Bücher mit dem Tag "suhrkamp"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "suhrkamp" gekennzeichnet haben.

103 Bücher

  1. Cover des Buches Der Schatten des Windes (ISBN: 9783596196159)
    Carlos Ruiz Zafón

    Der Schatten des Windes

     (5.751)
    Aktuelle Rezension von: misspider

    Zum ersten Mal habe ich den "Schatten des Windes" vor mehr als 10 Jahren gelesen. Damals fand ich das Buch OK, mäßig spannend, oft zu lang und verzettelt, und am Ende konnte ich nicht verstehen warum dieses Buch so einen Wirbel verursacht hatte.
    Jetzt bot sich mir die Gelegenheit, das Buch erneut zu lesen, und da ich mich kaum mehr an irgendwelche Details erinnern konnte, habe ich zugegriffen. Und siehe da: diesmal habe ich das Buch regelrecht verschlungen - trotz seines manchmal gemächlich anmutenden Tempos - und war begeistert von der Vielschichtigkeit und Komplexität. Zugegeben, ich hätte mir noch mehr Details zum Friedhof der Vergessenen Bücher gewünscht, aber die so eng miteinander verwobenen Geschichten von Daniel und Julian waren nicht minder faszinierend. Die Mischung aus bibliophilem Thriller und historischem "Buch Noir" ist beeindruckend, aber ich musste tatsächlich erst in der rechten Stimmung für dieses weitschweifige Werk sein, denn viele kleine, teils banale Details erfordern auch eine gewisse Geduld beim Lesen. Bei mir zumindest hat sie sich dieses Mal gelohnt.

  2. Cover des Buches Der Winterpalast (ISBN: 9783458359708)
    Eva Stachniak

    Der Winterpalast

     (273)
    Aktuelle Rezension von: Phini

    Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, da ich historische Romane liebe und ich über die russische Zarin "Katharina die Große" noch nicht viel gelesen hatte. Tatsächlich war es auch sehr interessant zu lesen wie es am russischen Hof unter der Herrschaft von Elisabeth zuging. Leider rissen mich Erzähl- und Schreibstil überhaupt nicht mit, auch die Protagonistin glitt mir irgendwie durch die Finger - was zwar zu ihrem Job passte, aber es mir als Leser wirklich schwer machte. An manchen Stellen konnte ich nicht mehr folgen: In welchem Palast sind wir jetzt gerade, in welchem Jahr!? Hat mich leider nicht ganz überzeugt.

  3. Cover des Buches Der Steppenwolf (ISBN: 9783518463550)
    Hermann Hesse

    Der Steppenwolf

     (1.240)
    Aktuelle Rezension von: Quacki24

                


     Mannometer - Harry Haller ist ja so ein unsympathischer Miesepeter :-(

    Das ganze Buch triefte für mich nur so vor Unzufriedenheit und Bitterkeit, dass ich fast Lust hatte, es wie ein Baby im Arm zu wiegen und zu sagen: "Na na na, wer will denn da gleich weinen. Es wird doch alles wieder gut."

    Klassiker sind einfach nicht so meins, auch wenn die Worte noch so kunstvoll verwoben sind. Aber ich bleibe dran, irgendwann wird auch einer für mich dabei sein.

    Zwei schöne Zitate konnte ich dennoch finden:

    "Nun, jeder hat sein Los, und leicht ist keines."

    "Mochte das nun hohe Weisheit sein oder einfachste Naivität: wer so den Augenblick zu leben verstand, wer so gegenwärtig lebte und so freundlich-sorgsam jede kleine Blume am Weg, jeden kleinen spielerischen Augenblickswert zu schätzen wußte, dem konnte das Leben nichts anhaben."
  4. Cover des Buches Der Horror der frühen Medizin (ISBN: 9783518468869)
    Lindsey Fitzharris

    Der Horror der frühen Medizin

     (143)
    Aktuelle Rezension von: DianaE

    Lindsey Fitzharris – Der Horror der frühen Medizin


    In diesem Sachbuch mit dem klangvollen Namen "Der Horror der frühen Medizin" geht es um den Chirurgen Joseph Lister, der um 1860 die Medizin revolutionierte. Sein oberstes Ziel war die Todesrate bei chirurgischen Eingriffen einzudämmen und den Patienten eine schmerzlose Alternative zu ermöglichen. Doch natürlich werden Neuheiten immer skeptisch beobachtet und auch angefeindet, weswegen Listers Karriere oft auf dem Prüfstand stand. Er erfand das antiseptische System.


    Ich habe "Der Horror der frühen Medizin" als Hörbuch, eingelesen von Friedhelm Ptok, gehört.

    Das Sachbuch baut zum einen auf der Lebensgeschichte des Chirurgen Joseph Listers auf, zum anderen lebt das Buch von beschriebenen Operationen in der Öffentlichkeit, die teils grausam, teils skurril und auch teils übelkeiterregend dargestellt werden. Immer wieder schweift der Autor zu weiteren Chirurgen jener Zeit und ihren Erfolgen bzw. Misserfolgen ab.

    Im Großen und Ganzen bin ich der Meinung, dass ich das Buch sicherlich öfter zur Seite gelegt hätte, als Hörbuch habe ich es durchlaufen lassen. Die Erkenntnisse waren spektakulär und auch wenn ich mir vorstellen kann, wie der Werdegang und wie die Chirurgen im Allgemeinen zur damaligen Zeit gehandelt haben, fand ich einiges doch recht lapidar und ein klein wenig überzogen dargestellt.

    Dennoch, das Buch hat mich interessiert, ich bin neugierig geblieben und Friedhelm Ptok gestaltet das Hörbuch mitreißend.


    Der Synchronsprecher hat eine angenehme Stimme. Friedhelm Ptok liest das Buch in einem angenehmen Tempo und man kann die Begeisterung beim zuhören spüren. Das ungekürzte Hörbuch hat eine Dauer von 8 Stunden und 36 Minuten.


    Das Buch ist ein Sachbuch. Es ist weder ein Thriller noch ein Horrorbuch, darüber sollte man sich klar sein. Obwohl die Handlung und das Leben um Joseph Listers sicherlich spannend ist und hier reißerisch erzählt wird, ist es ein etwas ausgeschmückter Lebenslauf des Chirurgen mit kleinen Einblicken in die Medizin der damaligen Zeit. Wem das bewußt ist, dem wird das Buch gefallen.

