Jill Alexander Essbaum

 4 Sterne bei 25 Bewertungen
Autorin von Hausfrau, Hausfrau und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jill Alexander Essbaum

Die Dichterin und Autorin Jill Alexander Essbaum wurde 1971 in Texas, wo sie auch heute lebt, geboren. Sie hat mehrere Gedichtbände verfasst und an Lyrikanthologien mitgewirkt. Ihr Debütroman "Hausfrau" erscheint im September 2015 bei Eichborn.

Alle Bücher von Jill Alexander Essbaum

Jill Alexander EssbaumHausfrau
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Hausfrau
Hausfrau
 (23)
Erschienen am 11.11.2016
Jill Alexander EssbaumHausfrau
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Hausfrau
Hausfrau
 (1)
Erschienen am 16.09.2016
Jill Alexander EssbaumHausfrau
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Hausfrau
Hausfrau
 (1)
Erschienen am 24.03.2015
Jill Alexander EssbaumHausfrau
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Hausfrau
Hausfrau
 (0)
Erschienen am 17.03.2015

Neue Rezensionen zu Jill Alexander Essbaum

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Rezension zu "Hausfrau" von Jill Alexander Essbaum

Die tragische Geschichte einer Ehefrau
Funkpetervor 2 Jahren

Die Geschichte der Anna und ihrer Familie, ihre Sorgen und Nöte und ihr Leben – oder besser gesagt ihr Leiden im Speziellen –, all das hätte die amerikanische Autorin Jill Alexander Essbaum nicht besser beschreiben können: Das Buch und alles, was Essbaum in die über 300 Seiten voller Spannung, Erotik, Erfahrungen, Höhen und Tiefen dieser Mittdreißigerin in die Schweiz zugereisten Amerikanerin gepresst hat, spricht sicherlich so manchen Lesenden direkt, oft unvermittelt und nachhaltig an. Und gerade das macht dieses literarische Werk so faszinierend, ja einmalig. Es macht betroffen, lässt mitfühlen, und die Leserin oder den Leser bisweilen auch zu intensiv an dieser Geschichte teilhaben. Wer glaubt, es möge sich noch alles zum Guten wenden für Anna, für Ihre Familie überhaupt, der wird enttäuscht. An ein Happy End ist gar nicht zu denken, je weiter die Geschichte fortschreitet. Es kommt eben anders und ist vorhersehbar, dass etwas zwangsläufig eskalieren wird. Die „Bösen“ werden bezahlen – notfalls mit ihrem Leben oder ihrer Freiheit; die Anständigen gefeiert. Und Bruno, der Ehemann von Anna, ist der Anständige, der alles richtig macht und in seiner Naivität mehr oder weniger in sich gefangen ist und glaubt, ein guter Ehemann für Anna zu sein. Obwohl Anna noch nicht mal über ein eigenes Bankkonto verfügt. Zu den „Anständigen“ gehören alle anderen, die sich  letztlich vergeblich um das Wohl von Anna gekümmert haben. Ob sie es ernsthaft meinten oder nicht, sei dahingestellt. Einige von ihnen hätten sich nichts sehnlicher gewünscht, als mit Anna eine Affäre zu haben, auch wenn sie wussten, dass sie verheiratet war…

Die tragische Geschichte von Anna und ihrer Familie bedient dann doch einige Klischees, ist normentreu und macht mehrfach deutlich, wie Frau und Mann funktionieren oder zu funktionieren haben. Frauen haben nicht fremd zu gehen, sie haben sich um ihre Familie zu kümmern und „anständig“ zu sein, sie haben die Aufgaben zu erfüllen, die ihnen übertragen worden sind und ihre eigenen Emotionen, Bedürfnisse und Nöte hinten an zu stellen. Schließlich gilt es zu funktionieren und dem Ernährer allzeit zur Verfügung zu stehen. Das Aktionsfeld der Frau ist klar umrissen, man(n) zeigt ihr deutliche Grenzen, die sie tunlichst nicht überschreiten sollte, wie die Geschichte über Anna uns lehrt. Haben es da die Männer nicht etwas einfacher? Gilt es nicht als männertypisch, hier und da mal fremd zu gehen, der Ehefrau alle Illusionen zu nehmen – natürlich unausgesprochen, dass sie im Verbund der Ehe nicht allein existiert, ganz der Tradition verpflichtet? Freudenhäuser sind für Männer da. Frauen sind die Dienstleisterinnen und nicht umgekehrt. Das hat Tradition. Die Rollenverteilung ist klar.

