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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Niemandsland

Rhidian Brook , Maria Andreas
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 31.03.2014
ISBN 9783570101285
Genre: Romane

Rezension:

Die Stadt ist stark zerstört, Flüchtlinge leben in Notunterkünften, der Schwarzmarkt blüht. Colonel Lewis Morgan soll für die Entnazifizierung und vor allem den Wiederaufbau sorgen.

Fraternisierung mit den deutschen Feinden ist ausdrücklich nicht erwünscht. Morgan versteht diese Haltung seiner Vorgesetzten nicht, für ihn ist Kommunikation der einzige Weg zum Wiederaufbau. Als er mit seiner aus England nachkommenden Familie in einer schönen Villa an der Elbchaussee einquartiert wird, lässt er den Hausbesitzer Stefan Lubert und seine fünfzehnjährige Tochter Frieda im Dachgeschoss weiterwohnen. Rachael Morgan, die immer noch um ihren älteren Sohn trauert, den eine verirrte deutsche Bombe getötet hat, kann die Haltung ihres Mannes nicht verstehen. Die herrschaftliche Villa und die selbstbewusste Art Luberts irritieren sie anfangs stark. Langsam nähern sich beide Hausparteien einander an. Morgan lebt für seine Aufgabe, kämpft gegen den Entnazifizierungsmajor Burnham um Verständnis und Rachael taumelt zwischen den Vorurteilen ihrer englischen Freundinnen und der Anziehungskraft Luberts hin und her. Ihr dreizehnjähriger Sohn Edmund ist sich weitestgehend selbstüberlassen und freundet sich mit einer kleinen Gruppe verwilderter Kriegswaisen an, die vom Schwarzmarkthandel leben. Frieda, die immer noch der NS-Ideologie anhängt, verwirrt Edmund sehr. Sie aber verfolgt andere Ziele. Es folgt der schreckliche Eiswinter 1946/47, und als endlich der Frühling kommt, brechen nicht nur das Eis, sondern auch verschiedene Konflikte auf.

Rhidian Brook ist Drehbuchautor und in seiner bildhaften Sprache schafft er es, die damalige Atmosphäre einzufangen und die unterschiedlichsten Bedürfnisse seiner Charaktere zu zeigen. Inspiriert zu seinem Roman hat ihn die Geschichte seines Großvaters Walter Brook, der wie Colonel Morgan die deutschen Hausbewohner in der beschlagnahmten Villa wohnen ließ.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Rafiki

Meja Mwangi , Thomas Brückner
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Peter Hammer Verlag, 10.02.2014
ISBN 9783779504825
Genre: Romane

Rezension:

Wenn Rafiki an sein Telefon geht, meldet er sich mit „Man Guitar“. Und er darf oft ans Tele­fon gehen, denn ständig ruft seine Frau Sweettea ihn an, um ihn daran zu erinnern, dass er – anstatt alle mit seinen zweifelhaften Gitarrenkünsten zu nerven – Geld mit nach Hause bringen muss. Alle wollen essen, die Tochter will studieren. Die Geschäftsleute im keniani­schen Nanyuki bezahlen Rafiki aber eher knapp und eigentlich nur dafür, dass er still ist. Auf diese Art und Weise kommt natürlich nicht viel zusammen. Aber Rafiki ist ein „echter Nanyu­kier“: Er verzagt nicht, er geht die Aufgabe an. Geld ist ihm zwar nicht wichtig, seine Frau aber sehr wohl. Also überfällt er die Brüder Patel in ihrem Laden für Haushaltsgeräte. Viel­leicht hätte Rafiki vorher lieber etwas recherchieren sollen: Bei den Patels ist nichts zu ho­len, sie sind pleite. Sie haben auf Kredit verkauft und niemand bezahlt seine Raten. Nach kurzer Verwirrung und Überlegung hat Rafiki aber auch hierfür eine Lösung: Man muss eben zu den Leuten gehen und die Raten einfordern oder die Geräte zurückho­len.