    Ich bin froh, dass wir in der heutigen Zeit leben mit all den Erkenntnissen die Lister machen konnte und so die ersten Schritte zur Sanierung in den Krankenhäusen und Operationssälen entstehen konnte. Nicht auszudenken, wie leicht bzw. schmerzhaft und grausam die damaligen Patienten den Tod gefunden haben. Operationen in der Öffentlichkeit, heute für uns unvorstellbar... und das ist auch gut so.


    Das Cover finde ich für ein Sachbuch recht quietschig und wird dem eher ernsten Inhalt nicht wirklich gerecht.


    Fazit: Guter Einblick in die frühere Chirurgie. 4 Sterne. 

  5. Cover des Buches Ein unvergänglicher Sommer (ISBN: 9783518428306)
    Isabel Allende

    Ein unvergänglicher Sommer

     (135)
    Aktuelle Rezension von: uli123

    Isabel Allende wird auch hier im Klappentext als beliebteste und meistgelesene Schriftstellerin weltweit angepriesen. Daher wollte auch ich endlich einmal eines ihrer Werke lesen. Leider kann ich nach der Lektüre dieses Romans den Ruhm der Autorin nicht so recht nachvollziehen. Für mich handelt es sich um eine recht banale Geschichte. Deren Liebesgeschichtenanteil war von Anfang an sehr vorhersehbar; ihr kriminalistischer Einschlag nahm bizarre Züge an. Am ehesten sind die Schilderungen über die politische und gesellschaftliche Lage in den Ländern Südamerikas in den vergangenen Jahrzehnten und die Lage der von dort in die USA Geflüchteten auf mein Interesse gestoßen, die wirklich informativ waren. Mal schauen, ob mich jetzt noch Allendes Weltbestseller „Das Geisterhaus“ locken kann.

  6. Cover des Buches Blauschmuck (ISBN: 9783518425107)
    Katharina Winkler

    Blauschmuck

     (71)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Ich bin in meinem Zuhause, das kein Zuhause mehr ist, das immer meine Rettung in letzter Not war und mich in letzter Not nun nicht rettet.“

    Inhalt

    Filiz, aufgewachsen in einem kurdischen Dorf verliebt sich mit 12 Jahren in einen nur wenig älteren Jungen aus der Nachbarschaft. Die Eltern wollen der Verbindung nicht zustimmen, da brennt das junge Mädchen mit dem Geliebten einfach durch und bricht mit ihrem Elternhaus. Ihre Schwiegermutter kommt für die Vermählung der beiden auf und lässt sie bei sich wohnen. Doch schnell muss Filiz erkennen, dass ihr Mann ganz unter der Schirmherrschaft seiner Mutter steht und für die ist Filiz nur eine Dienstbotin, die sie nach Lust und Laune herumschubsen kann. Daran ändert auch die erste Schwangerschaft nichts – sie ist nichts wert, ihr Leben abhängig von der Gunst der anderen. Yunus ihr Geliebter bringt ihr längst kein Gefühl mehr entgegen, maximal beim erzwungenen Geschlechtsverkehr, oder wenn er sie mal wieder grün und blau schlägt. Als es ihm gelingt in Österreich eine Wohnung zu bekommen holt er Filiz nach und diese hofft immer noch auf ein anderes, selbstbestimmteres Leben. Doch Yunus ändert sich nicht, seine Gewalteskapaden werden immer schlimmer und die junge Frau fürchtet um ihr Leben und wenig später auch um das ihrer mittlerweile 3 Kinder. Auch in der Fremde wird sie nie Zuhause sein, solange Yunus an ihrer Seite ist – doch ihre Kraft, sich den Misshandlungen des Mannes zu widersetzen schwindet immer mehr …

    Meinung

    Die österreichische Autorin Katharina Winkler widmet sich in ihrem Debütroman der Thematik Misshandlung und Gewalt innerhalb der Ehe. Dabei nimmt sie eine wahre Begebenheit als Ausgangssituation, um zu zeigen wie bitter und nachhaltig die Spirale aus Machtmissbrauch, Abhängigkeit und Ausweglosigkeit sein kann, wenn man als Frau nicht nur in eine von Männern dominierte Welt hineingeboren wurde, sondern von klein auf daran gewöhnt ist, dass Frauen von Männern geschlagen werden und dies als normalen Zustand empfindet.

     Der sogenannte „Blauschmuck“ bezeichnet die Färbung der Haut an den verschiedensten Körperstellen der Frau in allen nur erdenklichen Nuancen, wenn sie wieder einmal Opfer häuslicher Gewalt geworden ist. Und fast jede Frau in dem kurdischen Heimatdorf der Protagonistin trägt mehr oder weniger „Blauschmuck“ und spricht doch nicht darüber, denn was allen passiert wird zwar geduldet, bleibt aber dennoch Privatsache. 

    Der Handlungsverlauf dieser Geschichte ist äußerst deprimierend, weil sich die Spirale aus Missachtung und Gewalt immer mehr steigert und nicht nur die Illusionen einer jungen Braut zerstört, sondern letztlich die ganze Familie im Griff hat: Kinder die sich fürchten, weil sie geprügelt werden, eine Mutter die weder Schutzschild sein kann noch die Kraft aufbringt, der Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Besonders eindringlich wird die Abstumpfung der Betroffenen geschildert, die einst voller Überzeugung genau diesen Mann geheiratet hat, um mit ihm ihr Glück zu finden und dann feststellen muss, dass Selbstschutz das einzige ist, was ihr geblieben ist. Und obwohl mir persönlich das Gedankengut der Frau, gewachsen auf ihren Erfahrungen sehr fremd ist, schafft es die Autorin den fremden nationalen Hintergrund so zu integrieren, dass ich glaube, Filiz zu verstehen, ohne es tatsächlich nachempfinden zu können.

     Ein weiterer Pluspunkt ist die Art von generalistischer Erzählung, die nicht nur den Einzelfall dramatisch wirken lässt, sondern gezielt eine Vielzahl ähnlicher Fälle im Hinterkopf entstehen lässt, von denen man weiß, dass sie fast genauso ablaufen und nur die Namen und die Beteiligten andere sind.

