Bis an die Grenze

von Dave Eggers 
3,7 Sterne bei50 Bewertungen
Bis an die Grenze
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Positiv (32):
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Was ist das eigentlich, "richtig" leben? Josie macht Suchbewegungen in Alaska - komisch, tragisch, großartig.

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Die Geschichte lässt mich ratlos zurück. Was war das?

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Inhaltsangabe zu "Bis an die Grenze"

Eine Mutter auf der Flucht – ein Roadtrip ans Ende der Zivilisation
»Bis an die Grenze« ist ein berührender, warmherziger Roman, in dessen Zentrum Josie steht, eine alleinerziehende Mutter, die mitsamt ihren beiden Kindern aus den Zwängen ihres Vorstadtlebens flieht und sich in der Wildnis Alaskas neu zu finden sucht. Dave Eggers Porträt einer Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Wunsch nach Konformität und nach Freiheit, ist hochkomisch, wahrhaftig und ungemein aktuell.

Josie, eine Zahnärztin, die ihre Praxis hat schließen müssen, bekommt Panik, als ihr Exmann darum bittet, die gemeinsamen Kinder seiner neuen Verlobten vorstellen zu dürfen. Sie packt die Kinder und flieht mit ihnen an den entlegensten Ort, der für sie ohne Pass erreichbar ist: Alaska. Die Reise in dem angemieteten, abgetakelten Wohnmobil durch die Wildnis rüttelt die Familie durcheinander. Der achtjährige Paul übernimmt die fürsorgliche Vaterrolle in der Familie, während die fünfjährige Ana Chaos und Zerstörung magisch anzieht. Was sich zunächst wie ein Abenteuerurlaub am Ende der Welt anfühlt, wird schnell zur verzweifelten Flucht, nicht zuletzt vor einem Lauffeuer, das in der Region ausgebrochen ist. Doch nicht nur das Feuer scheint Josie auf den Fersen zu sein, sie kämpft auch gegen die imaginären sowie realen Geister ihrer Vergangenheit und muss dafür bis an ihre Grenze gehen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462049466
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:496 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:09.03.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 10.03.2017 bei Jumbo erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Gelungene Mischung aus Lustig und Ernst mit einer so sympathischen wie chaotischen Hauptfigur.
    Alltagsflucht für Fortgeschrittene

    Alltagsflucht für Fortgeschrittene
    Ich habe mich sehr gefreut, als dieses hübsche, glänzende Buch endlich bei mir gelandet ist. Scheinbar haben sich die Leser mit Bis an die Grenze entweder ziemlich schwer getan oder es sehr gemocht. Das hat mich neugierig gemacht. Und gleich vorneweg: Ich gehöre zu den Lesern, die es mochten. Auch wenn ich auf den ersten Seiten hier und da über Eggers Sprache gestolpert bin. Nach ca 50 Seiten, hat sich das gegeben.

    Erstaunt hat mich, wie witzig ich das Buch fand. Zwischendurch habe ich herzlich gelacht und öfter mal schmunzeln müssen. (Die Passagen über ihren Exmann? Enttäuscht, das Musical? Herrlich!) Ich kann mir aber auch vorstellen, dass manch einer gar nicht lustig findet, was Josie so alles anstellt.

    Auch die traurigen und nachdenklichen Passagen haben mir gefallen. Die Stellen, an denen Josie zweifelt und mit ihren Dämonen kämpft. Die Stellen, an denen sie, Paul und Ana einfach Familie sind und ihre Sorgen vergessen können.

    Ich mochte Hauptcharakter Josie in ihrer Ambivalenz. Mit ihren Zweifeln und Ängsten. Ich mochte ihr Chaos und ihre Unentschlossenheit, weil ich mich in allem davon ein kleines bisschen wiederfand. Natürlich waren nicht alle ihre Entscheidungen richtig. Josie ist schon recht verantwortungslos, aber Eggers macht verständlich warum das so ist. Jaja, manchmal will man sie packen und sagen: Nein! Fahr nach Hause! Es reicht! Aber wer könnte denn behaupten nicht den Reiz zu verstehen, der in der Flucht vor dem Alltag liegt?!

    Ich bin mir noch immer nicht sicher, was ich vom Ende halten soll. Aber eigentlich fand ich es gut, dass Eggers dem Leser – und irgendwie auch Josie – viel Gedankenspielraum lässt. Bis an die Grenze ist sowieso ein Buch, über das man viel nachdenken kann, wenn man will. Über die mehr oder weniger offensichtliche Gesellschaftskritik zum Beispiel, die sich im aggressiven Radfahrer zeigt, in Ungastlichkeit, in den immer eiligen Yogamüttern, in der krebskranken Raucherin, die ihre Zahnärztin verklagt, anstatt die Zigarettenindustrie und sehr stark auch in Josie selbst.

    Der Roman lebt von seiner Hauptfigur. Wer Josie mag, wird den Roman mögen. Wer sie nicht mag, wird zu kämpfen haben. Aber ich denke, wer mit ausreichend Humor und Unvoreingenommenheit an die Geschichte geht, kann seinen Spaß damit haben. Ich hatte Spaß.

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    Bücherfüllhorn-Blogs avatar
    Bücherfüllhorn-Blogvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Geschichte lässt mich ratlos zurück. Was war das?
    Die Geschichte lässt mich ratlos zurück. Was war das?

