Katharina Mevissen

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Ich kann dich hören

Ich kann dich hören

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Erschienen am 31.01.2019

Neue Rezensionen zu Katharina Mevissen

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Rezension zu "Ich kann dich hören" von Katharina Mevissen

Eindringlicher Appell, einander zuzuhören
Sigismundvor 2 Monaten

Wer sich traut, auch Bücher unbekannter Autoren zu lesen, wird nicht selten mit literarischen Bestleistungen belohnt. Dies gilt auch für den kürzlich im Wagenbach-Verlag veröffentlichten Debütroman „Ich kann dich hören“ der erst 28-jährigen Katharina Mevissen. Schon vor drei Jahren wurde ihr Manuskript völlig zu Recht mit dem Bremer Autorenstipendium belohnt. Im Buch geht es um die vielen Menschen fehlende Fähigkeit, sich mit anderen auszusprechen, mit anderen zu verständigen, anderen zuzuhören. Es geht ums Sprechen und Hören, auch um Gebärdensprache und Musik als Mittel des Ausdrucks, um verbale und nonverbale Verständigung.

Erzähler des Romans ist der 24-jährige Musikstudent und Cellist Osman Engels, Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter. Wir hören von Einsamkeit und Stille in der Familie. Wir hören vom Vater, einem mehr mit seiner Violine als mit seiner Familie lebenden Berufsmusiker, der aufgrund seiner Tourneen für die beiden Söhne schon als Kind „nie da war“; von der Mutter, die vor Jahren Ehemann und Kinder verlassen hat; von Tante Elide, die auf ihr erträumtes Leben in Paris verzichten und die Rolle der Ersatzmutter und Hausfrau einnehmen musste. Erst als Vater Suat sich das Handgelenk bricht und damit zugleich seine Musiker-Welt zerbricht, erst als Tante Elide zurück in die Türkei will, um später doch endlich nach Paris zu ziehen, erst dann kommt alles bisher Unausgesprochene zur Sprache.

Der junge Cellist Osman ist ebenfalls nicht beziehungsfähig, läuft Problemen davon, statt sie zu klären. Auch er selbst lebt in seiner eigenen Welt, in der Welt der Musik, die Worte ersetzt. „Man kann es daran hören, wie laut die Musik in meiner Familie ist und wie atemlos das Schweigen.“ Osman versucht sogar, sich in seiner Musik zu verstecken, statt sich den Problemen zu stellen. „An solchen Tagen hasse ich es, dass man sich hinter Musik nicht verstecken kann. Dass sie einen durchsichtig macht und hören lässt, wie kaputt, krank, schlapp, blockiert man ist. Sie nimmt das alles in sich auf und entblößt es, zumindest für Menschen wie Kosaki.“ Kosaki, sein japanischer Lehrer an der Musikhochschule, hat dafür ein untrügliches Gehör: Osman solle den dritten Satz nicht wie wütendes Gewitter, sondern wie Nieselregen spielen.

Leicht und locker wie Nieselregen wirkt auch Katharina Mevissens Sprache in ihrem wirklich beeindruckenden Debütroman. Doch auch leichter Nieselregen macht auf Dauer bis auf die Haut nass. Und so ist Mevissens Text nur scheinbar locker. Er geht tief unter die Haut: Osman will nicht zuhören und nicht sprechen, wogegen die taubstumme Jo alles geben würde, um genau dies zu können. Von Jo erfährt Osman beim Abhören eines gefundenen Diktiergeräts. Erst nach Abhören des Geräts beginnt er endlich Fragen zu stellen und zwingt Vater und Tante, aus der Vergangenheit zu erzählen. Und endlich hört Osman zu.

„Ich kann dich hören“ ist ein thematisch, aber auch sprachlich eindringliches Debüt der damals beim Schreiben erst 24-jährigen Autorin. Es ist anzunehmen, dass sie als Mitbegründerin der gebärdensprachlichen Literaturinitiative „handverlesen“ auch autobiographische Erkenntnisse in ihr Erstlingswerk hat einfließen lassen. Katharina Mevissens Debüt ist ein Appell, die von Natur verliehene Fähigkeit des Sprechens und Hörens sinnvoll zu nutzen. „Nach allem, was passiert ist, kann ich Dir sagen, dass Zuhören etwas unglaublich Schönes ist“, lässt sie Osman gegen Ende sagen.

