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inquisition, fantasy, hexenverfolgung, blanvalet, akademie

Der Weg des Inquisitors

Frank Rehfeld
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.10.2016
ISBN 9783734160561
Genre: Fantasy

Rezension:

»Unschuldig, dachte Naron Balosta, seines Zeichens Inquisitor achten Ranges, als er allein war.«

Das Buch kann man dank der einfachen Sprache und Handlung flott lesen und ich habe immer wieder Seiten quer gelesen, um mich nicht zu langweilen. Ich würde es in das Genre Jugendliteratur / Allage einordnen. Summa summarum habe ich mich geärgert, da dieser Roman anscheinend der Auftakt eine Fantasy-Serie wird. Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte es nicht angefangen, es wird vom Verlag nirgendwo erwähnt. Normalerweise zitiere ich keinen Klappentext, aber hier bietet sich das an:

»Der junge Torin verfügt über alles, was er als Inquisitor der Kirche der Göttlichen Familie benötigt: einen festen Glauben, mächtige Förderer.« (Ja wirklich? Laut dem Buch gehört ungeheuer viel dazu, um aufgenommen zu werden!) »Und die unumstößliche Gewissheit, dass die Kirche immer im Recht ist. Er weiß auch, wie wichtig seine Arbeit ist, denn das Böse, das in der großen Wüste lauert, verdirbt immer mehr Menschen.« (Verdirbt? Kommt nicht vor, lediglich zwei Hexen. Seine Arbeit? Er ist Schüler eines Internats, am Ende des Buchs ist er immer noch kein Inquisitor.) »Die Inquisition ist das einzige Bollwerk der Menschen gegen diese namenlosen Schrecken. Doch dann erkennt Torin, dass nicht alle Verurteilten wirklich Hexen sind, sondern oft unschuldig – aber auch, dass das wahre Böse viel mächtiger ist, als irgendjemand bislang ahnt.« (Kommt beides nicht vor.)

Torin, ein Weisenjunge, im Kloster erzogen, trifft auf einen Inquisitor, erzählt ihm, dass es sein brennender Wunsch ist, auch einer zu werden. Der Mann lacht. Denn zu Inquisitoren werden nur die Kinder mächtiger Familien ausgebildet, die Ausbildung kostet viel Geld und man gewinnt Macht in der Position, man muss auch eine gute Schulausbildung vorweg mitbringen. Torin rettet dem Inquisitor das Leben und der will sich nun für ein Kirchenstipendium für Torin einsetzen. Der Abt zeigt dem Inquisitor das Amulett, das Torin bei sich trug, als er als Baby vor die Klostertür abgesetzt wurde. Ist er vielleicht Sohn von IHM? Wer auch immer das ist, wird nie geklärt, das Amulett steckt der Inquisitor ein, der Strang fällt herunter. Noch ein Ärgernis.

Torin wird in die Ausbildung aufgenommen: Es bildet sich ein Dreier-Freundschaftspakt: Der schlaue Torin, der nur Ahnung vom Kirchenfach hat, der sich alles andere durch Fleiß aneignen muss, Berryl, der große, dicke Junge, der mit Kraft gut kämpft, aber nicht so wendig ist, nicht der Hellste ist und schließlich Prinzessin Shirina, die beste im Kampf, schlau, hübsch, die das Mädchen-Manko hat, denn nicht jedem ist es recht, dass neuerdings auch ein paar Frauen ausgebildet werden. Und dann gibt es die böse, reiche Familie Scylla, Mächtige, aus einem kleinen aggressiven Land des Kontinents, das immer wieder angrenzende Länder angreift. Starke Kämpfer, böse, hinterlistig, diese Schüler haben es ständig auf Torin abgesehen. Einer dieser Familie, Inquisitor Scylla, wird Lehrer im Fach Kampf, auch er triezt den unerfahrenen Torin bis aufs Blut. Der Schulleiter hält eine schützende Hand über den Jungen. Am Ende nach jedem Schuljahr (nach ca. ¾ im Buch ist das erste Jahr vorbei) wird ein Kampf ausgeführt. Die Schüler müssen in einen abgeschlossenen Bezirk gehen, sich verstecken, bei Gongschlag geht es los, jeder gegen jeden, nur einer kann gewinnen, wobei es nur um die Berührung mit dem stumpfen Schwert geht, nicht darum jemanden ernsthaft zu verletzen. Nur einer wird der Sieger sein. Die Schüler lernen auch erste Übungen, sich per Geist in den Kopf eines anderen einzunisten, seinen Körper zu übernehmen, ein gefährliches Spiel, auch die Abwehr dagegen ist wichtig. Kommt jemandem das Setting bekannt vor? Hier sind die Guten die Kirchenleute und Hexen und Zauberer sind die böse Macht. Über die Bösen erfährt man eigentlich nichts. Wir erfahren lediglich, dass sie in den Körper von unbedarften Menschen schlüpfen und andere angreifen, völlig schmerzunempfindlich sind, weshalb sie Folter während die Inquisition nicht tangiert. Die letzten vier Schuljahre werden in 100 Seiten abgearbeitet, letztendlich eigentlich nur der Endkampf am Ende des Schuljahrs. Dumbledore lässt grüßen.

Abklatsch, dachte ich beim Lesen, Abklatsch von erfolgreichen Büchern, aber schlecht umgesetzt. Von Titel, Klappentext und Cover (Der Mann sieht aus wie Klischko, was mich amüsierte) kann man von einem High Fantasy Roman ausgehen. Was ist das Wesen dieses Genre? Malerische Schilderung und fein ausgearbeitete Charaktere sind die Grundlage. Landschaften werden ausgiebig beschrieben, Gegenstände, handwerkliche Arbeit. Die Charaktere der Protagonisten sind ausführlich dargestellt. Das Wesentliche ist, dass diese Welt so feinsäuberlich dargestellt wird, inclusive Landkarten (die ist übrigens vorhanden, aber nicht nötig), dass der Leser sich hineingezogen fühlt, sie sozusagen als real betrachtet. Das erwartet der Leser schlicht. Hier aber haben wir es mit einer abgespeckten Version von irgendwas zu tun. Internatsgeschichte? Fantasyepos? Keine Ahnung, denn beides ist es nicht.

Wenn das nun alles war, ist das Buch oberschwach. Nirgendwo wird bemerkt, dass die Geschichte weitergeht. Selbst wenn weitere Bände folgen, ist dieser Auftakt schwach. 476 großgeschriebene Seiten, einfache Sprache, riesige Zeitsprünge, mit denen man nicht rechnet, dafür langatmige Passagen, Wiederholungen, bei denen getrost weiterblättern kann. Ich war recht lustlos, weil für mich keine Spannung aufkam. Ein paar laue Spannungsszenen und abarbeiten von Schulstoff. Was macht einen Inquisitor aus? Genau das hätte mich interessiert, charakterliche Eigenschaften, philologische Gedankengänge. Nach fünf Schuljahren habe ich es nicht verstanden. Ich kenne seine Fächer: Kampf, Reiten, Kirchenrecht, Pflanzenkunde (Giftmischen) und wohl noch mehr, was aber nicht genau benannt wird. Das wird gebetsmühlenartig wiederholt, auch wie anstrengend der Stoff ist. Endlich hat man sich durch das Buch gequält, die oberflächlichen dargestellten Charaktere kennengelernt, eine klischeehafte Geschichte, die man sich ersparen kann. Die erzählerische Kraft und die Emotion sind im Zeitraffer verlorengegangen. Bis zum Ende konnte ich keinen Bezug zu irgendeiner Figur bilden, die sich auch alle nicht entwickeln, Länder und Kontinente bleiben als wage Vorstellung, eine distanzierte Erzählung in Rapportform, einfachste Sprache, nichts zum Eintauchen. Mit vierzehn hätte ich die Geschichte vielleicht noch spannend gefunden, vielleicht. Zu jedem Fantasyepos fällt einem spontan etwas Bleibendes ein, bei Harry Potter sofort: Quiddisch, Zug, Süßigkeiten, schräge Lehrer, die Häuser usw. In diesem Roman bleibt nichts zurück.

Alles in allem fühle ich mich als Leser getäuscht. High Fantasy vorgetäuscht, abgeschlossenes Buch vorgetäuscht, der Weg des Inquisitors ist die Schulausbildung eines Jungen, der mal Inquisitor werden will. Nicht mal das, denn was verlangt man von einem Inquisitor, außer dem Foltern und Kämpfen? Was sind die echten Fragen der Qualifikation? Beworben wurde das Buch mit dem Thema der Auseinandersetzung mit Religion. Das kam mit keinem Wort vor. Im Prinzip hätte das Thema viel Potential. Aber dieses Buch kommt nicht über den Level eines einfach gestrickten Jugendbuchs hinweg. Denn selbst als Solches hätte ich mehr Substanz erwartet. Man fühlt sich ständig vom Autor belehrt, der andere Figuren reden lässt, damit der Leser sie vielleicht versteht, die Umstände versteht. Der Erzähler fasst zusammen, welche Fächer es gibt, was in den letzten 12 Monaten passiert ist. Die Figuren sind hölzern, agieren nicht, entwickeln sich nicht. Gut sie lernen Stoff, kämpfen, aber wo bleibt die Persönlichkeit? Wie auch, wenn man drei Schuljahre in 50 Seiten abhandelt, hauptsächlich durch je einen Kampf. Durch die klischeehafte Bildung der Figuren weiß der Leser was er zu denken hat. Nein, solche Bücher mag ich persönlich nicht.
Wer High Fantasy liebt, sollte die Finger von dem Buch lassen, ebenso, wer auf erzählerische Kraft Wert legt. Wer philosophische Fantasy liebt, wird arg enttäuscht sein.





Spoiler!!!!!! Spoiler!!!!!! Nicht weiterlesen, wenn man das Buch noch lesen möchte! Spoiler!!!!!!


