William Engdahl

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China in Gefahr

China in Gefahr

 (1)
Erschienen am 30.12.2013
Die Denkfabriken

Die Denkfabriken

 (0)
Erschienen am 28.05.2015

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Rezension zu "China in Gefahr" von William Engdahl

Globale Methoden zur Aufrechterhaltung der US-Hegemonie - ein Lehrbeispiel auch für "gute Freunde"
R_Mantheyvor 3 Jahren

Glaubt man den jüngsten Aussagen deutscher Politiker, so sind die USA unsere besten Freunde, die sich allerdings kürzlich durch ihre geheimdienstliche Neugier offenbar zur völligen Überraschung der etwas romantischen deutschen Führungselite ein wenig danebenbenommen haben. Wer an Freundschaft zwischen Staaten glaubt, muss Schwierigkeiten mit der Wirklichkeit haben, denn verschiedene Mächte verbindet allenfalls eine gemeinsame Interessenlage, aber nicht Freundschaft.

Beim Lesen dieses Buches bekommt man schnell ein ungutes Gefühl, wenn man tatsächlich an Freundschaft zwischen Staaten glaubt, denn einige der in ihm beschriebenen Methoden der USA werden mit großer Selbstverständlichkeit natürlich auch gegen Europa angewandt. Deshalb handelt es sich um einen durchaus lehrreichen Text, selbst wenn einige Dinge konstruiert scheinen.

Leider macht der Autor aus seiner Sympathie für das chinesische Regime keinen Hehl. Das ist nicht nur deshalb irritierend, weil sein Buch dadurch in gewisser Weise den Anspruch journalistischer Neutralität oder einer adäquaten Berichterstattung verliert, sondern auch, weil China nicht gerade ein Hort der Demokratie oder ein Beispiel für ein freies Land ist. Auch dass Chinas Führung immer noch Mao verehrt, der Millionen von Chinesen auf dem Gewissen hat, die als Folge seiner Politik des "Großen Sprungs" oder seiner "Kulturrevolution" umkamen, scheint den Autor wenig anzuheben. Seine merkwürdige Sympathie für das chinesische Regime lässt ihn leider auch einige der Risiken übersehen, vor denen die sogenannte Volksrepublik steht. Darüber hinaus schätzt er nach meiner Ansicht auch einige wirtschaftliche Fragen falsch ein. Ich komme darauf später zurück.

Das Hauptanliegen des Autors besteht darin, die verschiedenen Methoden, mit denen die USA Chinas Aufstieg bremsen und das Land in Schwierigkeiten bringen wollen, offenzulegen und in einen gemeinsamen Kontext zu bringen. In dieser Hinsicht handelt es sich um einen Text, der manchem Leser sicher die Augen öffnen wird, denn im Grund geht es gar nicht um China, sondern um diese universellen Methoden, die natürlich weltweit angewandt und in diesem Buch nur auf China heruntergebrochen und für diesen Fall erklärt werden. China ist gegenwärtig die größte Bedrohung für das Hegemoniestreben der USA.

Man kann den sogenannten "Arabischen Frühling" oder einige Kriege in Afrika (z.B. im Sudan) besser verstehen, wenn man Chinas Suche nach Rohstoffen und dabei insbesondere nach Öl in die Betrachtungen einbezieht. Durch gezielt herbeigeführtes politisches oder militärisches Durcheinander ist es den USA gelungen, die chinesische Offensive zur Beschaffung von Öl und anderen Rohstoffen in Afrika ins Stocken zu bringen. Darum geht es im zweiten Kapitel des Buches, das man im Zusammenhang mit dem fünften Abschnitt lesen muss, in dem die Transportwege nach China betrachtet werden, in deren Nähe die USA zahlreiche militärische Stützpunkte errichtet haben, um den chinesischen Nachschub im Ernstfall abschneiden zu können.

