Marceline Loridan-Ivens

 4.6 Sterne bei 74 Bewertungen

Lebenslauf von Marceline Loridan-Ivens

Marceline Loridan-Ivens, 1928 als Marceline Rozenberg geboren, wurde im März 1944 mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie ist Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Sie lebte bis zu ihrem Tod am 18. September 2018 in Paris.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marceline Loridan-Ivens

Cover des Buches Und du bist nicht zurückgekommen (ISBN:9783518467664)

Und du bist nicht zurückgekommen

 (67)
Erschienen am 10.04.2017
Cover des Buches Und du bist nicht zurückgekommen (ISBN:9783862315956)

Und du bist nicht zurückgekommen

 (6)
Erschienen am 22.09.2015
Cover des Buches Ma vie balagan (ISBN:9782221106587)

Ma vie balagan

 (1)
Erschienen am 09.10.2008

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Rezension zu "Und du bist nicht zurückgekommen" von Marceline Loridan-Ivens

Und du bist nicht zurückgekommen - Rezension
artist_levor 10 Monaten

Aber im Grunde weiß ich nicht, was für ein Mann du gewesen wärst. Ich habe das Gefühl, dich nicht wirklich gekannt zu haben. Wir sind in dem Moment getrennt worden, als wir hätten anfangen können.“


Vor ein paar Jahren las ich die ersten Seiten eines Buches in einer Buchhandlung, die mich sofort beeindruckten, fesselten. Dann musste ich los, schaffte es nicht mehr das Buch mitzunehmen und verzweifelte die Tage darauf daran, mich an den Namen zu erinnern.
Umso größer war also meine Freude darüber, eben dieses Buch zuerst auf der Seite des Suhrkamp Verlags, und einige Tage später in meinem Briefkasten zu entdecken.

Der Titel lautet "Und du bist nicht zurückgekommen", geschrieben von Marceline Loridan-Ivens. Die französischsprachige Autorin entschloss sich 2015 im Alter von 87 Jahren, ihre Geschichte niederzuschreiben, das Buch sorgte daraufhin für viel Bewegung in Frankreich, auch hier löste es viel aus, gab Denkanstöße.
Es handelt sich bei den 111 Seiten um einen Brief von Marceline an ihren Vater, mit dem sie im März des Jahres 1944 deportiert wurde. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Mittlerweile trennt nur ein Bindestrich beide Lager, für die damals 15 Jahre alte Marceline schien ihr Vater jedoch unerreichbar. Bis er es schaffte, ihr über einen Boten einen Brief zukommen zu lassen, dessen Inhalt Marceline jedoch sofort vergaß, nachdem sie ihn las. Ihr ganzes Leben versucht sie, sich an seine Worte zu erinnern. „Mein liebes kleines Mädchen“, das, die Anrede ist ihr geblieben. Doch sie weiß, dass dieser Brief ihr damals Mut und Kraft gegeben hat und sie beschließt ihrem Vater nun, siebzig Jahre später zu antworten. In dem Wissen, dass dieser ihre Worte nie lesen wird.

Marceline erzählt von ihrem Leben vor ihrer Deportation in Auschwitz, ihr Leben mit ihrer Familie, besonders ihrem Vater, der ihr viel beibrachte, eine große und wichtige Rolle für sie spielte. Dann schreibt sie über ihr Ankunft im Konzentrationslager, ihr zusammentreffen mit Mengele, wie sie von ihrem Vater getrennt wurde. Sie erzählte von ihrem Überleben, den Preis den sie bezahlte, schreibt von Freundschaften die sie schloss, aber auch von Freunden die sie verlor.

Loridan-Ivens nimmt den Leser mit, zeigt ihm Fragen zur Schuld auf, versucht sich selbst zu positionieren, ihre Schuld und Verantwortlichkeit zu finden in dieser Hölle.
Lange Zeit weiß sie nicht wie es ihrem Vater geht, ob er noch lebt oder wie lange noch.
"Du wirst zurückkommen, du bist noch jung". Dieser Satz ihres Vaters verfolgt sie, bis zu ihrer Befreiung, ihr ganzes Leben lang.
Denn Marceline skizziert auch die Zeit nach dem Kriegsende, als sie wieder zurück zu ihrer Familie gebracht wird. Die Enttäuschung, mit der sie empfangen wird, als sie ohne ihren Vater zurückkehrt.