    Fazit

    Ganz klar ein Roman, der 5 Sterne verdient, weil er in ansprechender literarischer Umsetzung eine bittere, grenzwertige Erzählung schildert, die stellvertretend für viele Familien steht und die trotz ihrer Unglaublichkeit immer noch auf der Tagesordnung steht, sofern ein gewisser kultureller Rahmen gegeben ist.

     Im besten Sinne ist dieses Buch emotional, obwohl es niemals so tief geht, dass man es nicht ertragen kann es ist brisant und zeitlos, abstoßend und fordernd zugleich und es bleibt lange in Erinnerung, weil man als Leser sehr viele Aspekte aufgreifen kann, über die es sich nachzudenken lohnt. 

    Auch die Definition von Liebe muss überdacht werden, nicht nur die zwischen Mann und Frau, sondern auch die zwischen Eltern und Kindern. Und nicht zu verachten der Aspekt der Abhängigkeit, die manchmal unumstößlich, aber nur dann gefährlich ist, wenn der vermeintlich „Stärkere“ seine Position ausnutzt, um sein Gegenüber zu unterdrücken. Ein absolut lesenswerter, zeitloser Roman über wahrgewordene Albträume, ständige Ängste und den Verlust eines sicheren Zuhauses.

  7. Cover des Buches Meine geniale Freundin (ISBN: 9783518469309)
    Elena Ferrante

    Meine geniale Freundin

     (575)
    Aktuelle Rezension von: Nikola-Marie

    Neapel vergessen - das geht scheinbar nicht. Auch den beiden genialen Freundinnen gelingt es nicht, dem Dreck, der Schönheit, der Engstirnigkeit, der Lebenslust, der Primitivität und der Kultur ihrer Geburtsstadt zu entkommen.

    Ein unglaublich gut geschriebenes Buch, wie auch die drei Folgebände. Der Leser wird augenblicklich in die Geschichte hineingezogen, wird zum Beobachter, Vertrauten und Freund der beiden großartigen Hauptcharaktere Lila & Lenu. Das einzige Problem dabei ist, dass sich nach dem letzten Teil die Frage auftut: Und was mache ich jetzt?

  8. Cover des Buches Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt (ISBN: 9783518468975)
    Maya Angelou

    Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    wenn es mir schwer fällt, Worte für meine Liebe zu Worten zu finden, dann schreibe ich Briefe an jene außergewöhnlichen Menschen, denen diese besagte Liebe überhaupt verschuldet ist.
    Eine von ihnen bist du.
    Und hier ist mein Liebesbrief an dich:

    Ich möchte nichts Schönreden, was bereits in seinem Kern durch und durch hässlich ist: Ich bin unglücklich. Sehr sogar. Ich kann mein Unglück auch nicht rechtfertigen, weder mit Ursachen noch mit Gründen. Was denn Versuch, diese Angelegenheit irgendwie erklären zu können, zu einer Banalität macht. Wenn ich die Welt um mich betrachte, habe ich das Gefühl, ein Privileg an mich zu reißen, das mir nicht zusteht. Das Privileg müde sein zu dürfen; denn wenn man ein Dach über den Kopf drei warme Mahlzeiten und ein Schrank voller Kleidung hat, steht man tagein, tagaus vor dem Spiegel und fragt seine eigene Reflexion: Warum bist du eigentlich so? So undankbar?
    Und in dieser Frage, da schwingt so viel Wut und Erbitterung mit, dass es gar keiner Antwort mehr bedarf. Denn das ist mein Armutszeugnis: Der Selbsthass. Oder auch die Unfähigkeit, Schönheit in mir - mir? ich! - zu sehen, geschweige den zu finden.

    Ich sage anderen immer gern, dass ich ihr Mitleid nicht brauche. Sie fragen und drängen, sie versuche zu helfen. Aber sie wissen nicht, wie, weil ich Selbstdestruktion wie ein Gebet verinnerlicht habe. Und wenn ein Gespräch sich wie eine Schlange um mich schlingt, dann winde ich mich heraus, so geölt bin ich im Weglaufen und Verstecken. Gleichzeitig befürchte ich, egoistisch zu sein, denn die Sorgen der anderen habe ich natürlich nicht verdient, aber noch weniger verdienen sie meine Ignoranz. Vielleicht, nein ganz sicher sogar, bin ich nicht die Erste, die daran scheitert, die Grenze zwischen Selbstliebe und Selbstsucht zu erkennen und in Wirklichkeit, da weiß ich ja, ich bin weder das Eine, noch das Andere, sondern in der Schlucht dazwischen gefangen. Mir fehlt die Fähigkeit, meine Gefühle für mich zu übersetzen und deswegen lese ich und hoffe, dass irgendein Buch mir dabei hilft, diese Sprache des Ichs zu meistern. Und Stück für Stück, da klappt es tatsächlich.
    Buch für Buch, da komme ich mir näher.
    Seite für Seite, da erfahre ich Klarheit.

    Just like moons and like suns,
    With the certainty of tides,
    Just like hopes springing high,
    Still I’ll rise
    .
    - Maya Angelou, And Still I Rise


    Dein Leben hat dir so viel Grausamkeit vorgeworfen, Maya. Bereits mit deiner Geburt beschloss es, dein Schicksal zu besiegeln: Du bist als Schwarze in einer Welt geboren, in der Schwarze nicht erwünscht waren. Und was hast du getan? Du hast dir das nicht gefallen lassen. Du hast dem Leben ins Gesicht gelacht und bist sorglos über Müllhalden getanzt, weil du niemanden das Recht gabst, ihren Hass auf dich wirken zu lassen. Vor allem dir selbst nicht, auch wenn der Versuch sooft so groß gewesen war. Ich fühle mich demütig deiner Macht gegenüber, Stärke wie ein selbstverständliches Gut zu behandeln. Dabei war es nicht immer leicht für dich, an diesem Grundsatz festzuhalten, ganz und gar nicht. Macht dich das allerdings nicht stärker?
    Wenn ich manchmal das Gefühl habe, an meiner Selbst zu ersticken, hole ich dein Buch aus meinem Regal heraus, breche es zum hundertsten Mal auf und lese die ersten Worte, zwischen denen ich mich wiederfinde. Und dann verliere ich mich in der Schönheit, die dein Kopf, dein Herz vor Jahren auf das Papier geschrieben haben und ich merke, wie sich meine angespannten Schultern lockern, wie meine Atmung sich reguliert und wie sich das schwarze Wirrwarr in meinem Kopf langsam löst. Die Welt und ihr Grau um mich herum verblasst und die Worte mit ihren Farben treten in den Vordergrund. Anderswo nennt man das wohl Hoffnung. Und die brauche ich ja ganz besonders.