    Wirklich packen konnte mich die Geschichte leider nicht. Sie hatte eine melancholische Grundstimmung, die sich durch das ganze Buch zog. Mit dazu trug der Charakter und die Gedanken der Hauptprotagonistin Josie bei, die ausgelaugt ist, einen Burn-Out und zudem depressive Stimmungen hat. Nicht zu vergessen, ihre tägliche Ration Alkohol in Form von Wein. Ihre Gedanken sind sehr verschlungen, ihr Gehirn steht niemals still, sie kann aus wirklich allem was sie hört, sieht und denkt ein Thema über ein paar Seiten erdenken und hat somit einfach Längen erzeugt, die mich weniger interessierten und die ich gerade am Schluss einfach nur noch überflogen habe, weil sie nicht wichtig waren. Josie lebt wie in einem nebulösen Traum, einem unguten Druck-Traum. Sie geht passiv durch die Welt, vieles passiert ihr einfach, sie wehrt sich nicht, ist wie gelähmt. Ich hielt des Öfteren die Luft an und hoffte, dass alles gut wird. Eine Mutter, die alles richtig machen will, dennoch läuft alles anders als geplant, es läuft aus dem Ruder. Eine Mutter, die gesellschaftlich im Abseits steht, deren Leben bergab ging. Also die Geschichte ist alles andere als lustig oder hochkomisch, wie es irgendwo zu lesen stand. Einen Roadmovie würde ich es auch nicht nennen, aber da habe ich wohl meine eigene Definition. Ich glaube, ich habe im ganzen Buch einmal geschmunzelt, kein einziges Mal laut gelacht. Manche Begebenheiten fand ich ironisch, andere skurril und dadurch subtil witzig.

     

    Mit der Hauptprotagonistin Josie schwankte ich zwischen Sympathie und irgendwas anderen. Sie konnte mich nicht ganz für sich einnehmen, leider. Die beiden Kinder hingegen sind sowas von süß und unschuldig und machen alles mit, was ihre Mutter ihnen „vorsetzt“, das ist so vertrauensvoll, dass man fast heulen könnte. Sie sind mir ans Herz gewachsen, wie eigen sie auch sein mochten.

     

    Der Schreibstil und Erzählton sind wunderbar, wunderschön zu lesen. Ausführlich, detailverliebt. Ich weiß nicht, ob man die Geschichte vom Erzählstil lostrennen kann, aber ich empfinde es hier so, dass die Geschichte mich nicht mitnehmen konnte, mir der Erzählton und Schreibstil aber sehr gut gefallen haben.

     

    Im Endeffekt habe ich auch nicht kapiert, wohin die Geschichte gehen sollte. Eine Flucht aus dem Alltag, eine Flucht vor sich selbst? Eine Auszeit? Alleinerziehende Mütter? Folgen einer Trennung? Einige Pressestimmen auf der Amazon-Seite sind für mich fragwürdig, nicht nachvollziehbar. So wird wohl jeder etwas anderes in der Geschichte finden oder sehen.

     

    Sicherlich trägt Hauptprotagonistin Josie einen Packen Schuldgefühle mit sich rum, aber die lösen sich nicht Alaska in Luft auf. Zudem lässt die das Wohnmobil verlottern, und betritt Eigentum, das ihr nicht gehört. Für mich war das unverständlich und ich konnte es nicht nachvollziehen. Und am Ende ist nach einem Telefonat alles gut? Wie alles gut wurde irgendwie während dieser Reise? Sicherlich gibt es einige gut Ansätze, die ich gerade als Mutter gut verstehen kann, aber manche Begebenheiten waren haarsträubend und unglaubwürdig.

     

    Alles in allem: Der wunderschöne Schreibstil und Erzählton können leider nicht über die Längen hinweghelfen. Die Geschichte ist skurril und melancholisch. Sie lässt mich ratlos zurück. Was war das?

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    emma_vandertheques avatar
    emma_vanderthequevor einem Jahr
    Selbstzweifel, Alkohol und beeindruckende Kinder

    Josie schnappt sich ihr Erspartes und ihre beiden Kinder und haut ab. Sie will weg, ganz weit weg! Weg von ihrem Ex, der sich seit Jahren scheinbar wieder daran erinnert, dass er Kinder hat, weg von ihrer Vergangenheit, ihren Schuldgefühlen, weg von den Rechtanwälten, die sie um ihre Zahnarztpraxis bringen werden. Sie will raus aus den alten Zwängen, sich neu erfinden, und geht auf die Suche nach sich selbst. Mit 3000 Dollar Bargeld in der Tasche und einem gemieteten, klapprigen Wohnmobil reist sie mit ihren beiden Kindern nach Alaska, denn für eine Auslandsreise bräuchte sie die Zustimmung ihres Exmanns, aber gerade von ihm fühlt sie sich verfolgt. Von ihm, ihrer Vergangenheit, von allen, denen sie einmal Unrecht getan hat.
    „Bis an die Grenze“ beschreibt die Flucht einer Frau, die mit ihrem Leben nicht mehr klar kommt, sich gerne ganz neu erfinden würde und doch weiß, dass sie vor ihrer Vergangenheit und ihrer Verantwortung, auch ihrer Kinder gegenüber, nicht wegrennen kann. Der „Urlaub“ wird zu einer Reise zu sich selbst, teilweise so egozentrisch, dass es sie blind macht für die realen Gefahren, die auf sie und ihre Kinder warten.
    Ein Buch, das mich ziemlich ratlos zurück lässt, auch wenn ich es gerne gelesen habe .
    Dave Eggers kann wunderbar mit Worten Bilder erschaffen und ich werde sicher noch mehr von ihm lesen!