Und so geschieht es. Natürlich wieder nicht so ganz, wie geplant. Niemand zahlt, die Geräte sind meistens nicht mehr zu gebrauchen. So verwandelt sich der Patel'sche Laden in einen besseren Schrottplatz. Aber ein Nanyukier gibt nicht auf, die neue Moral muss durchgesetzt werden. Rafiki hat vor niemandem Angst, nicht einmal vor dem Chief. Und sein Sohn stellt sich als begabter Techniker heraus. Meja Mwangi, einer der bedeutendsten Autoren Kenias, hat wieder ein sehr vergnügliches, ironisches und gleichzeitig sehr menschenfreundliches Buch geschrieben. Mit Rafiki hat er eine sympathische Figur erschaffen, die sich nicht unter­kriegen lässt. Ein moderner kleiner afrikanischer Simplicissimus.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

afrika, freundschaft, slums, zeitgenössischer roman, versklavung von kindern

Iman

Ryad Assani-Razaki , Sonja Finck
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 28.01.2014
ISBN 9783803132543
Genre: Romane

Rezension:

Ein Buch über einen Jungen, Sohn einer Schwarzen und eines Weißen, der in einem nicht genannten westafrikanischen Land aufwächst. Iman ist ein besonderer Junge, hilfsbereit, treu in seinen Freundschaften, aufopferungsvoll. Außerdem sieht er gut aus und könnte überall Erfolg haben. Das denken zumindest alle. Wie es in Imans Innerem aussieht, erfährt der Leser nicht, denn die Geschichte wird aus der Sicht ei­niger Freunde und Familienmitgliedern erzählt. Und jeder liebt und leidet an Iman. So wird das Buch ungeheuer reich, da der Leser viele verschiedene, wenn auch eng zusammenhän­gende Geschichten erzählt bekommt.

Die zweite Hauptfigur ist Toumani, der als kleiner Junge als Diener in die Stadt verkauft wur­de und nach einiger Leidenszeit auf der Straße landet. Iman rettet ihn und seitdem sind die beiden einander in enger Freundschaft verbunden. Toumani hat nichts. Da er auch ein Bein verloren hat, kann er nur durch die Gnade anderer überleben. Immer wieder fällt er, steht auf, stolpert weiter und träumt von einem besseren Leben.

Ist die Flucht nach Europa der richtige Weg? Für Iman gibt es kein anderes Ziel. Toumani und die anderen möchten ihn nicht verlieren. Sie möchten auch nicht, dass er scheitert. Alle sind ständig hin- und hergerissen zwischen Freundschaft und Eigennutz.

„Iman“ hat mich sehr gefesselt. Es ist ernst, aber nicht deprimierend. Die Träume armer Afrikaner unterscheiden sich letztlich nicht so von unseren, vieles ist allgemein menschlich. In Afrika nur oft etwas krasser, das Leben schont keinen der Protagonisten. Äußerst lesenswert!

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, history, dbp 2014, berlin, literatur

Das Sandkorn

Christoph Poschenrieder
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.02.2014
ISBN 9783257068863
Genre: Historische Romane

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

krimi, dänemark, mord, heiratsschwindler, dan sommerdahl

Der Judaskuss

Anna Grue ,
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Atrium Zürich, 20.01.2014
ISBN 9783855352012
Genre: Krimi und Thriller

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99 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

bretagne, krimi, frankreich, kommissar dupin, georges dupin

Bretonische Brandung

Jean-Luc Bannalec
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.04.2013
ISBN 9783462044966
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zehn Seemeilen südlich von Concarneau befinden sich die Îles de Glénan, ein Archipel kleiner Inseln, die bei Hochwasser von Ferne kaum noch zu sehen sind. Hier sind eine Segel-, eine Tauchschule und eine Handvoll Leute zu Hause. Wenn die Bretonen in diesen Krimis immer wieder als etwas speziell dargestellt werden, so sind diese Inselbewohner noch ein paar Nummern besonderer.

