Annette von Droste-Hülshoff

 3.2 Sterne bei 477 Bewertungen
Autorin von Die Judenbuche, Die Judenbuche und weiteren Büchern.
Annette von Droste-Hülshoff

Lebenslauf von Annette von Droste-Hülshoff

Die Dichterin und Komponistin Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff, kurz Annette von Droste-Hülshoff lebte vom 10.01.1797 bis zum 24.05.1848. Sie unternahm mehrere große Reisen, um sich literarisch und persönlich weiterzubilden. Auch hielt sie brieflichen Kontakt zu vielen bedeutenden literarischen Persönlichkeiten, legte aber besonderen Wert darauf, sich um ihre Familie zu kümmern.

Alle Bücher von Annette von Droste-Hülshoff

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Die Judenbuche

Die Judenbuche

 (427)
Erschienen am 20.02.2018
Die Judenbuche /Ausgewählte Gedichte

Die Judenbuche /Ausgewählte Gedichte

 (6)
Erschienen am 03.03.2008
Werke in einem Band

Werke in einem Band

 (5)
Erschienen am 13.08.1984
Sämtliche Gedichte

Sämtliche Gedichte

 (4)
Erschienen am 13.01.2010
Die Judenbuche

Die Judenbuche

 (5)
Erschienen am 05.01.2016
Sämtliche Erzählungen

Sämtliche Erzählungen

 (3)
Erschienen am 29.06.1993
Die schönsten Gedichte

Die schönsten Gedichte

 (2)
Erschienen am 20.05.2012
Annette von Droste-Hülshoff. Briefe

Annette von Droste-Hülshoff. Briefe

 (2)
Erschienen am 01.09.2012

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Neu

Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

Viele offene Fragen
Yolandevor 2 Monaten

Anna Elisabeth ("Annette") Freiin Droste zu Hülshoff wurde am 12. Januar 1797 auf Schloss Hülshoff bei Münster geboren. Ihre Mutter, sowie ihre beiden Onkel Werner und August von Haxthausen waren vielseitig literarisch interessiert und förderten Annettes Begabung schon früh. Ihre erste Veröffentlichung 1838 erfolgte noch halbanonym. Sie plante einen großen Westfalenroman, dort sollte die Erzählung der "Judenbuche" integriert werden. Dazu kam es allerdings nicht und so wurde die Novelle 1842 im "Morgenblatt für gebildete Leser" abgedruckt. Es blieb ihre bedeutendste Arbeit. Schon von Geburt an kränklich, arbeitete in ihren späteren Jahren nur noch sporadisch. Am 24. Mai 1848 starb Annette von Droste-Hülshoff auf der Meersburg am Bodensee. Zu ihren Lebzeiten war sie fast unbekannt.

Der Novelle "Die Judenbuche" liegt ein wahrer Kriminalfall zu Grunde, der sich 1783 in der Gerichtsbarkeit derer von Haxthausen, der Familie von Annette von Droste-Hülshoff zutrug.  Schon ihr Onkel August von Haxthausen hat diese Ereignisse in seiner "Geschichte eines Algerier-Sklaven" verarbeitet.
"Die Judenbuche" erzählt die Geschichte des jungen Friedrich Mergel. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend und vaterlos aufgewachsen ist Friedrich ein stolzer und hochmütiger junger Mann, der zu Gewalttätigkeit neigt. Die Bewohner seines Dorfes sind gottesfürchtig und fromm, doch sie haben für sich eigene Gesetze und Regeln geschaffen. Der bandenmäßige Holzdiebstahl im Forst wird von den meisten nicht als Gesetzesbruch angesehen. Friedrichs unverheirateter Onkel Simon, der ihn unter seine Fittiche genommen hat, ist wohl ein führender Kopf dieser Bande. Als alles darauf hindeutet, dass Simon den Förster Brandis ermordet hat, deckt Friedrich ihn. Friedrich macht Schulden bei dem Juden Aaron. Als dieser bei einer Hochzeit vor aller Augen sein Geld zurückfordert, fühlt sich Friedrich gedemütigt. In der darauffolgenden Nacht wird der Jude am Fuße einer Buche ermordet und Friedrich verschwindet gemeinsam mit Johannes Niemand, der wohl der uneheliche Sohn Simons ist und Friedrich sehr ähnelt. Die Juden bitten darum, an der Buche, an der die Tat geschehen ist, einen Spruch in den Stamm ritzen zu dürfen. Dies geschieht. Nach vielen Jahren kehrt ein zerlumpter und kriegsversehrter Johannes Niemand zurück in das Dorf. Er erzählt von seiner Gefangenschaft und versucht in dem Dorf Fuß zu fassen. Als dies nicht gelingt, erhängt er sich in der Buche.
Als der Richter die Leiche untersucht, erkennt er, dass es sich nicht um Johannes Niemand, sondern um Friedrich handelt. 
Der Spruch, den die Juden in den Stamm der Buche geritzt hatten lautet: "Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast."
Wie man an der Inhaltsangabe schon ersehen kann, lässt diese Geschichte viele Fragen offen. Ich kann gut nachvollziehen, weshalb Generationen von Deutschlehrern diese Novelle ihren gepeinigten Schülern zur Interpretation vorlegten. Die Möglichkeiten sind unendlich.
Sprachlich fand ich die Geschichte sehr ansprechend. Auch die ärmliche und düstere Atmosphäre wird sehr gut dargestellt. Sympathien für die einzelnen Figuren konnte ich jedoch nicht aufbringen. Am meisten irritierten mich die ungeklärten Fragen, die diese Geschichte aufwarf. Normalerweise hatten solche Novellen eine Moral der Geschichte oder einen Hintergedanken, den sie manchmal unterschwellig, manchmal auch sehr deutlich an den Mann brachten. Hier konnte ich allerdings nichts so richtig fassen, bis auf den Gedanken, dass jedes Verbrechen seine gerechte Strafe erfährt, wobei ja auch nicht ganz klar wird, ob der Selbstmörder wirklich Friedrich Mergel ist.
Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich diese Geschichte kennen lernen durfte, zumal ich während meiner Schulzeit davon "verschont" blieb.


