Ronan Farrow

 4.8 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Ronan Farrow

Ronan Farrow, geboren 1987, ist Anwalt, Journalist, Buchautor und ehemaliger Berater der US-Regierung. Er ist Autor der Zeitschrift The New Yorker. Für seine Berichte über den Weinstein-Skandal erhielt er den Pulitzer Preis. Zuvor arbeitete der Sohn von Mia Farrow und Woody Allen als Moderator und Investigativjournalist für die Sender MSNBC und NBC, daneben als Autor für das Wall Street Journal, die Los Angeles Times und die Washington Post. Vor seiner journalistischen Karriere war er als Diplomat des US-Außenministeriums in Afghanistan und Pakistan tätig. Das Time Magazine nahm ihn in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt auf. Farrow verließ die Schule mit elf Jahren und schloss sein erstes Studium mit 15 ab. Er hat an der Yale Law School studiert und kürzlich als Rhodes Scholar an der Oxford University in Politikwissenschaften promoviert. Er lebt in New York. Bei Rowohlt erschien 2018 von ihm bereits: Das Ende der Diplomatie. Warum der Wandel der amerikanischen Außenpolitik für die Welt so gefährlich ist.

Quelle: Verlag / vlb

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Rezension zu "Durchbruch" von Ronan Farrow

Ein Netzwerk der Einschüchterung
HansDurrervor 2 Monaten

Wir leben in einer Gehorsamkeitskultur und diese basiert auf Angst. Dazu kommt, dass der Mensch die Dinge lieber nicht so genau wissen will. Sicher, die Wahrheit macht frei, doch entgegen seinen Beteuerungen, will der Mensch lieber nicht frei sein, denn das bedeutete auch, selbstverantwortlich zu leben – und auch das wollen die wenigsten. Man sollte nicht darauf abstellen, was Menschen sagen, sondern was sie tun.

Auch Ronan Farrow, dem Sohn von Mia Farrow und Woody Allen, fällt es schwer bei sich selber genau hinzuschauen. Über den angeblichen Missbrauch seiner Schwester Dylan durch seinen Vater (der diesen bestreitet), schrieb er erst nach Jahren des Vermeidens einen Leitartikel, auch in der Hoffnung, dass dies damit erledigt sein würde. „Das ist nie erledigt“, meinte Rose McGowan, eines der Weinstein-Opfer.

Dass der Filmproduzent Harvey Weinstein übergriffig war, wussten alle. Etwas dagegen gesagt hat niemand. Das ist typisch für den Menschen (nicht nur für Frauen und nicht nur im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung), der vor der Macht kuscht. Aus gutem Grund, werden viele sagen, doch nicht zu schweigen ist besser, verlangt allerdings viel Mut, denn wer aus der Reihe tanzt, wird bestraft, wie im Impeachment-Verfahren gegen Trump der amerikanische EU-Botschafter Sondland erfahren musste, der nach seiner Zeugenaussage mit Boykottaufrufen (seine Hotels anlangend) und Hunderten von Hassmails konfrontiert wurde.

Wagte sich eine Frau gegen Weinsteins Übergriffe zu wehren wie zum Beispiel das italienisch-philippinische Model Ambra Battilana Gutierrez, die bei der Polizei in New York Anzeige erstattete, fand sie sich kurz darauf in der Presse als Nutte hingestellt – was wieder einmal zeigt, wie dubios einige Presseerzeugnisse operieren. Weinstein wusste bestens, wie sie zu instrumentalisieren waren – und die Staatsanwaltschaft (froh um Spenden, es standen Wahlen an) gab nach.

Wieder einmal aufgefallen bei der Lektüre dieses Buches ist mir, wie lernunfähig der Mensch ist: Wir alle wissen, dass Reiche und Mächtige, wenn sie von Opfern beschuldigt werden, diese in den Dreck ziehen. Und trotzdem funktioniert dieses Vorgehen, denn viele denken, es könnte an den Vorwürfen gegen die Opfer möglicherweise was dran sein.

Die Brutalität Weinsteins – er sei unglaublich vulgär, ja sogar bedrohlich“, so Ken Auletta im New Yorker – lässt einen auch unweigerlich an den gegenwärtigen Bewohner des Weissen Hauses denken. Und an andere sogenannte „Führungskräfte“. Ja, es scheint geradezu ein Kennzeichen unserer Zeit (ob das jemals anders war, sollen befugtere Leute entscheiden), dass es vor allem rücksichtslose Kotzbrocken an Spitzenpositionen schaffen.