Torin macht für mich keine Entwicklung mit, bzw. am Ende eine angebliche, psychologisch nicht nachvollziehbar für mich. Torin ist die ganze Zeit verliebt in Shirina. Am Ende des Romans wird Ila, die im gleichen Kloster wie Torin aufgewachsen ist, in die Hauptstadt gebracht, sie ist eine Hexe. Torin darf mit ihr sprechen, man meint, vielleicht erzählt sie ihm, was der Inquisitor nicht herausfoltern konnte. Ihm wird sofort gesagt, in dem Leib stecke eine fremde, böse Seele, die ihm etwas vorspielen wird, vorspielen, sie sei die echte Ila. Und die Hexe verrät Torin Geheimnisse? Macht sie natürlich nicht. Sie spielt ihm die leidende Ila vor und der intelligente Junge fällt trotz mehrfacher Warnung der Ausbilder darauf herein, darf dann heimlich zuhören, wie die Hexe sich über den Jungen auslässt, sich freut, ihn getäuscht zu haben. Und nun erfahren wir, Ila ist Torins große Liebe, die Frau, die er heiraten wollte. Fünf Jahre kein Wort, kein Gedanke, kein Brief, Ila kam nicht vor. Als völlig verliebt in Shirina, bei der seine Gedanken sind, wird Torin beschrieben. Ach nee, eigentlich ist Ila die Angebetete? Und nun macht Torin endlich eine Entwicklung. Völlig verstört, weil die Hexe ihn reinlegte, ihm wirklich Glauben machte, sie sei die heißgeliebte Ila, zieht er sich zurück, lernt noch verbissener. Für den Leser nicht nachvollziehbar. Was tut er? Was sagt er? Am Anfang wird erwähnt, Torin habe einen Freund im Kloster, von dem verabschiedet er sich. Kein Wort über Ila, die ganze Zeit nicht. Hier wieder der distanzierte Autor, der dem den Leser nicht mitzunehmen weiß, irgendwas erklärt: Sein Mentor und Shirina geben Torin Feedback, sagen, er habe sich verändert, zum Schlechten, sei verbissen geworden, er würde sich ausgrenzen, er könne ein fanatischer Mann werden, die jugendliche Begeisterung sei fort. Ein paar Sätze an den Leser, und gut ist. Peng, der Junge hat sich verändert, wie auch immer. Shit, man braucht ja einen Grund für die Entwicklung: Die große Liebe hat ihn enttäuscht, ha, geht doch. Als wäre dem Autor eingefallen, er hätte irgendwo gelernt, die Hauptfigur müsse sich entwickeln … Uppps, vergessen, schreiben wir noch paar Sätze am Ende rein, dann passt das wieder, Grund brauchen wir auch noch, Liebe passt immer …
Und noch so etwas Merkwürdiges: Im Endkampf des 4. Schuljahres haben plötzlich alle Schüler einen fremden Geist im Kopf, der ihnen einredet zu töten, nur zwei können sich dagegen wehren, Torin und sein Freund. Über die Hälfte der Schüler sind tot. Passiert … das Ganze hat keine Folgen. Es sind halt weniger Schüler, so kann man den Unterricht des letzten Jahres in drei Monaten durchziehen. Au weia, dachte ich, im Inneren der Inquisitoren dringt der Feind ein, tötet und das war es?

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entkulakisierung, sibirien

Suleika öffnet die Augen

Gusel Jachina
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 17.02.2017
ISBN B01MSBIINH
Genre: Sonstiges

Rezension:

»Der Tod war überall. Das hatte Suleika schon in der Kindheit begriffen. Sie gewöhnte sich an diesen Gedanken wie der Ochse an das Joch und das Pferd an die Stimme seines Herrn. Der Tod war allgegenwärtig, er war schlauer, klüger und stärker als das dumme Leben, das den Kampf immer verlor.«

Ein Titel, der mich nicht ansprach, aber ein Klappentext, der mein Interesse weckte, ein Roman, ausgezeichnet mit mehreren Preisen, bereits in 21 Sprachen übersetzt. Die Tatarin Gusel Jachina schrieb dieses Buch ausgehend von den Erzählungen irer Großmutter mit russischem Erzähltalent der alten Tradition. Die Krimtataren, stolz, muslimisch und aufsässig, wollten sich nicht der kommunistischen Vereinnahmung unterwerfen und wurden nach Sibirien deportiert.

»Du kannst überhaupt nichts. Weder schlagen noch töten noch lieben. Nein, du wirst nie richtig leben. Mit einem Wort, du bist und bleibst ein nasses Huhn.« (Suleikas Schwiegermutter)

Während der stalinistischen Zeit der Sowjetunion lebt die Tatarin Suleika mit Ehemann und Schwiegermutter recht begütert auf einem Gehöft. Suleika hat es nicht einfach unter der boshaften Schwiegermutter, die sie schwer schuften lässt, einem Ehemann, gewalttätig, der sie als Eigentum betrachtet. Eines Tages reiten die Genossen ein, beschlagnahmen das Gehöft im Rahmen der Zwangskollektivierung. Suleikas Ehemann will sich das nicht gefallen lassen, wird getötet, die Schwiegermutter, ein altes Weib, lässt man hilflos zurück, Suleika wird mit dem Vieh in den Tross getrieben, das Land zu verlassen.

»Suleika hat es so satt zu leiden. An dem Hunger, an den Bauchkrämpfen, an der Kälte bei Nacht. An den Schmerzen in den Knochen am Morgen, an den Läusen und an der ständigen Übelkeit An all dem Schmerz und Tod ringsum. An der Furcht, dass es noch schlechter werden könnte und - das Schlimmste - an der nicht enden wollenden Scham.«

Fußmärsche, monatelange Reisen in Viehwagons, ein Ausharren in einem Deportationslager unter unmenschlichen Bedingungen und Kälte folgt. Die Gruppe wird aufgefüllt mit der Leningrader Bourgeoisie und weiter geht es per Bahn Richtung Sibirien. Viele Menschen sterben unterwegs, weil sie von Hunger und Kälte geschwächt sind. Zum Schluss geht es weiter per Schiff ins tiefste Sibirien. Ein Boot kentert. Von den rund 800 Deportierten kommen nur 30 Personen an. Mitten in der Natur, am Fluss Angara werden die Menschen ausgesetzt, sollen unter Kommandant Ignatows Leitung eine Siedlung errichten. Selbst ein Plansoll wird vorgegeben, wenig Lebensmittel und Handwerkszeug händigt man ihnen aus. Suleika bringt ihren Sohn zur Welt. Es gilt den Winter zu überleben, ein Boot mit Nachschub wird erst im nächsten Jahr erwartet.

Der Staat erwartet, dass diese Menschen hier heimisch werden, eine Kolchose gründen. Nur wie und mit was? Nicht jeder wird dem gewachsen sein. Das Buch umfasst eine Zeit von 15 Jahren, weitere Deportierte kommen an, die Siedlung organisiert sich, wächst. Den Menschen bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren unter harten Bedingungen noch härter zu arbeiten. Ignatow, der Mörder von Suleikas Mann, hofft, dass er nach einem Jahr als Kommandant abgelöst wird. Suleika entdeckt sich selbst, neue Möglichkeiten eröffnen sich für sie. Sie geht dem Doktor zur Hand, lernt die Krankenpflege und sie zeigt Geschick bei der Jagd, gehört dem Jägerteam an, das die karge Kolchosküche mit Wildbret bereichert.

Die erste Hälfte des Romans zeigt die brutale Wirklichkeit der Deportation, den grausamen Gulag, ein entbehrungsreiches Leben, Tote um Tote. Im letzten Drittel erinnert die Geschichte ein wenig an Lederstumpfgeschichten, Abenteuer, Busch-Romantik, auch die Kunst darf nicht fehlen. Der anfänglich als dement beschriebene Professor ist plötzlich wieder ein helles Köpfchen, betreibt ein hervorragendes Lazarett, das weit im Land bekannt wird. Im Frühjahr flattern frisch gewaschene Gardinen im Wind, es duftet nach Jasmin, «Es riecht nach Rauch, Badehaus, frisch gehobeltem Holz, Milch und Plinsen.« Suleika entgleitet als Nebenfigur, Ignatow tritt in den Vordergrund und die Schönfärbung des Lagerlebens. Frischluft, Natur, nette Menschen, wie schön ist das Kollektiv.

Schade, dass zum Ende die Entkulakisierung schöngeredet wird. Aber vielleicht muss man sein Schicksal idealisieren, um ein wenig Zufriedenheit zu erreichen. Der Roman beruht, wie Gusel Jachina in einem Interview sagte, zu Teilen auf den Erlebnissen und Erzählungen ihrer Großmutter.

1929 missbilligte Stalin alle Überlegungen, Kulaken (Bauern) in Kolchosen zu integrieren. Er kündigte er die «Liquidierung des Kulakentums als Klasse« an, rief zur »Offensive gegen die kapitalistischen Elemente des Dorfes« auf, zündete sozusagen einen Krieg gegen die Bauern, beziehungsweise gegen das »Dorf« an. 1930 begann in vielen Gegenden die massenhafte Entkulakisierung, wie im Ural, in Transkaukasien, in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik und in der Oblast Rjasan nahe Moskau. Über drei Millionen wohlhabender Bauern wurden enteignet und ins Exil verfrachtet. Die Tataren-Khanat der Krim waren über 300 Jahre lang ein kriegerischer Nachbar der Russen, ein legendärer Erzfeind. Unter Katharina der Großen wurde die Krim besiegt, zum russisches Protektorat erklärt. Aus ganz Europa warb man Bauern zur Besiedlung an, auch viele Deutsche, die mit Privilegien ausgestattet wurden. Die Krimtataren stellten sich in den 30-gern auf die Seite der Deutschen und Stalins Rache folgte 1945: 160.000 bis 400.000 Menschen wurden in 45 Züge gestopft und nach Sibirien transportiert, »Saboteure, Drückeberger und Simulanten«. Anastas Mikojan aus dem Politbüro schlug vor, den Deportierten Saatgut mitzugeben. Stalin entließ ihn als Volkskommissar für Versorgung, „Mikojan verhält sich staatsfeindlich“. Stalins Rache gegen den Erzfeind war unerbittlich. Erst in den 80-gern durften einige Deportierte zurück in die Heimat kehren.

Der Roman setzt sich mit der grausamen Zeit der Stalin-Ära auseinander. Millionen von Menschen starben, verloren ihre Heimat. Ein grausames Kapitel der Geschichte: Die Zerschlagung des Bauerntums und der Dörfer, des Privateigentum. Die Kolchsen besaßen Massenunterkünfte, Kolchosküchen, Privateigentum war nicht erlaubt, Grund und Boden gehörtem dem Staat. Die Autorin erinnert daran und zeigt gleichzeitig, was Menschen aushalten, wenn sie müssen, die Widerstandskraft der einen, das Zerbrechen der anderen. Erzählerisch breit angelegt, im Stil der russischen Epiker, ein dicker Band, der mir insgesamt gut gefallen hat. Historisch wichtig, daran zu erinnern, wie viele Menschenleben die Stalin-Ära kostete und wie viele Menschen ihre Heimat verloren. Der Schluss war mir zu bieder, zu verklärt, aber das ist Geschmacksache.

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virginie despentes, gesellschaftskriti, prix anaïs-nin 2015, französische literatur, paris

Das Leben des Vernon Subutex

Virginie Despentes , Claudia Steinitz
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462048827
Genre: Romane

Rezension:

»Das Leben ist oft ein Spiel in zwei Sätzen: Im ersten schläfert es dich ein und lässt dich glauben, dass du führst, und im zweiten, wenn du entspannt und wehrlos bist, serviert es dir seine Schmetterbälle und macht dich alle.«

Vom angesagtesten Plattenverkäufer in Paris zum Clochard … So könnte man dieses Buch in einem Satz zusammenfassen. Vernon Subutex besaß früher einen Plattenladen, aber nicht irgendeinen, denn der Punk-Rock-Fan hatte besondere Scheiben, bei ihm trieb sich die Musikszene herum, die Intellektuellenszene. Daher kennt er einen Haufen interessanter Leute aus den Branchen Musik, Film und Literatur. Mit allen ist er auf Facebook befreundet. Irgendwann lief der Laden nicht mehr so gut, man stieg auf CD’s um und dann kam die Zeit, in der man elektronisch seine Musik herunterlud. Vernon gab auf, verkaufte auf e-bay den Ramsch aus dem Keller: T-Shirts, Poster usw. Das wiederum war historischer Kult, das Geschäft lief gut. Irgendwann war der Keller leer.