Und Jill Alexander Essbaum hat mit diesem Roman genau diese Klischees bedient, hat sich brav an diese Konventionen gehalten und letztlich die sonst so liebe und um Zärtlichkeiten, Nähe, Wärme, Zuneigung und Geborgenheit buhlende Anna alternativlos und in höchster Verzweiflung zwischen die Schienen gestellt und ihrem Schicksal und somit ihr Leben einem im Tunnel herannahenden Zug überlassen. Da konnten auch keine regelmäßigen belehrenden Gespräche mit einer Therapeutin helfen.

So einfach ist es, ein Problem schreiberisch zu lösen, wenn jemand sich außerhalb der Normen bewegt, auch wenn er unendlich verzweifelt ist und auf Hilfe angewiesen ist ….

Eine schriftstellerische Meisterleistung hat Jill Alexander Essbaum da abgeliefert, eine verdammt gute Geschichte, die letztlich für jeden von uns etwas zu bieten hat – ob dem Lesenden es passt oder nicht!

Ein Buch, das man vielleicht nicht lesen sollte? Aber das unbedingt zu empfehlen ist!

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Callsos avatar

Rezension zu "Hausfrau" von Jill Alexander Essbaum

Einsamkeit trotz Familie - eine Tragödie aus der Schweiz in verschiedenen Akten
Callsovor 2 Jahren


Oh ja, dieses Buch hinterlässt Spuren.

Eine Tragödie, ein Buch über eine schwache Frau in einem Land, das voller starker Menschen so aufgeräumt und so scheinbar blitzblank wirkt.

Mitunter ganz schön harter Tobak, was die US-Autorin Jill Alexander Essbaum in ihrem Roman "Hausfrau" fabriziert hat. Es geht um echte und falsche Gefühle, um Unsicherheit, um Angst, um Ausbruch und um das sehr lange Fremdsein im neuen, fremden Land. Es geht um Sex, weniger um Liebe, es geht um das Familienleben, mal glücklich, doch zumeist eher unterkühlt.

Ein Buch mit einer ganz hohen Intensität. Zugleich ein Werk mit viel Intimität, mit viel Gefühl, aber zugleich auch viel Kälte.

Anna lebt als ursprüngliche US-Amerikanerin seit neun Jahren in Schweiz, aber kann sich mit Land und Leuten schwerlich anfreunden. Mit dem unterkühlten Ehemann und Banker Bruno hat sie drei kleine Kinder. Das Glück der Familie könnte vollkommener nicht sein, wäre da nicht die große Unzufriedenheit von Anna. Sie ist depressiv, eine Einzelgängerin und in intensiver psychischer Behandlung. Ihr Fluchtpunkt sind außereheliche Partner. Ihre Suche und Sucht nach Sex führt zeitweise zu zwei Liebhabern zeitgleich. Doch dann ereignet sich in der Familie die große Katastrophe.

Ein moderner Roman, der manchmal ein klein wenig zerhackt und und zerstückelt daherkommt. Manchmal setzt die Autorin in kurzen Passagen kleinere Stolpersteine. Gleichwohl klebt man an der Story, an der Entwicklung dieser schwachen Anna, die immer mehr taumelt und sich treiben lässt. Sie schläft unruhig, zugleich werden wir beim Lesen und Umblättern immer unruhiger.

Ein feines Stückchen Literatur, nicht immer ganz leicht zu verdauen, aber eben intensiv, spannend und dramatisch. Zudem ein Werk, das nachdenklich stimmt und betroffen macht.

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Cambridges avatar

Rezension zu "Hausfrau" von Jill Alexander Essbaum

Die innerer Leere
Cambridgevor 3 Jahren

Das Buch würde besser "Ehefrau" heißen anstatt "Hausfrau", denn Anna sagt von sich selber, das sie eine gute Ehefrau ist. Meistens jedenfalls. Zwar ist sie strenggenommen eine Hausfrau, da sie keinen Job hat und zu Hause bei den Kindern ist, aber es geht eher um sie als Frau, als Ehefrau.

