Tillmann Bendikowski

 4 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Friedrich der Große, Sommer 1914 und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Tillmann Bendikowski

Friedrich der Große

Friedrich der Große

 (4)
Erschienen am 12.09.2011
Sommer 1914

Sommer 1914

 (2)
Erschienen am 24.02.2014
Helfen

Helfen

 (1)
Erschienen am 14.11.2016
Allein unter Müttern

Allein unter Müttern

 (1)
Erschienen am 01.08.2012
Der Tag, an dem Deutschland entstand

Der Tag, an dem Deutschland entstand

 (0)
Erschienen am 29.10.2008
Der deutsche Glaubenskrieg

Der deutsche Glaubenskrieg

 (0)
Erschienen am 14.03.2016

Neue Rezensionen zu Tillmann Bendikowski

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Rezension zu "Helfen" von Tillmann Bendikowski

Vom „Willkommen“ zum Grundsätzlichen
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Vom „Willkommen“ zum Grundsätzlichen

Auch wenn Kritik durchaus ihre Berechtigung hat, auch wenn man sich über die Entscheidung, im Jahre 2015 die Grenzen für den Flüchtlingsstrom aus dem Nahen Osten zu öffnen streiten darf und kann und auch wenn das Wort „Gutmensch“ (bedauerlicherweise, denn über Jahrhunderte hinweg war es eine tragende, innere, gesellschaftliche Norm und „Klebekraft“, ein „guter Mensch zu werden“) inzwischen mit Attitüden belegt wurde, unbestritten ist die große Bereitschaft der deutschen Bevölkerung, vom Eintreffen der Flüchtlinge an zu helfen, sich einzubringen, zu spenden, zu unterstützen.

Eine solch massive, ehrenamtliche Bewegung, ein solches Einbringen als „Pate“, als einfacher Helfer vor Ort, als „Deutschlehrer/in)“ und vieles mehr (und das nicht nur durch Spende und Geld, sondern durch ein leibhaftiges mit Anpacken an allen möglichen Orten) ist wohl bis dato einmalig als Hilfeleistung im 21. Jahrhundert.

Als hätte ein Land in einer großen Zahl von Menschen nur darauf gewartet, mit eigenen Händen sich hilfreich engagieren zu können.

Was aber ist dieses „solidarische“? Was bewegt Menschen, auf Kosten zumindest eigener Unbequemlichkeiten, anderen unterstützend Hilfe zu leisten? Freizeit zu opfern, teils in andere Länder zu gehen, um dort Ersthilfe zu leisten? Sich für „Fremde“ ein stückweit zumindest aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen und damit ja nicht nur für Sympathie zu sorgen, sondern auch Anfeindungen für die eigene Person in Kauf zu nehmen?

Ein Thema, das an der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 offenkundig wurde, das aber letztlich zur „Grundausstattung“ des Menschen gehört. Wie der Mensch einander tiefste Grausamkeiten anzutun in der Lage ist, so gibt es auch den Gegenpol, die uneigennützige, teils auf eigene Kosten gehende Hilfestellung.

Was im Buch dann allerdings teils eher assoziativ denn strukturiert geordnet und soziologisch reflektiert daherkommt. Und in den einzelnen Themen (die Familie als „Hilfs-Bund“, das Christentum als Religion mit Aufforderung zur „Barmherzigkeit“ bis hin zur Entwicklung des Sozialstaates auf der Basis dieser gesellschaftlichen und religiösen Werte) nicht unbedingt neu ist.

Dennoch, gut zu lesen sind die vielen praktischen Beispiele von „helfenden Menschen“ und deren Erläuterungen, warum ihnen dies wichtig ist und gut ist auch, dass Bendikowski kritischen Fragen wie jener nach dem „Helfersyndrom“ (bei dem der Helfer für sich mehr Gewinn aus der Hilfestellung herauszuziehen scheint als der, dem geholfen wird) nicht aus dem Weg geht und auch den Zusammenhang zwischen „Hilfe und Herrschaft“ (der, der „zugeben hat“, hat auch sofort die „obere Position“ gegenüber dem „Bedürftigen“) nicht außen vor lässt.

Und durchaus wichtig ist die letzte Frage, die Bendikowski im Buch aufwirft und die im Kern die politischen Gegensätze des Momentes sehr grundsätzlich widerspiegelt.

