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Magisterium - Der Weg ins Labyrinth

Cassandra Clare , Holly Black , Anne Brauner , Oliver Rohrbeck
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Lübbe Audio , 19.11.2015
ISBN 9783838774954
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Viel wurde über den ersten Band dieser magischen Reihe der Bestsellerautorinnen Cassandra Clare und Holly Black diskutiert. Teils wurde sie als „Möchtegern - Abklatsch“ beschimpft, teils als „Harry Potter in düster“ bejubelt. Ich war von Anfang an neugierig, jedoch noch nicht zu sehr angefixt, als dass ich sofort herausfinden hätte müssen, wie mein Urteil ausfällt.

Deshalb habe ich erst jetzt, über drei Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes, zur Hörbuchfassung gegriffen, um mich, ganz ohne Vorbehalte, in die magische Welt von Callum Hunt hineinziehen zu lassen. Gelesen wird das Hörbuch von Oliver Rohrbeck, dessen Stimme mir sowohl aus diversen Hörspielen/Hörbüchern (z.B. Stimme des Justus Jonas in „Die drei ???“) als auch aus synchronisierten Filmen (z. B. Schauspieler Ben Stiller) wohlbekannt ist. 

Von Anfang an konnte ich es nicht vermeiden, über eindeutige Parallelen zu Harry Potter zu stolpern, doch trotzdem kam es schlussendlich ganz anders als erwartet.

Callum Hunt ist 12 Jahre alt, als er als neuer Schüler ins Magisterium aufgenommen wird. Bisher waren ihm seine magischen Fähigkeiten nicht großartig aufgefallen, was sicher auch zu einem Großteil daran liegt, dass sein Vater versucht hat, ihn von allem Magischen abzuschirmen – aus gutem Grund, denn Callums Mutter wurde durch Magie getötet. Dass Callum im Magisterium aufgenommen wird, kann sein Vater ebenso wenig verhindern wie die vielen neuen Erkenntnisse, zu denen Callum gelangt, nachdem er die ersten Wochen im Magisterium hinter sich gebracht hat.

Callum, der bisher immer ein Außenseiter war, findet zum ersten Mal in seinem Leben echte Freude und beginnt sich an der außergewöhnlichen Schule unter der Erde wohlzufühlen. Doch irgendetwas verheimlicht ihm sein Vater. Was hat es mit dem merkwürdigen Armband und dem heimlichen Brief an Master Rufus auf sich? Warum drängt Callums Vater ihn dazu, die Schule so bald wie möglich wieder zu verlassen und absichtlich durch die Prüfungen zu fallen? Immer mehr Ungereimtheiten bereiten Callum Bauchschmerzen und zusammen mit seinen neuen Freunden versucht er, die Wahrheit herauszufinden. Dass er dabei auf ein unglaubliches Geheimnis stößt, das die komplette magische Welt verändern wird, ahnt niemand.

Mir hat dieser kurzweilige Abstecher in die düsteren Höhlen des Magisteriums überraschend gut gefallen. Auch wenn der typische Hogwarts-Zauber ausblieb, konnte „Magisterium“ in anderer Hinsicht bei mir punkten. Von Anfang an gefiel mir die Dunkelheit, die Callum und das Magisterium umgibt. Der 12-jährige Junge ist eben nicht der typische Held, dem alle sofort verfallen – egal ob Leser oder Romanfiguren. Ich nahm ihm seine Unsicherheit, seine Angst aber auch seinen Wunsch endlich akzeptiert und gemocht zu werden, zu jeder Zeit ab. Dank der packenden Lesung von Oliver Rohrbeck hatte ich das Gefühl, direkt in Callums Kopf hineingucken zu können und seinen Gedanken zu lauschen. 

Verblüffen konnten mich die überraschenden Wendungen und Ereignisse, die mich an zwei Stellen eiskalt erwischt haben. Zu sehr schwirrten meine Gedanken noch in Hogwarts herum, als dass ich DAMIT gerechnet hätte. Ein bisschen enttäuscht wiederum war ich von den fehlenden Beschreibungen der Magierschule. Mir gefiel die Vorstellung, dass sich die Schule unter der Erde in einem riesigen Höhlensystem befindet. Doch leider konnte ich mir keinen der Handlungsorte genau vorstellen, sodass sich immer wieder die bekannten Bilder aus der „Harry Potter – Welt“ vor mein inneres Auge schoben. Außerdem fehlten mir erklärende Hintergrundinformationen, auf die ich nun in den Folgebänden hoffe. Wie gestaltet sich das Verhältnis zu Nicht-Magiern? Wissen einige „nicht-magische“ Menschen von der Existenz der Magier? Wie ist die Welt aufgebaut? Gibt es weitere Magierschulen in anderen Ländern? Um diese (für mich) wichtigen Punkte zu klären und das Magisterium genauer zu beleuchten, hätte die Geschichte meiner Meinung nach noch 100 Seiten mehr vertragen können.

Aufgrund der überraschenden Ereignisse im letzten Drittel des Buches, sehe ich jedoch ganz großes Potenzial für den weiteren Verlauf der Geschichte. Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band und werde, trotz der wunderschönen Aufmachung der gedruckten Bücher, erneut zum Hörbuch greifen. Oliver Rohrbeck macht seine Sache sehr sehr gut und ich freue mich darauf, seiner fesselnden Erzählstimme ein zweites Mal in das düstere Höhlensystem zu folgen.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Postkarten an Dora

Clara Gabriel
Flexibler Einband
Erschienen bei Griebel, Cornelia, 28.07.2017
ISBN 9783000572722
Genre: Historische Romane

Rezension:

Meistens lohnt es sich, ein Buch nicht nur als ein Buch zu betrachten, sondern sich auch über die Lesezeit hinaus näher mit der Thematik oder der Entstehungsgeschichte zu beschäftigen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Roman „Postkarten an Dora“, den die Autorin Clara Gabriel im Jahr 2017 veröffentlicht hat. 

Normalerweise mache ich einen großen Bogen um Bücher, deren Kurbeschreibungen mit einer Ortangabe verbunden mit einer Jahreszahl beginnen. Historische Romane standen bisher selten bis gar nicht auf meiner „Want to read“- Liste, was sich aber mit dem Griff zu „Postkarten an Dora“ ändern sollte. In Vorbereitung auf ein Interview auf der letztjährigen Frankfurter Buchmesse habe ich mich näher mit der Debütautorin und ihrem ersten Roman auseinandergesetzt.

Clara Gabriel hat Weihnachten 2013 eine alte Postkartensammlung gefunden. Die 192 Ansichtskarten stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert und sind fast alle an Dora Neumann adressiert. Schnell war der Autorin klar, dass sie hier einen kleinen Schatz in Händen hielt, denn Dora Neumann scheint ein außergewöhnlich aufregendes Leben gelebt zu haben. Je mehr sich Clara Gabriel mit der jungen Frau beschäftigte, desto deutlicher wurde das Bild, dass sich ihr vor ihrem inneren Auge offenbarte. Doch viele ihrer Fragen blieben unbeantwortet und so begann sie, sich eine Geschichte für die außergewöhnliche Frau auszudenken.

Dora ist 17 Jahre jung, als sie 1905 von zu Hause ausreißt, um das Leben einer umjubelten Schauspielerin im fernen Amerika zu leben, von dem sie träumt, seit sie ein kleines Mädchen war. Mit Mut, List und Tücke befreit sie sich aus den strengen Fängen ihres Elternhauses und bricht in ein großes Abenteuer auf. Auf ihrer langen Reise zu ihren Träumen und sich selbst, lernt sie viele Menschen kennen, wird mit der ein oder anderen ziemlich gefährlichen Situation konfrontiert und muss sich Problemen stellen, die sie sowohl verzweifeln als auch weiter wachsen lassen.

Dora ist eine Romanheldin, die mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Sie strotzt vor Lebenshunger, wirkt und handelt zwar oftmals naiv, bezaubert aber auch mit ihrer jugendlichen Neugier, Unbekümmertheit und Unerschrockenheit. Für damalige Verhältnisse ist sie außergewöhnlich keck, frech, aufmüpfig und nicht auf den Mund gefallen. Sie lernt schnell, wie man sein Publikum bezirzen und für sich einnehmen kann, egal ob auf der Bühne oder im stillen Kämmerlein. Dabei hält sie an ihrem Traum fest, kämpft für die Momente, in denen sie als junge Frau im Rampenlicht steht und alle Aufmerksamkeit und Bewunderung ihr gilt. 

„Postkarten an Dora“ ist kein Roman, den man an drei Tagen ausgelesen hat und dann zur Seite legt. Ich hatte das Gefühl, dass Dora Teil meines Alltags wurde und ich freute mich jeden Abend darauf nachzulesen, wie es ihr zwischenzeitlich ergangen ist. Aufgrund der kleinen Schrift und der eng bedruckten Seiten durfte ich tatsächlich viel Lesezeit mit Dora auf ihrer aufregenden Reise verbringen. Mir gefiel es sehr, dass Clara Gabriel wohl ebenso wenig wie ich ein Fan von ausschweifenden Beschreibungen und unnötigen Hintergrundinformationen ist. Obwohl hier auf viele ausschmückende Beschreibungen verzichtet wird, hatte ich die Szenerie genau vor Augen, egal ob ich mich gerade mit Dora in London, auf hoher See oder im falschen Amerika befand.

Wie bei historischen Romanen so üblich, bekam ich beim Lesen viele Einblicke in das Leben der damaligen Zeit, jedoch stand die junge Protagonistin mit ihren Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen ganz klar im Mittelpunkt. Wie haben Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt? Welche Stellung hatten sie in der Gesellschaft inne? Welchen Schwierigkeiten waren sie ausgesetzt, wenn sie, so wie Dora, ohne Begleitung reisten? Natürlich ist mir bewusst, dass die Stellung der Frau damals im Vergleich zur heutigen Zeit einen wahnsinnigen Wandel durchlaufen hat, doch dass das Thema Prostitution so präsent und so unausweichlich war, hat mich massivst erschreckt. Menschenhandel, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch und Erpressung werden in "Postkarten an Dora" ebenso thematisiert wie die starren Gesellschaftsstrukturen, verbotene Liebe und Korruption.

Auf den über 500 Seiten ist es der Autorin immer wieder gelungen mich zu überraschen, stellenweise gar zu überrumpeln. Vereinzelte Perspektivwechsel ermöglichten mir überraschende Einblicke in das Denken & Handeln anderer Figuren und verliehen der Geschichte zusätzliche Spannung. Die einzigen Stolpersteine, die meinen Lesefluss ab und an etwas ausgebremst haben, waren die schwachen Dialoge, denen meist die Lebendigkeit und Authentizität fehlten. Sie wirkten häufig wie den Figuren in den Mund gelegt, sodass sie wie auswendig gelernter Text eines schlechten Laientheaterstücks bei mir ankamen. Da aber die Handlung im Fokus steht und die Dialoge keinen immens großen Raum bekommen, konnte ich nach kurzem Stolpern recht fix wieder in die Geschichte eintauchen.

Clara Gabriel schreibt auf ihrer Homepage zum Buch, dass die echte Dora Neumann "ein richtiger Feger" gewesen sein muss. Meiner Meinung nach kann man auch der Romanheldin diesen Stempel aufdrücken. Auch wenn ich manchmal ziemlich genervt von Doras teils arroganter, hochnäsiger Art war, so habe ich sie auf der nächsten Seite aufgrund ihres Mutes und Lebenshungers wieder geliebt. Die junge Frau hat es faustdick hinter den Ohren und es war mir eine große Freude, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Die letzten Seiten konnten mich nach all der Aufregung, die im letzten Fünftel passiert, beruhigen und richtig berühren. Ein schöner Abschluss, dem die Autorin mit ihrem spannenden Nachwort noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt hat.

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646 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 115 Rezensionen

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Aquila

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Loewe, 14.08.2017
ISBN 9783785586136
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Stellt euch vor, ihr wacht eines Vormittags verkatert in eurem Bett auf. Im ersten Moment wisst ihr nicht wo ihr seid. Doch dann erinnert ihr euch, dass ihr vor einigen Wochen nach Siena gezogen seid, um in der italienischen Stadt Kunst zu studieren. Die Party gestern Abend muss ganz schön heftig gewesen sein, vermutet ihr, denn nicht nur euer Kopf pocht wie wild, auch der Rest eures Körpers fühlt sich so an, als wäre er einmal durch den Fleischwolf gedreht worden. Ihr versucht euch an den gestrigen Abend zu erinnern, wisst, dass ihr mit eurer Mitbewohnerin zusammen die Wohnung verlassen habt, doch dann? Was ist danach passiert? 

Ihr rappelt euch auf, schlurft ins Bad und haltet vor dem Badezimmerspiegel inne. Irgendjemand hat eine merkwürdige Botschaft auf die Scheibe geschrieben. Vielleicht eure Mitbewohnerin Jenny? Ob sie auch so verkatert aufgewacht ist wie ihr? Ihr schaut nach, doch Jenny ist nicht da, ihr Bett ist unberührt. Ihr trottet zurück in euer Zimmer, wollt Jenny eine Nachricht schicken, aber wo ist euer Handy? Nicht nur das scheint verschwunden, auch euer Schlüssel und – noch schlimmer – euer Pass sind nicht auffindbar. Wenn ihr dann zur Wohnungstür eilt, feststellt, dass diese abgeschlossen ist und ihr schließlich in Panik ausbrecht, dann seid ihr genau in der Situation angekommen, in der sich die Protagonistin Nika zu Beginn des Thrillers AQUILA befindet.

Ich bin begeistert von dieser Idee und diesem gruseligen Szenario, mit dem mich die Autorin Ursula Poznanski direkt auf der ersten Seite abgeholt hat. Was soll Nika tun? Die Lage spitzt sich zu, als die junge Frau feststellt, dass bereits Dienstag und nicht, wie vermutet, Sonntag ist. Ihr fehlen die Erinnerungen an 2 volle Tage und 3 Nächte. Was ist bloß passiert? Und was haben die merkwürdigen Kritzeleien auf dem Flyer zu bedeuten, den Nika in ihrer Hosentasche findet? Sie selbst scheint die Notizen gemacht zu haben, doch erinnern kann sie sich daran nicht.

