance die Folgen ihrer aus Verzweiflung getroffenen Entscheidung abzumildern.

    Der Titel passt in meinen Augen sehr gut, spiegelt er doch nicht nur Judiths Verhältnis zu ihrer Mutter, sondern auch zu ihrer Tochter wieder, das anfangs nicht distanzierter hätte sein können. Ferne Tochter ist aus Judiths Sicht geschrieben. Die kurzen Sätze spiegeln nicht nur die innere Zerrissenheit von Ahrens Romanfiguren wieder, sie unterstreichen die aufwühlenden Emotionen der Grundthematik geradezu. Gefühlvoll und emphatisch führt die Autorin ihre LeserInnen wie ihre Figuren durch den Roman. Unfassbar, aber keinesfalls unmöglich, scheint dabei die Denkweise der Eltern Judiths anlässlich der Zeit, in der sie ihr uneheliches Kind bekommt. Die Geschehnisse der Vergangenheit sind gut proportioniert und gezielt in das aktuelle Geschehen eingestreut. Obwohl der Fokus eindeutig auf Judith liegt, bleiben auch Francesco und andere Figuren nicht flach und schon gar nicht nebensächlich.

    Ohne überfrachtete Beschreibungen oder gar melodramatische Auswüchse erzählt Ahrens Judiths Geschichte und regt zum Nachdenken an. Nicht nur, wie gefährlich noch so kleine Lügen sein können, sondern auch welchen Stellenwert die Familie hat oder zumindest haben sollte. Darüber, wie wichtig es ist, seine Wurzeln zu kennen. Darüber, wie blind man gegenüber Hilfsangeboten sein kann, oder wie schwer manche Dinge wieder gutzumachen sind. Erzählt von etwas, das direkt um uns passieren könnte. Authentisch, lebensnah, glaubhaft.

    Fazit

    Ein sehr berührendes Buch, das ich nur empfehlen kann. Ein Roman über Schuld und Vergebung, über Enttäuschung, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Keine heitere Geschichte, aber trotz allem ganz und gar nicht hoffnungslos. Ferne Tochter bekommt fünf von fünf Punkten von mir und hat mir Appetit auf weitere Romane der Autorin gemacht. Wie gut, dass es da schon welche gibt.

    Copyright © 2012, Antje Jürgens (AJ)

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    Gabrielle_Alioths avatar
    Gabrielle_Aliothvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ferne Tochter" von Renate Ahrens

    Mit beeindruckender Zielstrebigkeit geht Renate Ahrens in diesem Roman zentrale Fragen des menschlichen Daseins an: Liebe, Vertrauen, die Möglichkeit zu Vergessen, die Notwendigkeit zu Erinnern – und sie tut dies auf die ihr eigene präzise und unprätentiöse Weise. Vor einem (fast) alltäglichen Hintergrund, einer privaten Geschichte, behandelt sie die aufgeworfenen Fragen in ihrer ganzen emotionellen und moralischen Komplexität. Mit großem Feingefühl und absoluter Stilsicherheit beleuchtet sie die widersprüchlichen Positionen ihrer Figuren und macht diese nachvollziehbar. Sie urteilt nicht, gibt keine einfachen Antworten, sondern lädt ein zu verstehen. Der Roman zeigt die Bedingtheiten, in denen wir unser Leben leben (müssen), eindrücklich und unmissverständlich und ist damit auch ein Aufruf zur Toleranz. Eine Roman, der nicht nur von seinen Einsichten und seiner Anteilnahme lebt, sondern vor allem vom Mut der Verfasserin, von dem die Leserinnen und Leser profitieren.

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