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34 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

you are wanted, hacker-angriff, arno strobel, cyberkriminalität, identitätsdiebstahl

You Are Wanted

Arno Strobel
E-Buch Text
Erschienen bei Edition M, 17.03.2017
ISBN 9781477827291
Genre: Sonstiges

Rezension:

„You are wanted“ heißt das neueste Buchprojekt von Bestsellerautor Arno Strobel und es unterscheidet sich gravierend von all seinen bisherigen Thrillern. Denn hier haben wir es mit dem Buch zur gleichnamigen Amazon Original Serie von und mit Matthias Schweighöfer zu tun, was bedeutet, dass der Plot bereits komplett vorgegeben war. Arno Strobel hat die Dreharbeiten zur Serie intensiv mitverfolgt, war mehrfach direkt vor Ort und konnte sich so einen guten Einblick in die Story verschaffen.
In „You are wanted“ geht es um den Familienvater und Projektmanager Lukas Franke, der von heut auf morgen zum meistgesuchtesten Verbrecher Deutschlands wird. Er wird bezichtigt verantwortlich für einen massiven Stromausfall in Berlin zu sein. Vom liebenden Familienvater zum Terrorist in nur wenigen Stunden? Lukas versteht die Welt nicht mehr, doch die Beweise sind genauso erdrückend wie erschreckend. Kriminelle Daten auf seinem PC, verräterische Bestellungen im Internet sowie sein eigenes Gesicht, aufgezeichnet von einer Überwachungskamera an einem Ort, an dem er nie zuvor gewesen ist, treiben ihn in die Enge. Er ist sich sicher gehackt worden zu sein und es mit einem sehr mächtigen Gegner zu tun zu haben. Doch warum das alles? Warum ausgerechnet er?
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wer wird Lukas Franke noch glauben? Und wem kann er selbst überhaupt vertrauen? Es geht um Leben und Tod, es geht um seine Familie und Lukas ist bereit, alles für sie zu riskieren.
Arno Strobel erzählt eine sehr rasante und actiongeladene Story, die direkt vor meinem inneren Auge abgelaufen ist, obwohl ich die Serie selbst noch nicht gesehen habe. Tatsächlich hatte ich beim Lesen das Gefühl einen Film zu sehen und von Szene zu Szene zu springen. Der Erzählstil ist an den Aufbau eines Filmes angepasst. Auch wenn Lukas Franke die Hauptperson ist, wird nicht immer alles aus seiner Perspektive betrachtet. Wie im Film springen wir beim Lesen in kurzen Kapiteln von Szene zu Szene, von Kulisse zu Kulisse und von Person zu Person. Dieses doch etwas sprunghafte Erzählen hat gleich zu Beginn für ordentliches Tempo gesorgt. Für mich war dieser Erzählstil absolut neu und deshalb spannend zu betrachten. Schon bald habe ich jedoch festgestellt, dass der typische „Romancharakter“ dabei auf der Strecke geblieben ist - das „Schriftstellerische“, das „Erzählende“, der geschickte Umgang mit Wort und Sprache. Könnt ihr verstehen was ich meine? So habe ich mich nicht ganz so wohl, abgeholt und eingelullt wie bei den anderen Büchern von Arno Strobel gefühlt. Ein gewisser Lesefluss war natürlich aufgrund der actionreichen Story und der abwechslungsreichen Betrachtungsweisen vorhanden, aber komplett in dieses Buch versinken konnte ich nicht.
Bemerkenswert fand ich es jedoch, wie perfekt es Arno Strobel gelungen ist, die Serie in meinen Kopf zu transportieren. Obwohl ich keine einzige Szene gesehen habe, bleibt nach Zuschlagen des Buches das Gefühl, die Serie auf einem Flachbildschirm erlebt zu haben. Ich konnte mir Matthias Schweighöfer ganz wunderbar als Lukas Franke vorstellen und habe auch all die Handlungsorte „gesehen“. Hut ab vor dem Autor, der sich selbst komplett zurückgenommen hat, um die bereits existierende Geschichte zu erzählen.
Doch kann man eine Serie mit sechs Episoden auf 270 Seiten erzählen? Ja, durchaus! Dass hier aber nicht zu sehr in die Tiefe gegangen werden kann, dass Personen etwas blass bleiben und erklärende Hintergrundinfos fehlen, damit sollte man als Leser rechnen. Geboten wird ein spannendes Action-Kino-Erlebnis, das unterhalten und mitreißen kann, welches zugleich jedoch auch einige Fragen aufwirft und mich als Leserin in manch einem Kapitel verwirrt zurückgelassen hat. Der Drang, die Serie schauen zu wollen, ist nun übermächtig, zumal mich die Auflösung doch etwas überrascht, wenn nicht sogar überrumpelt hat.
Achtung! Passionierte LeserInnen, die ihre Nasen gern und häufig in Bücher stecken und es lieben, in spannende Geschichten abzutauchen, könnten von diesem Exemplar ziemlich enttäuscht sein. Im Vordergrund steht meines Erachtens ganz eindeutig die Serie mit all ihren dramatischen und actionreichen (teils ziemlich überzogenen/übertriebenen) Szenen, während die „Machart“ bzw. das „Handwerk“ in den Hintergrund rückt – sowohl im schriftstellerischen Sinne was die Geschichte betrifft, als auch im Sinne der Herstellung, was die Gestaltung des Buches anbelangt. Einem Bücherfreund wie mir bricht es das Herz, diese billige, unprofessionelle und lieblose Broschur in Händen zu halten. Kapitelnummerierungen stehen in mindestens zwei Fällen am Ende der Seite und die Qualität des Buchdeckels ist unterirdisch. Nach dem Lesen ist das Buch rein optisch bereit für die nächste Altpapiersammlung. Ein Bestsellerautor verpackt in einem POD – gruselig, traurig und ärgerlich zugleich.
Wenn ihr dieses Buch lesen möchtet, dann greift bitte lieber zum eBook (und das aus dem Munde einer Verfechterin von gedruckten Büchern!). Man kann „You are wanted“ durchaus gut lesen, verpasst aber nichts, wenn man lieber auf den nächsten „richtigen“ Strobel wartet. Für mich als Strobel- und Schweighöfer-Fan war der Griff zu „You are wanted“ natürlich ein MUSS. Schlussendlich habe ich diesen Griff auch nicht bereut. Dieser „etwas andere Strobel“ mit seiner für mich ungewohnten Erzählweise im Serien-Stil, war definitiv mal etwas anderes, wenn auch nicht mit seinen bisherigen Werken zu vergleichen. Wenn ihr also mit dem Gedanken spielt, einmal einen Strobel zu lesen (was ich euch dringend ans Herz legen möchte), dann schaut euch doch lieber seine anderen Bücher an, wie z.B. „Tiefe Narbe - Im Kopf des Mörders“, den Auftakt seiner neuen Krimi-Trilogie.

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

freundschaft, gehirntumor, wirtschaft, liste, jugendbuch

Alles dreht sich

Rosemarie Eichinger
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.02.2013
ISBN 9783551520494
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Alles dreht sich“ von Rosemarie Eichinger hat mich magisch angezogen, als ich es in einem öffentlichen Bücherregal entdeckte. Das blaue Cover mit der verdrehten Schrift ist ein echter Blickfang. Neugierig griff ich zu. Der sehr kurze Klappentext verriet mir rein gar nichts über den Inhalt und trotzdem fesselte er mich sofort.
Als ich das Buch schließlich das erste Mal aufschlug, wurde ich direkt strudelartig in die Geschichte hineingezogen. Erst nach 50 Seiten konnte ich wieder auftauchen und meine ersten Erkenntnisse Revue passieren lassen. Linda ist 15 Jahre alt und erhält die niederschmetternde Diagnose: Hirntumor. Auf einer Parkbank vor dem Krankenhaus lernt sie Max kennen. Er überzeugt sie davon, dass sie gemeinsam eine Bucket-List erstellen sollen, mit lauter Dingen, die sie noch tun wollen, bevor sie sterben.
Sick-Lit ist seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ der Modebegriff für (Jugend-)Bücher, in denen Krankheiten thematisiert werden, meist mit einem ganz besonderen Charme und einer guten Portion lebensbejahendem Humor, ohne die Ernsthaftigkeit aus den Augen zu verlieren. Nach den ersten Seiten wollte ich „Alles dreht sich“ ebenfalls in diese Schublade stecken, doch kurz darauf überzeugte mich die Autorin Rosemarie Eichinger davon, dass ihre Geschichte in eine andere Richtung geht.
Doch auch sie geht mit Humor nicht sparsam um. Ihre jungen Protagonisten, in deren Köpfe ich mich einnisten durfte, sind unheimlich pfiffig und authentisch. Auf ausufernde Beschreibungen wird verzichtet, die Sätze sind kurz und sprunghaft wie Gedanken und trafen mich wie das Feuer eines Maschinengewehrs. Ich hatte keine Chance zu entkommen und klebte förmlich an den Seiten. Es fiel mir leicht mitzufühlen, denn Max, Linda und ihre beste Freundin Pia ließen mich ganz dicht ran. Verzweiflung, Wut, Trauer, Mut, Angst – all diese Gefühle wurden trotz weniger Worte deutlich. Besonders ansteckend war jedoch der Wille etwas zu erreichen, mit seinem Leben etwas anzufangen um schließlich in Erinnerung zu bleiben. Der Drang etwas zu tun, etwas zu bewegen und die Welt zu verändern kribbelte nach wenigen Seiten auch in mir. Schwupps nahm die Geschichte eine ganz unerwartete Richtung ein. Lindas Schicksal wird zwar nicht vergessen, jedoch legt Rosemarie Eichinger den Fokus auf etwas anderes.
Auf nur 200 Seiten kann die Autorin berühren, zu Tränen rühren, Mut zusprechen, aufwühlen und Gesellschaftskritik äußern. Ein gelungener Mix aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green und „Die Hässlichen“ von Melanie Vega, getragen von einem wahnsinnig tollen, außergewöhnlichen und mitreißenden Schreibstil, der die jungen Helden im Hier und Jetzt festtackert (selbst Situationen, die in der Vergangenheit stattfanden, werden ins Präsens befördert). Für mich war „Alles dreht sich“ eine absolute Überraschung. Leider ist dieser Titel nur noch als eBook erhältlich. Solltet ihr also zufällig in einem Bücherschrank oder in einer Mängelexemplar-Kiste auf ein Print-Exemplar stoßen, fackelt nicht lang, sondern greift beherzt zu.

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Last Secrets - Das Geheimnis von Atlantis

Richard Dübell
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 14.10.2016
ISBN 9783833904141
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Als ich Ende 2015 den ersten Band der neuen Kinderbuchreihe „Last Secrets“ entdeckte, war ich von Anfang an mächtig angetan von ihrer Grundidee. Vier Freunde machen sich mithilfe einer Zeitmaschine auf die Reise, um die letzten großen Geheimnisse der Menschheit zu lösen. So führte mich Band 1 nach Schottland ans berühmte Loch Ness. Ich begab mich mit den Zwillingen Fynn und Franzi, sowie ihren Freunden Lena und Cornelius auf Monsterjagd. Gibt es das Ungeheuer wirklich? Der Mix aus Fiktion und belegbaren Fakten gefiel mir sehr. Auch nach dem Lesen konnte ich der Geschichte nicht entfliehen und googelte mich durchs Internet. 
Mit großer Vorfreude habe ich dem zweiten Band entgegengefiebert, der mich in gewohnter Konstellation in ein weiteres Abenteuer schicken sollte. Dieses Mal fand ich mich auf der Insel Atlantis wieder, deren Untergang von den vier Freunden unter die Lupe genommen werden soll. Gab es Atlantis wirklich? Wo lag die sagenumwobene Insel und wie kam es zu ihrem spurlosen Verschwinden?
Auch wenn ich nach wie vor überzeugt von der Idee dieser Kinderbuchreihe bin, muss ich in dieser Besprechung meinen Unmut äußern. Ich bin enttäuscht, insbesondere von der sprachlichen Umsetzung. Richard Dübell machte sich mit historischen Romanen einen Namen und genau diese schriftstellerische Herkunft lässt sich in seinen Kinderbüchern nicht verstecken. Lange Sätze, viele Beschreibungen und eine emotionslose Ausdrucksweise erwecken den Anschein, als erzähle der Autor die Geschichte einem Erwachsenen und keinem Kind. Was hier im Fließtext fehlt, versucht er schließlich in den Dialogen wieder auszugleichen. Er legt seinen jungen Helden eine teils sehr rüde Sprache in den Mund und geizt hierbei nicht mit (Kraft-)Ausdrücken. An und für sich finde ich es gut, wenn Kinder in Büchern so sprechen wie sie eben sprechen, da dürfen dann auch mal ein paar Ausdrücke oder gar Schimpfwörter fallen. Es muss aber authentisch sein und darf nicht erzwungen wirken, wie in diesem Fall. Trotz der interessanten Geschichte, verlor ich die Lust am Lesen. Insbesondere Lena ging mir mit ihrer aggressiven Haltung und Ausdrucksweise ziemlich auf die Nerven. So wurde die eigentliche Handlung zur Nebensache und ich stolperte gefühlt immer häufiger über Formulierungen, die mir nicht gefielen.
Punkten konnte dieses Buch dann lediglich über das nette Gimmick, das die jungen Leserinnen und Leser am Ende erwartet. Neben einem Rätsel und weiterführenden Infos befindet sich auf der letzten Seite ein kleiner Umschlag, in dem ein Fisch aus Plastikfolie steckt. In Anlehnung an eine Szene aus der Geschichte soll dieser Fisch die Zukunft voraussagen können. Man legt ihn sich auf die Hand und beobachtet seine Bewegung. Zuckt die Schwanzflosse oder rollt sich der Fisch sogar ganz auf? Bleibt er ruhig liegen oder bewegt er nur den Kopf? Welche Bedeutungen diese Beobachtungen haben, kann man in der Erklärung nachlesen. Eine lustige Idee für die jungen Leserinnen und Leser, für die das das Buch zu einem Gesamterlebnis wird.
Trotz dieser netten Spielerei und den ansprechenden Illustrationen ist „Das Geheimnis von Atlantis“ in meiner Bewertung durchgefallen. Ich hatte mich so sehr auf diese Fortsetzung gefreut, umso enttäuschter bin ich jetzt. Wenn mir die Sprache und der Schreibstil den Spaß an der eigentlich sehr spannenden Geschichte vollkommen verderben, kann ich dieses Buch leider nicht weiterempfehlen.

