Éric Vuillard

 4.6 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Die Tagesordnung, Die Tagesordnung und weiteren Büchern.
Éric Vuillard

Lebenslauf von Éric Vuillard

Innovation und Schärfe: Der französische Autor und Filmemacher Éric Vuillard, wurde 1968 in Lyon geboren. Sein unstillbares Interesse an der Weltgeschichte wird deutlich, sobald man eines seiner erfolgreichen Werke, liest. Auf einer originellen Art und Weise, erzählt er bedeutende geschichtliche Ereignisse in kompakter Version neu. Literarische Mittel setzt er gezielt ein und begründet mit dieser genannten Vorgehensweisen ein Genre neu. "Die Tagesordung", für den er den Prix Goncourt bekam, ist eine zusammenfassende Darstellung der Machtübernahme Hitlers im Jahre 1933 bis zur Einverleibung Österreichs im Jahre 1938. Fünf Jahre in 124 Seiten zu packen ist für den talentierten Autor nicht unmöglich. Für seine Werke wurden ihm diverse renommierten Auszeichnungen, wie dem Prix de l’Inaperçu und dem Franz-Hessel-Preis, verliehen.

Neue Bücher

Ballade vom Abendland
Neu erschienen am 31.08.2018 als Taschenbuch bei Matthes & Seitz Berlin.
Kongo
Neu erschienen am 31.08.2018 als Taschenbuch bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von Éric Vuillard

Éric VuillardDie Tagesordnung
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Die Tagesordnung
Die Tagesordnung
 (14)
Erschienen am 28.03.2018
Éric VuillardDie Tagesordnung
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Die Tagesordnung
Die Tagesordnung
 (1)
Erschienen am 28.03.2018
Éric VuillardTraurigkeit der Erde
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Traurigkeit der Erde
Traurigkeit der Erde
 (0)
Erschienen am 02.06.2017
Éric VuillardKongo
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Kongo
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Erschienen am 31.08.2018
Éric VuillardBallade vom Abendland
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Ballade vom Abendland
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Erschienen am 31.08.2018
Éric VuillardDie Tagesordnung
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Die Tagesordnung
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 (0)
Erschienen am 29.03.2018
Éric VuillardL'ordre du jour
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L'ordre du jour
L'ordre du jour
 (1)
Erschienen am 03.05.2017

Neue Rezensionen zu Éric Vuillard

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Antigone8s avatar

Rezension zu "Die Tagesordnung" von Éric Vuillard

Brillante Literatur zu einem wichtigen Thema
Antigone8vor 2 Monaten

Éric Vuillard erzählt teils auf Tatsachen beruhend, teils fiktiv die Abläufe und Hintergründe, die zum Aufstieg des NS Regimes führten. Er bedient sich dabei eines scharfsinnigen Aufbaus und führt den Leser über einen Bogen von 16 kurzen Kapiteln vom Treffen deutscher Großindustrieller über das Treffen des österreichischen Kanzlers mit Hitler auf dem Berghof, den fast ausgefallenen Einmarsch der deutschen Truppen in Wien und die sich entwickelnden Gräuel wieder zurück zu den Männern, die nur allzu bereitwillig ihre Geldbeutel öffneten um die Nationalsozialisten zu unterstützen. Besonders beeindruckend ist dabei, dass Vuillard es trotz der Kürze des Buches schafft, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen und den Leser direkt in das Geschehen zu ziehen, was nicht zuletzt seiner großartigen Sprache zu verdanken ist. Besonders das ständige Hinterfragen von bekannten Bildern und Szenen, die jedem bekannt sind, der sich bereits mit der Thematik auseinandergesetzt hat, erschüttert den Leser. Dieses Aufdecken von Manipulationen, dieses Hinterfragen von Gesehenem, erschüttert besonders, macht es doch deutlich, dass viele Bilder, die wir mit diesem Teil der Geschichte verbinden, nichts weiter sind als Propagandamaterial. Ein sehr wichtiges, ein intelligentes und unbedingt lesenswertes Buch.

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Die Tagesordnung" von Éric Vuillard

