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fantasy, maggie stiefvater, liebe, jugendbuch, magie

Wen der Rabe ruft

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 09.10.2013
ISBN 9783839001530
Genre: Jugendbuch

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Der Fledermausmann

Jo Nesbø , Günther Frauenlob , Uve Teschner
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei TIDE exklusiv, 13.11.2017
ISBN 9783844917079
Genre: Krimi und Thriller

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schottland, zeitreise, outlander, frankreich, diana gabaldon

Outlander - Die geliehene Zeit

Diana Gabaldon ,
Flexibler Einband: 1.232 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2015
ISBN 9783426518106
Genre: Historische Romane

Rezension:

Outlander - Die geliehene Zeit (Bd. 2)

Autor: Diana Gabaldon
Genre: Historisch, Abenteuer
Erschienen: 2. November 2015
Seiten: 1232
Einband: Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-51810-6
Preis: 16,99€ [Print] | 12,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥♥

INHALT

"Schottland, 1968: 20 Jahre nachdem Claire Randall aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist, bringt sie ihre Tochter Brianna in die Highlands, denn Brianna soll endlich das Land ihres Vaters kennenlernen. Claire will außerdem die Antwort auf eine Frage finden, die sie seit über 20 Jahren quält: Konnte ihre große Liebe Jamie Fraser die schreckliche Schlacht von Culloden überleben?" - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥♥

Wer meine  Rezension zu Band 1 gelesen hat, der wird wissen, dass ich von seiner Aufmachung nicht allzu begeistert bin: Es ist super schlicht gehalten, was die Farbe zum Hauptmotiv des Covers werden lässt. Dabei sind die leicht aus dem Cover herauskommenden Verzierungen und die aufgedruckte Buchschnalle das einzig Besondere an dem 1200-Seiten-Wälzer, den ich so unter Umständen vermutlich nicht einmal in die Hand genommen hätte, wüsste ich nicht bereits um die Genialität des Inhalts. Das aufdringliche Orange, das den zweiten Band vom ersten unterscheidet, lindert meinen Unmut dabei leider nicht im geringsten. Im Gegensatz zum milden Himmelblau des ersten Bands, fehlt der unnatürlichen Farbe irgendwie die mysteriöse Zurückhaltung. Andererseits, und da bin ich ebenfalls ehrlich, wüsste ich auch nicht, wie sich ein so umfangreiches Buch wie dieses - und jedes weitere der Reihe - gebührend in einem einzigen Cover zusammenfassen ließe. Die Wahl eines schlichten, hübschen Covers mit historisch anmutender Buchschnalle scheint mir daher nach Monaten, die ich mit dem Buch verbracht habe, die richtige zu sein. Bloß die Farbe hätte meiner Meinung nach ruhig etwas weniger grell und unnatürlich ausfallen können.

CHARAKTERE ♥♥♥♥♥

Claire Randall Fraser: Claire ist nach wie vor eine der stärksten, spannendsten und zugleich lebendigsten Frauenfiguren unserer Zeit. Mit dem Scharfsinn und der Stärke einer intelligenten, emanzipierten Frau, wie sie ihrer Zeit (und damit meine ich wortwörtlich ihrer Zeit 1945) um einiges Voraus ist, manövriert sie wie selbstverständlich zwischen den politischen Intrigen und blutigen Ausschreitungen eines Europas im 1800 Jahrhundert - egal ob am Hofe des französischen Königs Ludwig XV. in Paris oder im Matsch zwischen Horden von ungewaschenen Highlandern, Claire bewahrt stets Ruhe, weiß immer Rat und und tut stets was sie kann, um ihre Lieben zu schützen oder zu unterstützen. Und dabei ist sie keineswegs perfekt. Sie begeht sehr wohl Fehler, die ihr im Laufe des Buches äußerst teuer zu stehen kommen. Vermittelt aus ihrer Perspektive erleben wir die Abenteuer von Claire und ihrem Mann im zweiten Band mindestens genauso hautnah, wie noch im ersten - unser Wissensstand ist stets der selbe wie der unserer Protagonistin, wodurch wir gezwungen werden, Intrigen und Erkenntnisse zeitgleich mit ihr zu erfahren, zu verarbeiten und weiterzudenken. Es ist eine Freude, einen so unerschütterlichen Geist wie Claire über tausende von Seiten zu begleiten, mit ihr zu rätseln, zu lieben, zu trauern und jede Gefühlsregung so wahrzunehmen, als sei sie die eigene. Gleichzeitig kann man von ihr unfassbar viel lernen, denn nicht selten unterscheidet sich ihre Reaktion von der eigenen dadurch, dass sie oftmals viel bedachter, viel erwachsener handelt, als man selbst in einer solchen Stresssituation vielleicht gehandelt hätte. "Was würde Claire Fraser tun?" erscheint mir im Hinblick auf eine so wunderbare und vorbildhafte Frauenfigur wie Claire als ein durchaus legitimes Lebensmotto! :)

James 'Jaime' McKenzie Fraser: Wer glaubt, dass ich in Hinblick auf Claire schon zu sehr ins schwärmen geraten bin, der sollte diesen Teil möglicherweise überspringen: Was gibt es über Jaime Fraser mehr zu sagen, als dass er ein absolut unrealistisches, viel zu perfektes Männerbild suggeriert, das einem im Leben nichts anderes als falsche Hoffnungen machen kann? Nein, mal im Ernst - Jaime ist einfach ... Jaime. Er entspricht nicht nur äußerlich den feuchten Träumen einer jeden Frau (hochgewachsen, breitschultrig, hünenhaft, muskulös, rothaarig, blauäugig, hübsch, stark, kampferprobt, ...), er besitzt auch einen beinahe makellosen Charakter. Er ist wild, entschlossen, stark, scharfsinnig, humorvoll, kindlich, manchmal etwas hilflos naiv, folgt jedoch immer seinem unanfechtbaren Moralkodex ... ist ja gut, Jaime ist einfach perfekt. Und während ich mich in anderen Büchern oftmals darüber aufrege, so kann ich nicht anders, als ihn dafür zu lieben. Bei Diana Gabaldon heißt perfekt nämlich nicht zwangsläufig makellos. Jaime kann nicht alles, er weiß nicht alles und er begeht, genau wie Claire, Fehler, die ihm den Kopf kosten können. Obwohl er wie der wahrgewordene Traum erscheint, bleibt er in seinem Charakter stets menschlich, nachvollziehbar und angreifbar, er wirkt lebendig, wie eine Figur, die es so tatsächlich einmal gegeben haben könnte. Diese Gratwanderung ist es, die Diana Gabaldons Romane so erfolgreich machen: Ihre perfekten Charaktere sind nicht unerreichbar und übermenschlich, sondern vermitteln das Gefühl, realistisch und echt zu sein, so als bestünde die Hoffnung, einem Jaime oder einer Claire irgendwann einmal zufällig auf der Straße zu begegnen. Der zweite Band vermittelt dieses Gefühl sogar noch wesentlich mehr, als es der erste getan hat.

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥

Diana Gabaldon bleibt ihrem Schreibstil im zweiten Band mehr als nur treu. Ich habe selten ein Buch lesen dürfen, das so detailliert geschrieben und dabei so feingliedrig durchdacht ist. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele hundert Stunden die Autorin damit verbracht haben muss, all diese kleinen historischen Details rund um Heilkunde, Kräuterkunde, Kriegskunst oder Kochkunst des 18. Jahrhunderts in Frankreich und Schottland zusammenzusammeln und unbemerkt in ihren Roman einflechten zu lassen. Sicher, viele dieser Details könnte sie sich auch ausgedacht haben, dafür erscheinen sie mir jedoch zu durchdacht und gleichermaßen realistisch. Beantworten kann dies nur ein Experte in Sachen schottischer bzw. französischer Geschichte - und da ich ein solcher nicht bin, vertraue ich auf meinen gesunden Menschenverstand und das Know-How, das ein Autor bzw. eine Autorin mitbringen muss, die sich selbst aufbürdet, einen so detaillierten historischen Roman zu verfassen. Zugegebenermaßen war es mir an Detailbeschreibungen in diesem Band manchmal um einiges zu viel - gerade in den Passagen, in denen Claire von den wahren Geschehnissen abgeschnitten bleibt, eben weil sie nur eine Frau ist, und stattdessen Bankette besucht oder grausige Wunden behandelt, waren voll von interessanten, aber Reiz überflutenden Informationen, die die Handlung nicht so recht weiterbrachten. In diesem Fall wirkte die Perspektive, die bis auf die Anfangs- und Endkapitel ausschließlich auf Claire festgesetzt ist, einschränkend für die Leseerfahrung. Viel lieber hätte ich mehr über die Verhandlungen und Gespräche erfahren, die Jaime  in dieser Zeit geführt hat. Der hohe Detailgrad führte bei mir auch dazu, dass ich regelmäßig ermüdete, weil sich die eigentliche, die spannende Handlung so sehr in die Länge zog. Ein Jahr habe ich gebraucht, um die 1200 Seiten hinter mich zu bringen - und es hat sich definitiv gelohnt. Einfach zu lesen war es für mich jedoch nicht immer.

HANDLUNG ♥♥♥♥

Durch diese wahrlich große Leistung sehr detaillierter Beschreibungen zog sich die Handlung eben phasenweise um einiges in die Länge. Besonders Anfang und Ende sowie einige Passagen in Paris sind zum Teil sogar fürchterlich anstrengend, dass ich das Buch zum Teil mehrere Wochen weglegen musste, bevor ich es wieder in die Hand nahm. Die einzelnen Handlungsstränge, die parallel zur Haupthandlung ablaufen, sind so verworren und an so viele einzelne Namen geknüpft, dass es nicht ungewöhnlich ist, vieles nicht gleich beim ersten Lesen miteinander in Verbindung zu bringen. Gerade in Bezug auf die Pariser Intrigenschmiede eröffnet sich einem vieles erst beim zweiten Mal lesen, da bin ich mir relativ sicher. Die Handlung, der Plot, ist daher zwar in zwei bis drei Sätzen zusammengefasst (Claire und Jaime reisen nach Paris, um Bonnie Prince Charlie aufzuhalten), das gesamte Ausmaß der 1200 Seiten lässt sich jedoch nur schwer Revue passieren, ist wirr, durcheinander und von vielen Reisen, vielen Rückschlägen, vielen Abstechern, Umwegen und Gefahren geprägt. Und das ist mindestens genauso anstrengend, wie es sich jetzt gerade anhört. Hätten wir es jedoch mit einer einfachen, linearen Handlung zu tun, die ohne Umschweife auf 400 Seiten erzählt würde, so würde doch etwas fehlen. Der hohe Detailgrad, die zeitnahe, verworrene Erzählung und die hundertfachen Schleifen, die die die Handlung dreht führen erst zu der unfassbaren Nähe, die man zu den Charakteren und ihren Schicksalen erfährt. Mit Abschluss des Buches fühlt sich der Leser letztlich dann so erschöpft und durch die Mangel genommen, als hätte er das Chaos des Krieges und die Irrfahrten von Jaime und Claire am eigenen Leib erfahren.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥

Alles in allem hat mir der zweite Band der Outlander-Saga nicht ganz so gut gefallen, wie der erste. Dies lag hauptsächlich daran, dass der Detailgrad, die Verworrenheit und die kleinteiligen Beschreibungen für mich einfach ein bisschen zuviel an "Zuviel" waren. Während ich mit Claire also im politischen Sumpf am französischen Hof feststeckte, wollte ich mit ihr eigentlich viel lieber zurück nach Schottland. Die vielen hundert Namen und Gesichter, die ich mit genausten Beschreibungen während des Lesens kennengelernt habe, hatte ich nach den nächsten dreißig Seiten bereits wieder vergessen - und nur ein paar wenige sind mir letztlich im Gedächtnis geblieben. Doch alles hat seine guten und schlechten Seiten: So wäre Outlander ohne Diana Gabaldons außergewöhnlichen Schreibstil nicht Outlander. Es würde sich nicht so anfühlen, als stecke man mitten im Geschehen und als erlebe man alles hautnah mit, würde sie nicht so unfassbar viel Zeit in Gefühle, Gesichter und Beschreibungen stecken. Claire, Jaime, Charles und all die anderen Charaktere, die wir im Verlauf des Buches kennenlernen, würden sich nicht so unfassbar echt und lebendig anfühlen, wenn nicht durch die Kunst der Autorin, alles lebensgenau beschreiben zu können. Auch wenn das Buch meiner Meinung nach seine Längen hatte, so war der Großteil doch so spannend, atemberaubend, leidenschaftlich und dramatisch, wie ich es noch aus dem ersten Band großteils gewohnt war. Und nachdem es bereits 8 Bände der Outlander-Saga gibt, habe ich noch lange nicht das Gefühl, genug von Jaime und Claire zu haben. Nach der großen Anstrengung, die mich dieses Buch gekostet hat, werde ich jedoch erstmal eine kleine Pause brauchen, bevor ich mich erneut in die Gesellschaft der Sassenach und ihren Highlandern begebe. 


Spannung 
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥♥
Action 

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drachen, fantasy, iskari, kristen ciccarelli, liebe

Iskari - Der Sturm naht

Kristen Ciccarelli , Astrid Finke
Fester Einband
Erschienen bei Heyne, 02.10.2017
ISBN 9783453271234
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Iskari - Der Sturm naht (1)

Autor: Kristen Ciccarelli
Genre: Fantasy, Romance, Jugendbuch
Erschienen: 02.10.2017
Seiten: 582
Einband: Hardcover
Verlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3-453-27123-4
Preis: 16,99€ [DE] | 17,50€ [A]

Rating: ♥♥♥♥


INHALT

"Als kleines Kind lockte Asha einst Kozu herbei, den mächtigsten aller Drachen. Er gab vor, ihr Freund zu sein, doch dann flog er auf und vernichtete mit seinen mörderischen Flammen Ashas Heimatstadt. Um die unverzeihliche Schuld, die sie damit auf sich geladen hat, zu sühnen, ist sie eine Iskari geworden, eine Drachentöterin – die beste und mutigste. Doch ihre größte Prüfung steht noch bevor. Denn ihr Vater, der König, stellt ihr ein schreckliches Ultimatum. Entweder befreit sie das Land endgültig von Kozu – oder sie muss den ihr verhassten Jarek heiraten. Aber Kozu ist unbesiegbar, der Kampf mit ihm selbst für eine Iskari viel zu schwer. Doch Asha ist nicht allein, denn plötzlich stellt sich jemand an ihre Seite. Jemand, der sie noch nicht einmal ansehen dürfte: Torwin, der geheimnisvolle Sklave Jareks …" - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥♥

Das Cover von "Iskari - Der Sturm naht" ist unglaublich schön. Als ich das letzte Mal durch meinen Stammbuchladen schwadronierte, fiel mir dieses Buch unter all den Neuerscheinungen am meisten auf. Die schönen, vollen Lippen einer jungen Frau sind hier in geradezu erotischer Weise an ein großes, äußerst scharf aussehendes Messer gepresst. Während die gesamte Komposition in ein elegantes Grau getaucht ist, ist die Haut des Mädchens mit hübschem goldenen Staub versehen, der die selbe Farbe trägt, wie der Titel. Kennt man das Buch, wird einem schnell auffallen, wie stark das Cover die Geschehnisse des Romans widerspiegeln ohne dem unwissenden Leser das Lesevergnügen zu verderben. Mir wäre dieses Cover durchaus vier Herzen wert, hätte ich nicht das originale Cover der englischen Version gesehen. Dort trägt das Mädchen ein ganz anderes Messer an den Lippen - ein hübsches, zweischneidiges und ornamentiertes Messer, das stärker an den Orient erinnert, als das der aktuellen deutschen Ausgabe. Ich nehme an, dass man hierzulande Probleme mit dem Copyright bekam. Bedauerlicherweise hat man keinen allzu schönen Ersatz gefunden, denn dieses Messer erinnert bloß an ein langweiliges, einfarbiges Fleischermesser, wie man es in deutschen Küchen nur allzu oft findet - nicht aber an die Waffe einer orientalischen Kriegerin. Auch wenn die Komposition an sich stimmig ist, muss ich hierfür einen Punkt Abzug geben.

CHARAKTERE ♥♥♥

Asha: Ich gebe zu - ich mochte Asha gerade zu Beginn des Buches kein Bisschen. Als Iskari hat sie in ihrem Leben eine schwere Bürde zu tragen, die sich nicht nur als Narben auf ihrer Haut, sondern auch in der Interaktion mit anderen Charakteren zu erkennen gibt. Und auch wenn ich die psychologisch gut hergeleitete Begründung für ihr kühles Verhalten und unnahbares Geplänkel gut nachvollziehen kann, ging sie mir die meiste Zeit einfach auf die Nerven. Es war einfach viel zu früh bereits abzusehen, dass sich hinter ihrer harten Schale ein viel zu weicher Kern befindet. Ich habe ihr die starke Kriegerin, die unnahbare Prizessin, einfach von Anfang an nicht abgenommen. Sie schafft es weder, Drachen zu erlegen, ohne dabei fast in Ohnmacht zu fallen, noch weiß sie sich gegen ihre männlich bestimmte Familie zu behaupten. Sie ist von Anfang bis Ende des Romans ein Spielball männlicher Interessen, schwört, die stärkste und beängstigendste Drachentöterin zu sein und kuscht dennoch vor ihrem fanatischen Verlobten, der sie für nicht viel mehr hält, als ein hübsches Stück Fleisch. Asha schafft es nicht, auf den Tisch zu hauen und sich aus eigener Kraft aus ihrer misslichen, unterdrückten Lage zu befreien - sie braucht einen (zugegebenermaßen hinreißenden) Mann dafür. Und selbst für dessen wahre Worte ist sie bis zum Schluss blind. Was ich wahnsinnig schade finde, denn in der Danksagung des Buches behauptet die Autorin, ihr Leben lang von starken Frauenfiguren in Film und Buch inspiriert worden zu sein Prinzessin Mononoke, Éowyn, Mulan, Xena... Ich erkenne keine dieser Figuren in Asha wieder. Ihre aufgesetzte Art, ihr durchdringendes Selbstmitleid und ihre leicht zu manipulierenden Gedanken waren einfach zu präsent, um in mir als Leserin irgendeine Form der Verbindung herstellen zu können, die der zu ihren geistigen Vorfahren auf irgendeine Weise gleichgekommen wäre.

Jarek: Ashas gewalttätiger und fanatischer Verlobter machte als Figur für mich wenig Sinn. Er kam mir rein instrumentalisiert vor. Er kommt mir weder besonders hell im Kopf, noch in seiner Figuren-Motivation besonders stimmig vor. Jarek ist unnötig gewalttätig und trägt eine Spur des Bösen in sich, von der niemand weiß, woher sie rührt. Er war für mich als Leser unglaublich unnahbar und nur dazu da, Spannung, Angst und Frust zu erzeugen. Ich kann nicht einmal viel zu seinem Charakter sagen, außer dass seine machohafte und machtgierige Art alles ist, was ihn ausmacht. Aber einen guten "Bösewicht" macht nicht allein seine Skrupellosigkeit und Boshaftigkeit aus - ein guter Bösewicht hat Gründe für seine Düsternis, für seinen Hass und seine Taten. Vielleicht ist er aber auch nur ein gefühlskalter Psychopath - aber um das beurteilen zu können, geht sein Charakter nicht ausreichend genug in die Tiefe. Für mich war Jarek einfach nur ein Stereotyp, der Mann, vor dem eine Jungfrau in Nöten, wie sie Asha schließlich ist, eben einfach gerettet werden will, weil sie sich selbst nicht wehren kann. Weil sie ihm nicht selbst sagen kann, dass er ein sexistischer, aufgeblasener Versager ist, der keine Macht über sie hat. Aber nein, dazu ist die ach-so-große Drachentöterin dann irgendwie doch zu feige (und das, obwohl er und sie gemeinsam aufgewachsen sind ...). Und das Schicksal, das Jarek gegen Ende des Romans widerfährt, widerspricht seiner bedrohlichen Stärke und seiner sonstigen Übermacht in jedweder Weise. Jarek ist immer nur dann schwach, wenn die Autorin einen Grund braucht, ihre Helden aus einer misslichen Lage zu befreien. Und immer dann übermächtig, wenn ihr kein anderes Mittel einfällt, um Spannung aufzubauen. Auf mich wirkte das ganze äußerst unausgeglichen.

Torwin: Der Skral Torwin hat für mich das Buch gerettet. Er stellt eine komplett andere Form der Männlichkeit dar als beispielsweise Jarek, der eiskalte, machohafte Ritter, oder Ashas Bruder Dax, der goldene, strahlende Held. Torwin ist weder besonders stark, noch besonders kampferprobt. Er ist weder machohaft noch unterdrückend, er ist nicht männlich in einem hegemonialen Sinn, sondern ein weicher, zartgliedriger, liebevoller Lautenspieler. Er näht, er singt, er musiziert, er tanzt. Er verarztet und beruhigt. Er schafft die schönsten Kleider. Und seine bevorzugte Waffe ist der Bogen, nicht das Schwert. Doch dabei bleibt Torwin doch immer männlich, strahlt eine so schützende Ruhe aus, dass man sich als Leserin gerne mal danach sehnt, in die Arme eines solchen Mannes zu fallen. Torwin muss sich nicht behaupten: Nicht in seiner Männlichkeit, nicht in seiner Macht, nicht in seiner Stärke. Alles was er sich wünscht, ist frei zu sein. Er kennt seine Schwächen und er akzeptiert sie, so wie er die Schwächen der anderen um sich herum akzeptiert. Für mich ist Torwin einer der wertvollsten Charaktere, die ich seit langem kennenlernen durfte - und ich bin der Meinung, dass die Autorin es mit ihm geschafft hat, das zu erreichen, was sie eigentlich mit Asha vorhatte zu tun: Nämlich einen Charakter zu schaffen, der die (leider noch immer allzu gängigen) Geschlechterkonventionen aufzubricht und sich selbst neu erschafft.

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥

Kristen Cicarelli besitzt einen einfachen, zauberhaften Schreibstil. Sie schafft es, mit den wenigen Worten eines Jugendbuchs ganze Welten zu erschaffen, glaubwürdige Details zu erschaffen und Stimmungen zu transportieren, die den Leser lange nach dem Lesen nicht mehr loslassen. Die Welt und ihre uralten Geschichten sind ganz toll konzipiert und lesen sich zum Teil so authentisch wie die Märchen aus 1001 Nacht. Ihr gelingt es, eine hybride Welt zwischen westlicher und nahöstlicher Kultur so zu vereinen und neu aufzubereiten, dass sich Leserinnen und Leser beider Kulturen auf ihre weise angesprochen fühlen können. Dabei fällt die klassische Fantasy jedoch fast über die Tischkante: Die viel zu wenig detaillierte Beschreibung der Drachen, die an einigen Stellen fast in kindlichen Ton abrutscht, erinnert viel mehr an die Kuscheldrachen aus DreamWorks "Drachenzähmen leicht gemacht", als an starke, ehrfurchtgebietende, gefährliche Echsen der Lüfte. In diesem Zusammenhang sind mir auch viele Wiederholungen aufgefallen (Drachen, die den Kopf schieflegen; Drachen, die Hände anstupsen), die so wirken, als seien der Autorin nach einiger Zeit die Ideen ausgegangen. Meiner Meinung nach wurden die Textbeschreibungen den Drachen, wie sie nach den Erzählungen innerhalb des Buches eigentlich sein sollten, in keiner Weise gerecht. Im Gegenteil: Sie werden zu einfachen Tieren degradiert.

HANDLUNG ♥♥♥♥♥

Während sich der Anfang des Romans noch etwas zieht, nimmt der Plot der Geschichte dann relativ schnell Fahrt auf. Spätestens ab der Hälfte entwickelt Iskari einen solchen erzählerischen Sog, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte. Ein Plottwist jagt den nächsten, ein Abenteuer das andere. Und obwohl Liebe und Vertrauen eine wesentliche Rolle spielen, hatte ich nie das Gefühl, dass die sich anbahnende Liebesgeschichte das epische Geschehen beeinflusst oder hemmt - sie fügt sich wunderbar in das Plot-Gefüge ein und lässt Platz für anderes, nimmt nicht den gesamten Raum ein. Die toll inszenierte Welt und ihre Lore spielen dabei eine wesentliche Rolle in der Spannungserzeugung: Während die Geschichte der Gegenwart den roten Faden bildet, wird eie Kapitel abwechselnd von alten Geschichten über die Mythologie und die Vergangenheit durchzogen. Diese Geschichten lesen sich kurzweilig wie abgeschlossene Märchen und haben auf ihre Art immer einen direkten Impact auf das Geschehen der Gegenwart. Die dadurch erzeugte Vielschichtigkeit macht das Lesen, Eintauchen und Verbindungen knüpfen für den Leser zu einem wahren Fest. Lediglich Gegen Ende hin läuft es für die Helden des Buches ein wenig zu schnell zu glatt, die Anfangs angeführte Bedrohung scheint plötzlich gar nicht mehr so bedrohlich zu sein, im Gegenteil: Sie ist sogar relativ schnell gebannt. Für das Gesamterlebnis halte ich diese Plot-Entscheidung jedoch nicht für allzu entscheidend, denn es bleibt immer noch eine große Freude, die Geschichte von Anfang bis Ende zu verfolgen.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥

Iskari - Der Sturm naht ist für mich ein sehr gutes Buch, das mich über viel Stunden hinweg sehr erfreut hat. Es ist wahnsinnig fantasievoll, von Anfang bis Ende spannend und vergleichsweise relativ wenig vorhersehbar. Die Emotionen, die die Autorin mit ihrer Sprache und ihrem guten Gefühl für Stimmung und Charakter-Chemie zu transportieren weiß, sind geradezu greifbar packend und halten die Leserin spielend leicht in der Geschichte. Und das, obwohl Hauptperson Asha alles andere als sympathisch geschweigedenn authentisch konzipiert ist. Ihre schwermütige, selbstmitleidbesudelte Art ist auf Dauer mindestens so anstrengend wie ihr kläglich scheiternder Versuch, eine starke weibliche Hauptfigur zu sein. Ihr männlicher Gegenpart Torwin erweist sich in dieser Hinsicht als wesentlich besser gestaltet: In ihm brechen tatsächlich einige Normen der generischen Männlichkeit auf. Auch wenn mir die Drachen und ihre Beschreibungen im Buch nur wenig gefallen haben, weil sie mich zu stark an eine für Kinder gestaltete Fluff-Version der Echsen erinnern, so war doch der Rest des Buchs flüssig, fantasievoll und spannend zu lesen. Zu einem wesentlichen Teil tragen dazu die alten Geschichten bei, die wie einzelne, für sich stehende Märchen das Buch durchziehen und immer neue Abschnitte einleiten. Für mich war Iskari eine schöne Leseerfahrung, die mir Lust auf den Orient gemacht und mich in eine bislang unbekannte Form der High Fantasy entführt hat. 


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freundschaft, krimi, bande, knickerbocker-bande, 4immer

Knickerbocker4immer - Alte Geister ruhen unsanft

Thomas Brezina
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ecowin, 11.12.2017
ISBN 9783711001610
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Knickerbocker4Immer - Alte Geister ruhen unsanft

Autor: Thomas Brezina
Genre: Mystery, Krimi, Abenteuer, Jugendbuch
Erschienen: 9. November 2017
Seiten: 416
Einband: Hardcover
Verlag: ecowin
ISBN: 978-3-7110-0161-0
Preis: 18,00€ [Print] | 13,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥


INHALT

"Aus dem Streit wurde Schweigen. Aus Tagen wurden Monate. Aus Monaten wurden Jahre. Aus der verschworenen Bande wurden Fremde und Erwachsene, die ihren Weg gingen. Allein. Bis zu jenem Brief. Die Einladung zu einem Treffen der vier Knickerbocker kam überraschend für jeden Einzelnen von ihnen. Aber die Dringlichkeit des Schreibens ließ ihnen keine Wahl. Es musste ein Wiedersehen geben – nach 20 Jahren. Auf Canon Island, der Insel des Schreckens, wartete man geduldig auf ihr Eintreffen und beobachtete jeden ihrer Schritte. Wie schon damals, vor dem Streit. Alles war geplant und vorbereitet. Das Projekt ging in seine entscheidende Phase." - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥

Kennt man die Bücher von Thomas Brezina zumindest von außen, wird man bei diesem Buch definitiv das gewohnte Muster in der Covergestaltung erkennen: Ein breiter, roter Rahmen umgibt ein Bild unserer Helden, auf dem sie im Schatten, die Gesichter nicht erkennbar, aber durch die Umrisse klar als Erwachsene zu identifizieren, abgebildet sind. Darüber steht in weißen Lettern der Titel des Bandes, rechts darüber die Reihenzuordnung: Knickerbocker4immer. Der Name des bekannten österreichischen Kinderbuch-Autors Thomas Brezina ist dagegen am oberen Ende des Covers fast dezent angegeben, was ich dem Verlag hinsichtlich seiner Bekanntheit im deutschsprachigen Raum definitiv zugute kommen lassen muss - die Anordnung und Größenverhältnisse zeigen, dass man hier nicht hauptsächlich mit dem Autor, sondern mit der Geschichte selbst werben möchte. Die Tatsache, dass der Reihen-Titel im Vergleich zum Buchtitel relativ klein ausgefallen ist, zeugt davon, dass man hier einen Neustart wagt und neuen Lesern, die die Knickerbocker Bande nicht kennen, eine Chance geben will, die vier Nachwuchs-Helden neu kennen zu lernen, ohne sich von dem Gedanken an "Oh-Gott-eine-Reihe-lieber-nicht" abschrecken zu lassen. Farbe und Komposition des Covers sind definitiv gut, ansprechend und strategisch gewählt - die Schattenansicht der Helden lädt zur eigenen Imagination ein, hat dabei definitiv etwas Geheimnisvolles an sich, so als würde man mit dem Buchdeckel eine Akte X aufschlagen. Meiner Meinung nach hätte der rote Rahmen jedoch nicht sein müssen, er ist störend und erinnert zu sehr an (die) Kinderbücher, was ihm seine Ernsthaftigkeit raubt und ihn für die Rubrik der Jugendbuchs fast schon disqualifiziert. Als junge Erwachsene signalisiert mir dieses Cover nicht, dass es für meine Altersgruppe geschaffen ist.

CHARAKTERE ♥♥♥

Diesen Anspruch hat das Buch aber durchaus - nicht nur der Imagewechsel, auch das neue Alter der Protagonisten will eine neue, alte Zielgruppe an Land holen: Die jungen Erwachsenen, die mit der Knickerbocker-Bande aufgewachsen sind und sich nach einem Wiedersehen mit ihren Kindheitshelden sehnen. Ich gehöre zugegebenermaßen nicht dazu. Ich kannte die Knickerbocker zwar vom Hörensagen, hatte jedoch noch nie das Vergnügen, eines ihrer Bücher zu lesen. Für mich war der Einstieg in die mysteriöse Krimi-Welt von Lilo, Axel, Poppi und Dominik ein vollkommen neuer, ich musste die vier also von Grund auf neu kennen lernen. Und ich muss gestehen, dass ich mich damit deutlich schwer getan habe. Die Charaktere wirken relativ flach und haben wenig emotionale bzw. psychologische Tiefe, was nicht zuletzt auch am relativ spartanischen Schreibstil des Autoren liegt. Gerade zu Anfang konnte ich den ausschlaggebenden Streit der vier kaum richtig nachvollziehen, ich hatte nicht einmal ein richtiges Bild davon, wie alt die Charaktere nun wirklich sind. Auch wenn sie ganze 20 (!) Jahre älter werden - damit also geschätzt um die 30 sein müssen - ändert sich das Verhalten der Charaktere nur geringfügig. Sie sind vielleicht weniger kindisch und ungehalten, haben aber sonst mit einem normalen Erwachsenen nicht viel gemein. Es fehlen die komplexen Gedanken und Gefühle, die ein Mensch mit 30 nun mal hat, die Probleme eines erwachsenen Lebens und wie die Charaktere damit zurecht kommen. Stattdessen geht es beispielsweise darum, wer wann in wen "verknallt" war, und die vier Charaktere wirken, als seien sie nie ganz aus ihren Kinderschuhen rausgekommen. Während andere Jugendbuch-Autoren es meiner Meinung nach oft nicht schaffen, einen Jugendlichen nicht wie einen Erwachsenen denken und handeln zu lassen, hatte ich bei Brezina das Gefühl, dass er es nicht schafft, einen Erwachsenen NICHT wie ein Kind denken und handeln zu lassen. Nach über 550 veröffentlichten (Kinder)Büchern ist die Gewohnheit vermutlich einfach zu stark.