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381 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 180 Rezensionen

thriller, psychothriller, entführung, hamburg, spannung

Die Wahrheit

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 29.08.2016
ISBN 9783442754922
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich bin immer noch ganz hin und weg von diesem atemberaubenden Psychothriller! Denn das tut er tatsächlich – er raubt einem den Atem. Mir blieb beim Lesen die Luft weg, eine Gänsehaut kroch mir den Rücken hinunter, mir liefen Schweißperlen über die Stirn und ich saß irgendwann aufrecht im Bett, weil die Spannung kaum noch auszuhalten war.
In ihrem zweiten Thriller erzählt Melanie Raabe, international gefeierter Shootingstar der deutschen Spannungsliteratur, Sarahs unglaubliche Geschichte. Von außen betrachtet führt die junge Frau ein perfektes Familienleben, welches von heut auf morgen aufgrund eines schweren Schicksalsschlags zerschlagen wird. Ihr Ehemann Philipp kehrt von einer Geschäftsreise nach Südamerika nicht zurück. Sieben Jahre lebt Sarah in Ungewissheit und kümmert sich allein um ihren kleinen Sohn. Sie gibt nie die Hoffnung auf, dass Philipp irgendwann wieder vor der Tür steht und lehnt vehement ab, ihn für tot erklären zu lassen. Doch sieben Jahre sind eine lange Zeit. Langsam beginnt sie nun doch damit, einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen und ihr Leben wieder zu leben, bis zu dem Tag, an dem sie einen erlösenden und völlig überraschenden Anruf erhält. Philipp lebt! Er sei seinen Entführern entkommen und wird in Kürze in Deutschland landen. Das Medieninteresse an diesem Wunder ist natürlich groß und so stehen nicht nur Sarah zusammen mit ihrem mittlerweile achtjährigen Sohn am Flughafen, sondern auch haufenweise Journalisten, Fotografen und Kamerateams, die die Ankunft des lang vermissten Familienvaters dokumentieren. Sarahs Herz schlägt bis zum Anschlag, als sich die Flugzeugtüren öffnen, erstarrt aber im nächsten Moment, denn der Mann, der da strahlend auf sie zuläuft, ist nicht Philipp…
Was für eine fantastische Basis. Sie hat so viel Potenzial, zu einer spannenden und nervenaufreibenden Geschichte ausgebaut zu werden und genau das hat Melanie Raabe mit Bravour getan. Sie ließ mich nicht nur in den ständig wirbelnden Strudel der Ereignisse eintauchen, nein, sie ließ mich auch alle Emotionen, die Sarah durchlebt, am eigenen Leib spüren. Die Autorin hat eine ganz besondere Gabe. Mit ihrem fesselnden und sich stets an die jeweilige Situation anpassenden Schreibstil hat sie mich direkt in die Geschichte entführt. Plötzlich lag ich nicht mehr in meinem gemütlichen Bett. Ich lief an Sarahs Seite um mein Leben, verbarrikadierte mich mit ihr in ihrem eigenen Haus und hatte das Gefühl, unsere Herzen sprängen uns gleich aus der Brust. Mal beschreibt Melanie Raabe sehr bildhaft, im nächsten Moment werden ihre Sätze kürzer, bestehen manchmal bloß aus einem Wort. Ich war und bin sehr beeindruckt, wie nah mir die Geschichte kam.
Ein Psychothriller, der völlig ohne Blut auskommt und mir doch das Fürchten gelehrt hat. Er funktioniert komplett auf der psychischen Linie, spielt mit seinen Lesern, lässt sie spekulieren und wirft schließlich doch alles wieder über den Haufen. Ich wusste nicht mehr, wem ich trauen kann und ob Sarah selbst nicht vielleicht die Verrückte ist. Wie ein Durstiger in der Wüste nach Wasser habe ich verzweifelt nach der Auflösung gelechzt. Als es dann soweit war, wurde ich mächtig überrascht, denn damit hätte ich, trotz Thriller-Erfahrung, nicht gerechnet.
Chapeau, Melanie Raabe, zum zweiten Mal! Ich bin schwer begeistert und möchte am liebsten allen Menschen „Die Wahrheit“ in die Hand drücken. Jeder, der diesen Psychothriller nicht gelesen hat, verpasst etwas! Eine großartige Story und ein packender Schreibstil machen dieses Buch zu einem Leseerlebnis der Spannungs-Extraklasse! Unbedingt mehr davon!

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138 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

thriller, gedächtnisverlust, entführung, janet clark, london

Black Memory

Janet Clark
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.12.2016
ISBN 9783453418332
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fast vier Jahre mussten die Fans von Janet Clark auf einen neuen Erwachsenen-Thriller der Autorin warten. Obwohl die gebürtige Münchnerin in der Zwischenzeit nicht untätig war und neben einer vierteiligen Reihe auch zwei weitere Jugendbücher veröffentlicht hat, stieß ich einen Jubelschrei aus, als ich endlich ihren neuen Thriller, der Ende 2016 im Heyne Verlag erschienen ist, in der Hand hielt.

In "Black Memory" lässt Janet Clark ihre Protagonistin Clare gleich zu Beginn der Geschichte aus dem Meer vor der Indonesischen Küste fischen. Clare weiß jedoch weder wer sie ist noch warum sie ausgerechnet in Indonesien gefunden wurde. Die junge Ärztin scheint ihr Gedächtnis verloren zu haben. Wäre das nicht schon schlimm genug, muss sie kurz darauf erfahren, dass sie polizeilich gesucht wird. Sie soll ein Kind entführt haben, von dem nun jede Spur fehlt.

Ein großartiges Szenario, das jede Menge Potenzial birgt und mein Thrillerherz höher schlagen lassen hat. Als Leserin wusste ich genauso wenig wie Clare und stellte mir immer wieder die Frage, wem ich trauen kann und wem nicht. Hat Clare wirklich ein Kind entführt und wenn ja, warum? Was hat ihr eigenes Leben in London mit der Entführung zu tun und weshalb hat sie versucht, ihre Spuren zu verwischen? Wo ist das entführte Kind? Unheimlich geschickt wirft die Autorin neben neuen Ungereimtheiten und Fragen auch neue Figuren ins Rennen, die schnell zu Verdächtigen werden. Was ist mit Clares Mann oder ihrer besten Freundin? An beide kann sie sich nicht mehr erinnern. Wer spielt ein falsches Spiel? Und kann sie sich überhaupt selbst trauen?

Für mich war "Black Memory" ein fesselnder Pageturner mit mäßiger Spannung. Auch wenn ich meinem Bauchgefühl trauen durfte und im Endeffekt in meiner Vermutung bestätigt wurde, konnte mich die Geschichte immer wieder überraschen. Nicht unbedingt ein Thriller zum Nägelkauen, trotzdem unheimlich kurzweilig und flott zu lesen. Das eigentliche Thema, das sich erst später herauskristallisiert, fand ich sehr interessant und toll herausgearbeitet. Zwar wirft Janet Clark in einigen kurzen Abschnitten mit Fachbegriffen nur so um sich, was aber, in Anbetracht der Arbeit der Protagonistin, verständlich und authentisch ist. Diese Abschnitte halten sich in Grenzen und ließen meinen Lesefluss nicht wirklich ins Stocken geraten.

Gern lege ich euch "Black Memory" ans Herz, insbesondere wenn ihr keine geübten Thrillerleser seid und es lieber etwas ruhiger angehen lassen möchtet. "Black Memory" ist weder blut(rünstig) noch angsteinflößend. Das einzige, das passieren kann, ist dass man bereits ab der ersten Seite mitgerissen wird und alles andere um sich herum vergisst. Man möchte unbedingt wissen, was passiert ist, warum Clare ihr Gedächtnis verloren und was es mit der Kindesentführung auf sich hat. Erst wenn man am Ende das Buch zuschlägt kann man zufrieden aufatmen. "Black Memory" war mein Lesehighlight im Januar 2017 und ich hoffe, dass es noch viele andere Leserinnen und Leser begeistern wird!   

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217 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

liebe, jugendbuch, freundschaft, meer, ulla scheler

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Ulla Scheler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453270435
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Im Spätsommer 2016 ist mit "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" das Romandebüt der jungen Autorin Ulla Scheler erschienen. Ich weiß nicht, ob sie selbst die Betonung auf "jung" noch hören kann, doch auch ich möchte ihr Alter noch mal deutlich hervorheben, denn genau diese jugendliche Frische machte den Titel für mich zu einem absoluten Lesehighlight. Ich mag es, wenn sich Bücher aufgrund ihres Schreibstils von der Masse abheben können, wenn sich Autoren etwas trauen und eben nicht so schreiben, wie es sich vielleicht am bequemsten und flüssigsten lesen lässt.

Doch warum geht es denn eigentlich in diesem Buch? "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" lässt sich meiner Meinung nach nicht in ein vorgeschneidertes Korsett stecken. Jugendbuch? Young Adult? Liebesroman? Drama? Spannungsroman? Nicht wirklich und doch hat es von jedem etwas.

Hannah und Ben sind seit vielen Jahren die besten Freunde, dabei scheinen sie auf den ersten Blick so gar nicht zueinander zu passen. Hannah ist die Ruhige und Besonnene der beiden. Sie hat für alles einen Plan und meidet das Risiko, welches Ben wiederum ganz bewusst sucht. Graffitis sind seine Passion und gleichzeitig sein Sprachrohr. Ein Rebell, den eine besondere Aura umgibt.

Als ich den zwei Protagonisten das erste Mal begegnete, hatte sich ihre Freundschaft merklich verändert. Ben war von heut auf morgen, ohne ein Wort, verschwunden und nun, wie aus dem Nichts, wieder aufgetaucht, ganz so, als wäre er gar nicht weg gewesen. Die von Hannah so dringend benötigten Erklärungen bleiben aus und werden von einem außergewöhnlichen Geburtstagsgeschenk ersetzt.

Schließlich sind es die drei Worte "I dare you" (Ich fordere dich heraus), die die zwei wieder zueinanderfinden lassen. Hannah lässt sich auf einen Roadtrip ins Ungewisse ein, was eigentlich so gar nicht zu der Hannah passt, die sie am Tag zuvor noch gewesen ist. Doch sie muss herausfinden, was mit Ben los ist. Der gemeinsame Roadtrip führt sie ans Meer und an einen Ort, den eine mysteriöse Legende umspült. Unheilvoll, wie eine dunkle Gewitterwolke, scheint sie über den Köpfen von Hannah und Ben zu schweben. Ein heftiges Unwetter braut sich zusammen und plötzlich ist nichts mehr so, wie es mal war.
Die Geschichte allein klingt schon spannend und Ulla Scheler hat eine ganz eigene und bemerkenswerte Art, sie zu erzählen. Wie bereits zu Beginn erwähnt, hat mich der besondere, leicht außergewöhnliche Schreibstil mächtig beeindruckt. Ich weiß gar nicht, wie ich meine Empfindungen in Worte fassen kann, der Autorin jedoch scheint diese Geschichte ganz mühelos aus der Feder geflossen zu sein. Schon nach den ersten Seiten musste ich das Buch zur Seite legen, um mir besonders schöne Zitate aufzuschreiben. Mit einer Leichtigkeit malt Ulla Scheler farbenprächtige Bilder in die Köpfe ihrer Leserinnen und Leser, bedient sich dafür einer sehr bildhaften und leicht poetischen Sprache und lässt beschriebene Gefühle spürbar werden. Trotz des angenehm ruhigen Tempos sprudelt es immer wieder sehr lebhaft. Kurze, freche Sätze und Dialoge ließen mich näher an die Figuren heranrücken. Den für mich doch sehr überraschenden und ungewöhnlichen Mix aus zarter Melancholie, Poesie und jugendlicher Dynamik fand ich großartig.