Vernon Subutex steht für eine ganze Generation. Subuetx ist ein starkes Schmerzmittel, wird auch als Heroinersatz gegeben. Vernon schließt den Laden, meldet sich arbeitslos. Er verhält sich nicht kooperativ genug, bewirbt sich nicht genügend, verliert das Arbeitslosengeld. Zunächst wird Vernon von dem Sänger Alex unterstützt, sie kennen sich aus Jugendtagen, Alexandre Bleach, sein alter Rock-Band-Kollege, der als Schlagersänger Karriere machte. Alex schickt ihm monatlich einen Scheck, damit Subutex seine Miete zahlen kann, nicht verhungert. Doch Alex bringt sich um, macht Schluss in der Badewanne eines Hotels. Und nun steht der Gerichtsvollzieher vor Vernons Tür, setzt ihn auf die Straße. Ihm verbleibt sein geliebtes Handy, sein sozialer Kontakt zu Facebook. Irgendwann verweilte Vernon kurz in Kanada. Die meisten Leute haben nicht mitbekommen, dass er lange wieder zurück in Paris ist.

»Das Entscheidende, und er hat lange gebraucht, um es zu begreifen, ist eine Braut, die mit einer Wohnung wie dieser, verlängerten Wochenenden in der Sonne und einem großen, gut gefüllten Kühlschrank geliefert wird.«

Seit Alex Tod schreibt Vernon begeistert Kommentare bei Facebook, bringt sich in der Damenwelt in Erinnerung. Er braucht eine Unterkunft. Und so schläft er sich von Wohnung zu Wohnung, von einer Katastrophe zu nächsten, bis er irgendwann auf der Parkbank landet.

»Ich habe keinen sozialen Status. Ich habe keine berufliche Zukunft. Wenn ich auf die Gewalt verichte, wann fühle ich mich dann als Herr? Ehrlich mal, wer respektiert einen unterwürfigen Proleten?«

Digitalisierung, Wirtschaftskrise, steigende Mieten in den Metropolen, der Abstieg ganzer Gesellschaftsgruppen, der einfache Ladenbesitzer, der sich das alles nicht mehr leisten kann. Auf der anderen Seite stehen Superreiche, die in riesigen Wohnungen Partys geben, Vernon verdient sich gern ein paar Euro als privater DJ, reiche Männer, junge Mädchen, Drogen.

»Sie hat eine Aufnahmeprüfung bestanden, ist Staatsbeamte, hat ihren Iro gegen einen dezenten Bob eingetauscht. Sie kleidet sich bei Zara ein, wenn sie dort etwas in ihrer Größe findet. Sie ist Spezialistin für Olivenöl und grünen Tee, hat Télérama abonniert und spricht auf der Arbeit mit ihren Kolleginnen über Rezepte. Sie hat alles getan, was sie nach dem Wunsch ihrer Eltern tun sollte. Aber sie hat keine Kinder, und deshalb zählt alles andere nicht. Bei den Familienmahlzeiten ist sie das schwarze Schaf.«

Vernon gibt vor, aus Kanada zu Besuch zu kommen, er sucht eine Unterkunft. Er ist ein Charmeur und nicht unansehnlich. Schnell nimmt ihn die Damenwelt auf, doch er bereut schnell, sich mit der jeweiligen eingelassen zu haben. Auch die Männer, die ihm kurz Unterschlupf gewähren, meinen es nicht unbedingt gut mit ihm. Allesamt stammen aus dem Kulturbereich und alle haben Probleme, befinden sich auf dem Abstieg. Einige möchten vom Tod von Alex profitieren, dem berühmten Sänger, mit dem Vernon bekannt war. Jeder glaubt, noch einmal die Leiter nach oben zu klettern mit einem Film, einem Buch über Alex. Vernon besitzt ein paar Casetten mit Interviews von Alex. Diese ganze Gesellschaft ist ein Bienenvolk, emsig, immer den Stachel ausgefahren, jemanden zu stechen, der ihnen über den Weg läuft.

»Unfassbar, was so ein kleines Geschöpf für einen Schaden anrichten kann, sowohl in puncto Lärm, als auch in puncto materieller Zerstörung: Zum ersten Mal seit er da war, fand Vernon an der widerlichen Sammlung von Stofftieren etwas Gutes: Man kann sie an die Wand werfen, sie zerbrechen nicht und machen kein Geräusch. Aber es sah so aus, als würde das Sylvies Zerstörungswut noch steigern.«

Egoistisch, narzisstisch, eifersüchtig, melancholisch bis depressiv, immer laut und garstig, eine pöbelnde Gesellschaft, deren Zweck es scheint, über andere herziehen zu müssen, um sich selbst ins Licht zu setzen. Frauen, die Vernon vereinnahmen, er hält es nicht aus, beklaut sie haut ab. Fotos von Facebook und Instagram verraten, wer die Nächste ist, er rechnet nicht mit der Reaktion der Furien. Die Figuren hassen sich selbst und projizieren ihren Hass auf den Rest der Welt, eine neue Welt, in der sie selbst nicht mehr gefragt sind. Es wird viel gesoffen, geneidet, die Worte sind derb, die Männer rassistisch, man ahnt warum der »Front Nacional« soviel Zuspruch erfährt, die ehemals Linken zu den Rechten hinüberlaufen.

»Ich habe mir die Fotos der Kleinen angeguckt und begriffen, was mich am meisten runterzieht … Sie sieht so aus, als würde sie bis spät in die Nacht Hausaufgaben machen, sie trägt ein Kopftuch und macht ein Gesicht, als wäre sie permanent eingeschnappt …«

Die Figuren sind sehr unterschiedlich, aber doch bezeichnend für unsere Gesellschaft. Jede wird einzeln vorgestellt. Die junge Aisha, 19, ihr Vater Sélim ist Universitätsprofessor, bekommt heraus, dass ihre Mutter, die sie nie kennenlernte, sehr bekannt war: der Pornostar Vodka Satana. Entsetzt konvertiert sie zum Islam. Sylvie war einmal heroinabhängig, sie betrachtet die körperlichen Folgen fasziniert im Spiegel. Xavier, Drehbuchautor, und Script-Doctor, heute erfolglos, kahlrasierter Schädel, übergewichtig, schlägt seine Frau. Er beschwert sich übelst über die vielen Muslime im Land.

»Die dicke Kuh hat Humor. Oder sie ist verrückt. Wenn sie nicht so dreckig wäre, würde er denken, sie gehöre zu der Kategorie von Menschen, bei denen man nicht weiß, ob sie genial oder völlig durchgeknallt sind. Er hockt sich neben sie. Scheiß auf die Distanz.«

Mein Herz hing nicht an Vernon, Mitleid blieb mir fern, er ist nicht besser als die anderen. Doch ganz zum Ende konnte er mich packen. Dicht vor einem Tränchen mit Vernon allein auf der Straße, der immer mehr die Distanz verliert, dem irgendwann alles scheißegal ist. Hier lernt er andere Typen kennen, das andere Paris, schließt Freundschaft mit denen, gegen die sich Wut seiner alten Bekannten richtet. Die Sprache ist echt, gnadenlos, gezielt gesetzt, mal schockierend, mal beißend satirisch, gelegentlich bitter. Mir hat das Buch sehr gefallen, das Gesellschaftsporträt einer Großstadt.

Virginie Despentes wurde im letzten Jahr als Nachfolgerin von Régis Debray in die Académie Goncourt gewählt. »Das Leben des Vernon Subutex« ist in Frankreich ein Bestseller und ist als Trilogie angelegt. Der dritte Teil erscheint in Frankreich in diesem Jahr. Die Bücher sind als TV-Serie verfilmt.

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roman, nell leyshon, familie, felder bewirtschaften, empfehlung

Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 22.09.2017
ISBN 9783961610006
Genre: Romane

Rezension:

Der Anfang: »Wir schreiben das Jahr achtzehnhundertunddreißig nach der Geburt unseres Herren. Mein Vater lebte auf einem Bauernhof und er hatte vier Töchter und ich bin die, die als letzte geboren wurde.«

Zum Inhalt des Buches könnte man sagen: Kennen wir, die Geschichte ist schon 100 Mal erzählt worden. Ja das stimmt. An diesem Buch berührt die Sprache, die unter die Haut geht, auch wenn wir gleich wissen, wie es ausgehen wird. Nell Leyson baut eine düstere Atmosphäre des ländlichen Englands auf: Menschen, die im Dunkeln das Haus verlassen, im Dunkeln nachhause kommen, Kerzenlicht flackert. Man redet nicht viel bei der Arbeit, auch nicht zu Hause, denn wer redet, arbeitet nicht. Mary, die Icherzählerin plappert gern, so wie ihr Opa. Der Vater ist ein grobschlächtiger Mensch, brutal, verprügelt die ganze Familie, einschließlich dem Großvater. Die Mutter ist nicht besser, völlig empathielos. Lediglich Mary kümmert sich um den Alten, wäscht ihn, bringt ihn ins Wohnzimmer, kleidet ihn an, füttert ihn.

»Hallo Großvater, sagte ich, hattest du einen schönen Tag?
Einen schönen Tag? fragt die Mutter. Der hat da auf dem alten Stuhl gesessen der alte Faulpelz.
Er ist nicht faul, sagte ich. Er kann doch gar nichts anderes tun als dasitzen. Seine Beine können ihn jedenfalls nirgendwo mehr hintragen.
Der ist zu so wenig nütze dass er genausogut tot sein könnte, sagte sie.«

Mary wird während der Geschichte 15. Sie leidet unter der herzlosen Art ihrer Familie. Der Himmel ist ständig grau, im Haus ist es oft stockdunkel, die Arbeit ist hart, das Essen karg. Kälte zieht durch das gesamte Buch. Nur der Großvater strahlt Wärme aus, Humor. Aber auch er ist wehrlos. Wehrlos ist die Schwester, die sich vom Pfarrerssohn schwängern lässt, der alles abstreitet. Einer Bauerntochter würde man nicht glauben, so behauptet die Familie, die Mutter habe endlich, verspätet, den ersehnten Sohn bekommen.