    Meine Bewunderung für dich liegt in deiner Inakzeptanz, die Dinge so hinzunehmen, wie sie dir präsentiert wurden. Wenn dir jemand sagte, dass es keine schwarzen Schaffner gibt, hast du damit geantwortet, die erste schwarze Schaffnerin San Fransiscos zu werden. Wenn du wusstest, du musst nach Hause, hast du nicht auf Rettung gewartet, sondern bist allein losmarschiert. Wenn du Angst hattest vor deiner eigenen Gewalt, hast du auf deine Instinkte vertraut und damit stets Sanftheit errungen. Man lässt sich gern einreden, weniger zu (be-)herrschen, aber letztendlich sind wir die alleinigen Machthaber über uns und unserem Glauben. Es ist nur zu leicht, ebendas zu vergessen. Aber ebenso leicht kann es auch sein, daran erinnert zu werden.

    Es ist jetzt beinahe zwei Monate her, seit ich "Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt" gelesen habe, aber ich habe das Gefühl, seitdem jeden Tag mit deiner Geschichte begonnen zu haben. Denn sie gibt mir so viel Mut, so viel Liebe und Leidenschaft, dass ich innerlich immer einen Weg zurück zu dir finde. Liebe Maya, ich würde dir gerne Danke sagen, aber ich glaube nicht, dass das ausreicht. Ich kann dir aber ein Geheimnis verraten, nämlich, dass ich nicht - nichts und niemanden - aufgeben möchte. Das wollte ich nie. Aber es ist schwer, einen Halt zu finden.
    Doch: Stück für Stück.
    Buch für Buch, so klappt es schon.
    Seite für Seite, da komme ich mir näher.

    "Schau, du musst nicht nachdenken, ob du das Richtige tust. Wenn du das Richtige willst, dann tust du es auch, ohne nachzudenken."


    (Sommer, 2018)

  9. Cover des Buches Gott der Barbaren (ISBN: 9783518428252)
    Stephan Thome

    Gott der Barbaren

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Kleine8310

    Lesegrund:

    Als das Buch für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde hat mich die Thematik direkt angesprochen. Ich finde der Inhalt klingt sehr spannend und der kulturelle Hintergrund hat mich gereizt.

    Handlung:

    Die Geschichte beginnt in China, in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine christliche Aufstandsbewegung zieht durch das Kaiserreich und hinterlässt Terror und Zerstörung. Ein junger Missionar aus Deutschland will bei der Modernisierung des Reiches helfen und ist voller Idealismus. Doch in Nanking steht er dem wahren Bild der Rebellion gegenüber und gerät zwischen die Fronten eines Krieges, der nicht nur ihm alles nehmen kann, was ihm wichtig ist …

    Schreibstil:

    Der Schreibstil von Stephan Thome ist angenehm flüssig zu lesen und bietet eine gute Mischung aus verschiedenen Erzählsträngen, die bei mir insgesamt einen sehr guten Gesamteindruck hinterlassen haben. Durch die verschiedenen Passagen gelingt es dem Autor eine tolle Bandbreite an Inhalten abzudecken, zum Beispiel informative, spannende und emotionale.

    Charaktere:

    Die Ausarbeitung der Charaktere hat mir gut gefallen. Es gibt eine Vielzahl an Charakteren und einige von ihnen sind facettenreich und mit Liebe zum Detail gezeichnet worden. Die Gegensätze und auch die Gemeinsamkeiten hat Herr Thome gut herausgearbeitet und ich fand das Zusammen – und Gegenspiel der Personen interessant.

    Spannung:

    Den Spannungsbogen hat der Autor gut aufgebaut und auch über weite Strecken der Geschichte schön weit oben gehalten, was mir gut gefallen hat. Die verschiedenen Erzählstränge bieten viel Abwechslung und ich habe die Entwicklungen gerne mitverfolgt.

    Emotionen:

    Dieses Buch hat in mir eine Menge Emotionen geweckt und dabei auch die ganze Bandbreite genutzt. Die Inhalte haben mich schockiert, traurig gemacht, meine Wut geweckt, aber auch mein Mitgefühl und irgendwie tatsächlich auch Hoffnung. Das mochte ich sehr gerne.

    “Gott der Barbaren” ist eine vielschichtige und informative Abenteuergeschichte, die mir sehr gut gefallen hat und die ich daher gerne weiterempfehle.

    Meine Bewertung: 4 von 5

  10. Cover des Buches Ermordung des Glücks (ISBN: 9783518427552)
    Friedrich Ani

    Ermordung des Glücks

     (67)
    Aktuelle Rezension von: MikkaG
    “Friedrich Ani vereint erneut grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und atemlose Spannung in einem an Melancholie kaum zu übertreffenden Roman.”

    Behauptet die Klappbroschur.

    Atemlose Spannung? Das kommt wohl drauf an, wie man Spannung definiert, was man von einem spannenden Roman erwartet. Serienmörder, Blutgelage, Verfolgungsjagden? Fehlanzeige. Die Spannung in “Die Ermordung des Glücks” kommt leise und unaufgeregt daher.

    Die spezielle Methode des Ex-Kommissars Jakob Franck ist die ‘Gedankenfühligkeit’: eine Art meditative Selbsthypnose, eigentlich das genaue Gegenteil von ‘atemlos’. Da kann es schon mal vorkommen, dass er stundenlang bewegungslos und schweigend auf ein Beweisstück starrt, bis das Beweisstück zu ihm spricht – oder auch nicht.

    Aber grenzenlose Traurigkeit, menschliche Abgründe und Melancholie, das trifft es sehr gut. Ich visualisiere Szenen beim Lesen immer sehr stark, und hier habe ich graue Menschen auf grauen Straßen unter grauem Himmel vor mir gesehen, zu einem inneren Soundtrack melancholisch pfeifenden Winds. Man hat das Gefühl, es müsse unaufhörlich regnen in Friedrich Anis Version der Welt.

