Inhalt:
Amerika in den 1930er-Jahren: Flora und Henry haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Während die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Flora sich als Sängerin durchschlägt und davon träumt eine Pilotin zu werden, besucht Henry eine Privatschule und führt ein vergleichsweise sorgloses Leben. Trotz dieser Unterschiede werden Henry und Flora Freunde und sie beginnen sich ineinander zu verlieben. Es ist eine Liebe, die große Hindernisse zu überwinden muss, denn in der damaligen Zeit hat die Gesellschaft kein Verständnis für eine solche Verbindung. Zudem ahnen Flora und Henry nicht, dass sie von Liebe und Tod (die beide jeweils eine menschliche Gestalt angenommen haben) beobachtet werden, da diese eine Wette abgeschlossen haben: Während Liebe auf eine gemeinsame Zukunft für Henry und Flora hofft tut Tod alles dafür, dass die beiden auseinandergebracht werden…
Sie flüsterte dem Baby ins Ohr: Irgendwann wird jeder, den du liebst, tot sein. Alles, was du liebst, zu Staub werden. Dies ist der Preis der Liebe. Das einzig mögliche Ende jeder wahren Geschichte. (S. 9)
Meine Meinung:
Die Ausgangsidee dieser Geschichte ist interessant und vielversprechend: Liebe (in Gestalt eines alten Mannes) und Tod (in Gestalt einer jungen Frau) wandeln unbemerkt auf Erden und verbreiten unter den Menschen Liebe bzw. Unheil und Leid. Sie bestimmen über Leben und Tod der Menschen und begleiten deren Leben vom Anfang bis zum Ende.
Mit Flora und Henry hat man zwei sehr sympathische und liebeswerte Hautpersonen, die man schnell ins Herz schließt. Besonders Flora ist eine bemerkenswerte junge Frau: Obwohl es für Frauen in dieser Zeit alles andere als selbstverständlich war, tut sie alles dafür um eines Tages eine berühmte Pilotin zu werden. Es wird toll beschrieben wie Floras und Henrys Liebe zur Musik die beiden verbindet. Außerdem ist es schön zu verfolgen wie die beiden sich ineinander verlieben und man wünscht es ihnen sehr, dass sie die sich auftürmenden Hindernisse überwinden können und dass sie eine gemeinsame Zukunft haben werden.
Da die Geschichte in den 1930er-Jahren spielt werden einige historische Ereignisse eingewoben: So begleiten man Tod u. a. dabei, wie sie im Spanischen Bürgerkrieg auf Seelenfang geht und wie sie die Hindenburg in Flammen aufgehen lässt. Diese Szenen werden sehr eindrücklich beschrieben und sind besonders berührend, weil sie auf wahre Ereignisse Bezug nehmen. Außerdem lassen sie die damalige Zeit lebendig werden. Es ist schade, dass es nicht mehr solcher Szenen gibt. Sie sind aus meiner Sicht eine große Stärke der Geschichte und hätten ruhig mehr Raum einnehmen können.
Besonders hervorheben möchte ich noch wie emotional, herzzerreißend und rundum gelungen das allerletzte Kapitel dieses Buches ist. Es hätte wirklich nicht besser sein können. Auch wie sich Liebes und vor allem Tods Einstellung zueinander und zum Leben verändert haben wird wirklich toll und bewegend geschildert.
Warum vergebe ich trotz dieser Stärken nur 3 Sterne?