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A

Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

Ein kurzweiliger literarischer Schmaus
anna_mvor 2 Monaten

Die Novelle „Die Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff spielt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und befasst sich mit dem Leben des Friedrich Mergel, der in einem abgelegenen, kleinen Dorf in Westphalen in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Sein Vater ist Alkoholiker und wird regelmäßig handgreiflich, seine Mutter hat spät geheiratet und glaubte, ihren Mann ändern zu können. Als der Vater eines Nachts im Schneesturm erfriert, verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation der Familie und Friedrich wird von seinem Onkel Simon eine Zeit lang aufgenommen, um ihn zu erziehen. Friedrich wird hier tatsächlich erwachsen, jedoch hat Simon auch mit zwielichtigen Gestalten zu tun und der junge Mann gerät auf die schiefe Bahn. Um den Gleichaltriegen im Dorf in nichts nachzustehen, leiht er sich Geld und führt einen überheblichen Lebenswandel. Kritik begegnet er mit Fäusten. Sein einziger Freund und gleichzeitig Untergebener ist Johannes Niemand, der uneheliche Sohn seines Onkels.

Annette von Droste-Hülshoff bildet die verschiedenen Gesellschaftsschichten im Dorf ab und verweist auf ihr verkehrtes Rechtsverständnis, das im Gegensatz zu ihrer (teilweise nur vorgegebenen) Frömmigkeit steht. Die einfachen Bauern berufen sich auf ein Gewohnheitsrecht und finden, dass Besitztümer wie Wild und Wald keine richtigen Besitztümer sind. Sie gehören vielmehr allen und somit halten sie Holzdiebstahl u.Ä. für vertretbar. Die obere Gesellschaftsschicht, dargestellt durch die Förster, die den Holzdieben auf die Schliche kommen wollen, äußert sich immer wieder abfällig über die Bauern. Der Förster Brandis wird schließlich von einem Dieb erschlagen, nachdem Friedrich ihm den falschen Weg gewiesen hat. So wird Friedrich zum ersten Mal in einen Kriminalfall verwickelt und auf Grund seiner Herkunft von vielen für schuldig gehalten, mangels Beweisen jedoch freigesprochen. Ob er den Förster absichtlich in die Arme der Diebe schickte und den Mord somit in Kauf nahm, oder ob er damit nicht hätte rechnen können, bleibt offen und der Leser muss hier selbst interpretieren.

Überhaupt bleibt vieles ungesagt oder nur angedeutet und zwischen die Zeilen des kleinen Büchleins passt in etwa noch einmal so viel Handlung wie im Text vorhanden ist. Die Handlung wird manchmal schnell vorangetrieben, indem kurz berichtet wird, was über einen längeren Zeitraum passierte. Andere Passagen aus dem Leben des Friedrich Mergels werden stark auserzählt und mit Dialogen gespickt. Der Leser muss sich vieles selber zusammenreimen und kann sich seinen Erklärungen nicht immer hundertprozentig sicher sein.

Auf einer Hochzeitsfeier wird Friedrich von einem jüdischen Geldverleiher daran erinnert, dass er noch Schulden hat. Friedrich wird ausgelacht, doch auch der Jude wird ausgebuht. Der Antisemitismus ist in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Später findet man den Mann ermordet im Wald. Während die jüdische Gemeinde die Buche, unter der das Opfer gefunden wurde, kauft, muss Friedrich fliehen und nimmt Johannes mit. Während ihrer Abwesenheit verjährt der Mord und Friedrich kehrt als gebrochener Mann zurück, denn er hatte als Sklave dienen müssen. Friedrich gibt sich als Johannes aus und der alte Gutsherr versucht, ihm ein angenehmes und auskömmliches Leben zu ermöglichen, da er sich für Johannes Schicksal schuldig fühlt. Einige Monate später entdeckt man „Johannes“ erhängt in der Judenbuche, die die verhängnisvolle hebräische Inschrift „Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir gethan hast.“ trägt. Der Tote wird schließlich als Friedrich Mergel identifiziert und auf dem Schandacker verscharrt.