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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor einem Jahr
    Ein Roadtripp durch Alaska

    Ein junge Frau, Zahnärztin, 2 Kinder. Sie ist zusammen mit ihrem beiden Kindern und einem Wohnmobil in Alaska unterwegs. Ohne Wissen des Ehemannes. Der hat eine andere Frau kennengelernt. Josie, so heißt die Frau. Sie nimmt den Leser mit auf diesen Roadtripp quer durch Alaska und lässt den Leser teilhaben an den Erlebnissen ebenso wie an den Erinnerungen an ihr vergangenes Leben.
    Es ist wie eine Art Flucht aus dem Leben. Das wird schon auf den ersten Seiten des Buches und den Äußerungen von Josie deutlich. Sie erzählt nicht aus der Ich – Perspektive, aber dennoch konnte ich beim Lesen hautnah bei ihr sein. Das Gefühl, dass sie ausgebrannt wirkt, vom Job, den Schulden, Kindererziehung, der Ehe, das bekommt der Leser zu spüren. Alles hinter sich lassen, das will sie und das bekommt der Autor auch durch den Stil der Geschichte sehr gut zum Leser transportiert.
    Mir kam das Lesen manchmal ein wenig atemlos vor. Bandwurmartige Sätze, in denen ihre Anspannung deutlich wird, als sie sich an ihr früheres Leben erinnert. Ich spürte beim Lesen ihre Emotionen, das hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein sehr bildhafter Stil, der bei mir auch das Kopfkino aktiviert.
    Auch ihre Kinder sind wichtige Figuren in diesem Buch. Auch hier werden die Figuren lebendig beim Lesen durch die vielfältige und tiefe Beschreibung der Szenen. Die beiden werden aber auch sehr gut charakterisiert. Ana, die schwierige Tochter. Paul, der Sohn, der schon zu sehr  erwachsen und vernünftig wirkt für ein Kind.
    Ich habe das Gefühl über lebendige Personen zu lesen. Das ist ein Detail, das mich fasziniert bei Romanen und das ich total gern mag.
    Ich denke aber, der Stil schon sehr anschaulich und manchmal auch sehr in die Tiefe. Es gibt viele kleine Szenen, Rückblenden und Erinnerungen die vielleicht manchmal ein wenig lang sind, die dennoch fesseln. Aber ich glaube, diesen Stil muss man mögen.
    Für mich ist auch ein Reiz des Buches, das es in Alaska spielt. Ich finde, es ist ein faszinierendes Land mit einer großartigen Landschaft und Natur. Das inspiriert mich immer, mir noch ein Sachbuch oder einen Reiseführer dazu zu holen.
    Mir waren einige Szenen in Bezug auf die Erinnerungen etwas zu viel oder zu lang erzählt, da hätte ich das gern ein wenig straffer erzählt bekommen.
    Es ist eine Geschichte zu Eintauchen in diesen Roadtripp und das Leben von Josie, an der der Leser teilhaben kann durch die intensive und detailreiche Schilderung. Mir gefällt der Stil des Autors sehr gut und werde bestimmt wieder zu einem Buch von ihm greifen.
    Erwähnen muss ich noch, ich liebe diese kleinen Buchdetails, wie bei diesem Buch ist auch ein Lesebändchen enthalten.
    Es ist eine Art Suche zu sich selbst. Mir manchmal etwas zu detailliert und ein wenig zu lang, gerade in den Erinnerungsszenen, aber dennoch fesselnd zu lesen und mit lebendigen Figuren.

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    Lykes avatar
    Lykevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Grandios! <3 Hinreissend "echte" Protagonistin mit Ecken&Kanten - trotzdem lässt sich aus ihrer Weltanschauung viel lernen. Highlight 2017!
    Bis an die Grenze mit Josie

    Mit „Bis an die Grenze“ habe ich nun schon meinen zweiten Roman von Dave Eggers beendet und bin wieder einmal restlos begeistert. Sein neues Buch ist so ganz anders als „The Circle“ und auf eine gewisse Art und Weise doch auch wieder nicht – und das ist das faszinierende an diesem Autor. In jedem Buch erkennt man seine Stimme, in jedem Buch erzählt er eine Geschichte, die aufrütteln soll; die unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält und sagt: „Schaut was passiert, wenn ihr nicht aufpasst!“

    In diesem Fall geht es um Josie. Josie, die ihre Zahnarztpraxis in Ohio verloren hat. Josie, die ihren Mann oder besser gesagt den Erzeuger ihrer Kinder verloren hat. Josie, die in der Hektik des Alltags den Zugang zu ihren Kindern verloren hat und Josie, die in gewisser Weise sich selbst verloren hat. Ja, das ist ziemlich viel Josie. Dave Eggers mutet den Lesern hier einiges zu - man taucht in Josies hektische Gedankenwelt ein, erlebt mit ihr Höhen und Tiefen und begleitet sie und ihre beiden Kinder Ana und Paul auf einer irrwitzigen (Achterbahn-)Fahrt (der Gefühle) durch die wilde und unberechenbare Natur Alaskas. Josie ist keine einfache Person und für viele sicherlich keine Sympathieträgerin und doch fand ich sie einfach nur hinreissend! Auf der einen Seite ist sie verunsichert, ausgelaugt, gelangweilt, überfordert, macht Fehler, hat Angst, kämpft mit Schuldgefühlen, ist aufgekratzt und dann wieder zu Tode betrübt... und auf der anderen Seite aber auch so liebenswert, fürsorglich, witzig, spontan und ungemein philosophisch. Ist das nicht zutiefst menschlich?! Geht es uns nicht allen manchmal so, dass wir einfach abhauen, alles hinter uns lassen wollen? Was hindert uns daran? Der langweilige Job? Die vermeintlichen Sicherheiten, die wir uns aufgebaut haben? Die Verpflichtungen, die wir im engen Korsett der Gesellschaft uns selbst und anderen gegenüber haben

