Charlie Mortdecai, seines Zeichens entarteter Aristokrat und amoralischer Kunsthändler mit Vielfraßtendenzen sowie unfreiwilliger Attentäter und beglaubigter Feigling, hat sich mit seiner Frau Johanna aus nicht nur steuerlichen Gründen auf die Kanalinsel Jersey zur Erholung zurückgezogen. Hier stetig zu leben hat Charlie nicht vor, denn so viel Geld besitzt er nicht, dass sich ein Umgehen der Steuer lohnen würde und seiner Frau Johanna ist es egal, ob sie in England lebt oder nicht... sie ist zu reich, um sich der Steuer wegen Gedanken zu machen. Mit den Beiden lebt auch der kampferprobte einäugige Diener Jock... Charlie's hedonistisches Leben wie auch das der verschlafenen Kanalinsel wird gestört, als Frauen überfallen und vergewaltigt werden. Als auch die Frau des im Nachbarhaus wohnenden Freundes Opfer wird und die Polizei auf Jersey nicht wirklich existiert geschweige denn zu Handlungen fähig scheint, beschließen Charlie und Jock mit einer kleinen Runde befreundeter Trinker, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und Jagd auf einen Schänder zu machen, der als einzige Spur stets nur eine Kröte zwischen den Schenkeln der Opfer zurücklässt. Schon bald ergeben Nachforschungen, dass der Modus operandi dem "Biest von Jersey", einem satanischen Hexenmeister der englischen Mythologie, ähnelt...
Kyril Bonfiglioli (1928-1985) schrieb diesen Roman 1976 als dritten und letzten Roman über sein Alter Ego Charlie Mortdecai. Wie Charlie war der Schritsteller - Sohn einer englischen Hausfrau und eines italienisch-slowenischen Antiquars - selbst ein erstklassiger Kunsthändler mit exquisitem Geschmack, ein Hedonist, ein Waffennarr und Frauenheld. Er war ebenfalls ein sehr starker Trinker (er erlag auch 1985 auf Jersey den Folgen einer Leberzirrhose) und stets am Rande des Bankrotts. Im Vorwort dieses Romans, der ernster und düsterer als die beiden Vorgänger ausfällt, merkt Bonfiglioli an, dass "er nicht erwarte, so lange am Leben zu bleiben, dass es für einen weiteren Roman über Jersey reichen würde" und dankt den Insulanern mit dieser Geschichte (in welcher er darauf hinweist, dass die Insel voller Steuerschwindler und Inzüchtler sei) für deren Freundlichkeit und Toleranz. Die Figuren sind wie die Geschichte über die brutalen Aktionen des Hexenmeisters aus vergangenen Zeiten skurril und ausgefallen und viele Beschreibungen und Geschehnisse würden in der heutigen Zeit die Wächter der "political correctness" laut aufschreien lassen. Es ist diese Freiheit und Absurdität, die man natürlich mögen muss, die diesen Roman flüssig und mit viel Schmunzeln lesen lässt. Das Finale und die Auflösung wissen zu überraschen und brechen mit dem Grundton der schrägen Erzählung.
Der Satiriker Craig Brown schrieb den von Bonfiglioli begonnenen vierten Roman 1999 zu Ende und veröffentlichte ihn posthum.