    Zitat:
    »Das ist unser Versagen«, rief er. »Wir sind blind und taub und verstaubt, unsere Routine hat uns stumpf gemacht…«

    Die Schwermut ist kaum zum Aushalten, man kann erahnen, wie verloren und zerstört sich die Hinterbliebenen in diesem Roman fühlen. Alles bricht auseinander, und dahinter kommen alte Wunden und alte Schuld zum Vorschein.

    “Ich fange ein Buch nicht mit der Absicht an, immer noch mehr Finsternis in den Text hineinzuschaufeln. Überhaupt nicht.”
    (Friedrich Ani in einem Interview mit der Berliner Zeitung)

    Dennoch ist die Finsternis da – und man will trotzdem weiterlesen. 

    Jakob Franck überbringt die Nachricht von der Ermordung des Glücks; auch nach seiner Pensionierung fungiert er weiterhin als Todesbote des Kriminalkommissariats. Wenn er nach Hause kommt, sitzen die Toten an seinem Küchentisch und trinken Tee. Wahnvorstellung, paranormale Erscheinung oder Visualisierung des Leids?

    Es wird nicht erklärt, und das muss es auch nicht.

    Überhaupt lässt der Roman vieles offen, obwohl der Tod des kleinen Lennard am Schluss aufgeklärt ist. Diese Aufklärung erscheint fast nebensächlich, es ist ohnehin niemandem damit geholfen – als wäre es von Anfang an gar nicht darum gegangen, sondern um die Trauer, den Selbstbetrug, das ganze Kaleidoskop menschlicher Emotionen.

    Es geht auch darum, was die Trauer mit den Menschen macht.

    Zitat:
    “Vor drei Monaten war sie die Mutter eines elfjährige Sohnes, und nun, da er tot ist, existiert sie nicht mehr. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass sie ihr Dasein für einen Irrtum hält, eine optische Täuschung, eine Beleidigung der Natur.”

    Friedrich Ani hat ein feines Gespür für die Gefühle seiner Charaktere; in den Monologen und Dialogen erreichen die Emotionen eine schmerzliche Intensität. Die Charaktere sind in meinen Augen grandios geschrieben, besonders Ex-Kommissar Jakob Franck hat eine ungeheure Präsenz.

    Der Schreibstil ist außergewöhnlich, fernab der Klischees. Er besitzt eine Art düsterer Poesie und entwickelt sehr viel Atmosphäre. Nur manchmal erschien mir der Sprachklang nicht authentisch, wenn die eher ungebildete Mutter des kleinen Todesopfers spricht.

    FAZIT

    Ein kleiner Junge verschwindet und wird 34 Tage später tot aufgefunden. Der pensionierte Kommissar Jakob Franck überbringt den Eltern die schreckliche Nachricht und der Fall lässt ihn danach nicht mehr los, weswegen er sich mit seiner außergewöhnlichen Methode der ‘Gedankenfühligkeit’ in die Ermittlungen einmischt.

    Ein tiefgründiger Kriminalroman, der die Emotionen, Geheimnisse und Abgründe der Hinterbliebenen durchleuchtet.

    Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
    https://wordpress.mikkaliest.de/2018/09/15/rezension-friedrich-ani-ermordung-des-gluecks/

  11. Cover des Buches Mexikoring (ISBN: 9783518468944)
    Simone Buchholz

    Mexikoring

     (70)
    Aktuelle Rezension von: julestodo

    Ich habe schon mehrere Bücher dieser Autorin gelesen, dieses war das weitaus schwierigste, von der Thematik her, aber auch die Abgründe, die sich da auftaten, waren schwer zu begreifen. Mich hat das Buch ziemlich mitgenommen wegen der Misshandlungen der Kinder in den Familien und wie mit Menschen umgegangen wird, die nicht genau das tun, was die Familie wünscht! Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht!

    Fazit: zartbesaitete Menschen sollten dieses Buch lieber nicht lesen!

  12. Cover des Buches Die Geschichte eines neuen Namens (ISBN: 9783518469521)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte eines neuen Namens

     (323)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Der zweite Band dieser neapolitanischen Saga erzählt die spannende Freundschaftsgeschichte von Elena und Lila weiter. Es geht nun um die jungen Erwachsenenjahre der beiden Frauen. Die eine widmet sich mit ganzem Ehrgeiz ihrem Studium, die andere gleitet immer tiefer in familiäre Schwierigkeiten. Zeitweise verlieren sich die beiden aus den Augen und leben vollständig ihr eigenes Leben, doch bleiben sie verbunden unter anderem durch die Liebe zu demselben Mann.


    Man liest sich einfach und schnell in die Fortführung der Geschehnisse und auch dieser Band kann als Unterhaltungsliteratur auf gehobenem Niveau bezeichnet werden.

  13. Cover des Buches Der katholische Bulle (ISBN: 9783518465233)
    Adrian McKinty

    Der katholische Bulle

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Zahirah

    Gekonnt gelingt es dem Autor Zeitgeschichte der 1980er Jahre in Belfast mit einem raffinierten Krimiplot zu verknüpfen. Getragen wird das Ganze durch seinen Hauptprotagonisten Sean Duffy, der katholische Bulle. Dieser kommt nicht ohne Makel daher, besitzt aber Moral, Tatkraft und ist durchaus stur und verbissen, wenn es darum geht seinen polizeilichen Pflichten nachzukommen. In seinem ersten Fall ermittelt Duffy in alle Richtungen (wortwörtlich), was nicht jedem gefällt. Immer wieder werden ihm Steine in den Weg gelegt. Aber er bleibt hartnäckig. Die Darstellung der politisch motivierten Zustände (Straßenschlachten etc.) verbindet McKinty geschickt mit dem Berufsalltag seiner Hauptfigur, und bringt dem Leser so nicht nur die aufgeladene Atmosphäre sondern auch den Charakter des Sean Duffy näher. Kurzum: Dies ist ein gesellschaftskritischer historischer Roman mit Krimiplot und einem sympathischen Hauptprotagonisten. Mir hat der Roman/Krimi sehr gut gefallen und möchte eine absolute Leseempfehlung aussprechen und vergebe für das Buch 5 von 5 Sterne.