Brillant
Buecherschmausvor 3 Monaten

2017 erhielt Éric Vuillard für sein schmales „L´ordre du jour“ den begehrten Prix Goncourt. Im Original trägt es die Gattungsbezeichnung „récit“, was nur etwas unzureichend mit „kurze Erzählung“ übersetzt werden kann, denn bei einer „Erzählung“ geht man in der Regel von einer fiktiven Geschichte aus. Aber: „On appelle récit tout texte racontant une histoire (un enchaînement d'événements) qu'elle soit fictive ou réelle.“ Also ein etwas weiter ausgelegter Begriff für „Erzählung“. Dennoch eher eine überraschende Entscheidung, werden doch für den „Goncourt“ meist episch breitere fiktionale Werke ausgewählt. Und hier nun das knapp über 100 Seiten starke doku-fiktionale Werk, das sich zudem noch mit deutscher Geschichte beschäftigt.
Nach dem großen, wenn auch nicht ganz unumstrittenen Erfolg in Frankreich erschien der Text nun auf Deutsch und hat auch hier ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Neben großer Begeisterung wurden auch Stimmen laut, die das Buch „ärgerlich“ fanden, ja sogar die Frage stellten, ob man das Erzählte denn wirklich so erzählen darf, wie es Vuillard tut.
Das hat natürlich mit dem Sujet des Textes zu tun. Éric Vuillard erzählt als nachgeborener Franzose (Jahrgang 1968) von der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs, von der Machtergreifung durch die Nazis und den vielen kleinen Rädchen, die ineinandergriffen und schließlich zu der großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts führten. Und er erzählt davon weder rein faktengetreu berichtend noch anhand von (fiktiven) Einzelschicksalen exemplarisch-empathisch, sondern er vermischt. Am ehesten ähnelt sein Verfahren (man nennt es mittlerweile bereits die Methode Vuillard, da er sie bereits in seinen vorhergehenden Texten angewandt hat) dem, was man in bestimmten TV-Formaten an Geschichte vermittelt bekommt (z.B. ZDF-History). (Zeit)historische Ereignisse werden an realen Personen und charakteristischen Momenten „erlebbar“ gemacht. Kondensierte Geschichte. Autor und Leser rücken ganz nah an die Ereignisse, spielen das berühmte „Mäuschen“ in prägnanten historischen Situationen. Und tatsächlich ist Éric Vuillard auch Filmemacher, ist sein Erzählen dadurch erkennbar geprägt.
Seine „Erzählung“ beginnt am 20. Februar 1933. Die Machtübergabe an Adolf Hitler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 liegt gerade drei Wochen zurück, die sie rechtfertigen sollende Reichstagswahl steht am 5. März unmittelbar bevor. Die NSDAP sucht Geldgeber, um den „Wahlkampf“ noch einmal zu intensivieren.
Im Palais des Reichtagspräsidenten treffen sich zu diesem Zweck am Abend des 20. Februar vierundzwanzig führende Männer aus Wirtschaft und Hochfinanz in aller Heimlichkeit. Gastgeber und Strippenzieher ist Adolf Hitler. Auf 13 Seiten wohnen wir als Leser bei Vuillard diesem Ballett der Eitelkeiten, Selbstgewissheiten und Überheblichkeiten bei. Einem Ballett, das lediglich das Präludium für ein entsetzliches Stück war, das die Herren meinten, dirigieren zu können, jene vierundzwanzig „Biedermänner“, die am Ende dort reglos verharren „wie vierundzwanzig Rechenmaschinen an den Toren zur Hölle“.
Éric Vuillard erklärt der Legende von der „Stunde Null“, des moralischen Neuanfangs nach dem Krieg, eine eindeutige Absage. Es sind die gleichen Größen der Wirtschaft, die auch heute noch das Sagen haben. Gustav Krupp, Wilhelm von Opel, Günther Quandt, Friedrich Flick, Hugo Stinnes und Ernst Tengelmann – ihre Firmen haben Drittes Reich und Krieg nahezu unbeschadet überstanden. Eine Strafverfolgung für ihre Aktivität zwischen 1933 und 1945 blieb nahezu aus.
Sicher, ein wenig Arroganz der Nachgeborenen, ein wenig Besserwisserei liegt in diesem Erzählansatz. Zumal der Autor nicht mit Spott, Häme, Sarkasmus und auch dem ein oder anderen nicht ganz gelungenen Witzchen auf die damaligen Ereignisse zurückschaut. Einige Kritiker warfen ihm auch seine moralische Empörung vor.
Sicher hatten die damals Handelnden nicht unsere Einsicht in die Entwicklungen. Aber auch mit dem heutigen Wissen muss man wertend auf die damalige Zeit blicken dürfen. Zumal es Éric Vuillard um die Alternativen geht, um die Handlungsspielräume, die es auch in vermeintlich „alternativlosen“ Situationen (wir begegnen dieser Vokabel gerade heute wieder viel zu häufig) gegeben hätte. Alternative Geschichte und, auch im Hinblick auf die Gegenwart, Frühwarnzeichen, die man hätte erkennen und entsprechen hätte handeln können.
Das Geheimtreffen vom Februar 1933 ist eine der geschilderten Episoden. Eine andere ist dem Besuch von Lord Halifax, dem damaligen Lord President of the Council und späteren britischen Außenminister, mit Chamberlain vehementestem Verfechter der Appeasement-Politik, 1937 in Deutschland gewidmet. Auch er, Gast von Hermann Göring und vermeintlich gefangen in seiner britischen Höflichkeit, gibt hier einerseits ein recht lächerliches Bild ab, andererseits wird auch seine teilweise recht positive Haltung gegenüber dem deutschen Regime deutlich.
„Nationalismus und Rassismus sind starke Kräfte, die ich jedoch weder als widernatürlich noch als unmoralisch erachte!“
so Halifax in einem Brief über das Treffen an Premierminister Stanley Baldwin.
Den umfangreichsten Teil des Buches widmet Vuillard dem „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich im Jahr 1938. Sowohl dem Treffen mit Kurt Schuschnigg im Februar in Berchtesgaden, bei dem er den österreichischen Kanzler erwartungsgemäß schlecht aussehen lässt, als auch den Ereignissen am Tage des Einmarsches (12. März), die in einem gigantischen Panzerstau an der Grenze mündeten, während das erwartungsvolle Volk an den Straßen Stunde um Stunde warten musste, widmet der Autor seine Aufmerksamkeit. Wie beim Abschiedsessen des bisherigen Londoner Botschafters Joachim von Ribbentrops, der zum Außenminister des Reichs ernannt wurde, spart Vuillard in diesen Nacherzählungen der Ereignisse nicht an beißendem Sarkasmus und Häme, ja sogar an slapstickartigen Momenten, was ihm einige Kritiker übel genommen haben. Aber gerade dieses Abrücken von gewohnten Sehweisen, von unzählige Male geschilderten Episoden der Geschichte, meist nur ein winziges Stückchen, das Zoomen auf skurrile Nebensächlichkeiten, auf Fußnoten der Ereignisse, machen das Unkonventionelle von Vuillards Geschichtserzählung aus. Der etwas andere Blick, brillant, prägnant und zugespitzt, eröffnet eine neue Sicht.
Dem Autor geht es sichtlich auch um eine Entmythologisierung der nationalsozialistischen Herrschaft. Ein anderer Weg der Geschichte wäre durchaus möglich gewesen. Aber:
„Die größten Katastrophen kommen oft auf leisen Sohlen.“
und
„Was an diesem Krieg verblüfft, ist der unerhörte Erfolg der Frechheit, der uns eines lehren sollte: Die Welt gehorcht dem Bluff. Selbst die seriöseste, steifste Welt, selbst die alte Ordnung, die sich niemals dem Anspruch der Gerechtigkeit beugt oder vor dem aufständischen Volk einknickt: Sie tut es vor dem Bluff.“
Große, geräuschvolle Inszenierungen, sogar für den ausländischen Geheimdienst gefakte Telefonate, die Propagandamaschine der NSDAP lief stets auf Hochtouren. Bis heute prägen die Bilder der Wochenschauen unseren Blick auf die Zeit und stehen den Panoramen der großen Illusionsfabrik Hollywood in nichts nach.
Éric Vuillard hält diesen ablaufenden Film für prägnante „Stills“ an, zoomt hinein, hält sich an dekorativen Details fest und öffnet gerade dadurch den Blick für das Ganze. Er malt aus, ergänzt essayistisch, kommentiert, ätzt. Sicher, auch ich zucke zusammen, wenn er die Teilnehmer der Münchner Konferenz 1938, die die Tschechoslowakei „verhökerten“, als „Butzemänner“ bezeichnet. Wenn er von den Wiener Gaswerken erzählt, die kurzerhand ihren jüdischen Kunden das Gas abgestellt haben, nachdem deren Verbrauch kurz vor dem Anschluss dramatisch angestiegen war.
Aber Éric Vuillard will die Irritation, die historische Verunsicherung. Er will deutlich machen, eine andere Geschichte wäre möglich gewesen. Ja, er will auch ein Lehrstück abliefern, eine Warnung an uns heute.
„Die größten Katastrophen kommen oft auf leisen Sohlen.“
Das mag man anmaßend nennen. Ich finde es notwendig, erhellend, sprachlich brillant.