Auch die Geschichte an sich war sehr lesenswert. Wenn man einmal in ihrem Sog gefangen ist, lässt sie einen so schnell nicht mehr los. Ein Buch über Emotionen, Selbstfindung, Ängste, Freiheit, übers Erwachsenwerden und so viel mehr, eindringlich, fesselnd und doch ohne jegliche Hektik zu lesen.

Über das Ende des Buches lässt sich streiten. Ich persönlich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht und kann verstehen, warum die ein oder andere Leserin enttäuscht oder gar unzufrieden ist. Auch wenn dieser Kritikpunkt nicht klein ist, ändert er an meiner Bewertung nichts. Für mich war "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" ein Lesehighlight, welches mir außergewöhnliche Lesestunden geschenkt und meine Lesezeit unheimlich bereichert hat. Ich bin überzeugt davon, dass wir in den nächsten Jahren noch viel von Ulla Scheler lesen werden. 


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veronica roth, rat der neun, jugendbuch, fantasy, galaxie

Rat der Neun - Gezeichnet

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis , Michaela Link
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei cbt, 17.01.2017
ISBN 9783570164983
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Die Kurzbeschreibung verrät bereits, dass wir es dieses Mal nicht mit einer typischen Dystopie zu tun bekommen. Doch was genau ist "Rat der Neun" eigentlich? Welches Genre sollte man ihm zuordnen? In welche Abteilung einer Buchhandlung kann man den Roman einsortieren?

Ich bin der Meinung, dass sich die Unterhaltungsliteratur immer mehr vom typischen Schubladen-Genre-Denken verabschiedet - und das ist auch gut so. Jugendbuch? Fantasy? Young Adult? Dystopie? Science Fiction? All Age? Liebesroman? Bei all den Bezeichnungen kann man schnell den Überblick verlieren. Wäre es nicht viel schöner, wenn man einfach die Geschichten sprechen lassen würde? Ganz ohne Schublade oder vorgegebenen Rahmen?

Aber zurück zum Roman und zu Veronica Roths neuer Geschichte. Tatsächlich kann und möchte ich ihn nicht in die EINE Schublade legen, denn in "Rat der Neun" steckt mehr als bloß Fantasy oder bloß Sci-Fi.

Für mich als geübte Contemporary- und ungeübte Fantasy-Leserin gestalteten sich die ersten 200 Seiten als kleine Herausforderung. Ich bekam es nicht nur mit einer völlig neuen Welt zu tun, sondern mit einer ganzen Galaxie. Und wäre das sehr ungewohnte Setting nicht schon beeindruckend und mächtig genug, prasselten gleich zu Beginn einige ausgefallene Namen auf mich ein, die ich wohl niemals korrekt aussprechen können werde. In den ersten Kapiteln musste ich immer wieder kurz zurückblättern um nachzusehen, ob Eijeh nun der Bruder, die Freundin, der Vater oder doch die Mutter von Akos ist.

Im 1. Teil und somit auf den ersten knapp 50 Seiten lernte ich Akos, seine Familie, sein Volk und seinen Heimatplaneten Thuvhee kennen. Ich flog mit einem Gleiter, bestaunte Eisblumen, nahm an einer Zeremonie teil und schnappte die Wörter Lebensgabe und Schicksal auf, bis sich die Ereignisse mit einem Mal überschlugen. Akos Familie wird brutal überfallen und er, zusammen mit seinem Bruder, entführt.

Der 2. Teil ist der zweiten Protagonistin gewidmet. Cyra wächst in einem ganz anderen Umfeld auf als Akos. Schon früh lernt sie, welche Macht ihre Familie hat und dass die Narben, die den Arm ihres Bruder zieren, nicht von ungestümen Raufereien oder Spielen im Unterholz stammen, sondern die Anzahl seiner Opfer skizzieren.
So langsam begriff ich schließlich auch, was es mit einer so genannten "Lebensgabe" auf sich hat. Den Begriff hatte ich bereits im ersten Teil aufgeschnappt, jedoch noch nicht ganz einordnen können. Jeder Mensch verfügt über eine Lebensgabe. Cyras Gabe ist mehr Fluch als Segen. Sie verspürt starke Schmerzen, kann aber auch anderen, durch bloßes Handauflegen, eben solche Schmerzen zufügen.

Beide Protagonisten fand ich von Anfang an spannend. Akos machte mich aufgrund seiner ruhigen, überlegten und doch emotionalen Art neugierig und bei Cyra wollte ich unbedingt hinter die Fassade schauen. Auch wenn sie mir nicht so sympathisch erschien wie Akos, stachelte sie mich sogar noch ein bisschen mehr an.

Natürlich treffen die zwei Protagonisten schon bald aufeinander und es entsteht eine Abhängigkeit. Worin diese Abhängigkeit besteht, das verrate ich euch nicht. Viel schöner ist es doch, wenn ihr es selbst herausfindet. Cyra braucht Akos und Akos braucht Cyra, doch sind beide Absichten miteinander kombinierbar? Spielt einer der beiden vielleicht ein falsches Spiel?

Es geht um Vertrauen, Macht, Angst, Intrigen, Verrat, Gefühle, Träume, Gewalt, Krieg, Eroberung, Glaube, Verlust, Ausbruch und Hoffnung. Macht euch auf eine gewaltige Geschichte gefasst und nehmt euch ausreichend Zeit, um in diese neue Galaxie einzutauchen. Ich muss sagen, dass mich die 600 Seiten aus meiner Comfort-Reading-Zone herauskatapultiert haben. Auch wenn mir das Lesen nicht leicht fiel und ich stellenweise kurz vorm Aufgeben war, konnte mich die Geschichte beeindrucken.

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Scary Harry - Hier scheiden sich die Geister

Sonja Kaiblinger , Robert Missler
Audio CD
Erschienen bei Jumbo, 23.09.2016
ISBN 9783833736179
Genre: Kinderbuch

Rezension:

 Ich liebe die Kinderbuchreihe "Scary Harry" der österreichischen Autorin Sonja Kaiblinger. Ihre Charaktere sind sowohl liebenswert als auch ziemlich skurril. Ihr Humor ist unschlagbar und macht die Reihe unheimlich lesenswert. Bisher habe ich die Bücher nur gelesen, nun habe ich mir den aktuellsten Titel angehört.

Gelesen wird "Hier scheiden sich die Geister" von Robert Missler, der Stimme von Grobi aus der Sesamstraße. Bei vertonten Kinderbüchern finde ich es besonders wichtig, dass der Sprecher in die verschiedenen Rollen schlüpfen kann und jeder Figur eine eigene Stimme verleiht. Bei "Scary Harry" konnte Robert Missler absolut aus den Vollen schöpfen. Mir hat es sehr gefallen, wie er die einzelnen Charakterzüge der Protagonisten stimmlich unterstrichen oder noch deutlicher hervorgekitzelt hat. Die vorlaute Halbgeister-Fledermaus Vincent hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht - ich liebe dieses kleine Kerlchen! Aber auch Harolds Stimme war großartig.

Wie gewohnt war auch diese Geschichte aus dem Radieschenweg sehr kurzweilig und stellenweise sogar richtig gruselig. Wie feiert ein echter Sensenmann Halloween? Warum hat Harold plötzlich Diesseitsverbot und wird es Otto gelingen, über die Schneekugel Kontakt zu seinen verschwundenen Eltern aufzunehmen? Meiner Meining nach sind die "Scary Harry"-Bücher nicht nur ein großer Lesespaß für die Kleinen, sondern auch für alle anderen Fans von kurzweiligen Geistergeschichten. Ich werde zukünftig nur noch zu den Hörbüchern dieser Reihe greifen, denn mir hat diese Vertonung wirklich ganz besonders gut gefallen.

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Dschihad Online

Morton Rhue , Aleksandar Radenkovic
Audio CD
Erschienen bei Jumbo, 23.09.2016
ISBN 9783833736568
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auch wenn mich die Kurzbeschreibung sehr neugierig gemacht hat, war sie nicht der ausschlaggebende Grund für meine Entscheidung, dieses Hörbuch unbedingt hören zu wollen, sondern der Hörbuchsprecher. Seit seinen gelesenen Parts in Monika Feths berühmter "Erdbeerpflücker"-Reihe, mit denen er mir Gänsehaut beschert hat, bin ich ein großer Fan von Aleksandar Radenković. Klar, dass ich es kaum erwarten konnte, ihm nun über ein komplettes Hörbuch zu lauschen. In "Dschihad Online" geht es um die zwei Brüder Amir und Khalil, die serbische Wurzeln haben, jedoch seit vielen Jahren in den USA leben bzw. - in Khalils Fall - sogar in den Staaten geboren wurden. Morton Rhue zeigt erschreckend authentisch und nachvollziehbar, wie schnell es gehen kann, dass junge Menschen in den radikalen Islam abgleiten. Was sind ihre Beweggründe? Welchen Einfluss hat ihr Umfeld auf sie?

Mir ging die Geschichte von Khalil und seinem Bruder unter die Haut - vorgelesen von Aleksandar Radenković sicher noch mehr, als hätte ich selbst durch die Seiten geblättert. Doch egal ob als Printbuch oder eben als Hörbuch, meiner Meinung nach ist dieser Titel mehr als aktuell , brisant und wichtig, nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Morton Rhue schaut genau hin, malt nicht nur schwarz und weiß oder Gut und Böse. Er versucht zu verstehen und die Gefahr von äußeren Einflüssen aufzuzeigen. Ein wichtiger Titel und ein eindringlich sowie unheimlich authentisch gesprochenes Hörbuch!

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Neuschnee

Ingrid Olsson , Cordula Setsman
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 01.06.2017
ISBN 9783958540675
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wer "Neuschnee" aufschlägt, wird bereits beim flüchtigen Durchblättern feststellen, dass es sich hierbei um ein außergewöhnliches Buch handelt. Die schwedische Autorin Ingrid Olsson erzählt insgesamt acht Kurzgeschichten. Ihr gelingt es mit nur wenigen Worten Emotionen zu transportieren und eine Intensität herzustellen, die man in manch dickem Wälzer vergeblich sucht.

Ich war sehr überrascht als ich feststellte, dass jede Seite lediglich mit einem kurzen Absatz beschrieben ist und ansonsten leer gelassen wurde. Dass ich es hier mit Kurzgeschichten zu tun bekäme, war mir durchaus klar, doch dass diese SO kurz ausfielen, damit hatte ich nicht gerechnet.

Anhand der acht Geschichten erhalten wir kurze Einblicke in die Leben von acht Jugendlichen. Wir erfahren von ihren Ängsten, ihren Problemen, ihren Zweifeln und ihren Gefühlen - und das auf eine sehr eindringliche Art und Weise, die mich ziemlich beeindruckt hat. Da die Kurzgeschichten wirklich sehr kurz sind, möchte ich auf die einzelnen Themen und Geschichten gar nicht näher eingehen. Sie sind alle unterschiedlich und haben doch eine Gemeinsamkeit: ihre Authentizität. Sie sind weder aus der Luft gegriffen noch völlig fremd.

Mir haben sowohl der Stil als auch der Aufbau des Buches gefallen. Außergewöhnlich, sehr kompakt und doch sehr flüssig zu lesen. Trotz ihrer Kürze sind mir einige Geschichten im Kopf geblieben, auch wenn sie nicht unbedingt einen Nachhall verursacht haben.

Ob man jetzt für so wenig Text so viel ausgeben sollte? Ist der Preis von 12,90 Euro für dieses Buch gerechtfertigt? Ich bin der Meinung, dass "Neuschnee" ein besonderes Buch ist, das im Speziellen Vielleser überzeugen und vielleicht sogar begeistern wird. Es eignet sich prima als Geschenk an Bücherfreunde, die das Wort zu schätzen wissen und sich von diesem doch etwas außergewöhnlichen Leseerlebnis nicht abschrecken sondern inspirieren lassen.

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50 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

stuttgart, krimi, multiple persönlichkeit, kommissarin, mord

Scherbenkind

Britt Reißmann
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 08.08.2016
ISBN 9783453358744
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bereits der Prolog hat es ordentlich in sich und fungiert eindeutig als Magnet, der den Leser packt und tiefer ins Buch zieht. Ein junges Mädchen entscheidet sich für den eigenen Freitod - das geht unter die Haut und verursachte bei mir direkt eine Gänsehaut. Auch wenn wir im Prolog noch nicht so viele Informationen erhalten, war mir sofort klar, dass hier etwas nicht stimmen kann. Das Mädchen wirkte auf mich nicht emotional aufgewühlt oder verzweifelt. Trotzdem handelte es ganz und gar entschlossen.

