Michael J. Sandel

 3,9 Sterne bei 32 Bewertungen
Autor*in von Was man für Geld nicht kaufen kann, Gerechtigkeit und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Michael J. Sandel, geboren 1953, ist politischer Philosoph. Er studierte in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Seine Vorlesungsreihe über Gerechtigkeit begeisterte online Millionen von Zuschauern und machte ihn zum weltweit populärsten Moralphilosophen. »Was man für Geld nicht kaufen kann« wurde zum internationalen Bestseller. Seine Bücher beschäftigen sich mit Ethik, Gerechtigkeit, Demokratie und Kapitalismus und wurden in 27 Sprachen übersetzt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Michael J. Sandel

Cover des Buches Was man für Geld nicht kaufen kann (ISBN: 9783864974632)

Was man für Geld nicht kaufen kann

(13)
Erschienen am 29.09.2018
Cover des Buches Gerechtigkeit (ISBN: 9783548375373)

Gerechtigkeit

(9)
Erschienen am 11.10.2013
Cover des Buches Vom Ende des Gemeinwohls (ISBN: 9783596709458)

Vom Ende des Gemeinwohls

(7)
Erschienen am 25.10.2023
Cover des Buches Was man für Geld nicht kaufen kann (ISBN: 9783596709793)

Was man für Geld nicht kaufen kann

(1)
Erschienen am 24.01.2024
Cover des Buches Moral und Politik (ISBN: 9783548376820)

Moral und Politik

(1)
Erschienen am 13.01.2017
Cover des Buches Das Unbehagen in der Demokratie (ISBN: 9783596711055)

Das Unbehagen in der Demokratie

(0)
Erschienen am 29.01.2025
Cover des Buches Gerechtigkeit (ISBN: 9783596709809)

Gerechtigkeit

(0)
Erschienen am 24.01.2024
Cover des Buches Moral und Politik (ISBN: 9783596710126)

Moral und Politik

(0)
Erschienen am 28.02.2024

Neue Rezensionen zu Michael J. Sandel

Cover des Buches Vom Ende des Gemeinwohls (ISBN: 9783596709458)
CocuriRubys avatar

Rezension zu "Vom Ende des Gemeinwohls" von Michael J. Sandel

CocuriRuby
"Leistung bringt Erfolg" ist eine Lüge

Dieses Buch beschäftigt sich mit Meritokratien, also sog. Leistungsgesellschaften: „Das ist ein gesellschaftliches Prinzip oder eine Herrschaftsform, bei der Führungspositionen und soziale Status durch Leistung, Fähigkeiten und Verdienste vergeben werden, anstatt durch Herkunft oder soziale Stellung, basierend auf der Idee der Chancengleichheit.“


Das scheint auf den ersten Blick gerecht, ist aber in Wirklichkeit brutal – unabhängig von der Frage, ob diese Chancengleichheit tatsächlich gegeben ist. Denn es impliziert, dass die Reichen ihren Erfolg selbst erarbeitet hätten und die „Verlierer der Gesellschaft“ ihre prekären Verhältnisse selbst verursacht hätten.


Blickt man tiefer, entlarvt sich die Lüge darin. „In ungleichen Gesellschaften, wollen diejenigen, die ganz oben landen, daran glauben, dass ihr Erfolg moralisch gerechtfertigt ist“, sprich, dass sie ihren „Erfolg aufgrund des eigenen Talents und harter Arbeit verdient haben“, statt durch ihre Privilegien und Reichtum.


Ginge es nur um Reichtum, könnte dieser auch einfach vererbt werden. Aber Skandale wie in den USA, indem reiche Eltern ihre Kinder durch Betrug einen Platz an einer Elite-Universität beschaffen, zeigt, es geht um das gekaufte „Gütesiegel von Leistung“, den „verdienten Erfolg“.