Mary ist ungebildet, aber in ihr schlummert Intelligenz. Der Pfarrer sucht eine weitere Kraft für das Haus und die Pflege seiner kranken Frau. Mary muss gehen, keiner fragt sie nach ihren Wünschen. Der Pfarrer ist erstaunt über die Antworten, die Mary gibt. Wozu muss man die Uhr lesen können, die Sonne zeigt dir, wann du aufstehst, ins Bett musst, der Hunger, wann es Zeit ist zu essen, auch die Tiere kommen gut ohne Uhr zurecht. Mary ist im Spätsommer geboren, gleich nach der Gerstenernte.

»Sie haben so viel gegessen, sagte ich, wie unser Schwein am Morgen.
Er lächelte. Mary, sagte er, gestatte, dass ich dir einen Rat gebe. Vergleiche deinen Arbeitgeber nicht mit einem Schwein.
Oh, sagte ich. Ich wollte nicht unhöflich sein. Wir haben unser Schwein alle sehr gern.
Trotzdem sollte dein Arbeitgeber in der Hierarchie deines Lebens über dem Schwein stehen. …
Menschen und Tiere sind ziemlich verschieden.
Gar nicht mal so sehr find ich, sagte ich. Es gibt Dinge die beide tun, das ist genau dasselbe.«

Mary hat ihre eigene logische Sicht der Dinge, die Welt zu sehen, und sie ist erbarmungslos ehrlich. Eine Eigenschaft, die den Pfarrer amüsiert, auch seine Frau. Die Frau schwächelt sehr, sitzt tagsüber im weißen Zimmer, Mary betreut sie. Anfangs muss sich Mary an das Haus gewöhnen, sie sucht ständig nach Arbeit, aber hier geht alles langsam vonstatten, die Arbeit ist nicht so anstrengend, es herrscht Warmherzigkeit. Trotzdem plagt Mary das Heimweh. Der Pfarrer fängt an, Mary schreiben und lesen beizubringen. Sie kann sich eigentlich nicht beschweren, doch sie fängt an zu denken, über das Gute, das Schlechte, die Freiheit.

»Du hast hier eine gute Stelle.
Das ist keine Stelle. Ich werde nicht bezahlt. Man hat mir nur gesagt dass ich herkommen muss und hier wohnen und hier arbeiten statt zu Hause.
Dein Vater bekommt Geld für das was du hier tust.
Ich aber nicht.«

Alles wird gut. Nein wird es nicht, der Roman endet tragisch. Aber das ahnt der Leser von Anfang an. Am Ende kann Mary lesen und schreiben, schreibt ihre Geschichte. Kein Wort ist hier zu viel, keins zu wenig. Verdichtete Sprache, verdichtetes Erzählen, ein Sog entsteht beim Lesen. Ein kleines Buchformat, nur 200 Seiten, aber so großartig in der Sprache, ein Kunstwerk. 600 Seiten hätten nicht mehr erzählt, aber wahrscheinlich die Dichte der Atmosphäre nicht herüberbringen können. Härte, Grau, Verzweiflung, Dunkelheit, gefangen sein von der herrschenden Klasse, von Männern. Eine dunkle Zeit in der Geschichte, eine dunkle Zeit für die Armen, für die Frauen und besonders für die armen Frauen. Ein Buch, das man nicht verpassen sollte!

»Redest du nicht mehr mit mir? fragte er. Ich verlange dass du mit mir redest.
Und dann drehte ich mich zu ihm um. Sie verlangen es? fragte ich.
Ich verlange es, ja.
Kann sein dass Sie für mich bezahlen, sagte ich, und Sie können mich auch zwingen hier zu bleiben aber sie können nicht alles von mir verlangen was Ihnen gerade einfällt.«

Nell Leyshons erster Roman »Black Dirt« stand auf der Longlist des »Orange Prize« und auf der Shortlist des »Commonwealth Prize«. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Für ihren zweiten Roman »Die Farbe von Milch« wurde sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den »Prix » nominiert. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.

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Der weiße Affe

Kerstin Ehmer
Fester Einband
Erschienen bei Pendragon, 30.08.2017
ISBN 9783865325846
Genre: Krimi und Thriller

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59 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

england, london, anne breckenridge, krimi, historischer krimi

Engel der Themse

Anne Breckenridge
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 06.09.2016
ISBN 9783940855664
Genre: Historische Romane

Rezension:

Gleich vorweg, ich habe das Buch abgebrochen. Historischer Krimi aus dem alten London, hierauf freute ich mich. Erzählerisch kommt leider keine Atmosphäre auf, hölzerne Protagonisten, die ersten 50 Seiten konnten mich nicht packen.

Abgebrochen habe ich aber wegen der sprachlichen Katastrophe, da vergeht einem alles. Schlechter Ausdruck, Grammatik, Stil. Falsche Grammatik. Gleich die erste Seite hat es mich fast vom Hocker geworfen.

2. Satz: »Der Wind zerrte an ihrem Rücken und jeder Schritt schmerzte, als würden ihre Knochen mit einer stumpfen Klingel abgeschabt.«

Ende 1. Seite: »›Halt die Klappe!‹, antwortete das Mädchen. Ihre Stimme klang so müde, wie die Frau sich fühlte. Mitleid mit dem unbekannten Kind brannte sich wie ein Schürhaken in ihr Herz.«

Kind oder Frau? Wer wem was? Im ersten Absatz die Frau, später das Kind, soweit nachvollziehbar. Und wer ist nun gemeint?

Die Metaphern sind zum Schießen! Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.

»Er war so blöd wie rothaarig.«

»Das Herz rutschte Gladys zwischen die Schenkel. Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, wo sie war.«

Ein paar Seiten weiter:

»Gladys rutschte das Herz von der Kehle zwischen die Oberschenkel.«

Gladys schein ein interessantes Herz zu besitzen, das im Körper hin und her hüpft, es sogar nach draußen zwischen die Schenkel schafft. Ich mag auch die ungelenke Art zu schreiben nicht, könnte mich über jeden 5. Satz ärgern, der so holperig daherhüpft. Wo bitte war hier das Lektorat? Es wird eine Lektorin erwähnt. Das Buch ist ein Verlagsbuch! Texte, die handwerklich dermaßen mangelhaft sind, kann man meiner Meinung nach keinem Leser anbieten. An diesem Roman stimmt für meine Begriffe rein gar nichts und das hat nichts mit Geschmack zu tun. Mir hat es nach 50 Seiten Zeitverschwendung gereicht.

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frankreich, mord, schuld, beklemmend, roman

Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre , Tobias Scheffel
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.09.2017
ISBN 9783608981063
Genre: Romane

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venedig, geheimdienst, staatsraison, thriller, organisiertes verbrechen

Der Tourist

Massimo Carlotto , Monika Lustig , Catherine Hornung
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Folio, 22.08.2017
ISBN 9783852567280
Genre: Krimi und Thriller

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

krimi, new york

Der Informant

Chris Pavone , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Penguin, 10.07.2017
ISBN 9783328101031
Genre: Krimi und Thriller

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83 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

historischer roman, senegal, floß, 1816, schiffsunglück

Das Floß der Medusa

Franzobel
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 30.01.2017
ISBN 9783552058163
Genre: Historische Romane

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

rassismus, crime

Hard Revolution

George Pelecanos , Gottfried Röckelein
Fester Einband: 420 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 20.06.2017
ISBN 9783869137667
Genre: Krimi und Thriller

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65 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

undercover, betrug, krimi, england, verdeckte ermittlung

Fiona

Harry Bingham , Andrea O'Brien
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 22.09.2017
ISBN 9783805200165
Genre: Krimi und Thriller

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87 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

armut, mississippi, ausreißerin, gewalt, sex

Fay

Larry Brown , Thomas Gunkel
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453270961
Genre: Romane

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

krieg

Die Zweige der Esche

Laird Hunt , Kathrin Razum
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei btb, 25.04.2017
ISBN 9783442754885
Genre: Romane

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

krimi, mord, serienkrimi, zwangsprostitution, kindesmissbrauch

Alles so hell da vorn

Monika Geier
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Argument Verlag mit Ariadne, 13.07.2017
ISBN 9783867542234
Genre: Krimi und Thriller

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

amerika, bildung, arbeitslosigkeit, gesellschaftskritik, donald trump

Hillbilly-Elegie

J. D. Vance , Gregor Hens
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 07.04.2017
ISBN 9783550050084
Genre: Sachbücher

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21 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

bayern, tscheche, bürgermeister, rassismuns, 201

Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec

Jaromir Konecny
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ecowin, 21.09.2017
ISBN 9783711001283
Genre: Romane

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147 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

frankreich, bibliothek, bücher, literatur, bretagne

Das geheime Leben des Monsieur Pick

David Foenkinos , Christian Kolb
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei DVA, 13.03.2017
ISBN 9783421047601
Genre: Romane

Rezension:

Ich hatte mich auf dieses Buch gefreut, eine Persiflage auf die Verlagswelt … Aber wie der Geschmack so verschieden, so konnte mich dieses Buch nicht erreichen. Ein paar Tage lang habe ich mich gefragt warum. Aber von vorn: Das Buch beginnt im ersten Kapitel im Sachbuchstil, es wird über die »Bibliothek der abgelehnten Manuskripte« berichtet, die es in Amerika gibt. Im zweiten Kapitel erfahren wir etwas über die ehrgeizige Lektorin Delphine, die ein gutes Näschen für erfolgreiche Manuskripte besitzt. Die Einsendung eines unbekannten Autors spricht sie an, man trifft sich zur Vertragsverhandlung, wird später ein Paar. Das Buch wird ein Flop. Delphine braucht Erfolg und in der Bretagne wird das Paar fündig in einer »Bibliothek der abgelehnten Manuskripte«, der Roman eines verstorbenen Pizzabäckers scheint der Hauptgewinn zu sein.

In der Mitte habe ich das Buch zugeklappt. Ich denke, ich weiß, an welchen Stellen ich hätte schmunzeln müssen, aber ich empfand leider die Zeilen nicht komisch. Die Geschichte las sich für mich langweilig und ich fragte mich, warum ich keinen Zugang fand. Die Story ist oberflächlich und arg konstruiert, aber das allein konnte es nicht sein. Jede Menge Namen von berühmten Schriftstellern fließen ein, wozu? Ich empfand den Schreibstil kalt. Alles beginnt im Sachbuchstil und im weiteren Verlauf setzt der Autor einen distanzierten Focus auf, als würde er die Geschichte aus der Distanz von einem Flugzeug betrachten. Die Figuren sind leer, empathielos, auch die distanzierte Erzählweise lässt weder Zugang zu Protagonisten noch zur Geschichte zu.