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Rezension zu "Ich kann dich hören" von Katharina Mevissen

Ne, nicht meins
buchstabensammlerinvor 3 Monaten

Mhm, das war nicht meins. Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut... "Ein Roman wie ein Lied. Eine berührende musikalische Sprache. Ein unerhörtes Debüt." Das sind die Worte auf der Buchrückseite.
Ich habe zwischendurch immer wieder überlegt, ob ich nicht abbreche. Aber da es sich nur um 158 Seite story handelt, habe ich durchgehalten... leider umsonst.
Osman lebt in Hamburg in einer WG, studiert Cello und rennt lieber über den Fussballplatz als mit Menschen zu reden. Er versucht Nähe zu seiner Mitbewohnerin Luise aufzubauen, aber meist endet es im Kochen von Knoblauchspaghetti und Rauchen am Fenster. Als er ein Diktiergerät findet, es abhört, erfährt er eine Geschichte der besonderen Art, die im Grunde nicht für seine Ohren bestimmt ist. Als sich sein türkischer Vater, ebenfalls Musiker, das Handgelenk bricht, seine Tante Elide nach vielen Jahren ihren eigenen Weg gehen wird und nach Paris umzieht, muss sich Osman einigen Dingen stellen und ein wenig "aufräumen".
Eigentlich, ja eigentlich, hätte es eine gute Geschichte sein können. Wenn nicht die nervigen Tracks des Diktiergerätes zu immer aufploppenden Brüchen in der Geschichte führen. Ich habe nicht verstanden, warum das Diktiergerät und Ella und Jo, um die es darauf geht, überhaupt hier auftauchen. Man hätte aus der Geschichte von Osman, der wahrlich nur sich der Musik hingegeben hat, weil er von seinem Vater da hineingedrängt wurde, seiner Familiengeschichte, am Rande wird dann erzählt, warum die deutsche Mutter Doris früh die Familie verlassen hat und Tante Elide deshalb die Ziehmutter von Osman und Willi, der nur eine Nebenrolle spielt, ein ganzes Buch machen können.
Und auch von zwei Schwestern, von denen eine taub ist, die aber Jura studieren möchte und ihre Schwester ihr bei allem hilft und vieles für sich auf einem Diktiergerät aufnimmt, ja das wäre auch ein gutes Buch, sicherlich.
Aber so, in der Kombination fand ich keinen Zusammenhang, es war mir zu entzweit.
Doch ich möchte unbedingt auf die schöne Gestaltung hinweisen. wenn man den Schutzumschlag abnimmt. Und auch das hochwertige und starke Papier machen die Haptik zu etwas besonderem, eben Wagenbach. Schade, dass das für mich das highlight ist.
Somit lege ich es beiseite und widme mich einem anderen Buch, es gibt ja genügend, die mich bestimmt mitreissen werden. 

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Rezension zu "Ich kann dich hören" von Katharina Mevissen

Welche Sprache haben Gefühle?
lippunermarcvor 4 Monaten

Ein Roman, der von Gefühlen erzählt, die auf einem Diktiergerät festgehalten werden, weil das Gegenüber, dem diese Gefühle gelten, gehörlos ist. Und von einem jungen Musiker, der dieses Diktiergerät findet, abhört und begreift, dass Gefühle nicht nur durch Musik ihren Ausdruck finden können. Die Symbiose beider Sprachen, der der Worte und der der Musik, schafft Mevissen über ihren Umgang mit Worten, der kraftvoll, poetisch und rhythmisch ist. Mal laut, mal leise. Mal aggressiv, mal sanft.
Und wenn man beim Lesen noch die Playlist laufen lässt, die Mevissen ihrem Buch angehängt hat, kann man den Begriff „Hörbuch“ noch einmal neu definieren.