„In welchem Land wir leben wollen“. Protektionistisch und auf sich bezogen oder tatsächlich auf Basis jener vielberedeten „abendländischen Werte, denn „die christliche Helfertradition hat Europa tief geprägt“, das ist wahr und wird nur zu gerne vergessen, wenn eher aus der Romantik stammende Werte des Nationalismus wieder in den Mittelpunkt gerückt werden.
Eine Lektüre, die weniger als Fachbuch zu verstehen ist, sondern als “reflektierte“ Erlebnisberichte und die in Teilen zu sehr einfach aneinandergereiht wirkt. Mit dennoch wichtig zu lesenden Verweisen auf das, was eine Gesellschaft von „sozialen Wesen“ einerseits zusammenhalten kann und anderseits im Zusammenhalt gefährdet.

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Rezension zu "Sommer 1914" von Tillmann Bendikowski

Viel differenzierter als nur „Hurra-Patriotismus“
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Viel differenzierter als nur „Hurra-Patriotismus“

Schon bei oberflächlich näherem Nachdenken dürfte jedem vernünftigen Menschen klar sein, dass durchgehende Begeisterung, freudiger „Frontwille“ und bedingungslose „innere und äußere Treue“ zu Kaiser und Vaterland sicherlich nicht durchweg und simpel die Gemüter in Deutschland zu Kriegsbeginn 1914 bestimmte.

Ebenso, wie auch nicht alle deutschen Politiker säbelrasselnd voranstürmten. Ebenso, wie es im Vorfeld politisch mahnende Worte und Versuche mancher Diplomaten gab, die angespannte Lage zu entschärfen, ebenso waren Angst, Ablehnung des Krieges, Sorge auch Gemütszustände im Volk.

Allein schon die Aufzeichnungen Stefan Zweigs, aus denen heraus (gerade in „Die Welt von Gestern“) sich eine paneuropäische, im künstlerischen vereinte europäische „Begeisterung“ sich erkennbar ableiten lassen, zeigen, dass es auch „die andere Seite“ vernehmbar gab.

So stimmt bei näherer Betrachtung, die Bendikowski dem Leser ruhig, sachgerecht und fundiert recherchiert vorlegt, nicht, dass „der Krieg, der Kampf, all die Gefahren – all das sei regelrecht herbeigesehnt worden“.

Doch, es gab auch solche Stimmen und Kreise, aber die Gesamtlage der Deutschen 1914 war wesentlich differenzierter und uneiniger, als es im Nachhinein der Fall gewesen sein schien.

„In der historischen Wirklichkeit waren die Reaktionen auf die Kriegsgefahr und den Beginn des Krieges sehr viel komplexer und widersprüchlicher“.

So die These, der Bendikowski sich anschließt und die er Seite für Seite im Buch zu belegen weiß. Um dies zu entfalten, wählt Bendikowski stilistisch fast die Form einer biographischen Reportage(n), in deren Mitte er fünf verschiedene Personen stellt, denen er für den Sommer 1914 breit nachgeht. „Stellvertreter“ für die unterschiedlichen Gruppen der Bevölkerung, Land-Stadtbevölkerung, Intelektuelle und Arbeiter, Soldaten und Zivilisten.

Wilhelm II. wählt Bendikowski als eine der Personen aus, in dem bereits „zwei Herzen“ in der Brust schlagen. 25 Jahre Frieden unter seiner Herrschaft, darauf war er stolz. Aber auch dem Militarismus stark zugeneigt und mit „Großreichträumen“ ausgestattet.

Ihm zur Seite stellt Bendikowski den Historiker Professor Cartellieri, den 17jährigen Arbeitersohn und SPD Mitglied Weilhelm Eidermann, die ledige Lehrerin Getrud Schädla (27) und den Dozenten und Lyriker Ernst Stadler (30).

Ein Querschnitt somit durch die Schichten, die Herkunft, die innere Haltung, der sich in den einzelnen Reaktionen auf die Krise und den Ausbruch des Krieges deutlich widerspiegeln wird. Portraits, die Bendikowski flüssig, biographisch kundig und immer mit dem Blick auf die innere Haltung der Krise der Zeit gegenüber darzustellen versteht, so dass der Leser mehr und mehr emotionale Nähe aufbauen kann und mitten hineingezogen wird in die verschiedenen Lebenswelten der Personen und deren Erwartungen..

Eine fundierte Darstellung, die sich vielfach auf Primärquellen (überwiegend lagen Tagebücher der Personen vor) stützt und, wo ein Tagebuch nicht vorliegt (wie bei Wilhelm II,) ist überreichlich anderes Quellenmaterial vorhanden und von Bendikowski genutzt, um ein differenziertes Bild der „inneren Haltungen“ herausarbeiten zu können.