  14. Cover des Buches Lästige Liebe (ISBN: 9783518428283)
    Elena Ferrante

    Lästige Liebe

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Livricieux

    So richtig kann ich keine Leseempfehlung für diese Geschichte von Elena Ferrante abgeben, da ich sie – sagen wir es deutsch und deutlich – nicht verstanden habe. Oder nicht in dem Masse, als dass es das Buch zu einem Genuss werden liesse.Allerdings führte mich Lästige Liebe doch auch zurück in ein Neapel, dass mir durch die Neapolitanische Sage lieb und vertraut geworden ist. Viele Themen, die in der Saga ausführlich behandelt werden, hat Elena Ferrante bereits in dieser Geschichte angelegt und sich heran getastet. Und so war die Lektüre doch auch irgendwie spannend und faszinierend. Aber alles in allem äusserst verwirrend.

    Meine vollständige Rezension kann auf meinem Blog read eat live nachgelesen werden. 

  15. Cover des Buches Schöner als überall (ISBN: 9783518469958)
    Kristin Höller

    Schöner als überall

     (40)
    Aktuelle Rezension von: dasbuchzuhause

    Der Debütroman "Schöner als überall" von Kristin Höller fängt an wie ein typisches Roadmovie. Noah hat auf der Party am Abend zuvor bzw. nach der Party, weil die Nacht ist noch jung und so, ein bisschen zu viel Gas gegeben und ist jetzt im Besitz eines Speere, der eigentlich zu einer Bronzestatue gehört. Also leiht er einen Transporter und nötigt seinen Freund Martin, mit ihm zusammen den unsäglichen Speer zu beseitigen. Sie fahren also los und fahren und landen irgendwann in ihrem ruhigen und beschaulichem Heimatort. Und hier wird auch die Geschichte ruhiger und eine Reise von Martin, dem Erzähler dieser Geschichte, zu sich selbst. Er wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Warum ist er Noahs bester Freund? Was war das eigentlich damals mit Mugo, seiner Jugendliebe? Es ist ein wunderbar ruhiges, schön geschriebenes Buch über das Erwachsenwerden und macht Lust, mehr von Kristin Höller zu lesen.

  16. Cover des Buches Murder Swing (ISBN: 9783518469378)
    Andrew Cartmel

    Murder Swing

     (68)
    Aktuelle Rezension von: books_games_and_more


    Das Cover hatte mich total angesprochen, sowie der Gedanke einen Krimi über Jazz und Platten mit der ganzen Kultur darum zu lesen. 


    Kurz zum Inhalt: 


    Es spielt in London unseres Jahrhunderts, der Ich-Erzähler stellt sich als Vinyl-Detektiv vor. Sein Gebiet sind besonders seltene und Speziell Jazzplatten zu kaufen und verkaufen. 

    Bald darauf kommt eine recht geheimnisvolle Frau zu ihm und beauftragt ihn ein sehr seltenes Album zu finden, für einen reichen Geschäftsmann, der anonym bleiben möchte. 

    Doch in Verbindung mit der Suche häufen sich Todesfälle, Unfälle und Verfolgungen... 


    Soweit zum Inhalt, nun zu meiner Meinung. 

    Ich finde wie gesagt, dass ganze Thema sehr interessant und gut umgesetzt. Jedes Kapitel hat eine Überschrift, nicht nur Nummern. Das Buch ist in A und B eingeteilt, so wie auf einer Platte es die A - Seite und B - Seite gibt. 

    Der A-Teil behandelt den Anfang der Suche nach der LP und der B-Teil geht dann noch weiter in die Tiefe warum bestimmtes geschehen ist. 

    Jeder Teil an sich hat einen guten Spannungsbogen, doch auch im gesamten Kontext, geht die Spannung nicht verloren. 


    Empfehlenswert für LP - Liebhaber und alle die Jazz mögen oder einfach gute Krimis.


  17. Cover des Buches Das Glasperlenspiel (ISBN: 9783518463574)
    Hermann Hesse

    Das Glasperlenspiel

     (278)
    Aktuelle Rezension von: UweKirsten

    Glasmurmeln bzw. Glasperlen kommen im Roman von Hermann Hesse „Das Glasperlenspiel“ vor, das ich als Jugendlicher las. Ich war hingerissen, jedoch heute weiß ich, dass ich den tieferen Inhalt des Buches noch nicht verstanden hatte. 30 Jahre später, mit vielen durchlebten Erfahrungen, die mir hart erarbeitete Weisheit mit auf meinen weiteren Lebensweg gaben, ergibt sich für mich ein völlig neues Verständnis auf „Das Glasperlenspiel“. Hermann Hesse war ein Suchender nach Wegen zur Selbstvervollkommnung des Menschen. In seinem Roman ist das Glasperlenspiel die höchste aller Künste. Es ist die Verschmelzung aller in der menschlichen Kultur, Kunst und Wissenschaft geschaffenen Ideen und Werte. Ein Glasperlenspieler spielt dieses Instrument in seiner Vollkommenheit. Ebenso ist das Leben eines Menschen ein Gesamtkunstwerk.  

    Wie vervollkommnen wir unser Dasein? Glauben wir an unsere Fähigkeiten. Sind wir bereit, uns unserer Stärken und Schwächen bzw. eventuellen Blockaden zu stellen. Überlassen wir unseren Geist sich selbst. Wie bewusst sind wir. Sehen wir das Leben von seiner positiven Seite. Beherrschen uns Ängste. Lieben wir uns selbst und nehmen uns an. Sind wir proaktiv und handeln nach unseren selbst gesetzten Zielen. Leben wir Veränderung. Sind wir positiv, auf der richtigen Frequenz und ziehen wir damit das Glück an?! 