Der sexbesessene Harvey Weinstein, ein Süchtiger wie er im Buche steht, ist bestens vernetzt, hat grossen Einfluss, versteht sich durchzusetzen – er droht und lässt drohen, seine Wutausbrüche (die an ein tobendes Kind erinnern) sind legendär. Der Mann ist krank, sehr krank, und seine Helfershelfer ebenso. Und das Rechts- und Gesellschaftssystem, in dem ein solches Verhalten möglich ist, sowieso.

„Durchbruch“ ist nicht zuletzt ein Buch darüber, wie Journalismus verhindert wird. Die Aufgabe der oberen Chargen von Unternehmen ist es, dazu zu sehen, dass die (Macht)Verhältnisse bleiben wie sie sind – das zeigt Farrows eindringlich und überzeugend. Der Fernsehsender NBC kneifte, die  Story wurde schliesslich vom "New Yorker" veröffentlicht. Doch vor allem liefert „Durchbruch“ das Porträt einer Gesellschaft, in der Rückgrat, Ethik und das Sich-Einsetzen für das Richtige zwar vorkommen, doch selten sind. Und lehrt uns, dass wer als anständig öffentlich herüberkommt, es eher selten auch ist.

Dieses notwendige Aufklärungsbuch, das sich, obwohl umständlich geschrieben, spannend liest, ist Ronan Farrows Hartnäckigkeit zu verdanken und macht deutlich, weshalb Journalismus nötig ist.

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Rezension zu "Catch and Kill: Lies, Spies, and a Conspiracy to Protect Predators" von Ronan Farrow

Am Ende kommt doch alles raus
Flamingovor 2 Monaten

What an awesome book. I mean, it's horrible since it's all about men being trash, Hollywood being a gross misogynistic "club" and it's about rape and sexual assault. But it all comes out and even tho I definitely don't feel better after reading it, I sort of still feel.
Ronan Farrow has an engaging way to write with lots of self-depriciating humour to make me like him even more.
It's a definite must read.

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Rezension zu "Durchbruch" von Ronan Farrow

Ein wichtiges, unbequemes Buch - ein Blick hinter die schäbigen Kulissen der Macht
virginiestorm_autorinvor 3 Monaten

Die Aktivistin Tarana Burke prägte #metoo. Im Oktober 2017 verbreitete sich der Hashtag weltweit, besonders im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein.


Ronan Farrow hat den Weinstein-Skandal abschließend enthüllt. Er hat an die Öffentlichkeit gebracht, was andere Reporter schon 15 Jahre vor ihm recherchiert hatten. Doch bisher waren die Ergebnisse immer wieder in der Schublade verschwunden.


Farrow ist Anwalt und Journalist und kennt sich sowohl im Filmbusiness und der Nachrichtenlandschaft als auch in der Politik aus (er war Berater der US-Regierung).


“Durchbruch” erzählt detailliert von Farrows zweijähriger Recherche - den Bedrohungen, denen die Frauen, aber auch die Journalisten ausgesetzt waren und schildert die perfiden Mechanismen, die viele Mitwisser so lange schweigen ließ. 


Rose McGowan, Rosanna Arquette, Uma Thurman, Daryl Hannah waren einige der Schauspielerinnen, die von Weinstein scheinbar auf die schwarze Liste der “schwierigen” Frauen gesetzt worden waren.


“Peter Jackson sagte, als er erwog, Sorvino und Ashley Judd Rollen in Herr der Ringe anzubieten, hätte Weinstein der Idee einen Riegel vorgeschoben. «Ich erinnere mich, wie Miramax uns sagte, mit denen zu arbeiten wäre ein Albtraum, und wir sollten das um jeden Preis vermeiden.»”


Farrow schildert die Aussagen der Frauen, ihre Resignation gegenüber Weinsteins Gewalt, ihre Scham und die nachfolgenden massiven Einschüchterungen.


“Sciorra und (Daryl) Hannah sprachen beide über die Kräfte, die eine Frau zum Schweigen bringen. Hannah sagte, sie habe jedem davon erzählt, der ihr zuhörte. «Aber es hat niemanden interessiert.» 

«Egal, ob man eine bekannte Schauspielerin ist, egal, ob man zwanzig oder vierzig ist, egal, ob man Anzeige erstattet oder nicht, man glaubt uns einfach nicht. Mehr noch, nicht nur, dass man uns nicht glaubt – man beschimpft und kritisiert uns und gibt uns die Schuld.»


“Das Schlimmste aber seien die Galaveranstaltungen und Pressetermine gewesen, bei denen sie (McGowan) lächelnd mit ihm posieren musste. «Ich kleisterte ein Lächeln auf mein Gesicht.» Als sie ihn zum ersten Mal danach wiedersah, musste sie in eine Mülltonne erbrechen.”


