Matthias Gerhards

 4.1 Sterne bei 16 Bewertungen
Matthias Gerhards

Lebenslauf von Matthias Gerhards

Matthias Gerhards ist in einer dörflichen Schäferei bei Köln aufgewachsen. Er schreibt, seitdem er in der katholischen Leihbücherei den "Abenteuerlichen Simplicissimus" für sich entdeckt hat. Er besuchte zunächst eine Hauptschule, wechselte mit sechzehn aufs Gymnasium, weil er nicht wusste, was er mit seinem Leben anstellen sollte. Nach dem Abitur hat er Germanistik und Philosophie zu studiert und eine langwierige Ausbildung als Schriftsteller begonnen, die ihn durch verschiedenste Berufe führte. Heute lebt er mit seiner Familie bei Düsseldorf. Sein erster Roman "Gott ist kein Zigarettenautomat" ist 2013 im Knaus Verlag erschienen.

Alle Bücher von Matthias Gerhards

Gott ist kein Zigarettenautomat

Gott ist kein Zigarettenautomat

 (16)
Erschienen am 26.08.2013

Neue Rezensionen zu Matthias Gerhards

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Rezension zu "Gott ist kein Zigarettenautomat" von Matthias Gerhards

Positiv denken
Thalavor 5 Jahren

Matthias Gerhards beschreibt in seinem Erstlingswerk das Leben des 14-jährigen Thomas Sieben, jüngster Spross des wie vom Pech verfolgten Sieben-Clans. Thomas besucht eine Hauptschule, hat kaum Freunde, der Vater hat schon lngst das Weite gesucht und seine Mutter findet nur im Essen und im Alkohol Trost. Thomas' Bruder Jakob ist auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen, er treibt im Schillbach an Thomas vorbei. Wer hat Thomas auf dem Gewissen? Ist es vielleicht Otto, Dorf-Skin mit dem IQ einer Packung Erdnüsse? Die Tatsache, dass nun Jakobs Siegelring an Ottos Hand steckt, macht ihn reichich verdächtig. Thomas begibt sich auf Spurensuche und lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn er aus disziplinarischen Maßnahmen an eine Sonderschule versetzt wird und plötzlich ohne ein Zuhause dasteht, da Schillbach dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Schliesslich liegt Schillbach mitten im Braunkohlegebiet.


Trotz der sehr prekären Situation verliert Thomas nie seinen Humor und sein Lebenswille lässt ihn über sich hinaus wachsen. Mit dem Tod seines Bruders verändert sich sein ganzes Leben, die Kindheit ist schlagartig vorbei.


Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, Thomas' trockener Humor ist einfach zu herrlich und der Roman ist sehr flüssig geschrieben, garniert mit einigen philosophischen Überlegungen des Protagonisten. Dadurch schafft Gerhards eine besondere Nähe zu seiner Hauptfigur, die ich einfach ins Herz schliessen musste. Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Eigentlich hat Thomas nicht viel zu lachen, aber seinen Humor verliert er nie.


Für das gelungene Debut vergebe ich 4 Sterne.

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Rezension zu "Gott ist kein Zigarettenautomat" von Matthias Gerhards

Die Suche nach dem großen Plan
Literaturvor 5 Jahren


"Schweigen ist manchmal die einzige Möglichkeit, um die eigene Seele zu retten." (S. 103)
"Das Schlimmste war die Hoffnung. Das unausrottbare Gefühl, dass es einen Ausweg geben musste." (S. 128)
 