  18. Cover des Buches Mystery Girl (ISBN: 9783518465288)
    David Gordon

    Mystery Girl

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Amarok
    Sam Kornberg, ein Film-Fan und Freizeitschriftsteller, der "plötzlich" von seiner Frau verlassen wird, findet sich auf einmal völlig alleingelassen vor und muss damit beginnen sich um sich selbst und seinen Lebensunterhalt zu kümmern. Als angehender Schriftsteller begibt er sich auf die Suche nach mehr interessanten als lukrativen Jobs und wird schließlich Gehilfe eines Privatdeketivs. Sein erster Auftrag umfasst zunächst die Beschattung einer mysteriösen Frau, was ihn zu einem kleinen Stelldichein mit einer weiteren Frau führt, die ihm kurz darauf wieder als Mordopfer begegnet. Und genau damit setzt ein Kriminalfall ein, der in guter alter Pulpmanier nur so vor skurilen Persönlichkeiten und Situationen strotzt, zur Einführung dutzender Charaktere - alle mehr oder weniger mysteriös und außergewöhnlich - führt, auch Sex, Mord, lasterhafte Vergangenheiten enthält und ebenfalls die Geschichte selbst immer wieder neue Wendungen nehmen lässt.
    Der Autor weiß geschickt mit seinen Figuren und dem Storyplot zu spielen, bleibt dabei immer dem Pulp-Genre treu und bietet dem Leser ein wahres Vergnügen und auch Meisterwerk modernen Pulpromans. Auch die Sprache und das Erzähltempo sind ein wahrer Genuß und machen es schwer den Roman aus der Hand zu legen. Für jeden Fan von Pulp ist das auf jeden Fall ein Muss und für alle, die damit bisher noch nicht in Berührung gekommen sind, ist "Mystery Girl" der perfekte Einstieg und wird süchtig nach diesem Genre machen.
  19. Cover des Buches Die Geschichte des verlorenen Kindes (ISBN: 9783518469545)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte des verlorenen Kindes

     (201)
    Aktuelle Rezension von: Orisha

    Lenús und Linas Weg geht in den letzten Akt. Nachdem Lenú mit ihrer großen Liebe Nino durchbrennt, beginnt ein Abschnitt ihres Lebens der von Aufregung, Trauer, Freude und vielen anderen Gefühlen geprägt ist. Sie verlässt Pietro, der sein Schicksal zunächst nicht hinnehmen will, doch je mehr Zeit verstreicht, sich in seine Rolle fügt. Lenús Töchter wachsen heran, erhalten ein Geschwisterchen und alle kehren nach Neapel zurück. Eine neue Zeit bricht an - in wahrsten Sinne dieser Worte. Und eine erneute Annäherung an Lina glückt und schon bald findet sich Lenú zurück im Trubel des Rione.

    Ferrantes Abschluss der Quatrologie hat es in sich. Wieder einmal knüpft sie gekonnt an den vorherigen Band an, lässt Lenú im Liebestaumel versinken, um sie dann nach Jahren ernüchtert zurückzulassen. Den Rückzug in den Rione finde ich gelungen und  besonders gefallen hat mir die noch einmal sich wandelnde Beziehung von Lenú zu ihrer Mutter - die viel mehr über den Rione, die veränderte Zeit und die Werte verrät, denen Lenú und auch Lina ihr Leben lang ausgesetzt waren.

    Doch dann spult Ferrante auf einmal vor und lässt die Ereignisse nur so über die LeserInnen* rollen: Tote an allen Ecken, Unglück, ein verschwundenes Kind, Einsamkeit, die Entfremdung von den eigenen Kinder - all das auf gefühlt 100 Seiten, während man sich 100te Seiten, das Geschmachte um Nino antun muss, dass - oh Wunder - genauso endet, wie zu erwarten war und einmal mehr zeigt das emanzipiert von außen zu wirken, nicht heißt emanzipiert zu sein. Vielmehr ordnet sich Lenú einmal mehr einem Mann unter, lässt sich ein weiteres Kind andrehen, dass sie am Ende allein groß zieht.

    Währenddessen hat Lina es geschafft. Ist ihre eigene Frau, scheint endlich ihren Frieden gemacht zu haben. Als dann Töchterchen Tina zu Welt kommt, scheint ihr Glück perfekt - aber auch dieser Schein trügt und Ferrante lässt Lina ins Unglück stürzen, aus dem sie am Ende entschwindet.

    Kurzum, wieder einmal weiß Ferrante mich zu fesseln und gleichzeitig abzustoßen. Faszinierend las ich Seite um Seite, fand Passagen richtig gelungen, um wieder in einer Sackgasse zu landen - die mich nur Augen rollend zurückließ, denn Ferrante löst sich einfach nicht von den Klischees. Die wirklich spannenden Dinge bleiben einmal mehr links bzw. rechts liegen, werden nur angerissen, aber nicht ausgeführt. Besonders die vielen Todesfälle erschienen nur als Randnotiz und das fand ich ziemlich schade. Und am Ende stand ich allein mit der alten Lenú und habe mich gefragt, was eigentlich aus Lina geworden ist.

    Fazit: Eine Geschichte, die zwischen Höhen und Tiefen hin und her pendelt und irgendwie keine Mitte findet, sich dafür aber erstaunlich gut gelesen hat. 


  20. Cover des Buches Die Geschichte der getrennten Wege (ISBN: 9783518469538)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte der getrennten Wege

     (235)
    Aktuelle Rezension von: Orisha

    Nach dem großen Erfolg von Lenús Roman, findet sich die junge Autorin in der Ehe mit Pietro wieder. Zwei Kinder sind schnell geboren und der Alltag nimmt Einzug in die Ehe der beiden. Schnell muss sie feststellen, dass Pietro sich nur für sich selbst interessiert und den schriftstellerischen Avancen seiner Frau skeptisch gegenübersteht. Doch Schwägerin Mariarosa ist ein Lichtblick und führt Lenú in die Welt des Feminismus ein. Als dann Nino erneut in ihr Leben tritt, ist das Chaos perfekt.

    Lina hat hingegen ganz eigene Probleme. In der Fabrik von Bruno Soccavo schuftet sie von morgens bis abends. Als sie durch Zufall über Jugendfreund Pasquale in die Versammlung linker Studenten gerät und die Missstände in Soccavos Fabrik offen legt, entbrennt ein Kampf zwischen Kommunisten und Faschisten, in dessen Tumult Lila zwischen die Fronten gerät. Doch auch für sie gibt es Licht am Horizont, als IBM Enzo und ihr einen Posten anbietet.