Es beginnt eine spannende Suche nach Antworten, die nicht nur Nika, sondern auch mich als Leserin, immer näher an eine Wahrheit heranführt, die nicht nur absolut unglaublich sondern auch unheimlich angsteinflößend ist. Nika gerät in einen sich unaufhaltsam weiterdrehenden Strudel aus Ereignissen, der sie immer tiefer in die grausamen Abgründe ihrer Erinnerungen hinabzieht und dabei an die dunkelsten Orte Sienas führt. Allein in der fremden Stadt braucht Nika bald Hilfe, doch wem soll sie sich anvertrauen? Wer nimmt sie und ihre Ängste ernst? Schnell wird klar, dass sie sich in der Zeit ihres Blackouts sehr merkwürdig und ungewöhnlich aggressiv verhalten hat. Ihre Kommilitonen gehen deshalb lieber auf Abstand. Ist Nika vielleicht gar nicht Opfer, sondern Täter? 

Ich bin ein großer Fan solcher Psychospielchen und liebe es, als Leserin genauso im Dunkeln zu tappen wie die Protagonistin selbst. So konnte ich im Laufe der Geschichte meine ganz eigenen Theorien aufstellen, habe mitgerätselt und mir die unmöglichsten Szenarien ausgemalt. Mir blieb auch gar nichts anderes übrig, denn Ursula Poznanski versteht es unwahrscheinlich gut, ihre Leser in ihre Bücher hineinzuziehen und sie erst wieder freizugeben, wenn sie die letzte Seite gelesen haben.

Auch, wenn ich mit Nika nicht zu 100% warm wurde und für manch einen Alleingang absolut kein Verständnis aufbringen konnte, hing ich gebannt an ihren Fersen. Früher als erwartet begann ein rasanter Showdown, der mich mit einer Auflösung konfrontierte, über die sich streiten lässt. Für mich gilt häufig das Motto „Weniger ist Mehr“, weshalb mich das sehr aufgeblasene Ende nicht ganz überzeugen konnte. Es ist natürlich nicht komplett an den Haaren herbeigezogen, doch mir wären sowohl eine weniger dramatische Erklärung als auch etwas reduziertere Ereignisse lieber gewesen.

Trotzdem hat mich AQUILA sehr gut unterhalten und mir aufregende Lesestunden beschert. Für mich war der Griff zu AQUILA somit ein gelungener Start ins Lesejahr 2018 und ich bin gespannt, welche Leseschätze ich in den kommenden Wochen und Monaten noch entdecken werde. 

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190 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

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Im Kopf des Mörders - Kalte Angst

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 11.01.2018
ISBN 9783596296170
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach den Ereignissen aus Band 1 ist der bisher eher aalglatte Max schwer gezeichnet. Es fällt ihm ganz und gar nicht leicht, die Geschehnisse zu verarbeiten. Immer wieder spielen sich die grausamen Bilder seines letzten und gleichzeitig ersten Falls als Oberkommissar in Düsseldorf vor seinem inneren Auge ab, Albträume quälen ihn und rauben ihm den Schlaf. Der Griff zu Medikamenten in Kombination mit dem einen oder anderen Glas Gin Tonic ist längst zur notwendigen Gewohnheit geworden. 

Schnell reizbar und ziemlich unkonzentriert kehrt er in seinen Arbeitsalltag zurück und wird direkt mit einem neuen Fall konfrontiert. Ein Unbekannter dringt nachts in Häuser ein, überwältigt seine Opfer und tötet sie bestialisch – bis auf eines. Jeweils ein Opfer wird verschont, muss die grausame Tat mitansehen und soll „den Anderen“ davon erzählen. Wer sind „die Anderen“? Welche Beweggründe hat der Mörder? Und was hat es mit dem bizarren Fliegenmann zu tun?

Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sind ratlos. Als sich der Leiter der Klinik für Forensische Psychatrie bei ihnen meldet und angibt, brisante Informationen zum aktuellen Fall zu haben, wittern sie eine erste richtige Spur. In der Klinik angekommen, treffen sie auf einen Patienten, der die Taten des Fliegenmanns anscheinend genau voraussagt. Haben es die Kommissare hier mit einer Finte zu tun oder ist der verurteilte Mörder tatsächlich Teil der aktuellen Mordserie? Damit er weitere Informationen über das nächste potenzielle Opfer preisgibt, stellt der Patient Forderungen, die Max und seinen Partner an ihre Grenzen bringen.

Ich war unheimlich gespannt auf Strobels neuesten Thriller, zumal mich der erste Band dieser Thriller-Reihe nicht gänzlich überzeugen konnte. Während in einem Krimi für mich die Ermittlungsarbeit im Fokus steht, erwarte ich von einem Thriller, dass die Charaktere näher beleuchtet werden, insbesondere in den Psychothrillern von Arno Strobel. Ich wünsche mir psychologische Hochspannung, die durch Mark und Bein geht, fiese Psychospielchen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen und authentische, glaubhafte Charaktere, in deren Gefühle und Gedanken ich eintauchen kann. Im ersten Band „Tiefe Narbe“ war mir Oberkommissar Max Bischoff viel zu weich, zu aalglatt und zu perfekt. Zwar gefiel mir die Konstellation Horst Böhmer & Max Bischoff, doch auch die anfänglichen kleinen Reibereien zwischen dem erfahrenen Ermittler und dem neuen, studierten Oberkommissar lieferten nicht genügend Zündstoff. Nach den Ereignissen aus Band 1 hoffte ich nun also, dass sich Max ein paar Ecken und Kanten zugezogen hat. Tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht.

Der Autor gab mir ausreichend Zeit und Möglichkeiten, den „neuen“ Max zu beobachten. Ich freute mich ungemein, dass er an der Situation zu knabbern hatte und für mich nun endlich interessant wurde. Die äußere Schale, die bisher durch seine Perfektion geschützt wurde, bekam deutliche Risse und ermöglichte mir tiefere Einblicke. Weitere Sympathiepunkte konnte er aufgrund des schönen Verhältnisses zu seiner Schwester sammeln. Ich mag es, wenn Geschwister sich so nahe stehen und finde es immer toll, wenn die Verbindung zwischen Geschwistern in Geschichten thematisiert wird.

Von Horst Böhmer war ich bereits seit dem ersten Band ein kleiner Fan. Nicht, weil er unbedingt ein Sympathieträger ist, sondern weil seine grummelige Art glaubhaft rüberkam. Ich sah ihn direkt vor mir und konnte mir sehr gut vorstellen, wie genervt er von dem Neuen und dessen Profiler-Klugscheißerei war. Auch in KALTE ANGST gibt es ein Wiedersehen mit Böhmer. Er hat es überhaupt nicht leicht. Zum Einen tritt er im neuen Fall auf der Stelle und muss hilflos mitansehen, wie der Täter neue Opfer findet und zum Anderen bereitet ihm sein Kollege Kopfschmerzen. Kann er sich noch auf Max verlassen oder scheint er an den vorhergegangenen Ereignissen zu zerbrechen? Sowohl die Annäherung der beiden, als auch ein angedeutetes süßes Geheimnis machten Böhmer für mich sehr menschlich. Ich freue mich darauf, im dritten Band mehr von ihm zu lesen, auch wenn er lediglich eine wichtige Nebenrolle spielt.

Die Trilogie „Im Kopf des Mörders“ trägt natürlich nicht umsonst diesen Namen. Wie bereits im ersten Band erhielt ich Einblicke in die Taten des Mörders, wobei – anders als im ersten Teil – nicht aus der Perspektive des Täters, sondern diesmal aus der der Opfer. Ohne mir eine Hand vor die Augen halten zu können, sah ich zu, wie der Täter bestialische Morde beging – Achtung! Einige Szenen sind nichts für schwache Nerven! Ich persönlich mag es lieber weniger brutal und blutig. Zum Schluss hin lernte ich den Mörder mit der bizarren Verkleidung schließlich doch etwas näher kennen und erfuhr etwas über seine Beweggründe. Obwohl der Showdown samt Auflösung recht unspektakulär, jedoch mit ziemlich erschreckenden Einblicken in die menschliche Psyche, daherkommt, ließen mich die letzten Worte doch mit einer Gänsehaut zurück. Eine wunderbare Überleitung zum dritten und letzten Band der „Im Kopf des Mörders“-Trilogie.

Also, nach wie vor bin ich kein riesiger Fan dieser Ermittlerreihe (ich bevorzuge die vorherigen Psychothriller des Autors), trotzdem konnte mir KALTE ANGST einige spannende und teils unheimliche Lesestunden bescheren. Meines Erachtens ist der zweite Band eine deutliche Steigerung zum ersten, was mich auf ein großes Trilogie-Finale hoffen lässt.

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418 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 78 Rezensionen

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Für dich soll's tausend Tode regnen

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 12.09.2016
ISBN 9783570171554
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Bereits das Cover gibt einen Hinweis auf die doch recht außergewöhnliche Geschichte, die mit so viel Witz, Charme und schwarzen Humor erzählt wird, dass die Lesezeit mit "Für dich soll's tausend Tode regnen" ein echter Genuss ist.

Emi ist ein Teenager-Mädchen, das sich aufgrund ihrer trotzig-motzigen und doch ungewollt witzigen und unheimlich schlagfertigen Art von anderen Jugendbuch-Protagonistinnen abhebt. Ihre miese Stimmung ihren Mitschülern und ihrer Familie gegenüber ist jedoch durchaus nachvollziehbar, schließlich muss sie sich nicht nur mit den normalen Problemen eines Teenagers herumschlagen, sondern auch gleichzeitig mit einer neuen Umgebung und neuen Leuten. Zusammen mit ihrem Vater und ihrem Bruder ist sie kürzlich vom sonnigen Heidelberg ins nass-graue Hamburg gezogen. Ihre beste Freundin ist hunderte Kilometer entfernt und scheint zudem aktuell eh mehr Interesse an ihrem neuen Freund als an ihrer ins Exil gezogenen Freundin zu haben. Für Emi ist es nicht leicht, in der neuen Stadt Anschluss zu finden, sie sperrt sich gegen alles und jeden und geht lieber ihrem Hobby nach. Tagein tagaus beschäftigt sie sich mit dem Tod – was im ersten Moment ziemlich morbide klingt. So sammelt sie in ihrem Notizbuch nicht nur Berichte über außergewöhnliche und besonders skurrile Todesfälle, sondern lässt auch alle Menschen, die ihr auf die Nerven gehen (und das sind aktuell eigentlich alle) in ihren Gedanken sterben. Jeder Person ordnet sie eine passende Art zu sterben zu und lässt ihrer Kreativität dabei freien Lauf. 

Anfangs musste ich bedingt der vielen Todeswünsche für ihre Mitmenschen, bei denen sie auch ihre Familie nicht außen vor lässt, etwas schlucken. Dieses Buch kann man definitiv nur dann mit großem Genuss lesen, wenn einem schwarzer Humor liegt und man seine moralischen Vorstellungen ausklammert. So brauchte ich tatsächlich einige Seiten, um mich voll und ganz auf diese Geschichte einzulassen, doch schlussendlich hat sich mein „Fallenlassen“ gelohnt.

In der Schule macht Emi schließlich Bekanntschaft mit ihrem ebenso schwarz gekleideten männlichen Pendant. Erik, ein gut aussehender und verschlossener Junge, dem viel nachgesagt wird und der doch eine besondere Stellung in der Klasse innehat. Niemand traut sich so recht an ihn heran und schon gar nicht traut sich jemand, ihm seinen Stammplatz in der letzten Reihe am Fenster streitig zu machen. Niemand? OK, niemand außer Emi. Der Schlagabtausch der beiden Jugendlichen, der sich durch die komplette Geschichte zieht, ist ein wahres Feuerwerk. Eine gepfefferte Challenge, deren fiese Aufgaben es ganz schön in sich haben, trägt ebenfalls einen Großteil dazu bei, dass ich beim Lesen regelrecht durch die Seiten geflogen bin. 

Natürlich ist der Verlauf der Geschichte zu erahnen und doch hat das ganze Drumherum dafür gesorgt, dass die Vorhersehbarkeit nebensächlich wurde. Viel zu sehr habe ich mich auf die immer neuen Challenge-Aufgaben gefreut und jedem explosiven Aufeinandertreffen von Emi und Erik entgegengefiebert. 

Kurzweilig, schwarz-humorig und gleichzeitig unheimlich liebenswert! Ich hatte sehr viel Spaß mit "Für dich soll's tausend Tode regnen" und werde die Geschichte mit ihrer besonderen Heldin so schnell nicht mehr vergessen.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Ich bin für dich da!

Zapf , Jochen Till
Fester Einband: 44 Seiten
Erschienen bei TULIPAN VERLAG , 24.07.2017
ISBN 9783864293719
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Als ich dieses Bilderbuch das erste Mal gesehen habe, war es sofort um mich geschehen. Das putzige Stachelschwein und daneben der große Huf einer Giraffe - für mich als Afrika-Fan stand somit bereits beim ersten Blickkontakt fest, dass ich mir dieses Buch näher anschauen muss. Da sich meine Begeisterung auch nach näherem Betrachten nicht gelegt, sondern ganz im Gegenteil, weiter gesteigert hat, möchte ich euch dieses Büchlein heute vorstellen.


In der Geschichte, die von Jochen Till erzählt und von Zapf zuckersüß illustriert wird, geht es um ein vergnügliches kleines Stachelschwein, das feststellt, wie schön es ist glücklich zu sein. Doch noch schöner ist es, wenn alle glücklich sind. Als das Stachelschwein auf eine weinende Giraffe trifft, versucht es deshalb alles, um den traurigen Langhals zu trösten. Dabei unternimmt es viele verschiedene, abenteuerliche und kreative Versuche.


Die Botschaft, die hier in diesem Bilderbuch steckt, hat mein Herz erwärmt. Gerührt habe ich das kleine unermüdliche Stachelschwein dabei beobachtet, wie es versucht, die große Giraffe zu trösten, auch wenn er den Grund, warum die Giraffe unglücklich ist, gar nicht kennt. Gründe, warum man traurig sein kann, gibt es viele, weiß das Stachelschwein und lässt sich, trotz unzähliger gescheiterter Versuche, nicht von seinem Ziel abbringen.


Die Illustrationen von Zapf sind herrlich süß und lassen mich auch jetzt noch schmunzeln, obwohl ich das Buch schon mehrmals durchgeblättert habe. Ich liebe das strubbelige Stachelschwein mit seinen großen Kulleraugen, der grünen Hose und den süßen Zähnchen. Dem Schweinchen sind alle Gefühlsregungen am Gesicht abzulesen, egal ob es glücklich, angestrengt, ratlos, motiviert oder erschrocken ist. Auch die Giraffe ist kindgerecht und gleichzeitig wunderschön illustriert.


