Cover des Buches Mit nackten Händen (ISBN: 9783453290990)
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Rezension zu Mit nackten Händen von Simonetta Greggio

Rezension zu "Mit nackten Händen" von Simonetta Greggio

von kleinfriedelchen vor 13 Jahren

Rezension

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kleinfriedelchenvor 13 Jahren
Ab wann ist der Altersunterschied zwischen zwei sich liebenden Menschen eigentlich zu groß, als dass ihre Liebe noch als normal angesehen wird? Sind zehn Jahre okay? Zwanzig? Ab welchem Altersunterschied erscheint uns die Beziehung seltsam, ab wann unnatürlich oder gar verboten? Eben solch eine Liebe ergründet Simonetta Greggio in ihrem Buch "Mit nackten Händen". "Ich würde Gio nicht die Ehe antragen, um die Familienehre reinzuwaschen, und ich war auch kein seniler Professor, der den Reizen einer Lolita erlegen war. Wäre das übrigens der Fall gewesen, hätte man wohl milder über mich geurteilt." Emmanuelle, Mitte vierzig, hat sich eine ruhige Existenz als ländliche Tierärztin aufgebaut, seit sie vor Jahren das turbulente Paris verlassen hat, um die Liebe zwischen ihrem Ex Raphael und ihrer ehemaligen Freundin Micol nicht mehr miterleben zu müssen. Umso überrascher ist sie, als deren gemeinsamer fünfzehnjähriger Sohn Gio vor ihrer Tür steht, um dem spießigen Elternhaus wenigstens für einen Sommer zu entkommen. Emma freut sich über die Abwechslung, besonders da Gio Tiere ebenso am Herzen liegen wie ihr. Doch bald schon, langsam, still und heimlich, verändert sich die ungezwungene Freundschaft zwischen den beiden und nimmt intimere Züge an... Ein weniger einfühlsamer Autor hätte aus den Zutaten dieses Buches sicherlich eine reißerische Geschichte über Sex, Begierde und gesellschaftliche Empörung gemacht. Nicht so jedoch Simonetta Greggio; sie hat stattdessen ein stilles Buch über die Spielarten der Liebe geschrieben. Von der schmerzhaften Liebe zu dem Verflossenen, der zärtlichen Zuneigung zu einem kleinen Kind, aber auch von der langsam wachsenden Anziehung zwischen einer Frau und einem Jungen, der das Erwachsenenalter noch nicht erreicht hat. Dabei steht die Liebesgeschichte zwischen Emma und Gio gar nicht so sehr im Vordergrund, wie man anfangs denken mag. Vielmehr geht es um Emmas Leben, ihre Beziehung zu ihrer Mutter und die eigenartige Verbindung zu Gios Eltern, die immerhin jahrelang mit ihr befreundet waren. Aber es geht auch darum, Entscheidungen nicht zu bereuen und zu seinen Gefühlen zu stehen. Ohne Vorwürfe zu erheben oder moralisch zu urteilen, was nun richtig oder falsch sei, erzählt Greggio auf ihre stille poetische Art, wie sie den Franzosen eigen zu sein scheint, von der verbotenen Liaison zwischen einer Frau und einem Teenager und den daraus folgenden gesellschaftlichen Konsequenzen. Durch die ruhige Erzählweise mag das Buch auf den ersten Blick etwas unspektakulär erscheinen, aber es bringt einen zum Nachdenken, wie weit man für die Liebe gehen darf. Ein schönes Buch!
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