    In Band drei der Neapel-Saga folgen wird Lenú und Lina durch ihr Erwachsen-Dasein. Beide gehen getrennte Wege, leben ihr Leben und werden mit ganz unterschiedlichen Problemen konfrontiert. Während Lila sich dem Klassenkampf der Arbeiter gegenübersieht, muss Lenú mit der Rolle als Ehefrau vorliebnehmen, die nur wenig von ihrem Mann unterstützt wird. Dabei ist Pietro per se kein schlechter Mann, nur will er eben das klassische Bild - die Frau kümmert sich um Haus, Kinder und Ehemann, und stellt die eigene Karriere hinten an. Als Nino einmal mehr in Lenús Leben tritt, beginnt sie ihr Leben in Frage zu stellen. Denn Nino sieht mehr in Lenú als sie selbst.

    Ferrantes dritter Band hat mich lange Zeit versöhnlicher mit der Quatrologie gestimmt. Endlich einmal wurden spannende Themen abgehandelt und sie schienen Relevanz zu haben. Klassenkampf, die Macht der Faschisten im Rione, die Rolle der Ehefrau, die Rolle von Studenten- und Arbeiterschaft - alle Themen waren geschickt zusammengeknüpft. Bis Ferrante einmal mehr Nino ins Bild holte und Lenú ganz klassisch durchdrehen lässt. -SPOILER- Eine Ehefrau, die ihre Familie für ihren Geliebten sitzen lässt? Wirklich? Ich kann diesem Bild einfach nichts abgewinnen. Zumal Lenú - die ja beginnt die Rolle von Mann und Frau zu hinterfragen, unglücklich in ihrer Ehe ist und der ihr Mutter-Dasein nicht reicht -diese Lenú rennt einem Typen hinterher, der sie schon mehrfach ignoriert hat, mit der besten Freundin abzogen ist, verschiedenen Frauen Kinder macht und diese sitzen liess. Da weiss ich nicht was ich schlimmer finden soll. Pietro, der die klassiche Ehefrau will - oder Nino, der sich nimmt, was er kriegen kann. Und Lenu rennt fröhlich von einem Unglück ins nächste. Nun kann ich nur hoffen, dass Ferrante, Lenú im letzten Band, endlich einmal zu der starken Frau werden lässt, die sie im Grunde ihres Wesen ja eigentlich ist.

    Kurzum: Viele gute Themen, doch die Hauptstory --- puh, wieder mal an der falschen Ecke abgebogen. Aber lest für euch selbst.

  21. Cover des Buches Fall (ISBN: 9783518469279)
    Candice Fox

    Fall

     (73)
    Aktuelle Rezension von: DustBunny

    Wie Band 1 & 2 ist auch "Fall" unterhaltsam, spannend und bietet wirklich originelle, schräge Charaktere sowie tolle Settings. Die vielen Erzählstränge finden zum Ende in zusammen und entfalten ihr gesamtes Grauen!

    Es geht um Opfer, die zu Tätern werden, ich würde sogar so weit gehen zu sagen: sie werden regelrecht dazu getrieben, die himmelhoch schreiende Ungerechtigkeit, die sie ertragen mussten, zu rächen bzw. das Gleichgewicht wieder herzustellen. Ihr Leidensweg  wird sehr einfühlsam sowie psychologisch durchdacht dargestellt und ich hatte einfach nur Mitleid mit ihnen. 

    Eden hat sich nach dem Traum aus Band 2 verändert: sie ist verletzlicher und ängstlicher, die Jägerin in ihr wird dadurch aber nicht schwächer, sondern perfider raffinierter...

    Frank erweist sich immer mehr als schlauer Idiot, er ist unfassbar ignorant und ahnungslos wenn es wirklich darauf ankommt - und er muss einen hohen Preis dafür bezahlen...

    Es gibt auch eine neue Figur, eine junge Frau, die sich in die Ermittlungen sowie die komplizierten Beziehung zwischen Eden, Hades, Frank und seiner Freundin Imogen einmischt...

    Die Entwicklung der Charaktere und der Geschichte ist grandios! Der Schreibstil ist flüssig, modern sowie schwarzhumorig. Zudem steckt "Fall" voller Überraschungen und unvorhergesehener Wendungen.


  22. Cover des Buches Verwirrnis (ISBN: 9783518428221)
    Christoph Hein

    Verwirrnis

     (31)
    Aktuelle Rezension von: anena

    Das Buch beschreibt eine Liebe, die geheim gehalten wird, da sie von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Der Schauplatz ist Ostdeutschland in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Roman spiegelt neben der der menschlichen Zerrissenheit die politischen Veränderungen - inklusive der Wiedervereinigung - wider. Sehr interessant ist die Darstellung der Entwicklungen der Universität in Leipzig vor und nach der Wende. 

  23. Cover des Buches Im Frühling sterben (ISBN: 9783518466803)
    Ralf Rothmann

    Im Frühling sterben

     (68)
    Aktuelle Rezension von: AnjaLG87

    Kriegsromane gibt es viele, aber was mir hier besonders gut gefiel, waren die Schilderungen aus der Sicht eines einfachen, jungen Mannes. Es geht viel um die Suche nach Familienangehörigen und Arbeitsmöglichkeiten, um Fronturlaube, Tanzabende und Flirtereien mit jungen Frauen, dies alles aber im Angesicht der Kriegshandlungen, Ängste und NS-Propaganda, der man sich nicht entziehen kann. Der Autor schafft es, die Zukunftsängste und Perspektiv- bzw. Alternativlosigkeit eines jungen Menschen in dieser Lebenswirklichkeit eindringlich darzustellen. 

  24. Cover des Buches Alter Hund, neue Tricks (ISBN: 9783518470602)
    Adrian McKinty

    Alter Hund, neue Tricks

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Johannbruhn

    Die Verortung ist Hammer. Sean Duffy als katholischer Bulle in Nordirland/Belfast, zur Zeit der Troubles? Das alleine weckt alle Geister in mir. Sean Duffy ist witzig, sarkastisch und authentisch. Diese Bewertung gilt für alle seine Bücher in der Reihe, von "Der katholische Bulle" bis "Alter Hund neue Tricks"... Man mag sich garnicht vorstellen, wenn McKinty seine Androhung, mit dem Schreiben aufzuhören, wahr gemacht hätte.

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