    Dave Eggers stellt diese Fragen mit seinem wunderbaren Schreibstil, der Dinge gnadenlos ehrlich auf den Punkt bringt und dabei seinen trockenen Humor nicht zu kurz kommen lässt. Er verklärt die Flucht in die Natur nicht, sondern verdeutlicht vielmehr ihre Unberechenbarkeit und Wildheit durch das Feuer, das in Alaska wütet. Auch in Josie wüten Feuer, wütende Dämonen und Erinnerungen aus der Vergangenheit, die sie bis an die Grenze treiben. Und doch wird mit jeder Seite, die wir sie begleiten, deutlich, dass die Erfahrungen in und mit der Natur sie herausfordern, verändern und ungeahnte Kräfte in ihr freisetzen. Sobald sie in der Natur ist, löst sich etwas in Josie, sie beginnt zu philosophieren und lässt ihren Gedanken freien Lauf – und das ist großartig! Ganz nebenbei deckt sie dadurch so manchen Unsinn unserer modernen Lebenswelt auf und führt dem Leser vor Augen, worauf es eigentlich ankommen sollte:

    „Bei der Erziehung von Kindern ging es nicht darum, sie zu perfektionieren oder sie auf beruflichen Erfolg vorzubereiten. Was für ein hohles Ziel! [...] Das normale verbrecherische Streben der gesamten modernen Menschheit sah so aus: ‚Gib meinem Kind einen Ikea-Schreibtisch und lass es zwölf Stunden am Tag dran sitzen und irgendwas tippen. Das ist gleichbedeutend mit Erfolg für mich, mein Kind, unsere Familie, unser ganzes Geschlecht.‘ Sie würde das nicht erstreben. Sie würde ihren Kindern das nicht zumuten. [...] Es ging nur darum, sie [die Kinder] in einem Moment in der Sonne mit Liebe zu umgeben.“ (s. 243)

    Wie Eggers so viel Zwischenmenschliches, so viel Widersprüchliches und so viel Gesellschaftskritisches mit nur einer verrückt liebenswerten Protagonistin erschaffen kann, finde ich sagenhaft. Für mich war diese Reise mit Josie mein persönliches Lesehighlight 2017 und ich kann sie jedem empfehlen, der mutig genug ist, mit ihr gemeinsam die Welt zu hinterfragen.

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    derMichis avatar
    derMichivor einem Jahr
    Lebenskrise in der Wildnis

    Der Fluch großer Literatur ist es allzu oft, dass der Durchschnittsleser keinen Zugang zu ihr findet und sich die Botschaft scheinbar nur Eingeweihten offenbart. Eine Tatsache die Eggers in "Der Circle" elegant umgangen hat, nur um dann mit dem Nachfolgeroman "Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?" wieder in künstlerisches Experimentieren zurückzufallen - viel Botschaft, wenig Sinn fürs Publikum. "Bis an die Grenze" wartet zumindest am Anfang, ohne sich unnötig anzubiedern, mit allerhand lebensechten Situationen auf, die einen abenteuerlichen Selbstfindungstrip versprechen.

    Der englische Originaltitel "Heroes of the Frontier" verdeutlicht, dass Josie sich einmal mehr dem amerikanischen Traum stellen will. Nach der gescheiterten Pseudoidylle mit einem Versagertyp als Ehemann und Patienten, die sich gegen ihre durchaus erfolgreiche Praxis wenden, soll es nun also die letzte Wildnis der Vereinigten Staaten sein, in der sie und ihre Kinder das Leben neu kennenlernen. Wobei schnell klar wird, dass Josie ihre überstürzte Flucht nicht weit geplant hat. Immer wieder sind es die Kinder, die nicht nur mehr Selbstständigkeit erlernen, sondern auch für ihre Mutter da sein müssen, wenn es der nicht gelingt für die Bedürfnisse der beiden zu sorgen. Damit erweisen sich Paul und Ana als die heimlichen Stars der Handlung, die eben jene Entwicklungen durchmachen, die man Josie auch gewünscht hätte.

    Für sie kann man durchaus Verständnis entwickeln, Sympathie leider nur wenig. So einzigartig ihr Charakter zweifellos gestaltet wurde, so distanziert erscheint sie oft. Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste stürzt sie sich in Situationen, die sie und ihre kleine Familie teilweise in erhebliche Gefahr bringen, stellt emotionale Zustände in den Vordergrund und das, obwohl nicht alles davon unbedingt nötig gewesen wäre. Vielleicht ist das der größte Twist des Buches, nämlich dass alles eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie es anfangs klingt. Wenn der Autor nicht gerade in komplexen Sätzen vom Seelenleben seiner Hauptprotagonistin erzählt, dann nimmt der Roman allerdings stellenweise ordentlich Fahrt auf und ist genauso sehr Abenteuer wie Drama.
     