Schlimmer noch, dieser Irrglaube von „Leistung zahlt sich aus“ führt dazu, dass die Bevölkerung bereit ist, sich selbst auszubeuten, für den „Stempel des Fleiß“ und damit einhergehenden Versprechen des Aufstieges oder der Angst vor dem Abstieg. Besonders perfide ist es, dass so Ungleichheit als fair angesehen wird und damit gerechtfertigt wird, statt etwas dagegen zu unternehmen.


Dieses Buch zeigt, wie Leistungsgesellschaften die „Gewinner“ verklärt und die „Verlierer“ demütigt, was zwangsläufig Widerstand hervorruft – was der Autor als Hauptgrund erkennt im erstarken von rechten Parteien in der westlichen Welt (wie AfD oder die Wahl Donald Trumps) oder auch in Ereignissen wie dem Brexit.

Der Autor führt in diesem Buch den Beweis an, wie der Glaube an die technische Meritokratie, unsere Demokratie gefährdet, an dem Schaubild der USA, aber auch GB und Europa.


Stattdessen fordert er, müssten wir „Gewinner und Verlierer“ neu gedacht werden, müsste „Leistung“ neu definiert werden. Sprich weg von der Meritokratie, hin zu einem „Gemeinwohl“.


Man merkt allerdings, dass der Autor Philosophieprofessor in den USA ist. Zum einen ist dieses Buch nachrichtlich an die Zustände der USA zugeschnitten, zumal es diesbezüglich dort noch viel schlimmer zugeht als in Europa.

Aber das Buch liest sich auch recht philosophisch: Es finden sich viele Wiederholungen, gleiche Thesen, die nur leicht unterschiedlich betrachtet werden, aber ohne wirklich neue Informationen zu bieten. Auch der vorgeschlagene Weg zur Besserung bleibt theoretisch. Es misst sich nicht an Praktikabilität oder klare Forderungen an die Regierung.

So bleibt letztlich nur eine Idee – die wichtig ist, keine Frage und es ist Aufgabe der Philosophie genau solche Ideen auszuwerfen – aber dass diese tatsächlich etabliert wird, halte ich für nahezu unmöglich. Ich sehe nicht einmal die Tendenz, was etwas frustrierendes hat.

Cover des Buches Gerechtigkeit (ISBN: 9783550080098)
WildRoses avatar

Rezension zu "Gerechtigkeit" von Michael J. Sandel

WildRose
Einfach lesenswert!

"Gerechtigkeit" - dieses Werk von Michael J. Sandel ist wirklich beeindruckend. Der an Harvard lehrerende Philosoph geht in diesem Buch der Frage nach, was Gerechtigkeit eigentlich ist, wie man gerecht handelt und das Richtige tut, und welche philosophischen Ansätze zur "Gerechtigkeitsproblematik" es gibt.
In den Kapiteln beschreibt er dazu die Ansichten verschiedener Philosophen, darunter Kant, Aristoteles und Rawls. Er liefert viele anschauliche Beispiele, die die Stärken und Schwächen der einzelnen Denkansätze darstellen und den Leser zum Nachdenken anregen sollen.
Das Buch ist auch für Laien problemlos lesbar und äußerst umfangreich, was positiv hervorzuheben ist. Sandel verknüpft historische Definitionen von Gerechtigkeit mit den heutigen Problemen und stellt am Schluss des Buches seine eigene Position dar, ohne den Leser einfach nur manipulieren zu wollen.
Nur die Struktur des Buches gefiel mir nicht so gut, aber trotzdem hat dieses Buch nicht weniger als 5 Sterne verdient. Ein so fesselndes, lehrreiches und sorgfältig recherchiertes Fachbuch findet man selten.

Cover des Buches Gerechtigkeit (ISBN: 9783550080098)
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Rezension zu "Gerechtigkeit" von Michael J. Sandel

WinfriedStanzick
Eine lehrreiche und verständliche Einführung in die Moralphilosophie

In seinem letzten Buch „Was man für Geld nicht kaufen kann“ hatte der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel über die moralischen  Grenzen des Marktes nachgedacht und wegen der zunehmenden Käuflichkeit von praktisch allem  nicht nur zahllose zivilisatorische Errungenschaften bedroht gesehen, sondern auch festgestellt, dass sich die moralischen Grenzen bedenklich verschoben haben.