Durch den „Transport“ der unterschiedlichen Haltungen und „Gemütslagen“ in der Anhaftung an konkrete, historische Figuren gelingt Bendikowski, diese Unterschiede in der inneren Haltung und Wahrnehmung des „Sommers 1914“ überzeugend vor Augen zu führen und endgültig mit dem Vorurteil aufzuräumen, ein ganzes Volk wäre mit glänzenden Augen zu den Waffen gestürmt. Und selbst jene, die in dieser Form im August 1914 noch gedacht haben, werden bald erste Zweifel erleben (wie auch der Kaiser angesichts des raschen Vordringens russischer Truppen).

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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Rezension zu "Friedrich der Große" von Tillmann Bendikowski

Rezension zu "Friedrich der Große" von Tillmann Bendikowski
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Preußen aufs Neue

Friedrich der Große ist eine der Gestalten der preußisch-deutschen Geschichte, die sicherlich mit am Breitesten in Wort und Bild „verewigt“ worden sind. Zahllose Biographien, Filme, Reportagen, Würdigungen, Ausstellungen sind im Lauf der Jahrzehnte, Jahrhunderte über ihn zusammen gekommen. Nun, im Angesicht seines 300. Geburtstages werden eine Reihe von Veröffentlichungen sich wiederum des Preußenkönigs annehmen.

Ob nicht doch schon alles gesagt ist? Nicht nur scheinbar nicht, denn es macht die Person Friedrichs ja gerade aus, dass er sich einer klaren Einordnung entzieht, dass sein Leben und seine Haltungen, vor allem aber seine geschichtliche Rezeption viele Facetten aufzuweisen hat, die immer wieder einer näheren Betrachtung wert sind. Obwohl auch Bendikowski auf seinen (gerade mal) gut 280 Seiten natürlich kein umfassendes und alles einbringendes Bild des Königs vor Augen zu führen vermag, finden sich in dieser neuen Biographie des Journalisten und Historikers doch einige interessante Kapitel über jenen Friedrich, der „das Publikum immer noch in seinen Bann (schlägt), weil er polarisiert“.

Jene Polarisation ist es auch, der Bendikowski gut die Hälfte der Biographie widmet. Wie Friedrich als Denkmal Preußens schon zu Lebzeiten, vor allem aber kurz nach seinem Tod installiert wird. Wie Hitler sich des Nimbus „des Großen Preußen“ bedient und Symbolträchtig in seine eigene, mythische Geschichtsdarstellung einbindet. Wie Friedrich „den Sozialismus reitet“ (eher wohl von den Oberen der ehemaligen DDR „geritten wird“). Und natürlich, wie mit Friedrich auf der anderen Seite der Mauer, in der alten Bundesrepublik, Umgang gepflegt wurde („Friedrich den Großen zu feiern? Unmöglich heute“ (Zitat Friedrich Meinecke von 1948 im Buch). Der Versuch, in der geschichtlich offiziellen Betrachtung der Bundesrepublik Friedrich zu „zähmen“ und damit nur in bestimmten Teilen darzustellen, um einen „bundesrepublikanischen König“ zu kreieren, ist im Buch durchaus anregend und interessant dargestellt, wie überhaupt die Schilderungen der „Vereinnahmungen“ zu den leicht lesbaren und anregenden Teilen des Buches gehören.

War aber denn nun Friedrich „ein Großer“ oder „nur der II.“ oder gar überhaupt überbewertet? Im letzten Kapitel wendet sich Bendikowski einer abschließenden Bewertung zu. Die, mit Verlaub, nicht abschließend letztlich ist. Natürlich stimmt es, dass die Nachfolger des Preußenkönigs ihm einen vorherrschenden Rang in der Geschichte nicht streitig machen können, aber Relativität macht ja kein absolutes „der Große“ aus. Höchstens einen „Größeren“. Und ob Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen ein solches Alleinstellungsmerkmal darstellen, um eine Person in der Geschichte weit über den großen Rest zu erheben, darf auch bezweifelt werden. Die militärischen Erfolge haben durchaus bei nüchterner Betrachtung mit Glück zu tun (auch dies stellt Bendikowski heraus. Die Frage nach der „Größe“ des Preußenkönigs verbleibt somit ein wenig im Diffusen und wird weiterhin Gegenstand der Diskussion sein, je nach Bewertung und Standpunkt des Betrachters. Somit erhält Friedrich, dies legt Bendikowski überzeugend dar, seine „Größe“ letztlich aus dem Auge des Betrachters

Im Gesamten erzählt Bendikowski flüssig und verständlich, leger in der Sprache (und auch in seinen Betrachtungen) und legt den Schwerpunkt seiner Darstellung eher auf die geschichtliche Rezeption der Person denn auf die reine Lebensgeschichte (hier gerät einiges doch arg kurz und oberflächlich). Ein angenehm zu lesender Einstieg zur Person, kein unbedingt großer Wurf.

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