„Meine Rückkehr ist Synonym für deine Abwesenheit“

Mit diesem Buch thematisiert Marceline auch, das unvorstellbare, das schwer beschreibbare zurückfinden in das Leben bevor Auschwitz. Psychisch und physisch ist sie stark geschwächt, gibt sich das Versprechen, keine Kinder zu bekommen, weil sie sie in eine solche Welt nicht setzen mag.
Ihre Familie versteht nicht was sie überlebt hat, versteht ihre Ängste und ihre Wünsche nicht. Statt in einem Bett, auf dem harten Boden schlafen zu wollen. Sie scheinen, als wollten sie gar nicht hören, was sie erleben und durchleiden musste, als wollten sie gar nicht verstehen. Und so bleibt ihr Vater, in seiner Abwesenheit ihr einzig Verbündeter, ihr Tröster, ihre Konstante und ihr Weg zurück ins Leben. Zumindest zu kleinen, möglichen Teilen.
Später zieht Marceline dann mit ihrem zweiten Ehemann um die Welt, um Dokumentarfilme zu drehen, ist die Erste, die in Auschwitz zu Veröffentlichungszwecken filmen darf. Und nun, mit 87 Jahren hat sie sich dazu entschlossen ihre und die Geschichte ihres geliebten Vaters aufzuschreiben, ihm endlich zu antworten auf den Brief, an dessen Inhalt sie sich bis heute nicht erinnern kann, aber das muss sie vielleicht auch nicht. Sein Brief, das Wissen, dass er dort draußen war und für sie und zusammen mit ihr um sein Überleben kämpft gaben ihr Kraft.

Ich komme mir vor als wäre es unpassend, ja sogar anmaßend ein solch persönliches Buch zu bewerten und auf seine Sprache hin zu untersuchen.
Aber eben diese hat sich wunderbar parallel zu dem wichtigen und gewichtigen Inhalt verhalten. In einer unfassbar poetischen und sensiblen Sprache erzählt die Autorin uns von ihren persönlichsten Empfindungen und schreibt Sätze, die noch lange nachhallen. Weil sie so subtil, aber dennoch wortgewandt etwas derart Wichtiges aussagen. Man möchte sich Textpassagen markieren und sie mit allen teilen.

Diese Poesie in ihrer Sprache lässt den Leser auf einer ganz tiefgreifenden Ebene teilhaben, an ihrem Schmerz aber auch an ihrer bedingungslosen Liebe zu ihrem Vater. Ein Buch, dass mich sehr traurig machte, aber auch Mut lehrt.
Deswegen spreche ich eine große, laute Leseempfehlung aus, denn dieses Buch ist wichtig, das spürt man in jeder Zeile. Ich habe es gelesen ohne es aus der Hand zu legen, habe gelacht und geweint und als ich es zuschlug, informierte ich mich stundenlang über Marceline, las Interviews die sie gab und schaute Filme, bei denen sie mitwirkte. Leider las ich bei dieser Recherche auch, dass Marceline Loridan-Ivens im September diesen Jahres verstarb. Doch in ihrem Wirken, ihrer Lebensgestaltung und ihren Hinterlassenschaften bleibt sie definitiv im Gedächtnis der Menschen.
Dieser Brief lehrt eine Episode der Geschichte, nicht indem er Fakten präsentiert, sondern ein ganz individuelles Schicksal. Das Buch zeigt die Grauen und Schrecken dieser Zeit auf, und das in einer wundervollen, intensiven Sprache, die berührt.


»Wir werden hier Kostüme haben«. Ich klebte die Wörter der Zivisilation auf das, was uns erwartete, ich zog es der Stummheit vor, die dich und alle anderen befallen hatte. Ich leistete bereits Widerstand.“


Danke, Lieber Suhrkamp Verlag, für das Verlegen eines so großartigen Buches und dafür, dass ich die Möglichkeit hatte diese großartige Autorin durch ein Rezensionsexemplar von euch zu entdecken, wieder zu entdecken.