Delphine trifft sich anfänglich mit einem Autor, dessen Skript, »Die Badewanne«, ihr gefiel. Er fragt sie, ob sie einen Freund hätte. Sie verneint. Er fragt warum. Sie antwortet, weil sie auf einen wie ihn gewartet hätte. Er fragt, wenn sie nun ein Paar wären und sie seine Bücher verlegen würde und die Beziehung sei irgendwann zu Ende, würde sie dann seine Bücher einstampfen? Natürlich sagt sie, und danach gehen sie ins Bett. Mitten in der Nacht macht sie das Licht an und sagt, man müsse nun über den Vertrag reden. Ach, meint er, sie sei mit ihm ins Bett gegangen, um bessere Vertragspositionen zu verhandeln. Und nun sind sie ein Paar. Das ist nicht mein Humor. Die Dialoge wirken völlig emotionslos, wie auch die Handlungen der Protagonisten, wie Holzpuppen, völlig irreal. Aber eben doch nicht so grotesk, dass es mir ein satirisches Grinsen abverlangte, sondern nur ein gelangweiltes: Och nö, was soll so ein Dialog?

Und solche Passagen gefielen mir nicht, da fehlt mir wohl auch der Humor, 10. Kapitel Anfang:

»Im Bett streichelte Frédéric Delphines Beine, ihre Schenkel und hielt dann an einem bestimmten Punkt inne. ›Und wenn ich jetzt meinen Griffel hier reinstecke …?‹, flüsterte er.« – Kapitel zu Ende

Den Verlauf des Romans nach der Mitte kann ich nicht bewerten, da mich das Buch bis zur Hälfte so gar nicht packen konnte. Klapp zu. Alles Geschmacksache, meiner nicht.

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antarktis, expedition, everland, überlebenskampf, rebecca hunt

Everland

Rebecca Hunt , pociao
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.06.2017
ISBN 9783630874630
Genre: Romane

Rezension:

»Everland präsentierte ihnen einen Himmel voller erdrückend niedriger Wolken, die aussahen wie Schwaden von Dieselabgasen. Der Wind brachte Schneekristalle mit, fein wie Sägemehl, die sich sofort in Brix`Kragen setzten und in ihren Augen brannten.«

Everland ist eine fiktive Insel. Zwei Forschungsteams, in zwei Jahrhunderten: 1913 und 2012. Die erste Expedition beginnt mit ihrem Ende. Nur ein Teilnehmer hat es überlebt, 1913, nur noch einer wird von dem Expeditionsschiff gefunden, welches die Mannschaft abholen sollte, und es ist ungewiss, wie lange er durchhalten wird. 2012 startet eine neue Expedition in die Antarktis nach Everland, Pinguine und Seebären zu erforschen. Abwechselnd wird in den Kapiteln von beiden Lagern berichtet, der Verlauf der Geschichte gestaltet sich in beiden Gruppen ähnlich.

»In Wahrheit richtete sich alles nach dem schwächsten Glied in der Kette, und das bedeutete, dass alles, was Brix tat, doppelt so viel Zeit und doppelt so viel Mühe kostete, denn Decker musste es ihr erst erklären und überprüfen, ob sie auch alles richtig gemacht hatte.«

In jeder Gruppe gibt es ein schwaches Glied in der Kette und einen, der brutal klarstellt, dass der Schwächling hätte zu Hause bleiben müssen. Der ein oder andere ist vom Ehrgeiz zerfressen, es gibt eine Menge Fehlentscheidungen, schwache Führer. Theoretisch gibt es bei beiden Expeditionen genügend Lebensmittel und ein festes Lager. Jemand verletzt sich, verheimlicht das und ein Schneesturm bahnt eine Katastrophe an. Beide Geschichten sind ähnlich, doch völlig verschieden.

»Ein fauliger Geruch hatte Dinners` Zustand verraten. ... Einer hatte gewürgt und dann geflüstert, riecht nach verfaultem Fleisch.«

Man fröstelt nicht nur wegen der Beschreibung der Antarktis, karge Landschaften, stinkend vom Vogelkot, Kälte, Schnee, erfrorene Haut und Gliedmaßen, sondern auch wegen der Hinterhältigkeit einiger Protagonisten. Der Erzähler spielt mit dem Leser, führt ihn an der Nase herum. Man spürt förmlich die psychische Anspannung der Protagonisten, wenn sie sich durch das Eis quälen, Geräusche von Winden, die Halluzinationen hervorrufen, Kopfschmerzen.

»In Hoffnung, Buße für sein unverzeihliches Verhalten zu tun, indem er sich nützlich machte, zog er die Handschuhe aus, und kramte in seinen Taschen nach Messern. Die plumpen, tauben Finger konnten sie nicht halten, und sie fielen klappernd auf die Erde.«

Die Natur ist rau und nicht zu berechnen. Der Mensch glaubt, er hätte alles im Griff, vorausschauend geplant. Doch nichts ist sicher in der Antarktis, und manche Dinge sind nicht gleich zu erklären. Selbst die Gruppe aus 2012, ausgestattet mit technischer Raffinesse, muss ums Überleben kämpfen. Wie reagiert ein Mensch in Extremsituationen, wie verhält er sich anderen gegenüber? Geht es nur ums eigene Leben oder gibt so etwas wie Verantwortung? Bestie Mensch oder ein sozialer Charakter? Wen trifft die Schuld und wer schiebt etwas auf andere? Was ist die Wahrheit?

»Bei minus fünfundzwanzig Grad wird die Fähigkeit des menschlichen Körpers, Feuchtigkeit zu produzieren und auszustoßen, auf teuflische Weise offensichtlich. Ales, was nicht ausgeatmet wurde und um die mit Blasen bedeckten Nasenlöcher und Lippen gefror oder aus den Poren verdampfte und an der Kleidung gefror, schien in ihrem Inneren zu gefrieren.«

Dieser spannende Abenteuerroman lebt von zwei Dingen. Auf der einen Seite sind die Naturbeschreibungen fantastisch, schrecklich, sich bewusst zu werden, wie brutal die Natur mit Tieren umgeht: Nur die Stärksten kommen durch. Der tägliche Kampf des Menschen, bei diesen Witterungsbedingungen zu forschen, zu überleben wird fein ausgebreitet, insbesondere das, was sich unter Extremsituationen im Menschen freilegt. Auf der anderen Seiten tragen die feingezeichneten Figuren die Geschichte. Psychologisch sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, wandelbar in ihrer Handlung, dem Leser aber so präsentiert, dass er nicht gleich durchschaut, wie sich im Zweifel verhalten werden. Härte gegen Weichei, Erfahrung versus Greenhorn. Menschen, die auf engem Raum miteinander auskommen müssen, die sich aufeinander verlassen müssen. Da stellt sich die Frage:

»Schlag auf Schlag, meine Herren“, rief Dinners. „Mal sehen, wer am längsten durchhält.«

Es gab nichts durchzuhalten bei diesem Roman. Flott durchgelesen, spannend, faziniert, fröstelnd und dann erstaunt. Ich kann nur raten: Selbst lesen!

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Atomic Dandy

Piersandro Pallavicini , Karin Fleischanderl
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Folio, 05.09.2017
ISBN 9783852567273
Genre: Romane

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

nachbarschaft, gesellschaft, verbrechen, chaos, moral

Babylon

Yasmina Reza , Frank Heibert , Hinrich Schmidt-Henkel
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446256514
Genre: Romane

Rezension:

»Es ist nichts Reines in den menschlichen Beziehungen.«

Wenn die Sicherung durchbrennt … Ein Thema wohl aller Romane von Yazmina Reza. Ich hatte bereits »Gott des Gemetzels« gelesen, eine Geschichte, die sich an einer Balgelei zweier Jungen auf dem Schulhof aufheizt, Eltern, die schlichten wollen, die sich am Ende bitterbös bekämpfen. Ein wunderbares Buch.

»Stimme und Rhythmus sind wichtiger als Wörter und Sinn.« (Lydie)

Hier steht am Anfang das Biohuhn. Besser gesagt, das Huhn ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, das sich mit den Emotionen einer langjährigen Ehe gefüllt hat. Alle Protagonisten sind Anfang sechzig, Gäste einer Party. Ein makabres Kammerspiel beginnt!

»Mitten am Nachmittag, ebenfalls todschick herausgeputzt und kerzengerade, stolz auf sich selbst, auf das Leben, auf ihren kleinen pockennarbigen Mann. Sie waren gerade eingezogen. Vielleicht ist sie nie wieder so strahlend zufrieden über diese Schwelle getreten. Wir tun das alle, ob Männer oder Frauen, wir stolzieren an jemandes Arm einher, als hätten wir als einziger Mensch auf Erden das große Los gezogen. Man muss sich mit diesen strahlenden Ausnahmemomenten zufriedengeben. Man kann im Leben nicht darauf hoffen, dass etwas andauert.«

Ein bürgerlicher Stadtteil in Paris, intellektuelle Szene, Elisabeth, zweiundsechzig, Patentingenieurin, plant mit ihrem Mann Pierre eine Party. Viele Leute sind eingeladen, sie werden nicht alle kommen. Aber wenn doch? Elisabeth überlässt nichts dem Zufall, alles muss stimmen, bis zur Marke des Champagners. Hat sie genug Gläser und Stühle? Sie leiht sich zur Sicherheit Nachschub von den Nachbarn Jean-Lino und Lydie, die sie kaum kennt. Und natürlich muss man die beiden auch einladen, das gehört sich so. Sie passen nicht ganz in den Freundeskreis. Lydie ist eine Esoterikerin, eine New-Age-Therapeutin, alles im Gleichklang, im Ausgleich, sie hatte bereits angeboten, Elisabeth die Wohnung auszupendeln. Jean-Lino, von kurzer Statur, verkauft Elektrowaren.

Die Party läuft, es wird heiß diskutiert, viel getrunken. Lambert stellt fest, »sämtliche linken Überzeugungen kommen mir nach und nach abhanden«. Und Jeanne gibt eins obendrauf: »Mir kann das nicht passieren, ich habe nie welche besessen!« Feine Dialoge, die eine gesellschaftliche Wandlung andeuten, Alltagsphilosophie. Die Dialoge sind präzise, fein austariert.

Auf dem Höhepunkt der guten Stimmung erkundigt sich Lydie nach der Herkunft des Hähnchens auf dem Büfett, weist darauf hin, dass ihr Hühnchenkuchen, fast unangetastet auf dem Büfett, natürlich mit einem Biohuhn gemacht wurde. Jean-Lino möchte witzig sein, lästert über seine Frau, die nur noch Biolebensmittel einkauft, keine KZ-Hühner mag und kürzlich im Restaurant den Kellner fragte, woher das angebotene Hühnchen stamme, ob er wisse, ob es auf dem Ast eines Baumes gesessen hätte und das getan hätte, was Hühner so tun. Im allgemeinen Gelächter setzt er einen obendrauf, gackert und macht dazu mit den Ellenbogen Flatterbewegungen. Lydies Gesichtszüge erstarren.

«Ich habe diese ständigen Einschränkungen so was von über, sagt Jean-Lino, den ihr manisches Hantieren wahnsinnig macht, diesen Terror hab ich so was von satt, wenn ich jeden Tag Huhn essen will, will ich jeden Tag Huhn essen, ohne dass du und deinesgleichen mich anscheißen, wenn ihr nur Körner und Salat fressen wollt, dann macht das meinetwegen, aber lasst andere damit verdammt nochmal in Ruhe.»