SCHREIBSTIL ♥♥♥

Mit dazu beigetragen, dass ich mit den Charakteren nicht so recht warm wurde, hat definitiv der einfache, geradezu spartanische Schreibstil, der das Buch beherrscht. Ich verstehe, dass man sich in einem Kinderbuch möglichst einfach und wenig präzise ausdrücken muss, dass die direkte Rede den restlichen prosaischen Beschreibungen überstellt bleiben sollte. Doch hätte es dem "Reboot" einer Serie, die versucht, erwachseneres Publikum anzusprechen, definitiv gut getan, hätte man sich mit den Beschreibungen, den Details, den Charakterzeichnungen mehr Zeit gelassen. Hier bleibt so gut wie alles der Fantasie des Lesers überlassen, wie die Charaktere aussehen, wie sie sich bewegen, wie sie denken, fühlen und handeln, das alles bleibt kurz und knapp, vieles sogar unerwähnt. Ohne ein richtiges Federkleid aus Worten bleiben die Charaktere dementsprechend schwach und erreichen den Leser nicht dort, wo sie ihn eigentlich erreichen sollten. Auch hier wagt sich der Autor nicht so richtig vor, er bleibt lieber bei seinem Patent-Rezept, statt sich selbst und seinen Schreibstil mal auf eine ganz andere Weise auf die Probe zu stellen. Die kurzen, knappen Sätze und einfachen, dafür deutlichen Beschreibungen tragen aber auf jeden Fall dazu bei, dass sich das Buch dementsprechend angenehm und leicht liest.

HANDLUNG ♥♥♥♥

Die Handlung in "Alte Geister ruhen unsanft" ist in mehrere Teile aufgeteilt. Zu Beginn gibt es eine kurze Einleitung in die Abenteuer, die die vier Helden bereits in vergangenen Büchern erlebt haben - natürlich nicht alle, dafür sind es zu viele, aber ein paar wesentliche, die in diesem Buch wieder wichtig werden, erhalten einen kurzen Abriss, bevor sich die Knickerbocker Bande durch einen Streit für zwei Jahrzehnte ganz aus den Augen verliert. Mithilfe eines falschen Vorwands werden die vier dann, zwanzig Jahre später, zusammen auf eine Insel gelockt und gemeinsam dort festgehalten. Es folgt das für die Bücher wohl bekannte Rätseln, Knobeln und auch die obligatorischen Action-Szenen. Im Großen und Ganzen ist die Handlung schön spannend und von unvorhergesehenen Wendungen gespickt. Es ist sehr angenehm, dass Axel, Lilo, Poppi und Dominik eigens denken, gut kombinieren und die Lösung der Fälle nicht dem Zufall überlassen wird. Das Tempo zur Entschlüsselung der Geschichte ist dementsprechend auch für Erwachsene spannend, und es ist bewundernswert, dass Thomas Brezina nach so vielen Büchern noch immer nicht die Ideen für spannende Wendungen ausgehen. Das Ende hingegen war etwas mau im Vergleich zu den Erwartungen, die die Geschichte im Vorhinein im Leser evoziert: Dies lässt sich hinsichtlich der recht spannende Story jedoch ganz gut verschmerzen.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥

Ich gebe zu, ich hatte meine Probleme mit "Alte Geister ruhen unsanft". Ich hatte mich wirklich sehr auf das Buch gefreut - schließlich kannte ich Thomas Brezinas Werke bis dato nicht, hatte aber nur Gutes von meinen Freunden und aus der Presse gehört. Viele Leserinnen und Leser meines Alters kriegen bei seinem Namen einen ganz nostalgisch-verträumten Blick. Dass da die Erwartungen nur so in die Höhe schnalzen, ist also nicht verwunderlich. Alles in allem ist das neue Buch der Knickerbocker-Bande zwar durchaus spannend und solide konzipiert, lässt sich durch den einfachen Schreibstil wirklich locker und leicht lesen - doch die Zielgruppen-Verwirrung bzw. (man müsste eigentlich eher sagen) -Verfehlung lässt sich nicht so einfach wegstecken. Thomas Brezina schafft es nicht, über seine Kinderbuch-Gewohnheiten hinauszuwachsen. Und so bleibt der Schreibstil ein einfaches Aneinanderreihen von blanken Worten ohne viel Gefühl, die Charaktere bleiben kindlich, blass und fad und der Erwachsenen-Anspruch bleibt eigentlich vollends auf der Strecke. Hätte sich der Autor auch nur einmal damit auseinandergesetzt, was junge Erwachsene heute so alles lesen und wie ernsthaft die Themen für Jugendliche ab 16 bereits sind, hätte er vielleicht schnell gemerkt, dass das Konzept seines neuen Buches nicht so ganz ins Bild passt. Stattdessen wirkt es so, als hätte man vorsichtshalber den Fuß noch in der Kinderbuch-Tür gelassen, schließlich könnte es sein, dass die Jugendlichen und die Erwachsenen doch nicht so ganz anbeißen - und dann ließe sich das Buch immer noch bequem von Kindern unter 12 lesen. Fällt ja sowieso kaum auf, dass die Protagonisten bereits 30 Jahre alte, gestandene Menschen sind. Für einen nostalgischen Ausflug in die eigene Kindheit mag das vielleicht reichen, ich bezweifle jedoch, dass man es schafft, damit neue Leser der älteren Zielgruppe mit ins Knickerbocker-Boot zu holen. 

Spannung 
Romantik  //
Humor 
Gewalt 
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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fantasy, magie, trauer, leid, revolution. aufstand

Nebelring - Das Lied vom Oxean

I. Reen Bow
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 05.10.2017
ISBN 9783646603842
Genre: Jugendbuch

Rezension:

NEBELRING - DAS LIED VOM OXEAN (1)

Autor: I. Reen Bow Genre: Fantasy Erschienen: 2014  [erscheint am 05.10.17 bei Carlsen] Seiten: 380 Einband: eBook (auch als Taschenbuch) Verlag: Carlsen Impress ISBN: 978-3-646-60384-2 Preis: 3,99€ [eBook]
Rating: ♥♥♥♥♥

INHALT

"Wahre stets dein Gesicht.“ Zoe Craine kennt ihren Vater nicht, obwohl sie ihn jeden Tag sieht. Er ist krank und in einem Traumzustand gefangen, aus dem heraus er seine Umgebung nicht wahrnimmt. Der Gründer der umstrittenen Organisation namens Nebelring hat ihn mit der neuen, auf Malwee-Substanz basierenden Silbermagie gefährlich vergiftet. Eine Heilung gibt es bislang nicht und doch ist es genau das, was Zoe sich ersehnt. An ihrem sechzehnten Geburtstag vertraut sie diesen Wunsch ihrer Geburtstagskerze und den Freunden ihres Vaters an und ahnt dabei nicht, dass sie sich direkt in einen Aufstand gegen den Nebelring wünscht." - Quelle: Amazon

COVER ♥♥♥♥♥

Absolute Liebe! Wer meinen Blog verfolgt und mich eventuell auch kennt, der weiß, wie sehr ich in Füchse und alles drumherum vernarrt bin, sodass ich an diesem Cover einfach nicht vorbeischauen konnte. Und seien wir doch mal ehrlich: Es ist ein absoluter Blickfang! Die wunderschönen Farben, die tolle Fotocollage, die magisch-mystische Stimmung der Bilder, die dezente Farbgebung der Schrift und wie sie sich in den Gesamteindruck einfügt. Ich habe absolut keine Wünsche offen bei diesem Cover - und das passiert mir dann doch eher selten! 

CHARAKTERE ♥♥♥♥♥

Zoe: Zoe Craine ist eine der faszinierendsten Protagonisten, die ich jemals begleiten durfte. Klar, man könnte auf den ersten Blick meinen, sie gehöre zu diesen stereotypen Jugendbuch-Hauptfiguren: sechzehnjährige Heldinnen, die plötzlich mitten im Geschehen stehen und es auf immer gleiche Weise denken, handeln, fühlen und sprechen, bis sie sich schließlich zu einer starken und mutigen Heldin entwickeln. Ja, Zoe ist sechzehn. Ja, Zoe steht plötzlich mitten im Geschehen und weiß nicht wohin mit sich. Und ja, sie wird sicherlich irgendwann zu einer Heldin werden. Aber was sie von all diesen anderen langweiligen, wie maschinell gefertigten Heroinnen abhebt, ist ihre absolut unwiderstehliche Individualität und lebhafte, in sich vollkommen stimmige Art zu denken und zu handeln. Ihre Sorge um ihren Vater, den sie über alles liebt und dessen Wohl sie sogar über ihr eigenes stellen würde. Ihre Hilflosigkeit gegenüber den Vorfällen, mit denen sie konfrontiert wird, die ihren bisherigen Horizont übersteigen und ihr Angst machen. Ich liebe es, dass Zoe Schwächen hat, wie sie jeder von uns hat, wie sie in allem eigentlich ein vollkommen durchschnittlicher Teenager ist, nicht besonders sportlich, nicht besonders stark und schon gar nicht dafür gemacht, Auge einer Revolution zu sein. Ich war mit ihren Entscheidungen nicht immer einverstanden und manchmal, wenn sie sich über einen der anderen Charaktere gegrämt hat, fand ich ihre Reaktion vielleicht übertrieben. Andererseits vermittelte mir das auch das Gefühl, dass Zoe kein gesichtsloser, austauschbarer Sandsack, sondern ein vollkommen eigenständig denken und handelndes Subjekt ist. Sie hat Fehler, sie hat Stärken und Schwächen, sie ist - anders als etwa Katniss Everdeen aus  Die Tribute von Panem - fähig zu großen, menschlichen Emotionen, die in ihrer Zeichnung so tief und verständlich waren, dass es mich einfach mitgerissen hat. Und obwohl ich Zoe nicht immer leiden konnte, besonders im Umgang mit den Freunden ihres Vaters, war ich von ihr als Figur so sehr beeindruckt, dass es mich einfach mitgerissen hat. Was für eine Leistung!
Bess: Mal abgesehen davon, dass eine Hündin, die ich kannte, Bess hieß, habe ich mich mit der Zeit richtig an den Namen gewöhnt und finde inzwischen, dass die Autorin keinen besseren hätte finden können. Bess ist das, was man als geübte Jugendbuch-Leserin sofort als die große Liebe der Protagonistin erkennt, ohne, dass man viel von ihm gelesen haben muss. Doch auch hier schafft es Anna Moffey sich gegen bestehende Stereotypen zu stemmen und ihren Charakteren einen ganz eigenen Weg aufzuzeigen: Bess ist mutig, gutmütig, wortgewandt, und auf seine Weise geheimnisvoll und frech. Klar spürt man, dass zwischen ihm und Zoe eine Verbindung besteht, ein kleiner, heißer Funken, der aber erfrischenderweise endlich mal nicht im Mittelpunkt der Handlung breitgetreten wird, sondern sich verschämt am Rande der Geschichte bewegt. So langsam, schrittweise, wie das mit der Liebe eben so kommt - besonders, wenn man ständig auf der Flucht ist. Da gibt es kein "Nach-Fünfzig-Seiten-Schon-Hals-Über-Kopf-Verliebt-Sein" und "An-Nichts-Mehr-Anderes-Denken-Können". Die beiden wachsen zusammen, ja. Sie entwickeln eine Zuneigung für einander, ja, vielleicht. Aber es geht in einem so realistischen Tempo voran, dass es dem Leser Spaß macht, im Text nach kleinen, fein gestreuten Andeutungen für eine wachsende Liebe zu suchen, anstatt sich von der Gewalt überdimensional aufgeplusterter, total übertriebener Liebesstürme erschlagen zu sehen. Ich liebe es, dass Bess nicht der große, starke, sexy Typ mit den stattlichen Muskeln, unwiderstehlichen Körper und hübschen Gesicht ist. Bess ist ... Bess. Er ist geschickt und flink und natürlich auch auf seine Weise hübsch. Aber an Bess ist nichts oberflächlich aufgebauscht oder übertrieben. Er ist eben ein Junge, dem das Leben nicht gut mitgespielt hat, und der trotzdem das Lächeln nie verlernt hat. Ich liebe Bess. Und ich ziehe meinem Hut vor ihm!
TaikNebelring - Das Lied vom Oxean birgt so viele tolle, individuelle Charaktere, die einfach nur zum Liebhaben sind, dass es mir schwer fällt mich für einen zu entscheiden, den ich neben Zoe und Bess noch vorstellen könnte. Taik scheint mir da eine gute Wahl zu sein, denn er ist nicht nur einer der außergewöhnlicheren, sondern auch einer der wichtigeren Charaktere. Als Geschichtensammler ist er immer schon weit gereist, hat dabei auch noch den Ruf, dass die Frauen ihm regelmäßig zu Füßen liegen und dabei auch noch eine unfassbar charmante, abgedrehte Art, mit der er Zoe im Verlauf der Ereignisse immer wieder eine Stütze ist. Dabei tun sich dem Leser immer wieder Fragen auf, die zu klären er einfach verweigert: Woher kommt er? Wieso ist er so alt und sieht trotzdem so jung aus? Und wieso hat er diese merkwürdigen Wellen-Augen, die alle um ihn herum so sehr faszinieren? Zu Beginn macht es noch den Eindruck, Taik sei ein verrückter, alter Einsiedler, den man nicht so recht ernst nehmen kann. Doch im Laufe der Zeit verändert sich dieser erste Eindruck und seine Verrücktheit, die am Anfang noch relativ im Mittelpunkt seiner Person stand, fällt plötzlich von ihm ab, wird nur noch am Rande spürbar, während er hinter den anderen Charakteren und dem Geschehen zurücktritt. Schade! Auch, wenn ich den späteren Taik genauso leiden konnte, wie den anfänglichen, hätte ich mir dennoch ein bisschen mehr von diesem verrückten Funken auch während der Flucht gewünscht, aber vielleicht wäre das dem Ernst der Lage auch nicht gerecht geworden. Alles in allem ein toller Charakter, den man einfach liebgewinnen muss!

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥♥

Noch nie ist mir eine Autorin begegnet, die einen so unvergleichlichen, realistischen und zugleich melodischen Schreibstil hat! Tatsächlich hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass ich mich mitten in einem guten Film befinde. Die Beschreibungen waren so wundervoll detailliert, ohne übertrieben ausfällig zu sein und die Art und Weise, wie die Autorin es schafft, die kleinsten, dem Anschein nach unbedeutenden Momente einzufangen, um aus ihnen ein großes Ganzes zu schaffen, ist einfach faszinierend. Hier gibt es keine abgedroschenen, wiederkehrenden Phrasen, sondern ausgefallene, hinreißende Formulierungen, die von einer ganz besonderen Beobachtungsgabe der Autorin sprechen. Die Dialoge sind allesamt feinsinnig, mitreißend und zeichnen die Figuren so gut, dass jeder einzelne von ihnen schon nach wenigen Seiten als ein vollwertig ausgefeilter Charakter erscheint. Ich würde Anna Moffey ganz dringend ans Herz legen, ihr Talent unbedingt auch im Bereich Drehbuch einzusetzen - die Filme, die unter ihrer Feder entstünden, wären einfach großartig inszeniert! Ihr Schreibstil, ihre Sprache und die Art, wie sie mit wenigen Worten Spannung aufbauen kann, ohne dabei zu schnell oder zu langsam zu sein, ist einfach wahnsinnig gut. Es gibt viele Indiautoren, bei denen ich im Laufe des Lesens das Gefühl habe, dass ihre Sprache nicht angemessen ausgereift ist, um überhaupt zu veröffentlichen. Bei Anna Moffey hatte ich durchgängig das Gefühl, es mit einem ausgewachsenen Profi zu tun zu haben, die jedes Wort so gekonnt setzt, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Ich ziehe meinen Hut, Anna, und ich frage mich bis heute, warum die Verlage sich so ein großes Talent wie dich entgehen lassen!

HANDLUNG ♥♥♥♥

Hier muss ich tatsächlich ein bisschen Kritik anmelden. Denn obwohl ich  Nebelring - Das Lied vom Oxean von vorne bis hinten genossen habe, so hatte ich doch zu Anfang das Gefühl, dass die Story nicht so recht in Schwung kommen will. Richtig spannend und mitreißend wird es tatsächlich erst ab der Hälfte des Buches, vorher wird viel Wert darauf gelegt, die Haupt- und Nebencharaktere angemessen einzuführen, die Welt zu erklären und Beziehungen zwischen den Figuren zu zeichnen. Das ist zunächst natürlich nichts schlechtes und ich habe von Beginn an jede Zeile in mich aufgesogen, doch ich kann mir vorstellen, dass es dort draußen Leserinnen und Leser gibt, die sich von zu vielen Namen und zu vielen internen Zusammenhängen abschrecken lassen und so die Chance verpassen, tief in eine der - für mich! - vielversprechendsten Fantasygeschichten seit Langem einzutauchen. Die eigentliche Handlung, bei der tatsächlich auch Plot technisch etwas voran geht, fällt dadurch etwas kurz, aber dadurch nicht weniger spannend aus. Es gibt überraschend wenige Klischees, einzigartige Charaktere, faszinierende, neue Ideen und eine spannungsgeladene Szene nach der anderen, sodass man gegen Ende hin kaum dazu kommt, richtig durchzuatmen, weil man vor Anspannung die Luft anhalten muss. Die Handlungen der Charaktere sind immer nachvollziehbar und realitätsnah, was den Leser nochmals tiefer in das Geschehen reißt, als vollkommen übertriebene, aus der Luft gegriffene Cyberschlachten. Wer sich also von der relativ langen Einführungsphase des Romans nicht abschrecken lässt und sich gerne in einer ganz eigenen, charmanten Welt verliert, der kann hier beherzt zugreifen!

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥♥

Nebelring - Das Lied vom Oxean hat mich von vorne bis hinten durchweg überzeugt. Autorin Anna Moffey hat ein unfassbar großes Talent für die Zeichnung ganz individuell eigenständiger Charaktere und ein tolles Gefühl für Sprache, sodass ich mich von der ersten Seite an wie in einen großartig inszenierten Fantasy-Film versetzt vorgekommen bin. Tolle Dialoge, tolle Charaktere, tolle Handlung, tolle, neue Ideen und gleichzeitig das Fehlen von unrealistischen Klischees hat mich nach dem Lesen fasziniert und begeistert zugleich zurückgelassen. Ein kleines Manko für ungeduldige Leser könnte es sein, dass sich der erste Teil des Buches vergleichsweise zieht, da hier die Einführung vieler einzigartiger Charaktere und einer faszinierenden, neuen Weltordnung passiert; erst ab der zweiten Hälfte stürzt sich die Handlung in eine Berg- und Talbahnfahrt der Spannung, die einen vollkommen mitreißt. Mich hat die Länge zu Beginn nicht gestört, denn ich war viel zu getragen von den bunten Bildern, die die Autorin mit ihrer farbigen, fantasievollen und nicht einen Moment langweiligen Sprache herbeizuzaubern weiß. Absolut filmreif in Sprache, Stil und Komposition! Ich bin absolut begeistert und ich freue mich schon wie wild auf den zweiten Teil! Mehr davon!


Spannung  ♥♥ Romantik  Humor  Gewalt ♥♥♥  Action 
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fantasy, das lied der krähen, leigh bardugo, krähen, grischa

Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

Das Lied der Krähen (1)

Autor: Leigh Bardugo
Genre: Fantasy, Jugendbuch
Erschienen: 02.10.2017
Seiten: 582
Einband: Taschenbuch 
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-65443-9
Preis: 16,99€ [Taschenbuch] | 14,99€ [eBook]


Rating: ♥♥♥♥♥


INHALT

"Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen … Mit fünf Gefährten, die höchst unterschiedliche Motive antreiben, macht Kaz sich auf in den Norden, um einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs Krähen sind professionell, clever, und Kaz fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen – außer in Gegenwart der schönen Inej … " - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥♥♥

Seht euch dieses Cover an, habt ihr schon mal so ein schönes gesehen? Passend zum Titel "Das Lied der Krähen" erstreckt sich eine riesige Krähe über das Cover und hält dabei schützend ihre Federn über eine Stadt in den grauen Wolken. Die Schrift des Titels und des Autornamens spielen mit dem Farbkontrast Weiß zu Rot perfekt in die dunkle Farbkomposition hinein, und heben sich trotzdem gut genug ab, um den Blickfokus von der Krähe abzulenken. Selten ist mir ein Cover begegnet, dass ich mich gleich vom ersten Blick an so verzaubert hat, dass ich meine Augen nicht davon lassen wollte. Hält man das Buch als Taschenbuch in der Hand, wird man übrigens feststellen, dass die Schnittkanten der Buchseiten an den Rändern schwarz eingefärbt sind, was die Düsternis des Covers perfekt unterstützt. Hätte es bloß blanke weiße Seitenränder, wäre der Kontrast unnatürlich und das Buch würde an Mysterium verlieren. Auf diese Weise wird es tausende Menschen anlocken, die es in die Hand nehmen und seinen Inhalt ergründen wollen.

CHARAKTERE ♥♥♥♥♥

Insgesamt haben wir es in "Das Lied der Krähen" mit 6 Protagonisten zu tun. 5 von ihnen erhalten in rotierender Reihenfolge je Kapitel aus ihrer Sicht geschrieben, was sie alle gleichermaßen wichtig macht. Da es zu lang würde, alle 6 Protagonisten zu beschreiben, picke ich mir meine Lieblinge heraus (was eine verdammt schwere Wahl ist!), den Rest muss man einfach selbst erleben.

Kaz: Kaz Brekker ist eines der gefürchtetsten kriminellen Masterminds im Barrel, einer Stadt, die vor Laster, Grausamkeit und Verbrechen nur so stinkt. Gemeinsam mit dem alten Per Haskell führt er die Verbrecherbande der Dregs von einem Raubzug zum nächsten, der noch nicht begriffen hat, das Kaz inoffiziell die Führung der Bande an sich gerissen hat. Ganz nach dem Handelscredo der Stadt "Geschäft ist Geschäft", lässt er sich auf einen halsbrecherischen Handel mit einem Krämer ein: 30 Millionen Kruge für das Leben eines Wissenschaftlers, der im sichersten Gefängnis der Welt untergebracht ist. Die Aussicht auf so viel Gold treibt seine Gier an, seine Gier nach Rache, Gier danach, mehr zu haben als sein Rivale. Kaz Brekker ist für mich einer der gelungensten Charaktere, die ich seit langem begleiten durfte. Auch wenn er sich oft wesentlich erwachsener verhält, als gemäß den 18 Jahren, die er alt sein soll, ist sein Charakter scharfkantig und spitz, er hat immer einen Plan, immer ein verdrehtes Wort auf der Zunge, er ist manipulativ, er ist gefährlich, er ist brutal, aber er ist eben auch nur ... ein Junge. Allein sein Äußeres ist so ikonisch und kantig, dass es mir bei seiner Beschreibung ein Lächeln entlockte: Dunkles Haar, grüne Augen, helle Haut, filigran aber muskulös, aufgrund eines schlecht verheilten Bruchs hinkt er mit dem rechten Bein und leidet oft an Schmerzen, hat deswegen immer einen Stock mit dem Kopf einer Krähe bei sich, mit dem er auch gerne seine Kämpfe bestreitet - er zieht seine Handschuhe niemals aus, trägt stets einen dunklen Anzug mit Krawatte und einen passenden Hut. Ich kann mir diesen Jungen so scharf bildlich vorstellen, kann genau sehen, wie er filmisch umgesetzt glänzen würde: Oliver Twist nur viel dunkler. Und das schönste (und das, was ich an anderen Charakteren oft beklage) ist, dass Kaz alles andere als perfekt ist. Er ist sehr gerissen und kaum besiegbar, doch er hat Schwächen, er macht Fehler, er hat Ecken und Kanten. Er ist für mich der perfekte Antiheld, geradezu ein perfekter Protagonist. Eben weil er nicht perfekt ist.

Inej: Ausgebildet zur Seiltänzerin wurde das Sulimädchen schon als Kind Opfer von Sklavenhändlern, die sie an ein Freudenhaus verkauften. Als Kaz Inej aus ihrer Gefangenschaft freikaufte, wusste er ganz genau, welche Vorteile sie ihm bringen würde, wenn sie in seiner Schuld stand: Inej wird auch "das Phantom" genannt, weil sie sich so lautlos bewegt, dass sie jederzeit unbemerkt bleiben kann, wenn sie möchte. Insgesamt 5 Dolche trägt sie mit sich herum, denen sie jeweils einen eigenen Namen gegeben hat, sie glaubt an die Gunst der Götter und ist Kaz treu ergeben. Zu Beginn der Geschichte wirkt sie eher wie eine graue Maus, nicht im Sinne ihres Äußeren, sondern in Bezug auf ihr Abhängigkeitsverhältnis zu Kaz. Obwohl sie freigekauft wurde, ist sie es nicht - und sie scheint auch keinen Drang zu haben, wirklich frei sein zu wollen, selbst wenn sie es könnte. Sie hält sich oft im Hintergrund, schließlich ist sie eine Spionin und damit eher das Zuhören als das Sprechen gewohnt. Trotzdem ist sie geübt scharfzüngig im Umgang mit ihrem Schuldner und den Menschen, denen sie vertraut. Im Verlauf des Buches durchläuft Inej eine - so finde ich - fantastische Wandlung vom hörigen Haustier zum freien Geist. Trotzdem ist sie niemals schwach, auch wenn sie in einer gewissen Abhängigkeit lebt, im Gegenteil: Leigh Bardugo hat eine Begabung, starke Frauencharaktere umzusetzen. Sie weiß sich sehr wohl selbst zu behaupten, sowohl mündlich, als auch aktiv im Kampf, sie braucht keinen Beschützer sie hat oft ihren eigenen Kopf. Aus feministischer Sicht ist sie gerade erst dabei, sich auch gegen die männliche Welt zu behaupten, in der sie wie eine Ware durch verschiedene Hände gehen musste. Ich bin gespannt, wie sich Inej im folgenden zweiten Band weiterentwickelt.

Nina & Matthias: Nina und Matthias kann man eigentlich nur zusammen nennen, denn ihr Schicksal ist auf ewig miteinander verbunden. Nina ist eine Grisha, das bedeutet sie ist eine Magierin. Es gibt verschiedene Arten von Grisha, solche, die ein gewisses Element beherrschen, solche, die Materialien nach ihren Wünschen formen können und diejenigen, die den menschlichen Körper zum Guten oder zum Schlechten manipulieren können. Nina ist letzteres. Sie ist eine sogenannte "Entherzerin", dazu in der Lage, Körper in Schlaf zu versetzen oder schlimmeres. Matthias ist ein Drüskelle, ein Nordmann, dazu ausgebildet, Grisha zu jagen und zu vernichten. Der Hexenjäger und die Hexe, ein Bild, dass mir aus "Die dreizehnte Fee" noch allzu vertraut war, und diese beiden haben ein ähnliches Verhältnis zueinander. Nina ist eine starke Frau, sie mag zwar zu den Dregs, Kaz Bande, gehören, ist aber dennoch auf ihre Weise unabhängig, dickköpfig und lässt sich ungern etwas sagen. Sie kennt ihre Reize, aber auch ihre Schwächen. Matthias ist ein grimmiger, riesiger Nordling, der das Lachen nie so wirklich gelernt hat und der in seinem Leben von nichts anderem angetrieben wird als seinem unerschütterlichen Glauben und seinem Hass auf Nina. Das Aufeinandertreffen der beiden Hauptcharaktere ist ein Fest, fast wie ein Tanz aus Hass und Liebe, beide sind unfassbar starrsinnig und weich zugleich. Ich habe beide sehr geliebt, denn ihre Gedanken, ihre psychologischen Knicke waren so spürbar und nachvollziehbar, ihre Argumente auf beiden Seiten so verständlich, dass es von Anfang bis Ende spannend war, sie zu verfolgen.

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥♥

Leigh Bardugo hat einen außergewöhnlichen Schreibstil. Er ist klar, detailliert und mit so viel liebe zum Wort gespickt, dass es einfach Freude macht, zu lesen. Sie zeichnet ihre Charaktere und das Geschehen so klar, fast hollywoodreif, dass es ein Leichtes ist, sich vorzustellen, wie ihre Handlung und ihre Charaktere einmal filmisch umgesetzt werden könnten. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Autorin tatsächlich im Moment in Hollywood lebt. Ich bin mir daher relativ sicher, dass ihre Bücher es früher oder später zu einer Verfilmung schaffen werden. Ihre Dialoge sind zackig, ihre Welt rund um die Grisha-Magie ist stimmig, ihre Charaktere sind einzigartig ausstaffiert und sie hat ein Feingefühl für die Charakter-Psychologie, sodass man nie das Gefühl bekommt, jemand wäre grundlos stur, grundlos böse, grundlos abhängig, etc. Und auch die Stimmung, die sie innerhalb der verschiedenen Orte und Szenen aufzubauen weiß, ist immer on-point und wunderbar vermittelt. Es braucht keinen Soundtrack beim Lesen, wenn ein Autor bzw. eine Autorin die Macht der Worte beherrscht. Alles in Allem hat mich Bardugos Stil sehr (!) an den von Fantasy-Größe Patrick Rothfuss ( Der Name des Windes) erinnert, der mit hohem Detailgrad und fantasievollen Beschreibungen heute in einem Atemzug mit George Martin und Tolkien gehandelt werden kann (sollte er es endlich schaffen, den dritten Teil  seines Epos zu vollenden). Nur versteht es Bardugo mehr, alles etwas mehr auf den Punkt zu bringen und es zielgruppengemäß anzupassen.

HANDLUNG ♥♥♥

Es fühlt sich etwas seltsam an, das Buch von vorne bis hinten zu lieben, aber mit der Handlung dennoch ein kleines Problem zu haben. Der rote Faden der Geschichte ist relativ leicht zusammengefasst. Kaz Brekker sammelt eine Mannschaft, um in ein Hochsicherheitsgefängnis einzubrechen und einen Wissenschaftler zu befreien, für den er und seine Leute 30 Millionen Kruge einstreichen wollen. Das Abenteuer wird als waghalsig und unschaffbar beschrieben, noch nie ist jemand in das Eistribunal eingebrochen und diejenigen, die es versucht haben, sind mit dem Kopf auf einem Pfahl geendet. Leider nimmt die Befreiungsaktion lediglich das letzte Drittel des Buches ein, die ersten zwei Drittel werden darauf verwendet, die Charaktere einzuführen und zusammenzutrommeln und ihre Vergangenheit häppchenweise in Rückblicken zu erzählen. Natürlich trägt das zum Detailgrad und der wunderbaren Ausstaffierung der Charaktere bei, doch das eigentliche Ziel, auf das sie hinaus wollen, gerät dabei häufig aus den Augen. Es wird zwar stellenweise spannend, sowohl in den Rückblicken als auch in der gegenwärtigen Erzählung, einen wirklichen Höhepunkt erfährt die Story erst gegen Ende der Geschichte, was sich für mich etwas zu spät anfühlte. Gern gelesen habe ich wegen des tollen Schreibstils und der tollen Charaktere, die das Fehlen einer aufbauenden Spannung ausgeglichen haben, rein handlungstechnisch halte ich es jedoch trotzdem nicht konzipiert. Sowohl die ersten als auch die letzten 50 Seiten sind reines Vor- bzw. Nachgeplänkel, die nett zu lesen sind, aber genauso gut entweder weggelassen werden oder in den Prolog des zweiten Bandes hätten übernommen werden können. Die Befreiung aus dem Eistribunal ist schon spannend, läuft für mein Gefühl aber zu reibungslos, zu verlustfrei ab. Einfach zu glatt dafür, dass das Gefängnis eine absolute Bastion sein sollte, in die noch nie eingebrochen wurde. Mir fehlte es an Schockmomenten. Ich habe immer auf einen Moment gewartet, der mich vollkommen erschüttert zurücklässt und mit diesem Antrieb das Buch verschlungen. Leider blieb der richtige Schock aus. Ich weiß allerdings nicht, ob das an meinem Game-of-Thrones-gehärteten Geist oder an der Geschichte selbst liegt.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥♥

Für einen Jugendbuch-Fantasy-Roman waren mir die Charaktere für ihr junges Alter viel zu erwachsen, für einen reinen Fantasy-Roman waren sie mir zu jung - also habe ich kurzerhand mein Zielgruppenverständnis ausgeblendet und das Buch einfach Buch sein lassen. So, wie der Buchtrailer versprochen hat, haben die sechs Verbrecher aus dem Barrel mein Herz erobert. Ich habe mit jedem einzelnen von ihnen auf meine ganz eigene Weise mitgefiebert, habe ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart in mich aufgesogen und hatte dabei immer das Gefühl, hautnah dabei zu sein, ein Teil der Gruppe zu sein. Das ist nicht nur auf die unfassbare Authentizität der Welt zurückzuführen, sondern auch auf den fantasievollen, hollywoodreifen Schreibstil der Autorin, die sich locker mit allerhand Bestsellerautoren messen kann. In dem Moment in dem die Geschichte beendet und mein Buch zugeklappt war, wusste ich, dass ich die Dregs, das Barrel, Kaz, Inej, Nina, Matthias, Jesper und Wylan vermissen würde, als hätte ich soeben meine engsten Freunde verloren. Die paar Schwächen, die der Spannungsbogen und das Erzähltempo dabei aufwiesen, konnte ich getrost hinter mir lassen, denn die Reise war so oder so eine unvergessliche, die allein durch ihre Charaktere getragen wird. Ich ziehe meinen Hut vor dem Machwerk und ich giere bereits nach dem zweiten Band, der hoffentlich ganz bald erscheint (im Englischen ist er bereits erschienen! Ich bin sooo versucht!). 