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Gespräche aus der Community

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Gemeinsam deutschsprachige Debütautorinnen und -autoren und ihre Bücher entdecken!
Gemeinsam möchten wir wieder Debütautoren entdecken, zusammen ihre Bücher lesen, rezensieren und - wenn sie uns gefallen - weiterempfehlen. Bei den vielen Neuerscheinungen in jedem Jahr haben es deutschsprachige Debütautoren schwer sich zwischen Bestsellerautoren und Übersetzungen durchzusetzen. Wir können uns ganz bewusst gemeinsam daran versuchen das zu ändern und entdecken sicher wieder besondere Buchperlen!

Ablauf der Debütautorenaktion:

Es geht darum, möglichst viele Bücher deutschsprachiger Debütautoren zu lesen, also Bücher von Autoren, die erstmalig zwischen 1. Januar 2019 und 31. Dezember 2019 ein Buch/einen Roman (in einem Verlag) veröffentlichen.
Von Seiten des lovelybooks-Teams werden wieder Leserunden und Buchverlosungen gestartet, die die Kriterien erfüllen, und auch Verlage und Autoren werden sicher wieder aktiv sein. Außerdem dürft Ihr selbst gerne Vorschläge machen.

Begriffsdefinition: 'Debütautor*in' ist, wer bisher noch kein deutschsprachiges Buch veröffentlicht hat und im Jahr 2019 nun das erste Buch erscheint, dabei zählen sowohl Verlags- als auch Eigenveröffentlichungen.
Ausnahmen bilden Romandebüts, das erste Buch in einem Verlag sowie das erste Buch unter dem eigenen Namen oder einem neuen Pseudonym, diese zählen ebenfalls. Keine Ausnahme wird gemachen, wenn der Erscheinungstermin vor 2019 lag.
Wichtig:
Alle Bücher, die im Debütjahr der Autorin/des Autors erscheinen, sind dabei. Das heißt, es können auch mehrere Bücher einer Autorin/eines Autors zählen, nicht nur das erste Buch. Es zählt also das gesamte Debütjahr der Autorin/des Autors.


Ziel ist es 15 Bücher von Debütautoren bis spätestens 24. Januar 2020 zu lesen und zu rezensieren.


Wie kann man mitmachen?

Schreibt hier im Thread "Sammelbeiträge" einen Beitrag, dass Ihr mitmachen möchtet. Ich verlinke dann Euren Sammelbeitrag unter Eurem Mitgliedsnamen in der Teilnehmerliste. Bitte nutzt dann diesen von mir verlinkten Sammelbeitrag, um Euren Lesefortschritt mit allen Rezensionen von gelesenen Debüts festzuhalten, haltet diesen aktuell, denn nur anhand dessen aktualisiere ich wiederum die Liste. Die Teilnehmer- und die Punkteübersicht werde ich in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Wenn ich eine Aktualisierung durchgeführt habe, weise ich mit einem neuen Beitrag darauf hin.

Informationen/Regelungen:

