Cover des Buches Tage der Nemesis (ISBN: 9783869134246)G
Rezension zu Tage der Nemesis von Martin von Arndt

Sprachlich überzeugender Politthriller.

von Gulan vor 8 Jahren

Review

G
Gulanvor 8 Jahren
Berlin, März 1921: Auf offener Straße wird der ehemalige türkische Innenminister Talat Pascha erschossen. Der Täter wird von Passanten gestellt, ein Armenier, der als Grund für den Mord Talats Rolle beim Völkermord an den Armeniern während des 1.Weltkriegs angibt. Kommissar Andreas Eckart gerät in heikle Ermittlungen, denn die Armenier haben die Operation Nemesis ins Leben gerufen, um sich an den Verantwortlichen des Völkermords zu rächen, die nach dem Krieg komfortable Exile im Ausland gefunden haben. Doch die Exiltürken und das Auswärtige Amt spielen ihr eigenes Spiel. Für Eckart ergibt sich eine hochbrisante und gefährliche politische Gemengelage.

Martin von Arndt vermischt in seinem Roman gekonnt die tatsächlichen Ereignisse der Operation Nemesis mit den fiktionalen Figuren der Ermittler. Hauptfigur ist Andreas Eckart, ein traumatisierter Weltkriegsoffizier und Psychoanalytiker, der nach dem Krieg bei der Polizei gelandet ist. Er ist überzeugter, rechtschaffener und vom Kaiserreich desillusionierter Demokrat. Sein Kriegstrauma bekämpft er mal mehr, mal weniger erfolgreich mit Morphium. Seine engsten Kollegen sind der von ihm geschätzte Jude Rosenberg, ein loyaler und penibler Polizist, und Wagner, ein aufbrausender und rassistischer Freikorpsler. Allein durch diese Figurenkonstellation wird die sensible und aufgeheizte Stimmung im Berlin der 1920er Jahre sehr gut herüber gebracht.

Der Roman ist zum einen natürlich ein Politthriller, der die politischen Verwicklungen der damaligen Zeit widerspiegelt, aber auch ein gekonntes gesellschaftliches Porträt der Zwanziger Jahre. Dies gelingt dem Autor mit Hilfe eines überdurchschnittlichen Schreibstils. Die Besonderheiten der damaligen Zeit werden anschaulich beschrieben (Ankurbeln des Autos, Aufgeben eines Telegrammes), aber auch bildhafte Sprachelemente werden benutzt, um eine authentische Atmosphäre zu erzeugen.

Eine kleine Schwäche ist aus meiner Sicht, dass die Krimi/Thriller-Handlung nicht über das gesamte Buch die Intensität halten kann. Zum einen fällt aus meiner Sicht die Rom-Episode spannungsmäßig etwas ab, zum anderen kann der Schluss mich nur bedingt überzeugen. Andererseits waren für mich die Gespräche bzw. Verhöre zwischen Eckart und seinem früheren, väterlichen Freund Klant, einem hohen Diplomat, sowie zwischen Eckart und dem Exiltürken Sakir die Highlights.

Insgesamt ein wirklich lesenswerter historischer Politthriller, literarisch auf hohem Niveau. Kleine Schwächen bei der Story verhindern die Höchstnote, aber das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert.

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