Protagonistin dieser Krimireihe ist die Hauptkommissarin Verena Sander, die in "Scherbenkind" in ihrem zweiten Fall ermittelt. Ich erfuhr, dass sie alleinerziehende Mutter ist und große Diskrepanzen mit dem Staatsanwalt hat, der ihr nicht nur in ihrem ersten, sondern auch in ihrem zweitem Fall die Arbeit schwer macht. Ich war sehr froh darüber, dass die Autorin keine total kaputte und vom Leben gebeutelte Kommissarin ermitteln lässt, wie man es aus vielen anderen Krimis kennt. Natürlich hat auch Verena ihre Probleme, z.B. mit dem Verhältnis zu ihrer pubertierenden Tochter, aber sie halten sich in Grenzen und scheinen aus dem normalen Alltag gegriffen. So fiel es mir leicht, mich in ihre Lage hineinzuversetzen und ihre Gedanken und Handlungen nachzuvollziehen.

In "Scherbenkind" wird sie mit einem Thema konfrontiert von dessen Ausmaße und Bedeutung sie zu Beginn der Ermittlungen noch nicht viel ahnt - ganz im Gegenteil zu mir. Als Leserin wurde mir schon sehr frühzeitig aufgezeigt, womit es Verena Sander zu tun bekommt. Anfangs hat es mich etwas gewundert, weil ich diesen Aufbau so nicht gewohnt war. Meist ist es doch so, dass der Leser ebenso lang im Dunkeln tappt wie die Ermittler. In diesem Fall bekam ich einen Wissensvorsprung und konnte mich fast von Anfang an mit dem besonderen psychischen Krankheitsbild, das hier thematisiert wird, auseinandersetzen. Aufgrund der frühen Aufklärung geht natürlich ein Stück weit die Spannung verloren. Nervenkitzel findet man in diesem Krimi wenig, doch trotzdem hat er einen enormen Sog auf mich ausgeübt. Das Thema war unheimlich interessant und ich fand es toll, die Ermittlungsarbeit zu begleiten. So blieb ich dran und konnte die Lesezeit, trotz grausamer Erkenntnisse, sehr genießen.

Mir hat es gefallen, dass ich es in diesem Krimi nicht mit einer Kommissarin zu tun bekam, die sich unüberlegt und leichtsinnig in einem Alleingang selbst in Gefahr bringt. Die Ermittlungsarbeit sowie das besondere Thema, um das es hier geht, stehen ganz klar im Fokus. Da dieses Thema in der Kurzbeschreibung nicht erwähnt wird, obwohl es bereits auf den ersten Seiten zur Sprache kommt, werde auch ich es in dieser Rezension nicht beim Namen nennen.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den regionalen Bezug zu sprechen kommen, der mich beim Lesen wirklich sehr unterhalten hat. Immer wieder bin ich an mir bekannten Orten vorbeigefahren, habe im Grand Café Planie, in dem wir mit unserem Bücherstammtisch auch schon einige Male zu Gast waren, einen Cappuccino getrunken, mich durch das bekannte Stuttgarter Verkehrschaos gekämpft, einen Blick in die nahe gelegenen Weinberge geworfen und mich über die doofe Ampelschaltung am Pragsattel oder die nervigen S21-Demonstranten aufgeregt. Auch wenn Stuttgart weitaus mehr als das zu bieten hat, habe ich mich tatsächlich ein bisschen heimelig gefühlt und die vielen ortsbezogenen Anspielungen genossen, wie den Biss in eine noch warme Butterbrezel.

Ein wirklich toller Krimi, der ein spannendes und unheimlich interessantes aber auch ebenso erschütterndes Thema behandelt. Es muss nicht immer ein rasanter, actionreicher Plot sein, der einen ans Buch fesselt, auch die ruhigeren Töne können dies schaffen, in diesem Fall sogar mit Bravour. Ein besonderes Schmankerl waren für mich der regionale Bezug aber auch die interessanten Einblicke in die Arbeit der Kriminalpolizei, die uns die Autorin, welche selbst in diesem Bereich arbeitet, aus erster Hand ermöglicht. Eine glasklare Leseempfehlung von mir - ich freue mich schon auf den nächsten Fall der Stuttgarter Kommissarin!

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292 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 80 Rezensionen

paris, liebe, adriana popescu, paris du und ich, jugendbuch

Paris, du und ich

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.07.2016
ISBN 9783570172322
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als großer Fan der Romane von Adriana Popescu habe ich der Veröffentlichung ihres neuen Jugendbuches "Paris, du & ich" sehr entgegengefiebert. Dass die Stuttgarter Autorin schreiben kann, hat sie mit Titeln wie "Lieblingsmomente", "Versehentlich verliebt" oder auch "Ewig und eins" längst bewiesen. Letztes Jahr erschien bei cbj ihr erstes Jugendbuch "Ein Sommer und vier Tage", welches ebenfalls für große Begeisterung bei ihren Fans aller Altersklassen gesorgt hat. Auch ich war hin und weg - das Jugendbuch stand ihr ausgezeichnet. So konnte ich es gar nicht abwarten, meine Nase in ihre neue Geschichte zu stecken.

Während wir in "Ein Sommer und vier Tage" mit den Protagonisten Paula und Lewis in Italien unterwegs waren, verschlägt es uns im neuen Roman an der Seite von Emma nach Paris, die Stadt der Liebe. Tatsächlich hofft die Sechzehnjährige auf einen romantischen Urlaub, schließlich stattet sie ihrem Freund Alain, dem ehemaligen Austauschschüler, der einige Wochen in Deutschland verbracht hat, einen Überraschungsbesuch ab, um die Herbstferien bei und mit ihm zu verbringen. Sehnsuchtsvoll hat sie sich das Wiedersehen in den buntesten Pariser Farben ausgemalt, jedoch tauchte in ihrer Fantasie niemals eine Chloé auf. Diese öffnet ihr nämlich völlig unerwartet die Tür, als sie vor Alains Haus steht. Schnell und ziemlich schmerzhaft stellt sich heraus, dass Chloé Alains feste Freundin ist, die natürlich nichts von Emma weiß. Für Letztere bricht eine Welt zusammen. Doch was nun? Zurück nach Hause und sich den bohrenden Fragen ihrer Eltern und Freunde stellen? Oder in Paris bleiben und die Stadt, von der sie so lang geträumt hat, auf eigene Faust erkunden?

Emma ist sich noch nicht so sicher und verkriecht sich die ersten zwei Tage in einem Hostelzimmer. Als sie schließlich auf Vincent trifft, den es aus ähnlichen Gründen nach Paris gezogen hat, beschließen die zwei, der Liebe keine Chance zu geben. Weder dem mit der Liebe verbundenen Kummer, noch einer neuen Liebe. Sie wollen sich nicht verlieben - sie wollen Paris kennenlernen. Und das tun sie dann auch auf ihre ganz eigene Art und Weise.

"Paris, du & ich" ist ein Buch, das zum Träumen einlädt. Es ist ein Kurzurlaub, der einen in eine ganz besondere Stadt entführt, die von der Autorin so liebevoll und so atmosphärisch beschrieben wird, dass man beim Zuklappen des Buches das Gefühl hat, selbst vor Ort in Montmartre gewesen zu sein. Ich habe mich beim Lesen mehr und mehr in diese Stadt verliebt.

Wer die Autorin und ihre Vlogs auf YouTube kennt, der wird auf vielen Seiten schmunzeln können - und zwar nicht nur aufgrund der herzigen Geschichte. Adriana Popescu versteckt so viele kleine Andeutungen und Anspielungen zwischen den Zeilen, dass man z.B. bei Ausrufen wie "Funfact am Rande..." sofort das Gefühl hat, dass die Autorin neben einem sitzt und die Geschichte in ihrer gewohnt erfrischenden und ansteckenden Art erzählt. Dieses Buch enthält also nicht nur eine große Portion Paris, Liebe und Lebenslust, sondern auch eine feine Prise Popescu, die als Gaumenkitzler fungiert und für ihre Fans sofort herauszuschmecken ist.

Emma ist eine Protagonistin, die mir unheimlich gut gefallen hat. Sie schämt sich nicht ihrer Tränen, macht aus ihren Ängsten kein Geheimnis und ist doch neugierig, entdeckungsfreudig und nicht auf den Mund gefallen. Die Mischung aus Schüchternheit und Abenteuerlust, gepaart mit ihrer großen Leidenschaft für Bücher, hat sie nicht nur sehr sympathisch, sondern auch sehr authentisch wirken lassen.

Vor dem Anti-Helden Vincent (zumindest geht er ganz selbstverständlich davon aus, dass er einer ist) müsst ihr euch in Acht nehmen. Adriana Popescu gelingt es immer wieder mit Bravour, Protagonisten zu erschaffen, an die man sein Herz verliert. Sei es nun Tristan aus "Lieblingsmomente" und "Lieblingsgefühle", Lewis aus "Ein Sommer und vier Tage" oder nun eben Vincent. Ein charmanter und perfekt unperfekter junger Mann, der mein Herz im Sturm erobert hat - trotz fehlender Tischmanieren und bunter Socken (vielleicht aber auch gerade deshalb).

Doch auch die ein oder andere Nebenfigur spielt eine größere Rolle, als es die Bezeichnung "Nebenfigur" vermuten lässt. Als ich Jean-Luc und seine Geschichte kennenlernen durfte, wurde mir ganz warm ums Herz.

Was mir beim Lesen des Buches, insbesondere im ersten Drittel, vermehrt aufgefallen ist, sind die vielen Weisheiten, die in die Geschichte einfließen. OK, wenn ich jetzt von Weisheiten spreche, klingt das irgendwie komisch, denn als solche kommen sie gar nicht rüber. Mir fällt es schwer, hierfür die richtigen Worte zu finden, deshalb zitiere ich einfach die Notiz, die ich mir während des Lesens gemacht habe. "Weisheiten einer alten, erfahrenen Frau, erfrischend vorgetragen wie ein junges Mädchen (nicht belehrend)". Könnt ihr in etwa erahnen, was ich damit meine? Nein? Dann bleibt euch nichts anderes übrig als euch sofort auf die Suche nach eben diesen Weisheiten zu machen. Packt eure Koffer und reist mit Emma nach Paris!

Ihr könnt lesen, ich bin ehrlich und aus tiefstem Herzen begeistert. "Paris, du & ich" hat mich verzaubert, mich zum Träumen eingeladen, mir ein Schmunzeln aufs Gesicht gelegt und mir einfach gut getan. Ein Wohlfühlbuch, das in diesem Sommer in keinem Urlaubskoffer fehlen darf.

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1.042 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 156 Rezensionen

dystopie, infernale, mördergen, sophie jordan, jugendbuch

Infernale

Sophie Jordan , Ulrike Brauns
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Loewe, 15.02.2016
ISBN 9783785581674
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Geschichte, die Sophie Jordan (international bekannt geworden durch ihre "Firelight"-Trilogie) in "Infernale" erzählt, spielt in der Zukunft. Jedoch liegt diese Zukunft nur wenige Jahre von unserer heutigen Zeit entfernt und wird dementsprechend realistisch geschildert. Meine erste Vermutung, dass es sich hierbei um eine Dystopie handelt, hat sich auf den ersten Seiten nicht bestätigt. Vielmehr sehe ich diese Geschichte als eine Art "Pre-Dystopie", die ein Szenario aufzeigt, woraus durchaus eine Dystopie entstehen könnte.

Wir befinden uns in den USA im Jahr 2021 und begleiten Davina, genannt Davy, an einem scheinbar ganz normalen Schultag. Sie ist eine Musterschülerin, sehr begabt, spielt mehrere Instrumente und hat sich den beliebtesten Kerl der Schule geschnappt. Zusammen bilden sie das perfekte Paar. Davy ist ziemlich verknallt und auch Zac scheint es ordentlich erwischt zu haben. Dass ein Testergebnis Davys perfekte Leben in wenigen Augenblicken komplett auf den Kopf stellen wird, davon ahnt sie noch nichts, als Zac sie zu Hause absetzt...

Davy wurde positiv auf das "Mördergen" getestet, welches die Ursache für viele Gewaltverbrechen sein soll. Menschen werden nicht kriminell, nein, sie sind es ... von Geburt an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das Gen bemerkbar macht und sein Träger Gewaltbereitschaft zeigt. Dieser Meinung ist zumindest die Gesundheitsbehörde und aufgrund dessen werden alle positiv getesteten Träger vom Rest der Gesellschaft separiert. Für Musterschülerin Davy heißt das, dass sie von heut auf morgen ihre Privatschule verlassen muss und unter ständiger Beobachtung steht.

In der ersten Hälfte des Buches geht es der Autorin hauptsächlich darum, aufzuzeigen, wie die Gesellschaft auf das Mördergen reagiert, wie sie mit den Trägern umgeht, wie sich das direkte Umfeld von Davy verhält und wie sich plötzlich, aufgrund eines Testergebnisses, ALLES verändern kann. Davy wird nicht nur zur Außenseiterin, sie wird zur Ausgestoßenen, zum Zielobjekt für Hasstiraden, obwohl sie eben noch die beliebte und begabte Highschool-Schülerin war. Wie reagiert ihr Freund, der ihr vor wenigen Augenblicken noch seine Liebe gestanden hat, auf die Diagnose? Steht ihre langjährige beste Freundin ihr bei? Fängt ihre Familie sie auf?

