Dietrich Garstka

 4.1 Sterne bei 15 Bewertungen

Lebenslauf von Dietrich Garstka

Dietrich Garstka, geboren 1939, studierte Germanistik, Soziologie und Geographie in Köln und Bochum und war Gymnasiallehrer in Essen und Krefeld.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dietrich Garstka

Cover des Buches Das schweigende Klassenzimmer9783548377599

Das schweigende Klassenzimmer

 (15)
Erschienen am 09.02.2018

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Rezension zu "Das schweigende Klassenzimmer" von Dietrich Garstka

Eine wahre Geschichte über Mut, Zusammenhalt und den Kalten Krieg
Meischenvor einem Jahr

Als ich in der Presse über dieses Buch gelesen habe, bin ich direkt sehr neugierig geworden, denn der Autor war Anfang der 90er mein Lehrer an der Alfred-Krupp-Schule in Essen. Ich wusste bis dato gar nicht, dass er in seiner Jugend so einschneidende Erlebnisse hatte. Er schildert in seinem Buch die Ereignisse um seine Schulklasse, ein Jahr vor dem Abitur, im November 1956 in der DDR. Nachdem die Klasse eine spontane Schweigeminute für die Opfer der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes abgehalten hat, kommt ein politischer Apparat in Gange, der am Ende dazu führt, dass die gesamte Klasse vom Abitur ausgeschlossen wird und viele der Schüler nach West-Berlin fliehen. Das ganze ist packend und interessant geschrieben und macht nachdenklich. Empfehlenswert!

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Rezension zu "Das schweigende Klassenzimmer" von Dietrich Garstka

Eine wahre Geschichte über Mut und Zusammenhalt in der DDR der 50er Jahre
markus1708vor 2 Jahren

November 1956, in Ungarn erhebt sich gerade das Volk gegen die russische Besatzungsmacht. Währenddessen bereitet sich in der damaligen DDR, in Storkow, einem kleinen Ort östlich von Berlin, eine 12. Klasse auf die Abiturprüfungen in einem halben Jahr vor. Man hört verbotenerweise RIAS, den Rundfunk im amerikanischen Sektor, und darin die Nachricht, das zu Gedenkminuten aufgerufen wird, als Zeichen der Solidarität. Spontan beschließen die Schüler: das machen wir auch! Der nächste Lehrer betritt den Klassenraum, stellt Fragen, keiner antwortet. Fünf quälende Minuten lang. Danach geht erst einmal alles weiter seinen Gang, aber die Obrigkeit ist informiert worden, und die schlägt mit unerbittlicher Härte zurück. Von Konterrevolution ist die Rede, von Verrat am Sozialismus. Man will den Initiator ermitteln um an ihm ein Exempel zu statuieren. Doch die Klasse hält zusammen, schweigt, keiner verrät den anderen. Und so eskaliert die Geschichte immer weiter, bis dass die komplette Klasse der Schule verwiesen wird und kein Abitur in der DDR mehr machen darf. Bis auf vier Klassenkameradinnen beschließen daher alle, über die damals noch offene Grenze nach West-Berlin zu fliehen um dort ihr Glück zu suchen. Dafür müssen sie alles aufgeben: Familie, Freunde und Freundinnen, die vertraute Heimat. Und während die Geschichte in der DDR totgeschwiegen wird, schlägt sie im Westen hohe Wellen, die Medien stürzen sich auf die Geschichte und berichten umfangreich über die sensationelle Flucht einer fast vollständigen Schulklasse.

Mit dem Abstand von ein paar Jahrzehnten beleuchtet Dietrich Garstka, einer der damals geflüchteten Schüler, die Ereignisse von damals. Er spricht mit ehemaligen Mitschülern und Lehreren, zitiert umfangreich aus den Akten die damals angelegt wurden. Und wirft somit einen manchmal melancholischen, immer aber sehr berührenden Blick zurück auf eine Zeit, die das Leben der Klasse sprichwörtlich auf den Kopf gestellt hat. Das Buch ist eine Lehrstunde über das Leben in einer Diktatur, über Zusammenhalt und füreinander einstehen. Es ist auch für uns, die wir in einer Demokratie leben dürfen, immer noch wichtig zu lesen, denn es zeigt auf, was alles auf dem Spiel stehen kann wenn man sich nicht so verhält wie die Obrigkeit es wünscht und dafür bestraft zu werden droht. Es gibt aktuell Länder in Europa, in denen ich mir auch heute ähnliches sehr gut vorstellen kann. Leider. Für mich satte fünf von fünf Sterne.