Auf einer der Inseln werden morgens drei Leichen angetrieben. Eigentlich nichts ungewöhnliches, verunglücken doch nicht selten Schiffe in der Gegend. Aber nach Identifizierung der Toten deutet sich an, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Alle drei waren erfahrene Seeleute. Irgendjemand hat ihnen am Abend zuvor in der Inselkneipe Betäubungsmittel in ihrer Getränke gemischt. Wer kann es gewesen sein? Verdächtige mit passenden Motiven sind zahlreich vorhanden... Kommissar Dupin muss sich auf eine ihm sehr fremde Welt einlassen. Leider bringt der Fall zahlreiche Bootstouren mit sich und das Meer ist nun gar nicht sein Element. Und wie immer sitzt im der Präfekt im Nacken, der mit einem der Toten gut bekannt war, es bei näherer Betrachtung aber dann doch nicht so gut gewesen sein will.

Kommissar Dupins zweiter Fall ist wieder so atmosphärisch dicht und fantasievoll geschrieben wie schon „Bretonische Verhältnisse“. Man unterhält sich bestens und will sofort den nächsten Urlaub planen – der nur ins Finistère führen kann!

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

serbien, balkan, militär, krimi, historie

Kornblumenblau

Christian Schünemann , Jelena Volic
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.02.2013
ISBN 9783257068337
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krimis scheinen besonders gut geeignet zu sein, uns Lesern Regionen und Länder nahe zu bringen, von denen wir nicht so viel wissen. Wie dürfen wir uns das tägliche Leben in Belgrad vorstellen?

Christian Schünemann und Jelena Volić beginnen nun eine neue Serie um die Juristin Milena Lukin. Auf dem Gelände einer Belgrader Kaserne kommen zwei Elitesoldaten unter ungeklärten Umständen zu Tode. Und schon bald zeigt sich, dass einflussreiche Stellen auch kein Interesse an einer Aufklärung haben. Haben die beiden Soldaten etwas gesehen, dass sie nicht sehen sollten? Auf Bitten eines befreundeten Anwalts beginnt Milena ihre Nachforschungen. Dazu wagt sie sich weit vor, auch auf militärisches Gebiet. Auf dem Rückweg wird sie verfolgt...

Das Autorenduo beschreibt ein Land, das versucht, international wieder Anschluss und Akzeptanz zu finden. Alte Kräfte mit dunkler Vergangenheit wollen sich ihrer Schuld nicht stellen, auch neue Mächtige sind aber nicht immer an Offenheit interessiert. Dazwischen eine Handvoll Leute, die glauben, mit Aufklärung dem Land am besten helfen zu können. In diesem Krimi dürfen sie Erfolg haben. Hoffentlich ist das nicht all zu unrealistisch.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Apfelsinen für Mister Orange

Truus Matti , Verena Kiefer ,
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 28.01.2013
ISBN 9783836954570
Genre: Jugendbuch

Rezension:

New York, 1943: Linus' großer Bruder ist nun auch in den Krieg gezogen, die Familie des Obst- und Gemüsehändlers Mueller weiß nicht, ob sie stolz sein oder einfach nur Angst haben soll.

Aber wie auch immer: Der Alltag muss weitergehen, morgens müssen die Kinder zur Schule und anschließend die Bestellungen ausgefahren werden. Linus rückt nun auf und verbringt die Nachmittage mit dem Obstwagen, um zuerst dem Restaurant Castelli seine pomodori zu bringen, dann der einsamen Frau de Winter nicht nur ihr Obst zu liefern, sondern ihr auch noch immer bei diversen Dingen zu helfen – aber richtig interessant wird es bei dem neuen Kunden, dessen Namen sich keiner merken kann, der aber jeden Montag eine Kiste Apfelsinen bekommt. Darum nennt Linus ihn einfach „Mister Orange“.