Spannung 
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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selbstmord, hochhaussiedlung

Sun Village

Inio Asano
Flexibler Einband
Erschienen bei TOKYOPOP, 15.06.2017
ISBN 9783842036499
Genre: Comics

Rezension:

SUN VILLAGE
Autor/Zeichner: Inio Asano
Kategorie: Manga
Genre: Drama, Mystery, Seinen*
Freigabe: ab 15+
Erschienen: 15. Juni 2017
Bände: 1/1 (abgeschlossen)
Seiten: 224
Verlag: Tokyopop
ISBN: 978-3-8420-3649-9
Preis: 12,00€

Rating: ♥♥♥♥♥

"Denn es gibt mehr Dinge, die wir vergessen wollen, als Dinge, die wir nicht verlieren wollen. Können wir nicht einfach freier leben, so wie wir es möchten?" (S. 75)

KLAPPENTEXT
In einem sonnendurchfluteten Wohngebiet namens »Sun Village« leben die unterschiedlichsten Menschen auf engstem Raum zusammen und ihre Wege kreuzen sich unweigerlich. Ein junges Ehepaar, das ein Kind erwartet, ein Mangaka, der sich Sorgen um seine Zukunft macht, eine Schülerin, die sich das Leben nehmen möchte ... Alle sind durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden, das der Schüler Tasuku fleißig knüpft und wieder zertrennt...

INHALT
"Tasuku lebt im »Sun Village« bei seinem Vater, der nach und nach seinen Verstand verliert und nichts weiter als seine verschimmelten Kirschtomaten gießt. Dass sein Sohn die Schule schon lange nicht mehr besucht und stattdessen lieber im Viertel herumläuft, weiß er nicht. Tasuku hat außerdem noch ein weiteres Geheimnis: Er hilft Menschen bei ihren Selbstmorden und tut manchmal auch ein klein wenig mehr ... Eine Kurzgeschichtensammlung aus Inio Asanos Anfangszeit." - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥♥
Ich habe eine ganze Sammlung von Inio Asanos Werken bei mir zuhause und es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass Verlag Tokyopop bei der Gestaltung seiner Mangas ein gewisses Muster einhält. Die meisten seiner Kurzgeschichtenbände oder Two-Shots sehen genau so aus: ein schwarzer Einband, auf dem in einer leuchtenden Farbe Titel und Autor abgebildet sind, ein Ausschnitt aus dem Manga im unteren Drittel, das zumeist das Gesicht einer Hauptperson zeigt. Im richtigen Licht erkennt man, dass das Schwarz des Einbands immer wieder mit dem glänzenden Namen des Autors bestückt ist. Ich kann nicht sagen, dass ich die Gestaltung außergewöhnlich schön oder außergewöhnlich kreativ finde - sie ist okay. Der Ausschnitt aus dem Manga selbst ist immer wunderbar gewählt und spiegelt das Gefühl wieder, das einen im Inneren erwartet. Gleichzeitig hat es etwas geheimnisvolles: Man muss das Büchlein aufschlagen, um zu sehen, was darin enthalten ist. Außerdem hat es einen guten Wiedererkennungswert, ich brauche nämlich keine Sekunde, um zu erkennen, dass es sich um einen Asano handelt; und er passt im Regal unglaublich gut neben die anderen Mangas des Autors, sodass es der Sammlung im Regal eine gewisse Optik verleiht. Am besten finde ich jedoch, wie sich der Manga anfühlt: eine gewisse Kunststoffbeschichtung führt zu einem etwas ledrigen Gefühl unter den Fingern, das sich nicht nur gut anfühlt, sondern auch gut Haftung hat, wenn man es in der Hand hat. Ich muss hier also die Zweckmäßigkeit der Schönheit vorziehen: Es ist gut gestaltet!

CHARAKTERE ♥♥♥♥♥
Da es sich um eine Kurzgeschichten-Ssammlung handelt, besitzt jedes Kapitel seine eigenen Protagonisten, was es schwer macht, sie alle im wesentlichen zu besprechen. Deswegen nehme ich mir die Freiheit, es etwas allgemeiner zu halten. Inio Asano ist dafür bekannt, die Schattenseiten der (japanischen) Gesellschaft aus allen möglichen Blickwinkeln heraus zu beleuchten und zu bewerten. In Sun Village macht er das anhand der Bewohner eines Wohnblocks, die aufgrund einer arbeitsbedingten Beziehung zu einem Pharmakonzern in der Nähe, in dieses 'sonnendurchflutete' Gebäude umgesiedelt wurden. Doch die fehlende Nähe zur Natur und die harten Arbeitsbedingungen im Konzern haben so ihre Auswirkungen auf die Psyche der Menschen, die hier zwar äußerst überspitzt, dafür aber nicht weniger eindrucksvoll dargestellt werden. Ein bestes Beispiel für die Radikalität in der Charakterumsetzung ist Tasuku, der kleine Junge, der selbstmordgefährdeten Menschen dabei hilft, den letzten Schritt zu tun und Selbstmord zu begehen. Dafür bekommt er Geld, hat die Schule geschmissen und sammelt nach getaner Arbeit die Handys seiner 'Kundschaft' ein, um nicht gefasst zu werden. Man möchte ihn für einen Wahnsinnigen, einen Psychopathen halten, aber auch er ist nur ein Opfer der Gesellschaft, in der er lebt: Sein Vater verlor nach einem schlimmen Unfall bei der Arbeit den Verstand und tut heute nichts anderes mehr, als jeden Tag den bereits verschimmelten Tomaten-Strauch zu gießen und dabei nicht mehr wirklich ansprechbar zu sein. Seine Mutter starb bei einem Unfall. Tasuku muss also sehen, dass er irgendwie überlebt, in einer sonnigen Siedlung, in der nicht einmal die Zikaden singen, weil der Beton ihre Eier in der Erde erstickt hat. Das grandiose an Inio Asanos Charakteren ist, dass sie einerseits so übertrieben wirken, dass man denken könnte: "Einen 9-Jährigen, der so etwas tut, das kann es gar nicht geben." - sich andererseits aber auch nicht sicher ist, denn wer weiß schon, was es alles gibt? Es wirkt abwegig, aber nicht unmöglich. Asano spielt bei seinem Charakterdesign mit dieser grotesken Furcht, dass wir den wahren Abschaum der Welt gar nicht kennen können und spielt so mit unseren Ängsten. Aber auch mit unseren Sympathien. Denn anstatt uns in reine Gegenposition zu diesen absonderlichen Figuren zu stellen, gibt er ihnen einen Charakter, eine Vergangenheit, eine Intention und etwas, das sie lieben, sodass sie für uns menschlicher und begreifbarer werden, als wir das gerne hätten. Ich mochte Tasuku auf eine seltsam abnorme Weise, obwohl er schreckliche Dinge tut. Und gerade das macht gute Gesellschaftskritik aus: es reicht nicht aus, einfach nur das Böse in den Menschen zu karikieren, es muss immer auch einen Hinweis auf das 'Warum' geben - und die erschreckende Erkenntnis, dass Menschen wie diese, einmal genauso 'bürgerlich' gewesen sein könnten, wie wir. Niemand wird mit der Veranlagung geboren, böse Dinge zu tun. Es sind die äußeren Umstände, die einen Menschen dazu bringen.

ZEICHENSTIL ♥♥♥♥♥
Das erste Mal auf einen Asano gestoßen bin ich auf der AnimagiC 2014 in Bonn: Am Tokyopopstand sprang mir der sonderbare Zeichenstil sofort ins Auge und ich wurde sogleich von einer besonders netten Verkäuferin darauf aufmerksam gemacht, wie grandios dieser Mangaka ist und wie anders seine Geschichten funktionieren. Und ja, das stimmt! Inio Asano ist anders. Seine Figuren sind nicht die typischen großäugigen, großbusigen Magical Girls, die man im stereotypen Manga der heutigen Zeit finden kann. Er setzt auf Realismus, aus dem er aber manchmal auch gerne ausbricht, um seine Philosophie mit Surrealismus zu untermalen. Die Realität ist eben manchmal nicht einfach zu begreifen. Sein Talent liegt darin, Emotionen subtil darzustellen, so subtil, wie sie in der japanischen Gesellschaft eben wirklich zumeist vorkommen - und damit gleichzeitig modernen Schrecken abzubilden. Die Menschen, die er zeichnet, sind alle nahe des Wahnsinns, doch jeder von ihnen drückt diesen Wahnsinn anders aus. Ein vom Leben gezeichneter alter Mann ist verhärmt, während die Jugend glatt und ausdruckslos aussieht. Er ist einer der wohl schärfsten Beobachter, die unsere Zeit kennt, und das sieht man auch, wenn nicht sogar vor allem, an seinen Zeichnungen. Den Manga-Stil verliert er dabei aber nie ganz, das spielerische Element verschiedenster Gesichtsausdrücke gehört zu den Werkzeugen eines guten Mangaka.

HANDLUNG ♥♥♥♥♥
Wie bereits erwähnt handelt es sich bei "Sun Village" um eine Kurzgeschichten-Sammlung. Sie stammt aus dem Jahr 2005 und steht damit für einen jungen, einen früheren Inio Asano. Wer seine Werke kennt, der kennt jedoch das Muster, nachdem sie auch heute noch funktionieren. Wir nehmen verschiedene Perspektiven ein. Die des Jungen Tasuku habe ich eben bereits durchgespielt, doch es gibt auch noch die Sicht eines Mädchens, das sich umbringen will, die Sicht eines wenig erfolgreichen Mangaka, dessen Freundin schwanger ist und der nicht wirklich genug verdient, um eine Familie durchzubringen, die eines Mörders und Messerstechers, der mit seinem Mitbewohner gemeinsam ein 5-jähriges Mädchen großzieht, von dem sie nicht genau wissen, wer von beiden eigentlich der wahre Vater ist, ... Es sind Episoden aus den Leben dieser Menschen, die einen Wendepunkt erleben und etwas ändern, sei es zum Positiven oder zum Negativen. Dabei steht die Frage 'Was ist eigentlich wichtig im Leben?' wie ein überdimensioniertes Fragezeichen über dem Ganzen und man hat die ganze Zeit das Gefühl, die Antwort auf der Zunge liegen zu haben - den letzten Schritt, nämlich den zur Erkenntnis, muss man dann aber selbst gehen - dann, wenn die Geschichte aus ist und der Kopf vor philosophischen Fragen nur so summt.Ihr seht, über die Handlung lässt sich recht wenig sagen, denn es handelt sich um mehrere Kurzgeschichten und damit nicht nur um eine einzige Handlung - und jedes Wort wäre schon zu viel, man sollte es einfach selbst erleben. Das Schöne an der Konzeption dieses Bandes ist jedoch, dass alle Geschichten irgendwie miteinander verbunden sind: Alle Charaktere leben in Sun Village, was sie so gesehen alle zu Nachbarn macht, und sie haben alle aufeinander einen mehr oder weniger starken Einfluss.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥♥
Sun Village ist eines der besten Werke, das ich von Inio Asano bisher lesen durfte. Obwohl die Geschichte schon über 10 Jahre alt ist, fühlt sie sich zeitlos wichtig an und sie verrät nicht nur viel über die japanische Gesellschaft, sondern auch über die eigene. Die eigenen Wünsche, Ängste, die eigenen Einstellungen zu gut und böse, richtig oder falsch werden auf Herz und Nieren geprüft und abgetastet. Asano nimmt kein Blatt vor den Mund und er scheut auch nicht davor, das zu thematisieren, was andere tabuisieren würden. Er zwickt und zwackt, er kneift da, wo es unangenehm ist und das ist es, was ihn zu einem so großen Mangaka macht, bei dem ich inzwischen blind zugreife, wenn ich eine neue Veröffentlichung von ihm entdecke. Bis jetzt ist meine Sammlung seiner Tokyopop-Veröffentlichungen immer uptodate. Ich kann Sun Village jedem empfehlen, der über die Klischees des modernen Manga hinausgehen und ein philosophisches Selbstexperiment wagen will. Ich warne aber auch davor, dass Asanos Mangas nicht für jeden Leser etwas sind: Die einen finden ihn zu langatmig, die anderen zu abgedreht, manchmal kriegt man ihn auch einfach nicht zu fassen. Im Vergleich zu Werken wie "Gute Nacht Pun Pun" ist Sun Village aber immer noch recht konkret!

*SEINEN beschreibt ein Genre im japanischen Manga (und Anime), das thematisch für junge, erwachsene Männer als Zielgruppe zugeschnitten ist.

Eure Bücherfüchsin

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tierdoppel, fuchsnacht, fuchsdoppel, gefahr, julia mayer

Fuchsnacht

Julia Mayer
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 27.08.2017
ISBN 9783959910750
Genre: Fantasy

Rezension:

Fuchsnacht - nimm meine Hand und sieh

Autor: Julia Mayer
Genre: Urban Fantasy, Gay Romance, Jugendbuch
Erschienen: 27.08.2017
Seiten: 324
Einband: eBook, Taschenbuch 
Verlag: Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-570-30843-1
Preis: 14,90€ [Taschenbuch] | 4,99€ [eBook]

Rating♥♥♥

INHALT

"Emil Matthei hat es im Leben nicht leicht. Sein Haar hat die Farbe von Karottensaft, er ist Besitzer einer mageren Hühnerbrust und hat sich in der Schule mit seiner Rolle als Mobbingopfer abgefunden. Daheim kümmert er sich um seinen an einer Psychose erkrankten Vater, in der ständigen Angst, zu seinem brutalen Onkel abgeschoben zu werden. Doch alles ändert sich, als Emil nach einem Unfall in der Leichenhalle wieder erwacht: Nachts ein Mensch, tagsüber ein Fuchs, nehmen ihn drei andere Fuchsdoppel unter ihre Fittiche, damit er sich nicht einer der rivalisierenden Gangs anschließen muss. Besonders zu Timon entwickelt sich eine Verbindung, die weit über Freundschaft hinausgeht, und zum ersten Mal fühlt Emil sich dazugehörig und verstanden. Doch als mehr und mehr ihresgleichen spurlos verschwinden, steht nicht nur Emils Leben, sondern auch die Zukunft aller Fuchsdoppel auf dem Spiel, und schon bald muss er eine Entscheidung treffen: Wird er weiterhin davonlaufen oder sich alten und neuen Herausforderungen stellen? " - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥♥♥

Ich bin ein großer Fan dieses Covers. Es ist von der selben Art wie das meiner Lieblingsreihe 'Die Dreizehnte Fee' von Julia Adrian: Die Mitte ziert der Titel mit einem aussagekräftigen Emblem, in diesem Fall der Fuchs, umrahmt von goldenen Verzierungen und mit einem Hintergrund, der vom Dunklen ins Hellere aufweicht. Es ist elegant, symmetrisch total aufeinander abgestimmt und wunderbar in Farbauswahl und Komposition. Ich kann einfach keinen Fehler an diesem Cover erkennen, nichts, was mich stören würde, es ist für mich einfach in sich rund, abgeschlossen und wunderschön. Eine Sache gibt es jedoch, die nicht unbedingt rein optisch störend wirkt: Den Untertitel des Romans 'Nimm meine Hand und sieh' finde ich nicht nur zu dick aufgetragen, sondern ich konnte auch keine Verbindung zur Geschichte erkennen.

CHARAKTERE ♥♥♥

Emil: Ich bin relativ unentschlossen, was Emil betrifft. Einerseits ist er ein sehr guter, sehr konsequent durchgehaltener Hauptcharakter, den man mit Schwächen kennen lernt und der mit neu gewonnenen Stärken dem Ende der Geschichte entspringt. Mir persönlich war er mit 15 Jahren aber nicht nur zu jung, sondern auch - selbst wenn das für einen Jungen im Teenager-Alter möglicherweise passend sein mag - viel zu weinerlich und viel zu wenig selbstständig. Er versinkt im Laufe der Geschichte geradezu in Selbstmitleid, wird schnell weinerlich und ist eigentlich in einer Tour überfordert von allem. Nach den schrecklichen Geschehnissen, die er während des Romans erleben muss, glaubt er ein neuer Mensch zu sein, sich vollkommen verändert und an Stärke gewonnen zu haben, verfällt auf den letzten Seiten aber wieder seinem alten Muster. Hin- und hergerissen bin ich deshalb, weil diese Schwäche, diese Weinerlichkeit im Grunde Thema des Romans ist, das heißt der Hauptcharakter ist sich dessen sehr wohl bewusst und die Autorin hat es sicherlich so intendiert. In den meisten Fällen kann ich seine Schwäche auch sehr gut nachvollziehen. Aber manchmal... Manchmal wollte ich ihn einfach packen und schütteln und sagen: Jetzt reiß dich mal zusammen! 
Timon: Timon ist ein netter Charakter... aber das war's für mich leider auch schon. Zu Beginn der Geschichte wird er als grummeliger, harter Kerl eingeführt, der irgendwie geheimnisvoll und irgendwie ein bisschen sexy ist. Doch das verlor sich nach dem ersten Drittel des Buches relativ schnell wieder und er war plötzlich alles andere als hart und geheimnisvoll. Er war ein netter, sanfter Kerl ohne große Ecken und Kanten. Vernünftig, aber irgendwie noch nicht ganz trocken hinter den Ohren. Er wirkte für mich viel jünger als 18, ich kann nicht einmal genau sagen warum. Er drängt Emil zu nichts, er weiß selbst nicht so genau wohin oder was als nächstes zu tun ist und er hat auch keine großartigen Geheimnisse, die seine sonstige Flachheit wettmachen könnten. Während er zu Beginn noch ein kleines Aggressionsproblem zu haben scheint, ist er gegen Mitte bzw. Ende hin plötzlich sanft wie ein Lamm. Und eine große Rolle spielt er im letzten Drittel des Romans leider auch nicht mehr, was vielleicht konsequent, aber irgendwie auch schade ist.

Kara & Biggers: Die beiden Freunde von Timon - und später auch von Emil - waren auch nett. Kara ist ein sehr liebenswertes Mädchen mit einer sanften, manchmal befremdlich körperlichen Art. Sie nimmt Timon, als sie ihn kennenlernt, gleich in den Arm, streichelt seine Wange und lässt ihn bei sich im Bett schlafen. Sie hat einen guten Humor und wird anscheinend niemals richtig wütend. Erst, als sie schreckliche Sorgen hat, entfaltet sie einen sehr starken Charakter, der mich noch sehr lange berührt hat. Ihr bester Freund Biggers ist ein großer, liebenswerter Kerl, der gerne kocht. Mehr weiß man von ihm leider nicht. Die beiden spielen eine wichtige, aber dafür eine sehr nebensächliche Rolle, sodass ich leider keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen konnte, selbst wenn ich es wollte. Schmerz und Sorge, die der Text mir in Bezug auf die beiden also nahe bringen wollte, kamen nicht richtig an, ich blieb relativ unbeteiligt. Die Charaktere waren mir einfach alle irgendwie zu rund, zu flach und dadurch irgendwie alle nach einem Schlag stereotypisiert.

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥♥

Ein absoluter, absoluter Pluspunkt dieses Buches ist sein wahnsinnig guter Schreibstil. Ich liebe es, mich mit dem Fluss der Sprache zu bewegen und dabei auf Formulierungen zu stoßen, die ich so sonst nirgendwo gelesen habe - und die poetisch wie grammatikalisch passend sind. Julia Mayer beherrscht die Sprache. Sie streut die schönsten Bilder in ihren Text und beschreibt selbst alltägliche Situationen so passend und beinahe lyrisch, dass das Lesen, selbst wenn ich die Charaktere etwas flach fand, zu einem absoluten Genuss wurde. Bereits auf den ersten Seiten habe ich mir so viele schöne Formulierungen auf meinem Kindle markiert, dass jetzt, nach Abschluss des Romans, mein Notizbuch fast aus den Nähten platzt. Nach Absprache mit dem Verlag darf ich sogar ein paar Zitate mit euch teilen, um euch einen Einblick in die schöne Sprache der Julia Mayer zu gewähren:
Mein blasser Körper ist im Gegensatz zu denen der anderen wie ein ewiges Vorher-Bild auf einer Bodybuilding-Webseite, wer will sich so schon zeigen. (Pos. 87) Ich bilde mir ein, seinen Atem zu hören. Schwer und dunkel, wie ein Rennpferd in der Startbox. (Pos. 659)[...]  meine Gedanken erlahmen und treiben wie im Schlamm gefangene Insekten vor sich hin[...] (Pos. 2397) Seine Worte wirken auf mich, als hätte ich eine Treppenstufe übersehen. (Pos. 2530)  Ich kann die Worte nicht verstehen, aber seine Stimme klingt aufgeregt, die harten Kanten der Konsonanten knistern in meinen Ohren. (Pos. 2956) Aber meine Wut ist nicht groß genug, meine Trauer verschluckt sie, macht mich sanft wie ein Lamm, rückgratlos wie eine Qualle. (Pos. 4145)Wo hat die Autorin nur so wunderschön schreiben gelernt? Ich ziehe meinen Hut vor ihr und kann jedem empfehlen, einmal in ihre Texte einzutauchen.

HANDLUNG ♥♥♥♥

Die Handlung von Fuchsnacht hat ihre guten und schlechten Seiten. Ich beginne mit den schlechten, denn sie wiegen nicht so schwer wie die guten: Der Plot wirkt ein wenig zerrupft, denn er teilt sich in drei große Teile, die alle miteinander schwere Themen behandeln, die ein eigenes Buch füllen könnten. Da wäre zunächst die Episode mit Emils krankem Vater, ein schwerwiegendes, ernstzunehmendes Thema, das einen eigenen Roman verdient hätte. Die Autorin geht unfassbar feinfühlig und treffend an die Sache ran, dass es mir jetzt noch Gänsehaut verursacht. Doch das Thema wird abgehandelt und wird dann für die restlichen zwei Drittel unwichtig, sodass ich etwas unbefriedigt blieb, weil es sich anfühlte wie ein wichtiger Erzählstrang, dann allerdings im Sande verlief (bis auf eine kurze Auflösung im letzten Kapitel). Das zweite Thema beschäftigte sich mit Emils Selbstfindung bezüglich Liebe und Sexualität. Während ich eben noch überzeugt davon war, dass es sich um einen psychologisierten Jugendroman handelte, fand ich mich plötzlich in einer feinfühligen und tiefen Liebesgeschichte wieder, die ebenso flach auslief wie das Thema Krankheit in der Familie. Die eigentliche Geschichte beginnt nämlich erst im letzten Drittel des Buches, wo wir uns plötzlich an einem Ort befinden, der stark an dystopische Romane wie Die Tribute von Panem oder Die Bestimmung erinnert, und der mit den vorherigen Teilen nur lose in Verbindung steht - und sich auch viel zu spät anbahnt, ja, den Leser geradezu überrumpelt. Dieser Teil, hätte wesentlich früher beginnen müssen, damit es sich nicht anfühlt, wie drei Romane in einem, wobei jeder einzelne für sich genommen ein wenig zu kurz kommt. Abgesehen davon war die Geschichte unfassbar gut erzählt, nicht nur sprachlich, wie oben schon genannt, sondern auch psychologisch gesehen unfassbar treffend und mitreißend. Es gibt mehrere Höhepunkte, was die Spannung betrifft, die alle von ein paar spannungsflachen Kapiteln getrennt bleiben. Es schwebt immer etwas Mysteriöses im Text mit, eine Art Suspense, die einen bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Die Geschichte überrascht einen immer wieder mit einer unverhohlenen Grausamkeit, die wie aus dem Nichts kommt und einen dann völlig aus den Socken haut - ein bisschen nach dem Gestus, den wir bei Game of Thrones so sehr lieben. Das Ende ist nicht vollkommen neuartig, kommt jedoch irgendwie doch ganz anders als man denkt und ist dabei äußerst Konsequent. Ich würde hier fast eine Warnung aussprechen, dass die Brutalität, die zum Teil beschrieben wird, nicht für zartbesaitete Leserinnen und Leser gedacht ist. Andererseits glaube ich, dass wir alle, die wir Game of Thrones oder Panem kennen, bereits mehr gewöhnt sind, als wir zugeben wollen. Etwas schade finde ich, dass die Storyline rund um die Fuchsdoppel erst so spät im Roman an Wichtigkeit und Informationen für den Leser zunimmt, man hätte dem Ganzen schon von Beginn an etwas mehr Hinweise streuen können, um eine geradlinige Steigung der Spannung zu gewährleisten.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥

Fuchsnacht von Julia Mayer ist harter Tobak. Es werden viele wichtige, emotionsträchtige Themen auf feinfühlige Weise behandelt, von denen die meisten im Verlauf des Plots allerdings irgendwann abflachen und fast ganz verschwinden: Mobbing, Krankheit in der Familie, häusliche Gewalt, Homosexualität, Gewalt und Kontrollverlust. Dadurch fühlte sich das Storygeflecht leider etwas collagenartig an und der wesentliche Teil der Geschichte, der um die Fuchsdoppel, die Gestaltwandler, gewann zu spät an Wichtigkeit. Auch wenn die Charaktere für meinen Geschmack etwas zu flach blieben und die Hauptperson ein paar Mal zu viele Tränen vergoss, habe ich nicht nur den atemberaubenden Schreibstil der Autorin genossen, sondern mich auch von psychologisch akkuraten und emotional sehr intensiven Geschichte nur zu gerne mitreißen lassen. Stellenweise war das Buch so spannend, dass ich es gar nicht weglegen konnte - und es überraschte mich mehr als einmal mit einer unvorhergesehenen Wendung. Die Brutalität konnte ich persönlich gut wegstecken, muss aber nochmals betonen, dass diese nicht für jedermann gemacht ist. Und dass Füchse meine Lieblingstiere sind, brauche ich wahrscheinlich nicht nochmals zu betonen...



Spannung 
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥♥
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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irland, liebe, das glück ist einen flügelschlag entfernt, stefanie lahme, roadtrip

Das Glück ist einen Flügelschlag entfernt: Ein Irland-Roman

Stefanie Lahme
E-Buch Text: 378 Seiten
Erschienen bei Forever, 07.08.2017
ISBN 9783958182059
Genre: Liebesromane

Rezension:

DAS GLÜCK IST EINEN FLÜGELSCHLAG ENTFERNT

Autor: Stefanie Lahme
Genre: Slice of Life. Romance, Reiseroman
Erschienen: 07.08.2017
Seiten: 378
Einband: eBook 
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3-570-30843-1
Preis: 8,99€ [DE] | 9,30€ [AT]

Rating♥♥♥

INHALT

"Chaotin trifft Erbsenzähler. Lukas hat seinen Irlandurlaub minutiös durchgeplant, Josefine lässt sich lieber treiben. Als sie einen gemeinsamen Aufenthalt in einem Ferienhaus gewinnen, steht für beide fest, dass sie sich das Haus nicht teilen können. Auf einem Roadtrip quer durch Irland wollen sie entscheiden, wer das Ferienhaus am Ende bekommt: Wer auch immer die meisten perfekten Tage organisiert, gewinnt. Während ihrer Reise kommen sich die beiden immer näher – doch noch kennt Lukas Josefines Geheimnis nicht." - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥


Das Cover von 'Das Glück ist einen Flügelschlag entfernt' ist hübsch und nimmt, trotz der abgebildeten Charaktere, nicht zu viel von der Fantasie des Lesers weg. Dadurch, dass nur die Rücken der beiden Personen zu sehen sind, bleibt es einem selbst überlassen, die Gesichter zu den Personen zu erfinden. Als stünden wir hinter dem Liebespaar sehen wir mit ihm gemeinsam über einen irischen See hinweg hinaus aufs Meer, während einer der berühmten Puffins - Lunde, so heißen die Vögel im Deutschen - steil über sie hinweg fliegt. Es fängt die Atmosphäre des Romans wunderbar ein, denn genauso erleben wir auch die Geschichte: Wir erleben Irland mit einem Blick über die Schulter der beiden Hauptfiguren. Wir sitzen auf Klippen, sehen grüne Wiesen, Seen und das Meer und wir besuchen die Puffins an ihre Nistplätzen. Doch so passend das Cover auch sein mag, es würde mich nicht genug reizen, das Buch in die Hand zu nehmen. Es fehlt ihm, ebenso wie der Geschichte, an Spannung. Ich sehe hier das Endresultat dessen, was mich zwischen den beiden Buchdeckeln erwartet: Ein Happyend in wunderschöner Atmosphäre der irischen Landschaft - und Puffins. Ich sehe, was mich erwartet; was ich hier sehe, das bekomme ich auch. Das Cover gibt mir keinen Anlass, herausfinden zu wollen, was hinter dem Bild steht, weil es mir bereits alles verrät.

CHARAKTERE ♥♥♥

Josefine: Josefine wird im Buchtext auf de Verlagsseite als Chaotin bezeichnet - und ich bin mir sicher, das sollte sie auch darstellen, aber leider konnte ich davon im Verlauf der Geschichte wenig spüren. Dass sie Roadtrips ohne Planung mag, muss nicht unbedingt ein Indiz dafür sein, dass sie eine Chaotin ist. Auch dass sie ihr Shampoo gerne in der Dusche vergisst oder ihre Kleidung in ihren Rucksack stopft ist für mich noch nicht Anlass genug, sie so zu nennen. Stattdessen ist Josefine eine Frau, die ganz genau weiß, was sie will, wo sie hin will und warum sie etwas tut. Sie hat einen totalen Plan vom Leben und sie ist frei. Sie ist liebenswert, hat einen tollen Humor, ist überall beliebt und trägt mit Vorliebe Dreadlocks und verrückte bzw. kunterbunte Kleider. Mir fehlte es bei ihr an Tiefe. Denn auch wenn sie ein bitteres Geheimnis mit sich herumschleppt, so schien sie dieses nur ganz selten wirklich zu beeinträchtigen. Es hätte sie in meinen Augen noch etwas menschlicher gemacht, wenn sie im Leben mit ihrer Einstellung nicht immer ganz so gut voran käme. Wenn sie mal nicht gewusst hätte, wohin, oder sich mit ihrer verplanten Art mehrmals in Schwierigkeiten begibt, die sie nicht vorher ahnen konnte. Aber so wirkte sie wie eine nette, liebe Person, die so wunderbar bodenständig ist, dass man sie liebend gern den eigenen Eltern vorstellen möchte. Nicht wie ein Chaotin, bei der alles drunter und drüber ging. Ich mochte Josefine. Ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Aber es steckte auch viel ungenutztes Potential in ihr.
Lukas: Anders als in Lukas - oder 'Luke Skywalker', wie Josefine ihn gerne nannte. Lukas war einfach on point. Der typische, durchgeplante deutsche Tourist, wie man ihn sich nach dem Stereotyp vorstellen würde - und wie ich ihn selbst in meiner Familie habe. Immer die Uhr dabei, immer den Tag durchplanen und immer so komfortabel wie möglich. Zu Beginn der Geschichte konnte ich ihn absolut nicht ausstehen und das war sicherlich auch so gewollt. Er ist garstig, beschwert sich viel und gibt gerne anderen Schuld an seinem Leid. Außerdem hat er keinen Humor und ist überhaupt nicht flexibel. Stimmt, neben Lukas hätte sicher jeder andere normale Mensch wie ein Chaot gewirkt. Aber ich habe seinen Charakter sehr genossen: Er ist eckig und passt nicht gern in eine Form, stattdessen zieht er lieber sein Ding durch. Ich habe etwas übrig für Protagonisten (nicht Antagonisten! Die sollen ja in der Regel unausstehlich sein!), die den Leser dazu bringen, ihn absichtlich nicht zu mögen, weil er so ist wie er ist. Das spricht von Feingefühl im Umgang mit der Charakterkonzeption und auch mit der Psychologie. Ecken und Kanten sind wichtig für einen Charakter; ich mag lieber die Schwächen eines Charakters als seine Stärken. Viel zu oft ist es mir schon passiert, dass ich einen Protagonisten nicht ausstehen konnte, weil er einfach zu perfekt - weil er einfach too much war. Aber Lukas ist ein wunderbarer Charakter und es macht Spaß, seiner Entwicklung beizuwohnen.

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥♥

Stefanie Lahme ist für mich eine großartige Schriftstellerin. Sie besitzt ein großes Talent für Sprache und lässt es so einfach und geschmeidig erscheinen, schön aber nicht zu ausschweifend zu formulieren. Sie fängt sowohl Landschaftsbilder als auch Personencharakterisierungen so wunderbar in ihrem Text ein, dass die Dinge plastisch hervortreten und einem das Gefühl geben, hautnah dabei zu sein. Ich kenne viele unbekanntere Autoren, die mit Formulierungen und Unsicherheiten in der Sprache schwächeln und mir dadurch Spaß am Lesen nehmen, da ich einen großen Wert auf Sprache und Formulierung lege. Alles, was ich von Stefanie bislang lesen durfte, hat mich dahingehend so begeistert, dass ich mit Freuden weitergelesen habe, auch wenn es an anderen Stellen des Romans Dinge gibt, die ich zu bemängeln hatte. Die Dialoge sind schlagfertig und so treffend gewählt, das man glauben könnte, sie schreibe kein Roman, sondern ein Drehbuch. Ich würde ihr ans Herz legen, sich auch mal ans Drehbuchschreiben zuwagen! Auch wenn dadurch vielleicht einige schöne Formulierungen verloren gingen, das Talent dazu hätte sie.