Mich haben viele Schilderungen sehr erschreckt und zum Nachdenken angeregt. Wie würde ich reagieren, wenn eine meiner Freundinnen das Mördergen trägt? Könnte ich ihr noch vertrauen? Ist es überhaupt wissenschaftlich erwiesen, dass ALLE Genträger zu Mördern werden, oder gibt es Ausnahmen? Und wenn es Ausnahmen gibt, woher weiß ich, dass meine Freundin solch eine Ausnahme ist? Ist es wirklich genetisch bedingt oder ist es die Gesellschaft an sich, die einen Menschen zum Mörder werden lässt?

"Infernale" hat mich aber nicht nur aufgrund seiner spannenden Thematik, sondern auch mit seinen eindringlichen Schilderungen und seinem Handlungsverlauf beeindruckt. Während man anfangs noch so einigen Klischees begegnet und ein bisschen an der Oberfläche kratzt, wird man, je mehr Seiten man hinter sich bringt, immer tiefer in die Geschichte hineingesogen, so dass man sich irgendwann mittendrin befindet. Ich habe mich Davy stellenweise sehr nah gefühlt, konnte ihre Furcht, ihre Panik, ihr Entsetzen, ihre Selbstzweifel, ihre Ohnmacht aber auch ihren Kampfeswillen spüren.
Die Geschichte nahm spannende Wendungen und ich beobachtete staunend Davys Entwicklung. Auch wenn es nach wie vor einige vorhersehbare Handlungsstränge und Ereignisse gab, wusste mich die Geschichte zu fesseln und immer wieder zu überraschen, nicht zuletzt aufgrund ihrer Härte.

Zum Schluss stellt die Autorin ihre Protagonistin, aber auch ihre Leserinnen und Leser, vor eine Frage, die mir einen eiskalten Schauer den Rücken hinuntergejagt hat. Was ist, wenn die Gesellschaft recht hat? Wem kann Davy noch vertrauen? Und... kann sie sich überhaupt selbst vertrauen? Was ist, wenn sie, das liebe Mädchen von nebenan, doch zur kaltblütigen Mörderin wird?

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

liebe, mutter-tochter-beziehung, mutter-sohn-beziehung, schauspieler, eifersucht

Hin und weg

Ethan Hawke , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 11.08.2016
ISBN 9783462049626
Genre: Romane

Rezension:

Ein ziemlich nackter Liebesroman, der mich mit seiner Intensität überzeugen konnte!

Als Fan der "Before Sunrise/Sunset/Midnight"- Filmtrilogie wurde mir vor einiger Zeit der Debütroman "Hin und weg" des Schauspielers Ethan Hawke ans Herz gelegt. Nun war ich natürlich gespannt auf die Geschichte, denn nur weil ein Schauspieler in seiner Rolle als Autor glänzt, heißt es ja noch lange nicht, dass er auch im realen Leben schreiben kann.

Die Geschichte wird aus der Sicht des 20-jährigen und in New York City lebenden Schauspielers William erzählt. In einer Bar lernt er Sarah kennen und ist aufgrund ihrer auffallenden Andersartigkeit hin und weg. Sie ist alles andere als perfekt und strahlt genau deshalb etwas aus, das William nicht mehr loslässt. Anfangs lässt er den Leser wissen, wie merkwürdig er Sarah findet, jedoch lässt er im Nebensatz auch keinen Zweifel daran, wie sehr die junge Frau ihn fasziniert.

Tatsächlich kommen sich die Sängerin und der Schauspieler näher. Es geht alles wahnsinnig schnell. So entsteht bereits nach wenigen Seiten eine Intensität, die diese Geschichte unheimlich authentisch wirken lässt. Man kann Williams Faszination und Begierde förmlich spüren.

Der Autor macht kein Geheimnis daraus, dass die Liebesgeschichte keinen Bestand hat und William schlussendlich an einem gebrochenen Herzen leiden wird. Auch in diesem Zusammenhang waren die Verzweiflung, seine Wut und sein Schmerz spürbar. Ethan Hawke ist sehr dicht dran an seiner Figur und lässt den Leser an deren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl ein stiller Beobachter zu sein, sondern erlebte die Geschichte hautnah mit.

Der Schreibstil von Ethan Hawke hat mich sehr beeindruckt. Auch wenn die Erstveröffentlichung fast 20 Jahre zurück liegt, liest sie sich immer noch sehr modern. Ethan Hawke schreibt sehr ehrlich und sehr unausgeschmückt, was der Geschichte, meiner Meinung nach, sehr gut tat. Diese Authentizität passte hervorragend zu der schnelllebigen Stadt New York und den jungen Protagonisten.

Intensiv, authentisch, emotional, berauschend und immer noch modern. Für mich war "Hin und weg" eine kleine Überraschung, sodass ich euch den kurzen, 200 Seiten starken Roman gern als Geheimtipp ans Herz legen möchte.

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69 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

köln, hochzeit, freundschaft, liebe, roman

Der Sommer mit Pippa

Britta Sabbag , any.way , Barbara Hanke , Cordula Schmidt
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.04.2016
ISBN 9783499271076
Genre: Romane

Rezension:  
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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

sommer, jugendlektüre, verlieben, sardinien, italien

Meloneneis-Sommer

Lucinde Hutzenlaub
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei cbj, 13.06.2016
ISBN 9783570225899
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Während hier in Deutschland dicke Regentropfen auf meine Dachfenster prasselten, erlebte ich mit Suki und ihrer Familie den wohl turbulentesten, aufregendsten und schönsten Sommerurlaub seit Jahren. "Meloneneis-Sommer" hat mich in Windeseile zurück in meine Teeny-Zeit katapultiert und mir unheimlich erfrischende und unterhaltsame Lesestunden beschert.

Sommer, Sonne, Strand und Meer. Auf der italienischen Insel Sardinien verbringt die 14-jährige Suki zusammen mit ihren Eltern, ihrer 2 Jahre älteren Schwester und deren Freundin ihre Sommerferien, doch ein euphorisches Urlaubs-Feeling mag bei ihr nicht so recht aufkommen. Als die Familie in ihrem kleinen Ferienhaus ankommt, will Suki nur noch eines: die erste Postkarte an ihre beste Freundin schreiben und ihr erzählen, wie langweilig es hier ist. Da sie aber nicht ohne Grund "Wassermann" mit Nachnamen heißt und eine leidenschaftliche Wasserratte ist, legt sie die angefangene Karte doch erstmal auf die Seite und stürzt sich in die Fluten. Dass sie kurz darauf ohne Badeanzug dasteht, weil dieser dem süßen Mischlingshund Amico viel besser zu schmecken gefallen scheint als ihr und dass der noch viel süßere aber ziemlich mürrische Paolo sie in flagranti erwischt, damit hätte sie an diesem verlassenen Strandabschnitt nicht gerechnet. Noch viel weniger erwartet hätte sie, dass der Text auf der Postkarte an ihre beste Freundin am Ende des Urlaubs ganz anders ausfallen und die Begegnung am Strand erst der Anfang ihres aufregendsten und zugleich schönsten Sommerurlaubs werden würde.

2014 hat mich die Autorin Lucinde Hutzenlaub mit ihrem ersten Buch "Hallo Japan - Familie Hutzenlaub wandert aus" begeistert. Mit einer großen Schippe Humor hat sie autobiografisch von ihrem Abenteuer Japan erzählt, "Meloneneis-Sommer" ist nun ihr erstes Jugendbuch.

Als Mutter 4er Kinder hat die Böblinger Autorin mit Sicherheit so einige Geschichten aus dem Alltag eines Teenagers zu erzählen und ist näher an der Zielgruppe als manch anderer. Das macht sich auch in ihrem Roman bemerkbar. Ihre junge Heldin Suki wirkte auf mich wie aus dem Leben gegriffen. Sie kam so natürlich rüber, wie das Mädel von nebenan und hat mit den typischen Problemen eines Teenagers zu kämpfen. Ihre Gedankensprünge, ihre Grübeleien und ihre Emotionen haben mich immer wieder an meine Jugend zurückdenken lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die eigentliche Zielgruppe dieses Romans ganz wunderbar mit der jungen Heldin identifizieren und in ihr eine neue Freundin finden kann.

Auch allen anderen Figuren hat die Autorin Leben und Liebe eingehaucht. Ich konnte ausnahmslos alle ins Herz schließen, auch diejenigen, die etwas blass blieben, wie z.B. Sukis Vater oder Paolos Bruder. Ich mochte das Verhältnis zwischen Suki und ihrer großen Schwester, das sich in den letzten Jahren etwas verändert hat und auch während des Urlaubs eine kleine Entwicklung durchmacht. Dass die Familie in Lucinde Hutzenlaubs Jugendroman ganz besonders groß geschrieben wird, merkt man schnell. So durfte ich nicht nur am Familienleben der Wassermanns, sondern auch an dem mit ordentlich italienischem Temperament ausgestatteten Alltag von Paolos Familie teilnehmen. Gemeinsam haben wir gelacht, geliebt, gebangt, lecker geschmaust und zum Schluss sogar kleine Mini-Tränchen verdrückt.

Das Setting und die ganze Atmosphäre haben der Geschichte den letzten Schliff verpasst, um perfekt zu sein. Dieses Buch war Urlaub pur! Ich habe die Pizza Margherita geschmeckt, das Meer rauschen gehört und die Hitze gespürt, während mir der aufgeregte Amico um die Beine gewuselt und das Meloneneis in meinem Mund geschmolzen ist.

Ich will mehr davon, Frau Hutzenlaub! Dieses Buch hat mir den Sommer zurückgebracht! Ich komme aus dem Dauergrinsen gar nicht mehr heraus. So erfrischend, leicht, zuckersüß, serviert mit einem ordentlichen Spritzer Zitrone. Na, und die Prise Salz darf natürlich auch nicht fehlen. Aber pssssst, das ist ein Geheimnis! Großer Lesetipp! Ich liebe es!

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377 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 131 Rezensionen

thriller, folter, mord, mark roderick, interpol

Post Mortem - Tränen aus Blut

Mark Roderick
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.02.2016
ISBN 9783596031429
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

(...) 
Die Haupt- und Nebencharaktere haben mir gut gefallen, ganz besonders Emilia, über deren Gedanken ich immer wieder schmunzeln musste. Sie war mir von Anfang an sympathisch, ihr Verhalten stets nachvollziehbar. Auch Avram konnte mich überzeugen. Ich mochte seine starke, überlegte und dennoch mitfühlende Art sehr.
Das Thema, um das es hier geht, ist nichts für Zartbesaitete. Ich selbst halte ja überhaupt nichts davon, wenn Gewaltszenen möglichst detailliert beschrieben werden und das Blut dabei nur so spritzt. Deshalb bin ich dem Autor sehr dankbar dafür, dass es ihm immer gelungen ist, rechtzeitig abzublenden, um die Gräueltaten der Fantasie seiner Leser zu überlassen. Da ich keine Horror-Filme o.ä. schaue, ist mein Vorstellungsvermögen in dieser Richtung sehr beschränkt, so dass meine Fassung des Thrillers definitiv einen Jugendschutz auferlegt bekommen hat. Trotzdem hat mich das Buch am Ende doch mit einem flauen Gefühl im Bauch zurückgelassen.
Die komplette Rezension könnt ihr auf ankas-geblubber.de lesen.

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172 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

liebe, mara andeck, freundschaft, jugendbuch, experiment

Wolke 7 ist auch nur Nebel

Mara Andeck
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.03.2016
ISBN 9783846600214
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wolke 7 ist auch nur Nebel - davon ist die 18-jährige Moya überzeugt. Sie hat gerade ihre Abi-Prüfungen hinter sich gebracht und steht kurz vor der Erfüllung eines großen Traumes. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lena will sie ein Work & Travel Jahr in Neuseeland verbringen, doch erst muss natürlich das nötige Kleingeld aufgetrieben werden. Dass Lena gerade sehr unter Liebeskummer leidet, erschwert die Jobsuche zusätzlich. Moyas fixe Idee, die zwei Freundinnen könnten sich als Testpersonen zur Verfügung stellen, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem ungeahnten Abenteuer. Warum gerade Moya, die so nüchtern und rational über die Liebe denkt, ausgerechnet am "LOVE TEST"-Experiment teilnimmt und schon am dritten Tag heiße Küsse mit einem ebenso heißen Kerl austauscht, das soll sie euch lieber selbst erzählen.

Mich hat der neue Roman von Mara Andeck bestens unterhalten. Aus verschiedenen Richtungen nähert sie sich dem Thema Liebe. Was ist Liebe? Existiert Liebe überhaupt? Und kann man Liebe mithilfe eines wissenschaftlichen Experiments sogar herbeiführen?
"Liebe = Freundschaft + Sympathie + sexuelle Anziehung + Vertrauen + gleiche Ansichten + der Wille, das Leben zusammen anzugehen." (Zitat, Seite 55)Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen, lässt die Autorin nicht nur ihre zwei Protagonisten erzählen, sondern gibt ihren Lesern auch Einblicke in den so genannten LOVE TEST, an dem Moya teilnimmt. Wir bekommen u.a. Test-Protokolle, Interviews und Mitarbeiteranweisungen zu lesen. Diese Abwechslung im Erzählstil hat mir sehr gut gefallen.

