Christa Diegelmann

 4,3 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf

Christa Diegelmann ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin schwerpunktmäßig mit traumatisierten und mit an Krebs erkrankten Menschen. Mit Margarete Isermann ist sie in der Aus- und Weiterbildung von ÄrztInnen und Psychologischen PsychotherapeutInnen engagiert und sie haben dazu Fachliteratur veröffentlicht.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Christa Diegelmann

Neue Rezensionen zu Christa Diegelmann

‚Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust.‘

‚Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust.‘ (Seite 34)

Christa Diegelmann befasst sich in ihren Therapie-Tools initial mit Konzepten und Modellen von Trauer. Danach geht sie näher auf Diagnostik, Risiko- und Schutzfaktoren bei Trauer ein, zeigt resilienzorientierte Wege zum Umgang mit Trauer auf, thematisiert traumafokussierte Intervention bei Trauer und widmet sich schließlich resilienzorientierter Burn-out-Prophylaxe und Trauer.

Trauer ist ein Gefühl, in das ich mich persönlich sehr gut einfühlen und das ich gut regulieren kann. Aus meiner therapeutischen Arbeit weiß ich aber, dass viele Menschen das nicht können, Trauer für viele Personen ein sehr unangenehmes Gefühl ist, das schwer aushaltbar scheint und deshalb oft nicht zugelassen wird. Ich war somit sehr gespannt auf Interventionen im Zusammenhang mit Trauer, weil ich Trauer auch eine wichtige Emotion bzgl. der Akzeptanz psychischer Störungen finde, weil dies erst ein Loslassen ermöglicht, das wichtig für Recovery ist.

Ich empfand das Buch insgesamt durchaus als informativ, die Info- und Arbeitsblätter sind - wie es typisch für die Therapie-Tools ist - praxisnah und sofort einsetzbar, was nicht nur Zeit spart, sondern Betroffenen und Therapeuten auch auf gut strukturierte und verständliche Weise Informationen vermitteln kann.

Viele der im Buch abgedruckten Grafiken fand ich übersichtlich, es gab auch solche, die ich persönlich zu komplex und eher unverständlich fand.

Normalerweise markiere ich in den Therapie-Tools unzählige Info- und Arbeitsblätter, habe schon beim Lesen genaue Vorstellungen, bei wem ich was einsetzen könnte, doch hier war das gar nicht der Fall. Irgendwie ist der Funke nicht ganz übergesprungen, und ich habe wenig Ideen für Einsatzmöglichkeiten, habe weniger Input bekommen als erwartet. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mich mit dem Thema Trauer schon intensiver befasst habe.

'aus einem explizit ressourcen- und resilienzorientierten Blickwinkel'

‚In diesem Buch soll der therapeutische Umgang mit Angst aus einem explizit ressourcen- und resilienzorientierten Blickwinkel beschrieben werden.‘ (Seite 9)

Nach Informationen über die Funktion von Angst, die Angst-/Stress-Reaktion und ihre Folgen, epigenetische und genetische Einflussfaktoren sowie traumatherapeutische Aspekte im Umgang mit Angst befassen sich Margarete Isermann und Christa Diegelmann mit dem Umgang mit Angst in der psychotherapeutischen Praxis, z.B. leitlinienorientierte Empfehlungen für die Behandlung von Angststörungen, transdiagnostische Ansätze, Resilienz, ressourcenorientierte Interventionen, traumatherapeutische Ansätze, Angst bei lebensbedrohlichen Erkrankungen und resilienzorientierte Refelexion der psychotherapeutischen Tätigkeit.

Ich kenne bereits den Band über Wut aus der Reihe ‚Emotionsarbeit in der Psychotherapie‘ und bin begeistert von dieser neuen Reihe, die verschiedenen Emotionen eine Bühne bietet.

Die Autorinnen haben hier viel Wissenswertes über Angst und die Behandlung von Angst zusammengetragen, und trotz der Knappheit der Ausführungen liest sich das Buch durchweg flüssig, ist sehr gut verständlich und zudem sehr übersichtlich.

Die Inhalte wurden gut zusammengefasst und exzellent aufgearbeitet. Für mich waren viele Aspekte ein gelungene Wiederholung mir bereits bekannter Inhalte, aber ich habe auch sehr viel Neues gelernt.

Im Buch finden sich viele spannende Interventionen, die sich auch unabhängig von Angstsymptomen einsetzen lassen, z.B. Techniken zur Stärkung von Ressourcen.

Richtig toll hätte ich Ausführungen zu psychotischen Ängsten und Besonderheiten in diesem Zusammenhang gefunden, aber dies ist zugegebenermaßen ein recht exotischer Wunsch.

Mit Ressourcen und positiver Psychologie gegen die Angst

2013 war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr konnte. Ängste, Panikattacken, Schlafstörungen, depressive Episoden. Ich habe mir Hilfe geholt und nicht bereut. Bei dem besonderen Konzept, welches in der Klinik angeboten wurde, konnte ich viel mittnehmen - ein großes Thema war das Schaffen von Ressourcen und das Rückbesinnen darauf. Genau das ist das große Thema des Buches und ich habe vieles wiederentdeckt und konnte neue Tipps gewinnen.

Achtung! Das Buch ersetzt keinesfalls eine professionelle Therapie von Fachleuten, wie Psychologen, Psychiatern oder Fachärzten für Psychiatrie etc. bei sehr schwer Erkrankten, die traumatisiert sind oder schwere Depressionen haben. Das Buch kann im nachhinein gute Tipps geben oder auch begleitend während einer Therapie gelesen werden. Wichtig ist - sich Hilfe zu holen!

In klaren Worten erfährt der Leser/in z. B. Grundstrukturen der Angst - wie dies im Gehirn abläuft. Theoriewissen wird meiner Meinung nach sehr gut vermittelt.

Ich habe häufig einen Säbelzahntiger mit mir rumgetragen... und Angst/Panik kann so lähmend sein, dass das Gehirn nur noch in den ursprünglichsten Regionen agiert - wie z. B. Flucht oder Starre, Brüllen etc. Wer das Wissen um seine Ressourcen hat und sich darauf rückbesinnen kann, hat die Möglichkeit zu Handeln und Entscheidungen zu treffen. Mit einfachsten Mitteln kann man auf die Amygdala einwirken - damit habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Der Geruchssinn wirkt z. B. unmittelbar auf die Amygdala oder auch Mandelkern genannt, der Teil des lymbischen Systems ist und hier entsteht Angst. Mit scharfen Pfefferminzöl oder sogar Ammoniaklösung zum schnüffeln, wird ein starker Reiz weitergeben - dies hat bei mir Ansspannungen genommen oder reduziert.

Im Buch wird eingangen auf Resilienz (psychische Widerstandskraft) oder auf die positive Psychologie. Das Krisen-ABC, das im Buch vorgestellt wird, enthält eine Reihe von Tipps und Aktivitäten, wie man sich wappnen kann. Ein für mich sehr gelungenes Buch - noch etliches werde ich dort ausprobieren, einiges habe ich schon in der Klinik kennengelernt. Im Anhang gibt es noch gute Buchtipps und eine CD mit einem Interview mit dem Neurobiologen Gerald Hüther.

Ein klasse Buch!

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