HANDLUNG ♥♥

Das bringt mich jedoch zu einem Schwachpunkt der Geschichte, der mir das Lesen an einigen Stellen etwas erschwerte. Eine Handlung ist kaum existent. Das heißt nicht, dass die Protagonisten nichts tun, denn sie tun sehr wohl etwas: Sie reisen. Und zwar durch Irland. Man muss dazu sagen, dass dies wohl der erste Reiseroman ist, den ich je in die Finger bekommen habe und es daher sehr gut sein kann, dass es für dieses Genre eben normal ist, dass viel gereist wird und dabei wenig Spannung aufkommt, aber ich kann es eben nicht mit Sicherheit sagen. Der Roman plätschert die meiste Zeit spannungstechnisch einfach so vor sich hin. Es gibt zwei oder drei spannende Szenen, die für ein paar Seiten anhalten, aber dann wieder vom Reisen, von Pubbesuchen, Dialogen und Irlandbeschreibungen abgelöst werden. Wir haben viel Zeit, die beiden Hauptfiguren gut kennen zu lernen - was wir aber noch besser kennen lernen, ist wohl Irland. Das muss man der Autorin definitiv lassen: Ich habe noch nie einen so gut und so detailliert recherchierten Roman gelesen wie diesen. Von den Strecken- und Ortsbeschreibungen über die Kultur, bis hin zu Speisen und Getränken wirkte alles so gefühlsecht, als würde die Autorin selbst aus Irland kommen. Das Problem jedoch ist, dass wenn man selbst noch nie in Irland war, einem die Freude an vielen Dingen einfach verwehrt bleibt. Man kann sich weder die Seen noch die Hügel, die Klippen, das Meer oder die Aussicht vorstellen, die die beiden Protagonisten vor sich haben. Man schmeckt nicht das Smithwicks, man hört nicht das Diddeldididdeldi der abendlichen Pubbesuche und man sieht die Puffins nicht selbst. Man bekommt zwar Lust, es zu tun, aber es befriedigt einen nicht, den Beschreibungen zu folgen, es fühlte sich fast schon frustrierend an - eben weil die Reise den Hauptteil der Geschichte ausmacht, während die Liebe und die Beziehung der Charaktere zwar da, aber nur zweitrangig bleibt. Der Fokus liegt auf Irland. Man muss es einfach selbst sehen. Dass die Liebesgeschichte und die dunklen Geheimnisse der beiden Figuren dann noch so vorhersehbar und verglichen mit anderen Liebesgeschichten seicht blieben, machte den Frust über die Klippen und Strände, die ich nicht sehen konnte, nicht viel besser.

GESAMTWERTUNG ♥♥♥

Wenn man Irland liebt - oder einfach gerne reist - und sich von einer kleinen, netten Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines so schönen Landes wie Irland gerne den Mund wässrig machen lässt, seine eigene nächste Reise zu planen, dann könnte dieser Roman genau das richtige sein. Die Charaktere sind schön gestaltet, wenn auch mit etwas wenig Tiefgang, und sprachlich ist die Autorin einfach unfassbar gut; sie schafft es wie mit Links, den Geist des Landes in ihrem Buch einzufangen. Leider haben mir die Reisebeschreibungen zwar Lust aufs Reisen gemacht, konnten mir beim Lesen aber kaum eine Freude machen - es fehlte mir an Spannung und persönlichem Drama, es fehlte mir an Höhepunkt. Nicht nur die Entwicklung der Charaktere, auch ihr Schicksal war von Anfang an relativ schnell durchschaubar und es fühlte sich eher frustrierend an, darauf zu warten, dass die beiden sich endlich einander öffneten. Der große Konflikt am Ende wirkte für mich zu forciert und dadurch gekünstelt. Alles in allem war es aber gut zu lesen und ich war gerne mit den beiden Charakteren unterwegs. 


Spannung  Romantik  Humor  Gewalt  // Action 
- Eure Bücherfüchsin

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fallen queen, drachenmond verlag, schneewittchen, eira, fantasy

Fallen Queen

Ana Woods
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.06.2017
ISBN 9783959911047
Genre: Fantasy

Rezension:

Fallen Queen - Ein Apfel, rot wie Blut

Autor: Ana Woods
Genre: Jugendbuch, Fantasy, Märchen
Erschienen: 20.06.2017
Seiten: ca. 300
Einband: Taschenbuch / eBook
Verlag: Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-95991-104-7
Preis: 12,90€ [Taschenbuch] | 3,99€ [eBook]
Rating: Abbruch

Inhalt

"Wenn aus Schwestern Feindinnen werden und Äpfel Königinnen zu Fall bringen.Erst wenn Königin Nerina sich einen Gemahl erwählt hat, darf die Prinzessin des Landes heiraten. Was aber, wenn sie sich in den Mann verliebt, den auch das Herz ihrer Schwester begehrt?Um den Thron betrogen und zum Tode verurteilt flieht Nerina in den Verwunschenen Wald, einen Ort, den viele Menschen betraten, doch niemals mehr verließen." - Quelle: Verlag

Cover ♥♥♥♥♥


Ohne Frage, dieses Cover ist eines der schönsten, das ich je gesehen habe. Es ist dunkel, mysteriös und sieht wahnsinnig edel aus. Ich liebe den düsteren Bezug zu Natur und Wald, der bei den Grimmsmärchen ja stets eine große Rolle gespielt hat. Und die schön abgestimmte Schrift mit der Krone über dem Sekundärtitel veredelt das darunter liegende Bild nur noch mehr. Nicht zu vergessen der für Schneewittchen allseits bekannte, blutrote Apfel, dessen Farbe und Taubemalung einfach von Perfektion spricht - ich musste einfach zugreifen! Auch wenn es in diesem Fall bedeutete, dass das schöne Äußere über das gar nicht mal so schöne Innere hinwegtäuschte.

Charaktere ♥

Nerina: Hauptperson dieser modernen Neu-Inszenierung der Grimmschen Schneewittchen-Geschichte ist nicht etwa, wie vielleicht erwartet, Schneewittchen selbst, sondern Nerina, die böse Königin, die mithilfe eines vergifteten Apfels ihre Schwester umgebracht haben soll. Zumindest fast. Denn wie wir wissen bedeutet dieser Apfel für Schneewitchen nicht das Ende, für die beiden Schwestern jedoch das Ende einer gemeinsamen Zeit. Nerina war für mich eine der charakterschwächsten Figuren, die ich bislang erleben durfte. Und das, obwohl sie bei ihren seitenweisen Monologen mehr als genug Zeit hat, ihren Charakter in allen möglichen Tiefen auszuleuchten - ihr Charakter bleibt flach und ohne Ecken und Kanten, ohne schlechte Eigenschaften, ohne Eigenheiten. Sie scheint nur ein Mittel zum Zweck - das sind sie schließlich alle, diese Figuren, nur die meisten Autoren schaffen es, aus diesem Werkzeug lebendige Wesen zu machen - und erzählt sogleich zu Beginn der Geschichte ihrer 14-jährigen Schwester relativ detailgetreu und sensationsheischend von dem Gemetzel, bei dem ihre Eltern ums Leben kamen. Ich musste den Abschnitt gleich zwei Mal lesen, ob ich auch wirklich richtig gesehen hatte. Welche große Schwester erzählt ihrer jüngeren, wie das Blut ihrer Eltern den Boden tränkte? Sie selbst scheint dabei alles andere als hart im Nehmen zu sein. Nicht nur versinkt sie eigentlich die meiste Zeit in Selbstmitleid und gibt sich ihren Tränen hin, nein, sie scheint auch von solchem Gutglauben zu sein, dass sie nicht einmal in der Lage ist, den Mord ihrer Eltern aufzuklären oder ein vernünftiges Gespräch mit ihrer Schwester zu führen. Nicht alle Hauptfiguren müssen stark sein. Aber es ist zumindest von Vorteil, wenn sie etwas Tiefe haben.

Eira: Schneewittchens Name ist Eira. Sie ist die jüngere Schwester der Königin und trägt seit dem Tod ihrer Eltern eine unbeschreibliche Dunkelheit in ihrem Herzen. Sie verzeiht ihrer Schwester nicht, dass sie nichts tut, um den Mord, der ihr Leben so sehr verändert hat, aufzuklären und ein wenig Gerechtigkeit wirken zu lassen. Insoweit hatte ich Verständnis für das kühle und garstige Verhalten, dass sie Nerina die meiste Zeit entgegenbringt. Später ist es eine jugendliche Liebe, die sie über die Trauer hinwegbringt und ihr neues Leben einhaucht. Doch auch diese Liebe währt nicht lange, sie wird durch Nerina verhindert - und der anfängliche Unmut der kleinen Schwester wird in Hass umgekehrt. Während die Königin die eigentlich Gute der Geschichte ist, verkümmert die jüngere Schwester in ihrem Schatten zu einem nicht ernstzunehmenden und vorallem schwer nachzuvollziehenden Bösewicht. Ich konnte ihren Hass verstehen, doch nicht ihre Absicht, ihre Schwester für das Unglück, das ihr widerfahren ist, mit allem was sie ausmacht vernichten zu wollen. Ihr Wahnsinn kam wie aus dem Nichts und nahm Ausmaße an, die für mich psychologisch unbegründet waren. Des Weiteren bleibt Eira nichts als eine Hülle ihrer Zweckmäßigkeit: Sie hat ebensowenig Ecken und Kanten wie ihre Schwester und wird im Verlauf der Geschichte auch nicht wirklich nahe gebracht. Keine der beiden Figuren bleibt einem besonders lange im Gedächtnis.

Schreibstil ♥♥

Es wäre gelogen, wenn ich behauptete, dass Ana Woods kein Talent zum Schreiben habe. Ihr Schreibstil ist märchenhaft, passend zum Genre, und beinahe fehlerfrei zu lesen, bleibt dabei aber genauso flach wie ihre Figuren. Es fehlt definitiv an Dialogen und Charakterinteraktion, viele wesentliche Schlüsselszenen, bei denen mehr Charaktere als die Königin zugegeben waren, werden auf ein paar Sätze runtergekürzt und checklistenartig erwähnt. Ihre aufflammende Liebe zu einem Mann bleibt dadurch ein billiges Detail am Rande, das für den Leser wenig mitreißend ist, obwohl diese Liebe für die Königin eine, wenn nicht sogar die bedeutendste, Handlungsmotivation darstellt. Angst, Zuneigung, Trauer und Glück werden durch den Schreibstil nicht transportiert sondern abgearbeitet und alle damit verbundenen weiteren Emotionen bleiben gekünstelt und in den meisten Fällen irgendwie grundlos. Es werden viele unwichtige Nebencharaktere eingeführt, die letztlich keinen tieferen Sinn für die Geschichte haben und bald darauf auch schon wieder aus dem Namensgedächtnis des Lesers verschwinden. Wo Spannung aufkommen sollte herrscht eine Menge Dramatik aber wenig Gespür für die menschliche Psychologie.

Handlung ♥

An dieser Stelle muss ich nochmals betonen, dass ich Fallen Queen nicht bis zum Ende gelesen habe. Somit muss ich meine Einschätzung geben, ohne das Ende des Romans zu kennen. Wie ich eben bereits erwähnte, hatte ich das Gefühl, das viele wesentliche Szenen verkürzt und wie im Schnelldurchlauf abgearbeitet wurden, obwohl sie für die Charakterentwicklung zentral zu sein schienen. Das Kennenlernen ihres Geliebten oder die Versuche, an ihre trauernde Schwester heranzukommen, sollten emotionale Höhepunkte für die Hauptpersonen darstellen und nicht nur nebensächlich am Rande erwähnt werden. Eine spannende Geschichte ist für den Leser nicht spannend, wenn er keine Verbindung mit den Charakteren spürt. Dann könnten wir auch einfach alle billigen Splatter-Horror lesen, bei dem es nur darum geht, wer wann auf welche spektakuläre Weise als nächstes umkommt. Deswegen hat mich die Handlung absolut nicht berührt. Es gibt nicht einmal eine Nebenhandlung oder nette Nebencharaktere, die den fehlenden emotionalen Hook ersetzen könnten. Somit spürt man ganz deutlich, welche Punkte sich die Autorin auf ihrer Handlungsliste bei der Planung ihres Romans notiert hat und diese dann nach und nach abhakt. Sie nimmt sich viel Zeit für die wenig spannende Innensicht der Königin, und überhaupt keine Zeit dafür, die Welt, in der diese Königin lebt, lebendig und anschaulich darzustellen. Man weiß eigentlich gar nichts. Man kennt ein paar Namen der Herzogtümer und ihrer Herrscher, doch diese bleiben unwesentlich und in einem Satz abgearbeitet. Ob es besser wird, weiß ich nicht, denn als mich der erste dramatische Höhepunkt nicht mitreißen konnte, musste ich das Buch weglegen.

Gesamtwertung ♥

Da ich das Buch abgebrochen habe - und das ist mir noch nie passiert, denn in den meisten Fällen nehme ich mir vor, das Buch erstmal nur wegzulegen und es später wieder zu versuchen - nehme ich mir heraus, ihm eine Ein-Herz-Bewertung zu geben. Dies ist meine Meinung und sie muss nicht mit der euren übereinstimmen. Denn darüber, dass mich das Buch absolut gar nicht berühre konnte, kann nicht einmal das traumhafte Cover oder der solide Schreibstil hinwegtrösten. Wenig Tiefe, oberflächliche Charaktere, wenig Gespür für Prioritäten und szenisches Schreiben bei der Konzeption des Romans sowie nicht nachvollziehbare Handlungen machten das Lesen für mich eher zu einer Bürde, als dass es mir Spaß machte. Und wenn du dich von den ausladenden Monologen und Selbstmitleidtiraden der Hauptperson nicht länger berieseln lassen kannst, weil du es einfach nicht mehr auszuhalten glaubst, und dich nicht ein einziger weiterer Charakter mehr in der Geschichte hält, dann ist es vielleicht besser aufzugeben. Vielleicht hätte ich gerne erfahren wollen, was aus Nerinas Geliebten geworden ist, hätte ich die Chance gehabt ihn kennenzulernen. Vielleicht hätte ich Eiras tödlichen Hass verstanden, hätte sie die Gelegenheit bekommen, im Text ein psychologisches Profil zu erhalten, statt eine Hülle aus Worten zu bleiben. Aber so blieb mir alles, was mit der Geschichte zu tun hatte, bis zu meinem Absprung traurigerweise äußerst gleichgültig.

Vielen Dank an den Drachenmond Verlag für das Rezensionsexemplar!

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selbstmord, freundschaft, schule, mobbing, parties

Thirteen Reasons Why

Jay Asher
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Penguin Books Ltd, 25.06.2009
ISBN 9780141328294
Genre: Jugendbuch

Rezension:

TOTE MÄDCHEN LÜGEN NICHT

Autor: Jay Asher
Genre: Jugendbuch, New Adult, Slice of Life
Originaltitel: "Thirteen Reasons Why"
Erschienen: 08.10.2012
Seiten: 288
Einband: Taschenbuch
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-30843-1
Preis: 8,99€ [DE] | 9,30€ [AT]

Rating♥♥♥♥♥

INHALT

"Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ..." - Quelle: Verlag

COVER ♥♥♥♥♥


Ich habe mich mal wieder ein ein englisches Buch getraut. Wie immer werde ich deswegen das Cover bewerten, unter dem ich es gelesen habe, da schöne Covers für mich ein Kaufgrund sind. Das alternative, in diesem Fall deutsche Cover findet ihr wie immer unter diesem Beitrag - ich möchte es euch nicht vorenthalten. Wie oft bin ich in der Buchhandlung schon an dem hässlichen deutschen Cover mit rotem Hintergrund, grüner und schwarzer Schrift vorbei gelaufen und hatte dabei keine Ahnung, welche Perle mir entgeht? Unzählige Male! Und so stehe ich in der englischen Abteilung meines Lieblingsthalia und halte plötzlich dieses silbern glänzende Schätzchen in der Hand - so einfach geht's. Mal im Ernst, ich weiß nicht, was sich der deutsche Coverdesigner gedacht hat... aber das ging ja mal voll daneben. Das englische Cover fängt das Gefühl des Romans wunderbar auf: Die auf silbernem Hintergrund montierte Fotographie ist in sanften Schwarz-Weiß-Tönen gehalten, wie man es von alten Fotografien kennt. Wie eine verblassende Erinnerung, die im Begriff ist, sich dem schimmernden, nebligen Hintergrund anzupassen. Der Name des Romans und der Name des Autors ist dezent auf ein paar alten Holzplanken vermerkt, die aussehen wie die Überreste eines alten Zauns. Es gibt zwei Pressezitate, die im schlichten Weiß gehalten sind und sich so nicht nur wunderbar in das Gesamtbild einfügen, sondern sich auch nicht zu sehr aufdrängen. Ich mag ja für gewöhnlich keine Fotocovers, weil sie einem die Fantasie nehmen, doch in diesem Fall muss ich eine Ausnahme machen: Es ist wirklich ein wunderschönes Foto - und auch wenn Hannah in meiner Vorstellung brünett (muss an der Netflix-Serie liegen) und nicht blond ist, ist sie wunderbar getroffen. Die etwas zusamengewürfelte und trotzdem hübsche Kleidung, die kurze Haare unter einer Mütze versteckt, der abwesende Blick, als wäre sie in diesem Augenblick ganz allein auf der Welt. Hannah ist anders. Hannah ist besonders. Und so ist auch dieses Cover.

CHARAKTERE ♥♥♥♥♥

Hannah Baker: Das Verrückte an diesem Buch ist, dass man schon nach ein paar wenigen Seiten das Gefühl hat, man würde Hannah schon seit Ewigkeiten kennen. Nach der Struktur des Romans folgen wir dem stillen Clay dabei, wie er die dreizehn Seiten der insgesamt 7 Kassetten hört und dabei Hannahs Stimme in die verschiedensten Winkel der Stadt folgt. Wir sind Clay. Und wir erleben Hannah hautnah, so, als wäre sie schon lange eine Freundin von uns, der wir uns nie so recht nähern konnten. Ich für meinen Teil habe angefangen, Hannah zu lieben. Mit all ihrem Witz, ihrem Charm, ihrer Macht, Worte zu flechten und zu ihrer Waffe zu machen. Der einzigen Waffe zu machen, die sie im Kampf gegen die Welt, die sie immer und immer wieder enttäuscht hat, noch übrig hat, um ein Exempel zu statuieren. Sie ist eine wundervolle Persönlichkeit und ich bin mir sicher, wir wären echte Freunde geworden, hätte sie jemals wirklich existiert. Aber nicht nur das. Hannah ist auch eine Repräsentantin für unzählige junge Mädchen dort draußen, denen es im Leben ähnlich ergeht und die Hilfe brauchen. Damit ist nicht (nur) die professionelle Hilfe eines Erwachsenen gemeint, sondern auch die Hilfe gleichaltriger Mitschüler, die die Anzeichen noch viel früher zu spüren bekommen als jeder Erwachsene. Hannah zeigt uns, dass wir die Macht haben etwas zu verändern. Das wir Leben zerstören können, wenn wir nicht Acht geben, und dass wir Leben retten können, wenn wir uns nur eine Minute Zeit nehmen und bewusst werden, dass es sich lohnt, zu helfen. Auch wenn es nur ein offenes Ohr ist.
Clay Jensen: Zugegeben, Clay ist nicht der ausdrucksstärkste Charakter, der mir je untergekommen ist. Eigentlich ist er sogar das Gegenteil. Er ist still, bekommt in entscheidenden Situationen oft den Mund nicht auf, hat eine blütenreine Weste und deswegen keine Probleme in der Schule - oder? Er hat immer versucht ein guter Mensch zu sein, ohne sich dabei allzu sehr anstrengen zu müssen. Man könnte sagen, er ist natürlicherweise eine gute Seele, doch manchmal fehlt ihm der Blick über den Tellerrand hinaus. Während er Hannahs Kassetten hört, folgen wir ihm auf Schritt und Tritt und eigentlich passiert ihm dabei nicht viel. Er sitzt in einem Diner und trinkt einen Milchshake. Oder er steht vor einem Alkoholgeschäft und starrt dabei die ganze Zeit nachdenklich vor sich hin. Manchmal trifft er jemanden aus seiner Schule, doch er redet nicht viel. Was ist nun eigentlich das interessante an Clay Jensen? Warum folgen wir ihm und nicht einer der anderen Personen auf diesen Tapes? Das Interessante ist das, was in seinem Inneren vor geht: Während Hannah uns die Gründe dafür aufzählt, wieso ihr diese Welt zuwider geworden ist, führt Clay im Kopf mit ihr eine Argumentation darüber, wieso es noch Hoffnung gegeben hätte. Was Hannah hätte tun können. Er nimmt so stark die Position des Lesers ein, das man manchmal ganz vergisst, dass er überhaupt noch da ist, irgendwo zwischen den Zeilen, die mit Hannahs Stimme aus dem Walkman fast den ganzen Raum einnehmen. Er ist dabei niemals ignorant oder verständnislos - im Gegenteil: Er versucht es, mehr als jeder andere, Hannah zu verstehen. Aber er sucht auch Lösungen. Hätte es nicht irgendetwas gegeben, was man hätte tun können, um Hannah zu retten? 

SCHREIBSTIL ♥♥♥♥♥

Es ist das erste Buch von Jay Asher, das ich in die Finger bekomme - aber ich muss gestehen, ich bin jetzt schon süchtig und suche insgeheim schon nach dem nächsten. Für mich ist er ein absolut grandioser Autor, der es schafft, Gefühle jeder Art so präzise in Worte zu fassen, dass es einen Umhaut. Hannahs Monolog (bzw. indirekter Dialog mit Clay) ist ein absolutes Meisterwerk und eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich kann nicht einmal richtig in Worte fassen, was es war, was mich sprachlich so mitgerissen hat. Es fühlte sich einfach einerseits so literarisch, andererseits so hautnah an. Seine Sprache ist modern und trifft den Ton meiner Generation so präzise, dass es mir Gänsehaut bereitet hat. Die englische Originalausgabe erschien im August 2009. Zu diesem Zeitpunkt war ich 16. Hannah hätte eine Freundin von mir sein können, Hannah hätte ich sein können. Und Jay Asher schafft es, so präzise sich in die Gedanken- und Gefühlswelt, in die sprachlichen Eigenheiten eines 16 Jährigen Mädchens einzufühlen, dass es beinahe gruselig ist. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung.

HANDLUNG ♥♥♥♥♥

Wie bereits erwähnt teilt sich Hannahs Geschichte (denn es ist Hannahs Geschichte, nicht Clays) in zwei Erzählebenen: die vergangene Ebene der Kassettenaufnahmen und die gegenwärtige Ebene Clays, der gerade dabei ist, diese Aufnahmen zu hören. Beide Ebene laufen parallel und wechseln sich dabei immer wieder ab. Manchmal unterbricht Clay Hannahs Redefluss, indem er die Kassette pausiert, dann erscheint ein Pausezeichen und du als Leser weißt genau, okay Hannah muss kurz warten. Wenn er fortfährt, drückt er wieder Play und der Leser sieht anhand des Playzeichens, dass es weitergeht. Wenn eine Seite einer Kassette zu ende ist, wird dies mit einem Stopzeichen demonstriert. Zurückgespult wird niemals. Man kann die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Clay Handlungsstrang bleibt während der gesamten Geschichte relativ flach, nur ab und zu, wenn er die Kassette pausiert, gerät er in einen Dialog mit anderen oder wechselt seinen Standort. Seine Erzählung gewinnt mit der Tatsache an Spannung, dass er die Kassetten absolut geheimhalten muss - vor seiner Mutter oder vor anderen Schülern, die nicht von der Existenz dieser Tonaufnahmen wissen. Immer wieder redet er sich um Kopf und Kragen und man verspürt als Leser den selben Spannungsdruck wie Clay: Wehe - du - verplapperst - dich! Hannahs Geschichte jedoch, aufgeteilt in dreizehn Kapitel, enthält Anekdoten aus ihrem Leben, die sie über die Jahre hinweg gesammelt hat und die sie all die Zeit über belastet haben. Jede der dreizehn Seiten ist einer Person gewidmet, die Schuld an ihrem Leid hat. Egal ob eine große oder eine kleine Schuld, alles hängt irgendwie zusammen und eines führt zum anderen. Nicht immer ist sofort klar, wer mit einer Seite gemeint ist und was diese Person getan hat, aber sprachlich sind die einzelnen Kapitel so aufgebaut, wie eine gute Geschichte eben aufgebaut sein muss: Anfang, Spannungssteigerung, Höhepunkt, Conclusio. Jedes Kapitel ist eine Welle, wie das Bild eines Herzschlags, ein absolutes Gefühlschaos für den Leser. Manchmal versteht man Hannah nicht. Manchmal ist die Geschichte gar nicht so spannend, wie sie am Anfang noch aufgebauscht wird. Aber am Schluss ergibt alles ein großes, schreckliches Ganzes und auch wenn Hannahs Entscheidung nicht zu entschuldigen ist, hat man dennoch das Gefühl ihre Beweggründe verstanden zu haben.
"And when I say my final words ... well probably not my final words, but the last words on these tapes ... it's going to be one tight, well-connected, emotional ball of words. - In other words, a poem." (S. 178) 

GESAMTWERTUNG ♥♥♥♥♥

Ich will ehrlich sein: Tote Mädchen Lügen Nicht, oder "Thirteen Reasons Why" ist harter Tobak und ich würde es niemandem empfehlen, der emotional zu zart besaitet ist, um mit den dunklen Seiten der menschlichen Psyche klar zu kommen. Dieses Buch handelt von einem Überlebenskampf, nicht mehr und nicht weniger. Zu Beginn, wenn der Kampf noch nicht seine vollen Ausmaße angenommen hat, kann man noch jubeln darüber, wie stark Hannah der Welt, die ihr nur Zitronen bietet, die Stirn bietet, und Limonade daraus macht. Doch gegen Ende hin kann man selbst nicht mehr. Hannahs letztes Kapitel war für mich selbst kaum zu ertragen. Man weiß, wie das Buch ausgeht, doch man befindet sich - ebenso wie Clay - auf den letzten Seiten immer noch in einem Zustand absoluten Leugnens. Aus Selbstschutz und auf der Suche nach Hoffnung in dieser Welt. Wer nicht in der Lage ist, Literatur und Realität zu differenzieren, ist hier fehl am Platz. Denn die Grenzen sind hier gefährlich verschwommen. Nichtsdestotrotz halte ich dieses Buch für eines der genialsten, das ich je gelesen habe. Psychologisch, pädagogisch, menschlich auf den Punkt. Eigentlich sollte es Pflichtlektüre für Lehrer sein - für Schüler halte ich dieses Buch fast zu gefährlich, denn es gibt immer jemanden, der den Sinn hinter den Worten falsch interpretieren könnte. Dieses Buch ruft dazu auf, ein Auge auf unsere Mitmenschen zu haben und im Hinterkopf zu behalten, dass unsere Handlungen und unsere Worte Auswirkungen auf das Leben der Menschen um uns herum haben - auch wenn es nur kleine Auswirkungen sind, je mehr zusammenkommt, umso stärker ist der Impact im Ganzen. Wir kennen unsere Kollegen, Mitschüler, Nachbarn nicht, wir kennen ihr Leben nicht, wir kennen ihre Vergangenheit nicht. Wir kennen nur unser eigenes Leben. Wir können nicht wissen, was wir zerstören, ob wir es zerstören oder wie sehr. Aus diesem Grund müssen wir aufeinander Acht geben. Ob wir jemandem weh tun oder ob wir ihm die Hand reichen und mit ihm einen Kaffee trinken, einfach da sind, kann schon einen Unterschied machen. In einer Gesellschaft trägt man sich immer auch etwas gegenseitig. Und gerade Eltern und Vertrauenslehrer, die oftmals die letzte entscheidende Instanz für Jugendliche darstellen, müssen sich darüber im Klaren sein.


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liebe, colleen hoover, love and confess, kunst, tod

Love and Confess

Colleen Hoover ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.11.2015
ISBN 9783423740128
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Love and Confess

Autor: Colleen Hoover
Genre: Romantik, New Adult, Slice of Life
Erschienen: 20.11.2015
Seiten: 400
Einband: Paperback
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74012-8
Preis: 12,95€ [Paperback] | 3,99€ [eBook]
Rating: ♥♥♥
 

Inhalt

"Vor fünf Jahren hat Auburn ihre erste große Liebe in Dallas zurücklassen müssen, verbunden mit einem Schmerz, den sie bis heute nicht ganz überwunden hat. Als sie eines Abends im Schaufenster einer Kunstgalerie Briefe mit anonymen Bekenntnissen entdeckt, ist sie zutiefst berührt, denn auch sie trägt ein Geheimnis mit sich. Niemand soll von ihrer Vergangenheit wissen – vor allem nicht Owen, der junge Künstler mit den grünen Augen, der sich von den Geschichtenanderer Menschen für seine Bilder inspirieren lässt. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich zu ihm hingezogen und Owen geht es nicht anders. Die beiden verlieben sich mit ungeahnter Wucht ineinander. Doch auch Owen hat ein Geheimnis, das alles zu zerstören droht, was ihnen wichtig ist . . . " - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥

Als ich im Laden vor dem Bücherhaufen mit Werken von Colleen Hoover stand und ich mich für eines davon entscheiden musste, fiel es mir bei "Love and Confess" besonders leicht, zuzugreifen. Viel leichter als beispielsweise bei ihrem Buch mit dem gruseligen deutschen Titel "Zurück ins Leben geliebt". Das Cover von "Love and Confess" ist einfach wunderschön. Der Grundton ist ein dunkles Pink, das in Farbschattierungen auch ins schwarz übergeht. Der Titel spaltet sich in die Farben Rot und Metallic Blau, wobei Rot für "Love" und das kalte Blau für "Confess" verwendet wurde, in das ein bisschen des Rots der Liebe hineinspielt. Ich weiß nicht, ob die Farben zufällig so gewählt wurden, aber mit dem Kontrast zwischen Rot und Blau, warm und kalt, Liebe und Geständnis wird nach dieser Farbgebung ganz wunderbar gespielt. Der Name der Autorin sitzt in auffälligem Schwarz wie eine Krone auf dem Haupt der im Hintergrund abgebildeten Frau, die in Trauer ihre Lider gesenkt hat. Wer das Buch gelesen hat weiß, was es mit dem Bild auf sich hat, allen anderen will ich den Spaß nicht verderben, es selbst herauszufinden. Es hätte keine bessere Wahl getroffen werden. Colleen Hoovers Name hätte für meinen Geschmack nicht ganz so dick aufgetragen das Bild dominieren müssen, auch wenn es aus Marketingzwecken sicherlich die einzig richtige Entscheidung gewesen ist. Colleen Hoover ist inzwischen ein großer Name - und auch ich greife bedenkenlos zu, wenn ich ihn lese.

Charaktere  ♥♥♥

Owen: Ich bin dann mal ehrlich: Collen Hoover schafft es immer wieder das Abbild eines perfekten Mannes in Worte zu kleiden. Owen ist Maler und besitzt ein eigenes Atelier, in dem er die anonymen Geständnisse anderer Menschen mit Akrylfarben auf Leinwände bringt und schließlich verkauft. Damit verdient er seinen Lebensunterhalt, denn die Beziehung zu seinem reichen Anwalt-Vater ist seit einigen Jahren nicht mehr so, wie sie zwischen Vater und Sohn sein sollte. Er ist nicht nur kreativ gesehen ein kleines Wunder, sondern sieht nebenbei bemerkt auch noch wahnsinnig gut aus, hat einen Sixpack (obwohl niemals die Rede davon ist, woher er den eigentlich hat, der Glückliche!), ist sehr gepflegt, und noch dazu ein unglaublich liebenswerter Kerl, der nicht nur gerne für andere in die Bresche springt, sondern auch rundum sehr liebevoll und verständnisvoll ist - er weiß einfach immer und zu jederzeit das Richtige zu tun oder zu sagen, um die Herzen von Hauptfigur Auburn und dem jeweiligen Leser bzw. der Leserin hinter den Zeilen höher schlagen zu lassen. Mal im Ernst. So einen Mann gibt es doch nicht. Oder? Natürlich war ich mehr als nur hingerissen von Owen. Was auch sonst? Der Mann macht ja nichts falsch ... er trägt nicht mal zu dick auf, er ist einfach rund-um-perfekt. Aber die ganze Zeit dachte ich: Komm schon Junge, irgendwo muss du doch einen Makel haben. Irgendeinen! Und siehe da: er hat einen schiefen Schneidezahn. Als ich das gelesen habe, musste ich mir erstmal die Hand vor die Stirn schlagen und das Buch zur Seite legen. Man muss Colleen eines lassen: Offenbar hatte sie den selben Gedanken wie ich und hat fieberhaft versucht, Owen noch irgendeinen Fehler anzudichten, damit er nicht ganz so wirkt, als sei er gerade direkt vom Himmel gefallen. Aber der Versuch scheitert irgendwie, denn es wirkt eher wie gewollt und nicht gekonnt als tatsächlich wie ein annehmbarer Hinweis auf seine Glaubwürdigkeit. Was soll's, was hatte ich denn erwartet? Bücher - und besonders die, die mit Liebe zu tun haben - sind zum Träumen da. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als Owen einfach so zu lieben wie er ist.