Insbesondere diese US-Strategie verschlingt Unsummen an nicht wirtschaftlich nutzbarem Kapital und wird irgendwann zum Sargnagel der amerikanischen Hegemonie werden. Noch können die USA insbesondere Rohstoffe mit Geld bezahlen, das gerade frisch ihre unermüdliche virtuelle Druckerpresse verlassen hat. Ersetzt ein Währungskorb - wie von China und anderen Staaten gefordert - irgendwann den Dollar, dann wird die völlige Überspannung der USA schnell zu Ende gehen. Das deutet der Autor im ersten und letzten Kapitel seines Buches an.

Über die Bemühungen der USA, Chinas Wirtschaftsmacht zu beschneiden, berichtet der Autor im sechsten Kapitel. Leider sind diese Ausführungen recht diffus und zum Teil fragwürdig. Beispielsweise geht der Autor dort kurz auf den "Solarkrieg" ein und behauptet, die Chinesen hätten bei ihren Solarzellen "wissenschaftliche Erkenntnisse auf die Technik angewendet und ein überlegenes chinesisches Produkt entwickelt". Das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit, denn in Wirklichkeit sind die chinesischen Konzerne zunächst mit anderswo nicht darstellbaren Dumpingpreisen auf den Weltmarkt gezogen und haben so zum Beispiel auch die deutsche Solarindustrie ruiniert.

Die restlichen Kapitel befassen sich mit Methoden, die amerikanische Unternehmen weltweit einsetzen, um Kunden und ganze Staaten in eine Abhängigkeit von ihren Produkten zu bringen. Mit China hat das speziell nichts mehr zu tun, zumal einige dieser Dinge auch gegen die Bevölkerung der USA eingesetzt werden. Darunter fallen der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden, der Abbau von Schiefergas, der Einsatz von Medikamenten, die eher töten als helfen, der Einfluss amerikanischer Medien wie Google, Facebook, YouTube und Twitter zu Propagandazwecken oder zur subversiven Tätigkeit der Geheimdienste, die Überschreibung der landestypischen Kultur durch den amerikanischen Lebensstil oder die Verseuchung der landestypischen Nahrungsmittel durch genmanipuliertes Saatgut, das obendrein nicht dazu benutzt werden kann, um daraus eigenes Saatgut herzustellen und so in eine sklavische Abhängigkeit führt.

Am Ende des Buches geht der Autor dann auf einige chinesische Projekte ein, etwa auf den Bau mehrerer Eisenbahnlinien nach Europa, die die Geschwindigkeit des Warentransits enorm vergrößern werden und sich der Kontrolle der USA zum größten Teil entziehen. Schließlich bewertet der Autor auch noch die Risiken, die China von sich aus aufgebaut hat. Merkwürdigerweise ist seine Sicht dabei wieder sehr eingetrübt. Nach seiner Ansicht besteht das Hauptrisiko darin, dass die KP Chinas ihre Autorität verliert, also dass die kommunistische Diktatur zusammenbricht.

Die fürchterlichen Umweltprobleme, mit denen sich China konfrontiert sieht, die Immobilienblase (leer stehende Trabantenstädte), die enorme Polarisierung zwischen arm und reich und daraus resultierende soziale Konflikte und Chinas enormes demografisches Problem (um nur einige Konfliktfelder zu nennen) spielen in den Betrachtungen des Autors überhaupt keine Rolle.

Insgesamt gewinnt man mit diesem Buch einen guten Einblick in einige der US-Strategien zu Beherrschung der Welt. Auch wenn einiges dabei sich nicht auf China beschränkt und in sich nicht immer zwingend zu sein scheint, und auch wenn man die Sympathie des Autors für die chinesische Staatsform nicht nachvollziehen kann, so findet man doch in diesem Buch vieles, was Prozesse in der Welt gut erklärt, die insbesondere von den Mainstream-Medien nicht vollständig und auch nicht wirklichkeitsnah geschildert werden.

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