Anna ist Amerikanerin. Sie hat den Schweizer Bruno geheiratet und ist ihm nach Zürich gefolgt. Dort haben sie inzwischen 3 Kinder. Fast 10 Jahre ist sie in der Schweiz, aber sie fühlt sich immer noch fremd, spricht kaum die Sprache. Aber diese Isolation ist selbstgewählt. Anna hat Probleme mit sich selber, sie ist lieber allein als mit anderen zusammen. Ihrem Mann hat sie sich auch entfremdet. Und Anna geht fremd. Sobald sich die Gelegenheit ergibt. Sie ist ein extrem passiver Mensch, und sie mag es, gewollt zu werden. Wenn also ein Mann sie will, dann gibt sie nach. Sie füllt die Leere in sich mit Sex. Kein romantisches Liebemachen sondern Sex. Die Autorin findet dafür kalte und klinische Worte. Die Sexszenen sind drastisch, aber nicht zu plakativ. Vor allem sind sie gefühlsarm, kalt, hart. Man merkt, das sie für Anna nur Füllmaterial für ihr als leer wahrgenommenes Leben sind. Manche Menschen füllen ihre innere Leere mit Essen, andere mit Shoppen. Anna füllt es mit Sex. Einmal. das gab es jemanden. Da dachte sie, es wäre anders. Sie hegt diese Erinnerung tief in sich drin, aber sie trägt dazu bei, das sich Anna so leer und traurig fühlt.

Mich hatte das Buch von dem ersten Satz gleich abgeholt. Die Autorin hat einen sehr eigenen Schreibstil. Mir hat er unglaublich gut gefallen. Sie findet ungewöhnliche Metaphern, ungewöhnliche Vergleiche. Anna nimmt dann doch endlich an einem Deutschkurs teil. Die Regeln der deutschen Sprache finden sogleich Widerhall in Annas Leben. Das ist geschickt gemacht. Immer wieder sind auch die Gespräche mit Annas Therapeutin eingestreut. Annas Mann Bruno hat sie zu dieser Behandlung geschickt. Denn das Anna Probleme hat, ist ihm bewusst. Man sieht die Handlung nur aus Annas Sicht, deswegen sieht man sie nie von außen. Aber schon bald wird klar, das Anna schon länger unter Depressionen litt.

Anna ist eine schwierige Figur. Sie ist verwöhnt und selbstmitleidig. Sie tut sich selber leid, sie fühlt sich so unendlich einsam. Ihr Mann Bruno kommt auch nicht sehr sympathisch rüber, aber man sieht ihn nur durch Annas subjektive Augen. Ich habe mir gedacht, das er wohl schon viel von Annas Launen und Gemütsschwankungen ertragen haben muss. Anna ist viel unterwegs, um ihre Kinder scheint sie sich recht wenig zu kümmern. Die verbringen viel Zeit bei Brunos Mutter, die recht wenig Verständnis für Anna aufbringt. Anna geht von ihrem Deutschkurs direkt zu ihrem Liebhaber, mit dem sie den ganzen Nachmittag verbringt. Sie ist kaum zu Hause, strebt ständig davon, und wenn es nur zum Spazierengehen ist. Sie kann nicht schlafen und sitzt nachts auf einer Bank im Wald. So sehr Anna anstrengt und so sehr sie nervt, weil sie sich selber so leid tut, so sehr kann man aber auch ihr Elend, in dem sie sich selber bzw. ihre kranke Psyche gefangenhält, spüren. Sie hat immer mal guten Willen, will vorbildlich als Mutter und Ehefrau sein, nur um wieder an ihren eigenen Ansprüchen und ihrer Passivität zu scheitern. Ihre Leere, ihre empfundene Langeweile, bekommt sie nicht in den Griff. Insgesamt läuft es genau auf das Ende zu, das die Autorin dann auch so geschrieben hat.

"Hausfrau" sollte man nicht lesen, wenn man selber gerade in einer schlechten Phase ist. Es ist ein trauriges, dunkles, tragisches Buch. Es ist teilweise anstrengend, tritt auch mal in der Mitte auf der Stelle. Auf den ersten Blick erscheint es einfach wie ein Buch über eine gelangweilte Ehefrau in einem fremden Land. Aber unter der Oberfläche, in vielen kleinen Dingen, die so beschrieben werden, kann man den Abgrund ahnen. Ich sage ja immer, das ein Autor, wenn er gut schreiben kann, mir jede Story verkaufen kann. Und das ist hier gelungen. Mir hat der Schreibstil der Autorin so gut gefallen, das ich ihr diese nervige, anstrengende und tragische Figur der Anna abgenommen habe, die vielen klinischen Sexszenen gelesen habe ohne zu gähnen und mir Annas Familie, ihre Kinder, so unglaublich leid getan haben. "Hausfrau" ist ein Buch, wie ich es noch nie gelesen habe. Es mag nicht jedem gefallen, aber es ist sehr eigen, sehr düster, sehr drastisch und auch konsequent. Mir hat es dank des außergewöhnlich guten Schreibstils gut gefallen.

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