Auch wenn der rote Faden der Geschichte für mich sehr vorhersehbar war, konnten mich andere Elemente überraschen. Zu Beginn hätte ich nämlich, ebenso wenig wie Moya, damit gerechnet, in was der große LOVE TEST schließlich endet.
Dank des locker zu lesenden und teils sehr humorvollen Schreibstils, wurde mir zu keinster Zeit langweilig. Zudem wird die Story zügig vorangetrieben, sodass erst gar keine unnötigen Längen entstehen können.

"Wolke 7 ist auch nur Nebel" ist ein sehr unterhaltsames, kurzweiliges Jugendbuch, leicht zu lesen, ausgestattet mit süßen Charakteren, das inbesondere aufgrund seines abwechslungsreichen Erzählstils sowie seiner Kurzweiligkeit bei mir punkten konnte. Schnuppert doch mal rein und stellt euch dem LOVE TEST!

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, musik, kyra groh, tage zum sternepflücken, musical

Tage zum Sternepflücken

Kyra Groh
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.03.2016
ISBN 9783734101755
Genre: Liebesromane

Rezension:

Auf dieses Buch habe ich mich eine gefühlte Ewigkeit gefreut. Da mir schon die ersten beiden Romane der jungen Autorin wahnsinnig gut gefallen haben, war für mich klar, dass ich den Erscheinungstermin ihres dritten Buches ROT im Kalender eintragen musste. "Tage zum Sternepflücken" kam dann genau zur richtigen Zeit, denn die Bücher, die ich in den letzten Wochen gelesen hatte, konnten mich alle nicht überzeugen. Ich war richtig deprimiert und sogar ein kleines bisschen panisch. Gibt es denn kein Buch mehr, dass mich begeistern und verdammt noch mal mit Vollgas umhauen kann? 
Worum es in Kyra Grohs drittem Roman geht, war für meine Entscheidung, ihn lesen zu wollen, nicht ausschlaggebend. So ließ ich mich überraschen und stolperte ohne vorherige Infos in die neue Geschichte hinein. Schon auf den ersten Seiten spürte ich, dass mein Herz schneller zu schlagen begann, es machte regelrechte Luftsprünge und klopfte mir bis zum Hals, so groß war die Erleichterung und die Freude darüber, endlich wieder ein Buch in Händen halten zu dürfen, dass mich ab der ersten Seite mitreißt.
Mit Layla hat Kyra Groh eine unfassbar authentische und ebenso liebenswerte Protagonistin erschaffen, die ich direkt ins Herz schloss und in der ich mich auf so mancher Seite wiederfand. Layla ist alles andere als perfekt. Sie hält nicht viel von sich selbst, trägt Kleidergröße 40, ist dank ihres Musikstudiums beinahe rund um die Uhr eingespannt, liebt Kuchen und trägt ihr geflicktes Herz am rechten Fleck. Gerade weil sie so unaufgeregt normal ist und ohne die typischen Klischees auskommt, heftet man sich gern an ihre Fersen und begleitet sie durch ihre persönlichen Höhen und Tiefen.

Die Atmosphäre der Geschichte hat mir von Anfang an wahnsinnig gut gefallen. Layla studiert Saxofon, weshalb wir uns einen Großteil der Zeit an ihrer Uni aufhalten und von viel Musik umgeben sind. Wir nehmen an ihren Musical-Proben teil, hören in ihre persönliche Playlist hinein, begleiten sie zum Musik-Unterricht und geben uns, genau wie sie, den Gitarrenriffs eines ganz besonderen Musikers hin. Letzterer hat es Layla nicht nur aufgrund seiner Musik angetan. Doch wer hier eine typische "Rockstar meets schüchternes Mädchen"- Lovestory vermutet, der liegt, meines Erachtens, falsch. Laylas Geschichte ist viel alltäglicher und doch etwas ganz Besonderes. Sie verlangt ihr einiges ab, drängt sie an den Rand der Verzweiflung, macht sie im nächsten Moment zum glücklichsten Menschen auf der Welt, lässt sie immer wieder stolpern und schenkt ihr jede Menge Schmetterlinge.

Layla ist so eine zauberhafte, süße, humorvolle und einfach "echte" Protagonistin, die im Laufe der Geschichte eine bemerkenswerte und glaubhaft erzählte Entwicklung durchmacht. Ich persönlich finde diese Lebensphase, in der sie gerade steckt, unheimlich spannend und aufregend. Nach dem Abi wird man schließlich erst so richtig flügge. Plötzlich muss man eigene Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen, seinen Alltag organisieren und sich fragen, was und wohin man eigentlich will. Auch Layla steckt in dieser Selbstfindungsphase und manövriert sich als beste Freundin, Tochter, begabte aber trotzdem immer bloß zweite Saxofonistin, Hiwi ihres Profs und große Schwester äußerst charmant, herzlich und humorvoll durch ihren Alltag. Ich habe sie zu gern auf ihrem Weg begleitet, da er mich auch immer wieder an mich selbst und meine Erlebnisse in diesem Alter erinnert hat.

Nicht unerwähnt lassen kann ich Laylas chaotische und doch so liebevolle Familie, die es wahrlich nicht einfach hat. Trotzdem geht es unter ihrem Dach sehr lebhaft zu, nicht zuletzt dank Laylas aufgedrehter Mutter, die ihre ganz eigenen Gründe für ihre lebensbejahende Art hat. Ich habe sie alle sehr ins Herz geschlossen und die Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte, sehr genossen.

"Tage zum Sternepflücken" zählt auf jeden Fall zu meinen diesjährigen Lesehighlights. Kyra Grohs junge, pfiffige, wortgewandte und humorvolle Art zu schreiben ist einfach mitreißend, fesselnd und berührend zugleich. Ihre herrlich normalen Protagonisten sind stets aus dem Leben gegriffen und machen es einem leicht, Teil ihres Alltags zu werden. Die musikalische Komponente hat mir wahnsinnig gut gefallen, wobei sie dank des Einbeziehens der Sozialen Medien direkt noch greifbarer wurde (jaaaa, ich habe verzweifel nach "Julius makes your heart jump" gegoogelt). Großartige Nebenfiguren haben die Geschichte angenehm bereichert, sie noch authentischer gemacht und einen Großteil dazu beigetragen, dass ich mich in diesem Buch rundum wohlgefühlt habe. Die Liebesgeschichte war zuckersüß & zartbitter, laut & leise zugleich, dennoch weder dramatisch oder zu schnulzig. Layla war für kurze Zeit Teil meines Lebens und hat mir ein perfektes Leseerlebnis geschenkt, an das ich noch lange Zeit zurückdenken werde. Status: Lieblingsbuch!

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154 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

london, paris, mord, affäre, internet

Tu es. Tu es nicht.

S.J. Watson , ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 23.07.2015
ISBN 9783651000094
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Tu es. Tu es nicht." ist der zweite Thriller des Autors S.J. Watson, der mit seinem Debüt "Ich. Darf. Nicht. Schlafen" direkt einen Bestseller gelandet hat. Dieser wurde zwischenzeitlich sogar mit den Schauspielern Nicole Kidman und Colin Firth in den Hauptrollen verfilmt. Ich selbst habe "Ich. Darf. Nicht. Schlafen" noch nicht gelesen, sondern ganz rebellisch zuerst zu seinem Nachfolger gegriffen.

Dass S.J. Watson einiges von seinem Handwerk versteht, durfte ich gleich zu Beginn feststellen. Die ersten Seiten lasen sich weg wie nichts. Innerhalb kürzester Zeit war ich mittendrin in Julias Geschichte.
In meiner Jugend war ich ein großer Fan von den spannenden Romanen der kanadischen Autorin Joy Fielding. Beim Lesen von "Tu es. Tu es nicht." fühlte ich mich an diese Bücher bzw. die für mich sehr berauschende Lesezeit erinnert. Auch hier steht eine Frau im Mittelpunkt, die eigentlich ein glückliches Leben zu führen scheint. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in London. Ihr Mann Hugh ist ein angesehener Chirurg, ihr Adoptivsohn Connor entwickelt sich prächtig und sie selbst kann ihrer Passion, dem Fotografieren, nachgehen - wenn auch nicht so leidenschaftlich wie früher. Aus dem "Früher" seiner Protagonistin macht S.J. Watson anfangs noch ein Geheimnis und lässt nur hin und wieder kleine Erinnerungen einfließen. Dass Julia eine bewegte Vergangenheit hat, ist uns Lesern jedoch von Anfang an klar.

Julias aktuell sehr angenehmes Leben wird mit der Nachricht vom überraschenden Tod ihrer Schwester Kate ins Wanken gebracht. Während die zwei Schwestern früher ein sehr gutes Verhältnis hatten, haben sie sich in der jüngsten Vergangenheit mehr und mehr entfremdet.
Julia ist schockiert, denn Kate wurde ermordet. Sie reist nach Paris, wo ihre Schwester zuletzt gelebt hat und versucht sich Kate auf diese Weise post mortem wieder anzunähern. Was für ein Leben hat Kate geführt? Warum musste sie sterben?
Julia lernt bei ihren Nachforschungen eine Seite an ihrer Schwester kennen, von der sie keine Ahnung hatte und verliert sich dabei selbst in einem Strudel aus geheimen Sehnsüchten, die bisher im Verborgenen geschlummert haben. In welche Gefahr sie dabei sich selbst und ihre Familie bringt, erkennt sie viel zu spät.

S.J. Watson nimmt sich Zeit, um seine Protagonistin, ihre Gedanken und ihr Handeln so authentisch wie möglich darzustellen. Der Leser soll verstehen, warum sie sich so verhält und warum sie sich schließlich in solche Gefahr begibt. Das hat mir unheimlich gut gefallen, auch wenn ich sagen muss, dass es mir nicht gelungen ist, Sympathien zu den Figuren aufzubauen. Doch man muss eine Protagonistin schließlich nicht sympathisch finden, um das Buch zu mögen, oder doch? Wichtig ist vor allem, dass die Figuren glaubhaft und nachvollziehbar handeln, und das haben sie hier, zumindest bis zu einem gewissen Punkt, getan. Julia ging mir leider immer mehr auf die Nerven und ich konnte ihr egoistisches Verhalten nur mit einem Kopfschütteln quittieren, insbesondere im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Mutter.

Mir war recht schnell klar, worauf diese Geschichte hinausläuft und so konnte ich mich bis zum Showdown relativ entspannt zurücklehnen. Der Showdown an sich wurde mir schließlich etwas zu dramatisch aufgebauscht, doch am Ende ist es dem Autor tatsächlich noch mal gelungen, mich mit seiner Auflösung zu überraschen. Insgesamt war es wirklich eine runde, gut durchdachte und ebenso gut aufgebaute Geschichte, deren schlussendliche Entwicklung mir im letzten Viertel aber nicht mehr ganz so gut gefallen hat, was wohl hauptsächlich an der Protagonistin lag. 

Dieser Thriller ist meiner Meinung nach kein Must-Read, dennoch habe ich ihn gern gelesen. Unterhaltungsliteratur, die eine stets aktuelle Gefahr thematisiert und aufgrund des mitreißenden Schreibstils auch ungeübte Leser schnell in den Bann ziehen kann. Leseempfehlung, ja oder nein? Entscheidet selbst. Lest ihn, oder lest ihn nicht. Tut es, oder tut es nicht. 

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

jugendbuch, dämmerhöhe, island, horror, lautlos

Dämmerhöhe - Lautlos

Birgitta Elin Hassell , Marta Hlin Magnadottir , Anika Wolff
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Arena, 20.01.2016
ISBN 9783401601441
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als ich erfuhr, dass eine neue Jugendbuchreihe aus dem Arena Verlag in Island spielt, war ich sofort Feuer und Flamme. Mit Island assoziere ich viel Natur, Geysire, die Hauptstadt Reykjavík, die Sängerin Björk, die Island-Krimis von Yrsa Sigurdardóttir, Islandpferde und natürlich die Sagenwelt rund um die verschiedensten Naturgeister. Eine Studie an der isländischen Universität hat ergeben, dass ca. 60% der Einwohner von Island an Elfen, Trolle und Gnome glauben. Es ist auch gar nicht ungewöhnlich, dass Bauvorhaben ab- bzw. unterbrochen werden, um den Lebensraum der mystischen Wesen zu schützen. Wusstet ihr, dass es sogar eine Elfenschule gibt? Ich bin mir sicher, dass das mir noch sehr unbekannte Island jede Menge Potenzial für spannende und mystisch angehauchte Geschichten bietet. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich "Lautlos", den ersten Band der "Dämmerhöhe"-Reihe, lesen würde. Ob ich es hier tatsächlich mit Elfen, Trollen oder Gnomen zu tun bekam, verrate ich euch im Folgenden.