Weinstein wird als Machtmensch beschrieben, der herumbrüllt und Menschen massiv einschüchtert:

“Ein andermal orchestrierte Weinstein eine raffinierte Hetzkampagne gegen den Konkurrenzfilm A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn und platzierte Mitteilungen in der Presse, der Protagonist, der Mathematiker John Nash, sei schwul (als das nicht funktionierte, hieß es, er sei Antisemit).”


“Als sie sich weigerte, schrie er sie an: «Lass mich verdammt noch mal nicht abblitzen, wenn ich am Heulen bin!» 

Sie gab nach und nichts passierte. Er schluchzte einfach nur. «Ich war noch nie wirklich glücklich», erklärte er ihr und dann: «Du gehörst zu meinen besten Freunden. Du bist so loyal.» 

Sie hoffte, seine Freundschaftsbekundung bedeutete, dass er ihre Grenzen akzeptiert hatte. Aber da täuschte sie sich.

«Und dann», sagte sie und brach in Tränen aus, «fing er an, mich zu vergewaltigen.»”


Neben Weinstein berichtet Farrow über Roy Price (Amazon Studios), Matt Lauer (NBC-Nachrichtensprecher), Trump und andere. Bei vielen sind es die gleichen Mechanismen von massiver Einschüchterung, Schmutzkampagnen, Verschweigen, Machtausübung und sogar illegalen Methoden wie dem Abhören von Handygesprächen. 


Farrow schreibt von Morddrohungen, manipulierten Wikipedia-Einträgen, Parteispenden und Spitzeln, die Weinstein heimlich alles zutrugen, sich sogar mit den betroffenen Frauen anfreundeten und sie aushorchten.


Farrow kennt die Namen der einschlägigen Anwälte und Pressesprecher: 

“Als meine Schwester den Vorwurf des sexuellen Übergriffs gegen Woody Allen wiederholte, schickte Allen Abramowitz ins Frühstücksfernsehen, um leutselig zu grinsen und die Anschuldigungen zu bestreiten.(...) In den Monaten nach der Entscheidung, dass keine Anklage gegen Weinstein erhoben würde, spendete er 10000 Dollar für Vance’ Wiederwahl.”


“Harder war der Pitbull unter den Anwälten; er hatte beispielsweise mit einer Verleumdungsklage, die der Milliardär Peter Thiel finanziert hatte, dafür gesorgt, dass die Klatsch-Website Gawker ihren Dienst einstellen musste.”


“Hiltzik war ein gewiefter Medienmanipulator und pflegte enge Kontakte sowohl mit den Familien Clinton als auch Trump. Ivanka Trump war eine treue Kundin, zwei Mitarbeiter seiner Firma, Hope Hicks und Josh Raffel, waren nach Trumps Wahl mit Positionen im Weißen Haus belohnt worden.”


Das Buch ist in eingängiger Erzählweise, fast wie ein Spionagethriller, geschrieben und mit interessanten Informationen gespickt. Manchmal ist der Handlung aufgrund der Detailliertheit und der vielen verschiedenen Personen nicht einfach zu folgen. 

Es hat mich auch irritiert, dass Ronan Farrow so persönlich wurde. Sollte sich ein Journalist nicht zurückhalten und nur die Geschichte sprechen lassen? Er beschrieb seine Frustration wegen NBCs Verzögerungstaktik während der Recherche, die langen Arbeitstage, der Stress, der sich auf seine Beziehung auswirkte, seine Angst, verfolgt zu werden, das Risiko für seine Karriere. 

Doch all dies zeigt, wie wichtig Farrows Einsatz war. Er hätte sich, so wie andere auch, zurücknehmen und vom System profitieren können, doch er hat weiter gekämpft.


Im Januar 2020 wird Weinstein in New York der Prozess gemacht.

Insgesamt 80 Frauen werfen ihm sexuelle Belästigung oder Vergewaltigung vor. 

“Sechzehn ehemalige und derzeitige Führungskräfte und Mitarbeiter von Weinsteins Unternehmen (...) sagten, sie seien Zeuge unerwünschter sexueller Annäherungen, unangemessener Berührungen und eines Verhaltensmusters gewesen, nachdem Weinstein Ressourcen des Unternehmens dazu nutzte Sexualkontakte der in den Vorwürfen beschriebenen Art zu arrangieren.”

Rose McGowan hat am 23.10.2019 Klage gegen Weinstein eingereicht. 


“Durchbruch” ist nicht immer leicht zu lesen. Aber es ist wichtig! 

Dieses Buch zeigt, warum eine Frauenquote notwendig ist. Die Macht darf nicht einigen wenigen Männern überlassen werden.


"Geschichten über Machtmissbrauch sind auch immer Geschichten über ein Versagen der Führungskultur."

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