Dieser neue Kunde ist sehr nett, aber ein etwas merkwürdiger Kauz. Hager, eine dicke Brille, immer hat er einen Kittel übergezogen und sein Englisch ist ganz altertümlich. Eines Tages fragt der Mann ihn, ob er eine der Apfelsinen mit ihm zusammen essen möchte, bald wird das zum Ritual. Linus erfährt, dass „Mister Orange“ Maler ist und aus Europa fliehen musste. Er malt so ganz anders als Linus es kennt, Gegenstände erkennt man nicht mehr, dafür spielen die reinen Grundfarben eine große Rolle (der erwachsene Leser ahnt, um wen es sich bei „Mister Orange“ handelt). Und dann spielt ihm dieser etwas ungelenke Herr mit den eckigen Bildern eine ganz neue, sehr lebendige Musik vor, Boogie-Woogie. Für Linus tun sich neue Welten auf. Gleichzeitig bestimmt aber auch die Sorge um seinen großen Bruder seinen Alltag.

Dies ist ein schöner, kluger Roman über Piet Mondriaans letztes Lebensjahr in New York, in dem seine Kunst noch einmal eine neue Wendung nahm. Truus Matti bettet das wunderbar in eine realistische Handlung ein. Ein schön zu lesendes Buch für LeserInnen ab 10.

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42 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

9/11, architektur, 11. september, usa, new york

Der amerikanische Architekt

Amy Waldman , Brigitte Walitzek
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 04.02.2013
ISBN 9783895614910
Genre: Romane

Rezension:

Empfohlen von Doris Böddeker

New York, eine anonyme Ausschreibung für den Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge des 11. September 2001 steht kurz vor dem Finale.

Die Jury hat sich durch Unmengen von Einsendungen gearbeitet, viel diskutiert, abgewogen und endlich entschieden. Doch als der Briefumschlag mit dem Namen des anonymen Gewinners geöffnet wird, halten alle die Luft an. Der Gewinner der Ausschreibung ist ein Muslim. Damit hatte niemand gerechnet und schlagartig fangen jetzt erst die richtigen Probleme an.

Wunderbar beschreibt Amy Waldmann den Umgang mit dem Gewinner der Ausschreibung. Eine ganze Lawine an Reaktionen wird ausgelöst. Da gibt es die Unterstützer und die Gegner des Finalisten. Viele Fragen werden in diesem fiktiven Roman aufgeworfen. Einfach klasse geschrieben und der Realität bestimmt nicht so fern.

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144 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 43 Rezensionen

willie sutton, bankräuber, new york, gefängnis, usa

Knapp am Herz vorbei

J.R. Moehringer , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 18.02.2013
ISBN 9783100496034
Genre: Romane

Rezension:

Willie Sutton war einer der berühmtesten Bankräuber der Vereinigten Staaten und beinahe ein Volksheld. Ein neuer Mackie Messer (ja, der von Brecht mit dem Spruch „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“) - so wurde er zumindest gesehen. Weihnachten 1969 wird er aus dem Gefängnis entlassen und eine Zeitung schickt ein Team, das seinen ersten Tag in Freiheit exklusiv mit ihm verbringt. Willie Sutton führt sie durch New York an wichtige Stationen seiner Karriere und erzählt so nach und nach sein Leben.

Ein Leben, das es in sich hat. Aus einfachsten Verhältnissen kommend, verliebt er sich in die Tochter eines reichen Werftbesitzers und brennt mit ihr durch. Natürlich werden sie gefasst, verurteilt und Willie wird ins Gefängnis gesteckt. Das wird ihm in seinem Leben noch öfter geschehen. Aber immer wieder kommt Sutton frei, oft versucht er, ein geregeltes straffreies Leben zu führen. Das gelingt natürlich nicht. Aber seine Banküberfälle, bei denen er nie jemanden ermordet, und seine Ausbrüche aus Strafanstalten machen ihn bald zur Legende. Seine freie Zeit widmet er stets der Literatur, von der Bibel bis Marcel Proust lässt er nichts aus. Ein Typ, den man sich nicht ausdenken kann.

