Ulrike Infante

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Rezension zu "Patchwork - Leben mit einer psychischen Krankheit" von Ulrike Infante

Einblicke...
pardenvor einem Jahr

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Ulrike Infante wollte mit ihrer Geschichte der Öffentlichkeit begegnen. Es war ihr wichtig, dass die Menschen erfahren und anerkennen, welche Kraft sie täglich aufbringen musste, um als Mitglied unserer Gesellschaft respektiert zu werden. Im Jahre 1991 wurde sie aufgrund ihrer Schizophrenie invalidisiert.

In Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Aufsätzen und Gedichten erzählt sie aus ihrem Leben, das sich zwischen Hochgefühl, lähmender Antriebslosigkeit und Wahn bewegte. Die Briefe erlauben einen Einblick in ihre letzten Lebensjahre. In den anderen Texten begegnet man der früheren Ulrike, die Träume und Ziele wie viele junge Frauen hatte.

Obwohl ihr psychisches Leiden ihren Lebensentwurf immer wieder durchkreuzte, blieb sie eine engagierte Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft suchte und sich stets neu erkämpfen musste. In der ehemaligen DDR als Studentin, Dolmetscherin, Geliebte und Frau eines peruanischen Mannes, nach der Wiedervereinigung als Mutter und auch als psychisch Kranke.

Ulrike Infante verstarb kurz vor Veröffentilchung ihres Buches im Alter von fünfzig Jahren.


"Mit zweiundzwanzig Jahren wurde ich schwer krank und musste lange Zeit in einer psychiatrischen Klinik bleiben. Mir gefiel nicht, dass andere über psychisch kranke Menschen berichteten, ich wollte es selbst schaffen, ein Buch zu schreiben. Heute weiß ich, dass Schreiben hilft, zu leben." (Ulrike Infante)


Gerade Schizophrenie ist eine Erkrankung, in die ich mich persönlich nicht hineinversetzen kann. Da ich immer wieder auch mit Müttern zu tun habe, die an Schizophrenie erkrankt sind, war ich sehr neugierig auf dieses Buch - auf die Schilderungen, auf die Einblicke in das Innenleben einer betroffenen Frau.

Interessant war die Lektüre allemal. Nicht wirklich chronologisch angeordent, taucht der Leser ein in Briefe, Tagebuchnotizen und Gedichte, die den jeweiligen Zustand der Autorin dokumentieren. Dabei entblättert sich jedoch in erster Linie einfach - ein Leben. Urike Infante als Frau mit Sehnsüchten und Ängsten, mit einer Begabung für Sprachen und Sprache, mit einer Liebe zur Literatur und Theater, mit einer Tochter, die in Peru bei ihrem Vater aufwuchs.


"Ich will ohne weitere Medikamente leben, solange es geht. Ich will nicht gedämpft vor mich hin starren und sagen, es geht mir gut. Ich will die Zeit intensiv erleben."


Immer wieder schreibt die Autorin von einer Antriebslosigkeit, von dem Gefühl, ständig beobachtet zu werden, nicht wirklich in der Welt zu sein. Um so erstaunlicher, dass die konkrete Diagnose erst im Alter von 27 Jahren gestellt wurde. Die Schilderungen der Symptome erfolgen jedoch meist im Nachhinein, nach dem Abklingen, eher distanziert, aus der Beobachterperspektive, oft nur kurz angedeutet. Es fällt mir also nach wie vor schwer, mir das eigentliche Erleben bei einer Schizophrenie vorzustellen.

Der Leser erfährt nicht, woran Ulrike Infante gestorben ist. Für die, die ihr nahestanden - allen voran ihre Tochter - ist dieses Buch jedoch ein tröstliches Vermächtnis, ein überaus persönliches. Und ein mutiges. Denn es gehört Mut dazu, seine psychische Erkrankung zu veröffentlichen. Dafür meine Hochachtung!


© Parden

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