Martin Haidinger

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf von Martin Haidinger

Martin Haidinger, Mag., Historiker und Journalist aus Wien, ist Wissenschaftsredakteur beim ORF und Autor zahlreicher Sachbücher. Seit vielen Jahren widmet er sich der Vermittlung von Geschichte und Geschichten in seinen Sendungen auf Radio Österreich 1, ORF2 Wien, BR Alpha und im Deutschlandfunk. Er ist Redaktionsleiter der Ö1-Wissenschaftssendung „Salzburger Nachtstudio“.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Martin Haidinger

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Cover des Buches Franz Josephs Land9783990500286

Franz Josephs Land

 (1)
Erschienen am 18.03.2016
Cover des Buches Von der Guillotine zur Giftspritze9783902404459

Von der Guillotine zur Giftspritze

 (1)
Erschienen am 12.09.2007
Cover des Buches Unter Brüdern9783902526113

Unter Brüdern

 (0)
Erschienen am 01.05.2007
Cover des Buches Österreichs heimliche Hauptstädte9783993001742

Österreichs heimliche Hauptstädte

 (0)
Erschienen am 01.04.2014
Cover des Buches Der Wiener Kongress9783902494733

Der Wiener Kongress

 (0)
Erschienen am 01.10.2014
Cover des Buches Jedermanns Land9783903217072

Jedermanns Land

 (0)
Erschienen am 18.04.2018

Neue Rezensionen zu Martin Haidinger

Neu

Rezension zu "Wilhelm Höttl - Spion für Hitler und die USA" von Martin Haidinger

Wilhelm Höttl? - Nein, den kenne ich nicht.
Bellis-Perennisvor 7 Monaten

Martin Haidinger Historiker und Journalist widmet sich in diesem Buch einer ebenso schillernden wie umstrittenen Person: Dr. Wilhelm Höttl (1915-1999). In zehn Kapiteln versucht der Autor diesem Mann näher zu kommen.  

Wer ist er nun, dieser Wilhelm Höttl? Er scheint ein Chamäleon zu sein, jemand, der immer den richtigen Riecher hat, wer ihm gerade nützlich sein könnte, der sich anpasst. 

Schon in den frühen 1930er ist er Mitglied der in Österreich (noch) verbotenen NSDAP. Kurz nach dem Einmarsch Hitlers wird er zuerst Vertrauter Reinhard Heydrichs und nach dessen Ermordung Vertrauter von Adolf Eichmann. Obwohl er lügt wie gedruckt, steigt er die Karriereleiter im SD (Sicherheitsdienst der SS) stets hinauf. Er scheint ein gutes Gespür für Menschen zu haben, die manipulierbar waren. Mehrfach fällt er unangenehm auf, aber keiner der Nazi-Bonzen zieht die Konsequenzen. Höttl wird eher wie eine heiße Kartoffel weitergereicht. Niemand setzt ihm Grenzen, was er weidlich ausnützt. Er intrigiert und spielt hochrangige Nazis gegeneinander aus. Auch seine Rolle in Ungarn und später am Balkan ist mehr als undurchsichtig. Als das Ende des Zweiten Weltkriegs naht, versucht er seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. So soll er unter anderem das Vermögen in Ungarn ermordeter Juden im sogenannten „Goldzug“ an sich gebracht haben.  

Höttl wird zwar von den Amerikanern verhaftet, kann aber aus einem Mix aus Chuzpe und Manipulation statt als Beschuldigter als Zeuge im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess auftreten. Er deutet einige Geheimnisse an und statt zu hängen, tritt er in den Dienst des amerikanischen Geheimdienstes CIC. Später wird man sich von ihm trennen, denn seine Berichte sind zum größten Teil erlogen. 

Ja, sein Umgang mit der Wahrheit ist schon seit je her ein ganz eigenes. Höttl biegt sie sich so zurecht, wie es ihm gerade in den Kram passt. Aussagen von anderen gibt er skrupellos als eine eigene Wahrnehmung aus.  

Eine durchaus spannende Geschichte ist, dass er in den 1950er Jahren eine Privatschule gründet und dort (heute) Prominente wie die Rennfahrer Jochen Rindt, Niki Lauda, Helmut Marko, den Schauspieler Klaus Maria Brandauer oder André Heller zu seinen Schülern zählte. Heller, dessen Familie jüdischer Herkunft war, hatte unter ihm zu leiden.  

Sein Netzwerk aus SD-Zeiten beschützte ihn bis zu seinem Tod.  

Meine Meinung: 

Martin Haidinger geht akribisch seit Jahren den Spuren des Wilhelm Höttl nach, vergräbt sich in Akten und Dokumente, die erst seit kurzem zugänglich sind. Dennoch scheint die Person Wilhelm Höttl in ihrem Facettenreichtum nicht fassbar zu sein. Höttl wirkt auch mich wie eine Amöbe - schwammig, glatt, nicht fassbar, weil er ständig seine Gestalt verändert.  