Bevor wir in die Geschichte einsteigen, wird uns auf einer schwarz hinterlegten Seite das Setting vorgestellt. In den Ruinen von Rökkurhæðir, einem kleinen Vorort der Stadt Sunnuvík, soll sich Fürchterliches zugetragen haben. So fürchterlich, dass niemand davon spricht.

Anna lebt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder in Rökkurhæðir. Als wir sie kennenlernen, hat sie viel um die Ohren. Die Schule und die bevorstehenden Prüfungen verlangen ihr einiges ab, dann trainiert sie regelmäßig mit ihrer erfolgreichen Handballmannschaft, unternimmt viel mit ihren Freunden und liebt es snowboarden zu gehen. An manchen Tagen weiß sie vor lauter Schul- und Freizeitstress gar nicht mehr wo ihr der Kopf steht. Da kommt das merkwürdige Mädchen wie gerufen. Es sieht aus wie Anna selbst und bietet ihr einen Deal an. Das Mädchen würde die Hausaufgaben erledigen und all die Dinge tun, auf die Anna keine Lust hat, so lange bis sie seinen Namen errät. Anna weiß, dass es sich bei dem Mädchen um kein echtes Mädchen handeln kann. Ihr ist sein Auftreten unheimlich, doch die Verlockung ist größer. Da sie sich sicher ist, den Namen des Wesens zu kennen, geht sie den Deal ein. Es dauert nicht lang und sie bereut ihre Entscheidung, doch da ist es bereits viel zu spät...

Aufgrund seiner 136 Seiten lässt sich der Auftakt zur "Dämmerhöhe"-Reihe für geübte Leser in einem Rutsch durchlesen. Die düstere Atmosphäre hat mich gefangen genommen. Auch wenn mich der unausgeschmückte, fast schon sachliche Schreibstil der Autorinnen etwas ernüchtert hat, wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Anna und dem Mädchen weitergeht. Als Leser weiß man natürlich, dass Anna in eine Falle getappt ist und ahnt von Anfang an, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen kann. Dass sie sich schlussendlich aber so dramatisch entwickelt, damit hätte ich nicht gerechnet. Zwei Abschnitte empfand ich, in Anbetracht des empfohlenen Lesealters, doch etwas brutal geschildert. Am meisten mitgenommen hat mich der Gesundheitszustand von Annas Bruder und in diesem Zuge mit ansehen zu müssen, wie machtlos die Familie ist.

Trotz der wenigen Seiten ist es den Autorinnen gelungen, die düstere, unheimliche Atmosphäre von Rökkurhæðir einzufangen und darzustellen. Einen Bezug zu den Figuren konnte ich aber nicht aufbauen und ich hätte mir wirklich ein paar Seiten mehr gewünscht. Die Geschichte hat, meines Erachtens, so viel Potenzial. Man hätte definitiv mehr aus ihr herausholen können.

Was es nun mit den Ruinen von Rökkurhæðir auf sich hat und wer oder was hinter dem unheimlichen Mädchen steckt, das müsst ihr selbst herausfinden. Auch wenn ich mir mehr von diesem Buch erhofft hatte, werde ich bald nach Rökkurhæðir zurückkehren. Der zweite Band der "Dämmerhöhe"-Reihe heißt "Eiskalt" und ist bereits erschienen. Obwohl die Geschichte rund um Anna (mehr oder weniger) zu einem Ende geführt wurde, bleiben für mich viele Fragen offen, die wohl erst in den Folgebänden beantwortet werden.

Für mich war "Lautlos" aufgrund des an einen guten Schulaufsatz erinnernden Schreibstils und der fehlenden Tiefe kein Lesehighlight. Punkten wiederum konnte der Reihenauftakt mit seiner düsteren Atmosphäre und seinem mystischen Setting. Entscheidet also selbst, ob ihr ein Ticket ins mystische Island löst, oder ob ihr euch lieber auf ein anderes Abenteuer begebt. 

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Tags: horror, islan, ruinen   (3)
 

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rom, persephone, mythologie, götter, griechische mythologie

Jenseits des Schattentores

Beate Teresa Hanika , Susanne Hanika
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 24.09.2015
ISBN 9783737352468
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Heute möchte ich euch etwas über ein Buch erzählen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat.

Aurora lebt in Rom und hat sich, als wir in die Geschichte hineinstolpern, gerade mit ihrem Vater gestritten. Da sie ihre Mutter schon früh verloren hat, wuchs sie bei ihrem Vater auf und führt seitdem ein Leben, das auf uns Außenstehende ziemlich ungewöhnlich wirken mag. Von gleichaltrigen Freunden ist nie die Rede, lediglich von zwei Professoren, auf deren Anweisung sie durch ihre Heimatstadt jagt, um geheime Aufgaben zu erfüllen. Gleich zu Beginn durfte ich Aurora auf solch eine rätselhaften Mission begleiten und war sowohl total neugierig als auch ziemlich verwirrt, denn was es mit dem Rätsel auf sich hat, ist anfangs völlig unklar. Doch dieses Leben scheint Aurora nicht mehr zufriedenzustellen. Nach einem Streit mit ihrem Vater beschließt sie auszuziehen und, wie durch Zauberhand, fällt ihr, just in diesem Moment, ein Mitbewohner-Gesuch vor die Füße. Sie fackelt nicht lang und sucht die beschriebene Adresse auf. Dort öffnet ihr eine junge Frau namens Luna die Tür und es scheint, als hätte sie Aurora bereits erwartet. Kaum dass sie sich versieht, schlittert Aurora von einem Chaos ins nächste. Dass dann auch noch der unverschämt attraktive Leon auftaucht und ihr den Kopf verdreht, hat nicht nur mich als Leserin amüsiert, sondern auch die Griechische Göttin Persephone, die das Treiben von ihrem Turm aus beobachtet.

Genau diese zweite Perspektive ist es, die das Buch für mich so interessant und besonders macht. Persephone ist ein bisschen in die Jahre gekommen, hat Probleme mit sich und ihrem Leben und steckt offensichtlich in einer Midlife Crisis. Die junge Aurora kann sie jedoch ablenken. Gebannt sieht die Göttin dem Mädchen über die Schulter und kommentiert mit gespitzter Zunge das Geschehen. Es bleibt aber nicht beim bloßen Kommentieren, denn als sich die Ereignisse überschlagen, kann sie nicht anders als selbst einzugreifen.

Mit ihrem unnachahmlichen, intelligenten und bissigem Humor, haben sich die zwei Autorinnen direkt in mein Herz geschrieben. Ich genoss jede Seite, schmunzelte, schmachtete, kicherte, rätselte und fieberte mit. Selbst die fantastischen Elemente konnte ich akzeptieren und mich ganz der fesselnd-mitreißenden Schreibe hingeben.

Aber es war nicht nur der Schreibstil, der mich begeistert hat. Auch das Setting fand ich gelungen gewählt und äußerst atmosphärisch beschrieben. Ich konnte die Hitze Roms spüren und die Schauplätze direkt vor mir sehen. Die unterschiedlichen, teils skurrilen und außergewöhnlichen Charaktere haben die Geschichte ebenfalls bereichert, sodass der eigentliche Plot für mich in den Hintergrund gerückt ist. Mich störte es überhaupt nicht, dass man anfangs im Dunkeln gelassen wird und so gar nicht versteht, was sich dort gerade in Rom abspielt. Als die Geschichte schließlich an Fahrt aufnimmt, es rasant und richtiggehend actionlastig wird, wurde das Buch für mich zu einem rundum gelungenen Leseerlebnis.   

"Ihre Kindheit starb gerade. Genau in diesem Moment löste sich die schokoladensüße Sicherheit ihrer Jugend endgültig in Nichts auf, wurde mit Gewalt und Blut besudelt." (Zitat, Seite 201)

Meiner Meinung nach ist "Jenseits des Schattentores" viel mehr als bloß ein Romantasy Jugendroman. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser All Age Titel bei älteren Lesern sogar noch besser ankommt. Wer nicht nur Wert auf eine runde Geschichte legt, sondern sich zudem an einem tollen Schreibstil, gespickt mit einem spitzen und vielleicht etwas speziellerem Humor, erfreuen kann, der landet mit diesem Buch einen Glücktriff. Ich zumindest hatte eine unheimlich tolle und aufregende Zeit in Rom und möchte in Zukunft mehr Geschichten dieses großartigen Autorenduos lesen!

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

chaos, hoffnung, tod

Das verdammte Chaos im Mikrokosmos

Anke Weber
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 17.09.2015
ISBN 9783789151323
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem ich letztes Jahr mit "Regenbogenasche" mein erstes Buch der Autorin Anke Weber gelesen hatte, war mir klar, dass ich auch ihren nächsten Jugendroman verschlingen würde, der für September 2015 angekündigt war. Gesagt - getan.


Auch in ihrem neuen Jugendroman konfrontiert die Autorin ihre junge Heldin mit dem Thema Tod. Milla ist 16 Jahre alt und lebt seit dem frühen Unfalltod ihrer Eltern bei ihrem Großvater. Das Buch beginnt mit einer sehr berührenden Szene, in der Milla die Hand ihres verstorbenen Großvaters hält.

"Der Mond taucht die Welt in Silber. Meine Gedanken rasen durch die Atmosphäre. Ich sitze immer noch neben Opa. Seine Hand fühlt sich warm an. Aber das ist wahrscheinlich nur die Wärme meiner eigenen Hand, die sich überträgt. Bei Opa rast nichts mehr. Keine Gedanken und auch kein Herz. Alles still." (Seite 7)

Sie nimmt sich einen Moment für ihre Trauer, jedoch bleibt ihr dafür nicht viel Zeit. Wie geht es nun mit Milla weiter? Sie möchte weder in ein Heim noch zu einer Pflegefamilie. Während jeder andere an ihrer Stelle sicher sofort zum Telefon gegriffen hätte um die zuständigen Stellen zu informieren, trifft Milla eine andere Entscheidung. Kurzerhand begräbt sie ihren Großvater im Garten und verschweigt seinen Tod. Lediglich ihre beste Freundin informiert sie ein paar Tage später, als sie das Gefühl hat, der ganzen Situation nicht mehr standhalten zu können.

OK, ich kann euer Stirnrunzeln durchaus verstehen. Um dieses Buch lesen und lieben zu können, ist eine leichte Prise schwarzer Humor nötig. Die Vorstellung, dass ein junges Mädchen ihren toten Opa im Garten vergräbt, ist einfach zu absurd. Doch wer sich auf diese Idee einlässt, wird, wie bereits bei "Regenbogenasche", mit einer ganz besonderen Geschichte belohnt.

Diese besagte Geschichte nimmt ihren Lauf. Anfangs ist Millas neues Leben geprägt von Angst. Was ist, wenn ihre Lüge auffliegt? Doch mithilfe ihrer besten Freunde wächst sie in ihre neue Rolle hinein und baut sich ein buntes Lügengerüst zusammen. Mit viel Farbe verpasst sie ihrem Leben einen neuen Anstrich, ohne ihren Großvater dabei zu vergessen. Dass hier definitiv Ärger vorprogrammiert ist, das könnt ihr euch sicher denken. Wie Milla und ihre Freunde mit der skurrilen Situation umgehen und den kleinen & großen Problemen gegenübertreten, das ist nicht nur bemerkens- sondern auch sehr lesenswert.

Die Autorin erzählt eine sehr berührende aber auch hoffnungsvoll stimmende Geschichte, in der Freundschaft, Liebe, die Lust am Leben und natürlich der Tod sowie die mit ihm verbundene Trauer im Mittelpunkt stehen. Spätestens seit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" spielt der Tod, der bisher eher als Tabuthema gehandelt wurde, immer häufiger eine Rolle in aktuellen Jugendbüchern. Hierbei wird oftmals keine Hand vor den Mund genommen, nichts beschönigt sondern auch mal so richtig auf die Tränendrüse gedrückt. Anke Weber schreibt ebenso ehrlich, wählt in ihren Romanen jedoch einen anderen Weg, um ihren Leserinnen und Lesern die Themen Trauer, Verlust & Tod näherzubringen. Dabei erschafft sie unheimlich bewundernswerte Protagonisten, die man, ohne Umwege, direkt ins Herz schließen kann. Mit viel Farbe, Hoffnung und einer großen Portion Lebenslust staffiert sie ihre jungen Helden aus, die man als Leser staunend auf ihrem doch ziemlich steinigen Weg begleitet.

Anke Webers Humor muss man verstehen, das ist klar. So darf man sich auch nicht wundern, wenn in der zweiten Hälfte des Buches der krebskranke Tim auftaucht, den Milla in einem Bestattungsinstitut kennenlernt, wo dieser seine eigene Beerdigung plant. Morbide, skurril, absurd, schwarzhumorig - nennt es wie ihr wollt. Ich möchte euch die Autorin und ihre Bücher gern ans Herz legen. Mich konnte "Das verdammte Chaos im Mikrokosmos" ebenso begeistern wie "Regenbogenasche" zuvor, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass Millas Geschichte etwas schleppender in Gang kommt. Ich liebe die Message, die wir Leser mit auf den Weg bekommen und werde hoffentlich immer ausreichend Farbe auf der Seele habe. Falls nicht, dann weiß ich jetzt zumindest zu welchem Buch ich greifen muss, um die Buntstifte wieder anzuspitzen.