Nachdem alle Gäste verschwunden sind, Elisabeth und Pierre stehen im Schlafanzug, klingelt es. Jean-Lino erklärt, er habe Lydie umgebracht. Grotesk geht es in der Geschichte weiter. Das Paar geht mit Jean-Lino hinauf, überzeugt sich von der Tat. Lydie wurde erwürgt. Man richtet sie schön zurecht, damit sie auch hübsch aussieht, wenn die Polizei erscheint, danach muss man auf den Schreck einen trinken. Pierre und Elisabeth verlassen das Appartement, denn der Rest ist Jean-Linos Sache. Pierre legt sich ins Bett, schläft sofort ein. Elisabeth schleicht sich heraus, geht hoch zu Jean-Lino, der ihr erklärt, wie es zu der Tat kam. Wer kümmert sich nun um den Kater, wenn das Herrchen in den Knast muss? Jean-Lino will die Tat vertuschen, die Leiche entsorgen und Elisabeth ist eine willige Helferin …

»Um unser irdisches Dasein zu ertragen, umgeben wir uns mit mythischen Gegenständen. Genau die ziehen mich in ihren Bann, wenn ich die erstarrte Welt der Fotografien betrachte, all diese elegischen Details. Klamotten, Nippes, Talismane, all diese mal schicken, mal schäbigen Ausstattungsstücke geben den Menschen stummen Halt.«

Ich habe mich nicht nur köstlich amüsiert über dieses slapstickartige, bühnenreife Stück, sondern auch die wunderbaren Dialoge genossen, böse, bizarr, treffsicher. Die Oberfläche ist glatt wie ein Kinderpopo und darunter brodelt ein Vulkan, Szenen einer Ehe. Normale Menschen, friedlich, gesittet und plötzlich knallt irgendein Korken im Kopf! Das Biohuhn, ein fieser Tritt mit Stöckelschuhen gegen den geliebten neurotischen Kater und schon bricht eine Welt zusammen. Wo wird die bürgerliche Haut brüchig, wann bricht das Tier im zivilisierten Menschen aus?

»Frauen müssen fröhlich sein. Anders als Männer, die ein Anrecht auf Schwermut und Melancholie haben. Ab einem gewissen Alter sind Frauen zu guter Laune verurteilt. Wenn du mit zwanzig eine Schnute ziehst, ist das sexy, mit sechzig nervt es nur noch.«

Bürgerliche Fassaden, geschönte menschliche Beziehungen. Die Hauptpersonen sind zwei Ehepaare, die in feinem Gleichklang leben, oberflächlich. Je mehr die Fassade bröckelt, umso mehr wird klar, dass alle aneinander vorbeireden. Keiner hört dem anderen zu, ist nur mit sich selbst beschäftigt. Dramatik braucht nicht den Untergang der Titanic, zumindest nicht bei Yazmina Reza. Die Geschichte geht langsam an und hechtet ab der Mitte in einem Tempo, bei dem man beim Lesen die Luft anhält. Feine Sprache, prägnante Dialoge, treffende Metaphern, eine spannende Story gespickt mit feinem Blick auf die Gesellschaft, was will man mehr? Meine volle Empfehlung!

»Er weiß nicht mehr, was er denken soll. Ihre Worte sind in seinen Körper eingedrungen und lassen ihn unstillbar verbluten. Jean-Lino zerdrückt die Kippe auf dem Betonboden und schiebt sie unter den Läufer. Er findet seine Füße in diesen Mokassins lächerlich klein. Überhaupt fühlt er sich klein, körperlich und auch sonst.«

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

italien, autorin, dritter teil der reihe, bildung, fremd

Die Geschichte der getrennten Wege

Elena Ferrante , Karin Krieger , Eva Mattes
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 28.08.2017
ISBN 9783844525199
Genre: Romane

Rezension:

Im ersten Band haben wir die Mädchen des Rione von Neapel kennengelernt, Lila und Elena. Im zweiten Band wird die Jugend behandelt, das junge Erwachsein, Lila heiratet bereits mit sechzehn einen reichen Lebensmittelhändler, Elena geht weiter zur Schule und studiert, eine neidet der anderen das Leben.

Im dritten, vorletzten Band, erleben wir Lila und Elena in den stürmischen Jahren von 1968 bis 1976. In Italien stehen sich Kommunisten, Kirche und die sich immer weiter entwickelnde Camorra gegenüber. Arbeiterbewegung, linke Studentenbewegung und Feminismus, Lila und Elena erleben das Ganze aus verschiedenen Perspektiven.
Elena, alleinerziehend, arbeitet in einer Wurstfabrik, die Arbeitsbedingungen sind miserabel, der Lohn ist schlecht. Die Gewerkschaft rebelliert, Studenten stehen vor der Fabrik, prangern Arbeitsbedingungen an. Die alten Faschisten haben sich bei der Mafia organisiert, schicken Schlägertrupps, um Linke zusammenzuschlagen. Lila hat kein Interesse, sich zu organisieren, sie bezeichnet das Ganze als »Männerkriege«. Elena kommt zu Besuch nach Neapel, hat Kontakt zu Linken Intellektuellen, hört Lila zu und bittet sie, ihre Position als Frau in der Wurstfabrik schriftlich zu fixieren: Schlechte, gesundeitsschädigende Arbeitsbedingungen, noch schlechtere, sobald man rebelliert oder sich von den Chefs nicht begrabschen lässt. Der Handzettel wird ein Erfolg. Elena verfasst nun einen Artikel für eine Zeitung und erhält italienweit Anerkennung, schert sich aber nicht um die Auswirkung im Rione. Letztendlich hat sie wieder von Lila geklaut. Lila verachtet die Feministinnen, wie auch die Linken: Sie schreiben (klugscheißen) über den Arbeiter und die Frauenrechte, haben aber noch nie in einer Fabrik gearbeitet, leben nicht als Frau in Arbeiterstrukturen, kommen aus bürgerlichen Familien, haben keine Vorstellung von dem, was sie reden.

«Sie hatte ein bewegtes Leben, meines stand still.»

Getrennte Wege, Lila bleibt in Neapel verhaftet, ihr einstiger Aufstieg ist nun ein Rückschritt in die proletarische Klasse. Elena hat durch Studium und Heirat mit Pietro Airota den Aufstieg in die intellektuelle, bürgerliche Klasse geschafft, sie hat das Mezzogiorno verlassen, lebt in Florenz, die Schwiegereltern sind wohlhabend und bekannt in Italien. Immer wieder kreuzt , Elenas große Liebe, ihr Leben.

»Mein Verlobter sprang auf, umarmte mich. Von Nino hatte ich ihm nie erzählt. Über Antonio hatte ich einige, wenige, Worte verloren, und auch über meine Beziehung mit Franco, die in den Studentenkreisen von Pisa ohnehin allseits bekannt gewesen war, hatte ich mit Pietro gesprochen. Doch Nino hatte ich nie erwähnt. Diese Geschichte tat mir weh, enthielt peinliche Momente, für die ich mich schämte. Sie zu erzählen hätte bedeutet, einzugestehen, dass ich seit jeher einen Menschen liebte, wie ich Pietro nie lieben würde.«

Man erwartet ein zweites Buch von Elena, doch sie bekommt keine Zeile aufs Blatt. Sie entschuldigt sich mit der Mutterschaft. Elena steht unter innerem und äußerem Druck. Sie fühlt sich unwohl als Hausfrau, zumal ihr Ehemann ihren Roman nie als intellektuelle Leistung respektiert hat. In den UNI’s fühlt sie sich ausgeschlossen, auch nicht den feministischen Gruppen zugehörig, die ihr zu radikal sind, wie auch die gesamte Linke. Sie liest feministische Literatur und stellt ernüchternd fest: »Die Kultur ist männlich.« Pietro hat Schwierigkeit an der UNI, anerkannt zu werden, man wirft ihm vor (im Streit auch Elena), die Professorenstelle in Altphilologie nicht a.G. seiner Leitung erhalten zu haben, sondern nur, weil sein Vater ihm dazu verholfen hat. Pietro ist konservativ, genauso ist sein Verhalten zu Frauen, abwertend, gefühlskalt. Elena ist wieder schwanger, etwas was ihr nicht in ihre Lebensplanung passt.

»›Schreib über Gigliola oder sonst wen. Aber nicht über mich, wag es ja nicht, versprich es mir. .... Ich komme und durchforste deinen Computer, ich lese deine Dateien und lösche sie.‹ – ›Ich weiß, dass du das kannst. Aber ich weiß mich zu schützen.‹ Sie lachte auf ihre alte, boshafte Art. ›Nicht vor mir.‹ Diese drei Worte habe ich nicht mehr vergessen, es war das Letzte, was sie zu mir gesagt hat: Nicht vor mir. Seit Wochen schreibe ich nun schon fieberhaft, ohne Zeit damit zu verlieren, meine Sätze erneut durchzulesen.«

Doch endlich schafft Elena es, eine Erzählung zu schreiben. Ihre Schwiegermutter und ihr Mann lesen das Manuskript, finden es schlecht, ebenso Lila, auf deren Meinung Elena Wert legt. So landet das Manuskript im Schrank. Elena hat zwar den sozialen Aufstieg geschafft, aber sie ist bedeutungslos. Eines Tages tritt wieder Nino in ihr Leben. Damals liebte sie Nino, aber Lila hatte ihn ihr weggenommen, mit ihm ein Kind bekommen. Und da war noch eine Frau, die Elena kennt, sitzengelassen mit einem Kind von Nino. Wie viel mag es noch geben? Nino, jetzt verheiratet mit einer reichen, hübschen und jungen Frau, sie haben ein gemeinsames Kind. Nino ist immer noch Elenas große Liebe. Alles was mit Nino zusammenhängt, muss scheitern, sagt Elenas Verstand.

Am Ende des dritten Bandes ist Elena stehengeblieben, unzufrieden. Mit dem Gehalt des Ehemanns kann man leben, aber keine weiten Sprünge machen. Lila hat durch Fernstudium des Programmierens sich aus der Wurstfabrik herausgearbeitet, sich in einer Computerfirma durch Leistung hervorgetan. Sie und ihr Lebenspartner verdienen dort ein anständiges Gehalt. Michele Solara, der widerliche Camorrista, macht Lila zur Leiterin seines Computer-Lochkartenzentrums im Rione (das er nur für sie aufmacht, um sie zu ködern), sie verdient ein hohes Gehalt. Elena ist entsetzt, wie sich Lila in die Hände des Mannes begibt, der den gesamten Rione beherrscht. Lila hat sich untergeordnet, hat am eigenen Leib erfahren, dass einzelne Kämpfer keine Chance haben. Strukturelle Gewalt durch die Patrone, die Schlägertrupps der Camorra, Vergewaltigungen, Todesschüsse, zu viele Tote. Brutalität beherrscht den Rione, dem man sich nur entgegenstellt, wenn man lebensmüde ist. Lila stellt fest, dass »alles Schwindel ist«: die Kultur, die Gewerkschaft, der Kommunismus und der Feminismus, nur Geld regiert die Welt. Michele liebt Lila, sie hasst ihn. Es hat den Anschein, er hätte sie am Ende doch bekommen, gekauft, zumindest ihre Arbeitskraft. Letztendlich kann Lila Michele um den Finger wickeln. Wir werden sehen, was sie im nächsten Band daraus macht.