Hat Moehringer auch nicht, Willie Sutton hat wirklich gelebt und zwei (sich in vielen Punkten widersprechende) Autobiographien vorgelegt. Da ist es legitim, diese historische Gestalt, die so sehr in die Gegenwart passt, auch fiktional noch einmal auferstehen zu lassen. Das Buch ist ungewöhnlich, spannend und auch etwas romantisch.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

afrika, liberia, leben, skuril

Bo

Rainer Merkel
Fester Einband: 688 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 07.03.2013
ISBN 9783100484444
Genre: Romane

Rezension:


Empfohlen von Monika Graefe

Der Schriftsteller Rainer Merkel, der auch ausgebildeter Psychologe ist, verordnete sich eine Schreibpause und arbeitete ein Jahr für Cap Anamur im einzigen psychiatrischen Krankenhaus Liberias. Aus den Erlebnissen und Erinnerungen an diesen Aufenthalt ist nun ein mitreißendes und ungewöhnliches Buch entstanden.

Der 13-jährige Benjamin fliegt allein nach Liberia. Er will seinen Vater besuchen, der bei der GTZ arbeitet. Schon im Flugzeug widerfahren Benjamin seltsame Dinge. Sein Gepäck verschwindet. Darin befinden sich Geld, Pass und der Abschiedsbrief seiner Mutter an den Vater. Außerdem gerät er mit Brilliant aneinander, einem zickigen liberianischen Mädchen aus Amerika. Mitten in der Nacht landen sie in Monrovia. Beim Verlassen des Flugzeugs kommt er plötzlich in den Besitz eines Mantels, in dem dicke Dollarbündel stecken. Am Flughafen wartet er vergebens auf seinen Vater. Brilliants Onkel, ein steinreicher Tankstellenbesitzer, nimmt ihn im Auto mit. Wieder allein auf dem Weg in die Stadt, wird er von gewalttätigen Dieben überfallen. Den Mantel mit dem Geld kann er verstecken. Er rettet sich in ein Taxi. Völlig erschöpft schläft er ein und erwacht Stunden später in einem Haus in Monrovia. Dort lernt er Bo kennen, einen blinden Jungen, der über seherische Fähigkeiten verfügt. Für Bo ist Benjamin der „Außerirdische aus Schwedianien, der vom Himmel gefallen ist“.

Vom Vater fehlt weiterhin jede Spur. Eine Mitarbeiterin von „Ärzte ohne Grenzen" nimmt ihn bei sich auf . Dort findet Benjamin das Tagebuch eines Arztes, in dem von einer jungen Patientin namens Flower die Rede ist. Niemand will darüber sprechen, viele scheinen sie zu kennen. Benjamin will dem Geheimnis um Flower nachgehen. Mit seinem Freund Bo macht er sich auf die Suche. Auch Brilliant, die verwöhnte Prinzessin, schließt sich ihnen an. Für die drei Jugendlichen beginnt ein aufregendes und gefährliches Abenteuer.

„Bo“ ist mehr als eine eigensinnige Abenteuergeschichte. „Bo“ öffnet den Blick auf ein Land, das uns fremd ist, von dem wir kaum etwas wissen und wo die Uhren anders ticken. Und es ist eine wunderbare Geschichte über das Erwachsenwerden. „Bo“ wird auch jungen Lesern gefallen!