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387 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 84 Rezensionen

amrum, thriller, flut, insel, mord

Die Flut

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.01.2016
ISBN 9783596198351
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Endlich ist er da, der neue Psychothriller von Bestsellerautor Arno Strobel. Als großer Fan seiner Bücher habe ich diesem Tag natürlich ganz besonders entgegengefiebert. Ich war unheimlich gespannt, hatte aber auch ein kleines bisschen Angst. Aufgrund der vielen Buchprojekte, an denen der Autor momentan arbeitet, hatte ich die Befürchtung, dass die Qualität eventuell der Quantität zum Opfer fällt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, erfahrt ihr im Folgenden.

Die Geschichte von "Die Flut" wird aus 3 verschiedenen und unterschiedlich gewichteten Perspektiven erzählt. Am ausführlichsten lernen wir Julia & Michael kennen. Das Paar freut sich auf den gemeinsamen Kurzurlaub auf der Nordseeinsel Amrum, den es im Ferienhaus von und mit Michaels Kollegen Dr. Andreas Wagener und seiner Frau Martina verbringen wird. Gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes werden sie mit einem grausamen Mord konfrontiert, dessen Tatort sich in direkter Nähe zum Ferienhaus befindet. Nicht nur die zwei Paare, sondern auch die Einwohner der Insel, sind in heller Aufruhe. Die Sensationsgier wird durch Angst abgelöst, als ein weiterer Mord begangen wird, der dem ersten sehr ähnelt. Schnell ist klar, dass hier ein Psychopath am Werk ist, der es auf Paare abgesehen hat.

Hier kommt die zweite Perspektive ins Spiel, denn erst im späteren Verlauf tauchen zwei Kommissare auf, die die Ermittlungen aufnehmen. Der leitende Kommissar ist ein komischer Kauz und verleiht der Geschichte ein paar Ecken und Kanten. Nicht nur die Polizei, sondern auch der Leser, beginnt nun alles und jeden zu verdächtigen. Dem Autor gelingt es mithilfe geschickt eingestreuter Hinweise, den Kreis der Verdächtigen immer größer werden zu lassen, sogar der Kommissar selbst geriet für mich ins Visier. Da alle Figuren recht oberflächlich beleuchtet werden, baut man zu keiner von ihnen besondere Sympathien auf, so dass wirklich jeder der Täter sein könnte. Immer wieder habe ich die einzelnen Protagonisten hinterfragt und mich in die Irre führen lassen. Da ich jedoch von Strobels Psychothrillern nichts anderes gewohnt bin, hatte ich dabei und beim ständigen Beobachten der Figuren (ein bunter Mix aus sehr schräg, nervig, naiv, unheimlich und (zu) normal) eine große Freude. Dieses andauernde Grübeln und Verdächtigen macht das Buch übrigens unheimlich kurzweilig. Kaum hat man sich versehen, sind die nächsten 100 Seiten inhaliert.

Die dritte Perspektive, die uns bereits im Prolog vorgestellt wird und die auf keinen Fall fehlen darf, ist die des Täters. Was treibt diese Person zu den grausamen Morden an? Was geht in dem Kopf eines solchen Psychopathens vor? Die Ermittler sind sich sicher, der Täter ist unberechenbar und sehr intelligent, denn die Morde scheinen genau geplant und gut durchdacht zu sein. Für uns Leser ist von Anfang an etwas ganz anderes klar: auch unsere zwei Paare werden ins Visier geraten, nicht nur ins Visier der Polizei, sondern auch ins Visier des Mörders, der mit seiner perfekten Mordserie die Aufmerksamkeit der ganzen Welt gewinnen möchte.


Als ich in der Kurzbeschreibung gelesen habe, dass der Mörder sein weibliches Opfer bei Ebbe bis zum Kopf eingräbt und den Partner dabei zusehen lässt, wie die Flut kommt, wurde mir gleich ganz anders. Ich selbst kann es überhaupt nicht brauchen mit dem Kopf unter Wasser zu sein - so war ich mit meiner Panik ein gefundenes Fressen für den Autor und seinen Täter. Zum Glück verzichtet Arno Strobel auf Details bei der Beschreibung der Morde. Obwohl er die Taten weder ausschmückt noch verherrlicht, hatte ich dennoch beim Lesen den ständigen Drang nach Luft zu schnappen.

Spätestens beim Zuschlagen des Buches weiß man, warum auf dem Cover "Psychothriller" steht. Wer Action, wilde Schießereien, tiefgründige Charaktere oder eine anspruchsvolle Handlung erwartet, dem rate ich von diesem Titel ab. Wer jedoch nach einem Buch sucht, in das man beim Lesen regelrecht abtauchen kann, das einen alles um sich herum vergessen lässt, das einem eine kurzweilige, spannende und leicht amüsant-sarkastische Unterhaltung bietet und das mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten kann, der sollte zugreifen und den Kurzurlaub auf Amrum buchen. Das Setting war für mich als gebürtiges Nordlicht übrigens ein zusätzliches Bonbon und eine gelungene Abwechslung zu all den Krimis & Thrillern, die im Großstadtmilieu spielen.


Bleibt zum Schluss nur noch eine Antwort auf meine Frage vom Anfang. Hat dieser Thriller, im Vergleich zu den anderen Titeln des Autors, an Qualität eingebüßt? Nein, ganz im Gegenteil! Ich hatte sogar das Gefühl, dass sowohl dieser Plot als auch seine Auflösung noch raffinierter durchdacht wurden. Ein absolut gelungener Titel, der mich bestens unterhalten hat!

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

loch ness, action + fun, inverness, richard dübell, zeitreise

Last Secrets - Das Rätsel von Loch Ness

Richard Dübell
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 10.09.2015
ISBN 9783833939259
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Bevor wir uns näher mit dem Inhalt beschäftigen, möchte ich euch von der besonderen und sehr ansprechenden Aufmachung dieses Buches erzählen. Ich kann mich noch ganz genau an den Moment erinnern, in dem ich das Buch ausgepackt und staunend in den Händen gehalten habe. Das farblich großartig gestaltete Coverbild, welches sich einmal komplett ums ganze Buch zieht, weckte in mir direkt die Abenteuerlust, sodass ich gar nicht anders konnte, als sofort einen Blick ins Innere des Buches zu werfen. Das Vorsatzpapier ziert eine alte Karte von Schottland aus dem Jahre 1934. Auf dieser Karte liegen ein Schwarz/Weiß- Foto eines Ungeheuers, ein alter Fotoapparat, eine Zeitung sowie ein Schifffahrtsbillet. Blättert man weiter, befindet man sich direkt am Schottischen Loch Ness - zumindest suggeriert das die Zeichnung. Zudem bekommen wir ein paar kleine Erklärungen zu den schottischen Namen und ihrer Aussprache mit auf den Weg, was ich unheimlich gelungen finde. Das erste Kapitel trägt den Titel "Die Zeitmaschine" und wird durch eine schöne Illustration unterstützt. 

So viel zum ersten Blick ins Buch, wobei ich wirklich noch lange so weitermachen und über die tolle Aufmachung schwärmen könnte... na, vielleicht ganz sicher kommen wir später noch mal darauf zurück. Denn nicht nur die Optik hat etwas zu bieten, sondern auch der Inhalt.Die vier Freunde Franziska, Fynn, Lena und Cornelius ahnen noch nicht, dass ihnen ein großes Abenteuer bevorsteht, als die Zwillinge Franziska und Fynn eines Nachts von ihrem Ur-ur-ur-(...)-ur-Großvater träumen. Es ist kein Geringerer als Eugène Vidocq, der erste Detektiv der Welt, der seine Nachfahren um einen Gefallen bittet. Als ruheloser Geist muss er umherstreifen, da er die letzten großen Rätsel der Welt nicht lösen konnte. Hier kommen die vier Freunde ins Spiel, die natürlich ein aufregendes Abenteuer wittern und sich von ihrem Vorfahr mithilfe einer Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultieren lassen. Ihre erste Aufgabe führt sie nach Schottland an den berühmten Loch Ness, um dort das Rätsel um das Ungeheuer, welches im See leben soll, zu lösen.


Schon als Kind habe ich solche Abenteuergeschichten unheimlich gern gelesen und auch als Erwachsene greife ich noch gern zu diesen Büchern, wenn die Geschichten so spannend und interessant erzählt werden, wie diese. Beim Lesen habe ich mich den jungen Nachwuchsdetektiven angeschlossen, dabei merkwürdige Gestalten kennengelernt und viel über den sagenumwobenen See erfahren. Immer wieder habe ich mir selbst die Frage gestellt, was es wohl mit Nessie auf sich hat. Was lauert da in den Tiefen des Sees? Gibt es das Ungeheuer etwa wirklich und was macht der Autor aus diesem Rätsel? Welche Erklärungen wird er finden? Doch bis all diese Fragen beantwortet wurden, war es noch ein langer Weg. Auf diesem Weg lernte ich die vier Freunde ein bisschen besser kennen. Alle vier haben unterschiedliche Eigenschaften, die sie auszeichnen. Der Autor zeigt hier klare Unterschiede auf, im selben Atemzug beweist er aber auch sehr schön, dass genau diese Unterschiede die Gruppe so stark machen.

Ob die vier Freunde auf des Rätsels Lösung kommen und ob sie dem alten Eugène Vidocq helfen können, das verrate ich natürlich nicht. Findet es selbst heraus, es lohnt sich.

Richard Dübell ist mit "Last Secrets - Das Rätsel von Loch Ness" ein spannender, abenteuerlicher und unheimlich interessanter Reihenauftakt gelungen. Ich bin mir sicher, dass er nicht nur viele junge Leser, sondern auch ältere Büchereulen begeistern kann. Da die Truppe aus Mädchen und Jungs besteht, werden sich sowohl junge Leserinnen als auch junge Leser mit den mutigen Nachwuchsdetektiven identifizieren können.

Mich hat fasziniert, dass der Autor viele wahre Begebenheiten, Fakten und Personen in seine fiktive Geschichte eingebaut hat. So habe ich hin und wieder das Buch zur Seite gelegt und mich an den Laptop gesetzt, um den ein oder anderen Namen zu googeln. Am Ende erklärt Richard Dübell in einer Nachbemerkung noch einmal, was genau erfunden ist und was den Tatsachen entspricht. Außerdem finden wir im Anschluss an die Nachbemerkung weiterführende Infos zu Eugène Vidocq (den es tatsächlich gab) sowie "Vidocqs Trainingscamp für Nachwuchsdetektive", einen Rätsel- und Quiz-Fragebogen für die jungen Leserinnen und Leser. Auf den letzten Seiten wartet auf sie noch ein ganz besonderes Highlight. Mit den beiliegenden Salzkrebschen-Eiern und dem Salzkrebschen-Futter können sie sich ihre echten, eigenen Urzeitkrebschen züchten. Wie genau das funktioniert wird ebenfalls ausführlich beschrieben. Ich bin wirklich angetan von dieser originellen Idee, die ganz bestimmt für viel Freude und Spannung in manchem Kinderzimmer sorgen wird.

Das Einzige, das mir nicht ganz so gut gefallen hat, ist die Sprache. Hier konnte ich eindeutig die literarische Herkunft des Autors herauslesen, denn Richard Dübell wurde durch seine historischen Romane bekannt. Dass er hauptsächlich für erwachsene Leserinnen und Leser schreibt, ist mir in diesem Kinderbuch sofort aufgefallen. Meines Empfindens fehlen der Sprache und Erzählweise ein Spritzer Leichtigkeit und Frische. Damit meine ich nicht solche Ausdrücke wie "ritz" und "cool", die durchaus im Lauf der Geschichte mehrfach fallen, sondern vielmehr eine gewisse Leichtigkeit, ein bisschen mehr Elan und Pepp. Für Kinder, die gern und viel lesen, wird das kein Problem sein, ich könnte mir jedoch vorstellen, dass lesefaulere Kids mit diesem Buch (trotz der genialen Beigabe und der tollen Aufmachung) nicht ganz so viel Freude haben. Dies ist aber bloß eine Vermutung, die ich aus eigenen Erfahrungen aufstelle.

Trotzdem hatte ich eine spannende Lesezeit! "Last Secrets - Das Rätsel von Loch Ness" ist nicht nur ein Abenteuerbuch, sondern vielmehr ein aufregendes Gesamterlebnis für Jung und Alt. Aufgrund der vielen wahren Fakten bietet das Buch, neben einer fesselnden Geschichte, auch ein bisschen Hintergrundwissen im Bereich Geschichte und Erdkunde, welches den Kindern beim Lesen leicht vermittelt wird. Die schönen Illustrationen und Fotos unterstützen die Geschichte und bieten immer wieder die Möglichkeit, eine Lesepause einzulegen und auf Entdeckungsreise zu gehen.Schon jetzt freue ich mich sehr auf den zweiten Band dieser Reihe und bin gespannt, welches Rätsel unsere 4 Nachwuchsdetektive dann lösen müssen.

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