Anthony Wynne

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Autor von Murder of a Lady.

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Murder of a Lady

Murder of a Lady

 (1)
Erschienen am 02.02.2016

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Rezension zu "Murder of a Lady" von Anthony Wynne

Rätselhafte Verbrechen in den schottischen Highlands
TheRavenkingvor 3 Jahren

Wäre das Leben ein Kriminalroman, würde kaum ein Unsympath jemals eines natürlichen Todes sterben. Die Böswilligen und Verkommenen, die hässlichen und gemeinen Tyrannen, die widerwärtigen Sadisten und hinterhältigen Erpresser – sie enden meist durch Messer, Kugel, Gift oder mit der bloßen Hand erwürgt, stranguliert, erschlagen, und der Detektiv hat es hinterher alles andere als leicht, da sie ja alle ein Motiv hatten. Der Neffe, die Tochter, die Ehefrau, der Schwiegersohn… Jeder von ihnen hätte es tun können. Oder waren es vielleicht sogar alle gemeinsam?

In Anthony Wynnes‘ Murder Of A Lady ist es eine alte Dame die dran glauben muss. Man findet ihren Leichnam in einem verschlossenen Raum eines schottischen Schlosses. Amateurdetektiv Dr. Eustace Hailey (Wynne’s Serienheld) ist gerade zur Stelle und stellt fest: verschlossene Fenster, verschlossene Tür. Weder ein noch aus für den Mörder, doch irgendwie muss er das Verbrechen ja verübt haben.

Niemand spricht schlecht über die tote Mary Gregor. Wenn man ihrem Bruder so zuhört, könnte man glatt meinen, sie sei eine Heilige gewesen. Bald stellt sich jedoch heraus, dass die Verstorbene nicht unbedingt bei allen beliebt war. Sie war egoistisch, grausam und bigott und viele hatten jeden Grund sie zu fürchten und ihr den Tod zu wünschen. 

Glücklicherweise konnte Dr. Hailey der Polizei bereits einige Male helfend zur Seite stehen, und wie wir erfahren kennt er sich auch mit unmöglichen Verbrechen aus. Diesmal allerdings möchte der ermittelnde Inspektor Dundas ihn nicht mit dabei haben. Zu viel steht auf dem Spiel, die Karriere des Polizisten würde empfindlich leiden, müsste er sich Unterstützung von außen holen. Doch so sehr sich die Polizei auch bemüht, es gelingt ihr nicht, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Bewohner der schottischen Highlands zeigen sich misstrauisch und verschlossen gegenüber dem Polizeibeamten aus der Großstadt Glasgow und als es zu weiteren ähnlich rätselhaften Todesfällen kommt liegt es am Amateurdetektiv den Fall aufzuklären. Dr. Hailey ist nicht nur Spürnase sondern auch Amateurpsychologe. Um den Mörder zu finden, muss man zunächst alles über das Opfer erfahren – so seine Devise.

Das „Locked-Room-Mystery“ erlebte seine goldene Zeit im goldenen Zeitalter des Kriminalromans. Darunter versteht man die Ära zwischen 1921 und 1940. Im Allgemeinen gilt Agatha Christie’s Romandebüt, Das fehlende Glied in der Kette als der Startschuss für das Golden Age, welches schließlich mit dem zweiten Weltkrieg zu Ende ging.

Unmögliche Verbrechen gab es aber schon vorher, bei Edgar Allan Poe oder Gaston Leroux, doch es war Christie’s Zeitgenosse und Kollege John Dickson Carr, der das Unmögliche im Kriminalroman zur Kunstform erhob, nicht umsonst gilt er als Meister des Locked-room-mystery. Neben ihm experimentierten aber fast alle Autoren des Golden Age mit unmöglichen Kriminalrätseln, Christie versuchte sich in Geschichten wie Hercule Poirots Weihnachten oder Mord in Mesopotamien daran.

Es ist die vielleicht purste Form des Rätselkrimis. Innerhalb eines verschlossenen Raumes wird ein Verbrechen verübt. Das kann ein Mord sein, ein Diebstahl oder das Verschwinden einer Person. Die Lösung muss – und das ist das Wesentliche – realistisch sein (nicht zu verwechseln mit glaubwürdig oder wahrscheinlich), das heißt keine Geister, keine Superkräfte, keine Zauberei. Die logische Konsequenz davon ist, dass dieser „verschlossene Raum“ in Wirklichkeit nicht verschlossen ist. Es gab eine Möglichkeit für den Täter hinaus- oder hineinzugelangen bzw. irgendeine „unsichtbare“ Mordwaffe im Raum zu platzieren, die ihr Wirken auch ohne seine Anwesenheit entfaltet.

Man muss ein wenig um die Ecke denken, um das Rätsel zu lösen. Schwierig wird es natürlich, wenn der Autor schummelt oder einem falsche Informationen zuspielt. Dann kann der Leser am Ende zurecht verärgert reagieren. Trotzdem erwartet man, dass er im Finale doch ein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Dass er verblüfft ohne einen übers Ohr zu hauen, und das gelang auch den Meistern dieses Fachs nur selten. Anthony Wynne war vielleicht keiner dieser Meister, auch wenn er sich in seinen Werken mehrfach mit solcherart Verbrechen beschäftigt hat (diese Information entnehme ich dem Vorwort, da auch ich diesen Autor vorher nicht gekannt habe), nun hat die British Library seinen, so heißt es zumindest, gelungensten Roman wiederveröffentlicht.

Haben wir es hier mit einem vergessenen Meisterwerk zu tun?

Na ja, nicht ganz. Murder Of A Lady gehört vielleicht nicht zu den besten Vertretern seiner Art, dazu ist die Auflösung zu unglaubwürdig und gleichzeitig auch ein wenig abgedroschen. Wynne variiert hier eine altbekannte Methode, die mittlerweile fast zum Klischee verkommen ist, zudem muss der Mörder hier geradezu übernatürliches Glück gehabt haben (und das mehrfach!), damit seine Mordmethode funktionierte.

Trotz solcher Schwächen in der Handlung lässt man sich gern in das schottische Hochland mit seinen abergläubischen Bewohnern und geheimnisvollen Gemäuern entführen. Auch wenn Wynne den Schauplatz wesentlich weniger romantisiert als z. B. Carr. Dafür hatte jener aber einfach die besseren Ideen. Was bleibt ist eine angenehme, nostalgische Lektüre ohne große Höhepunkte, dafür kann man sich aber uneingeschränkt an dem wieder einmal wunderbaren Covermotiv ergötzen. Auch wenn der Inhalt nicht immer top sein mag, äußerlich gibt es wohl derzeit keine attraktivere Buchreihe als die British Library Crime Classics.

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