Auburn: Mit Auburn dagegen hatte ich so meine Probleme. Das geht mir oft so mit weiblichen Hauptcharakteren. Wenn ich ein Buch aus der Ich-Perspektive lese, dann erwarte ich, dass ich mich mit ihr identifizieren kann, damit ich das volle Leseerlebnis auskosten kann. Denn das impliziert die erste Person Singular Präsens/Präteritum schließlich: den Versuch, den Leser/die Leserin näher an das Geschehen heranzubringen. Natürlich ist jeder Mensch anders, deswegen ist es mit den Perspektiven immer so ein Glücksspiel. Im Falle Auburns ging es für mich die meiste Zeit gut aus, zumindest solange, wie sie nicht in Trauer, Scham oder Selbstmitleid versunken ist. Während des Lesens werden Auburns Probleme relativ schnell klar verständlich gemacht. Trotzdem ging es mir auf die Nerven, ihr ständig dabei "zusehen" zu müssen, wie sie weinerlich in der Ecke sitzt und sich von Owen betüddeln lässt. Wenn sie nicht gerade von Schmerz zerrissen und wie gelähmt dasitzt und einfach nur dabei zusieht, was ihr passiert, stellt sie sich selbst ein Bein, indem sie unnötig trotzig ist, anstatt einfach den Mund aufzumachen und Probleme direkt anzusprechen. Klar, es wird genau erklärt, warum es ihr dahingehend an Selbstbewusstsein fehlt, aber trotzdem ist es eine Frustpartie, wenn man als Leserin das Gefühl hat, die Protagonistin anschreien und schütteln zu wollen. Sie ist 21 Jahre, das mag vielleicht jung sein, trotzdem kommt sie mir meistens eher vor wie eine pubertierende 16-jährige. Ich bin jetzt vielleicht etwas hart, denn es gab auch genug Momente, in denen ich ganz bei ihr war und mit ihr mitgefühlt habe - am Schluss des Romans erlebt sie nämlich eine erfrischende Wende - aber ich habe mich auf diese Weise ganz besonders zäh durch die erste Hälfte des Romans geschleppt (dazu weiter unten mehr). Auburn ist nett, aber austauschbar. Je mehr ich von Colleen lese, desto mehr erkenne ich die Parallelen, die alle ihre weiblichen Protagonistinnen verbindet. Ich finde es schade, dass sie auch gerade im Vergleich zu Owen so schwach und uneinprägsam bleibt.

Schreibstil  ♥♥♥♥

Ich liebe Colleen Hoovers Art zu schreiben. Natürlich kann ich bislang nur von den deutschen Übersetzungen sprechen (mit Ausnahme von Maybe Not), aber ich denke nach dem vierten Buch von ihr bin ich mir da relativ sicher. Sie schafft es einfach, den jungen Ton meiner Generation zu treffen, ohne dabei überzogen oder aufgesetzt zu wirken, wie es bei anderen Jugendromanen der Fall ist. Sie ist die Meisterin des Herzschmerzes, sie kennt all die wunden und weichen Punkte ihrer weiblichen Leserinnen und nutzt dieses Wissen, um sie zum Lachen, Weinen und Lieben zu bringen. Ja, man durchlebt jede Emotion der Charaktere am eigenen Leib. Am schlimmsten war es für mich bei Maybe Someday, dieser Roman ließ mich wochenlang verweichlicht und emotional durchgewalkt zurück. Love and Confess hat das leider nicht geschafft. Klar, am Schreibstil hat primär vielleicht nicht gelegen, aber es hat definitiv hineingespielt. Man spürt einfach deutlich, dass Love and Confess eines ihrer früheren Werke ist und dass sie sich nicht so recht traut, sprachlich direkt auf körperliche Dinge wie Erregung und sexuelle Anziehung einzugehen. Ihr Wortschatz bleibt relativ klein beim Beschreiben der Küsse, und nach den ersten zwei Malen weiß man bereits, wie die nächsten Küsse in etwa ablaufen werden. Natürlich kann das auch an der Zielgruppe liegen... oder einfach an meinem Geschmack. Für einen New Adult Roman blieb sie mir sprachlich einfach zu schüchtern, schließlich kann man davon ausgehen, dass bei einem New Adult Roman (Protagonisten über 20) die Leserinnen über den Erfahrungswert eines Teenagers bereits hinaus sind. Was mich zur Handlung führt...

Handlung  ♥♥♥

Colleen Hoover hat es sich zu Aufgabe gemacht, schwere Themen in ihren Romanen zu verarbeiten und daraus leidenschaftliche Geschichten zu spinnen. Schwere Schicksale und Rückschläge im Leben sind in der Regel Handlungsmotivationen für die Charaktere. So auch in "Love and Confess", doch aus Spoilergründen muss ich mich hier natürlich bedeckt halten. Klar ist, dass mir die Annäherung der Charaktere wieder etwas zu schnell ging. Schon am ersten Tag ist die Anziehung der beiden so groß, das es ihnen fast wehtut, ganz so, als würden sie sich schon lange kennen und hätten nur auf den Moment gewartet, sich zu treffen. Natürlich konnte ich darüber schnell hinwegsehen, schließlich lese ich Romance wegen der Romance und nicht aus anderen Gründen. Doch so richtig aus den Kinderschuhen kamen die Charaktere einfach nicht heraus. In Anbetracht ihres Alters und vor allem der Dinge, die sie in ihrem Leben bereits erlebt haben, kamen mir die beiden einfach zu wenig erwachsen vor - einerseits im Umgang mit eben jenen Problemen und andererseits im Umgang miteinander. Ich hatte die meiste Zeit das Gefühl es mit Teenagern zu tun zu haben (bei Auburn mehr als bei Owen), als mit erwachsenen Personen, die bereits Erfahrungen und eine harte Zeit hinter sich haben. Ich vermute dahinter den Wunsch, die Zielgruppe der Teenager eher anzusprechen als die der New Adults, auch wenn dann das Alter der Protagonisten einfach nicht mehr passt. Gegen Ende hin wurde die Handlung sehr spannend und auch die Entscheidungen der Protagonisten wurden mir eher erklärlich als noch zu Anfang. Trotzdem war das Ende schnell vorhersehbar und auf diese Weise leider nicht mit ihren anderen Büchern vergleichbar.

Gesamtwertung ♥♥♥

Ich habe lange überlegt, ob ich "Love and Confess" 3 oder 4 Herzen geben soll. Aber es wurde schnell klar, dass es für 4 Herzen diesmal leider nicht ausreicht. Ich hatte einfach meine Probleme mit Auburn und mit der Art und Weise, wie sie sich verhält - nämlich wie eine Teenagerin, die noch nicht recht weiß, wo sie im Leben hinwill. Und das ist in Anbetracht ihres Erfahrungswertes einfach nicht glaubwürdig. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Owen war leidenschaftlich wie immer, hatte aber immer einen irgendwie prüden, irgendwie verschämten Beigeschmack einer Teenie-Romanze statt eines älteren Paars, wie man es in einem New Adult Roman erwarten würde. Dafür war die Thematik hinter den beiden Protagonisten auch zu schwerwiegend - psychisch irgendwie geprägt oder benachteiligt wirkten sie trotz ihrer schweren Schicksalsschläge nicht, lediglich Auburns fehlendes Selbstbewusstsein wurde angesprochen. Das war mir einfach zu wenig. Es war mir zu flach. Auch, wenn ich eine gute Zeit mit dem Buch hatte und es gerne gelesen habe, weil ich einfach gerne Hoover lese, konnte der überaus perfekte Owen mit dem schiefen Schneidezahn die Schwäche der Geschichte an sich nicht über drei Sterne hinaus hieven.


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86 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

water love, dystopie, drachenmondverlag, drachenmond verlag, drachenmond

Water Love

Marion Hübinger
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 27.02.2017
ISBN 9783959912587
Genre: Fantasy

Rezension:

Water Love

Autor: Marion Hübinger
Genre: Dystopie, Romantik
Erschienen: 27.02.2017
Seiten:
312
Einband:
eBook / Taschenbuch
Verlag: Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-95991-258-7
Preis: 12,90€ [Taschenbuch] | 3,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Der neunzehnjährige Bela erwartet nicht mehr viel vom Leben. Nicht, nachdem seine Eltern vor drei Jahren bei einem Flugzeugunglück umgekommen und sein Großvater Laszlo, ein berühmter Maler, aus Ungarn zu ihm gezogen war. Erst recht nicht in einer Zeit, in der jeder die drastischen Bedrohungen des Klimawandels nervös verfolgt und sich fragt, wie er überleben wird. Wer zu den Waters gehört, wird das Glück haben gerettet zu werden. Seit Bela zurückdenken kann, regieren die Waters das Land. Doch Bela ist ein Landers, einer, der dazu verdammt ist, an Land zu bleiben, sollte es zur Katastrophe kommen. Warum muss ausgerechnet er sich in eine Waters verlieben? Warum muss genau in dem Moment die Smogwelle über Kiel Alarmstufe ROT auslösen und ihn und Sintje viel zu schnell wieder trennen? Als Bela im Bunker festsitzt, fragt er sich jeden Tag, ob es eine Hoffnung für ihre Liebe geben wird …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥

Wie ihr wisst, isst das Auge bekanntlich mit - und so ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich Büchern mit einem für mich ansprechenden Cover sofort eine Chance gebe, während ich andere Bücher, deren Cover mich nicht so ansprechen, ohne zu Zögern ins Aus katapultiere. In diesem Fall war es ganz klar das Cover, das mich überzeugt hat, zuzugreifen. Wer mich schon länger verfolgt, der weiß, dass ich mit Covern ein großes Problem habe, die mir mit fotogenen Modelgesichtern meine eigene Vorstellung der Charaktere zerstören. Hier ist das glücklicherweise nicht der Fall! Und es hat nicht nur keine Modellvorlagen, es ist außerdem wunderschön. Die verträumte Bucht mit der untergehenden (oder aufgehenden?) Sonne, der Titel des Buches auf Sand gebettet und von der Sonne angestrahlt. Ich finde, wir haben es hier mit einem Cover-Meisterwerk zu tun, und ich hätte es vermutlich den liebenlangen Tag angestarrt, hätte ich Waterlove nicht als eBook gelesen. Meine Hochachtung an den Designer!

Charaktere  ♥♥

Bela:  Leider bedeutet auch ein schönes Cover nicht immer, dass ich mit dem Inhalt auch 100% zufrieden bin. Ein Grund dafür ist für mich der liebe Bela. Als einer der der beiden Hauptcharaktere, aus deren Sichtweisen die einzelnen Kapitel erzählt werden, war er mir einfach zu glatt. Der junge Künstler weist während des ganzen Romans keine großartigen Fehler auf: er ist höflich, freundlich und hat einen starken Überlebenswillen. Das ist leider auch schon alles, was ich über ihn sagen kann. Er wird leider kaum äußerlich beschrieben, außer, dass im Verlauf der Geschichte seine Haare länger werden und ihm ein Bart wächst, weiß ich nicht wirklich, wie ich ihn mir vorstellen soll. Dies kann vermutlich reizvoll sein, möglichst wenig Vorgaben geben einem schließlich auch möglichst viel Freiheit in der eigenen Fantasie. Dennoch fühlte sich Bela für mich auf diese Weise nur noch vergessenswürdiger an. Er hat keine Fehler, keine Macken, keine offenen Fehden, keine Geheimnisse, keine Schwachpunkte, bis auf ein Mädchen, dass er gerade ein paar Wochen kennt und in das er sich ganz offensichtlich verknallt hat. Zwar hat Bela auch einen besten Freund und einen Opa, an dem ihm sehr viel liegt, doch er ist ohne zu Zögern bereit, das Leben dieser beiden aufs Spiel zu setzen, um nach einem Mädchen zu suchen, das er kaum kennt und das höchstwahrscheinlich nichteinmal in Gefahr ist. Weil nach so kurzer Zeit die Liebe so groß ist, sein eigenes Leben zu riskieren. (Wenn man will, könnte man argmunentieren, dass Bela also sehr wohl einen Fehler hat. Der ist allerdings weniger charakteristisch als unglaubwürdig). Man könnte also sagen, Bela definiert sich in der kurzen Zeit, die man mit ihm hat, ausschließlich durch seine Verliebtheit (und vielleicht seine künstlerische Ader). Leider hat es nicht gereicht, mich zu berühren. Ich konnte mich meistens nicht mit seinen Entscheidungen identifizieren, noch hat mich sein Schicksal viel gekümmert. Denn oft dominierte nur der Gedanke: So würde sich im lebensbedrohlichen Ausnahmezustand doch niemand aufführen!

Sintje: Mit Sintje dagegen habe ich mich wesentlich besser vertragen. Sie mag sich zwar ebenso fehlerlos und rein anfühlen wie Bela, doch hat sie zumindest ein Temperament, das mir gefällt. Sie lässt sich nicht gerne was sagen, spricht ihre Meinung laut aus und gibt gerne Kontra. Sie macht Fehler, für die sie hin und wieder büßen muss. Trotz ihres Temperaments bleibt Sintje leider fürchterlich passiv und versinkt recht schnell in Resignation, findet sich mit ihrer Situation ab. Sie versucht weder, etwas an ihrer Situation zu ändern, noch Bela auf irgendeinem Weg zu kontaktieren oder etwas über seinen Verbleib herauszufinden, sie bleibt eifnach wo sie ist und findet sich ab. Gut, das würde ich an ihrer Stelle vermutlich auch tun - schließlich kennen sich die beiden ersten seit ein paar Wochen, warum also das Risiko auf sich nehmen? Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Bela bereits ein - in meinen Augen - schwacher Charakter ist, war Sintjes fehlender Tatendrang nur noch enttäuschender. Es fehlte einfach an Gründen, an Antrieb und Spannung für Sintje zu handeln. Das ist als weniger ihre Schuld, als die Schuld des sich in der Mitte des Romans schnell abbauenden Spannungsfadens.  annungs

Schreibstil  ♥♥♥

Marion Hübingers Schreibstil hat mich im Gegensatz zu ihren Charakteren überrauschend beeindruckt. Sie benutzt eine klare, moderne Sprache, wiederholt sich wenig und ist besonders gut darin, ihre apokalyptische Welt mit kleinen Details plastischer zu machen. Ich habe es wirklich sehr genossen, mir die Nachrichtenmaschinen und futuristischen Gerätschaften vorzustellen, die sie beschreibt, die Fachworte, die sie für bislang noch nicht existierende Dinge ihrer Welt erfindet. Ich konnte mich wunderbar einfühlen und mir diese Zukunft ausmalen, die sie mir präsentiert hat, denn sie fühlte sich absolut legitim an. Leider gab es auch einige Ungereimtheiten, die mir zwischenzeitlich aufstießen. So glaube ich kaum, dass die Weltbevölkerung auf 3 Millionen Menschen hinabsinken kann, ohne, dass das Folgen auf Ökologie und Lebensweise der Menschen hat. Die Anzahl der Bewohner der Stadt Berlin allein auf der Welt ... das wäre kaum vorstellbar, alles müsste anders funktionieren. Doch die Beschreibung der Endzeit bleibt auch hier wie auch an manchen anderen Stellen des Romans inkonsequent durchgesetzt. Die Menschen scheinen weit weniger Maschinen zu gebrachen, als sie es in der Gegenwart tun, dabei wissen wir alle, wie abhängig wir inzwischen von den medialen Welt sind. Die Wahrscheinlichkeit, das dies in Zukunft - ohne genannten Grund - zurück geht, halte ich für nicht gegeben. Hinzu kommt, dass ich den Versuch, moderne gesprochene Sprache in einen Text zu übertragen, zwar mutig finde, es mich jedoch immer wieder unangenehm zusammenzucken ließ, wenn ein Charakter voll lässig daherredete. Das ist allerdings mein ganz persönlicher Geschmack (wie eigentlich alles an dieser Rezension).

Handlung  ♥♥♥

Die Handlung des Romans empfand ich als wechselartig. Zu Beginn ging mir alles etwas zu schnell. Die Annährung der beiden Protagonisten war nett, aber weder besonders spektakulär oder mitreißend, noch besonders nachvollziehbar. Wie bereits oben erwähnt, scheinen die beiden schon nach ganz wenigen Annäherungen bis über beide Ohren verliebt und verhalten sich gerade gegen Ende hin, als seien sie bereits seit mehreren Jahren ein liebendes Paar. Es gibt Liebesgeschichten, die lassen mein Herz höher schlagen und meine Hände feucht werden und zaubern mir ein verliebtes Grinsen aufs Gesicht, weil ich das Gefühl habe, die Emotionen der Charaktere absolut mitempfinden zu können. Im Falle von Water Love blieb das Feuerwerk leider aus. Und auch die Frage, ob die beiden sich wiedersehen oder nicht, ob sie zusammen kommen oder nicht, hat sich mir nur mit einem Achselzucken gestellt. Schließlich war von Anfang an klar, auf was das Ende hinaus laufen würde. Ich hatte zu Beginn kaum Zeit, die beiden kennenzulernen und mit ihnen eine Liebe aufzubauen - ebenso wenig wie sie in der Realität wahrscheinlich in der Lage gewesen wären, eine Liebe zueinander aufzubauen. Der Mittelteil des Buches zog sich dagegen eher dahin, die Beschreibungen des Bunkers waren zwar spannend und gut und realistisch, doch Belas unvernünftiges, unnachvollziehbares Verhalten war mit der Zeit nervenaufreibend, vorallem, da seine Initiative auf sich warten ließ. Gegen Ende hin wurde es für ihn viel zu leicht und das Ende fühlte sich wenig überraschend an, sondern erinnerte dafür sehr stark an bereits exisiterende Bücher des Genres. Trotzdem habe ich mich am Ende dabei erwischt, wie ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte, als die Spannung dann endlich kam und mich in ihren Bann schlug.

Gesamtwertung ♥♥♥

Würde man mich auffordern, direkt mit einem Wort zu beschreiben, wie ich Water Love fand, würde ich sagen: okay. Trotz seiner absolut schwachen und leider weniger erinnerungswürdigen Charaktere, ein paar logischen Ungereimheiten und einem eher langatmigen Mittelteil, hat mich der Großteil des Romans doch irgendwie unterhalten. Besonderen Spaß hatte ich an den Beschreibungen der dystopischen Welt, die auf diese Weise sicherlich noch nicht existiert, und vor allem vollkommen nachvollziehbar dargestellt wird. Hier punktet Marion Hübinger besonders mit ihrer detaillierten und kreativen Sprache. Außerdem haben es der Beginn und der Schluss der Geschichte geschafft, mich mit ihrer Spannung zu packen, ich kann also sehr wohl sagen, dass mich das Buch gut unterhalten hat. Ich hätte mir nur gewüscht, dass mehr Zeit darauf verwendet worden wäre, die beiden Charaktere und ihre Beziehung zueinander ordentlich einzuführen und auszugestalten, damit ich als Leserin in irgendeiner Weise mit ihnen verbunden bleibe.


Spannung ♥♥
Romantik

Humor

Gewalt

Action

 
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familie, österreich, indigo, mysteriös, suhrkamp

Indigo

Clemens J. Setz
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.11.2013
ISBN 9783518464779
Genre: Romane

Rezension:

Indigo

Autor: Clemens J. Setz
Genre: Postmoderne Literatur, Metafiktion, Mystery
Erschienen: 29.09.2016
Seiten:
 479
Einband:
Hardcover / Taschenbuch / eBook
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN:
978-3-518-42324-0
Preis:
22,95€ [Hardcover] | 10,99€ [Taschenbuch]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Im Norden der Steiermark liegt die Helianau, eine Internatsschule für Kinder, die an einer rätselhaften Störung leiden, dem Indigo-Syndrom. Jeden, der ihnen zu nahe kommt, befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Der junge Mathematiklehrer Clemens Setz unterrichtet an dieser Schule und wird auf seltsame Vorgänge aufmerksam: Immer wieder werden Kinder in eigenartigen Maskierungen in einem Auto mit unbekanntem Ziel davongefahren. Setz beginnt, Nachforschungen anzustellen, doch er kommt nicht weit; er wird aus dem Schuldienst entlassen. Fünfzehn Jahre später berichten die Zeitungen von einem aufsehenerregenden Strafprozess: Ein ehemaliger Mathematiklehrer wird vom Vorwurf freigesprochen, einen Tierquäler brutal ermordet zu haben." - Quelle: Verlag

Weihnachten und Literaturwissenschaft

Hallo meine lieben Bücherfüchse,

ich hoffe ihr genießt eine wunderbare Vorweihnachtszeit, trinkt viel Tee, lest viel und lasst euch von der Kälte nicht die Laune verderben. Ich melde mich heute mit einem Buchprojekt zurück, das ich im Rahmen meines Germanistik-Masterstudiums genauer untersucht habe. Da ich seit neustem in Wien wohne, lerne ich in letzter Zeit mehr und mehr die Vorzüge der Österreichischen Literatur kennen - und Clemens J. Setz ist ein Name, den man sich noch eine ganze Weile merken sollte. Gerade in Sachen Literatur fällt mir eine nach meinen klassischen Regeln geartete Bewertung eher schwer, weshalb ich in solchen Fällen gerne mit meinen Konventionen brechen würde. Ich werde die Rezension also nicht nach Cover, Charaktere, Schreibstil und Handlung aufteilen, sondern mich auf andere Aspekte konzentrieren, die mir wichtiger erscheinen. In der Literatur geht es nicht immer um den sinnigsten Inhalt, den melodischsten Stil oder die mitreißendsten Charaktere. Besonders in der modernen und postmodernen Literatur (im deutschsprachigen Raum) sind Experimente und Querdenkerei an der Tagesordnung. So muss ich mich also den Strömungen anpassen. Gerade solche Texte sind für eine wissenschaftliche Untersuchung besonders interessant - ob sie mir gefallen oder nicht kann ich in solchen Fällen dann nur selten genau sagen. Bitte bedenkt auch, dass es sich hier ganz allein um meine Meinung als Literaturwissenschaftlerin handelt und dass diese mit eurem Geschmack nicht übereinstimmen muss. Ich rate dennoch dazu, sich ab und zu einem Selbstexperiment zu unterziehen und der modernen Literatur eine Chance in der Welt des Populären einzuräumen, so experimentell sie auch sein mag. 

"Irgendwann gewöhnt man sich gegen alles"

Clemens J. Setz Roman Indigo präsentiert sich als gnadenlos kafkaesk konstruiertes Versatzstück realer und fiktiver Quellen, die dem Leser auf der Suche nach der Wahrheit niemals volle Befriedigung gewährt.Unter diesen Umständen gestaltet sich eine textnahe Zusammenfassung des Inhalts ebenso unbefriedigend wie unzureichend, wenngleich auch schnell geschaffen: Thema des Buches sind die sogenannten „Indigo-Kinder“. Basierend auf der esoterischen Theorie von Nancy Anne Tappe, nach der jeder Mensch von einer farbigen Aura umgeben sei und eine Gruppe von auserwählten Kindern von einer ebensolchen in indigoblau, haben die Indigo-Kinder in Setz Roman eine seltsame und direkte Auswirkung auf ihre Umgebung. Jeder, der sich ihnen nähert, erfährt nach wenigen Minuten heftige Kopfschmerzen, Brechreiz, Hautausschläge und Durchfall – selbst ihre Eltern. Um dieser krankmachenden Wirkung auf den Grund zu gehen, sie zu studieren, sie sich zu Nutze zu machen und die Gesellschaft vor ihrem Einfluss zu schützen, werden diese Kinder in einer Sondererziehungsanstalt im fiktiven Helianau untergebracht und schließlich „reloziert“ – das heißt sie verschwinden. Ein paar spärlich gesäte Hinweise lassen vermuten, dass man ihre „Einflusszone“ dazu nutzt, um bei anderen Menschen – in Gefängnissen beispielsweise – gezielt folterartige Zustände herbeizuführen, oder für beinahe okkultistische Zwecke zur Selbstmarterung innerhalb sektenartiger Strukturen benutzt werden.

Form und Aufbau

Der Roman spaltet sich dabei lose in zwei Zeit- und Erzählebenen, die sich gegenseitig abwechseln. Mittelpunkt der ersten Ebene ist Clemens J. Setz, Alter Ego des gleichnamigen Autors, der Ermittlungen über die Indigo-Kinder, ihre Wirkung und ihr Schicksal im Helianau Institut anstellt. Diese Zeitebene ist nicht chronologisch angeordnet: Sie beginnt zu Anfang seiner Recherchebemühungen, wird dann durch eine Art Flashback in die Vergangenheit unterbrochen, in der Clemens Setz Lehrpraktikant für Mathematik im Helianau Institut zum ersten Mal mit den Indigo-Kindern in Berührung kommt, und wird schließlich wieder in die erste Zeitebene zurückgeführt. Die zweite Realitätsebene wird von einem personalen Erzähler geführt, der den Alltag des ehemaligen – ausgebrannten – „Indigo“ Robert Tätzel schildert. Zeitlich ist dieser Erzählstrang im Vergleich zur ersten Erzählebene weit in der Zukunft angesetzt; einer Zukunft, in der die Augmented Reality die Welt beherrscht, virtuelle Zeitungen unsichtbar und unauffindbar werden, und die Bevölkerung von sogenannten iBalls unter ständiger Beobachtung steht.

Intertextualität und Fiktion

Unterbrochen werden die beiden Erzählebenen durch eine Sammlung diverser faksimileartiger Dokumente wie Briefe, Klappentexte oder Sekundärtexte, die versuchen, die wahre Existenz des Indigo-Phänomens mit stichhaltigen Beweisen hinreichend zu belegen – um auf diese Weise einen unkritischen Leser vom Wahrheitsgehalt des Romans zu überzeugen, oder einen kritischen Leser zur eigenen Recherche anzutreiben. So ergeben sich die meisten Quellenangaben als schlichtweg inexistent – an einer Stelle ist beispielsweise von einer Kalendergeschichte Johann Peter Hebels die Rede, die realitätsgetreu in Frakturschrift verfasst und unter dem Titel „Die Jütterin von Bonndorf“ aufgeführt ist, sich jedoch als reine Erfindung herausstellt. Die Suche nach anderen, nicht im Roman aufgeführten Quellen zum Konzept „Indigo“ verschaffte der Frustration eines wissbegierigen Lesers zumindest Linderung: Die als Urquelle bezeichnete (und bereits 2012 verstorbene) Dame Nancy Anne Tanne besitzt gar eine eigene Website (www.nancyanntappe.com) und einen Blog zum Thema Indigo (www.allaboutindigos.com) und im deutschsprachigen Raum wird das Thema der Indigo-Kinder von einem Esoterik-Blog (www.bunkahle.com) erwähnt und mit Literaturhinweisen hinterlegt. Auch das populäre Online-Nachschlagewerk Wikipedia führt einen
Artikel über das Phänomen; die in den Fußnoten angeführten Links zu weiterführenden Quellen führen inzwischen jedoch alle ins Nichts, zu nicht mehr existierenden Seiten, ganz so als handle es sich beim Indigo-Begriff um einen kurzen und inzwischen verrauchten Trend. FAZ-Redakteur Jan Wiele nennt es sehr passend: „man könnte sich kaputtgooglen“ (2012). Denn nicht nur die oben genannten Interventionen gefälschter Quellenangaben regen zur Überprüfung an, auch die innerhalb der Kapitel aufgeführten Exkurse über merkwürdige Phänomene wie einer Maus mit einem angewachsenen menschlichen Ohr auf dem Rücken, der einsamsten Telefonzelle der Welt, zwei russischen Hunden im Weltall oder der wahren Entstehungsgeschichte der Glühbirne (ein Exkurs, der einen zum Schluss des Romans wahnsinnig ungeduldig werden lässt), lassen einen modernen Leser nur allzu oft das Handy in die Hand und die Suchmaschine Google zu Rate ziehen. Dabei stößt man gleichwohl auf Wahrheiten und Unwahrheiten, wie auf geschickt in das erzählerische Gewebe eingefügte Halbwahrheiten: aus dem Zusammenhang gerissene Fotos und Namen, entfremdet und fehl am Platz und doch keine Fremdkörper, denn gäbe es das Internet nicht, würde der Fehler in der Matrix vielleicht nicht einmal jemandem auffallen. Es fühlt sich an, als würde der Text seinen Leser stetig an der Nase herumführen und ihm seine eigenen Grenzen unaufgefordert und kaltblütig aufzeigen: Wie abhängig wir vom heutigen Internetmedium sind. Wie lückenhaft unser Allgemeinwissen ist. Wie leicht es ist, Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten in ein und demselben Text zu verweben, bis ein zweifelhaft unzweifelhaftes Konstrukt entsteht, dem ganz ungeniert auf den Leim gegangen werden kann. Wie viel Zeit Autor Clemens Setz auf die Ansammlung (unnützen) Wissens verwendet haben muss, um ein derart informationsdichtes Textgewebe zu schaffen.

Meinung

Gerade die vielen, unnötig erscheinenden Exkurse, die stets abschweifenden Gedanken der beiden Protagonisten Setz und Tätzel, machen es einem oft schwer, dem eigentlichen Plot – sollte es so etwas überhaupt geben – zu folgen und wichtige sowie interessante Fakten über das eigentliche Thema, nämlich die Indigo-Kinder und ihr Verschwinden, im Kopf zu behalten. Ebenso wie die Figur Clemens Setz möchte man mehr über diese mysteriöse Krankheit erfahren, die Kinder befällt und Familien zerstört, doch sobald die Dialoge an den Rand konkreter Informationen und Aussagen schwappen, brechen die Figuren entweder mitten im Satz ab, weil sie sich nicht weiterzusprechen trauen, oder das Gespräch wird durch einen inneren Monolog seitens des Protagonisten unterbrochen. Auf diese Weise kommt der Leser nur bruchstückhaft voran, setzt sich auf knapp 500 Seiten sein Bild von der Wahrheit puzzelteilweise zusammen und muss am Ende doch feststellen, dass das große Ganze, die Antwort auf die Frage nach dem „Was genau ist da nun eigentlich passiert?“, noch immer von schwarzen Löchern des Nicht-Wissens zerfressen bleibt. Frustriert denkt er sich dann: „l’art pour l’art“, denn bestimmt geht es überhaupt gar nicht um den Inhalt. Nicht wahr, Herr Kafka?


Kurz:  Spannend, frustrierend, anstrengend, unbequem, zerpflückt, zerschunden, geflickt, verbunden. Wer dieses Buch durchhält, hat viel und nichts gewonnen.  Ich rate hier zum Selbstexperiment!

- Eure Bücherfüchsin

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dystopie, flawed, cecelia ahern, jugendbuch, fehlerhaft

Flawed – Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 29.09.2016
ISBN 9783841422354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flawed - Wie perfekt willst du sein? (1)

Autor: Cecilia Ahern
Genre: Jugendbuch, Utopie/Dystopie
Erschienen: 29.09.2016
Seiten:
480
Einband:
Hardcover [DE] / Taschenbuch [UK]
Verlag:
Fischer FJB [DE] / Harper Collins [UK]
ISBN:
978-3-8414-2235-4
Preis:
 18,99€ [DE] | 7,99£ [UK]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublich süßen Freund.Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte.Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über die Perfektion. Auch nicht die Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥


Wie ihr oben sehen könnt, habe ich die englische und nicht die deutsche Version des Jugendbuch-Debüts von Cecilia Ahern gelesen. Aus diesem Grund finde ich es nur richtig, hier das Cover der UK-Version zu bewerten; das deutsche habe ich euch für den direkten Vergleich jedoch unter diesem Beitrag abgebildet. Ich finde, es kommt in keiner Weise an die Qualität des Originals heran. Das liegt für mich - allem vorran - an der wunderschönen Farbgebung, die sich einer meiner liebsten Farbkombinationen bedient: Türkis und Pink. Ich liebe die Anordnung des Covers! Celestine in der Mitte, Zentrum der Geschichte, Zentrum des Geschehens und doch weit und breit allein, wie sie es auch in der Geschichte zu sein scheint. Sie geht aus dem Schatten hin zum Licht, ein Anblick, der Hoffnung verspricht, diese wird allerdings schnell zunichte gemacht, sobald man den Buchdeckel aufschlägt. Rahmen und Schrift sind schlicht aber schön gewählt und harmonieren wunderbar mit den Farben und miteinander. Natürlich ist der Name Cecilia Ahern so groß wie möglich gehalten, trotzdem stört er nicht und setzt sich nicht über den Titel des Werks hinweg, der - wie ich finde - immernoch der erste Eye-Catcher ist. Ich konnte im Laden an diesem Prachtexemplar einfach nicht vorbeigehen... Für mich ein absolut gelungenes Cover!

