Rezension zu "Der Weihnachtsabend. Eine berührende fast vergessene Geschichte" von Ludwig Tieck
Monika_D_KunzeMit der Geschichte wird der Leser ins Berlin des späten 18. Jahrhunderts versetzt, geschrieben wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts, somit in der Sprache der Frühromantik verfasst. Wer sich davon abschrecken lässt, bringt sich um eine sehr schöne Erzählung, denn sie ist absolut gut zu lesen.
Die Geschichte handelt von einer verarmten Witwe, die mit ihrer sechsjährigen Tochter Minchen (Wilhelmine) in einer ärmlichen Dachgeschosswohnung lebt. Minchen ist ihr Ein und Alles und auch das Kind ist seiner Mutter sehr zugetan. Bevor sie beide an Heiligabend in die Stadt aufbrechen wollen, um den letzten verbleibenden Taler für Weihnachtsgeschenke für das Mädchen auszugeben, besucht eine befreundete Nachbarin die beiden und rät der Frau, ihren Bruder zu heiraten, der gemäß der Andeutungen seiner Schwester kein leichter Charakter ist, dem sie jedoch geliehenes Geld schuldet. Als die Witwe freundlich ablehnt und sich das Unverständnis derer zuzieht, erzählt sie ihr ihre Geschichte, die einen großen Teil der Erzählung einnimmt und durchaus spannend ist, zumal sie einen Einblick in die Abhängigkeit der Frauen aufzeigt, sowie die Unbarmherzigkeit und Geringschätzung, denen sie ausgeliefert waren, sobald kein Mann an ihrer Seite stand.
Die Nachbarin sieht ihre Freundin nun mit ganz anderen Augen und will für sie bei ihrem Bruder ein gutes Wort einlegen. Die Witwe zieht nun mit dem Kind los und besucht den Weihnachtsmarkt, um Spielzeug zu kaufen, doch dann merkt sie, dass der Taler weg ist. Beide gehen betrübt nach Hause, wo das Mädchen die Mutter liebevoll tröstet und ihr all die Dinge aufzählt, aufgrund derer sie dennoch reich sind. Und dann passiert etwas, was ich hier nicht verraten werde. Lest einfach selbst ;-)
Besonders hervorheben möchte ich noch den interessanten Einblick Tiecks auf die damalige Form der Weihnachtsmärkte. Im Prolog beschreibt er, wie solch ein Markt damals aussah, wie sich die Menschen benahmen und was an den Ständen dargeboten wurde. Insofern handelt es sich hier nicht nur um eine liebenswerte Weihnachtsgeschichte, sondern auch um einen Blick auf Weihnachten in die Zeit der Frühromantik.