Der Debütroman "Gott ist kein Zigarettenautomat" beschreibt die Ausweglosigkeit, Resignation und Zukunftslosigkeit der Familie Sieben und ihrer Mitmenschen, bewegt sich stets zwischen sozialen Spannungsfeldern und vermittelt mit viel Feingefühl die daraus folgende Stimmung der Verwahrlosung, emotionaler Gleichgueltigkeit und Starrheit. Sprachlich bewegt sich der Roman zwischen nüchterner Deskription, provozierenden Bemerkungen, scharfsinnigen lebensphilosophischen Zwischentönen und kurzen gefühlvollen Anklängen. Das Theodizee-Motiv des Protagonisten, auf das bereits der Titel verweist, ist glaubhaft eingewebt in die empfunde Lebenskatastrophe des Protagonisten. Inhalt und Stil ergänzen sich sehr gut zu einem literarischen Kunstwerk, das nachdenklich stimmt und den Leser oft zunächst sprachlos zurücklässt. Der Roman erfordert Zeit, um das Gelesene zu verarbeiten.
Inhaltlich interessant, schockierend und berührend zugleich, sprachlich durch seine Vielseitigkeit an Nuancen und seine lebensnahe Metaphorik ein Genuss! Der Debütautor Matthias Gerhards verdient Beachtung im Genre der sozialdeskriptiven und sozialkritischen Literatur.

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martina400s avatar

Rezension zu "Gott ist kein Zigarettenautomat" von Matthias Gerhards

Gott ist kein Zigarettenautomat
martina400vor 5 Jahren

"Ich war nicht blöd. Aber meistens waren die Dinge in meinem Kopf irgendwie falsch angeordnet." S. 26

Inhalt:
Der 14-jährige thomas Sieben geht auf eine Hauptschule und gehört der unteren Sozialschicht an. Der Vater ist weg, die Mutter lebt in ihrer eigenen Welt vor dem Fernseher zwischen Trauer, Hilflosigkeit und Suff, sein Bruder treibt tot im Bach und nun ist er mit seienr Schwester auf sich allein gestellt. Er geht regelmäßig zur Schule, welche jedoch von der Rheinbraun AG schon für den Abbruch vorbereitet wird. So, wie der ganze Ort. Der Dorfpolizist "reißt sich bei seinen Ermittlungen keinen Haxn aus". Noch dazu leidet Thomas unter der im Ort ansässigen Skinnheadbande. Doch leicht unterkriegen lässt sich der Junge nicht.

Cover:
Das Cover, sowie der Titel, machen stutzig, Mit dem leuchtenden Geld sticht es sofort ins Auge, der Titel macht neugierig, ebenso die Essiggurke in einem halbleeren Glas. Es lässt viel Raum für Interpretationen wofür die Essiggurke steht, wie die Geschichte dem Titel gerecht wird und warum dennoch das Buch in einem sonnigen Gelb erstrahlt. Man möchte es in die Hand nehmen und wird sofort neugierig, worum es geht.

Meine persönliche Meinung:
Es ist ein Buch, das man nicht schnell mal für ein paar Minuten zur Hand nehmen kann. Die Geschichte berührt, man lässt sich auf den Schreibstil des Autors ein und lebt mit den Protagonisten mit. Thomas, der trotz mangelnder Erziehung ein guter Mensch geworden ist und wegen seines Fehlverhaltens einfach in die Sonderschule abgeschoben wird, Peter, der mit einer Behinderung lebt und doch das Wesentliche sehr wohl kapiert, die Mutter, die vor sich hin vegetiert, die Skinnheadgang, deren Hauptaufgabe es ist andere zu massakrieren ... allesamt starke Persönlichkeiten.
Die Geschichte spielt in einem Viertel sozial benachteiligter Menschen und so ist auch der Umgangston, die Erziehungsmethoden und logischerweise auch ganz andere Prioritäten im Leben. Thomas Mutter ist völlig neben der Spur, er kommt in eine Sonderschule, weil er mit seinem Verhalten der Gesellschaft nicht entspricht, sein Bruder wird ermordet, die Schwester haut ab und Thomas Bruchbude wird zugenagelt. Was soll man noch mehr sagen, als dass diese Geschichte berührt, noch lange nachhallt und den Leser zum Nachdenken anregt.
Als Draufgabe gibt es einen Soundtrack, mit genau passenden Liedern zum Buch, den man sich immer wieder zu Gemüte führt.