Ich bin der Meinung, dass dieses Bilderbuch nicht nur für Kinder absolut lesenswert ist, sondern auch den Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Die Illustrationen sind recht schlicht gehalten, sodass die Seiten nicht überladen wirken. Trotzdem können Kinder nach jedem Umblättern Neues entdecken. So eignet sich "Ich bin für dich da!" nicht ausschließlich für Vorlesestunden mit den Kleinsten, sondern auch ganz hervorragend als Geschenk an liebe Freunde und Verwandte, die eine tröstende Umarmung nötig haben.

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66 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

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Du & Ich - Best friends for never

Hilary T. Smith , Jenny Merling
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.03.2017
ISBN 9783841440044
Genre: Jugendbuch

Rezension:

“Du & Ich – Best friends for never“ hat sich für mich als eine Wundertüte entpuppt. Ich habe mit einer unterhaltsamen, leichten Teeny-Freundschaftsgeschichte gerechnet (nicht zuletzt suggeriert durch das auf den ersten Blick luftig-seichte Cover) und muss sogar gestehen, dass ich mich ein paar Tage um dieses Buch herumgedrückt habe. Da es mir jedoch wärmstens empfohlen wurde, gab ich ihm schließlich eine Chance und wurde überrascht.

Die Autorin Hilary T. Smith beschäftigt sich mit der Frage, ob das Ende einer Freundschaft nicht gleichzeitig auch ein Neuanfang sein kann. Es geht um die enge Freundschaft zwischen Annabeth und Noe, die ich aus der Perspektive von Annabeth hautnah miterleben und dabei schnell feststellen durfte, dass Freundschaft nicht gleich Freundschaft ist. Annabeth sieht in ihrer besten Freundin die Perfektheit in Person und eifert ihr in Allem nach. Obwohl sie keine große Sportskanone ist, quält sie sich regelmäßig in der Turngruppe, deren Star Noe ist. Dass die beiden Freundinnen auch nach der Schule einen gemeinsamen Weg gehen werden, steht für sie schon lange fest. Sie wissen genau, an welcher Uni sie studieren möchten, wie ihre gemeinsame Wohnung aussehen und sogar wie ihr Goldfisch heißen wird. Noe bedeutet für Annabeth Sicherheit.

Diese Sicherheit beginnt jedoch zu bröckeln, als sich die beliebte Noe mehr und mehr distanziert und Annabeth anfängt, das Verhalten ihrer Freundin zu hinterfragen. Noes schützender Schatten fehlt ihr, denn plötzlich muss sie für sich selbst sprechen und eigene Entscheidungen treffen. So furchteinflössend, wie das auf Annabeth im ersten Moment wirkt, so wichtig ist diese Entwicklung aber auch. Als Leserin konnte ich eindeutig sehen, wie sich das unsichere Mädchen von einer Marionette zu einer eigenständigen jungen Frau entwickelt und dabei nicht nur beginnt ihre Vergangenheit zu verarbeiten, sondern auch bisher verdrängte Probleme zu akzeptieren.

"Ich war innerlich tot, wurde nur zum Leben erweckt, wenn Noe neben mir war (...) wie ein Radio, dessen Frequenzregler immer wieder verrutscht, wenn er nicht von einer ganz bestimmten ruhigen Hand eingestellt wird." (S. 103) 

"So ein Venn-Diagramm kann einem ganz schön Angst machen, wenn man mal aus der Mitte heraustritt und sich in die Bereiche vorwagt, in denen es keine Überschneidungen gibt." (S. 106)

Mir hätte es gereicht, wenn es bei diesem Thema geblieben wäre. Die Autorin hat eine ganz intensive Art zu erzählen, sodass ich mir viele besondere Zitate notieren konnte. Dieser Schreibstil gepaart mit den Themen Freundschaft und Selbstfindung hätten das Buch für mich zum Lesehighlight gemacht. Leider hat es Hilary T. Smith jedoch nicht dabei belassen und ihrer Protagonistin noch weitere Stolpersteine in den Weg gelegt. Wobei ich die Probleme nicht als kleine Stolpersteine sondern lieber als Felsen bezeichnen möchte, denn es handelt sich nicht um Zahnschmerzen, einen Umzug oder eine aufregende Liebelei. Hier werden heftigere Geschütze aufgefahren, die eigentlich, für sich allein stehend, eigene Bücher verdient hätten. Einerseits finde ich es toll, dass die Autorin den Fokus auf die Freundschaft sowie auf Annabeths Entwicklung gelegt hat, andererseits finde ich es unglücklich, dass die anderen brisanten Themen so schnell abgehandelt werden. So wirken Annabeths Essstörung und ein gravierender Entschluss viel zu lapidar und unwichtig. Meiner persönlichen Meinung nach ist das ein falsches Signal. All diese Themen haben mich sehr betroffen gemacht und es fiel mir zeitweise schwer weiterzulesen. Diese Betroffenheit hat meine Stimmung stark beeinflusst. Auf der einen Seite finde ich es großartig, wenn sich Bücher so sehr in die eigene Gefühlswelt einmischen können, auf der anderen Seite habe ich stellenweise richtig mit Schwermut zu kämpfen gehabt. Die Gedanken der jungen Annabeth haben mich sehr getroffen.

"Wenn ich doch nur eine Schneeflocke sein könnte, ein Grashalm, ein Vogel, ein Stück Beton. Alles, nur nicht das, was ich wirklich war: halb Mensch, halb Krankheit. Halb voller Dinge, die wachsen und leben wollten, halb voller Dinge, die sich nach dem Tod sehnten." (S. 104)

"Später stellte ich mich oben im Badezimmer auf unsere rosafarbene Waage. Ich war federleicht und doch schwer, schwerer als das Meer." (S. 125)

Obwohl diese Geschichte mit ihrem sehr ansprechenden und direkten Schreibstil für mich absolutes Lesehighlight-Potenzial hatte, muss ich mich aus den eben genannten Gründen von einer Empfehlung distanzieren. Dass das Thema Freundschaft einmal ohne ablenkende Liebelei so intensiv thematisiert wird, finde ich unheimlich wichtig. Ich habe das Gefühl, dass hier in der Jugendliteratur durchaus Nachholbedarf besteht. Dann jedoch ohne dramatische Nebenerscheinungen, die zwar in "Du & Ich" eben genau diese bleiben, in ihrer Wichtigkeit aber doch mehr Raum verdient hätten. Gern hätte ich mich noch intensiver mit dem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis beschäftigt oder mehr über Annabeths Krankheit sowie Noes Leistungsdruck mit all seinen Facetten erfahren, doch nicht auf diesen wenigen Seiten in dieser, meiner Meinung nach, viel zu überladenden Geschichte.

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575 Bibliotheken, 18 Leser, 4 Gruppen, 123 Rezensionen

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The Hate U Give

Angie Thomas , Henriette Zeltner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.07.2017
ISBN 9783570164822
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es fiel mir nicht leicht, einen passenden Einstieg in diese Rezension zu finden. Selten hat eine Buchbesprechung so viele Anfänge von mir verpasst bekommen, wie diese. Und trotz ihrer Vielfalt habe ich sie alle wieder verworfen. Wie beginnt man eine Rezension zu einem Buch, das das Thema rassistische Polizeigewalt behandelt? Ein weißer Cop erschießt einen jungen schwarzen Mann - ein Szenario, das uns allen nicht unbekannt ist. Immer wieder hört man hier im (scheinbar) weit entfernten Europa von solch furchtbaren Nachrichten aus den USA. Um mich noch intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen, habe ich Google befragt und bin schnell auf jede Menge Berichte, Zeitungsartikel und Videoclips gestoßen. Zuerst ins Auge gestochen ist mir der Fall Michael Brown. Der 18-jährige unbewaffnete, afroamerikanische Schüler wurde 2014 nach einer Auseinandersetzung von einem weißen Polizisten erschossen. Nachdem dieser von der Grand Jury vor einer Anklage bewahrt wurde, brachen große Aufstände und Tumulte los.


Diejenigen, die "The Hate U Give" bereits gelesen haben, werden sich denken "Mensch, das kommt mir jetzt aber bekannt vor." So ging es auch mir bei meiner kleinen Recherche. Ich las mich in weitere Fälle ein, erfuhr dabei vom Schicksal des 17-jährigen Trayvon Martin, dessen Todesschütze, ein 28-jähriger Wachmann, nach seiner Verurteilung von einer Jury freigesprochen wurde. Ebenso erschreckend und deshalb erwähnenswert die Fälle von Philando Castile und Alton Sterling, die 2016 durch Polizeikugeln starben. Anlässlich dieser beiden Morde wurden bei Demonstrationen 5 Beamte getötet und sieben weitere teils lebensgefährlich verletzt.


All dies scheint so weit weg zu passieren, doch die Autorin Angie Thomas holt dieses brisante Thema in unsere Wohn- und Schlafzimmer und lässt uns auf schmerzhaft authentische Art und Weise Teil der Geschichte werden. Sie zwingt uns hinzusehen, die Augen nicht zu verschließen und macht uns aufmerksam. Plötzlich scheint Starrs Geschichte, die Angie Thomas hier erzählt, gar nicht mehr so fiktiv zu sein.


Mit Starr hat Angie Thomas eine unheimlich starke und mutige junge Frau erschaffen, die Unfassbares miterleben muss, die schon als Kind gelernt hat, dass die Polizei in ihrer Welt nicht unbedingt "dein Freund und Helfer" ist, für die Schüsse in der Nachbarschaft beinahe so vertraut klingen wie für uns das laute Hupen von gestressten Autofahrern im Stadtverkehr. Eine Frau, die schon früh lernen musste, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen. Eine Frau, die in zwei Welten zu Hause ist und beide strikt voneinander trennt. Aber nicht nur das, ich bin mir sicher, dass Angie Thomas mit Starr vielen Menschen Gehör verschafft, Mut geschenkt, Verständnis entgegengebracht und eine Stimme gegeben hat.


"Immer habe ich gesagt, wenn ich dabei wäre, wenn so was passiert, dann hätte ich die lauteste Stimme und würde dafür sorgen, dass die Welt erfährt, was passiert ist. Jetzt bin ich genau diese Person und habe zu viel Angst, den Mund aufzumachen." (S. 44)


Ich könnte jetzt noch auf den Schreibstil, die Sprache, die wunderschönen Aussagen, die starken Charaktere, die Emotionen und die teils unerwarteten Plot-Twists zu sprechen kommen, doch davon sollt ihr euch einfach selbst überzeugen. Meiner Meinung nach ist "The Hate U Give" ein politisch und gesellschaftlich wichtiges (Jugend-)Buch, das den Weg in alle Schlaf-, Wohn- und Klassenzimmer finden sollte, ein Buch, über das man sprechen muss und dessen Thema niemals totgeschwiegen werden darf. Der Kampf für Gerechtigkeit darf und wird niemals aufhören. Angie Thomas sagt es schon ganz richtig: "Wozu hat man eine Stimme, wenn man in den entscheidenden Momenten schweigt?" (S. 288) Wir sollten viel häufiger unsere Stimmbänder gebrauchen und uns für das einsetzen, was wir wollen. Dazu gehört auch, dass wir lernen Fragen zu stellen und Probleme anzusprechen, selbst oder gerade dann, wenn sie unangenehm sind.


"Manchmal machst du alles richtig, und es geht trotzdem alles schief. Entscheidend ist, dass du dennoch nie aufhörst, das Richtige zu tun." - noch so ein Gedanke, den die Autorin ihren Lesern auf Seite 179/180 mit auf den Weg gibt. Zu schweigen, wenn jemandem Ungerechtigkeit widerfährt, nichts zu sagen, wenn jemand ungerecht behandelt und (aus welchem Grund auch immer) diskriminiert wird, ist schlicht und ergreifend FALSCH. Mach den Mund auf und nutze deine Stimme, denn deine Stimme ist wichtig. Selbst wenn du dabei im ersten Moment auf kein Gehör stößt oder dir gar eine verbale Backpfeife einfängst - du tust das Richtige.


"The Hate U Give" hat mich beeindruckt und gleichzeitig verletzt, es hat mich dermaßen wütend, traurig aber auch hoffnungsvoll gestimmt. Es hat mir eine mir vollkommen fremde Welt aufgezeigt, vor der ich mich gefürchtet, für die ich mich geschämt und für die ich gebrannt habe. Ich wünsche mir von Herzen, dass es all dies auch mit euch machen wird und in euch dasselbe bewirkt wie in mir.

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91 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Einmal Gilmore Girl, immer Gilmore Girl

Lauren Graham , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.08.2017
ISBN 9783596299577
Genre: Biografien

Rezension:

Für eingefleischte Fans der Serie „Gilmore Girls“ sind Lauren Grahams autobiografische Erzählungen ein tolles Extra! 


Als Lorelai Gilmore hat die auf Hawaii geborene Schauspielerin Millionen Fanherzen erobert und in 7 Staffeln der erfolgreichen Drama-Serie immer wieder aufs Neue verzaubert. Doch wie kam sie überhaupt zu der Rolle, die ihr Leben auf den Kopf gestellt hat? Was fühlt sie, wenn sie nun, 8 Jahre nachdem die letzte Klappe gefallen ist, einen Blick zurück auf die einzelnen Folgen und Lorelais turbulenten Alltag wirft? 


Gespickt mit lustigen Anekdoten schwelgt Lauren Graham für ihre Fans noch einmal in Erinnerungen und gewährt abschließend Einblicke in ihr persönliches Tagebuch, welches sie 2016 während der Dreharbeiten zum Netflix-Reboot der Gilmore Girls „Gilmore Girls: Ein neues Jahr“ geführt hat.


So erfahren wir zum Beispiel, dass Lauren Graham am Set Unmengen an Taschentüchern verbraucht hat, mit einem grünen Fahrrad zum jeweiligen Drehort gefahren ist und immer wieder Familienmitglieder in einzelne Szenen geschmuggelt hat. 