 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kenia, tansania, deutsch-ostafrika, 1. weltkrieg

Der Eiskrem-Krieg

William Boyd , Hermann Stiehl
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 08.10.2012
ISBN 9783833308192
Genre: Romane

Rezension:

So recht kann sich niemand in den benachbarten Kolonien Deutsch- und Britisch-Ostafrika vorstellen, dass man gegeneinander Krieg führen soll. Warum und wofür? Man pflegt beste Nachbarschaft fern der Mutterländer. Aber der Erste Weltkrieg findet eben nicht nur in Europa statt. Allerdings gehen alle davon aus, dass der Krieg in Afrika schnell beendet wäre, weil die Soldaten „dahinschmelzen würden wie Eis“. Das hofft auch Temple Smith, dessen Farm besetzt und die wertvollen Maschinen von den Deutschen konfisziert wurde. Das schmerzt ihn mehr als der Tod seines Sohnes... Auf der anderen Seite steht der pflichtbewusste Engländer Gabriel Cobb, der (wie wohl viele) eher seiner Herkunft wegen als aufgrund besondere Befähigungen zum Offizier ernannt wurde. Er überlebt zahlreiche Schlachten, wird von den Deutschen gefangen genommen und verliebt sich in eine füllige deutsche Offiziersgattin.

William Boyd beschreibt eine weitgehend unbekannte Seite des Ersten Weltkriegs auf eine Weise, dass man nicht versteht, warum überhaupt jemand diesen Krieg gewinnen konnte. Auf beiden Seiten herrschen tiefe Inkompetenz und Unfähigkeit. Die Absurditäten wären komisch, wenn es nicht um Krieg ginge. In seinem opulenten Roman fertigt Boyd so Krieg und Kolonialismus in einem Abwasch ab.

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Tags: 1. weltkrieg, deutsch-ostafrika, kenia, tansania   (4)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

baltrum, insel, gezeiten, wasser, historischer roman

Auflaufend Wasser

Astrid Dehe , Achim Engstler
Fester Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Steidl, 27.03.2013
ISBN 9783869306063
Genre: Romane

Rezension:

Ein Buch für Küstenbewohner. Und ein Buch für Bücherfreunde, denn im Hause Steidl stimmt mal wieder alles: Ein guter Text wird in schönster Form dargeboten.

Erstklassige Druckqualität (die Druckerschwärze ist wirklich schwarz, edles Ganzleinen, angenehmes Papier. So sind schöne Bücher!

Die Geschichte ist eher ernst. Ein junger Mann will zu Weihnachten seine Familie auf Baltrum besuchen und lässt sich an der Ostseite der Insel absetzen (wir schreiben das Jahr 1866), um von hier ins Dorf zu laufen. Aber das Schicksal ist nicht gnädig mit ihm. Das vermeintliche Ostufer ist nur eine Sandbank, und die einsetzende Flut und der dichte Nebel machen den Heimweg unmöglich. In dieser aussichtslosen Situation macht Tjark Evers etwas Ungewöhnliches: Er beginnt zu schreiben. In ein Büchlein notiert er sein Verhängnis, bittet um Gnade, „denn Hülfe ist nicht mehr da. Gott sei mir Sünder Gnädig.“ Aber zwischen den Zeilen ist noch sehr viel mehr zu lesen. Und so geben uns die Autoren ein knappes Bild des Lebens auf einer kleinen Nordseeinsel im 19. Jahrhundert. Ein sehr dichtes und beeindruckendes Buch.

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nordkorea, liebe, folter, gegenwart, waisenkind

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Adam Johnson , Anke Burger
Fester Einband: 687 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.03.2013
ISBN 9783518464250
Genre: Romane

Rezension:

Wie soll man sich das Leben in einem Land vorstellen, das vom „Geliebten Führer“ Kim Jong Il mit seiner großen Weisheit so überschüttet wird, das für Anderes keinerlei Raum mehr bleibt?