  • Ihr könnt Euch ab sofort hier für die Aktion anmelden, aber auch ein späterer Einstieg ist jederzeit möglich.
  • Es wird über das Jahr verteilt Leserunden und Buchverlosungen geben, bei denen Ihr Bücher gewinnen könnt, die hier zur Debütautorenaktion zählen. Somit kann sich ein Einstieg jederzeit noch lohnen. Natürlich könnt Ihr Euch die Bücher aber auch selbst kaufen oder anderweitig beschaffen, die Teilnahme an Leserunden/Buchverlosungen o. ä. ist nicht verpflichtend.
  • Eine Leserunde/ Buchverlosung o. ä. mit Beteiligung der Autorin/des Autors ist keine Bedingung, das heißt alle deutschsprachigen Debütbücher bzw. alle Bücher im Debütjahr der Autorin/des Autors, die in einem Verlag erschienen sind, zählen
  • Auch Debüts von 'Selfpublishern' zählen dazu. Das heißt, dass auch Debütautoren mit ihren Büchern zählen, die nicht in einem Verlag veröffentlichen. Für mich heißt das in der Organisation mehr Aufwand, da mehr Autoren und Bücher zu berücksichtigen sind, aber ausschließen ist doofer! ;-)
  • Hörbücherversionen der Bücher zählen ebenfalls.
  • Es ist nicht schlimm, solltet Ihr Euch für die Aktion anmelden und am Ende keine 15 Bücher schaffen. Ziel ist es doch vor allem tolle neue Autoren und Bücher kennen zu lernen.
  • Unter allen, die es schaffen 15 Bücher deutschsprachiger Debütautoren im Jahr zu lesen/zu hören und zu rezensieren, wird am Ende eine kleine Überraschung verlost, gesponsert von lovelybooks.
  • Bitte listet wirklich nur Rezensionen zu den an diesen Beitrag angehängten Büchern auf. Wenn Ihr eine/n Debütautor/in entdeckt, der/die hier noch nicht gelistet ist, aber zu den Bedingungen passt, schreibt mir bitte eine Nachricht und ich überprüfe das. Die Rezensionslinks aber bitte erst auflisten, wenn meine Zusage gemacht ist bzw. der/die Autor/in und die entsprechenden Bücher im Startbeitrag angehängt sind.
  • Habt bitte Verständnis dafür, wenn meine Antwort auf eine Anfrage mal etwas länger dauert. Ich betreue diese Aktion in meiner Freizeit und habe dementsprechend nicht jeden Tag ausreichend Zeit, um sofort zu reagieren. Aber ich gebe mir Mühe, versprochen!
  • Und noch einmal: Sollte ich Debütautoren, ihre Bücher, Leserunden oder Buchverlosungen übersehen, die hier eigentlich zählen müssten, dann habt bitte Nachsicht und weist mich einfach im passenden Bereich darauf hin. Wenn es passt, werde ich sie an den Starbeitrag anhängen bzw. die Aktion verlinken. Jede Unterstützung dahingehend ist mir sehr willkomen!
Ich wünsche ganz viel Spaß & Freude beim Entdecken neuer Autoren und ihren Büchern, sowie beim gemeinsamen Plaudern & Weiterempfehlen! :-)
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Sammelbeiträge:

  

Aktuelle Leserunden & Buchverlosungen:

- Leserunde zu "Der Schattenmann" von Lilly Frost (Bewerbung bis 2. Juni)
- Leserunde zu "Ghom: Die Suche nach der magischen Stadt" von Peter Mellert (Bewerbung bis 5. Juni)
- Leserunde zu "Alle Wasser Stein" von René Müller-Ferchland (Bewerbung bis 6. Juni)
- Leserunde zu "Wir sind die Verlierer: Der Krieg in Europa" von Janica Becker (Bewerbung bis 9. Juni) 
Leserunde zu "Walking North" von Nicole Schwarz (Bewerbung bis 10. Juni) 
- Leserunde zu "Existo" von Ludwig Demar (ebook, Bewerbung bis 16. Juni)
- Leserunde zu "Zwei Welten" von Kristina Tiedemann (ebook, Bewerbung bis 19. Juni)
Leserunde zu "Zweimal Sommer" von Andreas Pohl (Bewerbung bis 27. Juni)
- Leserunde zu "Evas Spiel" von Verena Schindler (ebook, Bewerbung bis 29. Juni)
- Leserunde zu Fleischmaler von Jo Machedanz (Bewerbung bis 01. Juli)

( HINWEIS: Zur besseren Übersicht lösche ich ältere Links nach und nach, alle Bücher bleiben aber an diesem Startbeitrag angehängt, so dass man mit einem Klick auf ein Buch auch leicht die dazugehörige Lese-/Fragerunde/Verlosung finden kann. Die Angaben zur Bewerbungsfrist sind ohne Gewähr.)
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Es zählen ausschließlich Bücher, die an diesen Beitrag angehängt sind bzw. im Laufe des Jahres angehängt werden, sowie die jeweiligen Hörbuchversionen davon, soweit vorhanden
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Für Autorinnen & Autoren:

Du bist Autorin/Autor und veröffentlichst in diesem Jahr dein erstes Buch? Du möchtest dich an der Debütautorenaktion beteiligen?
Dann schreib bitte eine Mail an Daniela.Moehrke@aboutbooks.de für weitere Informationen!
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PS: Natürlich darf hier im Thread munter geplaudert werden, dazu sind alle Leserinnen, Leser und (Debüt-)Autoren herzlich eingeladen.   
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