»Ich ertrug die Leere nicht, die dadurch entstand, dass sie sich mir entzog.«

Lila geht ihren eigenen Weg, sie braucht Elena nicht. Diese wiederum braucht Lila, um sich zu inspirieren und ihren eigenen Weg auszuloten, sich zu messen. Letztendlich bleibt Eifersucht zurück, denn Lila schafft es immer wieder, sich aus der Schlinge zu ziehen, sich aus eigenen Kräften nach oben zu arbeiten, ein erfülltes Leben zu haben, erfüllte Ziele. Elena arbeitete hart für ihre Bildung, lernte, bestand Prüfungen. Doch wer ist sie? Sie hat einen Roman geschrieben, aus der Inspiration von Lilas Aufzeichnungen, einen Zeitungsartikel, inspiriert durch Lilas Pamphlet. Sie ist die bekannte Schriftstellerin Elena Airota, die nur einen Roman zustande bekam, die Frau von Professore Airota, eine Hausfrau. Man zieht den Hut vor ihr, nur wie lange noch? Lila lebt in einer kameradschaftlichen Beziehung, gleichwertig, mit einem Mann, der sie achtet, bewundert, liebt, hat einen achtbaren Job, verdient viel Geld. Elena lebt an der Seite eines mürrischen Mannes, der sie als Beiwerk betrachtet, mit dem sie sich nichts zu sagen hat, den sie nicht liebt, von seiner Liebe ist auch nicht viel übrig geblieben, sie ist unbedeutend. Ein Wechselspiel zwischen beiden Frauen ein auf und ab.

Der Roman beschreibt die gesellschaftliche Entwicklung Italiens auf der Arbeiterseite, auf der intellektuellen Seite, bürgerlich und kommunistisch, die Emanzipationsbewegung der Frauen. Die Verquickung des Mezzogiorno mit der Mafia und die Straßenkämpfe um die Macht der Gewerkschaften sind auch hier fein herausgearbeitet, genauso wie die brutale Entwicklung von mafiösen Strukturen und deren Ausweitung. Katholische Strukturen des Südens versus intellektueller Freizügigkeit und Atheismus des Nordens, Frauen, die sich Rechte erkämpfen, trotzdem in den Strukturen verfangen sind, sind ein weiteres Thema. Insofern ist auch der dritte Teil der Saga ein Portrait der italienischen Gesellschaft des letzten Jahrhunderts. Die Geschichte von Lila und Elena konnte mich auch dieses Mal fesseln. Doch gemessen an Band eins und zwei fehlt die Intensität der Vorgänger, die Spannung, die aus der Rivalität der Frauen entspringt. Insgesamt ein wunderbarer Roman, und leider müssen wir bis zum letzten Teil warten …

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Schockfrost

Mitra Devi , Petra Ivanov
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 21.08.2017
ISBN 9783293005235
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Anfang: »Die Füße baumelten knapp über dem Boden. Abgesplitterte, rote Lackreste auf den Zehennägeln. Waden und Knie nackt.«

Zwei befreundete Autorinnen aus dem Krimigenre schreiben gemeinsam einen Thriller. Petra Ivanov, die lange recherchiert, erzählerisch detailliert ihre Figuren und die Story aufbaut und Mitra Devi, die mit unglaublichem Tempo, spannungsgeladen durch ihre Krimis fegt. Kann das funktionieren, wenn nicht nur erzählerisch verschieden gearbeitet wird, ebenso recherchetechnisch, sondern die Autorinnen sogar im Aufbau von Romanen abweichend arbeiten? Mitra Devi ist eine Planerin. Sie ist eine detailversessene Plotterin: Jedes Kapitel ist genau geplant, jede Szene darin ausgearbeitet, bevor sie zu schreiben anfängt. Petra Ivanov hat eine Idee, eine Figur, einen Handlungsstrang im Kopf, Recherchen zum Thema auf dem Schreibtisch und dann geht es los. Man nennt das Bauchschreiben. Die meisten SchriftstellerInnen planen im Mittelweg dieser Arbeitsweisen. Zwei Extreme prallen aufeinander, nur das Genre ist gleich.

Mitra Devi: «Petra schreibt mehr aus dem Bauch heraus, lässt sich von den Figuren leiten. Ich hingegen brauche ein Storyboard, bin die Planerin, die schon am Anfang wissen muss, wer der Täter ist und warum.» Jeder hat in seiner Art seinen Teil des Thrillers geschrieben, Kapitel um Kapitel abwechselnd. Um es vorwegzusagen, »Schockfrost« ist ein guter Thriller.

»Sarah versuchte, Schwartz davon zu überzeugen, dass sein Problem nicht im Außen, sondern in seinem Inneren lag. Es gelang ihr nicht. Noch nicht. Aber sie war zuversichtlich. Sie hatte schon viele Patienten wie ihn gehabt, meist spielte sich in deren Köpfen Ähnliches ab.«

Die Psychiaterin Sarah Marten wohnt mit ihrem Sohn David, genannt Dave, zusammen. Sie ist geschieden von Kaspar Marten, der als Psychiater in einer Klinik in Zürich arbeitet. Beide vertreten verschiedene Auffassungen zum Patientenrecht von psychisch erkrankten Personen. Die Autorinnen haben hier sehr fein die gegensätzlichen Meinungen zur Selbstbestimmung psychiatrischer Patienten herausgearbeitet, mit allem Für und Wider. Das hat mir sehr gut gefallen.

»In diese Geschichten hat er sich richtig verbissen. Und Drachentöter brauchen selbstverständlich keine Medikamente. Er fing an, sein Haldol zuerst unregelmäßig zu nehmen, dann setzte er es ganz ab. Die Folgen zeigten sich schnell. Es kam zum Rückfall. Selbstgespräche, vernachlässigte Körperpflege, Verhaltensauffälligkeiten, schließlich Wahnvorstellungen und Halluzinationen.«

Ein Patient von Sarah ist Georg Schwartz, den ihr Mann gern einweisen würde, Sarah aber der Meinung ist, dass er gut allein in seiner Wohnung klarkäme. Dieser psychotische Patient warnt Sarah, sie sei in Gefahr. Er will sie beschützen. Sarah hat viel zu tun mit ihrem Job, einem pubertären Sohn zu Hause und am Wochenende kümmert sie sich um ihre behinderte Schwester, Rebekka, holt sie aus dem Pflegeheim. Mit dem Künstler Till führt sie eine Beziehung. Bertram Lutz, ein Hypnotiseur, zieht als Untermieter in Sarahs Praxis ein. Er stellt fest, in den Räumlichkeiten riecht es komisch.

»Er übergab sich ins Gebüsch, würgte, erstickte fast an seinem Erbrochenen. Er hustete, heulte. Wischte alles mit dem T-Shirt ab, Kotze, Regen, Tränen.«

Plötzlich verschwimmen Gegenstände vor dem Gesicht von Sarah, sie hat Kopfschmerzen, greift und tritt daneben, fühlt sich müde, wie in Trance. Was ist los? Ist sie überarbeitet? Auch Dave hat Probleme. Er trifft im Chat auf ein zuckersüßes Mädchen, agiert hinter dem Rücken seiner Mutter, trickst, als sie ihn spätabends in eine Diskothek einlädt. Mit Exmann Kaspar hat Sarah Ärger, beruflich, wie auch um Dave. Am Samstag will sie Rebekka abholen, doch die ist verschwunden. Irgendjemand hat sie in ihrem Rollstuhl in die Ergotherapie geschoben, die am Wochenende geschlossen ist. Wer denkt sich solche Spielchen aus? Till verlang mehr Zeit und Aufmerksamkeit von Sarah. Nun wird Sarah auch noch von der Heimleitung beschuldigt, ihre Schwester zu misshandeln, die merkwürdigerweise mit blauen Flecken am Sonntag zurückkam.

»Zweieinhalb Dioptrien links, fünf rechts. Und eine Hornhautverkrümmung.«

Alles um Sarah hat sich gegen sie verschworen, Akten verschwinden, Medikamente, ihr Kopf fühlt sich an wie ein Heliumballon. Was geht vor? Der Thriller geht im schnellen Tempo voran und ist spannend. Das mit den Kontaktlinsen habe ich nicht ganz kapiert. Sarah läuft tagelang mit vertauschten Kontaktlinsen herum, mehrere Dioptrien Unterschied, plus Hornhautverkrümmung auf einem Auge, hat einen verschwommenen Blick. Bei einem Unterschied von 0,5 Dioptrien merke ich die unscharfe Sicht sofort, denke direkt an vertauschte Linsen, was in der Schnelle hin und wieder vorkommt. Das war nicht glaubhaft. Ansonsten schön beschrieben die unscharfe Wahrnehmung, die unter Medikamenteneinfluss geschieht. Insgesamt fand ich den Thriller spannend, allerdings ist man ab der Mitte schnell auf der Spur des Täters, es kommt ja nicht soviel Personal in diesem Roman vor, die Auswahl ist klein. Ein immer wiederkehrender Hinweis setzt das Motiv und dann muss man nur noch eins und eins zusammenzählen, Ausschlussverfahren, fertig. Um den Thriller als Pageturner oder superspannend zu bezeichnen, war mir das Ende zu offensichtlich. Mich hat allerdings das Thema versöhnt. Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Psychiatrie, zur Selbstbestimmung der Patienten ist hier gelungen. Man kann sich Gedanken machen, ob man der Meinung von Sarah oder der von Kaspar Marten folgt. Georg und Bertram sind schräge Typen, die dem Ganzen eine Note Humor geben. Ein Triller, den man lesen sollte.

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Das Königreich der Sprache

Tom Wolfe
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Karl Blessing Verlag, 17.04.2017
ISBN 9783896675880
Genre: Sonstiges

Rezension:

»Die Gravitation war ein Gesetz, das durch nichts gebrochen werden konnte. So auch die Rekursion! … ein neu entdecktes Gesetz des Lebens auf Erden … Rekursion! … eine dieser Erkenntnisse, die einen Denker auf ein Plateau des Olymp erheben können … neben Newton, Kopernikus, Galilei, Darwin, Einstein und Noam Chomsky.«

Ich hatte mir etwas anderes unter diesem Buch vorgestellt. Wenn man etwas anderes erhält, als das, was man erwartete, es trotzdem gut findet, dann muss es brillant sein. Im Großen und Ganzen geht es um in diesem Buch um die Entwicklung der menschlichen Sprache. Sprache unterscheidet den Menschen vom Tier. Wieso kann der Mensch sprechen, sich sogar schriftlich ausdrücken? Warum ist er das einzige Lebewesen mit dieser Fähigkeit und wo steckt in der Evolutionsgeschichte der erste Schritt zur Sprache? Das Buch beginnt sogleich mit der Antwort, Anstoß für dieses Buch.