Kann es wirklich sein, dass er die amerikanischen Geheimdienste derart an der Nase herumgeführt hat? Oder waren die Amerikaner sosehr mit ihrer eigenen Paranoia den Russen gegenüber so beschäftigt, dass man (wieder einmal) die Laus im eigenen Pelz übersehen hat? Dem widersprechen einige Aussagen von CIA-Mitarbeitern, die Höttl als „geborenen Intriganten und bis in die Wolle gefärbten österreichischen Nazi mit einer Tünche von Wienerischen Graziosität“ (S. 145) bezeichnen.  

„Es fällt nicht leicht, durch den Wust an Aussagen und Behauptungen die wahre Figur Willis [Höttls] herauszukristallisieren, aber eine schemenhafte Gestalt erkennen wir dennoch: So groß, dass er den Nazi-Putsch in UNgarn um ein halbes Jahr hätte verzögern können, war er definitiv nicht, aber als bloßes Rädchen im Getriebe der Maschinerie von SS und SD konnte man ihn auch nicht gerade bezeichnen.“ (S.118) 

Als der Autor rund um das Jahr 2001 ein paar alte Zeitgenossen Höttls auf ihn ansprach, war die Antwort immer gleich: „Nein, den kenne ich nicht.“ Obwohl Dokumente etwas ganz anders beweisen.  

Der Schreibstil des Autors ist ausgezeichnet. Manchmal muss er zu sarkastischen Anmerkungen greifen, um die Präpotenz von Höttl und die Ignoranz der Behörden (Österreichs und/oder der USA) überhaupt auszuhalten. Allerdings darf man die Entscheidungen von damals nicht mit dem Wissen von heute betrachten. Dass es auch bei den Amerikanern Leute gegeben hat, die die Untersuchungen und die Entnazifizierung nicht mit dem nötigen Ernst vorgenommen haben ist ja erweisen. 

Das Cover passt ausgezeichnet zum Inhalt: Es dem braunen Aktendeckel eines Dossiers nachempfunden. 

Würde dieses Buch als „Spionage-Roman“ deklariert werden, so würde es als unglaubwürdig, übertrieben und unrealistisch beschrieben werden. Doch wir wissen, schreibt das echte Leben die skurrilsten Geschichten. 

Fazit: 

Wer sich mit umstrittenen Personen der Nazi-Zeit und danach beschäftigen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

 

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Rezension zu "Franz Josephs Land" von Martin Haidinger

Österreichs Geschichte. Auf unterhaltsam
ralf_grabuschnigvor 3 Jahren

Franz Josephs Land bietet einen kurzen aber wertvollen Überblick über die Geschichte Österreichs. Durch den angenehmen Schreibstil lässt sich das etwa 300-seitige Buch auch in wenigen Tagen lesen, unterhält den Leser und bringt ihm doch auch noch etwas bei. Ich empfehle es allen, die prinzipielles Interesse an österreichischer Geschichte haben, sich aber noch nicht zu ausführlich damit beschäftigt haben.

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Rezension zu "Von der Guillotine zur Giftspritze" von Martin Haidinger

Rezension zu "Von der Guillotine zur Giftspritze" von Martin Haidinger
Ines_Muellervor 10 Jahren

Martin Haidinger analaysiert in seinem Buch "Von der Guillotine zur Giftspritze" die Geschichte der Todesstrafe. Vom Vierteilen oder dem Scheiterhaufen im Mittelalter, und von der Guillotine zur Zeit der französischen Revolution bis zu der Gaskammer beziehungsweise der Giftspritze in unserer heutigen Zeit. Einfühlsam schildert er den letzten Gang der zum Tode Verurteilten und ihre Qualen, ebenso wie die ihrer Henker. Er erklärt Situationen und Geschehnisse, die letztendlich zur Ausübung der Todesstrafe führen, so wie die Schreckensherrschaft des Robespierre zur Zeit der französischen Republik. Sein Schreibstil ist anschaulich und gut zu verstehen. Gut gefallen hat mir auch, dass er am Ende Roland Weißeggers "Am Ende des Lichts" abdruckte, eine Geschichte über die letzten Minuten eines zum Tode Verurteilten. Am Ende ist der Leser zwar immer noch unschlüssig was er von der Todesstrafe halten soll, aber es war ja auch nicht Haidingers Absicht uns diese Entscheidung abzunehmen. Viel mehr will er uns einen Überblick über das Thema Todesstrafe gewähren, was ihm auch sehr gut gelingt. Von mir gibt es sehr gute vier Sterne!

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