    Eggers versucht sich hier an einem Befreiungsschlag gegen gesellschaftliche Konventionen und Erwartungshaltungen, den man der Figur rückblickend meistens auch gönnt. Je mehr nach und nach von Josies Schicksal enthüllt wird, desto klarer wird das Bild. Eine sachliche Dekonstruktion diverser Gefühlszustände, weit weniger aufgeregt als es bis zur Hälfte den Anschein hat. Auch wenn das Ende nicht für jeden vollends befriedigend sein mag, ist es doch schön zu sehen, wie Josie, Paul und Ana (wieder) zusammenwachsen und sich ein ums andere Mal gegen die Widrigkeiten der Welt behaupten.

    Originaltitel: "Heroes of the Frontier"
    Seitenzahl: 496
    Format: 13,1 x 20,8 cm
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch

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    wandablues avatar
    wandabluevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein ruhiger Roman, bei dem man, wenn man ihn auf sich wirken lässt, viel über das Leben erfährt.
    Roman über das Leben mit hinreißender Protagonistin!

    Roman über das Leben mit hinreißender Protagonistin!
    Dave Eggers ist ein großartiger Schriftsteller. Das vorweg. Vielseitig. Ich lese jetzt den dritten Roman von ihm und keiner ist wie der andere. Und alle super. Unvorhersehbare Autoren finde ich genial. Hat man Eggers bezüglich seines Romans „The Circle“ eine automatisierte Protagonistin vorgeworfen (Mae), hat Josie jetzt jede Menge Individualität!

    "Bis an die Grenze" ist ein Roadmovie. Das habe ich vorher nicht gewusst. Roadmovies mag ich nämlich nicht besonders. Ich dachte, ich kriege Alaska. Landschaft. Leute. Krieg ich auch, aber nicht in erster Linie. In erster Linie kriege ich Josie. Und mit Josie haben die meisten LeserInnen so ihre Schwierigkeiten, wie ich an den Rezensionen sehe. Wenn man sich auf Josie nicht einlassen kann, kann man „Bis an die Grenze“ nicht mögen.

    Vordergründig ist Josie etabliert. Sie ist vierzig und eine mehr oder weniger gute Zahnärztin mit eigener Praxis. Sie hat sich also etwas aufgebaut. Sie bekommt ihre beiden Kinder, also Beruf und Familie zwar unter den Hut, irgendwie, aber von perfekt organisiert kann keine Rede sein. Das merkt man schon daran, wie sie den Ausführungen eines befreundeten Kollegen über seine Bilanzen, das Hin- und Herrechnen auf die Zukunft hin, befremdet lauscht: Josie weiß nur so ungefähr, was auf dem Konto ist, überschätzt in aller Regelmässigkeit ihre Einnahmen, während sie die Ausgaben unterschätzt. Doch bis zu einem bestimmten Punkt läuft es einigermassen.

    In der Wahl eines Lebensgefährten hat Josie kein gutes Händchen bewiesen, Carl ist anspruchsvoll, lebt auf ihre Kosten und hat einige echt unangenehme Eigenschaften. Das weiß Josie genau und macht sich über ihn keine Illusionen, lacht innerlich über ihn. Dennoch schafft sie es nicht, Forderungen an das Zusammenleben zu stellen, geschweige denn, sie durchzusetzen oder ihm einen Tritt zu geben, „Fott mit dir!“. Nein, das kann sie nicht. Schon, wenn alles normal läuft, ist Josie mit ihrem Leben überfordert, so nimmt sie gerne ein Schlückchen, um die Praxis, die Patienten und die undankbaren Mitarbeiter zu ertragen. Und Carl. Was wird erst sein, wenn etwas aus dem Ruder läuft?

    Sicher läuft etwas aus dem Ruder. Das tut es immer. Josie kriegt die diversen Krisen, die alle auf einmal auf sie zuzurennen scheinen, nicht unter die Füße, und so erscheint ihr die Aussicht, alles hinzuschmeißen und wegzulaufen, verlockend. Gedacht, getan. Denn Josie ist impulsiv. Sie schnappt ihre Kinder und ein Wohnmobil und schon ist sie auf und davon.

    So beginnt ein Roadtrip durch Alaska. Obwohl sich der ganze Roman um die Protagonistin Josie handelt, die jedoch keineswegs sympathisch ist oder rational handeln würde oder sich in der üblichen Form um ihre Kinder kümmert, kommen Land und Leute nicht zu kurz. Die Leserschaft befindet sich richtig in Alaska. Straßen, Bäume, Wildnis, Einsamkeit, Waldbrände. Elche. Kauzige Typen. Dave Eggers beschreibt die Natur wunderbar, dabei beiläufig.

    Josie hat trotz ihres sozialen Berufs nicht viel Menschenkennntnis. Und Josie ist ziemlich unvorbereitet aufgebrochen und Josie hat Angst. Und die Angst betäubt sie weiter mit Alkohol. Wenn Josie nicht aufpasst (oder nicht genug trinkt), dringen Fetzen der Erinnerung in ihr Bewusstsein. Und Josie passt nicht immer auf. So erfährt der Leser, was so alles schief gelaufen ist in ihrem Leben.

    Unterwegs passieren die merkwürdigsten Dinge. Und Josie benimmt sich auch immer merkwürdiger und, liebe LeserInnen, Josie weiß das. Aber sie kann nichts dagegen tun, eine gewisse Lethargie hat sich über sie gelegt. Irgendwie aber kommt sie immer wieder aus der Bredouillie, einmal habe ich echt Angst um sie, weil ich denke, sie hat jemanden umgebracht. Und das hätte leicht sein können, Josie schrammt mit ihren Kindern immer haarscharf an einer Katastrophe vorbei.