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Rezension zu "Und du bist nicht zurückgekommen" von Marceline Loridan-Ivens

Ein fesselndes und bewegendes Buch!
klaudia96vor einem Jahr

Inhalt

Marceline ist fünfzehn, als sie mit ihrem Vater nach Auschwitz-Birkenau gebracht wird. Nur wenige Kilometer trennen sie voneinander, doch die Distanz wird ihr Leben auf ewig verändern. Marceline kommt frei – doch ihren Vater sieht sie nie wieder. Sie lässt ihn zurück an dem Ort, der für die unmenschlichsten Kapitel der Geschichte steht. Ihr Leben lang versucht sie, sich an die letzte Nachricht ihres Vaters zu erinnern, seine Worte wieder in ihr Gedächtnis zu rufen, doch niemand wird jemals verstehen, wie viel Marceline tatsächlich zurückgelassen hat.

Meine Bewertung

„Und du bist nicht zurückgekommen“ ist eine Autobiografie, die völlig von meinen gewohnten Genres abweicht. Trotzdem finde ich es auch angesichts der Thematik wichtig, mich immer wieder an etwas anderes heranzuwagen, und dieses Buch schien mir das richtige dafür zu sein. Es ist erschreckend, aufrüttelnd und ruft uns ins Gedächtnis, wieso wir nie wieder solch dunkle Zeiten wie während des zweiten Weltkriegs zulassen dürfen – und vor allem ist es geprägt von so viel Liebe und Schmerz, dass man sie auf jeder Seite findet.

Die Autorin war fünfzehn Jahre alt, als sie aus Frankreich nach Birkenau deportiert wurde, um dort unter den menschenverachtenden Kommandos zu arbeiten. Kleider sortieren, Gräber schaufeln – Marceline hat in dem jungen Alter mehr Schrecken gesehen als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Ihr Vater war in Auschwitz, eigentlich nicht weit von ihr entfernt, und doch trennte sie zu viel. Der Brief, der sich durch die ganze Geschichte zieht, hat einen großen Einfluss auf Marcelines Leben. Ihr Vater hat ihn ihr übermitteln lassen, wofür sie beide alles hätten verlieren können. Und für Marceline steht fest: Ihr Leben gegen seins. Selbst als sie nach Hause kommt, erholt sie sich nicht mehr von den Schrecken, wird für immer auf der Suche nach ihrem Vater sein, der sein Leben lassen musste.

Es gibt kaum angemessene Worte, die dieses Buch beschreiben können. Ich wusste von Anfang an, worauf ich mich einlasse, aber es zu wissen und dann selbst zu erleben, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Ausführungen der Autorin waren ein ziemlicher Schock, auch wenn ich denke, dass wir das Thema in der Schule schon sehr weit und ausführlich abgehandelt haben. Trotzdem sind solche Berichte Überlebender der Konzentrationslager nichts für schwache Nerven. Ich hatte ein ganz ungutes Gefühl im Bauch und habe selbst gemerkt, wie ich versucht habe, eine innere Distanz dazu aufzubauen, um nicht zu tief in die Gefühlswelt der jungen Marceline abzurutschen. Ihre Schilderungen haben mich sehr mitgenommen und werden mir wahrscheinlich noch lange Kopfzerbrechen bereiten.

Was für mich aber noch heftiger war, war der krasse Gegensatz der Gefühle in diesem Buch. Um alles zu verarbeiten, musste auch die Autorin eine gewisse Barriere um sich herum aufbauen und sich gefühlsmäßig abschotten. Sie hat die Worte vergessen, die ihr Vater ihr in einem Brief schrieb – und das trägt sie ihr Leben lang mit sich. Selbst ihre zweite Ehe hat Parallelen zu ihrem Vater. Sein Tod nimmt sie spürbar mit und das Aufarbeiten seines Lebens beschäftigt sie. Diese Liebe inmitten der Kühle, Distanz und der Fassungslosigkeit in Anbetracht der Unmenschlichkeiten war für mich sehr aufrüttelnd und irgendwo auch spannend zu lesen. Während ihre Familie vieles totschweigt und möchte, dass Marceline normal weiterlebt, kann sie es umso schwerer verarbeiten. Ihr Vater hätte ihr helfen können, haben sie doch die gleichen Erfahrungen geteilt – aber er kommt nicht mehr zurück.