Sehr berührt hat mich persönlich der Blick zurück auf die alten Folgen. Gewohnt emotional und schlagfertig kommentiert Lauren Graham ihre Lieblingsszenen aus Staffel 1 bis 7. Was hat es mit dem irischen Outfit auf sich, das Lorelai nach ihrem und Rorys Backpacker-Trip nach Europa trägt? Hättet ihr gedacht, dass die Rolle des Luke Danes ursprünglich gar nicht als "Love interest" angelegt war? Und wusstet ihr, dass sowohl den Schauspielern als auch dem Rest des Teams beim Dreh der letzten Folge nicht klar war, dass es tatsächlich die letzte Klappe der Gilmore Girls sein würde? Das Aus der Serie wurde erst später beschlossen. In welcher Situation Lauren Graham davon erfahren hat, verrät sie ebenso wie es danach für sie weiterging.


Für mich war es spannend, mehr über die Person Lauren Graham zu erfahren, denn auch wenn der Titel des Buches „Einmal Gilmore Girl, immer Gilmore Girl“ lautet, nehmen andere Erzählungen aus Lauren Grahams Leben den größeren Teil des Buches ein. Aufgewachsen ist Lauren Graham bei ihrem Vater, hat für einige Zeit sogar in Japan und auf einem Hausboot gelebt. Ich erfuhr, wie sie einen der heiß begehrten Plätze an der Southern Methodist University in Texas ergatterte und was sie von Diät-Ratgebern hält. Überraschend offen erzählt sie von ihrer Zeit als Single, von den nervigen Fragen der Klatsch-Presse und der ersten Begegnung mit ihrem zukünftigen Lebenspartner Peter Krause. Wer also mehr über die quirlige Schauspielerin erfahren möchte, kommt beim Lesen dieser 256 Seiten voll auf seine Kosten. 


Übrigens gibt es auch immer wieder ein paar Fotos zu sehen – hauptsächlich private Aufnahmen, aber auch Bilder vom Gilmore Girls Set. Abgesehen von den wenigen Seiten über die Diät-Ratgeber oder Lauren Grahams Erzählungen zu Project Runway, die ich mehr überflogen als intensiv gelesen habe, empfand ich das Buch als sehr kurzweilig. Lauren Grahams emotionale, kecke und höchst amüsante Art zu erzählen, hat mir sehr gefallen. Dass sie viele Gemeinsamkeiten mit Lorelai Gilmore zu haben scheint, ist offensichtlich. Für mich ist es nun nicht mehr verwunderlich, warum gerade sie für diese Rolle besetzt wurde.


Für mich als Fan der Gilmore Girls ist dieses Buch natürlich ein Muss und ich bin glücklich darüber, es gelesen zu haben. Es war eine emotionale Rückkehr nach Stars Hollow mit vielen Backstage-Eindrücken und Zusatzinformationen. Meine persönlichen Highlights des Buches waren natürlich der Rückblick auf jede einzelne Staffel sowie die Tagebucheinträge zu den Dreharbeiten 2016. Gern hätte ich hiervon noch viel mehr gelesen und dafür auf die oben erwähnten, überflogenen Seiten verzichtet.


Allen eingefleischten Fans der Serie sei dieses Büchlein ans Herz gelegt. Besonders spannend ist schlussendlich natürlich, ob es nach dem Reboot auch einen Re-Reboot geben wird, denn wer das Ende der „neuen Folgen“ gesehen hat, spekuliert mit klopfendem Herzen auf weitere Episoden. Ob Lauren Graham schon mehr verraten kann und was sie über die berühmten letzten Worte denkt, das müsst ihr selbst herausfinden.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Emily Barr
E-Buch Text: 336 Seiten
Erschienen bei FISCHER E-Books, 23.03.2017
ISBN 9783104901978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

So naiv ich in diese Geschichte hineinstolperte, so überrumpelt und voller lauter Gedanken spuckte sie mich am Ende wieder aus.

Ich dachte, ich würde mich, an der Seite der jugendlichen Protagonistin Flora Banks, auf einen spannenden Roadtrip in die Arktis begeben. Auf dieser Reise würde das junge Mädchen zu sich selbst finden und das ein oder andere Abenteuer erleben. Ach, und ein süßer Junge dürfte natürlich auch nicht fehlen.

So weit so gut. Tatsächlich reist die 17-jährige Flora in die Arktis und dass sie dort Abenteuer erlebt, kann ich auch nicht bestreiten. Doch wer sich hinter Flora verbirgt und welche Beweggründe sie für diese Reise hat, die für sie noch viel viel viel bedeutender ist, als ich gedacht hätte, erfuhr ich erst, als ich das Buch aufschlug.

Aber von vorne. Flora Banks ist 17 Jahre alt. Seit ihrem zehnten Lebensjahr leidet sie an anterograder Amnesie. Was genau diese Krankheit bedeutet, führte mir die Autorin Emily Barr sehr eindrucksvoll vor Augen. Anstatt über Krankheitsbild und –verlauf zu schwadronieren, um mir so die Krankheit näher zu bringen, überließ sie es voll und ganz ihrer jungen Heldin, die mich an die Hand und mit in ihren Alltag nahm. Dieser Alltag wirkte auf mich als Außenstehende sehr befremdlich, doch für Flora bedeutet diese wichtige Routine Sicherheit. Ich bekam eine Ahnung davon, wie es sein muss, wenn man sich nicht erinnern kann und immer wieder vergisst. Die aktuellste Erinnerung, die Flora hat, liegt über sieben Jahre zurück. Alles was danach passiert ist, vergisst sie nach wenigen Stunden wieder. Mithilfe ihrer Familie, vielen Klebezetteln, ihrem Erinnerungsbuch sowie kleinen Notizen, die sie sich auf den Handrücken schreibt, meistert sie ihren außergewöhnlichen Alltag jedoch ganz gut.

Doch plötzlich passiert das Unglaubliche. Flora küsst einen Jungen und kann sich am nächsten Tag noch daran erinnern. Und am übernächsten. Und am überübernächsten auch noch. Die Gefühle, die der Kuss in Flora geweckt hat, vermischen sich mit der Aufregung über die Erinnerung und werden schnell zu einer alles in den Schatten stellenden Euphorie. Drake heißt der Junge, der ihr den Kopf verdreht und Hoffnung geschenkt hat. Ist diese Erinnerung vielleicht erst der Anfang? Wird sie sich ganz bald an noch viel mehr erinnern können?

Ob Drake der Schlüssel zu ihrem Glück sein wird, kann Flora jedoch nicht so einfach herausfinden, denn ihr heimlicher Kusspartner zieht für sein Studium in die Arktis. Für Flora ist schnell klar: Sie muss zu ihm. Doch wie soll sie das anstellen? So viel sei verraten: Ja, sie macht sich auf die Reise – was sie jedoch auf dieser erlebt und ob sie am Ziel ihrer Träume ankommt, das müsst ihr selbst herausfinden.

Emily Barr hat mich mit ihrem Jugendbuch-Debüt schlichtweg überwältigt. Selbst Tage später, als ich das Buch längst beendet hatte, spukte Flora noch durch meine Gedanken. Eine bemerkenswerte, mutige, junge Frau auf der Suche nach Antworten, auf der Suche nach sich selbst und auf dem Weg zur Selbstbestimmung. Auf ihrem Weg findet sie nicht nur Antworten, sondern auch viele neue Fragen, die ihr komplettes Weltbild auf den Kopf stellen. Ihr (wohl-)behütetes Zuhause tauscht sie gegen die eiskalten, endlosen Weiten der Arktis, ihre Pantoffeln gegen gefütterte Moonboots, ihre Zweifel gegen Hoffnung und ihre Angst gegen Mut. Sie wächst über sich selbst und ihre (und auch meine) Erwartungen hinaus, selbst als sie nach einem Schritt vorwärts wieder zwei zurückgehen muss. Nach jedem Reset ihrer Erinnerungen kombiniert sie neu und findet zu sich selbst zurück, wenn es auch manchmal sehr schmerzhaft und fast schon unerträglich ist.

„Ich schaue auf meine Hand. Dort steht Flora, das bin ich. Die Buchstaben auf dem Handrücken bilden meinen Namen. Ich halte mich daran fest. Ich bin Flora. Darunter steht: Sei mutig! Ich schließe meine Augen und hole tief Luft. Ich weiß nicht, warum ich hier bin, aber alles wird gut.“
(Zitatquelle: Verlagshomepage)

Das letzte Viertel des Buches hat es dann so richtig in sich. Unerwartete Wendungen raubten mir den Atem und schürten das ohnehin schon lodernde Feuer der Dramatik weiter an. Hier kommt einiges zusammen – vielleicht am Ende doch etwas zu viel? Nein, für mich nicht. Ich empfand Floras Geschichte als rund. Sie gibt ihren Lesern nicht nur EINE großartige Message mit auf den Weg. 

Lest diesen gefühlvollen, außergewöhnlichen, aufregenden und mitreißenden Coming-of –Age Roman! Und vergesst niemals: SEID MUTIG, denn dann kann jeder Tag der schönste in eurem Leben werden.

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64 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

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Portugiesische Rache

Luis Sellano
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453419452
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Stellt euch vor, ihr erbt, unter etwas mysteriösen Umständen, ein Antiquariat, in dem Hinweise auf ungelöste Kriminalfälle versteckt sind. Überwiegt eure Neugierde oder eure Skepsis? 

Henrik ist Mitte 30, als ihm genau dies widerfährt. Nachdem seine Frau bei einem tragischen Verkehrsunfall tödlich verunglückt ist, hat es den jungen Polizisten ganz schön aus der Bahn geworfen. Kaum etwas hält ihn noch in Deutschland, weshalb er sein geheimnisvolles Erbe in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon genauer unter die Lupe nimmt. Warum gerade er von seinem ihm bis dato unbekannten Onkel mit diesem Erbe bedacht wurde, was es mit dem alten Antiquariat auf sich hat und welchen Personen er in der Stadt am Tejo begegnet, habe ich bereits letztes Jahr im ersten Band der Lissabon-Krimireihe „Portugiesisches Erbe“ erfahren. 

In „Portugiesische Rache“ gibt es nun ein Wiedersehen mit Henrik, der, gleich zu Beginn des Buches, in den nächsten Kriminalfall hineingezogen wird. Vor seinen Augen wird ein Mann niedergestochen, der vor wenigen Augenblicken noch ein Buch in seinem Antiquariat gekauft hat. Merkwürdigerweise fehlt von dem Buch jedoch jede Spur. Was hat es mit dem Mann und dem verschwundenen Buch auf sich? War es doch wertvoller als Henrik ursprünglich vermutet hat? Und wer steckt hinter der hinterhältigen Attacke? Denn nicht nur vom Buch ist nichts mehr zu sehen – auch der Mörder scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Schneller als es Henrik lieb ist, steckt er selbst mitten drin und wird sogar zum Verdächtigen.

Gern habe ich mich ein zweites Mal von Luis Sellano ins schöne Lissabon entführen lassen. Obwohl ich selbst noch nie in Portugal war, fühlte es sich ein Stück weit so an, als kehrte ich an meinen letztjährigen Urlaubsort zurück. Dank der ausführlichen und sehr bildhaften Beschreibungen im ersten Band, sah ich die malerische Stadt direkt wieder vor mir, erinnerte mich an die kleinen Gässchen, den ungewohnten Geruch von Stockfisch und den melancholischen Klang des Fados. Auch Henrik war mir sofort wieder vertraut, sodass ich mühelos in die neue Geschichte eintauchen konnte.

Oft ist es so, dass die anfängliche Euphorie aus dem ersten Band einer Reihe mit dem zweiten ein bisschen abebbt. Ich kann sagen, dass mir diese Fortsetzung sogar besser gefallen hat, als der Auftakt. Es fühlte sich so an, als wäre der Autor „sesshaft“ geworden, und sowohl seinen Protagonisten als auch seinem Setting näher gekommen. Eine gewisse Leichtigkeit und Vertrautheit schwangen mit jedem neuen Schritt an Henriks Seite mit. Besonders begeistern konnten mich die vereinzelt aufploppenden witzigen Spitzen, die den leicht sarkastischen Humor des Autors durchblitzen ließen, ebenso wie die neuen Charaktere, die die Geschichte auflockerten und mich Henrik noch näher brachten. 

So schnell wie Henrik durch Lissabons Gassen eilt, so schnell huschte ich durch die Seiten. Im Vergleich zu Band 1 hat Luis Sellano noch mal einen Gang nach oben geschaltet. Auch wenn er ab und an innehält, um seinen Lesern einen Blick auf Lissabon zu gewähren, geriet mein Lesefluss nicht ins Stocken. Mit Spannung verfolgte ich Henriks Ermittlungen und hatte schließlich ziemlich Mitleid, denn der arme Kerl muss in diesem Band ganz schön was einstecken. Irgendwann habe ich es aufgegeben, mitzuzählen, wie häufig sein Kopf in Mitleidenschaft gezogen wird. Trotz schmerzhafter Blessuren kämpft er sich wie ein Stehaufmännchen immer weiter voran – hier hätte ich ihm lieber ein bisschen weniger Unsterblichkeit zugemutet.

Am Ende kann Henrik zwar einige seiner Fragen beantworten, doch sein Abenteuer in Lissabon scheint noch lang nicht beendet. Ich muss mich nun ein Jahr gedulden, bevor ich erfahre, wie es mit ihm und seinen Weggefährten weitergeht. Gemein – denn um eine liebgewonnene Person lässt uns Luis Sellano ganz schön bangen.

Mir hat „Portugiesische Rache“ eine wirklich tolle Lesezeit beschert. Ich habe gerätselt, mitgefiebert, immer häufiger geschmunzelt und mich in der schönen Stadt Lissabon sehr wohlgefühlt. Henrik ist mir noch mehr ans Herz gewachsen und ich freue mich schon jetzt sehr auf meinen nächsten Besuch in seinem geheimnisvollen Antiquariat in der Rua do Almada. Auch wenn man den ersten Band nicht unbedingt gelesen haben muss, um in die Geschichte von Band 2 einzutauchen, empfehle ich euch trotzdem, mit „Portugiesisches Erbe“ zu beginnen. Eine schöne Reihe, die sich ganz wunderbar als Reisebegleiter für euren Sommerurlaub eignet und auch die Gelegenheitsleser schnell mitreißen und unterhalten wird.

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198 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

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Was wir dachten, was wir taten

Lea-Lina Oppermann
Flexibler Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 24.07.2018
ISBN 9783407822987
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Stell dir vor, du sitzt im Klassenzimmer und brütest über den kniffligen Aufgaben einer Mathe- Klausur. Der Amok-Alarm ertönt. Nur eine Übung? Du schaust zu deinem Mathelehrer, dem ein großes Fragezeichen auf der Stirn prankt. Als er sich wieder gefasst hat, lässt er die Klassenzimmertür verriegeln. Was nun? Plötzlich klopft es an der Tür.Machst du auf?