Fazit:
Ein berührender, musikalischer und erschütternder Debütroman, der zum Nachdenken anregt und das Erwachsenwerden beschleunigt.

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Gespräche aus der Community

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Matthias-Gerhardss avatar

Wer sagt denn, dass man über eine unglückliche Kindheit nicht lachen darf? 

Hallo Ihr Lieben,

ich möchte gerne eine Leserunde zu meinem Debütroman "Gott ist kein Zigarettenautomat" beginnen. 

Eigentlich wollte ich nur einen komischen Roman über das Erwachsenwerden in einem gottverlassenen Nest schreiben. Aber daraus ist nichts geworden. Schließlich habe ich nicht nur ein Buch über das Ende der Kindheit, sondern auch über den Untergang einer Familie und eines ganzen Dorfes geschrieben. 

Das klingt ziemlich traurig. Ist es auch. Aber trotzdem ist es vor allem ein komisches und ein hoffungsvolles Buch, auch wenn eine Beerdigung eine zentrale Rolle darin spielt. Ich finde nach 350 Seiten hat jeder Leser ein (mehr oder weniger)  glückliches Ende verdient. 

Jenseits aller Genregrenzen beschreibt "Gott ist kein Zigarettenautomat" eine Jugend in Deutschland unterhalb der Armutsschwelle. Dabei verbindet das Buch komische, poetische und tragische Momente zu einer wilden und unterhaltsamen Mischung. Ich finde Literatur muss rocken.

Der Knaus Verlag hat sich freundlicherweise bereit erklärt 10 Exemplare zu verlosen. Ich freue mich, wenn ihr euch bewerbt und werde wild und aktiv an der Leserunde teilnehmen. Die Gewinner sollten eine Rezension schreiben. Gerne dürft ihr auch neue Themen vorschlagen, um bestimmte Aspekte des Buches zu diskutieren. 

Zur Einstimmung noch ein paar Textpassagen:

Ich erinnere mich noch sehr klar an einen Gedanken, den ich in dieser Zeit mit mir herumtrug: Eigentlich sollte sich etwas verändern, wenn ein Mensch gestorben ist. Die Hunde sollten schweigen, der Himmel sollte sich verdunkeln, die Bäume sollten aufhören zu rauschen und alles sollte wenigstens ein bisschen langsamer und ein bisschen leiser werden. Aber nichts davon geschah, denn der Tod änderte nichts, er hinterließ nur eine Lücke. Es war, als hätte mir jemand einen Zahn gezogen, und meine Zunge konnte nicht aufhören, das zu betasten, was gar nicht mehr existierte.

...

Draußen steht Julia Helpenberg und will dir ihre Möse zeigen, wenn du ihr fünf Mark gibst.«
»Stimmt nicht! So was macht sie nicht«
»Woher willst du das wissen?«
»Hab sie schon gefragt.«
Gelegentlich gelang es ihm tatsächlich, mich zu überraschen.
»Also, wie geht’s jetzt weiter?«
»Ich geh nich weg!«
»Musst du auch nicht.«
»Doch. Das ganze Dorf kommt weg.«
»Das ist Quatsch. Du hast doch gehört, was dein Vater gesagt hat. Wir werden nicht abgebaggert.«
Peter sah auf den Boden und schüttelte den Kopf.

...

In einer komplizierten Welt kann es keinen einfachen Gott geben.

...

Im nächsten Augenblick geschah etwas, was alles veränderte. Es war eines jener Ereignisse, die uns vermuten lassen, dass wir in einem n-dimensionalen Universum in Hufeisenform lebten. Kurz und gut: Man weiß niemals was passieren wird und sollte sich mit voreiligen Schlüssen zurück halten. 

Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Matthias Gerhards wurde am 24. Mai 1968 in Haan (Düsseldorf) (Deutschland) geboren.

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