 

Er entdeckte damals die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft als Quelle: „In einer Zeit zunehmender Ungleichheit läuft die allumfassende Kommerzialisierung des Lebens darauf hinaus, dass Arme und Reiche zunehmend getrennte Leben führen. Wir arbeiten und kaufen und spielen an verschiedenen Orten. Unsere Kinder besuchen verschiedene Schulen, unsere Lebenswelten schotten sich voneinander ab. Das dient weder der Demokratie noch unserer Lebensqualität. Demokratie erfordert keine vollkommene Gleichheit, aber sie erfordert, dass Bürger an einer gemeinsamen Lebenswelt teilhaben. Es kommt darauf an, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und Sozialstatus miteinander in Kontakt kommen und im Alltag auch einmal zusammenstoßen. Denn nur so lernen wir, wie wir unsere Unterschiede aushandeln und wie wir gemeinsam dem Gemeinwohl dienen können.
Am Ende läuft die Frage nach den Märkten also auf die Frage hinaus, wie wir zusammen leben wollen. Wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der alles käuflich ist? Oder gibt es gewisse moralische und staatsbürgerliche Werte, die von den Märkten nicht gewürdigt werden – und die man für Geld nicht kaufen kann?“

 

Nachdem 2008 sein „Plädoyer gegen die Perfektion“ noch bei der kleinen Berlin University Press erschienen war, legt der Ullstein Verjag nach dem großen Erfolg von „Was man für Geld nicht kaufen kann“ nicht eine Vorlesungsreihe von Sandel über Gerechtigkeit vor, die schon 2009 in den USA erschienen ist und nicht nur dort einen Ruf begründete, den die ZEIT in die Worte fasste: „Wenn Michael Sandel in Harvard über Gerechtigkeit philosophiert, hört die Welt ihm zu.“

 

Was sich bei der Lektüre der beiden oben erwähnten Bücher zeigt, setzt sich in diesen, zeitlich vorher entstandenen Texten fort. „Wie wir das Richtige tun“ geht davon aus, dass man auch in einer globalisierten und unübersichtlich gewordenen komplexen Welt sehr wohl moralisch handeln und urteilen kann und dass es so etwas wie Richtig und Falsch gibt, das man herausfinden und begründen kann.

 

Mit vielen praktischen Beispielen gelingt es ihm, auch dem Laien verständlich in zehn Kapiteln (Vorlesungen) so etwas wie eine Philosophiegeschichte der Gerechtigkeit zu formulieren.  Sie mündet in die Forderung nach einer Politik des moralischen Engagements, in der der gegenseitige Respekt eine unverzichtbare Basis ist. „Anstatt den moralischen und religiösen Überzeugungen aus dem Weg zu gehen, die von unseren Mitbürgern ins öffentliche Leben eingebracht werden, sollten  wir uns eher direkt mit ihnen beschäftigen – sie also manchmal in Frage stellen oder bestreiten und gelegentlich auch von ihnen lernen. Es gibt keine Garantie, dass öffentliches Nachdenken über schwierige moralische Fragen in jedem Fall zu einer Übereinstimmung führt oder auch nur zu einer Wertschätzung für die moralischen und religiösen Ansichten anderer. Es kann immer sein, dass, je mehr wir über eine moralische oder religiöse Doktrin erfahren, wir sie desto weniger schätzen. Doch das können wir nur wissen, wenn wir uns mit ihr auseinandergesetzt haben. Das Ideal eine Politik moralischen Engagements ist nicht nur anregender als eine Politik der Vermeidung. Sie ist auch eine verheißungsvollere Grundlage für ein gerechte Gesellschaft.“

 

Eine lehrreiche und verständliche Einführung in die Moralphilosophie.

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