„Und du bist nicht zurückgekommen“ ist ein Buch, das nachdenklich und sehr traurig stimmt. Gleichzeitig halte ich es für unglaublich wichtig, dass wir alle uns als Gesellschaft mit der Historie befassen und dabei auch Zeitzeugen sprechen lassen. Vor allem die, die so viel Leid davongetragen haben: Ihre Stimmen sind wichtig und sollten gehört werden, damit wir niemals wieder in eine solch dunkle Zeit abrutschen können. Marceline Loridan-Ivens hat hier ein eindrucksvolles Werk hinterlassen, dessen Stimme weithin gehört werden sollte.

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Rezension zu "Und du bist nicht zurückgekommen" von Marceline Loridan-Ivens

Und du bist nicht zurückgekommen
lenisveavor 2 Jahren

D: 10,00 € A: 10,30 € CH: 14,90 sFr Erschienen: 10.04.2017 suhrkamp taschenbuch 4766, Taschenbuch, 109 Seiten ISBN: 978-3-518-46766-4 Zum Buch: http://www.suhrkamp.de/buecher/und_du_bist_nicht_zurueckgekommen-marceline_loridan-ivens_46766.html Inhalt Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater ins Lager kommt. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird. Einen Brief, in dem sie das Unaussprechliche zu sagen versucht: Nur drei Kilometer sind sie voneinander entfernt, zwischen ihnen die Gaskammern, der Hass, die ständige Ungewissheit, was geschieht mit dem anderen? Einmal gelingt es dem Vater, ihr eine kleine Botschaft auf einem Zettel zu übermitteln. Aber sie vergisst die Worte sofort – und wird ein Leben lang versuchen, die zerbrochene Erinnerung wieder zusammenzufügen. Marceline Loridan-Ivens schreibt über diese Ereignisse und über ihre unmögliche Heimkehr, sie schreibt über ihr Leben nach dem Tod, das gebrochene Weiterleben in einer Welt, die nichts von dem hören will, was sie erfahren und erlitten hat. Und über das allmähliche Gewahrwerden, dass die Familie ihren Vater dringender gebraucht hätte als sie: »Mein Leben gegen deines.« Und du bist nicht zurückgekommen ist eine herzzerreißende Liebeserklärung, ein erzählerisches Meisterwerk, ein einzigartiges Zeugnis von eindringlicher moralischer Klarheit – das wohl letzte Zeugnis seiner Art. Meine Meinung: Ich bin auf dieses Buch durch eine Rezension aufmerksam geworden. Freundlicherweise wurde mir das Buch vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, welches allerdings ein anderes Aussehen hat als das obige Cover. Das obige Cover gefällt mir wesentlich besser. Die Autorin erzählt von ihren eigenen Erlebnissen im 2. Weltkrieg, als sie zusammen mit ihrem Vater ins Lager kommt. Sie sollen sich bald darauf leider niemals wiedersehen. Sie beschreibt sehr eindrücklich ihre Gefühle, die sie damals und auch heute noch hat. Man hat ihr deutlich anmerken können, wie stark sie diese Zeit für ihr ganzes weiteres Leben, welches zum Glück noch lange anhielt und es immer noch tut, geprägt hat. Dieses Buch ist ein wichtiges Zeitdokument, welches wohl nie seine Aktualität und Wichtigkeit verliert. Ich bin der Meinung, dass eine Zeitzeugin es viel nachdrücklicher schildern kann als ein Schriftsteller, dem aufgrund seines jungen Alters nur die Recherche bleibt. Man hat einfach bei jedem Wort gespürt, dass es ihre eigene Lebensgeschichte darstellt. Vielleicht wäre es sogar gut als Schullektüre im Geschichtsunterricht geeignet. Alles in allem hat mir dieses autobiographische Buch sehr gut gefallen. Ich kann hier eine klare Kauf- und Leseempfehlung für alle Leser geben, die sich ein wenig mit Zeitgeschichte befassen möchten. Von mir bekommt das Buch 4 Sterne.

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Cover des Buches Und du bist nicht zurückgekommen (ISBN:undefined)
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