Mit genau diesem Szenario beginnt der heute erscheinende Debütroman der 19-jährigen Autorin Lea-Lina Oppermann. Sie selbst hat genau diese Durchsage an ihrer damaligen Schule gehört. Eine lange Stunde saß sie mit ihren Mitschülern in einem verschlossenen Klassenzimmer, ohne Informationen und Gewissheit darüber, dass es sich nur um einen Fehlalarm handelt. Zum Glück gab es nach 60 Minuten Ungewissheit die erlösende Entwarnung - doch was, wenn dem nicht so gewesen wäre? Was geht in Schülern und Lehrern vor? Diese Fragen hat sich Lea-Lina Oppermann ebenfalls gestellt. Aus ihren Antworten ist ein preisgekröntes Debüt entstanden, das auch mich ziemlich überwältigt zurückgelassen hat.

Als Leser schlüpft man in drei verschiedene Perspektiven. Die Schüler Fiona und Mark sowie ihr Mathelehrer Herr Filler erzählen in sich immer wieder abwechselnden und meist sehr kurzen Passagen, wie sie den Amokalarm und seine Folgen erlebt haben. Jede beschriebene Situation knüpft unmittelbar an die vorherige an, sodass für mich als Leserin eine lückenlose Geschichte entstand. Aufgrund der Kürze der einzelnen Passagen, der schnellen Wechsel und der stets vorherrschenden Spannung, blubbert bereits ab Seite 1 ein rasanter Lesefluss, dem ich mich nur zu gern hingegeben habe. Mitgerissen von den Ereignissen und der von der Durchsage losgetretenen Lawine, raste ich durch die Seiten und tauchte erst wieder aus dem Buch auf, als ich es nach der letzten Seite zuschlagen konnte. 

Es scheint auch so, als hätte sich die Autorin voll und ganz in ihre Geschichte fallen lassen. Als wäre sie selbst eine der Schülerinnen gewesen, die in diesem fiktionalen Klassenzimmer saßen. Als hätte sie genau diese Situation erlebt, genau beobachtet und schließlich aufgeschrieben. 

Für mich war es nicht nur spannend herauszufinden, wer auf der anderen Seite der Tür steht oder ob es sich tatsächlich um einen Amoklauf handelt (und wenn ja, aus welchen Gründen), sondern auch das Verhalten der einzelnen Schüler zu beobachten. Eine ganze Klasse wird auf engem Raum einer Extremsituation ausgesetzt. Da ich ein großer Fan von psychologischen Kammerspielen dieser Art bin, war "Was wir dachten, was wir taten" genau nach meinem Geschmack. Ein rasanter, spannender Pageturner, der mir stellenweise den Atem geraubt, mich schockiert und alarmiert hat.

Dass "Was wir dachten, was wir taten" lediglich 180 Seiten hat, ist sowohl ein Plus- als auch ein Minuspunkt. Das dünne Buch hat es mir ermöglicht, es in einem Rutsch zu lesen und mich der Spannung voll hinzugeben. Ich liebe es, wenn Bücher solch einen Sog aufbauen und ihre Leser regelrecht taumeln lassen, wenn sie sie schlussendlich wieder ausspucken. Schade ist natürlich, dass es auf diesen 180 Seiten nicht möglich ist, genauer hinzusehen. Ich durfte so viele Personen kennenlernen - eine ganze Schulklasse - und wäre stellenweise gern tiefer eingetaucht. Jeder Charakter besitzt schließlich seine eigene Geschichte und seinen eigenen Grund, warum er Platz in diesem Klassenzimmer gefunden hat. Aber hätte diese Tiefe, dieses noch-genauere-Hinsehen dem Buch wirklich gut getan? Ich bezweifel es, denn mit Sicherheit hätte es an Geschwindigkeit verloren, die ich in diesem Fall wirklich grandios fand. Man kann natürlich sagen, dass solch ein komplexes Thema mit diesem Hintergrund nicht auf 180 Seiten abzuhandeln ist, dennoch fällt es mir leicht, mich mit dieser Fassung vollkommen zufrieden zu geben, denn die Message ist angekommen und das Gelesene wird sicher noch eine Weile nachhallen.


Ich bin sehr angetan von diesem Debüt, kann verstehen, dass die ursprüngliche Geschichte mit dem Hans-im-Glück-Preis für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde und sich diverse Verlage um dessen Veröffentlichung gerissen haben. Ein brandaktuelles Thema, mit dem wir uns leider immer wieder auseinandersetzen müssen, weil wir schockiert die Berichterstattung in den Medien über reale Amokläufe verfolgen. Auch wenn diese Geschichte glücklicherweise reine Fiktion ist, kann sie doch genau so passieren. Die Angst und die Ohnmacht können einen lähmen. Ich finde es großartig, dass sich ein junger Mensch genau diesem Thema angenommen und es näher beleuchtet und hinterfragt hat. Was macht einen ebenso jungen Menschen zum Täter? Was macht solch eine Situation mit den Beteiligten? Lea-Lina Oppermann hat nach Antworten gesucht und sie auf ihre ganz besondere, charmante, fesselnde und schockierende Art gefunden. Ich finde, ihr solltet sie lesen.

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428 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 129 Rezensionen

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Fangirl

Rainbow Rowell , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446257009
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon lang gab es kein Buch mehr, auf dessen deutsche Übersetzung ich so hingefiebert habe. Vergangene Woche erschien nun endlich „Fangirl“, der neue Roman der Bestsellerautorin Rainbow Rowell. Mit „Eleanor & Park“ hat sie 2015 tausende Leserherzen im Sturm erobert, weshalb ihr neuer Roman bereits vor seinem Erscheinen in Deutschland in den höchsten Tönen gelobt wurde. Die internationale, englischsprachige Bloggerszene hat keinen Zweifel daran gelassen, dass „Fangirl“ ebenso lesens- und liebenswert ist, wie „Eleanor & Park“. Was ich von der Geschichte rund um die Zwillinge Cath und Wren halte, möchte ich euch heute verraten.

Obwohl mir solch überdimensionale Hypes um Neuerscheinungen in den meisten Fällen eher Angst als Vorfreude bereiten, griff ich in diesem besonderen Fall beherzt und furchtlos zu. Denn nicht nur internationale Blogger, sondern auch zwei Freundinnen hatten bereits die englische Ausgabe gelesen und mir den Roman wärmstens empfohlen. Also schlug ich das knapp 500 Seiten starke Buch auf und erlebte, zusammen mit Cath, ihr erster Collegesemester.

„Fangirl“ war für mich ein sehr ruhiger und doch fesselnder Coming-of-age Roman, in dem sich die 18-jährige Cath den alltäglichen Herausforderungen des Erwachsenwerdens stellen muss. Bisher waren sie und ihre Zwillingsschwester Wren unzertrennlich. Zusammen mit ihrem Vater bildeten sie ein erfolgreiches Dreiergespann, in dem Cath ein Stück weit die Rolle der Mutter übernommen hat. Die leibliche Mutter hatte die Familie frühzeitig verlassen und spielt seitdem keine Rolle mehr im Leben der Mädchen. Cath hatte immer ein Auge auf ihren Vater, der sich immer mehr in seiner Arbeit zu verlieren drohte, und schmiss mit Leichtigkeit den Haushalt. 

Zu Beginn von „Fangirl“ steht sie, ziemlich verloren, in ihrem neuen Wohnheimzimmer, welches sie sich, wider erwartend nicht mit ihrer engsten Vertrauten Wren, sondern mit einem ihr völlig fremden und auf den ersten Blick ziemlich durchgeknallten Mädchen teilen muss. Sie kann nicht verstehen, warum Wren plötzlich auf Abstand geht und verbarrikadiert sich, auf der Suche nach Geborgenheit, in ihrer eigenen Welt. Cath ist ein waschechtes „Fangirl“. Aus ihrer Liebe zu den fiktiven Romanen rund um den sympathischen Zauberlehrling Simon Snow macht sie keinen Hehl – ganz im Gegenteil. Im Internet hat sie diese Leidenschaft sogar berühmt gemacht, denn Cath schreibt Fanfictions, ausgedachte Geschichten, die zwar in der Kulisse der Bücher spielen und von deren Charakteren handeln, jedoch von ihr frei erfunden sind. So schubst sie lieber den jungen Zauberlehrling von einem Abenteuer ins nächste, als sich selbst ihren Ängsten stellen zu müssen. Was genau Simon Snow erlebt, das durften nicht nur Caths Online-Fans, sondern auch ich nachlesen, denn immer wieder fügt Rainbow Rowell kurze Passagen von Caths Fanfiction ein [Die komplette Fanfiction kann man übrigens ab dem 4. August in dem bei dtv erscheinenden Roman "Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow"lesen].

Doch es nützt ja nichts, irgendwann muss Cath doch ihr kleines Wohnheimzimmer verlassen und sich dem viel zu realen College-Alltag stellen. So lernt sie nicht nur ihre extrem laute Mitbewohnerin Reagan besser kennen, sondern auch deren Freund Levi sowie einen Mit-Studenten, mit dem sie sogar die Leidenschaft für Kreatives Schreiben teilt. Obwohl es Cath immer wieder zurück in ihre Zaubererwelt zieht, konnte ich beobachten, wie sich das introvertierte Mädchen immer mehr ihrem Umfeld öffnet, jedoch ohne sich selbst (oder Simon Snow) dabei untreu zu werden. Nicht nur ihr Romanheld muss sich fortan den Herausforderungen des Alltags stellen, auch Cath wird mit kleinen und größeren Sorgen konfrontiert.

Mir hat die ruhige und unaufgeregte Art, mit der Rainbow Rowell Caths Geschichte erzählt, sehr gut gefallen. Genau wie ihre Protagonistin scheint auch die Autorin ein Faible für Dialoge zu haben. Zuckersüß, etwas keck, wortgewandt und manchmal schlagfertig - ich musste viel schmunzeln und habe mich beim Lesen dieses Buches sehr wohlgefühlt. Dazu haben sicherlich auch die liebevoll gezeichneten Charaktere beigetragen, allen voran Cath, die sich nicht von ihrem Weg abbringen lässt, immer sie selbst bleibt und sich dabei doch weiterentwickelt. Levi habe ich sofort ins Herz geschlossen und auch die laute und sehr direkte Reagan hat mich fasziniert. Ich mochte die hilflos-chaotische Ader von Caths Vater und die rebellische Art von Wren. 

Auch wenn ich den Hype als zu übertrieben empfinde, kann ich mich den positiven Rezensionen nur anschließen. "Fangirl" ist ein tolles Buch, von dem man sich in Sekundenbruchteilen einlullen lassen kann. Ruhig, unspektakulär, ehrlich, ein bisschen verträumt und zugleich erfrischend, zuckersüß und herrlich herzerwärmend. Ich hatte eine wunderbare Lesezeit mit Cath, Wren, Levi und Co. und bin nun ganz gespannt auf "Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow".

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155 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Fern wie Sommerwind

Patrycja Spychalski
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.05.2013
ISBN 9783570308639
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Patrycja Spychalski zählt zu meinen liebsten Jugendbuch-Autorinnen und schafft es immer wieder, mich mit ihren berührenden und unheimlich authentischen Geschichten in ihren Bann zu ziehen – so auch mit dieser hier. „Fern wie Sommerwind“ ist ein toller Coming-of-age-Roman, der eine schöne (Liebes-)Geschichte erzählt und dabei vergisst kitschig zu sein.

Die 17-jährige Nora ist eine Protagonistin, mit der sich bestimmt viele LeserInnen identifizieren können. In einem Jahr wird sie ihren Schulabschluss in der Tasche haben und vor der großen Frage „Und was nun?“ stehen. Auf diese Frage weiß Nora jedoch hunderte Antworten, schließlich hat sie sich ihre Zukunft bereits in den unterschiedlichsten Szenarien vorgestellt. Auch ich bekam ein paar Einblicke in diese und musste das eine oder andere Mal über Noras grenzenlose Phantasie schmunzeln. Doch bevor es so weit ist und Nora eine Entscheidung treffen muss, verbringt sie ihre letzten Sommerferien als Drachenverkäuferin am Meer.

Patrycja Spychalski setzt ihre LeserInnnen in den Zug und schickt sie an einen wunderschönen Urlaubsort. Obwohl ich im tiefsten Schwabenländle wohne, habe ich mich dem Meer plötzlich sehr nah gefühlt. Das Kreischen der Möwen, die salzige Luft, der böige Wind, das Lachen der Kinder, das Rauschen der Wellen, die auf den Strand treffen – die Atmosphäre war greif- und spürbar.

Angekommen am Meer habe ich mich schnell mit Nora angefreundet, ein sehr herziges Mädchen, das mir mit seinen Gedanken und Gefühlen sofort sehr vertraut war. Für mich persönlich war die Zeit rund ums Abi eine unheimlich intensive und aufregende. Das erste Mal muss und darf man wichtige Entscheidungen treffen und das erste Mal macht man sich ernsthafte Gedanken um seine Zukunft. Wie geht es nach der Schule weiter? Welchen Beruf möchte man erlernen? Wo liegen die eigenen Stärken und Schwächen? Wovon träumt man?

Nora träumt sehr viel und hat täglich neue Vorstellungen von ihrer Zukunft. Doch welchen Weg soll sie einschlagen? Ein Partner oder eine Partnerin darf natürlich auch nicht fehlen – Nora hat da ganz genaue Ideen und Bilder im Kopf. Neuerdings verirrt sich auch Martin immer wieder in ihre Tagträume. Ihn und einige andere junge Leute lernt sie während ihres Ferienjobs kennen. Nach getaner Arbeit sitzen sie abends gern in ihrer Lieblingspizzeria zusammen und freunden sich schnell an. Diese unbeschwerte Stimmung hat mir unheimlich gut gefallen.