Charaktere  ♥♥♥♥

Celestine North: Zu Beginn der Geschichte konnte ich mit Celestine so gut wie nichts anfangen. Sie wird einem als ein verwöhntes und furchtbar oberflächliches Gör präsentiert, das im Leben keine andere Sorgen hat, als die Auswahl ihrer Kleider oder ihrem guten Ruf. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass diese Charaktereigenschaften nicht ihre eigene Schuld sind: Sie wurden ihr von der Gesellschaft aufgezwungen. In einer Welt, in der Fehler und Fehlentscheidungen restlos bestraft werden ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder lernen, "perfekt zu sein" als oberstes Ziel im Leben betrachten. Und so fürchtet Celestine nichts mehr, als in irgendeinerweise aus der Reihe zu tanzen: bloß nicht auffallen, stets so sein wie die anderen, keinen Sinn für Individualität zulassen. Umso überraschender ist es, als sie plötzlich aus dieser ihr vorgefertigten Rolle ausbricht - und es nicht einmal bewusst wahrzunehmen scheint. Indem sie einer Person hilft, die es besonders nötig hat, bricht sie die ihr auferlegten Regeln und wirkt dabei merkwürdig fremdbestimmt. Obwohl sie sich sehr wohl bewusst ist, dass sie einen schweren Fehler begeht, tut sie so, als hätte sie mit den folgenden Konsequenzen nicht gerechnet. Was mir in Anbetracht ihrer im Vorhinein so stark thematisierten Angst, etwas falsches zu tun, doch etwas zu konstruiert vorkam. Sobald die Geschichte jedoch ins Rollen kommt erfährt Celestine eine wunderbare Charakterentwicklung, der ich mit vergnügen gefolgt bin. Vom anfänglich ängstlichen und gesichtslosen Teenager ist bald nichts mehr übrig und sie wächst zu einer starken, schlagfertigen - wenn auch noch manchmal immernoch viel zu naiven - jungen Frau heran. Sie bildet das Zentrum der Geschichte und oft wirkt es so, als wären die anderen Charaktere neben ihr nur unwichtige Statisten, denen in Bezug auf "Pagetime", Charakterentwicklung und Hintergrund viel zu wenig an Wichtigkeit beigemessen wird. Sie sind zwar da und beeinflussen Celestines Werdegang, doch keiner von ihnen scheint für den Leser unentbehrlich. Das macht es keineswegs keineswegs langweilig. Vielmehr finde ich es eine Kunst, den Fokus einer Geschichte so sehr auf eine Person zu verlagern, ohne dass dem Leser etwas fehlt. Und es ist besonders angenehm, dass die "Große Liebe", wie sie im Klappentext so wichtigtuerisch angepriesen wird, für Celestine zwar wichtig ist, in der Geschichte jedoch nicht so viel Raum bekommt, wie es für Jungendbücher heute sonst der Fall ist. Hier gibt es kein übertrieben kitschiges Drama, keine Dreiecksbeziehung, keine seitenlangen inneren Monologe der Protagonistin über ihren Liebsten - es ist da, es ist gut so, aber es ist nicht Hauptteil der Geschichte! Wie unglaublich erfrischend das Fehlen von Kitsch von Zeit zu Zeit sein kann. Und weil keiner der anderen Charaktere bezüglich Charakterschärfe und Wichtigkeit an Celestine herankommt - und weil ich im anderen Falle zu sehr in Spoilern käme - behalte ich mir vor, diesmal nur die Protagonistin vorzustellen.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Wie oben schon angedeutet habe ich Flawed diesmal auf Englisch gelesen - eines der ersten Bücher, die ich bislang komplett in einer Fremdsprache durchgezogen habe. Ich hätte es schon viel früher tun sollen. Es ist alles in allem nicht nur günstiger und hilft bei der Verbesserung meiner sprachlichen Fähigkeiten - es bringt auch gewisse Nuancen zutage, die bei einer deutschen Übersetzung häufig verloren gehen können. Cecilia Aherns Schreibstil ist, wie man es von ihrem Klassiker P. S. Ich liebe dich gewöhnt ist, sehr schlicht, aber sehr präzise. Sie schafft es mit wenigen Worten und einem wirklich sehr rasanten Erzähltempo eine unglaubliche Spannung zu erzeugen, die einen das Buch kaum mehr aus der Hand legen lässt. Es gibt einige Szenen, die aufgrund ihrer Inszenierung, ihrer grandiosen Dialoge oder ihrer tiefen Emotionalität noch lange nach beenden des Buches im Gedächtnis bleiben. An manchen Stellen finde ich persönlich die Grenze des Jugendbuchs erreicht und ich würde von einer Empfehlung für Jüngere oder zarte Beseitete wohl eher absehen, doch für alle, die mit die Tribute von Panem keine Probleme hatten, sollten auch hier beherzt zugreifen.

Handlung  ♥♥♥♥♥

Die Geschichte von Celestine - ob Flawed oder nicht - fühlt sich an wie ein wilder Achterbahnritt. Nicht einmal die Einleitung gestattet dem Leser ein ruhiges Innehalten zum Kennenlernen der wichtigsten Charaktere, sondern reißt ihn direkt mitten ins Geschehen und in die Deportation einer Flawed vor den Augen ihrer Familie. Die Bedrohung wird einem also sofort und schonungslos aufs Auge gedrückt - es gibt keinen Schein, der lange bewahrt und aufrecht erhalten werden möchte. Daraufhin folgt ein Schlag auf den anderen. Es gibt keinen Alltag in dieser Geschichte, alles fühlt sich an wie ein einziger Ausnahmezustand. Oft gerät Celestine durch reines Selbstverschulden und pure Naivität in verzwickte Situationen, sodass man sich als Leser manchmal kopfschüttelnd an die Stirn fassen muss, doch alles in allem ist das Netz der Handlung gut durchstrukturiert. Langeweile war hier auf keiner Seite spürbar, nicht einmal in den Phasen zwischen den Spannungsspitzen. Wer also auf der Suche nach einer kurzweiligen und spannenden Geschichte ist, der sollte Fl awed auf jeden Fall eine Chance geben.

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Nach meiner etwa dreimonatigen Sommerpause melde ich mich aus dem Off zurück und habe einen wunderbaren Titel von einer bereits sehr bekannten Autorin mitgebracht. Die englische Version von Flawed stach mir vor ein paar Wochen in einem Flughafen-Buchhandel ins Auge und ließ mich seitdem nicht mehr los. Nicht nur hatte mich das Cover vollends überzeugt, auch der sogleich spannende Einstieg holte mich direkt ins Boot. Die zunächst etwas flache Celestine ist mir im Laufe ihrer (Leidens-)Geschichte ganz besonders ans Herz gewachsen und ich ziehe meinen Hut vor der Autorin, die es schafft, den Fokus ihrer Leser so vollkommen auf das Schicksal ihrer Heldin zu lenken, dass kein zweiter Protagonist nötig ist, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Flawed ist eine brutale und ernstzunehmende Version einer Zukunft, in der wir unser Leben von öffentlicher Reputation und Fehlerhaftigkeit abhängig machen und von dem Wunsch nach Perfektion unser Leben bestimmen lassen. Am Schluss ihres Romans schreibt die Autorin wunderbar passend:  " If there 's one message t hat I ho pe this book p ortrays, it's this : none of us are perfect. Let us not pretend that we are. Let us not be afra id that we're not. Let us not label others and pretend we are not the same. Le t us all know that to be human is to be flawed , and let us learn from every mistake made so that we don't make them ag ain." - Cecilia Ahern Amen.




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1.352 Bibliotheken, 90 Leser, 6 Gruppen, 104 Rezensionen

schottland, zeitreise, liebe, outlander, highlands

Outlander - Feuer und Stein

Diana Gabaldon , Barbara Schnell
Flexibler Einband: 1.136 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.05.2015
ISBN 9783426518021
Genre: Historische Romane

Rezension:

Feuer und Stein (Outlander 1)

Autor: Diana Gabaldon
Genre:
 Historisch, Abenteuer
Erschienen: 04.05.2015 (Neuauflage) Seiten: 1136 Einband: Taschenbuch
Verlag:
 Droemer Knaur
  ISBN: 978-3-426-51802-1
Preis: 14,99€ [Taschenbuch] | 12,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Schottland 1946: Die englische Krankenschwester Claire Randall ist in den zweiten Flitterwochen, als sie neugierig einen alten Steinkreis betritt und darin auf einmal ohnmächtig wird. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein »Outlander«." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥

Nagut, seien wir ehrlich: Das Cover der Neuauflage "Feuer und Stein" aus dem Droemer Knaur Verlag macht wirklich nicht viel her. Hätte ich nicht von vorherein nach dem Buch gesucht, wäre es mir vermutlich niemals aufgefallen - und selbst wenn, hätte ich ihm vielleicht nicht mal eine Chance zu geben. So schlicht und blau, mit ein paar Schattierungen und Schnörkeln, ist das einzig auffällige auf dem Cover die Schrift und das große Emblem, das als Fake-Lederschnalle das Gefühl vermitteln soll, man hätte es mit einem alten historischen Werk zu tun. Ein netter Kniff, aber leider nicht gut genug, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Ich mag es nicht besonders - und dass die nachfolgenden Bände gleich gestaltet sind und sich nur farblich unterscheiden, macht es leider nicht besser. Leider nur drei Sterne an dieser Stelle, und leider auch nur für die hübsche Impregnierung und dafür, dass es nicht ganz furchtbar hässlich aussieht.

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Claire Randall: Als Claire nach den ewigen Wirren des zweiten Weltkriegs endlich ihren Ehemann in die Arme schließen kann, beschließen Sie, bei einem Ausflug nach Schottland ihr Wiedersehen zu feiern. Besonders viel Zeit haben die beiden leider nicht miteinander, denn eines Tages verschwindet Claire spurlos - und erwacht in einer anderen Zeit, zweihundert Jahre von ihrem bisherigen Leben getrennt. Doch trotz der schrecklichen Geschehnisse, die kurz darauf auf sie einprasseln, ist und bleibt Claire ein starker, gesetzter und vor allem sehr pragmatischer Mensch. Sie verliert auch in den kritischsten Situationen nur selten die Nerven - was auf Ihre bisherige Karriere als Lazarett-Krankenschwester zurückzuführen ist - und begegnet jeder Bedrohung mit Mut, Intelligenz, Wortgewandtheit und einer befriedigenden Prise Humor. Sie ist keine Heldin und sie ist trotz ihres guten Herzens gezwungen, Dinge zu tun, die ihr moralisch widersprechen, um zu überleben - sie kann weder kämpfen noch kennt Sie sich mit den Gebräuchen der Zeit besonders gut auf, doch mit ihrem geschichtlichen Hintergrundwissen und ihren Kenntnissen in der Heilkunst schafft Sie sich ihren Weg. Ich bewundere Claire und ich habe jede einzelne Seite aufgesogen, um mir daraus ein Bild von ihr zu schaffen. Sie ist eigensinnig, stur und egal, ob Sie ein Messer an der Kehle hat, oder vor frischer Verliebtheit nicht mehr weiß, wo oben und unten ist: Sie lässt sich von Männern nicht blind herumkommandieren, verfolgt ihre eigenen Ziele und ist alles, was man sich als Frau von einer Romanheldin nur wünschen kann. Ich liebe es, dass sie in Krisenmomenten, statt wie gelähmt nur von ihren eigenen, panischen Empfindungen zu schwafeln, die Situation kühl analysiert und dem Leser auf diese Weise stets ein detailliertes Bild zeichnet. Dass ihr Hirn - statt blind zu verzweifeln und sich auf eine Rettung durch andere zu verlassen - stets arbeitet, wie Sie weiter handeln sollte oder welche feine Wortwahl ihr dabei helfen könnte. Ihre Beziehung zu anderen Charakteren ist tief, aber niemals so tief, dass sie sich in unnötigen Schwafeleien, in Kitsch oder einem Gedankenkarussell verlieren könnte. Einfach ein Prachtexemplar von einer Frau, einem Charakter und einer Protagonistin. Danke dafür!
Jaime Fraser: Immer, wenn ich glaube, dass ich meinen ultimativen "Bookboyfriend" - das heißt meine heimliche Bücherliebe - gefunden habe, kommt ein anderer daher, der alle anderen in den Schatten stellt. So ist es auch mit James Alexander Malcom McKenzie Fraser. Der rüstige Highlander mit dem roten Haar, den blauen Augen, der gutmütigen, selbstlosen Art, gepaart mit der entzückenden Unerfahrenheit eines Junggesellen, dem elefantenartigen Sturkopf und dem Mut eines Löwen, hat er einfach alles, wovon ich eigentlich nur träumen kann. Und doch ist er nicht makellos. Er begeht Fehler - Fehler, die ihm selbst die hingerissenste Leserin nicht verzeihen kann -, er bewegt sich stets auf einer Grenze zwischen Moral und Heldentum, die einfach unsagbar faszinierend ist. Eine Stelle, die als die in der Community am meisten diskutierte Szene gilt, ließ mich meinen Glauben an Jamie verlieren, eine andere Szene brach mir fast das Herz. Ich kann nicht sagen, wie viel ich mit den beiden Protagonisten gelitten habe, aber es hat mich Tränen und Nerven gekostet, Sie auf ihrem Weg zu begleiten. Jamie ist in diesem Buch, das eine Zeit voll von Krieg und Grausamkeiten beschreibt, ein hoffnungsvoller Stern am Horizont, der einen in dem Glauben lässt, Frieden und Gerechtigkeit existieren auch dort noch irgendwo. Ein toller Charakter - und ich bin ihm mit Herz und Seele verfallen. Aber pssst, erzählt bloß meinem Freund nichts davon. 
Dougal McKenzie: Dieses Buch strotzt nur so von einzigartigen, wichtigen und bewundernswerten Charakteren und es gibt sicherlich andere Charaktere, die ihren Platz in meiner Charakter-Bewertung mehr verdient hätten, als Dougal McKenzie. Trotzdem habe ich ihn gewählt, da er merkwürdigerweise neben den beiden Protagonisten zu meinen Lieblingen zählt. Der schon recht betagte, glatzköpfige, vollbärtige Bruder des McKenzie-Clan-Anführers ist ebenso liebens- wie hassenswert. Er arbeitet stets nach seinen eigenen Interessen, und obwohl er Loyalität schwört und dennoch sein Wort bricht, kann man sich trotzdem immer auf ihn verlassen. Er ist ein hinterlistiger kleiner Mistkerl und trotzdem ein vertrauer Verbündeter. Ich liebe es, wie auch er auf einem schmalen Grat zwischen Schwarz und Weiß, Licht und Dunkelheit, Gut und Böse balanciert, dabei für mich aber niemals an Sympathie verliert. Wenn ihr wisst, was ich meine, würde mich eure Meinung dazu brennend interessieren!
Jonathan "Black Jack" Randall: Eigentlich ist es unrecht, ihn am Schluss aufzuführen, aber der Mistkerl hat es nicht anders verdient. Diana Gabaldon hat in Jonathan Randall einen Charakter erschaffen, der mir durch Mark und Bein geschossen ist. Er ist so giftig wie eine Schlange und mindestens ebenso gefährlich - und wenn ich mich damit nicht zu weit aus dem Fenster lehne, würde ich sogar behaupten, er ist mindestens so geistesgestört wie Ramsay Bolton und Geoffrey Barratheon aus George R. R. Martins Fantasie Epos "Ein Lied von Eis und Feuer" / "Game of Thrones". Ironischerweise sind die beiden Autoren sogar befreundet, weshalb ein gegenseitiger Einfluss sicher nicht abzustreiten ist. Randall ist ein Sadist par Excellence. Er quält, er schlitzt, er zertrümmert und er widert mich an, und trotzdem ist er einer der wichtigsten Faktoren in Claires und Jaimes Geschichte - ohne ihn wäre das alles nur halb so schön. Es ist paradox, doch Jonathan Randall ist das beste Beispiel dafür, das gute Antagonisten eine gute Geschichte erst so richtig ausmachen. Macht euch darauf gefasst, dass er euch bei lebendigem Leibe (bzw. beim Lesen) das Herz aus der Brust schneidet und dabei auch noch Spaß hat. Dieser miese Lauch!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Diana Gabaldon ist eine wahre Künstlerin. Während ich zu Beginn der Geschichte Sorge hatte, dass der Schreibstil möglicherweise zu trocken und zäh sein könnte, wie man es von einem historischen Roman nun mal erwartet, hat sie mich sehr bald vom Gegenteil überzeugt. Geschrieben aus Claires Perspektive weiß die Autorin sehr genau, wie man politische Intrige und persönliches Schicksal bestmöglich miteinander abmischt, wie man mit Detailreichtum und emotionaler Bindung zu einem Charakter unerträgliche Spannung aufbaut und welche wilde Macht in emotionalen Höhepunkten liegen kann, wenn man sie selten aber bewusst einsetzt, um dem Leser das Herz wahlweise höher schlagen zu lassen oder es ihm zu zerquetschen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie unglaublich gut diese Frau ist. Wie nuanciert, wie wortgewandt, intelligent und unsagbar komplex ihr Schreibstil - nein, ihre ganze Geschichte! - ist. Man muss es selbst erlebt haben.

Handlung  ♥♥♥♥♥

Ich gebe zu, ich hatte meine Probleme, in den Roman reinzukommen. Das lag aber vor allem daran, dass ich die erste Folge der Serie gesehen hatte, bevor ich das Buch angefangen hatte, und mir die Zeit vor ihrem Sturz durch die Zeit unendlich lang vorkam. Ich wollte Action, Abenteuer und Spannung, aber so beginnt dieser Roman nicht. Feuer und Stein lässt sich Zeit, die Protagonistin einzuführen und mit vorausdeutenden Zeichen dem Leser kleine, versteckte Hinweise zu geben, was ihn im Folgenden noch erwarten könnte. Erst, wenn man die Schwelle ins 18. Jahrhundert überschritten hat, fängt man an zu begreifen, mit was für einem mächtigen Werk man es eigentlich zu tun hat. 1000 Seiten ... und ich habe mich auf keiner Einzigen davon gelangweilt. Kennt ihr das, wenn ihr regelmäßig auf die Seitenzahlen schaut, um stolz zu sehen, wie weit ihr schon gekommen seit? Beim Lesen von Feuer und Stein habe ich nur etwa alle 100-150 Seiten bewusst einen Blick auf die Seitenzahl geworfen und dann auch nur in der Angst, dass es möglicherweise bald schon vorbei sein könnte - nicht etwa, weil ich so viel Seiten hinter mich bringen wollte wie nur möglich. Ich finde, das sagt schon mehr über die Handlung des Buches aus, als ich es ohne zu Spoilern anders formulieren könnte. Das Abenteuer hat kein Ende. Es wirft einen hin und her, wiegt einen Sicherheit und Frieden und reißt einen dann zurück in die grausame Realität. Man liebt, man hasst, man weint, man lacht, man zittert, man wütet, man schreit, man schweigt, man schluckt.

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Ich habe schon viele gute Bücher gelesen. Trotzdem meide ich in der Regel Bücher, die über tausend Seiten haben, einfach weil ich weiß, dass ich sie, egal wie gut sie auch sein mögen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der Mitte abbrechen werde, weil etwas anderes, besseres dazwischen kommt. Weil ich keine Geduld mehr habe, bis ich die Masse an Buchseiten hinter mich gebracht habe, weil ich endlich meinen SuB verkleinern will. Und obwohl ich wirklich lange gebraucht habe (4 Wochen mit im Durchschnitt 1 Stunde Lesen pro Tag), habe ich es durchgezogen ohne auch nur einen einzigen Gedanken an ein anderes Buch zu verschwenden, weil es einfach so unsagbar gut war, dass ich niemals aufhören wollte. Ich wollte die Highlands nicht verlassen, ich wollte Jamie und Claire in Sicherheit wissen, bevor ich das Schottland des 18. Jahrhunderts zurücklasse und mich in andere Geschichten vertiefe. Die Wahrheit ist: Ich bin immer noch dort. Und ich habe den zweiten Band der Reihe schon neben mir liegen und kann es nicht erwarten, nachhause zurückzukehren. Amen. 


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suche, verrat, hass, intrige, anna moffey

Nebelring - Die Magie der Silberakademie

Anna Moffey
E-Buch Text: 333 Seiten
Erschienen bei null, 15.01.2016
ISBN B01APPT262
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nebelring - Die Magie der Silberakademie (2)

Autor: Anna Moffey
Genre:
 Abenteuer, Jugendbuch, Fantasy Erschienen: 17.01.2016 Seiten: 333
Einband: eBook, Taschenbuch
Verlag: / ISBN-10: 1523264519  
ISBN-13: 978-1523264513
Preis:
 12,31€ [Taschenbuch] | 2,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Silbermagie zu studieren ist ein großes Privileg... doch Zoe Craine betritt die Akademie mit dem Wissen, dass man ihr die Schuld für den Aufstand gegen den Nebelring gibt. Der Hass der Studenten macht sie zur Außenseiterin. Zunächst ist Zoe die einsamste Studentin der Silberakademie, doch dann findet sie unerwartete Verbündete: die zurückhaltende Präsidententochter Michaena und Bess' jüngeren Bruder Lupa. Gemeinsam stoßen sie auf Experimente von grenzenloser Brutalität." - Quelle: Amazon

Cover  ♥♥♥♥♥

Wer meinen Blog verfolgt, wird sicherlich schon darauf gekommen sein, dass ich eine große Leidenschaft für Füchse und auch für die Farbe rot habe - und, dass ich schon bei Annas Nebelring - Das Lied vom Oxean vom Cover absolut hingerissen war. So geht es mir diesmal auch. Man merkt an der Farbgebung des Bildes sehr deutlich, dass sich auch an der Geschichte dahinter so einiges verändert hat: Die Farben sind dunkler, flammender und intensiver, so wie sich Zoes Situation langsam zuspitzt. Der Fuchs ist kleiner, tritt in den Hintergrund, bildet aber trotzdem immernoch den Mittelpunkt der Geschichte - diesmal sitzt er auf dem Nebelring und befindet sich nicht, wie im Teil davor, darunter. Der Fuchs Oxean kommt diesmal also direkt mit dem Nebelring in Berührung und schaut hinauf zu der Kuppel, die ihn und die Akademie der Silbermagier unter den tonnenschweren Wassermassen eines Sees einschließt. Beide, das Mädchen und der Fuchs sind einander zugewandt, verschmelzen nicht mehr, wie sie es in Band eins noch getan haben, schauen aber in die selbe Richtung und sind sich dabei nicht feindlich gesinnt. Wie genau man das nun mit dem Inhalt des Buches verbinden kann, muss jeder für sich selbst entscheiden, sobald er es gelesen hat. Ich liebe es, wie Zoes Haare durch einen fuchsroten Schleier ersetzt wurden und sie damit mit der brennenden Umgebung so halb verschmilzt. Ich könnte das Cover stundenlang anstarren und es würden mir wahrscheinlich noch 10.000 Dinge einfallen, die ich dazu sagen kann, doch ich belasse es jetzt mal bei einem verträumten 'Man-ist-das-schön!'

Charaktere  ♥♥♥♥

Zoe: Ich bin immer wieder überrascht von Zoe. Gegen ihren Willen wurde sie im ersten Teil des Buches das Aushängeschild für eine Revolution, mit der sie eigentlich gar nicht so viel zu tun haben möchte. Seither sind viele schlimme Dinge passiert und ich liebe es, wie sie sich trotz alledem noch immer tapfer hält, eingeschlossen an einem Ort, der ihr nur schlechtes wünscht, immer wieder den Mut und die Kraft aufbringt, ihren Missgönnern die Stirn zu bieten. Gleichzeitig ist sie absolut menschlich gezeichnet: Natürlich geht ihr all das sehr nah und natürlich muss sie den ein oder anderen Nervenzusammenbruch oder Heulkrampf hinter sich bringen, um dann wieder die Schultern zu straffen und weitermachen zu können. Manch einem Leser hat sie im zweiten Teil der Reihe Nebelring - Die Magie der Silberakademie etwas zu viele Tränen vergossen, doch ich persönlich finde jede einzelne von ihnen vollkommen berechtigt und psychologisch verständlich. Zoe ist eine von uns. Sie ist ein normales Mädchen mit normalen Wünschen, normalen Ängsten und einem Schicksal, das sie sich selbst nicht ausgesucht hat. Ich konnte mich wirklich gut in sie hineinversetzen und war auch diesmal wieder von ihrer Individualität und ihren eigenständigen Entscheidungen so beeindruckt, dass ich eigentlich nur mit ihr mitfiebern konnte. Ein wenig unverständlich fand ich jedoch ihren Sinneswandel gegen Ende des Buches: Sie liebt ihren Vater über alles und fürchtet um ihn, will ihn befreien und schützen um jeden Preis - und plötzlich steht sie über dieses Dilemma vollkommen drüber. Vielleicht ist ihr Sinneswandel eine logische Konsequenz aus den vorangehenden Geschehnissen, trotzdem kam er in meinen Augen so plötzlich, dass er wiederum nicht ganz nachvollziehbar war. Auch hätte ich mir gewünscht, dass sie im Verlauf der Handlung aktiver wird, dass sie anfängt darüber nachzudenken, wie sie es schaffen könnte, zu fliehen und gleichzeitig ihren Vater zu befreien. Ja, sie wird von mehreren Seiten bedroht, aber ich hatte das Gefühl, dass sie sehr schnell den Kopf in den Sand gesteckt hat, was ihre eigene Freiheit angeht. 
Lupa: Bess Bruder mit dem merkwürdigen Hut, der fröhlichen Art und dem Hang, jedem auf die Nase zu hauen, der seinen Freunden dumm kommt, hat mein Herz im Sturm erobert. Lupa ist einfach ein perfekter, verwirrter, liebenswerter Charakter, der für seine Freunde jedes Risiko auf sich nehmen würde, wenn er ihnen damit irgendwie helfen kann. Ich hätte ihn gern häufiger in Aktion erlebt, leider taucht er für meinen Geschmack etwas zu selten auf, schafft es dann aber, jede noch so unangenehme Situation aufzulockern. Er bringt eine Komponente in die Handlung, die Zoe so ein bisschen fehlt: Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass alles irgendwann gut wird.
Kurk: Mein Gott, was habe ich diesen Charakter verabscheut. Der arrogante, nervige, unheilbringende Greifer - nagut, nicht ganz so schlimm wie Quen, das muss ich zugeben -, der immer dann auftaucht, wenn man ihn am wenigsten braucht, um Zoe auf den Zeiger zu gehen. Er tut alles, um ihr den Aufenthalt an der Silberakademie möglichst schwer zu machen und bringt sie mit seiner fanatischen Fixierung auf sie sogar in Lebensgefahr. Dinge wie die, die er tut, tut man nur denjenigen Menschen an, denen man das schlimmste an den Hals wünscht. Und trotzdem scheint er nach eben diesem lebensgefährlichen Vorfall wie ausgewechselt, scheint gar nicht mehr der zu sein, den man in ihm zu sehen glaubte. Dieser 180° Sinneswandel, der da mit ihm vonstatten geht, war für mich ein bisschen unglaubwürdig. Es ging zwar nicht zu schnell, dafür aber zu abrupt, um echt zu sein - wirklich, ich habe die letzte Hälfte des Buches damit verbracht, auf der Lauer zu liegen, ob Kurk nicht plötzlich doch seine Meinung ändert. Ich vertraue ihm bis heute nicht. Verrückterweise vertraue ich in diesem Teil der Reihe auch Bess nicht mehr - warum, ist eine andere Geschichte. Diese Unwissenheit, ob und wie ehrlich die Menschen um Zoe herum wirklich sind, tragen eine so hohe psychologische Spannung in sich, dass sie den Leser vollkommen gefangen nimmt.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Teil der Nebelring-Saga, muss ich die Autorin auch diesmal wieder in höchsten Tönen loben: Anna Moffey schafft es, mit wenigen Worten und einem einfachen, geradlinigen Schreibstil Welten zu eröffnen, die so manch einem Literat verwehrt bleiben. Es ist ein unglaubliches Talent viel mit möglichst wenig Mitteln auszudrücken und ich finde, die Autorin hat dieses Talent einfach in die Wiege gelegt bekommen. Schon nach ein paar Zeilen hat der Leser eine so genaue Vorstellung von den Charakteren, der Szenerie und der Umgebung, dass er leicht vergisst, sich nicht in einem guten Film, sondern in einem Buch zu befinden. Die Charaktere wirken alle so präzise und individuell gezeichnet, dass keiner von ihnen flach oder uninteressant wirkt: Sie haben alle ihre Wünsche, Träume, Ängste und Intentionen, die in die einzelnen Dialoge und Handlungen einfließen, sodass man bald das Gefühl hat, mit Zoe in einem einzigen Netz menschlicher Gefühle festzustecken. Ich finde, Anna Moffey ist eine der feinfühligsten Autorinnen, die ich kenne, mit einer wunderbaren Beobachtungsgabe und einer noch strahlenderen Fantasie. Gleichzeitig überlässt sie dem Leser auch viel Raum, seine eigene Fantasie in die Geschichte mit einzubringen: Nicht alles wird bis ins Detail erklärt oder beschrieben, was so manchem Leser Schwierigkeiten bereiten könnte, sich in der Welt des Nebelrings zurecht zu finden. Ich genieße die Freiheit, die sie mir lässt, weiß aber auch, dass sie nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Handlung  ♥♥♥

Die Handlung von Nebelring - Die Magie der Silberakademie hat mir bei Weitem nicht so gut gefallen wie die des ersten Teils. Die erste Hälfte des Buches tauchen wir mit Zoe in die Welt des Nebelrings ein - die genau andere Seite zu der, die wir schon kennen. Doch ihr sind die Hände gebunden, denn der Nebelring hat die Gewalt über den Menschen, der ihr am wichtigsten ist, weshalb sie versucht, so gut es geht einen Alltag zu bestreiten. Dabei versucht sie möglichst, Anfeindungen stand zu halten und ihr Ding durchzuziehen: Drei Jahre lernen hinter sich bringen und dann ab dafür. Natürlich passieren immer wieder Dinge, die die Spannung aufrecht erhalten und die Informationen, die man dabei über die Welt und das Malwee sammelt, sind unglaublich interessant und wahrscheinlich auch wichtig für den weiteren Handlungsverlauf. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sich die erste Hälfte des Buches zog, ich hatte große Probleme, in die Handlung reinzukommen, einen Orientierungspunkt zu finden und mich mit Zoes neuer Situation abzufinden - die mir absolut nicht geschmeckt hat, aus der sie sich selbst aber eine gefühlte Ewigkeit lang nicht selbst befreien kann oder will. Als die Geschichte dann gegen Ende hin so richtig ins Rollen geriet, konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen. Scheinbar aussichtslose Situationen, rasante Wendungen, ... es war ein Fest für die Sinne! Bloß hätte ich mir den "letzten Showdown", die letzte dramatische, spannende Szene, bevor das Buch dem Ende zustrebt, etwas actionreicher, vielleicht sogar etwas "brutaler" gewünscht - es ist so plötzlich vorbei und man wird das Gefühl nicht los, dass Zoe noch viel mehr hätte reißen können, wenn sie sich nur getraut hätte. Spannend - absolut! Nur hat mir noch der letzte, entscheidende Kick gefehlt, der am Ende des ersten Teils definitiv vorhanden war!

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Der erste Teil der Nebelring-Saga hat mich bis ins Detail begeistert, die Charaktere, die Handlungen, die Beschreibungen und vor allem die Idee: Alles hat gestimmt. Im Vergleich dazu fällt der zweite Teil etwas ab, was nicht am Schreibstil der Autorin oder den unglaublich liebenswerten Charakteren liegt, sondern viel mehr an der Handlung. Die erste Hälfte zog sich vergleichsweise in die Länge, Zoe wirkt an manchen Stellen unangenehm passiv, obwohl der Leser sich nichts lieber wünscht, als dass sie über sich hinauswächst und beginnt, gegen die ihr so verhassten Umstände zu rebellieren. Wenn ich genauer darüber nachdenke, weiß ich glaube ich, was mir am Ende, dem finalen Showdown, so wirklich gefehlt hat: der "Endgegner". Klar, Zoe hat Feinde - und das nicht zu knapp - aber mein Lieblings-Ober-Schmieri-Fiesling aus Nebelring Band Eins bleibt bedauerlicherweise diesmal etwas im Hintergrund. Seine Vertretung schafft es nicht wirklich, an ihn heranzukommen. Aber ich bin mir sicher: Er plant etwas... und er wird Zoe im nächsten Band so richtig schön die Hölle heiß machen. Oder andersrum? :) Nichtsdestotrotz ist Nebelring - Die Magie der Silberakademie ein gelungene und auch spannende Fortsetzung, die viel Einblick in die Welt und ihre Geschichte gibt. Es werden neue, unsagbar sympathische Charaktere eingeführt, die nochmals eine ganz andere Dimension der Handlung ermöglichen. Denn wir wissen jetzt aus erster Hand, was der Nebelring so treibt. Und es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln. Ich kann es kaum erwarten, den nächsten Teil in meinen Händen zu halten!
Und hiermit sende ich eine Nachricht in die Welt des Nebelrings, ich hoffe Zoe trägt sie weiter:  ICH LIEBE DICH ESELMANN!! <3
Danke! 