Pak Jun Do wächst in einem Waisenhaus im Nordosten Nordkoreas auf. Obwohl er der Sohn des Waisenhausaufsehers ist, hält jeder ihn für einen Waisenjungen, so ziemlich die niedrigste Kaste der nordkoreanischen Gesellschaft. Dennoch kann er eine (zweifelhafte) Karriere in der Armee machen. Aufgrund seiner Sprachenbegabung muss er zunächst bei zahlreichen Entführungen in Japan helfen (einmal beispielsweise wünscht sich der Geliebte Führer eine bestimmte Opernsängerin), später sitzt er in einem Abhörlabor im Bauch eines Fischkutters und fängt Funksprüche auf. Sinn sollte man in keiner seiner Tätigkeiten suchen.

Aber in einem Land wie Nordkorea kann nichts gut ausgehen. Früher oder später wird jeder in Scherereien verwickelt. Aber Jun Do gelingt es, alle Folterungen zu überstehen und sich immer wieder aufzurappeln. Bis er – in der Mitte des Buches – während der Lagerhaft einfach verschwindet. Die folgenden Kapitel erzählen dann das weitere Leben des „Kommandanten Ga“, der von deiner Lagerinspektion ganz verändert zurückgekommen ist...

Adam Johnson hat ein ungewöhnliches Buch geschrieben – spannend zu lesen, ein Bericht aus einer ganz unbekannten Welt. Und den Waisen Pak Jun Do muss man in sein Herz schließen. So romantisch an die Liebe glauben wie er kann man vielleicht nur noch in einem Land wie Nordkorea, in dem nichts ist, wie es scheint.

Nachtrag: Adam Johnson hat für seinen Roman den diesjährigen Pulitzer-Preis bekommen! Darüber freue ich mich sehr.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

kolumbien, juan gabriel vásquez, abenteuerroman, kolumbianische literatur, juan gabriel vasquez

Die geheime Geschichte Costaguanas

Juan Gabriel Vásquez , Susanne Lange
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 15.02.2011
ISBN 9783895610066
Genre: Romane

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482 Bibliotheken, 8 Leser, 8 Gruppen, 71 Rezensionen

berlin, freundschaft, auto, jugend, lada

Tschick

Wolfgang Herrndorf ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 17.09.2010
ISBN 9783871347108
Genre: Romane

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

afrika, frauen, solidarität, afrikanisch, zentralafrika

Gruppenfoto am Ufer des Flusses

Emmanuel B Dongala , Giovanna Waeckerlin Induni
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Peter Hammer Verlag, 01.03.2011
ISBN 9783779503149
Genre: Romane

Rezension:

Regelmäßig versorgt uns der Peter Hammer Verlag mit guten Büchern afrikanischer Autoren, die keine Savannen-Idylle, sondern das wirkliche Leben zeigen. Emmanuel Dongalas neuer Roman spielt im „kleinen“ Kongo (Brazzaville). Méré, eine junge Frau, hat ihren Mann wegen seiner wiederholten Seitensprünge verlassen und schlägt sich nun als Steineklopferin durch. Sie will Geld ansparen, um ihre abgebrochene Ausbildung abschließen zu können. Für ihren beiden Söhne, ihre kleine Nichte, die sie nach dem Tod ihrer Schwester zu sich genommen hat, und sich selbst hofft sie auf ein besseres Leben. So, wie alle anderen Frauen im Steinbruch auch. Keine ist dort freiwillig, alle haben schon besser gelebt und diverse Schicksalsschläge hinter sich. Jetzt beschließen sie, sich zusammen zu schließen und den Preis für ihre Steine zu erhöhen. Eine unerhörte Maßnahme. Es wird kein leichter Kampf. Aber sie sind von der Berechtigung ihrer Forderung überzeugt.
Den Weg bis zum Triumph beschreibt Dongala beeindruckend und fesselnd. Es gibt nichts zu beschönigen am Leben im Kongo; Männergewalt, Korruption, AIDS sind alltäglich. Dennoch ist es ein positives Buch. Eine Geschichte darüber, dass man manchmal das Aussichtslose versuchen muss. Am besten gemeinsam.

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Tags: afrika, afrikanisch, armut, frauen, kongo, solidarität   (6)
 
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