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Rezension zu "Das schweigende Klassenzimmer" von Dietrich Garstka

Beklemmender Aufruf zum Schutz der Meinungsfreiheit
Sigismundvor 2 Jahren

Einen erschütternden Bericht über die Willkür eines totalitären und menschenverachtenden Regimes lieferte der in der Mark Brandenburg aufgewachsene Autor Dietrich Garstka (1939-2018) mit seinem 2006 erstmals veröffentlichten und seitdem mehrfach neu aufgelegten Buch „Das schweigende Klassenzimmer“. Zur Uraufführung des gleichnamigen Films auf der diesjährigen Berlinale erschien im Februar eine aktuelle Taschenbuch-Neuausgabe beim Ullstein-Verlag.
Garstka berichtet in seiner sorgfältig recherchierten Dokumentation aus eigenem Erleben, der Sichtung amtlicher Unterlagen und den Erinnerungen vieler Beteiligter in der Nach-Wende-Zeit über die Erlebnisse einer Abiturklasse, der er selbst als Schüler angehörte, im November 1956 im märkischen Storkow.
Auf die Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes reagierten die angehenden Abiturienten damals zu Beginn einer Unterrichtsstunde spontan mit einer Schweigeminute. Die für diesen DDR-Bezirk zuständigen Parteifunktionäre suchten deren Rädelsführer vergeblich. Sogar der DDR-Bildungsminister schaltete sich ein, um die Verantwortlichen zu ermitteln, und machte den Vorgang zu seiner persönlichen Angelegenheit. Doch trotz aller Drohungen und Erpressungen hielten Schüler und Eltern zusammen. Sogar die Drohung, das Gymnasium verlassen zu müssen und auf keinem DDR-Gymnasium das Abitur machen zu dürfen, damit sich den beruflichen Lebensweg zu verbauen, schüchterte die Schüler nicht ein, sondern schweißte die Abiturienten sogar noch enger zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen.
Bald kam der Plan zur Flucht nach West-Berlin auf, was damals - zur Zeit vor dem Mauerbau - noch mit dem Übergang von Ost- nach West-Berlin am Bahnhof Friedrichstraße vergleichsweise leicht möglich war. Das gegenseitige Vertrauen unter den Schülern und deren Eltern war so stark, dass sogar Mitschülerinnen, die die DDR nicht verlassen wollten, die Fluchtpläne ihrer Klassenkameraden trotz möglicher Repressalien geheim hielten. Nachdem allen 16 fluchtwilligen Abiturienten der Übergang nach West-Berlin und anschließend in die Bundesrepublik gelungen war, machten sie als Klassengemeinschaft im Westen ihr Abitur.
Der Autor Dietrich Garstka, der zu den Wortführern der Gruppe gehörte und als Erster geflohen war, gibt in seiner Dokumentation einen eindrucksvollen Bericht über den Alltag und das Zusammenleben in der DDR zur Zeit des Kalten Krieges, als Partei und Staatssicherheit meinten, den noch jungen Sozialismus gegen die Gefährdungen des westlichen Kapitalismus verteidigen und in allen Kritikern nur Staatsfeinde erkennen zu müssen. Garstka schildert die Dramatik der Geschehnisse in ihren Einzelheiten sowohl durch Wiedergabe offizieller Protokolle als auch durch Erlebnisberichte der Schüler, ihrer Eltern und der damaligen Lehrer. Es ist ein dramatischer Bericht über die Wirklichkeit der DDR-Diktatur in jenen Jahren, die nicht mit dem Jahrzehnt vor der Wende vergleichbar ist.
Gerade deshalb ist diese authentische Dokumentation ehemals junger Menschen, die sowohl die DDR in ihren Anfängen als auch später als Erwachsene die Bundesrepublik kannten, eine spannende, beklemmende und informative Lektüre nicht nur für Erwachsene. Dieses Buch ist vor allem Heranwachsenden zu empfehlen, die nur die Jahre nach der Wiedervereinigung kennen und für die die DDR nur Geschichte ist. Aus dieser Lektüre erfährt man vieles hautnah über die Willkür der DDR und vergleichbarer totalitärer Systeme.
In heutiger Zeit kommt die Neuauflage dieses Buches gerade recht: Auch wenn unsere Demokratie gelegentlich fehlerhaft sein oder Schwächen aufzeigen mag, lehrt uns dieses Buch doch immerhin, dass es lohnt, unsere demokratischen Freiheiten zu schätzen, was den Abiturienten von Storkow damals und den DDR-Bürgern in späteren Jahrzehnten niemals vergönnt war und von ihnen - damals wie 1989 - nur unter Repressalien und Entbehrungen, unter Verzicht auf Familie und Heimat erkämpft werden musste. Garstkas Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ ist keineswegs eine Abrechnung mit der DDR, sondern sein Aufruf, die Freiheit des Denkens und die Würde des einzelnen Menschen zu schützen, für deren Erhalt sich mutig und unerschütterlich einzusetzen.

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