Kommentare: 1
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Stephan59s avatar

Rezension zu "Die Tagesordnung" von Éric Vuillard

ein Beispiel für das Zusammengehen von Machtstreben und Gier
Stephan59vor 3 Monaten

20. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten.
Natürlich war der Autor bei den Geheimtreffen der deutschen Wirtschaftsführer mit Hitler 1933 nicht dabei, vorwerfen könnte man ihm, hinterher sind wir ja alle schlauer, weil er mit dem heutigen Wissen über die damaligen Ereignisse und den wissenschaftlich aufgearbeiteten Hintergrundinformationen einen Fundus an Material zur Verfügung hatte, aus dem er schöpfen konnte. Dass die handelnden Personen entsprechend psychologisiert werden, dient ja auch dazu diese Fiktion, die auf wahren Begebenheiten beruht, glaubwürdig und realitätsnah auszugestalten. Aber darum geht es ja auch nicht. Am Beispiel der damaligen Ereignisse und der willfährigen Unterstützung der Nazis und ihrer Großmannssucht, einschließlich des "Verbrauchs" von Sklavenarbeitern, ergo Menschen (!) in den in die KZs integrierten Fabriken der deutschen Großindustrie, geht es doch um etwas Grundsätzliches, das sich, bei allem Erschrecken über die damaligen Geschehnisse, die die Menschheit für immer im Gedächtnis behalten sollte, in unseren Köpfen festsetzen sollte: Macht korrumpiert und wirtschaftliche Gier stellt jedwede humanitäre Regung hintenan. Eine Lehre der Geschichte, die wir uns auch heute gut merken sollten.

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Éric Vuillard wurde am 04. Mai 1968 in Lyon (Frankreich) geboren.

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