„Fern wie Sommerwind“ war für mich ein echtes Lesehighlight. Ich habe jede einzelne Seite bewusst genossen. Noras Geschichte ist so herrlich unaufdringlich. Sie lebt von ihrer Authentizität, von ihren liebevollen Figuren, von all den schönen Sätzen, die teils zum Nachdenken, teils zum Schmunzeln einladen und der locker-leichten Urlaubsatmosphäre am Meer. Die Herausforderungen und Probleme, denen sich Nora innerhalb dieser Geschichte stellen muss, haben für mich perfekt ins „Große Ganze“ gepasst und wirkten weder überdramatisiert noch konstruiert. Die leisen Töne waren ebenso berührend wie die lauten. Ich habe mitgefühlt - von der ersten bis zur letzten Seite. Nachdem ich das Buch am Ende mit einem glücklichen Seufzer zugeschlagen habe, hatte ich tatsächlich das Gefühl, aus einem erholsamen und wohltuenden Kurzurlaub am Meer zurückzukehren.

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You Are Wanted

Arno Strobel
E-Buch Text
Erschienen bei Edition M, 17.03.2017
ISBN 9781477827291
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„You are wanted“ heißt das neueste Buchprojekt von Bestsellerautor Arno Strobel und es unterscheidet sich gravierend von all seinen bisherigen Thrillern. Denn hier haben wir es mit dem Buch zur gleichnamigen Amazon Original Serie von und mit Matthias Schweighöfer zu tun, was bedeutet, dass der Plot bereits komplett vorgegeben war. Arno Strobel hat die Dreharbeiten zur Serie intensiv mitverfolgt, war mehrfach direkt vor Ort und konnte sich so einen guten Einblick in die Story verschaffen.
In „You are wanted“ geht es um den Familienvater und Projektmanager Lukas Franke, der von heut auf morgen zum meistgesuchtesten Verbrecher Deutschlands wird. Er wird bezichtigt verantwortlich für einen massiven Stromausfall in Berlin zu sein. Vom liebenden Familienvater zum Terrorist in nur wenigen Stunden? Lukas versteht die Welt nicht mehr, doch die Beweise sind genauso erdrückend wie erschreckend. Kriminelle Daten auf seinem PC, verräterische Bestellungen im Internet sowie sein eigenes Gesicht, aufgezeichnet von einer Überwachungskamera an einem Ort, an dem er nie zuvor gewesen ist, treiben ihn in die Enge. Er ist sich sicher gehackt worden zu sein und es mit einem sehr mächtigen Gegner zu tun zu haben. Doch warum das alles? Warum ausgerechnet er?
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wer wird Lukas Franke noch glauben? Und wem kann er selbst überhaupt vertrauen? Es geht um Leben und Tod, es geht um seine Familie und Lukas ist bereit, alles für sie zu riskieren.
Arno Strobel erzählt eine sehr rasante und actiongeladene Story, die direkt vor meinem inneren Auge abgelaufen ist, obwohl ich die Serie selbst noch nicht gesehen habe. Tatsächlich hatte ich beim Lesen das Gefühl einen Film zu sehen und von Szene zu Szene zu springen. Der Erzählstil ist an den Aufbau eines Filmes angepasst. Auch wenn Lukas Franke die Hauptperson ist, wird nicht immer alles aus seiner Perspektive betrachtet. Wie im Film springen wir beim Lesen in kurzen Kapiteln von Szene zu Szene, von Kulisse zu Kulisse und von Person zu Person. Dieses doch etwas sprunghafte Erzählen hat gleich zu Beginn für ordentliches Tempo gesorgt. Für mich war dieser Erzählstil absolut neu und deshalb spannend zu betrachten. Schon bald habe ich jedoch festgestellt, dass der typische „Romancharakter“ dabei auf der Strecke geblieben ist - das „Schriftstellerische“, das „Erzählende“, der geschickte Umgang mit Wort und Sprache. Könnt ihr verstehen was ich meine? So habe ich mich nicht ganz so wohl, abgeholt und eingelullt wie bei den anderen Büchern von Arno Strobel gefühlt. Ein gewisser Lesefluss war natürlich aufgrund der actionreichen Story und der abwechslungsreichen Betrachtungsweisen vorhanden, aber komplett in dieses Buch versinken konnte ich nicht.
Bemerkenswert fand ich es jedoch, wie perfekt es Arno Strobel gelungen ist, die Serie in meinen Kopf zu transportieren. Obwohl ich keine einzige Szene gesehen habe, bleibt nach Zuschlagen des Buches das Gefühl, die Serie auf einem Flachbildschirm erlebt zu haben. Ich konnte mir Matthias Schweighöfer ganz wunderbar als Lukas Franke vorstellen und habe auch all die Handlungsorte „gesehen“. Hut ab vor dem Autor, der sich selbst komplett zurückgenommen hat, um die bereits existierende Geschichte zu erzählen.
Doch kann man eine Serie mit sechs Episoden auf 270 Seiten erzählen? Ja, durchaus! Dass hier aber nicht zu sehr in die Tiefe gegangen werden kann, dass Personen etwas blass bleiben und erklärende Hintergrundinfos fehlen, damit sollte man als Leser rechnen. Geboten wird ein spannendes Action-Kino-Erlebnis, das unterhalten und mitreißen kann, welches zugleich jedoch auch einige Fragen aufwirft und mich als Leserin in manch einem Kapitel verwirrt zurückgelassen hat. Der Drang, die Serie schauen zu wollen, ist nun übermächtig, zumal mich die Auflösung doch etwas überrascht, wenn nicht sogar überrumpelt hat.
Achtung! Passionierte LeserInnen, die ihre Nasen gern und häufig in Bücher stecken und es lieben, in spannende Geschichten abzutauchen, könnten von diesem Exemplar ziemlich enttäuscht sein. Im Vordergrund steht meines Erachtens ganz eindeutig die Serie mit all ihren dramatischen und actionreichen (teils ziemlich überzogenen/übertriebenen) Szenen, während die „Machart“ bzw. das „Handwerk“ in den Hintergrund rückt – sowohl im schriftstellerischen Sinne was die Geschichte betrifft, als auch im Sinne der Herstellung, was die Gestaltung des Buches anbelangt. Einem Bücherfreund wie mir bricht es das Herz, diese billige, unprofessionelle und lieblose Broschur in Händen zu halten. Kapitelnummerierungen stehen in mindestens zwei Fällen am Ende der Seite und die Qualität des Buchdeckels ist unterirdisch. Nach dem Lesen ist das Buch rein optisch bereit für die nächste Altpapiersammlung. Ein Bestsellerautor verpackt in einem POD – gruselig, traurig und ärgerlich zugleich.
Wenn ihr dieses Buch lesen möchtet, dann greift bitte lieber zum eBook (und das aus dem Munde einer Verfechterin von gedruckten Büchern!). Man kann „You are wanted“ durchaus gut lesen, verpasst aber nichts, wenn man lieber auf den nächsten „richtigen“ Strobel wartet. Für mich als Strobel- und Schweighöfer-Fan war der Griff zu „You are wanted“ natürlich ein MUSS. Schlussendlich habe ich diesen Griff auch nicht bereut. Dieser „etwas andere Strobel“ mit seiner für mich ungewohnten Erzählweise im Serien-Stil, war definitiv mal etwas anderes, wenn auch nicht mit seinen bisherigen Werken zu vergleichen. Wenn ihr also mit dem Gedanken spielt, einmal einen Strobel zu lesen (was ich euch dringend ans Herz legen möchte), dann schaut euch doch lieber seine anderen Bücher an, wie z.B. „Tiefe Narbe - Im Kopf des Mörders“, den Auftakt seiner neuen Krimi-Trilogie.

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Alles dreht sich

Rosemarie Eichinger
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 22.02.2013
ISBN 9783551520494
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Alles dreht sich“ von Rosemarie Eichinger hat mich magisch angezogen, als ich es in einem öffentlichen Bücherregal entdeckte. Das blaue Cover mit der verdrehten Schrift ist ein echter Blickfang. Neugierig griff ich zu. Der sehr kurze Klappentext verriet mir rein gar nichts über den Inhalt und trotzdem fesselte er mich sofort.
Als ich das Buch schließlich das erste Mal aufschlug, wurde ich direkt strudelartig in die Geschichte hineingezogen. Erst nach 50 Seiten konnte ich wieder auftauchen und meine ersten Erkenntnisse Revue passieren lassen. Linda ist 15 Jahre alt und erhält die niederschmetternde Diagnose: Hirntumor. Auf einer Parkbank vor dem Krankenhaus lernt sie Max kennen. Er überzeugt sie davon, dass sie gemeinsam eine Bucket-List erstellen sollen, mit lauter Dingen, die sie noch tun wollen, bevor sie sterben.
Sick-Lit ist seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ der Modebegriff für (Jugend-)Bücher, in denen Krankheiten thematisiert werden, meist mit einem ganz besonderen Charme und einer guten Portion lebensbejahendem Humor, ohne die Ernsthaftigkeit aus den Augen zu verlieren. Nach den ersten Seiten wollte ich „Alles dreht sich“ ebenfalls in diese Schublade stecken, doch kurz darauf überzeugte mich die Autorin Rosemarie Eichinger davon, dass ihre Geschichte in eine andere Richtung geht.
Doch auch sie geht mit Humor nicht sparsam um. Ihre jungen Protagonisten, in deren Köpfe ich mich einnisten durfte, sind unheimlich pfiffig und authentisch. Auf ausufernde Beschreibungen wird verzichtet, die Sätze sind kurz und sprunghaft wie Gedanken und trafen mich wie das Feuer eines Maschinengewehrs. Ich hatte keine Chance zu entkommen und klebte förmlich an den Seiten. Es fiel mir leicht mitzufühlen, denn Max, Linda und ihre beste Freundin Pia ließen mich ganz dicht ran. Verzweiflung, Wut, Trauer, Mut, Angst – all diese Gefühle wurden trotz weniger Worte deutlich. Besonders ansteckend war jedoch der Wille etwas zu erreichen, mit seinem Leben etwas anzufangen um schließlich in Erinnerung zu bleiben. Der Drang etwas zu tun, etwas zu bewegen und die Welt zu verändern kribbelte nach wenigen Seiten auch in mir. Schwupps nahm die Geschichte eine ganz unerwartete Richtung ein. Lindas Schicksal wird zwar nicht vergessen, jedoch legt Rosemarie Eichinger den Fokus auf etwas anderes.
Auf nur 200 Seiten kann die Autorin berühren, zu Tränen rühren, Mut zusprechen, aufwühlen und Gesellschaftskritik äußern. Ein gelungener Mix aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green und „Die Hässlichen“ von Melanie Vega, getragen von einem wahnsinnig tollen, außergewöhnlichen und mitreißenden Schreibstil, der die jungen Helden im Hier und Jetzt festtackert (selbst Situationen, die in der Vergangenheit stattfanden, werden ins Präsens befördert). Für mich war „Alles dreht sich“ eine absolute Überraschung. Leider ist dieser Titel nur noch als eBook erhältlich. Solltet ihr also zufällig in einem Bücherschrank oder in einer Mängelexemplar-Kiste auf ein Print-Exemplar stoßen, fackelt nicht lang, sondern greift beherzt zu.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Last Secrets - Das Geheimnis von Atlantis

Richard Dübell
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Baumhaus , 14.10.2016
ISBN 9783833904141
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Als ich Ende 2015 den ersten Band der neuen Kinderbuchreihe „Last Secrets“ entdeckte, war ich von Anfang an mächtig angetan von ihrer Grundidee. Vier Freunde machen sich mithilfe einer Zeitmaschine auf die Reise, um die letzten großen Geheimnisse der Menschheit zu lösen. So führte mich Band 1 nach Schottland ans berühmte Loch Ness. Ich begab mich mit den Zwillingen Fynn und Franzi, sowie ihren Freunden Lena und Cornelius auf Monsterjagd. Gibt es das Ungeheuer wirklich? Der Mix aus Fiktion und belegbaren Fakten gefiel mir sehr. Auch nach dem Lesen konnte ich der Geschichte nicht entfliehen und googelte mich durchs Internet. 
Mit großer Vorfreude habe ich dem zweiten Band entgegengefiebert, der mich in gewohnter Konstellation in ein weiteres Abenteuer schicken sollte. Dieses Mal fand ich mich auf der Insel Atlantis wieder, deren Untergang von den vier Freunden unter die Lupe genommen werden soll. Gab es Atlantis wirklich? Wo lag die sagenumwobene Insel und wie kam es zu ihrem spurlosen Verschwinden?
Auch wenn ich nach wie vor überzeugt von der Idee dieser Kinderbuchreihe bin, muss ich in dieser Besprechung meinen Unmut äußern. Ich bin enttäuscht, insbesondere von der sprachlichen Umsetzung. Richard Dübell machte sich mit historischen Romanen einen Namen und genau diese schriftstellerische Herkunft lässt sich in seinen Kinderbüchern nicht verstecken. Lange Sätze, viele Beschreibungen und eine emotionslose Ausdrucksweise erwecken den Anschein, als erzähle der Autor die Geschichte einem Erwachsenen und keinem Kind. Was hier im Fließtext fehlt, versucht er schließlich in den Dialogen wieder auszugleichen. Er legt seinen jungen Helden eine teils sehr rüde Sprache in den Mund und geizt hierbei nicht mit (Kraft-)Ausdrücken. An und für sich finde ich es gut, wenn Kinder in Büchern so sprechen wie sie eben sprechen, da dürfen dann auch mal ein paar Ausdrücke oder gar Schimpfwörter fallen. Es muss aber authentisch sein und darf nicht erzwungen wirken, wie in diesem Fall. Trotz der interessanten Geschichte, verlor ich die Lust am Lesen. Insbesondere Lena ging mir mit ihrer aggressiven Haltung und Ausdrucksweise ziemlich auf die Nerven. So wurde die eigentliche Handlung zur Nebensache und ich stolperte gefühlt immer häufiger über Formulierungen, die mir nicht gefielen.
Punkten konnte dieses Buch dann lediglich über das nette Gimmick, das die jungen Leserinnen und Leser am Ende erwartet. Neben einem Rätsel und weiterführenden Infos befindet sich auf der letzten Seite ein kleiner Umschlag, in dem ein Fisch aus Plastikfolie steckt. In Anlehnung an eine Szene aus der Geschichte soll dieser Fisch die Zukunft voraussagen können. Man legt ihn sich auf die Hand und beobachtet seine Bewegung. Zuckt die Schwanzflosse oder rollt sich der Fisch sogar ganz auf? Bleibt er ruhig liegen oder bewegt er nur den Kopf? Welche Bedeutungen diese Beobachtungen haben, kann man in der Erklärung nachlesen. Eine lustige Idee für die jungen Leserinnen und Leser, für die das das Buch zu einem Gesamterlebnis wird.
Trotz dieser netten Spielerei und den ansprechenden Illustrationen ist „Das Geheimnis von Atlantis“ in meiner Bewertung durchgefallen. Ich hatte mich so sehr auf diese Fortsetzung gefreut, umso enttäuschter bin ich jetzt. Wenn mir die Sprache und der Schreibstil den Spaß an der eigentlich sehr spannenden Geschichte vollkommen verderben, kann ich dieses Buch leider nicht weiterempfehlen.