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wölfe, tierischer protagonist, tiere, tierfantasy, freundschaften

Die Wolfs-Chroniken - Der Schwur der Wölfe

Dorothy Hearst , Ane Dahm
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.06.2015
ISBN 9783841422262
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Der Schwur der Wölfe (1)

Autor: Dorothy Hearst
Genre: Abenteuer, Jugendbuch, Fantasy
Erschienen: 25.06.2015
Seiten: 432
Einband: Paperback
Verlag: FJB
ISBN: 978-3-8414-2226-2
Preis: 14,99€ [D] | 15.50€ [A]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt
"Vor 14.000 Jahren begann die Legende der Wölfe mit einem bedeutsamen Schwur: Wir werden uns nie mit den Menschen einlassen. Und wir werden nie einen Menschen grundlos töten. Dieser Schwur bestimmt das Leben der Wölfe des Großen Tals. Bis eine junge Wölfin die Lüge, die sich hinter diesem Schwur verbirgt, entlarvt. Eine Lüge, die ihren eigenen Tod und die Zerstörung all dessen, was sie liebt, bedeuten könnte. Als die junge Wölfin Kaala unten am Fluss das kleine Mädchen TaLi vor dem Ertrinken rettet, sich mit ihr anfreundet, heimlich mit ihr zu jagen und zu spielen beginnt, riskiert sie, aus dem Rudel ausgeschlossen und aus dem Weiten Tal vertrieben zu werden. Aber auf unerklärliche Weise fühlt sich Kaala zu den Menschen hingezogen und als sie schließlich erfährt, dass sie der letzte noch lebende Wolf ist, der dazu berufen ist, die Verbindung der Menschen zur Natur zu bewahren, muss sie sich ihrer Aufgabe stellen. Und schon bald droht ein Krieg zwischen den Wölfen und den Menschen, der sie vor eine große Entscheidung stellt …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥♥
Ich kann bei diesem Cover eigentlich gar nichts anderes sagen als: Wow. Schon damals, als dieses Buch in seiner ersten Auflage als "Das Versprechen der Wölfe" erschien, war ich von dem Cover hin und weg (siehe ganz unten), doch diese Version hat sich nochmal doppelt übertroffen. Die tiefblaue, verträumte Farbgebung des Waldes im Hintergrund, der edle Rahmen, der das Bild von Wolf und Mensch und den Titel umschließt. Letzterer ist in seiner Größe sehr dominant, der eigentliche Blickfang bleibt trotzdem die Abbildung darüber, was für eine wohlüberlegte und sehr gelungene Komposition spricht. Es gibt eine Vorstellung davon, wie Kaala und TaLi gemeinsam durch den Wald rennen, ohne der eigenen Fantasie den Zündstoff zu nehmen, wie es ein Fotocover an dieser Stelle wohl getan hätte. Alles in allem habe ich an der Gestaltung absolut keinen Fehler gefunden - das Buch ist eins der schönsten in meiner Sammlung!

Charaktere  ♥♥♥♥
Kaala: Vom schwächlichen Winzjunges zur willensstarken Jungwölfin begleiten wir Kaala im ersten Band Der Schwur der Wölfe - und dabei bereitet sie uns mehr als einmal gehöriges Herzflattern. Es ist wahnsinnig spannend, dabei sein zu dürfen, wie sie heranwächst, lernt, sich in ihrem Rudel zu behaupten (oder eben nicht) und wie sie sich mit ihrer Sturheit mehrfach in scheinbar unlösbare Konflikte manövriert. Sie ist eine starke, unabhängige Jugendbuch-Heldin mit einem großen Herzen, sehr viel Mut und diesem Hauch von Lebensmüdigkeit, der spannende Geschichten erst so richtig spannend macht. Doch sind es erst ihre Fehler, die sie erst so richtig interessant machen: Sie spürt Neid und Eifersucht, beweist aber trotzdem die nötige Stärke, darüberzustehen, sie setzt ihren Willen durch, ganz gleich wie ihre Rudelmitglieder und vor allem der Leser ihre Entscheidungen bewerten, sie ist übermütig und überschätzt sich manchmal selbst, war ihr nicht immer weiterhilft. Ich war nicht immer mit ihren Taten einverstanden, sie war mir dabei aber niemals unsympathisch - im Gegenteil. Sie fühlt sich an wie ein eigenständiges Wesen, ein naives, unerfahrenes Mädchen, das alle Emotionen in sich trägt, die auch zu einem Menschen gehört, und mit Genuss Fehler macht, die der jugendliche Leichtsinn eben mit sich bringt. Ich liebe Kaala und ich kann es kaum erwarten, mich in den nächsten Band zu stürzen, um zu erfahren, was das Schicksal für sie noch so bereit hält.

Azzuen: Kaalas Wunschbruder Azzuen wirkt in der ersten Hälfte des Buches relativ unscheinbar. Recht früh beschließt er, Kaala zu folgen und zu vertrauen, ganz gleich, was sie tut oder wohin sie geht. Dass er sich dadurch selbst in Gefahr bringen könnte, kommt ihm dabei natürlich nicht in den Sinn - oder es ist ihm nicht wichtig. Dadurch wirkt er stets ein bisschen zu flach und zu schwächlich, um wirklich eine große Rolle in Kaalas Abenteuer zu spielen. Aber wie wir wissen, sind stille Wasser tief, und so entpuppt sich Azzuens Entwicklung für mich eigentlich als die größte Überraschung. Von allen Charakteren macht er die größte Wandlung durch und hat das gleichermaßen größte Potential, in den kommenden Bänden über sich herauszuwachsen. Er beweist auf jeden Fall das nötige Rückgrat dazu und wächst dem Leser mindestens genauso sehr ans Herz wie Kaala.

Ruuqo: Für den Leitwolf der Wölfe vom Schnellen Fluss empfinde ich eine leidenschaftliche Hassliebe, wie ich sie nur selten erleben durfte. Einerseits verabscheue ich ihn für seine Taten, die meisten seiner Entscheidungen und vor allem für seine Einstellung Kaala und ihren Freunden gegenüber. Mit seiner sturen, dominanten Art wirft er der Jungwölfin immer wieder scheinbar unüberwindbare Stolpersteine in den Weg und macht keinen Hehl daraus, dass er sie verabscheut. Gleichzeitig kann ich seine Entscheidungen auch sehr gut nachvollziehen, weil der Leser nur selten im Unklaren darüber gelassen wird, wie sie zustande kommen. Auf seinen Schultern lastet die Verantwortung für ein ganzes Rudel, und sein einziges Ziel ist es, sie vor allem Unheil zu schützen. Schwache, kopflose Wölfe kann er in seiner Nähe nicht gebrauchen, wenn es um das pure Überleben geht. So gesehen konnte ich für Ruuqo niemals Abneigung empfinden, im Gegenteil, so gemein er auch sein kann, irgendwie hatte ich immer das Gefühl, in zu verstehen und für seine tragische Rolle des Buhmanns gerade ganz besonders gern zu haben. Er hat es nicht leicht - ich bin gespannt, wie sein Charakter sich in den kommenden Bänden weiterentwickelt.

Tlitoo: Was wäre eine heldenhafte Wölfin ohne ihren herrlichen Sidekick? Die junge Krähe Tlitoo war für mich ein unverkennbares Highlight in Der Schwur der Wölfe. Er ist unglaublich intelligent, dafür aber auch umso aufdringlicher! Ausgestattet mit ein paar gerissenen Ideen, einem spitzen Schnabel und Flügeln, die ihn immer aus der Schusslinie manövrieren, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Kaala auf ihrem Weg zu begleiten und ihr dabei gehörig auf die Nerven zu gehen. Er steht ihr immer dann bei, wenn sie es am dringendsten braucht, beschert ihr ansonsten aber lieber die ein oder andere Schwierigkeit, um sich über sie lustig zu machen. Ein herrliches Detail der Krähen, wie sie in Dorothy Hearts Trilogie dargestellt sind, ist ihr ständiger Drang, sich in kurzen, frechen Haikus auszudrücken, wann immer ihm der Sinn danach steht. Zwar beherrscht er auch die normale Sprache mit geradlinigen Sätzen, wie sie den Wölfen und Menschen auch zueigen ist, doch nutzt er die Poesie viel lieber, um seinen Gegenüber entweder sehr geschickt zu beleidigen oder ihn rätselhaft in die Irre zu leiten. Seine scheinbar desinteressierte, schelmische Art war herrlich und lockerte die oftmals eher ernsthafte Atmosphäre des Romans auf angenehme Weise auf. Toller Charakter!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Dorothy Hearst hat einen ruhigen und spannenden Schreibstil, der trotz der mystischen Elemente in der Handlung überraschend down-to-earth geblieben ist. Man fühlt sich von der geschickten Komposition zwischen realistischem Tierreich und fantastischem Zusammenspiel der einzelnen Parteien so eingenommen, dass man immer wieder vollkommen in die Geschichte abtaucht ohne es zu merken. Weite Graslandschaften, dunkle und helle Wälder, Mondnächte, so klar, als könnte man sie greifen - das Ganze entfaltet seine ganz eigene Magie, die von der realitätsgetreuen Darstellung wölfischen Sozialverhaltens gepaart mit eher menschlich gehaltenen Charaktereigenschaften der Tiere nur noch verstärkt wird. Hearst selbst ist auf dem Gebiet der Wölfe eine Expertin, wie sie im Buche steht, denn sie hat ihr Verhalten viele Jahre lang studiert - diese Erfahrungen spiegeln sich in ihrem Roman so wunderbar wieder, dass man nicht nur das Gefühl hat, in eine fantasievolle Welt abzutauchen, sondern gleichzeitig auch etwas über die faszinierenden Tiere zu lernen, die sie bevölkern. Wie bringen Wölfe ihre Jungen durch? Wie funktioniert das Rang-System? Wie jagen Wölfe? Welche Funktion erfüllen die einzelnen Tiere in einem Rudel? Realtität trifft Fantasie auf allerhöchstem Niveau!

Handlung  ♥♥♥♥♥
Auch nach dem zweiten Lesen empfand ich die Geschichte, die Der Schwur der Wölfe erzählt, von Anfang bis Ende unfassbar spannend! Wir werden nicht nur mit einem hilflosen, neuen Leben konfrontiert, das seinen Weg finden muss, zu überleben, sondern erfahren am Rande auch, dass dieses kleine Leben entweder zu großem Glück oder zu großem Unheil verdammt ist. Natürlich beobachtet man da jeden seiner Schritte umso genauer, fürchtet um es, fühlt mit ihm, wünscht ihm Stärke, Kraft und Gerechtigkeit, doch schnell muss man einsehen, dass die Wildnis gnadenlos ist. Kaala führt uns auf eine unvergessliche Reise, tut Verbotenes, tut Richtiges, tut Falsches und bringt damit nicht nur ihr eigenes Schicksal ins Rollen, sondern auch das ihrer Freunde und Gefährten um sich herum. Auf jeder neuen Seite findet sie sich mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, sei es, weil es auf natürlichem Wege, wie die erste große Wanderung, oder von außen verursacht, wie durch Missgunst eines ihrer Rivalen. Das Buch endet in einer gefühlt gewaltigen Entladung all dieser Konflikte, zwischen Loyalität und Liebe, zwischen Heimat und Sehnsucht, zwischen Mensch und Wolf. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, auch wenn ich es manchmal gerne getan hätte, einfach, um mich den unangenehmen moralisch-ethischen Problemstellungen zu entziehen, die mich das ein oder andere Mal auf eine harte Probe gestellt haben. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥
Als ich vor einigen Jahren das erste Mal auf dieses Buch gestoßen bin, habe ich noch nicht geahnt, welch großer Schatz mir da in die Hände geraten ist. Dieses Buch hat alles, was ein gutes Jugendbuch haben muss: Eine mutige, aber nicht unfehlbare Heldin, ein spannendes Abenteuer, ein Konflikt, der Hauptfigur und Leser gleichermaßen vor die Wahl seiner ethischen und moralischen Grundsätze stellt, tolle Charaktere, und nicht zu vergessen: Der Traum eines jeden Kindes, die Welt einmal aus den Augen eines Tieres zu sehen. Das alles mach Der Schwur der Wölfe zu einem tollen Buch für Jugendliche und Erwachsene, die auf der Suche nach neuen Ideen und großen Abenteuern ihren eigenen Träumen hinterherjagen. 


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik

Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥♥♥

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magie, dämonen, feuer, dark fantasy, schamanin

Der Wanderer: Prologband

Dominique Stalder
Flexibler Einband: 340 Seiten
Erschienen bei SadWolf Verlag, 20.03.2016
ISBN 9783946446088
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Der Wanderer - Die Schamanin (1)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.11.2015
Seiten: 89
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ASIN: B018DXFND4
Preis: 2,99€

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Ohne Erinnerung und Kleider erwacht der Wanderer am Strand. Fragen über Fragen verfolgen ihn. Bald findet er Obdach bei der Schamanin Drakatia, die seine Fähigkeiten erkennt. Sie lehrt ihn, wie er die Magie des Feuers beherrschen kann und spinnt dabei ihre eigenen Netze. Zusammen mit dem Mädchen Myrael leben die drei inmitten eines Sumpfes, bis zu dem Moment, in dem Drakatia eröffnet, dass sie in Kürze ein wichtiges Ritualvollziehen wird. Merkwürdige Dinge geschehen darauf. Die von Angst getriebene Myrael ahnt Schlimmes und der Wanderer beobachtet Absonderliches. Nur drei Tage hat er Zeit, um hinter das Mysterium des Rituals zu kommen. Dochdie Wahrheit und ihre Folgen sind schlimmer, als er je erwartet hätte …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥


Ich muss gestehen, auf den ersten Blick empfand ich das Cover von der Wanderer als unscheinbar, eben weil es nicht mit übertrieben knalligen Farben aus der Masse noch knalligerer Farben heraussticht, sondern sich mit seiner Düsterkeit hinter einer eher bescheidenen, angenehmen Farbgebung verbirgt. Erst bei genauerem Hinsehen eröffnet sich dem Betrachter die eigentliche Schönheit und Detailgenauigkeit des Covers, das nicht nur meine Lieblingsfarbe Türkis als zweites Grundthema trägt, sondern auch die Charaktere haar genau so darstellt, wie ich sie mir vorgestellt habe. So etwas Passendes habe ich lange nicht erlebt! Aber die meisten Cover heutzutage trauen sich auch gar nicht mehr, ihren Lesern die Vorstellung der Figuren vorweg zu nehmen. Normalerweise stehe ich dem Ganzen kritisch gegenüber - hier stört es mich gar nicht, einfach, weil die Ausführung stimmt. Einzig und allein die Darstellung von Myrael, der Figur links, gefällt mir nicht so gut, sie wirkt ein bisschen aufgebläht und zu wenig filigran für den Charakter, den sie darstellen soll. Ansonsten ein wirklich schönes Cover.

Charaktere  ♥♥♥

Haric: Unser Protagonist Haric wacht eines düsteren, verregneten Tages ohne Kleidung an einem ihm unbekannten Strand auf und stellt fest, dass er weder weiß, wer er ist, noch, wo er herkommt oder wo er sich gerade befindet. Gerade diese undefinierbare Leere, die ihn sowohl für sich selbst, als auch für den Leser wie ein unbeschriebenes Blatt wirken lässt, macht es schwierig, ihn überhaupt zu definieren oder zu charakterisieren. Ich wurde ehrlich gesagt nur sehr schwer warm mit ihm, besonders weil er sich die meiste Zeit eher unscheinbar, unterwürfig und zurückhalten verhält, was es mir schwer gemacht hat, ihn als 'Helden' der Geschichte so richtig wahrzunehmen. Erst am Ende des Buches, im Angesicht der Gefahr und der Bedrohung einer ihm sehr wichtigen Person, wächst er über sich selbst hinaus und zeigt endlich das, was ich die ganze Zeit an ihm vermisst habe: Rückrat. Endlich, dachte ich, endlich machst du den Mund auf, Haric und zeigst, was in dir steckt! Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass der gute Mann und ich in den kommenden Teilen besser miteinander auskommen werden.    

Drakatia: Ganz anders erging es mir da mit der Titel gebenden Schamanin, Drakatia, die mich von der ersten Sekunde ihres Erscheinens in ihren Bann geschlagen hat. Ihre bissige, tempramentvoll und zugleich amüsiert-überhebliche Art, Haric und Myrael zu begegnen, traf genau meinen Geschmack dessen, wie eine starke Frau zu sein hat. Sie weiß was sie will, setzt ihren Willen durch und scheut nicht davor zurück, sich das zu nehmen, was ihr (in ihren Augen) zusteht. Ich habe jede einzelne Konversation zwischen ihr und den beiden anderen Charakteren genossen und war besonders von ihrem Geheimnis fasziniert, das sich dem Leser nach und nach offenbart. Ein wirklich sehr gelungener Charakter, von dem man lange nicht weiß, ob er Freund oder Feind ist. Sehr schön!

Myrael: My ist wohl das, was man in der englischen Literaturtheorie eine "damsel-in-distress" nennen würde. Sie ist zart, herzlich, wunderhübsch und dabei beinahe zerbrechlich. Sie ist genau die Art von Charakter, die ich mich (und die Literaturwissenschaft) schon immer fasziniert hat, aber gleichzeitig dem Risiko unterliegt, vorhersehbar und langweilig zu sein. Myrael ist das nicht. Tatsächlich bringt sie mit ihrem mysteriösen, angstvollen Verhalten genau die richtige Portion Spannung in die Geschichte, die andernfalls schmerzlich gefehlt hätte. Ich mochte die Darstellung ihrer Beziehung zu Haric, deren Basis eine ganz zarte, unscheinbare Blüte der Zuneigung ist, die jederzeit zu zerbrechen droht. Lediglich ihre ewige Unzugänglichkeit und ihr stures Schweigen gegen Ende hin, trieb mich beinahe in den Wahnsinn und ist für mich die einzige Schwäche, die ich an ihrem Charakter erkennen kann.

Schreibstil  ♥♥♥

Grundsätzlich hat mir Dominique Stalders Schreibstil ganz gut gefallen. Er ist detailliert und kunstvoll, sieht sehr stark von Umgangssprache ab, was für das Darkfantasy-Genre nur gut und üblich ist. Seine Sprache ist wirklich sehr schön, bedient sich dabei einer malerischen Kraft, kommt mir an ein paar wenigen Stellen bei bestimmten Formulierungen jedoch noch etwas unbeholfen vor, was sich vor allem an bestimmten Worten und Redewendungen abzeichnet, die er immer wieder gerne benutzt. Als besonders gelungen empfand ich die Darstellung der verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Haric und den beiden Frauen, Myrael und Drakatia, die unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können. Klischeehaft ist hier nichts! Ein großer Störfaktor waren für mich jedoch die seitenlangen Innensichten des Hauptcharakters, deren Existenz an sich nichts Schlechtes ist, sie sich jedoch derart in Wiederholungen und ellenlangen Beschreibungen irrelevanter Handlungen und Gedankengänge verliert, dass es mir manchmal schwer fiel, ganz bei der Sache zu bleiben.

Handlung  ♥♥♥

Bei  Der Wanderer - Die Schamanin handelt es sich ganz klar um den Auftakt einer mehrteiligen Fantasyreihe und bildet mit seinen ca. 100 Seiten keinen ganzen, vollwertigen Roman, sondern soll den Leser langsam in Thematik und Handlung der kommenden Bücher einführen. Behält man diese Tatsache im Auge, versteht man das Konzept der Handlung leichter. Für mich persönlich hat es genau diesen Zweck erfüllt: Es hat mir Lust gemacht auf mehr und mich in dem Drang zurückgelassen, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Leider hat mich die Handlung jedoch erst gegen Ende des Buches gepackt, denn die durch die seitenweisen Innensichten des Hauptcharakters las sich die Geschichte manchmal zäh und fühlte sich unnötig in die Länge gezogen an. Die wirklich wesentlichen Stellen waren jedoch spannend gemacht und regten zum Weiterlesen an, wurden aber auch hier zum Teil sehr stark ausgereizt. Man muss diese Form des sprachlichen Detailreichtums mögen, andernfalls kann  man sich leicht darin verheddern und steckenbleiben. 

Gesamtwertung ♥♥♥

Alles in Allem war Der Wanderer - Die Schamanin für mich ein gut gelungener Anfang für etwas noch viel Größeres. Auch, wenn ich mit Haric in diesem Teil der Geschichte noch nicht so richtig warm werden konnte, so bin ich doch überzeugt davon, dass er sich spätestens mit der Suche nach seiner wahren Identität so formen wird, dass er auch für mich an Substanz gewinnt. Für die kommenden Teile wünsche ich mir, dass Harics Innensichten erhalten bleiben, sich vielleicht in Zukunft aber eher auf das Wesentliche beschränken. Es herrscht ein schmaler Grad zwischen Detailverliebtheit und Schwafelei, denn man darf nie vergessen, dass auch der Leser nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne hat. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den nächsten Teil, denn ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welche Geheimnisse und Abenteuer noch auf den Wanderer warten - denn Dominique Stalders hier abgezeichneter Ideenreichtum hat definitiv großes Potential!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt 
Action 

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Die Sturmfalken von Olbian

Leann Porter
E-Buch Text: 451 Seiten
Erschienen bei dead soft verlag, 17.02.2016
ISBN B01BWM2ND6
Genre: Sonstiges

Rezension:


Die Sturmfalken von Olbian (1)

Autor: Leann Porter
Genre: Romance, Gay Romance, Fantasy, Krimi
Erschienen: 10.02.2016
Seiten: 576
Einband: eBook
Verlag: deadsoft Verlag
ISBN: 978-3945934715
Preis: 6,99€ [eBook] | 13,95€ [broschiert]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Die Sankanischen Spiele werfen ihre Schatten voraus und locken Kämpfer und Zuschauer aus der ganzen Welt in die Goldene Stadt. Unter ihnen der Sidhe Jawed, der unfreiwillig den Kämpfer Caron begleiten muss, und die abenteuerlustige Kaylin, die sich als Junge verkleidet einschleichen konnte. Während Kaylin sich als Knappe eines Kämpferfavoriten verdingt, hängt Jawed seinen Träumen vom Falkenmann nach, den er als Kind aus der Gefangenschaft rettete und seitdem nie wiedergesehen hat. Doch auch der undurchschaubare Caron weckt verwirrende Gefühle in ihm. Als Kaylin über die Leiche eines Kämpfers stolpert, ahnt niemand, dass das erst der Anfang einer Mordserie ist, die sie und Jawed in einen Strudel aus Gewalt und Hass ziehen wird …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥
Hier war das Cover mal wieder besonders einflussreich auf meine Entscheidung, dieses Buch zu lesen: Ich finde es unglaublich ästhetisch! Der gut aussehende Fremde im antiken, römischen Gewand, den Blick nachdenklich, geheimnisvoll abgewandt, das strahlende Rot des Umhangs, der seine Lenden verschleiert, der auf den ersten Blick unscheinbare, aber wunderschöne Hintergrund mit Bergen, Wasserfällen und verträumten Wäldern - die komplette Zusammensetzung des Bildes ist einfach wunderschön. Auch der große Falke oben rechts darf natürlich nicht fehlen, schließlich lautet der Titel des Buches nicht umsonst Die Sturmfalken von Olbian. Die Schrift, in der diese Worte das Cover verzieren, ist schön gewählt und unaufdringlich, sie lässt dem Bild an sich genug Raum, um zu wirken, und drängt sich nicht zu sehr in den Fordergrund. Das selbe gilt auch für den Namen der Autorin, auch wenn ich finde, dass sie es durchaus verdient hätte, dass man ihren Namen genauso gut lesen kann, wie den Titel! Ich habe hier absolut nichts auszusetzen. Und verdammt, ich will nur ein einziges Mal die Brust dieses Mannes berühren, ich glaube, dann wäre ich für den Rest meines Lebens selig!

Charaktere  ♥♥♥♥
Jawed: Von all den liebreizenden Charakteren in Die Sturmfalken von Olbian hatte ich mit Jawed die meisten Probleme. Er ist ein junger Halbsidhe, das heißt eine Art Halbelf, der in seinem kurzen Leben bereits so manches Leid durchstehen musste, das nicht selten von der bestimmten körperlich-geschlechtlichen Besonderheit herrührte, mit der er geboren, und die von den Menschen in seiner Umgebung nicht immer positiv aufgefasst wurde. Um Spoiler zu vermeiden, verzichte ich darauf, hier näher ins Detail zu gehen, tatsächlich war es aber das erste Mal, dass ich mit so einer Thematik in Berührung gekommen bin - und es war anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig. Mit seiner Rolle als Ausgestoßener hat er sich jedenfalls schon sehr früh in seinem Leben abgefunden, was dazu führt, dass er in seiner Schüchternheit, seinen Selbstzweifeln und seinem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein die meiste Zeit unübertroffen scheint. Viel zu oft ist er von seiner eigenen Angst gelähmt, bringt kaum ein Wort heraus, wenn er nicht gerade mit seiner besten Freundin Kaylin spricht, und ist auch ansonsten ein so passiver Charakter, dass ich ihn manchmal so sehr hätte schütteln können, dass ihm die Ohren abfallen. Aber so nervenaufreibend seine 'Ich-halte-still-bis-es-vorbei-ist'-Art auch ist, so sehr ist er mir dabei auch ans Herz gewachsen. Ich hatte das Gefühl, einen eigenständigen Charakter vor mir zu haben, der eben seine Schwächen, seine Ecken und Kanten hat. Es war einfach herrlich, zu beobachten, wie er im Verlauf des Romans beginnt, gegen seine bisherige Natur zu rebellieren, und vom verschreckten kleinen Jungen zu einem anständigen Kerl heranwächst, der auf einmal sehr genau weiß, wer er ist und wo er mal hin will. Zwar hat er seine Zurückhaltung und seine Selbstzweifel währenddessen nie ganz abgelehnt, doch das musste er auch gar nicht; auf diese Weise hatte ich das Gefühl, eine vollkommen natürliche Charakterentwicklung zu erleben: Ein Junge, der an den Geschehnissen reift, ohne seine Vergangenheit vollkommen abzulegen. Ich mochte ihn von allen Charakteren zwar am wenigsten, hätte ihn aber bis zum Schluss bestimmt nicht missen wollen!

Kaylin: Sie ist nicht nur Jaweds beste Freundin, sondern gleichzeitig auch das sturste, selbstbewussteste und wahrhaftig bewundernswerteste Mädchen, das ich bislang in einem Buch kennen lernen durfte. Als Tochter der Köchin des Moguls auf Kronnor ist sie, ähnlich wie Jawed, nur aus anderen Gründen, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und musste früh lernen, sich durchzusetzen. Ihr größter Traum ist es, die goldene Stadt Sanka eines Tages mit eigenen Augen zu sehen, Abenteuer zu erleben und die Welt zu bereisen. Und sie ist dabei keineswegs auf den Mund gefallen: Sie flucht wie ein echter Kerl, sagt was sie denkt, selbst wenn ihr Gegenüber ein gemeiner Schläger ist, und ist gerissen wie ein Fuchs, wenn es darum geht, Geheimnisse zu lüften und Verbrechen aufzuklären. Ich liebe sie. Wie gebannt habe ich ihre Abenteuer verfolgt, habe mit ihr (wenn auch innerlich!) gekämpft, gelacht und gewütet, immer mit dem Gefühl im Bauch, in ihr eine Person gefunden zu haben, mit der ich mich identifizieren, zu der ich aber auch aufschauen kann. Wie gerne hätte ich ihren Mumm, ihre sture Dickköpfigkeit und ihre Schlagfertigkeit, um Dinge zu erreichen, die mir manchmal wie unmöglich vorkommen. Im Verlauf des Romans macht auch Kaylin eine Entwicklung durch - sie verliert ihren jugendlichen Leichtsinn zwar nicht vollkommen, aber sie entwickelt sich zu einer jungen Frau, die weiß, worauf es im Leben ankommt. Ich ziehe meinen Hut vor der Autorin, die eine so unfassbar tolle Figur ins Leben gerufen hat. Danke!

Caron: Wenn er das erste Mal auftaucht, ist er wie ein unbeschriebenes Blatt. Er ist ein sehr ernster, nachdenklicher und damit besonders geheimnisvoller Charakter, der sich oft selbst im Weg steht und damit irgendwie unberechenbar wirkt. Das findet auch Jawed, der in ihm das erste Mal eine Person - außer Kaylin - findet, die ihn so akzeptiert, wie er wirklich ist. Caron ist verdammt sexy und auf eine warme, besonders maskuline Art fürsorglich, die mein Herz regelmäßig zum Schmelzen gebracht hat. Gleichzeitig ist er kein Mann vieler Worte, sondern der Tat, und lässt seinen Gegenüber (und seinen Leser!) mehr als einmal ratlos zurück, wenn er sich mal wieder etwas in den Kopf gesetzt hat, von dem niemand etwas ahnen kann. Er hat mir gut gefallen, doch er wirkte mir manchmal auch ein bisschen zu flach. Anders als Jawed oder Kaylin, die beide so ihre Schwächen haben, fühlt sich Caron nicht nur an wie ein unbeschriebenes Blatt, sondern trägt auch noch diesen bitteren Beigeschmack mit sich, einfach unfehlbar zu sein. Er ist einfach zu perfekt. Er macht immer alles richtig. Er sieht unglaublich gut aus. Er ist ein unvergleichlicher Kämpfer. Und er weiß immer was zu tun ist. Wer könnte ihn nicht lieben? Mit ihm geht vieles zu schnell und zu einfach, was schade ist, denn im Grunde ist er ein toller Charakter. Mit etwas mehr Tiefe und ein paar mehr Fehlern wäre er eventuell noch etwas interessanter!

Thore: Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss! Der Norrländer aus dem Hause Hammerfjäll hat es mir vom ersten Moment an einfach angetan. Er ist ein charmanter, immer gut gelaunter Zeitgenosse, der zur Verlockung eines guten Biers niemals Nein sagen wird, und sich mit seiner dickköpfigen Abenteuerlust mehr als einmal in Gefahr bringt. Für mich ist Thore der Inbegriff dessen, was einen tollen Mann ausmacht: Er hat Humor, er ist aufregend, schlagfertig, manchmal einen Tacken zu frech, dabei aber immer charmant. Weil er seine letzten Münzen regelmäßig für Bier und Frauen auf den Kopf haut, ist er eigentlich immer pleite und kann sich kaum eine gute Ausrüstung für die Sankanischen Spiele leisten, - was ihn allerdings nicht weniger ehrgeizig daran glauben lässt, der Sieger der Spiele zu sein. Gemeinsam mit Kaylin bildet er ein so harmonisches Team, dass ich gar nicht genug von den beiden und ihrem geschickten, verbalen Schlagabtausch bekommen konnte. Anders als Caron ist Thore nicht geradlinig, sondern auf seine Weise chaotisch und irgendwie eckig. Seine Vergangenheit, die nur am Rande zur Sprache kommt, hängt wie ein geheimnisvoller Schatten über ihm, behindert ihn im Grunde aber nicht dabei, sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Würde ich an dieser Stelle mehr schreiben, käme ich eventuell ins Spoilern, weshalb ich Thore nun Thore sein lasse und ihn euch damit ehrlich ans Herz lege! 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Bevor ich mich auf Die Sturmfalken von Olbian eingelassen habe, habe ich es mit der Leseprobe versucht - und ich war von Leann Porters Schreibstil sofort gefangen genommen. Sie schafft es, sehr geschickt den alten Stil, wie man ihn aus High-Fantasy-Romanen kennt mit der modernen Umgangssprache zu verweben, ohne dass die beiden Stile sich dabei im Weg stehen oder sich irgendwie störend voneinander abheben. Obwohl wir uns aber in einem Setting befinden, dass die römisch-griechische Antike mit Tunika, Sandalen, Sänften und Wagenrennen zum Vorbild hat und diese geschickt mit Fantasyinhalten wie übernatürlichen Fähigkeiten vermischt, sind mir auch ein paar Bezüge zur Realität aufgefallen, die nicht so recht in die Zeit passen wollten. Diese waren aber so gering gestreut, dass sie mich eher zum wissenden Schmunzeln gebracht haben, als wirklich zu stören. Die Dialoge sind durchweg großartig geschrieben, die humorvollen, schlagfertigen Kabbeleien bringen frischen Wind und immer wieder Freude mit sich, und irgendwann hat man das verführerische Gefühl, selbst Teil der Geschichte zu sei, weil einem die Charaktere so plastisch vorkommen, als könne man selbst das Wort an sie richten. Ich war durchweg zufrieden und kann sagen: Dieses Buch ist wieder mal ein Buch, in dem ich mich zuhause gefühlt habe!