Das liegt zum einen daran, dass mir das Erzähltempo der Geschichte stellenweise zu langsam ist und es zwischen Henry und Flora zu sehr „Liebe auf den ersten Blick“ ist. Erst nach einem Drittel des Buches beginnen sich Flora und Henry richtig kennenzulernen und verbringen Zeit miteinander. Zuvor hat Henry Flora fast ausschließlich aus der Ferne bewundert indem er sich ihre Auftritte als Jazzsängerin angesehen hat. Trotzdem hat sich Henry aber fast sofort in sie verliebt, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt kaum ein paar Sätze miteinander gewechselt haben. Auch Flora fühlt sich von Anfang an sehr stark zu Henry hingezogen, obwohl sie ihn gar nicht kennt. Die beiden entwickeln sehr schnell unglaublich tiefgreifende Gefühle füreinander, was somit leider ein wenig übertrieben wirkt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich das Verhalten von Liebe und Tod. Mir hat es nicht gefallen auf welche Weise die beiden in die Geschehnisse eingreifen: Liebe lässt zu, dass sich eine der Nebenfiguren in ihn verliebt, obwohl es klar ist, dass diese Beziehung keine Zukunft hat – immerhin ist ja Liebe gar kein richtiger Mensch. Das führt dazu, dass die besagte Person (die ohnehin schon mit weiteren persönlichen Problemen zu kämpfen hat) später natürlich sehr verletzt ist und wieder alleine dasteht als sie herausfindet, dass Liebe gar kein richtiger Mensch ist. Ich finde es nicht in Ordnung, dass Liebe dieses vermeidbare Drama in Kauf genommen hat. Er hätte von Anfang an mehr an die Gefühle der betreffenden Personen denken müssen zumal er als besonders empathisch beschrieben wird. Tod wiederum nimmt die Gestalt einer der Nebenfiguren an und tut so als wäre sie diese Person. In dieser Rolle greift Tod dann in das Geschehen ein indem sie jemandem einen großen Geldbetrag gibt. Das ist mir ein etwas zu plumpes Eingreifen. Es hätte mir besser gefallen, wenn Liebe und Tod nur versucht hätten auf die Gefühle und Gedanken der handelnden Personen einzuwirken.
Außerdem finde ich, dass sich es die Geschichte am Ende etwas zu leicht macht. Das Drama rund um die Wette zwischen Liebe und Tod, das sich über die ganze Geschichte hinweg aufgebaut hat, löst sich am Ende unglaublich schnell und unkompliziert auf. Hinzu kommt, dass dann noch ein riesiger Zeitsprung gemacht wird. Dadurch erfährt man gar nicht wie es Henry und Flora gelungen ist bestimmte Hindernisse zu überwinden. Man wird als Leser einfach vor die vollendete Tatsache gestellt, dass alles gut geworden ist. Das freut einem natürlich, aber ich hätte gerne mehr Einzelheiten über den Weg dorthin erfahren. Außerdem gibt es eine Nebenfigur (Ethan) über deren weiteres Schicksal man gar nichts mehr erfährt. Er verschwindet irgendwann einfach aus der Geschichte und man hört nichts mehr von ihm.
Fazit:
Es handelt sich um eine wirklich schöne, bewegende und interessante Geschichte. Schade, dass an der einen oder anderen Stelle Potenzial verschenkt wurde. Ich habe das Buch dennoch insgesamt gerne gelesen. Vor allem das letzte Kapitel des Buches ist wirklich wunderschön.
Zum Schluss noch drei der schönsten Zitate aus dem Buch:
Manche Menschen waren, genau wie manche Songs, einfach mehr als bloß die Summe ihrer Teile. (S. 140)
Eine Weile schwiegen sie. Dann sagte Ethan nachdenklich: „Das Leben ist nur ein vorübergehender Zustand, Henry. Voller Unsicherheiten. Darum muss man seine Chancen ergreifen, wenn man sie sieht. Seine Ziele verfolgen. Risiken eingehen. Leben, lieben… das alles. Wir alle müssen irgendwann sterben, aber wenn wir nicht so leben, wie wir wirklich sollen, wenn wir nicht mit der Person zusammen sind, bei der wir sein wollen, dann sind wir jetzt schon tot.“ (S. 224)
Es gibt Wege, tiefer zu blicken als mit bloßem Auge. Er hatte vergessen, wie wahr diese Worte waren. (S. 311)