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467 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 196 Rezensionen

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Die Wahrheit

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 29.08.2016
ISBN 9783442754922
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich bin immer noch ganz hin und weg von diesem atemberaubenden Psychothriller! Denn das tut er tatsächlich – er raubt einem den Atem. Mir blieb beim Lesen die Luft weg, eine Gänsehaut kroch mir den Rücken hinunter, mir liefen Schweißperlen über die Stirn und ich saß irgendwann aufrecht im Bett, weil die Spannung kaum noch auszuhalten war.
In ihrem zweiten Thriller erzählt Melanie Raabe, international gefeierter Shootingstar der deutschen Spannungsliteratur, Sarahs unglaubliche Geschichte. Von außen betrachtet führt die junge Frau ein perfektes Familienleben, welches von heut auf morgen aufgrund eines schweren Schicksalsschlags zerschlagen wird. Ihr Ehemann Philipp kehrt von einer Geschäftsreise nach Südamerika nicht zurück. Sieben Jahre lebt Sarah in Ungewissheit und kümmert sich allein um ihren kleinen Sohn. Sie gibt nie die Hoffnung auf, dass Philipp irgendwann wieder vor der Tür steht und lehnt vehement ab, ihn für tot erklären zu lassen. Doch sieben Jahre sind eine lange Zeit. Langsam beginnt sie nun doch damit, einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen und ihr Leben wieder zu leben, bis zu dem Tag, an dem sie einen erlösenden und völlig überraschenden Anruf erhält. Philipp lebt! Er sei seinen Entführern entkommen und wird in Kürze in Deutschland landen. Das Medieninteresse an diesem Wunder ist natürlich groß und so stehen nicht nur Sarah zusammen mit ihrem mittlerweile achtjährigen Sohn am Flughafen, sondern auch haufenweise Journalisten, Fotografen und Kamerateams, die die Ankunft des lang vermissten Familienvaters dokumentieren. Sarahs Herz schlägt bis zum Anschlag, als sich die Flugzeugtüren öffnen, erstarrt aber im nächsten Moment, denn der Mann, der da strahlend auf sie zuläuft, ist nicht Philipp…
Was für eine fantastische Basis. Sie hat so viel Potenzial, zu einer spannenden und nervenaufreibenden Geschichte ausgebaut zu werden und genau das hat Melanie Raabe mit Bravour getan. Sie ließ mich nicht nur in den ständig wirbelnden Strudel der Ereignisse eintauchen, nein, sie ließ mich auch alle Emotionen, die Sarah durchlebt, am eigenen Leib spüren. Die Autorin hat eine ganz besondere Gabe. Mit ihrem fesselnden und sich stets an die jeweilige Situation anpassenden Schreibstil hat sie mich direkt in die Geschichte entführt. Plötzlich lag ich nicht mehr in meinem gemütlichen Bett. Ich lief an Sarahs Seite um mein Leben, verbarrikadierte mich mit ihr in ihrem eigenen Haus und hatte das Gefühl, unsere Herzen sprängen uns gleich aus der Brust. Mal beschreibt Melanie Raabe sehr bildhaft, im nächsten Moment werden ihre Sätze kürzer, bestehen manchmal bloß aus einem Wort. Ich war und bin sehr beeindruckt, wie nah mir die Geschichte kam.
Ein Psychothriller, der völlig ohne Blut auskommt und mir doch das Fürchten gelehrt hat. Er funktioniert komplett auf der psychischen Linie, spielt mit seinen Lesern, lässt sie spekulieren und wirft schließlich doch alles wieder über den Haufen. Ich wusste nicht mehr, wem ich trauen kann und ob Sarah selbst nicht vielleicht die Verrückte ist. Wie ein Durstiger in der Wüste nach Wasser habe ich verzweifelt nach der Auflösung gelechzt. Als es dann soweit war, wurde ich mächtig überrascht, denn damit hätte ich, trotz Thriller-Erfahrung, nicht gerechnet.
Chapeau, Melanie Raabe, zum zweiten Mal! Ich bin schwer begeistert und möchte am liebsten allen Menschen „Die Wahrheit“ in die Hand drücken. Jeder, der diesen Psychothriller nicht gelesen hat, verpasst etwas! Eine großartige Story und ein packender Schreibstil machen dieses Buch zu einem Leseerlebnis der Spannungs-Extraklasse! Unbedingt mehr davon!

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163 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 55 Rezensionen

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Black Memory

Janet Clark
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.12.2016
ISBN 9783453418332
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fast vier Jahre mussten die Fans von Janet Clark auf einen neuen Erwachsenen-Thriller der Autorin warten. Obwohl die gebürtige Münchnerin in der Zwischenzeit nicht untätig war und neben einer vierteiligen Reihe auch zwei weitere Jugendbücher veröffentlicht hat, stieß ich einen Jubelschrei aus, als ich endlich ihren neuen Thriller, der Ende 2016 im Heyne Verlag erschienen ist, in der Hand hielt.

In "Black Memory" lässt Janet Clark ihre Protagonistin Clare gleich zu Beginn der Geschichte aus dem Meer vor der Indonesischen Küste fischen. Clare weiß jedoch weder wer sie ist noch warum sie ausgerechnet in Indonesien gefunden wurde. Die junge Ärztin scheint ihr Gedächtnis verloren zu haben. Wäre das nicht schon schlimm genug, muss sie kurz darauf erfahren, dass sie polizeilich gesucht wird. Sie soll ein Kind entführt haben, von dem nun jede Spur fehlt.

Ein großartiges Szenario, das jede Menge Potenzial birgt und mein Thrillerherz höher schlagen lassen hat. Als Leserin wusste ich genauso wenig wie Clare und stellte mir immer wieder die Frage, wem ich trauen kann und wem nicht. Hat Clare wirklich ein Kind entführt und wenn ja, warum? Was hat ihr eigenes Leben in London mit der Entführung zu tun und weshalb hat sie versucht, ihre Spuren zu verwischen? Wo ist das entführte Kind? Unheimlich geschickt wirft die Autorin neben neuen Ungereimtheiten und Fragen auch neue Figuren ins Rennen, die schnell zu Verdächtigen werden. Was ist mit Clares Mann oder ihrer besten Freundin? An beide kann sie sich nicht mehr erinnern. Wer spielt ein falsches Spiel? Und kann sie sich überhaupt selbst trauen?

Für mich war "Black Memory" ein fesselnder Pageturner mit mäßiger Spannung. Auch wenn ich meinem Bauchgefühl trauen durfte und im Endeffekt in meiner Vermutung bestätigt wurde, konnte mich die Geschichte immer wieder überraschen. Nicht unbedingt ein Thriller zum Nägelkauen, trotzdem unheimlich kurzweilig und flott zu lesen. Das eigentliche Thema, das sich erst später herauskristallisiert, fand ich sehr interessant und toll herausgearbeitet. Zwar wirft Janet Clark in einigen kurzen Abschnitten mit Fachbegriffen nur so um sich, was aber, in Anbetracht der Arbeit der Protagonistin, verständlich und authentisch ist. Diese Abschnitte halten sich in Grenzen und ließen meinen Lesefluss nicht wirklich ins Stocken geraten.

Gern lege ich euch "Black Memory" ans Herz, insbesondere wenn ihr keine geübten Thrillerleser seid und es lieber etwas ruhiger angehen lassen möchtet. "Black Memory" ist weder blut(rünstig) noch angsteinflößend. Das einzige, das passieren kann, ist dass man bereits ab der ersten Seite mitgerissen wird und alles andere um sich herum vergisst. Man möchte unbedingt wissen, was passiert ist, warum Clare ihr Gedächtnis verloren und was es mit der Kindesentführung auf sich hat. Erst wenn man am Ende das Buch zuschlägt kann man zufrieden aufatmen. "Black Memory" war mein Lesehighlight im Januar 2017 und ich hoffe, dass es noch viele andere Leserinnen und Leser begeistern wird!   

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275 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 59 Rezensionen

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Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Ulla Scheler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453270435
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Im Spätsommer 2016 ist mit "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" das Romandebüt der jungen Autorin Ulla Scheler erschienen. Ich weiß nicht, ob sie selbst die Betonung auf "jung" noch hören kann, doch auch ich möchte ihr Alter noch mal deutlich hervorheben, denn genau diese jugendliche Frische machte den Titel für mich zu einem absoluten Lesehighlight. Ich mag es, wenn sich Bücher aufgrund ihres Schreibstils von der Masse abheben können, wenn sich Autoren etwas trauen und eben nicht so schreiben, wie es sich vielleicht am bequemsten und flüssigsten lesen lässt.

Doch warum geht es denn eigentlich in diesem Buch? "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" lässt sich meiner Meinung nach nicht in ein vorgeschneidertes Korsett stecken. Jugendbuch? Young Adult? Liebesroman? Drama? Spannungsroman? Nicht wirklich und doch hat es von jedem etwas.

Hannah und Ben sind seit vielen Jahren die besten Freunde, dabei scheinen sie auf den ersten Blick so gar nicht zueinander zu passen. Hannah ist die Ruhige und Besonnene der beiden. Sie hat für alles einen Plan und meidet das Risiko, welches Ben wiederum ganz bewusst sucht. Graffitis sind seine Passion und gleichzeitig sein Sprachrohr. Ein Rebell, den eine besondere Aura umgibt.

Als ich den zwei Protagonisten das erste Mal begegnete, hatte sich ihre Freundschaft merklich verändert. Ben war von heut auf morgen, ohne ein Wort, verschwunden und nun, wie aus dem Nichts, wieder aufgetaucht, ganz so, als wäre er gar nicht weg gewesen. Die von Hannah so dringend benötigten Erklärungen bleiben aus und werden von einem außergewöhnlichen Geburtstagsgeschenk ersetzt.

Schließlich sind es die drei Worte "I dare you" (Ich fordere dich heraus), die die zwei wieder zueinanderfinden lassen. Hannah lässt sich auf einen Roadtrip ins Ungewisse ein, was eigentlich so gar nicht zu der Hannah passt, die sie am Tag zuvor noch gewesen ist. Doch sie muss herausfinden, was mit Ben los ist. Der gemeinsame Roadtrip führt sie ans Meer und an einen Ort, den eine mysteriöse Legende umspült. Unheilvoll, wie eine dunkle Gewitterwolke, scheint sie über den Köpfen von Hannah und Ben zu schweben. Ein heftiges Unwetter braut sich zusammen und plötzlich ist nichts mehr so, wie es mal war.
Die Geschichte allein klingt schon spannend und Ulla Scheler hat eine ganz eigene und bemerkenswerte Art, sie zu erzählen. Wie bereits zu Beginn erwähnt, hat mich der besondere, leicht außergewöhnliche Schreibstil mächtig beeindruckt. Ich weiß gar nicht, wie ich meine Empfindungen in Worte fassen kann, der Autorin jedoch scheint diese Geschichte ganz mühelos aus der Feder geflossen zu sein. Schon nach den ersten Seiten musste ich das Buch zur Seite legen, um mir besonders schöne Zitate aufzuschreiben. Mit einer Leichtigkeit malt Ulla Scheler farbenprächtige Bilder in die Köpfe ihrer Leserinnen und Leser, bedient sich dafür einer sehr bildhaften und leicht poetischen Sprache und lässt beschriebene Gefühle spürbar werden. Trotz des angenehm ruhigen Tempos sprudelt es immer wieder sehr lebhaft. Kurze, freche Sätze und Dialoge ließen mich näher an die Figuren heranrücken. Den für mich doch sehr überraschenden und ungewöhnlichen Mix aus zarter Melancholie, Poesie und jugendlicher Dynamik fand ich großartig.

Auch die Geschichte an sich war sehr lesenswert. Wenn man einmal in ihrem Sog gefangen ist, lässt sie einen so schnell nicht mehr los. Ein Buch über Emotionen, Selbstfindung, Ängste, Freiheit, übers Erwachsenwerden und so viel mehr, eindringlich, fesselnd und doch ohne jegliche Hektik zu lesen.

Über das Ende des Buches lässt sich streiten. Ich persönlich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht und kann verstehen, warum die ein oder andere Leserin enttäuscht oder gar unzufrieden ist. Auch wenn dieser Kritikpunkt nicht klein ist, ändert er an meiner Bewertung nichts. Für mich war "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" ein Lesehighlight, welches mir außergewöhnliche Lesestunden geschenkt und meine Lesezeit unheimlich bereichert hat. Ich bin überzeugt davon, dass wir in den nächsten Jahren noch viel von Ulla Scheler lesen werden. 


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838 Bibliotheken, 18 Leser, 4 Gruppen, 151 Rezensionen

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Rat der Neun - Gezeichnet

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis , Michaela Link
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei cbj, 17.01.2017
ISBN 9783570164983
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Kurzbeschreibung verrät bereits, dass wir es dieses Mal nicht mit einer typischen Dystopie zu tun bekommen. Doch was genau ist "Rat der Neun" eigentlich? Welches Genre sollte man ihm zuordnen? In welche Abteilung einer Buchhandlung kann man den Roman einsortieren?

Ich bin der Meinung, dass sich die Unterhaltungsliteratur immer mehr vom typischen Schubladen-Genre-Denken verabschiedet - und das ist auch gut so. Jugendbuch? Fantasy? Young Adult? Dystopie? Science Fiction? All Age? Liebesroman? Bei all den Bezeichnungen kann man schnell den Überblick verlieren. Wäre es nicht viel schöner, wenn man einfach die Geschichten sprechen lassen würde? Ganz ohne Schublade oder vorgegebenen Rahmen?

Aber zurück zum Roman und zu Veronica Roths neuer Geschichte. Tatsächlich kann und möchte ich ihn nicht in die EINE Schublade legen, denn in "Rat der Neun" steckt mehr als bloß Fantasy oder bloß Sci-Fi.