Mir hat die Lektüre dieser kurzen Novelle Spaß gemacht. Durch die kleinen Kriminalfälle und der Frage, ob Friedrich entkommen kann, kommt auch Spannung auf. Außerdem werden Themen bearbeitet, die auch heute noch aktuell sind: Vorurteile wegen der sozialen Herkunft, Antisemitismus, der Glaube, man könne einen anderen Menschen ändern… Das Buch ist schnell gelesen, auch wenn es natürlich einige altertümliche Schreibweisen und auch veraltete grammatikalische Wendungen enthält. Die kriminalistischen Element des Textes gefielen mir sehr gut, denn der Leser findet sich durch die vielen Auslassungen und offenen Fragen in der Rolle des Detektives wider. Wenn Friedrich am Ende kein katholisches Begräbnis zu Teil wird stellt sich die Frage, ob dies allein auf den Suizid zurückzuführen ist, oder ob der Gutsherr ihn vielleicht doch für einen möglichen Mörder hält. Immer wieder gibt es Indizien, die der Leser für sich auslegen muss. Der Erzähler ist zwar auktorial, jedoch wird auch immer wieder aus der Perspektive verschiedener Figuren erzählt, wodurch das Wissen des Lesers über die Tathergänge bruchstückhaft bleibt oder auch der Wahrheitsgehalt des Berichteten in Frage gestellt werden kann. Selbst der eigentlich allwissende Erzähler relativiert seine Aussagen, in dem er Sätze mit „man meinte…“, „es schien als…“ o.ä. einleitet.

Wer an Literatur interessiert ist, wird die eigenwillige Nutzung der Erzählperspektive in diesem kleinen Büchlein zu schätzen wissen und sich gut unterhalten fühlen. Für mich war es ein sehr kurzweiliges und bereicherndes Vergnügen.

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Rezension zu "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff

Wenn die Deutschlehrer nicht wären...
Shannonvor 2 Monaten

... dann hätte dieses Werk wohl einen leichteren Stand!
Mir blieb es zum Glück erspart damit gequält zu werden also hatte ich einen vourteilsfreien Zugang und der hat sich auf alle Fälle gelohnt.
Hier geht es um Friedrich, ein Einzelkind, dessen Vater früh im Suff stirbt und die Mutter von der unglücklichen Ehe erlöst, die sie sich in späten Jahren durch ihre Naivität eingebrockt hat. Friedrichs Onkel will ihn groß aufbauen und für ihn sorgen, bringt ihn aber letztlich auf die schiefe Bahn. Ein verdächtiger Todesfall in der Mitte des Buches lässt die Wendung des Charakters schon anklingen - es scheint, als hätte Friedrich jemand wissentlich nach einer Rüge in Gefahr gebracht. Schließlich aber wird unsere Hauptperson im Falle des Mordes an einem Juden namentlich als Täter gesucht, verschwindet aber und entkommt so dem sicheren Prozess. Erst Jahrzehnte später werden sich die Ereignisse auflösen...
Droste-Hülshoff hat hier ein sehr stimmungsvolles, unheilschwangeres Werk geschaffen, dass für viele Interpretationen gut ist. Sie nennt die Dinge nicht beim Namen und deutet sie nur an - ich liebe das! Wenn man als Leser den Text vor sich hat und erst nach und nach dahinterkommt, was da eigenlich noch so alles im Hintergrund läuft, geht mir das Herz auf. Diesen Zugang hat aber nicht jeder und leider dient der Umstand auch dazu, Schüler mit ewigen Interpretationen zu quälen.
Ich bin trotzdem dafür dem Werk eine Chance zu geben, denn hervorragend geschrieben ist es allemal. Allein die Beschreibung des Onkels, der ein Alter erreicht hat "wo ohnehin beschränkte Menschen leicht an Ansprüchen gewinnen, was sie an Brauchbarkeit verlieren", ist herrlich. Zu Recht ein Klassiker!

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Gespräche aus der Community

Neu
Herzlich willkommen zu einer weiteren Leserunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur"!

In unserer ersten November-Leserunde lesen wir zusammen "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff.

Die Novelle ist recht kurz und ohne Kapitel - ich habe daher die Einteilung so gemacht, dass ich irgendwo so ziemlich in der Mitte zwei Sätze herausgepickt habe, die die Abschnitte markieren, siehe oben.

Die Leserunde beginnt am 1. November.  Jeder der mag kann sich uns mit eigenem Exemplar anschließen.
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Annette von Droste-Hülshoff wurde am 09. Januar 1797 in Burg Hülshoff b. Münster (Deutschland) geboren.

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