    Als Josie endlich die letzte Kontrolle verloren hat, das letzte bisschen Sicherheit und Berechenbarkeit weggebrochen ist, erkennt sie eine wichtige Lektion: „Mut ist einfach eine Form von Weitergehen.“ Und so lebt Josie den Augenblick und verliert die Angst davor, dass sie das Unvorhergesehene, das das Leben in jedem Augenblick mit sich bringen kann, vielleicht nicht gebacken bekommt und vertraut auf ihr Improvisationstalent, das die LeserInnen während der Reise bereits hinlänglich kennen gelernt haben, Josie bisher aber nicht als ihre eigentliche Stärke erkannt hat.

    Warum behaupte ich, Josie sei hinreißend, da die meisten LeserInnen sie nicht einmal ausstehen können? Weil der Autor sie mit so vielen Facetten ausgestattet hat. Sie ist so echt. Solche Menschen gibt es. Verunsicherte. Die erst lernen müssen, auf sich und das Leben zu vertrauen. Sämtliche Protagonisten leben. Und wie. Alle sind glaubhaft dargestellt. Auch der altkluge Paul. Solche Kinder gibt es ebenfalls. Die mit acht den Haushalt schmeißen und ein Partnerersatz sind. (Keiner hat gesagt, dass das „gut“ ist).

    Der englische Titel des Romans „Heroes of the Frontier“ ist mit „Bis an die Grenze“ sehr gut übertragen und doppelbödig. Einmal ist Alaska die Grenze von Josies Welt, das Ende der Vereinigten Staaten und andererseits geht auch Josie mit ihren Kindern bis an die Grenze. Bisweilen unerträglich für die Leserschaft.

    Fazit: Fantastische Personenzeichnungen inmitten von Alaskas Weite, was will man mehr?

    Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2017

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor einem Jahr
    Eher bemühte Geschichte

    Mir hat Der Circle wirklich gut gefallen, deshalb musste ich ein neues Buch von Dave Eggers unbedingt lesen, auch wenn es jetzt schon einige kritische Stimmen dazu gibt.
    Dave Eggers hat einen tollen Erzählstil. Er schafft Atmosphäre, vermittelt plastisch Situationen und kommentiert sehr humorvoll. Das tut er auch hier.
    Allerdings ist dieses Buch ganz und gar nicht Der Circle. Es gehört deutlich in ein anderes Genre.

    Hier geht es um Josie, eine Frau Anfang 40, die Zahnärztin ist, zwei Kinder hat und ihr Leben überdenkt, als der Vater ihrer Kinder eine andere Frau heiraten will. Sie bricht alle Brücken ab, mietet ein klappriges Wohnmobil und fährt mit ihren Kindern nach Alaska.
    Diese Reise ist abenteuerlich, birgt viele Gefahren, lässt Josie aber auch ihr bisheriges Leben überdenken. In vielen Rückblenden erfährt man, was so alles schief gelaufen ist.

    Soweit ist die Idee sehr hübsch. Der Anfang des Buches hat mir wirklich gefallen. Nur werden die Rückblenden mit der Zeit immer ausschweifender, was vielleicht Josie hilft, ihre Lage zu überdenken, den Leser aber zunehmend langweilt.
    In der Gegenwart lässt sie sich treiben, was auch nicht weiter verwerflich wäre, würde Josie nicht gelegentlich einfach ihr Hirn ausschalten. Sie ist 40 und hat zwei kleine Kinder dabei, ist aber wohl die halbe Zeit betrunken und folgt jedem Impuls. Sie bricht ohne Hemmungen in leerstehende Hütten ein, vernascht schon mal einen geheimnisvollen Fremden und kommt in jeder nur denkbaren Form vom Wege ab. Ihren Kindern kommt sie dabei näher, das ist schön. Man kann sich nur an dieser Stelle nicht mehr so recht für Josie freuen, weil man zu sehr mit fremdschämen beschäftigt ist.
    Dafür, dass wir uns so ausführlich mit Josies Lebenskrise beschäftigt haben, bleibt das Ende dann erstaunlich offen. Ja, sie hat etwas gelernt, aber ihre Situation ist die gleiche. Da hätte man dann schon gerne noch etwas mehr erfahren.

    „Bis an die Grenze“ ist ein Buch, das viele interessante Gedanken zum Sinn des Lebens liefert, die aber in eine recht bemühte Geschichte um eine Protagonistin mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit gepackt wurden. Es hat mich nicht allzu sehr gelangweilt, aber auch nicht allzu sehr erfreut.

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    Isadors avatar
    Isadorvor einem Jahr
    Abenteuerliche Flucht durch Alaska

    Die Protagonistin Josie wurde von Carl, ihrem Partner und Vater ihrer beiden Kinder Paul und Ana verlassen, da er eine andere Frau kennengelernt hat. Josie musste vor kurzem aufgrund der Klage einer Patientin ihre Zahnarztpraxis verkaufen. Gleichzeitig wird sie für den Tod eines jungen Patienten verantwortlich gemacht. Als Carl nun die Kinder mitnehmen möchte, um sie der Familie seiner neuen Partnerin vorzustellen, wird Josie alles zuviel und sie ergreift die Flucht nach Alaska, dem am weitesten entfernten Ort, den sie ohne Pass erreichen können. 

