Saphia Azzeddine Zorngebete

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Inhaltsangabe zu „Zorngebete“ von Saphia Azzeddine

Eine Kindheit im Ziegenlederzelt, umgeben von Bergen und Wüste. Schafe als
Gefährten. Nicht hinterfragte Gesetze als Norm.
Jbara lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem winzigen, ärmlichen
Dorf und rechtet mit Allah, ihrem zugleich einzigen Vertrauten. Die Freiheit
fährt zweimal pro Woche im Bus vorbei, doch eines Tages fällt – Allah sei Dank
– ein rosa Koffer mit Rollen vom Gepäckdach herunter. Jbaras Aussteuer für
ein neues Leben, das sie sich unter vielen Opfern und mit Einsatz ihres Körpers
erkämpfen wird. Aus Jbara wird Scheherazade, aus Scheherazade schließlich
Khadija. Sie verliert ihre Unschuld, ihre Heimat und zwei Zähne, doch nie ihren
derben Humor und den Glauben an Gott.
Azzeddines Debüt ist ein tabuloser Monolog, das zornig- zärtliche Gebet einer
jungen Frau im Maghreb, ein außergewöhnlicher Bildungsroman.

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  • Überraschend, sensibel, gut!

    Zorngebete

    paralipomena

    01. September 2013 um 20:34

    Jbara ist 16 Jahre alt und wächst in einem kleinen maghrebinischen Dorf "am Arsch der Welt" unter ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Leben wird bestimmt von ihren Schafen, ihrer Vorliebe für Granatapfeljoghurt, für den sie den Hirten Miloud mit Sex bezahlt, und ihren Zwiegesprächen mit Allah. Eines Tages wird ihr Alltag jedoch jäh unterbrochen, als von dem Bus, der zwei Mal wöchentlich Touristen durch ihr Dorf in die nächstgrößere Stadt transportiert, ein Koffer herunterfällt -- ein Koffer voll mit westlichen Kleidungsstücken und Bargeld. Als die ungewollt schwangere Jbara nun von ihrer Familie verstoßen wird, macht sie sich mit ihrem Koffer auf in die Stadt, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie arbeitet als Haushälterin, muss Vergewaltigungen ertragen und verdingt sich schließlich als Prostituierte: "Ich bin jetzt eine Geschäftsfrau, und mein Körper ist mein Büro". Was mich beim Lesen fasziniert hat, ist die sprachliche Gestaltung des Textes, die einen sofort in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt. Es handelt sich hier um einen Bildungs- und Emanzipationsroman mit einem ganz besonderen Tonfall: Vulgär, derb, zynisch, schonungslos, teilweise mit subtiler Komik versetzt. Jbara berichtet von allem, was ihr widerfährt, mit schonungsloser Offenheit: "Ich werde keine Poesie hineinlegen, wo keine ist", schreibt die Protagonistin. "Ich habe Ihnen ja gesagt, dass ich arm bin. Das Elend stinkt nach Arsch." Die derbe Ausdrucksweise wird gezielt eingesetzt und bestimmt keinesfalls den ganzen Roman, sodass auch sehr eingängige, sensible Passagen ihren Platz finden. Auf nur einer Seite wird geschildert, wie Jbara in einer dreckigen, dunklen Straße ihr Kind zur Welt bringt und es einfach dort liegen lässt; die Schilderung trifft den Leser mit einer Wucht, die noch viele Seiten lang nachwirkt. Schonungslos sind auch Jbaras Zwiegespräche mit Allah, welche die eigentliche Handlung immer wieder unterbrechen und eine tabufreie Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau im Islam darstellen, die in dieser Form bisher vermutlich einmalig ist. Beeindruckend ist, wie Jbara sich zwar einerseits für die radikale Selbstbestimmung der Frau einsetzt, gleichzeitig aber auch einen lebensnahen, entspannten und zwanglosen Umgang mit Religion thematisiert. Sie zeigt, dass selbständiges Denken und Handeln nicht im Widerspruch zum Glauben stehen. Kurzum ein ehrlicher, provizierender und zugleich sensibler Roman, der die Rolle der Frau im Islam auf eine völlig neue Weise beleuchtet. Sehr lesenswert!

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  • Raus aus dem Ziegenlederzelt

    Zorngebete

    Juana

    24. June 2013 um 14:13

    „Ich nehme es Allah ein bisschen übel, dass er mich in diesem Rattenloch verfaulen lässt. Rechts sind Berge, links sind Berge. Und in der Mitte sind wir, unser Ziegenlederzelt und unsere Schafherde.“ Die 16-jährige Jbara sagt von sich, sie könne nicht anders als schimpfen, denn das sei in ihrer armen, ignoranten Familie, in der alles haram ist, der normale Ton. So ist die Sprache im Bildungsroman „Zorngebete“ der Marokkanerin Saphia Azzeddine entsprechend ungezwungen, derb und unsentimental. Jbara ist eine Kämpferin und nicht bereit, auf alles zu verzichten, vor allem nicht, seit sie zum ersten Mal Granatapfeljoghurt gekostet hat, den sie für ein bisschen Sex bekommen hat. Als sie schwanger wird, beginnt ihr zweites Leben in der Stadt als Scheherazade.

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