Dieses Buch beschäftigt sich mit Meritokratien, also sog. Leistungsgesellschaften: „Das ist ein gesellschaftliches Prinzip oder eine Herrschaftsform, bei der Führungspositionen und soziale Status durch Leistung, Fähigkeiten und Verdienste vergeben werden, anstatt durch Herkunft oder soziale Stellung, basierend auf der Idee der Chancengleichheit.“
Das scheint auf den ersten Blick gerecht, ist aber in Wirklichkeit brutal – unabhängig von der Frage, ob diese Chancengleichheit tatsächlich gegeben ist. Denn es impliziert, dass die Reichen ihren Erfolg selbst erarbeitet hätten und die „Verlierer der Gesellschaft“ ihre prekären Verhältnisse selbst verursacht hätten.
Blickt man tiefer, entlarvt sich die Lüge darin. „In ungleichen Gesellschaften, wollen diejenigen, die ganz oben landen, daran glauben, dass ihr Erfolg moralisch gerechtfertigt ist“, sprich, dass sie ihren „Erfolg aufgrund des eigenen Talents und harter Arbeit verdient haben“, statt durch ihre Privilegien und Reichtum.
Ginge es nur um Reichtum, könnte dieser auch einfach vererbt werden. Aber Skandale wie in den USA, indem reiche Eltern ihre Kinder durch Betrug einen Platz an einer Elite-Universität beschaffen, zeigt, es geht um das gekaufte „Gütesiegel von Leistung“, den „verdienten Erfolg“.
Schlimmer noch, dieser Irrglaube von „Leistung zahlt sich aus“ führt dazu, dass die Bevölkerung bereit ist, sich selbst auszubeuten, für den „Stempel des Fleiß“ und damit einhergehenden Versprechen des Aufstieges oder der Angst vor dem Abstieg. Besonders perfide ist es, dass so Ungleichheit als fair angesehen wird und damit gerechtfertigt wird, statt etwas dagegen zu unternehmen.
Dieses Buch zeigt, wie Leistungsgesellschaften die „Gewinner“ verklärt und die „Verlierer“ demütigt, was zwangsläufig Widerstand hervorruft – was der Autor als Hauptgrund erkennt im erstarken von rechten Parteien in der westlichen Welt (wie AfD oder die Wahl Donald Trumps) oder auch in Ereignissen wie dem Brexit.
Der Autor führt in diesem Buch den Beweis an, wie der Glaube an die technische Meritokratie, unsere Demokratie gefährdet, an dem Schaubild der USA, aber auch GB und Europa.
Stattdessen fordert er, müssten wir „Gewinner und Verlierer“ neu gedacht werden, müsste „Leistung“ neu definiert werden. Sprich weg von der Meritokratie, hin zu einem „Gemeinwohl“.
Man merkt allerdings, dass der Autor Philosophieprofessor in den USA ist. Zum einen ist dieses Buch nachrichtlich an die Zustände der USA zugeschnitten, zumal es diesbezüglich dort noch viel schlimmer zugeht als in Europa.
Aber das Buch liest sich auch recht philosophisch: Es finden sich viele Wiederholungen, gleiche Thesen, die nur leicht unterschiedlich betrachtet werden, aber ohne wirklich neue Informationen zu bieten. Auch der vorgeschlagene Weg zur Besserung bleibt theoretisch. Es misst sich nicht an Praktikabilität oder klare Forderungen an die Regierung.
So bleibt letztlich nur eine Idee – die wichtig ist, keine Frage und es ist Aufgabe der Philosophie genau solche Ideen auszuwerfen – aber dass diese tatsächlich etabliert wird, halte ich für nahezu unmöglich. Ich sehe nicht einmal die Tendenz, was etwas frustrierendes hat.