    In Alaska angekommen, mietet sie ein altes Wohnmobil und fährt einfach querfeldein. Das einzige Ziel, das sie sich setzt, ist der Besuch bei ihrer Schwester Sam. Doch auch dort merkt sie, dass sie nicht bleiben möchte und kann, und reist weiter.

    Während der Reise erfährt der Leser Josies Lebensgeschichte, die viele weniger schöne Episoden hatte. Währenddessen wird die Flucht immer chaotischer und Josie bringt sich und ihre Kinder in viele unschöne und gefährliche Situationen.

    Mich hat diese Geschichte sehr gefesselt. Die Landschaften und die handelnden Personen sind so gut beschrieben, dass man sich als Leser regelrecht in die Geschichte hineinversetzt fühlt. Ich habe mit Josie mitgelitten und konnte mich sehr gut in sie hineinfühlen, wie sie aufgrund ihrer Kurzschlusshandlungen immer tiefer in einen Abwärtsstrudel gerät, und habe mitgefiebert und mitgelitten.

    Meiner Meinung nach hat die Reise die ganze Familie ein gutes Stück weitergebracht und ich habe das Gefühl, dass es nach dem offenen Ende der Geschichte für die drei aufwärts gehen wird.

    Ich vergebe diesem Buch 4 Sterne, da es den Leser nachdenklich werden und mitfühlen lässt und ihn genauso wie Josie manchmal an die Grenze bringt.

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    monerls avatar
    monerlvor einem Jahr
    Eine Geschichte, dich mich nicht erreichen konnte

    Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, als ich diese Geschichte unbedingt lesen wollte. In meiner Vorstellung jedenfalls sollte sich ein (Flucht)Abenteuer entfalten, an dem ich passiv teilnehmen würde und das mich hochkomisch, wie angepriesen, unterhalten und berühren würde.
    Doch an diesem Roman ist absolut NICHTS hochkomisch, nicht einmal ein bisschen komisch! 

    Im Focus steht Josie, alleinerziehende Mutter, arbeitslose Frau ohne familiären Halt und ohne Selbstvertrauen. In ihr manifestiert sich eine riesige Angst, dass Carl, ihr Ex-Lebensgefährte und Vater ihrer Kinder, der nach so vielen Jahren Abstinenz im Leben der Kinder, jetzt, durch seine neue Beziehung und dem Wunsch zu heiraten, wieder in das Leben der Kinder treten will und ihr damit die Kinder wegnehmen könnte. Paul und Ana sollen Zeit mit ihm und bei ihm verbringen und seine Verlobte kennenlernen. Das will Josie auf keinen Fall und flieht Hals über Kopf! Da sie keine Arbeit mehr hat, ist es leicht alle Zelte abzubrechen und mir nichts dir nichts, so weit wie möglich mit den Kindern zu fliehen und unterzutauchen. 

    Josie ist keine Sympathieträgerin. Grundsätzlich muss sie das auch nicht sein, damit eine Story als gut und glaubwürdig angesehen werden kann. Doch ohne einen sympathischen Protagonisten muss die Geschichte und der Schreibstil umso besser sein, damit ich als Leser "am Ball bleiben" möchte. Und genau hier trennten sich mein Wunsch / meine Erwartung an das Buch und die Ausführung des Autors. 
    Dave Eggers konnte mir Josies Handeln kaum näher bringen. Ich konnte weder nachvollziehen, warum sie mit Carl eine Beziehung eingegangen war noch warum sie sich mit ihm Kinder gewünscht hat. Auch wenn wir nur Josies Sicht der Dinge erfahren, zeigt mir diese nicht deutlich, warum sich in Josie diese immense Angst vor Carl und dem Verlust ihrer Kinder an ihn gebildet hat. 

    Paul und Ana sind keine durchschnittlichen Kinder. Aber auch diese rührten kaum an meinem Herz und meinen Gefühlen für sie. Letztendlich schwappte ein kleiner, kaum erwähnenswerter Funke für Paul auf mich über. Er ist ein Kind, das eher eine echte Stütze für seine Mutter sein muss, denn ohne die Hilfe von Paul, auch im Umgang mit Ana, wäre Josies Alltag und Familienleben noch zerrütteter als sowieso schon. 

    Josies Vergangenheit und Kindheit war für mich der einzig interessante Punkt der Geschichte. Hier hätte ich mir einen intensieveren und ausführlicheren Handlungsstrang gewünscht. Josies Kampf mit den "imaginären und realen Geistern ihrer Vergangenheit" waren mir im Einzelnen zu verdreht (für alle, die das Buch gelesen haben, Stichwort: Musical).

    Der Roadtrip nach und durch Alaska, Josies Flucht vor ihrem Leben, ihren Ängsten und Sorgen und auch ein stückweit vor sich selbst, auf der sie nicht nur sich an ihre Grenzen bringt, sondern auch die Kinder, konnte mich leider nicht erreichen. Josie überschreitet vielfach eine rote Linie als Mutter und wird ihrer Verantwortung Paul und Ana gegenüber nicht gerecht. 

    Dabei konnte ich mir meine Frage, was genau Dave Eggers mit diesem Buch ausdrücken wollte, nicht beantworten. Falls es eine Kritik an der Gesellschaft gegenüber alleinerziehenden Müttern ist, die viel zu oft von Partnern, Vätern, Schulen, Nachbarn, Mitmenschen, Behörden und dem Staat alleingelassen und angeprangert werden und die sich für ihre Kinder und ein einigermaßen gutes Leben zerreißen müssen, dann konnte ich dies dem Inhalt des Buches nicht entnehmen. 
    Aufgezeigt bekommen habe ich eine schwache Frau, die nie für sich einstand, nie ihre Wünsche entsprechend artikuliert und sich zu keiner Zeit entsprechende Hilfe geholt hat. Eine Frau, die kopflos die Flucht ergreift, keine Zukunft vor Augen hat und sich und die Kinder in Lebensgefahr bringt. 