»Wie es aussah, verkündeten hier acht schwergewichtige Evolutionsforscher – Linguisten, darunter ein ›Computerlinguist‹, Biologen, Anthropologen, dass sie sich geschlagen geben, das Handtuch warfen, einknickten, kniffen angesichts der Frage, wie Sprache entstand und wie sie funktioniert.«

Forscher widmen sich diesem Thema seit über 150 Jahren, von Darwin bis Chomsky. Tom Wolfe geht diesen Theorien auf den Grund, auf den Grund des Scheiterns. Wenn hier jemand ein langweiliges Sachbuch erwartet, dann kennt er Tom Wolfe nicht. In seiner sarkastischen Art plaudert er über das Thema und sich damit befassende Wissenschaftler, die sich bis aufs Messer gegenseitig bekämpften. Immer druff auf die anderen, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren, bzw. eitel sich selbst nie in Frage zu stellen, scheint hier die Devise zu lauten. Ist dieses Buch ein Sachbuch? Nicht ganz, dafür ist es zu verplaudert, zu sehr fixiert auf Noam Chomsky, mit dem Wolfe anscheinend irgendeine Rechnung offenstehen hat. Amüsant ist es auf jeden Fall, auch gut recherchiert. Wenn es gegen Chomsky und Darwin geht, gleitet der Text gern ins Polemische.

»Gentlemen wie ... Darwin betrachteten Fliegenfänger nicht als naturforschende Kollegen, sondern als Lieferanten auf der Stufe von Farmern und Cottage-Webern. Allein schon der Gedanke, seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, geschweige denn als malaiischer Insektenhändler, reicht aus, um Juckreiz und manisches Kratzen bei einem Gentleman auszulösen.«

Charles Darwin oder Alfred Wallace, wer hat die Evolutionstheorie entwickelt? Es waren beide. Wallace, sendete seine genialen Gedanken zum Thema an Darwin, um mit ihm eine Idee zu besprechen, die seinen Naturbeobachtungen als Biologe entstammten. Darwin aber, veröffentlichte diese Gedanken als die seinen und erntete weltweit großen Ruhm, erwähnte dann später den Urheber Wallace und wollte sogar freiwillig das Urheberrecht abtreten. Darwin wird von Wolfe zunächst als Dieb dargestellt. Da sollte er die Kirche im Dorf lassen. Denn Wallace verehrte Darwin deshalb, weil dessen Gedanken über die Arterhaltung in ähnliche Richtung ging.

Daniel Everett forschte im brasilianischen Urwald, stieß auf den Stamm der Pirahã, dessen Sprache keine Grammatik beinhaltete, keine Zahlen und Farben enthielt. Damit widerlegte er die Theorie des Linguisten Chomsky, der der Meinung war, Grammatik sei beim Homo sapiens angeboren und unterscheide den Menschen von Tier. Chomsky ignorierte diese Entdeckung, zunächst. Später fuhr er großes scheinwissenschaftliches Geschütz auf, um den Widersacher mundtot zu machen, so Wolfe.

»Er ist niemals outdoors, außer um zum Flughafen zu fahren und von dort zu andern Universitäten zu fliegen, auf dass man ihm die Ehrendoktorwürde verleihe ... mehr als neununddreißig nach letzter Zählung.«

Everett ist für Wolfe ein echter Feldforscher mit akademischem Grad, Chomsky ein Pseudowissenschaftler, ohne universitäre Ausbildung, der noch nie im Dreck gewühlt hat. Diese elitäre Haltung Wolfs verwundert, da er ja gerade Darwin sein Gentlemangehabe gegen den hart arbeitenden Habenichts Wallace vorwarf.

»Die Sprache ist unser Rubikon, und kein Tier wird wagen ihn zu überschreiten.«

Darwin glaubte, dass Sprache sich aus Lauten entwickelte, wie sie den Tieren eigen ist. Max Müller, ein britischer Sprachwissenschaftler, regte sich 1861 darüber auf, tat diese Theorie als Kalauer ab.
Viel wurde über den Ursprung der Sprache geforscht, Wolfe zählt amüsant die Thesen und Antithesen auf, den Kampf um die Eitelkeit, recht zu haben. Hat er selbst eine Idee? Nein. Und damit sind wir am Anfang des Buchs angekommen. 

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kunstfigur, paris, rätsel, krimi, krimi-reihe

Kommando Abstellgleis

Sophie Hénaff , Katrin Segerer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei carl's books, 20.03.2017
ISBN 9783570585610
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Anfang: »Anne Capestan stand vor ihrem Küchenfenster und wartete darauf, dass der Tag anbrach. Mit einem Schluck leerte sie ihre Tasse und stellte sie auf das grüne Wachstuch mit Vichy-Muster. Wahrscheinlich hatte sie gerade ihren letzten Kaffee als Polizistin getrunken.«

Ein französischer Krimi aus der Abteilung Humor, gut geschrieben, weil das Buch nie in Kitsch oder Schenkelklopfer abfällt, sondern durch die Figurenzeichnung eine unterschwellige Komik stets präsent ist, niemals aufdringlich, immer im Rahmen der Glaubwürdigkeit.

Anne Capestan hat im Dienst einen Kriminellen erschossen, aber der war unbewaffnet. Das wusste Capestan, aber sie behauptet, den Bleistift in der Hand des Mannes habe sie im Dunkeln als Waffe gedeutet. Ein Halunke weniger auf der Welt, er hatte es verdient, aber Capestan würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kündigung ausgesprochen werden. Es kommt anders, man macht sie zur Brigadeleiterin, 40 Leute, die man in der Polizei gern kündigen würde, uneffektive Mitarbeiter, fiese Kollegen.

»Na schön, Capestan, noch mal zum Mitschreiben: Wir säubern die Behörde, um die Statistiken aufzupolieren. Wir stecken alle Alkoholiker, Schläger, Depressiven, Faulpelze und so weiter, alle, die unsere Abteilungen behindern, aber nicht gefeuert werden können, zusammen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und zwar unter ihrem Kommando.«

Diese Gurkentruppe, so überhaupt jemand auftauchen sollte, bekommt eine heruntergekommene Altbauwohnung als Dienstsitz gestellt, darin nur ein paar klapprige Schreibtische aufgebaut. Man dürfe dort schlafen, häkeln oder Bilder malen, dem Amtsleiter sei das egal, Hauptsache, diese Kollegen bleiben dem Polizeipräsidium fern. Damit es aber nach offizieller Polizeiarbeit aussieht, stellt man ihnen zwei Kisten ungelöster Altfälle auf den Tisch, die sie lösen sollen: Fahrraddiebstähle, Handtaschenraub, man schickt sie auf die Jagd nach Eierdieben …

»Ihr Enthusiasmus und ihr Pflichtbewusstsein hatten sie weit gebracht. Ihr Mitgefühl und ihre Erregbarkeit hatten sie vor die Wand gefahren. Seitdem hatte Anne Capestan Angst. Aber sie kniff nicht.«

Mutlos findet sich Capestan in ihrem neuen Büro ein. Doch sie ist nicht allein. Eine kleine Truppe wühlt sich neugierig durch die Kisten und siehe da, es gilt auch zwei alte Mordfälle zu lösen. Ein Unglücksvogel, ein fauler Alkoholiker, ein »Kollegenschwein« und eine Schriftstellerin sind die Ersten im Team, ein Durchgeknallter und ein kranker IT-Typ werden folgen. Man hat alle Zeit der Welt und so wird zunächst die Bude gemütlich gemacht.

Eva hatte sich lange vom Dienst beurlauben lassen, um Krimis zu schreiben, darin sehr deutlich mit Wiedererkennungswert über alle ihr bekannten Kollegen hergezogen. Erfolg und Reichtum machen nicht glücklich, wenn man dabei einsam ist, drum zog es Eva zurück ins Präsidium. Sie ist die »Mutter« der Brigade. Geld ist für sie kein Thema. Farbe an der Wand, ein paar antike Möbel, auch ein Sofa sind schnell organisiert, den Kamin saubergemacht, Küchenequipment besorgt, denn Eva kann gut kochen, zw. bestellen, bald kommt Gemütlichkeit in die Bude.

Mit Torres will kein Kollege mehr zusammenarbeiten, er hat das schwarze Carma. Jeder Teamkollege von ihm ist entweder bereits tot oder wurde schwerverletzt. Merlot ist immer von einem Hauch von Rotwein umgeben, er ist stinkefaul und träge. Lebreton ist das Kollegenschwein. Er was Commandant der IGS (interne Ermittlung) und hatte zu tief bis in die Führungsetage gewühlt, was im Präsidium auch nicht gut ankam. Später kommen der Blaulichtmann und ein IT-Fachmann hinzu, der einen an den Kopf bekommen hat.

Diese Brigade hat keine Vollmacht, keine Waffen, ist nicht in den Polizeiserver integriert, darf nicht verhaften, die Truppe ist ganz auf sich gestellt. Ein neuer Fall der Kriminalpolizei scheint mit ihrer Ermittlung in einem Mordfall in Zusammenhang zu stehen, aber sie bekommen keine Akteneinsicht. Mit einem Babyphon lässt es sich wunderbar Kollegen abhören. Und wie observiert man unbemerkt Kollegen? Ganz einfach, man stellt sich direkt vor das Präsidium mit einem Schild in Hand: Hungerstreik wegen Mobbing. Eindeutig, diese Brigade wird gemobbt. Dumm nur, wenn der man in der einen Hand das Schild trägt, in der anderen ein Baguette. Auch dafür gibt es eine logische Erklärung. Irgendwann steht auch einem Streikenden eine Pause zu.

Der Plot ist durchschaubar, die Spannung nicht besonders hoch. Dieser Roman lebt durch seine Figuren. Ein konventioneller Krimi ohne Aufregung mit skurrilen Typen und feinem Humor, den ich als Entspannungsliteratur empfehlen kann. Die Geschichte an sich ist kein großer Krimiwurf. Der Einführungsband wird als Serie im Herbst weitergeführt. In Spannung und verstricktem Plot muss eine Schippe zugelegt werden, um mich als Fan zu gewinnen. Die Amts-Wohnung ist am Ende der ersten Folge gemütlich eingerichtet, der Kamin brennt, in der Küche brutzelt das Essen, der Wein steht auf dem Tisch. Die Kollegen schätzen sich, sämtliche Vorurteile sind ausgeräumt. Nun frage ich mich, wie in dieser Eintracht die Skurrilität weitergeführt werden soll, denn die ergab sich meist aus Vorurteilen. Die Abteilung besteht eigentlich aus 40 Leuten, genug Platz für weitere Gestalten. Aber irgendwann wird es zu eng werden in der Wohnung.

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