Für mich als geübte Contemporary- und ungeübte Fantasy-Leserin gestalteten sich die ersten 200 Seiten als kleine Herausforderung. Ich bekam es nicht nur mit einer völlig neuen Welt zu tun, sondern mit einer ganzen Galaxie. Und wäre das sehr ungewohnte Setting nicht schon beeindruckend und mächtig genug, prasselten gleich zu Beginn einige ausgefallene Namen auf mich ein, die ich wohl niemals korrekt aussprechen können werde. In den ersten Kapiteln musste ich immer wieder kurz zurückblättern um nachzusehen, ob Eijeh nun der Bruder, die Freundin, der Vater oder doch die Mutter von Akos ist.

Im 1. Teil und somit auf den ersten knapp 50 Seiten lernte ich Akos, seine Familie, sein Volk und seinen Heimatplaneten Thuvhee kennen. Ich flog mit einem Gleiter, bestaunte Eisblumen, nahm an einer Zeremonie teil und schnappte die Wörter Lebensgabe und Schicksal auf, bis sich die Ereignisse mit einem Mal überschlugen. Akos Familie wird brutal überfallen und er, zusammen mit seinem Bruder, entführt.

Der 2. Teil ist der zweiten Protagonistin gewidmet. Cyra wächst in einem ganz anderen Umfeld auf als Akos. Schon früh lernt sie, welche Macht ihre Familie hat und dass die Narben, die den Arm ihres Bruder zieren, nicht von ungestümen Raufereien oder Spielen im Unterholz stammen, sondern die Anzahl seiner Opfer skizzieren.
So langsam begriff ich schließlich auch, was es mit einer so genannten "Lebensgabe" auf sich hat. Den Begriff hatte ich bereits im ersten Teil aufgeschnappt, jedoch noch nicht ganz einordnen können. Jeder Mensch verfügt über eine Lebensgabe. Cyras Gabe ist mehr Fluch als Segen. Sie verspürt starke Schmerzen, kann aber auch anderen, durch bloßes Handauflegen, eben solche Schmerzen zufügen.

Beide Protagonisten fand ich von Anfang an spannend. Akos machte mich aufgrund seiner ruhigen, überlegten und doch emotionalen Art neugierig und bei Cyra wollte ich unbedingt hinter die Fassade schauen. Auch wenn sie mir nicht so sympathisch erschien wie Akos, stachelte sie mich sogar noch ein bisschen mehr an.

Natürlich treffen die zwei Protagonisten schon bald aufeinander und es entsteht eine Abhängigkeit. Worin diese Abhängigkeit besteht, das verrate ich euch nicht. Viel schöner ist es doch, wenn ihr es selbst herausfindet. Cyra braucht Akos und Akos braucht Cyra, doch sind beide Absichten miteinander kombinierbar? Spielt einer der beiden vielleicht ein falsches Spiel?

Es geht um Vertrauen, Macht, Angst, Intrigen, Verrat, Gefühle, Träume, Gewalt, Krieg, Eroberung, Glaube, Verlust, Ausbruch und Hoffnung. Macht euch auf eine gewaltige Geschichte gefasst und nehmt euch ausreichend Zeit, um in diese neue Galaxie einzutauchen. Ich muss sagen, dass mich die 600 Seiten aus meiner Comfort-Reading-Zone herauskatapultiert haben. Auch wenn mir das Lesen nicht leicht fiel und ich stellenweise kurz vorm Aufgeben war, konnte mich die Geschichte beeindrucken.

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Scary Harry - Hier scheiden sich die Geister

Sonja Kaiblinger , Robert Missler
Audio CD
Erschienen bei Jumbo, 23.09.2016
ISBN 9783833736179
Genre: Kinderbuch

Rezension:

 Ich liebe die Kinderbuchreihe "Scary Harry" der österreichischen Autorin Sonja Kaiblinger. Ihre Charaktere sind sowohl liebenswert als auch ziemlich skurril. Ihr Humor ist unschlagbar und macht die Reihe unheimlich lesenswert. Bisher habe ich die Bücher nur gelesen, nun habe ich mir den aktuellsten Titel angehört.

Gelesen wird "Hier scheiden sich die Geister" von Robert Missler, der Stimme von Grobi aus der Sesamstraße. Bei vertonten Kinderbüchern finde ich es besonders wichtig, dass der Sprecher in die verschiedenen Rollen schlüpfen kann und jeder Figur eine eigene Stimme verleiht. Bei "Scary Harry" konnte Robert Missler absolut aus den Vollen schöpfen. Mir hat es sehr gefallen, wie er die einzelnen Charakterzüge der Protagonisten stimmlich unterstrichen oder noch deutlicher hervorgekitzelt hat. Die vorlaute Halbgeister-Fledermaus Vincent hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht - ich liebe dieses kleine Kerlchen! Aber auch Harolds Stimme war großartig.

Wie gewohnt war auch diese Geschichte aus dem Radieschenweg sehr kurzweilig und stellenweise sogar richtig gruselig. Wie feiert ein echter Sensenmann Halloween? Warum hat Harold plötzlich Diesseitsverbot und wird es Otto gelingen, über die Schneekugel Kontakt zu seinen verschwundenen Eltern aufzunehmen? Meiner Meining nach sind die "Scary Harry"-Bücher nicht nur ein großer Lesespaß für die Kleinen, sondern auch für alle anderen Fans von kurzweiligen Geistergeschichten. Ich werde zukünftig nur noch zu den Hörbüchern dieser Reihe greifen, denn mir hat diese Vertonung wirklich ganz besonders gut gefallen.

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Dschihad Online

Morton Rhue , Aleksandar Radenkovic
Audio CD
Erschienen bei Jumbo, 23.09.2016
ISBN 9783833736568
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auch wenn mich die Kurzbeschreibung sehr neugierig gemacht hat, war sie nicht der ausschlaggebende Grund für meine Entscheidung, dieses Hörbuch unbedingt hören zu wollen, sondern der Hörbuchsprecher. Seit seinen gelesenen Parts in Monika Feths berühmter "Erdbeerpflücker"-Reihe, mit denen er mir Gänsehaut beschert hat, bin ich ein großer Fan von Aleksandar Radenković. Klar, dass ich es kaum erwarten konnte, ihm nun über ein komplettes Hörbuch zu lauschen. In "Dschihad Online" geht es um die zwei Brüder Amir und Khalil, die serbische Wurzeln haben, jedoch seit vielen Jahren in den USA leben bzw. - in Khalils Fall - sogar in den Staaten geboren wurden. Morton Rhue zeigt erschreckend authentisch und nachvollziehbar, wie schnell es gehen kann, dass junge Menschen in den radikalen Islam abgleiten. Was sind ihre Beweggründe? Welchen Einfluss hat ihr Umfeld auf sie?

Mir ging die Geschichte von Khalil und seinem Bruder unter die Haut - vorgelesen von Aleksandar Radenković sicher noch mehr, als hätte ich selbst durch die Seiten geblättert. Doch egal ob als Printbuch oder eben als Hörbuch, meiner Meinung nach ist dieser Titel mehr als aktuell , brisant und wichtig, nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Morton Rhue schaut genau hin, malt nicht nur schwarz und weiß oder Gut und Böse. Er versucht zu verstehen und die Gefahr von äußeren Einflüssen aufzuzeigen. Ein wichtiger Titel und ein eindringlich sowie unheimlich authentisch gesprochenes Hörbuch!

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Neuschnee

Ingrid Olsson , Cordula Setsman
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 02.09.2016
ISBN 9783958540675
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wer "Neuschnee" aufschlägt, wird bereits beim flüchtigen Durchblättern feststellen, dass es sich hierbei um ein außergewöhnliches Buch handelt. Die schwedische Autorin Ingrid Olsson erzählt insgesamt acht Kurzgeschichten. Ihr gelingt es mit nur wenigen Worten Emotionen zu transportieren und eine Intensität herzustellen, die man in manch dickem Wälzer vergeblich sucht.

Ich war sehr überrascht als ich feststellte, dass jede Seite lediglich mit einem kurzen Absatz beschrieben ist und ansonsten leer gelassen wurde. Dass ich es hier mit Kurzgeschichten zu tun bekäme, war mir durchaus klar, doch dass diese SO kurz ausfielen, damit hatte ich nicht gerechnet.

Anhand der acht Geschichten erhalten wir kurze Einblicke in die Leben von acht Jugendlichen. Wir erfahren von ihren Ängsten, ihren Problemen, ihren Zweifeln und ihren Gefühlen - und das auf eine sehr eindringliche Art und Weise, die mich ziemlich beeindruckt hat. Da die Kurzgeschichten wirklich sehr kurz sind, möchte ich auf die einzelnen Themen und Geschichten gar nicht näher eingehen. Sie sind alle unterschiedlich und haben doch eine Gemeinsamkeit: ihre Authentizität. Sie sind weder aus der Luft gegriffen noch völlig fremd.

Mir haben sowohl der Stil als auch der Aufbau des Buches gefallen. Außergewöhnlich, sehr kompakt und doch sehr flüssig zu lesen. Trotz ihrer Kürze sind mir einige Geschichten im Kopf geblieben, auch wenn sie nicht unbedingt einen Nachhall verursacht haben.

Ob man jetzt für so wenig Text so viel ausgeben sollte? Ist der Preis von 12,90 Euro für dieses Buch gerechtfertigt? Ich bin der Meinung, dass "Neuschnee" ein besonderes Buch ist, das im Speziellen Vielleser überzeugen und vielleicht sogar begeistern wird. Es eignet sich prima als Geschenk an Bücherfreunde, die das Wort zu schätzen wissen und sich von diesem doch etwas außergewöhnlichen Leseerlebnis nicht abschrecken sondern inspirieren lassen.

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

kommissarin, krimi, metalband, mord, multiple persönlichkeit, regionalkrimi, satanismus, satanisten, satanskult, sekte, spannung, stuttgart, suizid, tragödie, verena sander

Scherbenkind

Britt Reißmann
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 08.08.2016
ISBN 9783453358744
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bereits der Prolog hat es ordentlich in sich und fungiert eindeutig als Magnet, der den Leser packt und tiefer ins Buch zieht. Ein junges Mädchen entscheidet sich für den eigenen Freitod - das geht unter die Haut und verursachte bei mir direkt eine Gänsehaut. Auch wenn wir im Prolog noch nicht so viele Informationen erhalten, war mir sofort klar, dass hier etwas nicht stimmen kann. Das Mädchen wirkte auf mich nicht emotional aufgewühlt oder verzweifelt. Trotzdem handelte es ganz und gar entschlossen.

Protagonistin dieser Krimireihe ist die Hauptkommissarin Verena Sander, die in "Scherbenkind" in ihrem zweiten Fall ermittelt. Ich erfuhr, dass sie alleinerziehende Mutter ist und große Diskrepanzen mit dem Staatsanwalt hat, der ihr nicht nur in ihrem ersten, sondern auch in ihrem zweitem Fall die Arbeit schwer macht. Ich war sehr froh darüber, dass die Autorin keine total kaputte und vom Leben gebeutelte Kommissarin ermitteln lässt, wie man es aus vielen anderen Krimis kennt. Natürlich hat auch Verena ihre Probleme, z.B. mit dem Verhältnis zu ihrer pubertierenden Tochter, aber sie halten sich in Grenzen und scheinen aus dem normalen Alltag gegriffen. So fiel es mir leicht, mich in ihre Lage hineinzuversetzen und ihre Gedanken und Handlungen nachzuvollziehen.

In "Scherbenkind" wird sie mit einem Thema konfrontiert von dessen Ausmaße und Bedeutung sie zu Beginn der Ermittlungen noch nicht viel ahnt - ganz im Gegenteil zu mir. Als Leserin wurde mir schon sehr frühzeitig aufgezeigt, womit es Verena Sander zu tun bekommt. Anfangs hat es mich etwas gewundert, weil ich diesen Aufbau so nicht gewohnt war. Meist ist es doch so, dass der Leser ebenso lang im Dunkeln tappt wie die Ermittler. In diesem Fall bekam ich einen Wissensvorsprung und konnte mich fast von Anfang an mit dem besonderen psychischen Krankheitsbild, das hier thematisiert wird, auseinandersetzen. Aufgrund der frühen Aufklärung geht natürlich ein Stück weit die Spannung verloren. Nervenkitzel findet man in diesem Krimi wenig, doch trotzdem hat er einen enormen Sog auf mich ausgeübt. Das Thema war unheimlich interessant und ich fand es toll, die Ermittlungsarbeit zu begleiten. So blieb ich dran und konnte die Lesezeit, trotz grausamer Erkenntnisse, sehr genießen.

Mir hat es gefallen, dass ich es in diesem Krimi nicht mit einer Kommissarin zu tun bekam, die sich unüberlegt und leichtsinnig in einem Alleingang selbst in Gefahr bringt. Die Ermittlungsarbeit sowie das besondere Thema, um das es hier geht, stehen ganz klar im Fokus. Da dieses Thema in der Kurzbeschreibung nicht erwähnt wird, obwohl es bereits auf den ersten Seiten zur Sprache kommt, werde auch ich es in dieser Rezension nicht beim Namen nennen.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf den regionalen Bezug zu sprechen kommen, der mich beim Lesen wirklich sehr unterhalten hat. Immer wieder bin ich an mir bekannten Orten vorbeigefahren, habe im Grand Café Planie, in dem wir mit unserem Bücherstammtisch auch schon einige Male zu Gast waren, einen Cappuccino getrunken, mich durch das bekannte Stuttgarter Verkehrschaos gekämpft, einen Blick in die nahe gelegenen Weinberge geworfen und mich über die doofe Ampelschaltung am Pragsattel oder die nervigen S21-Demonstranten aufgeregt. Auch wenn Stuttgart weitaus mehr als das zu bieten hat, habe ich mich tatsächlich ein bisschen heimelig gefühlt und die vielen ortsbezogenen Anspielungen genossen, wie den Biss in eine noch warme Butterbrezel.

Ein wirklich toller Krimi, der ein spannendes und unheimlich interessantes aber auch ebenso erschütterndes Thema behandelt. Es muss nicht immer ein rasanter, actionreicher Plot sein, der einen ans Buch fesselt, auch die ruhigeren Töne können dies schaffen, in diesem Fall sogar mit Bravour. Ein besonderes Schmankerl waren für mich der regionale Bezug aber auch die interessanten Einblicke in die Arbeit der Kriminalpolizei, die uns die Autorin, welche selbst in diesem Bereich arbeitet, aus erster Hand ermöglicht. Eine glasklare Leseempfehlung von mir - ich freue mich schon auf den nächsten Fall der Stuttgarter Kommissarin!

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