    Zuletzt konnte mich leider auch der Schreibstil des Autors nicht für sich einnehmen. Hin und wieder wurde zwar subtile Spannung aufgebaut, ich erwartete ein imposantes Geschehen, das aber nicht eintraf und alles verpuffte. Am Ende blieb eine ganz große Enttäuschung.

    Fazit:
    Ein Klappentext, der mich absolut überzeugte und große Neugier weckte, die das Buch im Endeffekt leider nicht erfüllen konnte.
    ____________________________________________________________________
    https://monerls-bunte-welt.blogspot.de/2017/05/buchvorstellung-bis-die-grenze.html

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    "Alaska machte ihr keine Angst"

    Habt ihr schon mal daran gedacht, alles hinter euch zu lassen und weit weg zu gehen, an einen Ort, an dem euch keiner kennt? Josie, die Protagonistin in "Bis an die Grenze" , dem neuesten Romans des Bestsellerautors Dave Eggers, setzt genau das in die Tat um, was die meisten Menschen enorme Überwindung kosten würde.
    Mit der erstaunlichen und atemberaubenden Natur Alaskas als Kulisse erlebt Josie ihr größtes Abenteuer, nicht nur in der Wildnis, sondern auch mit sich selbst.
    Möchtet ihr mehr erfahren? Dann macht bei unserer Leserunde zu "Bis an die Grenze" mit!

    Zum Inhalt
    "Bis an die Grenze" ist ein berührender, warmherziger Roman, in dessen Zentrum Josie steht, eine alleinerziehende Mutter, die mitsamt ihren beiden Kindern aus den Zwängen ihres Vorstadtlebens flieht und sich in der Wildnis Alaskas neu zu finden sucht. Dave Eggers Porträt einer Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Wunsch nach Konformität und nach Freiheit, ist hochkomisch, wahrhaftig und ungemein aktuell.
    Josie, eine Zahnärztin, die ihre Praxis hat schließen müssen, bekommt Panik, als ihr Exmann darum bittet, die gemeinsamen Kinder seiner neuen Verlobten vorstellen zu dürfen. Sie packt die Kinder und flieht mit ihnen an den entlegensten Ort, der für sie ohne Pass erreichbar ist: Alaska. Die Reise in dem angemieteten, abgetakelten Wohnmobil durch die Wildnis rüttelt die Familie durcheinander. Der achtjährige Paul übernimmt die fürsorgliche Vaterrolle in der Familie, während die fünfjährige Ana Chaos und Zerstörung magisch anzieht. Was sich zunächst wie ein Abenteuerurlaub am Ende der Welt anfühlt, wird schnell zur verzweifelten Flucht, nicht zuletzt vor einem Lauffeuer, das in der Region ausgebrochen ist. Doch nicht nur das Feuer scheint Josie auf den Fersen zu sein, sie kämpft auch gegen die imaginären sowie realen Geister ihrer Vergangenheit und muss dafür bis an ihre Grenze gehen.


    Seid ihr bereit für die Leseprobe?

    Zum Autor
    Dave Eggers wurde am 12. März 1970 geboren und ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren. Er studierte Journalismus an der University of Illinois, Urbanam bis er die Uni im Alter von 21 Jahren abbrach, um sich nach dem Krebs-Tod seiner Eltern um den jüngeren Bruder Toph (Christopher Eggers) zu kümmern. Gemeinsam mit einem Freund übernahm er dort die lokale, kostenfreie Zeitung Cups, die sie nach und nach in das Satiremagazin Might umwandelten.
    In San Francisco gründete Eggers gemeinsam mit dem Lehrer Nínive Clements Calegari 2002 826 Valencia, eine gemeinnützige Schreibschule für Kinder von 6-18 Jahren. Die Schule hat mittlerweile sieben Ableger in Amerika. Im April 2010 kam das gemeinnützige Projekt Scholar Match hinzu, das einen Kontakt zwischen Spendern und Studenten herstellt, die ihr Studium nicht selbst finanzieren können.
    Dave Eggers ist mit der Schriftstellerin Vendela Vida verheiratet und lebt mit den beiden gemeinsamen Kindern in der Nähe von San Francisco.


    Möchtet ihr zusammen mit Josie nach Alaska reisen und wissen, wie sie ihr neues Leben weit weg vom Komfort meistert?
    Wenn ihr neugierig geworden seid, bewerbt euch für eins der 25 Exemplare von "Bis an die Grenze", die wir zusammen mit KiWi verlosen. Wenn ihr euch über diesen außergewöhnlichen Roman im Rahmen einer Leserunde austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchtet, dann antwortet auf die Bewerbungsfrage über den blauen "Jetzt bewerben"-Button* bis zum 26.03., um Testleser zu werden:

    Josie lässt alles hinter sich und flieht mit ihren Kindern nach Alaska.
    Habt ihr manchmal das Bedürfnis, ähnlich wie Josie handeln zu wollen? Würdet ihr "aussteigen" und alles hinter euch lassen? Wohin würdet ihr gehen?
    Oder hat es einer von euch sogar schon gewagt?


    Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche viel Glück !

    * Bitte beachtet vor deiner Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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