Handlung  ♥♥♥♥
Auch wenn die Handlung zu Beginn des Romans eine Weile braucht, um in Rollen zu kommen, ist sie doch bis zum Schluss unsagbar spannend. Das gilt vor allem für die eine Hälfte des Buches, die quasi Kaylins Geschichte erzählt: Waghalsig stürzt sie sich in jedes Abenteuer, das ihr in den Sinn kommt, bis sie sich irgendwann mitten in den Ermittlungen eines grausamen Verbrechens wiederfindet. An ihrer Seite der verplante, jedoch nicht weniger liebreizende Thore, auf der anderen ihr bester Freund Jawed, auf der Suche nach einem Neuanfang. Immer und immer wieder werden neue, liebenswerte Charaktere eingeführt, gegen Ende des Buches jagt ein Plottwist den anderen und man kann wirklich nicht mehr aufhören zu lesen. Bei anderen Hälfte des Buches, die sich mit Jaweds Schicksal beschäftigt, geht es dabei nicht halb so spannend zu. Mit seiner stets passiven Haltung überlässt er die Bühne des Geschehens oft lieber Caron und Kaylin, während er wartend in seinem Zimmer sitzt und sich immer wieder seinen Zweifeln ergibt, was irgendwann nicht nur redundant, sondern mit der Zeit auch nervig ist. Immer wieder habe ich ihn innerlich angeschrieen: 'Verdammt, Jawed, mach was. Raus aus deinem Kokon, rein ins Leben!', aber ich wurde nur kaum bis gar nicht erhört. Während Kaylin das Leben sucht, sucht Jawed die Liebe und mit ihrem Finden fühlt sich seine Geschichte ab der Mitte des Buches irgendwie viel zu abgeschlossen an. Die paar gestreuten Konflikte, die sich dann noch zwischen ihn und sein Glück stellen, wirkten leider konstruiert und viel zu durchschaubar, sodass man als Leser nur die Hand vor die Stirn schlagen und rufen konnte: "Mensch, Jawed! Das ist doch offensichtlich!". Ich war froh, als er im letzten Drittel des Buches schließlich doch ein wenig an aktivem Part gewonnen und sich in die Handlung mit eingemischt hat - auf diese Weise wurden die beiden Erzählstränge wieder sinnvoll miteinander verwoben. Ich denke, ohne Kaylin ist Jaweds Leben viel zu langweilig, erst in ihrer Gegenwart blüht er so richtig auf! Im Großen und Ganzen habe ich das Buch aber von Anfang bis Ende sehr genossen. Es war wahnsinnig spannend die beiden Hauptcharaktere auf ihrer Suche zu begleiten und mit ihnen Gefahren und Missverständnisse zu durchleben - Kaylins Erzählstrang war für beide spannend und actionreich genug, weshalb sich die Ausflüge in Jaweds Liebesleben wie eine willkommene Abwechslung und eine angenehme Erholung vom Stress der Ereignisse angefühlt haben.

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Ich denke jeder, der über Jaweds Schwächen - sowohl seine charakterlichen als auch seine erzählerischen - hinwegsehen kann, und wer grundsätzlich nichts gegen Gay Romance Elemente und intime Sexszenen hat, der wird mit Die Sturmfalken von Olbian eine tolle Zeit haben. Die Geschichte ist spannend bis zum Schluss, die Welt ist faszinierend, die Charaktere sind wunderbar gestaltet, sodass man das Gefühl hat, sich inmitten einer großen Familie zu bewegen. Kaylin und Thore haben für mich Jaweds und Carons Schwächen sehr gut ausgebügelt, sodass ich beide Erzählstränge sehr gerne verfolgt habe. Ich mochte es sehr gern, dass die Geschichte zum Schluss mehr Krimi und Action war als Fantasy und Romance. Wer sich in eine wundervolle Welt nach antikem Vorbild entführen lassen will, ohne dabei an der hochgestochen-altertümlichen Sprache zu ertrinken, und wer gerne spannende Unterhaltung mit romantischen Elementen erlebt, dem sein dieses Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Es hat mir viele schöne Stunden beschert! Danke dafür!


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥
Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥♥♥

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Maybe Not

Colleen Hoover
E-Buch Text: 129 Seiten
Erschienen bei Atria Books, 24.11.2014
ISBN 9781476799841
Genre: Liebesromane

Rezension:


Maybe Not

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: Dezember 2015
Seiten: 160
Einband: eBook [auch als TB verfügbar]
Verlag: Simon & Schuster
ISBN: 9781501125713
Preis: 2,49$ [Amazon-eBook-Preis]

Rating: ♥♥♥♥


Achtung! Zurzeit nur auf Englisch verfügbar!
Inhalt

"When Warren has the opportunity to live with a female roommate, he instantly agrees. It could be an exciting change. 

Or maybe not. 

Especially when that roommate is the cold and seemingly calculating Bridgette. Tensions run high and tempers flare as the two can hardly stand to be in the same room together. But Warren has a theory about Bridgette: anyone who can hate with that much passion should also have the capability to love with that much passion. And he wants to be the one to test this theory. Will Bridgette find it in herself to warm her heart to Warren and finally learn to love? 

Maybe. 
Maybe not." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥
Zugegeben, das (englische) Cover von Maybe Not spricht mich jetzt nicht unbedingt an. Langweilige, reinweiße Bettwäsche auf der in großen Lettern der Titel der Spin-Off-Novel prangt, darunter in blinkendem Rot der Name der Autorin ... Das Einzige, was mir beim Anblick dieser Gestaltung in den Sinn kommt ist: 'Oh, eine oberflächliche Bettgeschichte'. Dass sich in den Großbuchstaben des Titels ein weiteres Bild versteckt, nämlich das eines sich küssenden Pärchens, habe ich tatsächlich erst auf den fünften Blick gesehen. Und leider muss ich zugeben, dass es meinen ersten Eindruck des Covers nicht mehr sonderlich beeinflussen konnte. Es ist langweilig, einfallslos und vermittelt nicht nur ein falsches Bild der Geschichte, sondern wird ihr auch ihn keiner Weise gerecht. Im Laden würde ich diesem Buch keinerlei Beachtung schenken. Zum Glück habe ich es als eBook gekauft und gelesen, sodass ich mich nicht ständig über das lieblose Äußere ärgern musste. Ich kann nur hoffen, dass unsere deutschen Verlagsmenschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Gestaltung des Covers haben, sollten sie es jemals lizensieren und veröffentlichen - Ich würde es dem Buch wünschen.

Charaktere  ♥♥♥
Warren: In meiner Rezension zu Maybe Someday habe ich meinen ersten Eindruck zu ihm als Charakter bereits preisgegeben, in Maybe Not hat er diesen sogar noch übertroffen: In der Hauptgeschichte, in der er ja leider nur eine relativ kleine Rolle spielt, vermittelte er mir immer den Eindruck, man könne ihn einfach nicht ernst nehmen, selbst dann wenn er auf jemanden furchtbar sauer ist. In ihm vereinten sich Naivität und Unreife mit einer großen Portion Herzlichkeit und Offenheit. Kurz um: Man muss Warren einfach lieb haben. Aber man kann ihn einfach nicht ernst nehmen - so dachte ich. In seinem Versuch, Bridgette zu lieben und zu hassen gleichzeitig, mit ihr den emotionalen Eiertanz zu bestreiten, ihre eisige Hülle anzukratzen, hat ich mich vollkommen davon überzeugt, dass in ihm doch etwas von dem vernünftigen 'Ich-will-mich-an-dich-anlehnen'-Mann steckt, den Frauen heutzutage noch immer so verzweifelt suchen. Und nicht nur das große Kind, das nicht eine Sekunde ernst bleiben kann, und sich ganz ungeniert Pornos im Gemeinschaftswohnzimmer anschaut, unabhängig davon, wie seine Mitbewohner das eigentlich finden. Apropos Pornos: In Maybe Not erfährt man übrigens endlich, warum Warren so viel Zeit darauf verwendet, sich den ganzen Tag Schmuddelfilme anzusehen. Das solltet ihr aber ganz allein herausfinden!

Bridgette: Auch hier muss ich wieder ein kleines Geständnis ablegen. Ich mag Bridgette nicht besonders. Von Anfang an nicht. Ich weiß, ich weiß, wahrscheinlich werdet ihr jetzt entweder Lachen oder mit den Schultern zucken, weil ihr wisst, dass Bridgette nämlich eines ganz bestimmt nicht ist - nämlich zum Liebhaben. Aber ich erkläre euch jetzt auch warum. Eigentlich hat es ja so seinen Reiz, endlich mal einen Charakter zu erleben, der bissig, immer mies gelaunt, unnahbar und verdammt gemein ist. Blöderweise kann sie mich mit diesen Eigenschaften überhaupt nicht überzeugen. Ja, sie will mit ihrer harten Schale ihren doch so weichen Kern schützen, weil sie eine wirklich ach so schlimme Kindheit hinter sich hat. Trotzdem kam ich über einen Gedanken nie hinweg: 'Verdammt, so benimmt sich doch keiner!'. Bridgette wirkt auf mich nicht wie ein realer Mensch - ganz im Gegenteil zu Ridge (Maybe Someday) beispielsweise - sondern wie das aufgeplusterte Konzept des Menschen, den sie eigentlich darstellen soll. Alles an ihr wirkt aufgesetzt und übertrieben, so, dass ich über sie vielleicht ein oder zwei Mal schmunzeln kann, sie mir im Großen und Ganzen einfach nicht vorstellen kann. Ich konnte - und kann es bis heute nicht - keine Verbindung zu mir aufbauen, sie war mir beinahe gleichgültig. Ich habe ihre Handlungen, Reaktionen, Intentionen und Gefühle nicht verstanden oder nachvollziehen können, weshalb mir der Ausgang ihrer Geschichte eigentlich relativ egal war. Das wurde auch nicht besser, als Warren es schafft, ihr zumindest irgendwie näher zu kommen. Eigentlich habe ich Maybe Not nur für und wegen des gutmütigen Warren gelesen, in der Hoffnung, dass auch er endlich die Liebe seines Lebens findet. Tut mir leid, Bridgette. Es liegt nicht an dir. Ich glaube, es liegt allein an mir. Aber ich wünsche dir trotzdem alles Gute.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Wenn ihr meinen Blog schon länger verfolgt, dann wisst ihr sicherlich, dass ich Colleen Hoover für ihren Schreibstil sehr bewundere. Sie schafft es wirklich, etwas in meinem Inneren zu berühren, ohne dabei besonders ausgefallen oder schmalzig zu werden. Auch in Maybe Not stellt sie ihr können wieder unter Beweis, diesmal allerdings auf eine ganz andere Art! Die gesamte Novelle ist nämlich aus Warrens Sicht geschrieben, was der ganzen Geschichte nicht nur die Ernsthaftigkeit nimmt und ihr eine gesunde Portion gut getimten Humor hinzufügt, sondern auch für Leser, die nicht so geübt darin sind, Englisch zu lesen oder zu verstehen, sehr gut und sehr leicht zu lesen ist. Wer schon immer Mal nach einer Gelegenheit gesucht hat, ein kurzes Buch auf Englisch zu lesen, um zu sehen, wie weit man kommt, dem kann ich Maybe Not sehr ans Herz legen: Ihr werdet sicher keine großen Probleme haben. Und dazu ist es auch noch für den ein oder andere Lacher gut. Besonders beeindruckend fand ich, dass Colleen seine Gedanken so authentisch zu Papier gebracht hat. Im Gegensatz zu Bridgette dachte ich mir so oft: 'Ich wusste es! Männer denken so!' - Vielleicht bestätigt sie mir damit aber nur, was wir Frauen von Männern denken, als die tatsächliche Wahrheit. Aber Männer denken doch nun mal oft an Sex - oder? Ich kann nur empfehlen: Gebt dem Buch eine Chance. Es ist einfach faszinierend zu beobachten, wie Colleen es schafft, ihren Schreibstil an die verschiedenen Tonarten ihrer Charaktere anzupassen. Und noch faszinierender, die Gedanken dieser Charaktere tatsächlich auch zu denken.

Handlung  ♥♥♥♥
Nur mal so zur Warnung vorweg: Maybe Not ist eine Spin-Off-Novel, das bedeutet, es ist eine kurze Nebengeschichte, die sich zeitlich mit der Hauptgeschichte von Maybe Someday überschneidet, jedoch vom Umfang her nur etwa die Hälfte umfasst. Dass auf knapp 200 Seiten jetzt nicht so wahnsinnig viel passieren kann, sollte damit klar sein. Tatsächlich spart Colleen hier an Zeit, indem sie immer wieder gut gezielte Zeitsprünge einbaut, die der ganzen Geschichte eine Dynamik verpassen und sie nie langweilig werden lassen. Wir begleiten Warren und Bridgette über ihr erstes Treffen, ihre ersten Streiche, ihre ersten Annäherungsversuche bis hin zu ihrem gemeinsamen Durchbruch (badumm tss!). Nebenbei erfahren wir pikante Details über Bridgettes Leben und ihren Hintergrund, Themen die in der Hauptgeschichte zugunsten von Ridge und Sydney eher kurz gehalten wurden. Und wir erfahren, dass Warren eine Schwester hat, die ihr Leben irgendwie nur so halb auf die Reihe kriegt. Und dann gibt es da noch ... Streit. Viel Streit. Auch wenn der beim Leser meistens eher ein wissendes Schmunzeln als ein dramatisches Seufzen oder ein genervtes Augenverdrehen hervorruft. Die Handlung war kurz, knackig, geprägt von vielen Auf und Abs, aber allen voran eines: Sehr pikant und sehr sexy! Das, was manchem Liebhaber gegenseitig körperlichen Aussprachen in Maybe Someday gefehlt hat, wird hier in geballtem Content nachgeholt. Aber keine Sorge, die Geschichte geht darin keinesfalls unter. Und wenn Liebe und guter Sex sich die Waage halten, hat man doch wirklich alles richtig gemacht?

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Um es also mal auf einen Punkt zu bringen: Maybe Not ist eine niedliche kleine Nebengeschichte zum emotionalen Großmeisterwerk Maybe Someday und führt uns nicht nur in die Gedankenwelt des lieben, herzlichen und ein bisschen vertrottelten Warren ein, sondern bringt uns auch Bridgette etwas näher. Auch wenn ich, wie oben bereits begründet, mit ihr nicht so ganz warm geworden bin, habe ich ihre Geschichte sehr gerne verfolgt und hatte ein paar vergnügte Stunden mit dem Buch. Es ist humorvoll, sexy und so leicht geschrieben, dass es eigentlich auch für Anfänger der englischen Sprache ganz gut zu lesen ist. Besonders faszinierend ist, wie Colleen Hoover es schafft, mit ein paar einfachen Worten nicht nur ganze Tsunamis an Gefühlen auszulösen, sondern ihre Charaktere so individuell und treffend zu gestalten. Für jeden, der eine nette Auszeit braucht und nicht allzu viel Tiefe in der Story erwartet, ist Maybe Not definitiv ans Herz zu legen. Ganz besonders den Hoover-Fans unter euch. Viel Spaß!

Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥♥♥
Gewalt

Action


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liebe, musik, colleen hoover, maybe someday, ridge

Maybe Someday

Colleen Hoover , Kattrin Stier
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.03.2016
ISBN 9783423740180
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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116 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

lynn, make it count, oceanside, jared, oceansid

Make it count - Gefühlsbeben

Carrie Price
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2015
ISBN 9783426518120
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Make it count: Gefühlsbeben (2)

Autor: Carrie Price
Genre: Romance, New Adult, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 01.12.2015
Seiten: 240
Einband: Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-51812-0
Preis: 8,99€

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt
"Lynn hat das Kleinstadtleben hinter sich gelassen. Zu viel Schmerz verbindet sie mit Oceanside. Am College in Boston gibt sie sich kühl und sarkastisch. Der Einzige, der sie durchschaut, ist der unverschämt gut aussehende Jared Parker. Sein bloßer Anblick lässt die Mädchen reihenweise dahinschmelzen. Nur Lynn scheint gegen seine Reize immun zu sein. Aber wieso hat sie trotzdem jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn sie ihn sieht? Wird er es schaffen, die harte Schale um Lynns Herz zu durchbrechen?" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥
Fast ein bisschen zu kitschig, war mein erster Gedanke, als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt. Aber gleichzeitig war ich von den warmen, sommerlichen Farben, den hübschen Kleidern der abgebildeten Protagonisten und ihrer sanften Haltung irgendwie gefangen genommen. Eigentlich bildet es doch genau das ab, was wir uns von einem Buch wie diesem erwarten: Eine warme Atmosphäre, ein bisschen Romantik, ein bisschen Liebe. Abzüge gibt es aber trotzdem: Die abgebildete Dame trifft vom Kleidungsstil leider überhaupt nicht den Geschmack der Protagonistin Lynn, die sich nämlich gerade bewusst gegen alles Mädchenhafte sträubt, weil sie es hasst, die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen zu müssen. Auch wenn's hübsch aussieht: Es passt leider nicht ganz!

Charaktere  ♥♥♥♥
Lynn Chase: Lynn Chase ist anders. Sie will nicht das sein, was andere Leute von ihr erwarten, ihre Eltern nicht, ihre Mitschüler nicht. Lieber trägt sie die Haare ganz kurz, Jeans und T-Shirt, eher so, wie man sich einen typischen Normalo eben vorstellt. Zur gleichen Zeit versucht sie ihre innere Unsicherheit mit toughen Sprüchen und einer Maske der ablehnenden Kälte zu überspielen und andere Menschen von sich fern zu halten. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Die ersten 50 Seiten mit Lynn waren für mich die Hölle. Nicht nur, weil man plötzlich in das Geschehen gerissen wird und seitenlange kitschig-dramatische Gedankengänge und Panikattacken aus ihrer Sicht ertragen muss, sondern auch, weil sie grundsätzlich einfach alles um sich herum ablehnt. Ich fand es wahnsinnig anstrengend, einer Person zu folgen, die alles dramatisiert und fatalisiert, ohne selbst zu wissen, was eigentlich passiert ist. Gott sei Dank ändert sich Lynns furchtbare Einstellung damit, dass sie es irgendwie schafft, Jared Parker an sich heranzulassen. Zurück blieb dann nur eine toughe Querulantin, die ihrem Gegenüber gerne die Stirn bietet und nur ab und zu in den Verzweiflungs-Modus verfällt, dann, wenn es auch für den Leser nachvollziehbar ist. Identifizieren konnte ich mich mit ihr dadurch zwar nicht, doch irgendwann hat sich eine gewisse Spannung eingestellt: Ich wollte wissen, ob Jared es schafft, ihre harte Schale zu knacken und sie aus ihrem immer währenden Kreis der Verzweiflung und Selbstverachtung herauszuziehen. Ich mochte sie so ganz gern. 

Jared Parker: Jared Parker ist das typische, weibliche Objekt der Begierde, allerdings einer von der Sorte, der nicht etwa unerreichbar ist wie Alexander von Cambridge (Royal-Saga), sondern den man nach Möglichkeit sogar in freier Wildbahn finden zu können glaubt: Mittelgroß, braune Haare, dunkle, anziehende Augen, Barkeeper und ab und zu auch Türsteher, was seine natürlichen Brust- und Oberarmmuskeln erklärt, offenes, freundliches Verhalten, doch irgendwo hinter seiner netten, warmen und schützenden Fassade brodelt ein Geheimnis, das man nicht so ganz zu fassen kriegt. Und wenn er einen dann auch noch ab und an an sich heranzieht, tief in die Augen blickt und lächelt, dann weiß man, was man sich die ganze Zeit gewünscht hat - so geht es zumindest Lynn und ich kann sie, verdammt nochmal, verstehen! Denn die Mischung aus texanischer Rauheit und sanfter Verletzlichkeit lässt jedes Frauenherz höher schlagen. Dafür mangelt es ihm allerdings auch an Individualität, denn man kann keinen stereotypen Frauenschwarm erschaffen, ohne, dass es nicht schon tausende vor einem getan haben. Aber das macht nichts, denn in Anbetracht dessen, was ich von Gefühlsbeben erwartet habe, trifft Jared genau meinen Geschmack und meine Wunschvorstellung für einen männlichen Protagonisten in einem Leichtkost-Liebesroman. 

Schreibstil  ♥♥♥
Gefühlsbeben ist das Werk einer deutschen Autorin unter einem amerikanischen Synonym und man merkt einfach, dass sich die sprachliche Nuancierung um ein vielfaches bemerkbarer macht, wenn man ein Buch in der Originalsprache ließt, als wenn man auf eine Übersetzung angewiesen ist. Carrie Price schreibt sehr einfühlsam und gefühlvoll und schafft es, Gefühle wie Schmerz, Trauer und Glück gleichermaßen mitreißend wie nachvollziehbar darzustellen. Nachvollziehbar zwar, in der ersten Hälfte allerdings eher weniger nachfühlbar, denn dort bekommen wir die geballte Ladung Verzweiflung und Selbsthass der Protagonistin ins Gesicht geschleudert, ohne so recht zu wissen, was eigentlich los ist. Auf diese Weise kommt die erste Begegnung mit Jared eher überdramatisiert, kitschig und sogar merkwürdig vor; anders wäre es vielleicht, hätte man die Szene eher in die Mitte oder den Schluss eingebaut, nachdem dem Leser klar war, weshalb die Protagonistin einem Nervenzusammenbruch nahe ist. Aus dem genervten Augen verdrehen vom Anfang wurde gegen Ende hin aber schließlich doch ein zufriedenes Lächeln, als sich die übertriebene Dramatik in der Sprache abgebaut und einen gemäßigteren Ton angenommen hatte. Na gut. Der Patzer vom Anfang sei verziehen, denn der Rest ist sogar ganz schön mitreißend beschrieben. 

Handlung  ♥♥♥♥
Eine schöne Handlung ist für einen guten Liebesroman immer das A und O. In Gefühlsbeben begeben wir uns mit Lynn und Jared auf eine Reise auf der Suche nach der Wahrheit und einem Weg, mit ihr klarzukommen. Dabei 'reisen' wir tatsächlich, denn die beiden unternehmen einen Ausflug nach Oceanside, Lynns alte Heimat, und erarbeiten sich gemeinsam die schreckliche Vergangenheit, die sie bis heute in ihre Gedanken und Gefühle verfolgt, die sie einfach nicht loslassen will. Viel Action passiert dabei natürlich nicht, aber das wird hier ja auch nicht gefordert. Viel interessanter ist der schleichende Prozess, in dem die beiden Charaktere beginnen, erst umeinander herumzuschleichen und sich einander schließlich zu öffnen - psychologisch gesehen ist die Darstellung ihrer Annäherung gut und überzeugend gelungen. Abzüge gibt es allerdings für den zum Schluss stark hinkonstruierten Turning-Point, der die beiden, nachdem sie sich relativ nahe gekommen sind, doch noch irgendwie zu Problemen und Missverständnissen führt, ohne, dass es hätte sein müssen. Ohne ein letztes Aufbäumen zum Schluss wäre die Handlung mit ihrer Spannung vielleicht zu flach abgefallen, ich denke trotzdem, dass man es auch eleganter hätte lösen können. Besonders gut hat mir der Bezug zu Make it count Band Eins, Gefühlsgewitter von Ally Taylor gefallen: Die beiden Protagonistinnen begegnen sich nämlich und verbinden damit die beiden Einzelbände geschickt miteinander. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Wer mich schon länger verfolgt, der weiß, dass mich Ally Taylors Gefühlsgewitter irgendwie nicht so wirklich vom Hocker gehauen hat. Damals kam mir alles übertrieben kitschig und unglaubwürdig vor und ehrlich gesagt hatte ich bei Gefühlsbeben nichts anderes erwartet. Wer allerdings wenig erwartet, der wird ab und an mal positiv überrascht - so läuft das eben. Und ich muss sagen: Ja, Carrie Price hat mich sehr überrascht. Mal von dem sprachlich schwachen und anstrengenden Anfang und dem stark konstruierten Turning-Point am Ende abgesehen, war ich von diesem Buch sogar so sehr begeistert, dass es mir noch drei Tage nach Abschluss in den Gedanken nach hing. Ich mochte es gern, zu sehen, wie die starre, querulantische Protagonistin Lynn unter dem warmen, fürsorglichen Verhalten des Barmanns Jared aufweicht, sich ihm offenbart und hingibt, während ihn ganz andere Sorgen planen, von denen sie gar keine Ahnung hat. Sprachlich und gefühlsmäßig hat es mich gepackt und mir ein paar kuschelige Lesestunden beschert, die ich in keiner Weise bereue. Wer lockere, verträumte Liebesgeschichten mag, kann hier ruhig mal einen Blick riskieren


Spannung
♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥
Gewalt
♥♥
Action


~ Die Bücherfüchsin

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fantasy, simon, darkest powers, chloe, seelennacht

Darkest Powers: Seelennacht

Kelley Armstrong , Christine Gaspard
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.11.2013
ISBN 9783426507810
Genre: Fantasy

Rezension:

Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50781-0
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Ich hatte recht. In Lyle House gehen tatsächlich erschreckende Dinge vor sich. Ich bin keineswegs hier, weil ich verhaltensauffällig, sondern weil ich eine Totenbeschwörerin bin. Ich kann mit den Geistern von Toten reden. Ich kann Tote auferstehen lassen. Meine Kräfte sind unberechenbar. Denn ich bin das Ergebnis eines fehlgeschlagenen genetischen Experiments. Meine Schöpfer, die Edison Group, haben Angst vor mir - und vor den anderen Jugendlichen in Lyle House. Wir sind tickende Zeitbomben. Daher haben sie beschlossen, ihr Experiment endlich zu einem Ende zu bringen. Und uns bleibt nur noch eins: um unser Leben zu rennen..." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥

Auch hier wieder kurz anzumerken: Ich habe die alte, gebundene Auflage der Reihe gelesen und werde deswegen das alte Cover bewerten. Die neuen Ausgaben habe ich unten in diesem Post abgebildet, damit ihr euch ein Bild machen könnt!
Während das Cover des ersten Bands in ein nächtliches Blau getaucht ist, ist dieser zur farblichen Abgrezung grünlich gestaltet. Ich mag das Zusammenspiel der Farben, wenn beide Bücher nebeneinander im Regal stehen - sie harmonieren auch besonders gut mit dem dritten und letzten Band der Reihe. Tatsächlich gefällt mir das Cover von Band Zwei sogar besser, als das des ersten, die abgebildete Frau sieht weniger lethargisch, dafür aber um einiges entschlossener aus. Sie ist hübsch anzusehen und auch, wenn sie nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Chloe passen will, was Alter und Aussehen betrifft, finde ich die Gestaltung im Gesamten sehr gut. Unten links sieht man einen nur schwach beleuchteten Gang, der an ein Krankenhaus oder eine Klinik erinnert. Diese verboten, mystische Darstellung eines der im Buch vorkommenden Schauplätze macht optisch viel her und rundet das Cover für mich schön ab. 

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Chloe Saunders: In meiner Rezension zum ersten Band  Schattenstunde habe ich ja schon ausführlich begründet, weshalb mir Chloe als Protagonistin besonders ans Herz gewachsen ist. In  Seelennacht hat sie diesen ersten Eindruck bei mir sogar noch gefestigt: Ihre Charakterentwicklung ist bemerkenswert. Vom eher langweiligen, unscheinbaren und verwöhnten Mauerblümchen entwickelt sie sich zu einer starken jungen Frau, die sagt, was sie denkt, was sie will und ihre Entscheidungen selbstständig und wohl überlegt trifft. Besonders gut gefällt mir ihre Art und Weise, ihre Probleme zu überdenken und letztlich immer den logischsten, nachvollziehbarsten Weg zu wählen. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, deren Hirn sich ausschaltet, wenn in ihrer Nähe ein hübscher Junge auftaucht oder die Autorin einfach nicht weiß, wie sie sonst Spannung aufbauen soll, wenn nicht über die Dummheit ihrer Charaktere. Chloe fühlt sich an wie eine eigenständige, authentische Person, mit der ich wunderbar identifizieren kann, weil sie mir das Gefühl gibt, das Abenteuer Seite an Seite mit ihr zu erleben. Toll!

Victoria Enright: Wer hätte gedacht, dass ich in meiner Rezension Victoria Enright, kurz genannt 'Tori', auch nur in einem Wort erwähnen würde? Sie ist eine Schlange, durch und durch gemein, hinterhältig, neidisch, verwöhnt und kratzbürstig und würde keine Sekunde zögern, einen von uns ans Messer zu liefern, wenn sie dadurch einen ihrer Fingernägel vor dem Abbrechen bewahren könnte. Aber wie ekelhaft Malfoy zu Harry auch sein mag, er ist kein durch und durch böser Mensch. Und das Gleiche gilt auch für Prinzessin Victoria. Auch wenn sie furchtbar nervtötend ist und es schafft, mit ihrer Starrsinnigkeit all meine Lieblingscharaktere zu gefährden, kann ich ihr doch nichts Böses an den Hals wünschen, weil ich weiß, dass in ihr ein guter Kern steckt und sie einfach unter besonderen Umständen groß geworden ist. Diese haarscharfe Linie zwischen Sympathie und blankem Hass ist unfassbar schwer zu konstruieren und ich ziehe meinen Hut vor Kelley Armstrong, dass sie es schafft, selbst den unliebsamsten Charakter für mich unentbehrlich zu machen. Ich liebe Toris dumme Sprüche, die zwar verletzend und nicht zuletzt voll von neidischem Gift sind, aber an Wortgewandtheit und Kreativität unübertroffen bleiben. Ich liebe es, wenn Tori giftig wird. Passiert mir eher selten. 

Derek Souza: Chloe hat es nicht leicht mit Derek. Denn einerseits fühlt sie sich an seiner Seite besonders wohl - was hauptsächlich freundschaftlich, zeitweise aber auch anderweitig begründet ist -, andererseits bringt er sie zur absoluten Weißglut. Derek hat die schlechte Angewohnheit, socially awkward zu sein, was bedeutet, dass er nicht richtig weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Ständig ist er zu rau, zu unfreundlich und zu mürrisch, was ihn in den Augen anderer abstoßend macht, oder er neigt dazu, immer genau dann zu schweigen, wenn es wichtig wäre, etwas zu sagen. Vor allem aber hat er eine große Vorliebe dafür, Chloe für jeden noch so kleinen Fehler zur Schnecke zu machen, auch dann, wenn sie gar nichts dafür kann. Natürlich sorgt das für den ein oder anderen Konflikt, doch auch hier schlägt Kelley Armstrong grandioses Talent zu, einzigartige, selbstständige Charaktere erschaffen zu können: Auch Derek entwickelt sich, entfernt sich von seiner 'Einsamer-Wolf-Lebensphilosophie' und wird an den Geschehnissen stärker, offener und runder. Ich liebe Derek, denn er ist nicht der typische, perfekte und wunderhübsche Jugendbuchcharakter, den man erwartet hätte. Er ist der Junge von Nebenan, der mit einer Bürde geboren wurde, die er sich nicht aussuchen konnte. 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Kelley Armstrong ist für mich eine der begabtesten Autorinnen, wenn es um Mystery und Urban Fantasy geht. Sie schafft es, die Spannung immer auf einem angenehmen, aber anspornenden Level zu halten und sie nur zu gewissen Anlässen voll aufzudrehen, sodass man das Gefühl bekommt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, damit einem nicht ein Detail, eine nervenaufreibende Szene durch die lappen geht. Ich liebe es, wie sie sich traut, in einem Jugendbuchroman auch mal morbide, dunkel und zum Teil auch eklig zu werden, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Schaurige Szenen, Begegnungen mit halb verwesten Leichen und Verfolgungsjagden in der Dunkelheit gehen ihr so natürlich von der Hand, dass sich selbst mir dabei die Nackenhaare aufstellen. Ihre Charaktere sind stets glaubwürdig, geben einem das Gefühl, selbst irgendwann in so eine abstruse Situation geraten zu können und lassen einen stets verständnisvoll nicken, wenn ein Charakter mit der aktuellen Situation ins Hadern kommt. Man spürt einfach, dass sie sonst Erwachsenenromane schreibt, aber das tut der Qualität ihrer Jugendbücher keinen Abbruch. Ein besonderes Highlight sind ihre zeitlose Wortwahl, die einem das Gefühl gibt, die Handlung könnte sich gleich heute in der eigenen Heimatstadt abspielen, und die wortgewandten Dialoge, mit denen sie einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringt - oder wahlweise ein spannungsgeladenes Kribbeln in die Fingerspitzen zu zaubern. Kelley Armstrongs Schreibstil ist wunderbar, schaurig und gleichzeitig so gemütlich, dass man am liebsten gar nicht mehr daraus auftauchen möchte.

Handlung  ♥♥♥

Für die Handlung gibt es von mir diesmal ein paar Abzüge für  Seelennacht, was keinesfalls daran liegt, dass nicht genug passieren würde: Es passiert tatsächlich eine ganze Menge. Die Nerven sind stets zum Zerreißen angespannt, man vermutet hinter jeder Ecke eine Gefahr und in den meisten Fällen stellt sich diese Vermutung sogar als wahr heraus. Man bekommt kaum Zeit zum durchatmen und schon sind unsere Helden wieder mitten in einer gefährlichen Situation, die ihnen den Kopf kosten könnte. Das Problem dabei ist allerdings, dass man trotzdem das Gefühl hat, dass die Story sich trotzdem nicht weiterbewegt. Als würden wir auf der Stelle treten. Informationen über die Welt der Paranormalen, die Gründe oder Ausmaße ihrer Kräfte sind mau gesät, fast gar nicht vorhanden, denn unsere liebsten Protagonisten befinden sich die meiste Zeit des zweiten Bandes auf der Flucht, außer Stande irgendwelche Informationen einzuholen oder auch nur irgendeinen Fortschritt zu erlangen. Ich hätte mir mehr Einblicke in das Leben der Paranormalen gewünscht, vielleicht jemanden, der die Charaktere lehrt, mit ihren frisch gewonnenen Kräften umzugehen. Während des ersten Bands kamen mir tausend Fragen, von denen keine einzige in  Seelennacht beantwortet werden konnte. Ich fürchte fast, der nächste und letzte Band wird zu schnell vorbei gehen, zu wenig ins Detail gehen und meine Fragen so schnell und oberflächlich beantworten, dass es mich nicht befriedigt. Wenn das der Fall ist, frage ich mich: Wofür dann überhaupt der zweite Band? Hätte man diesen Teil dann nicht einfach weglassen können, um gleich mit dem Finale weiterzumachen?

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Mit Band Zwei der 'Die Dunklen Mächte' Reihe hat mir Kelley Armstrong mal wieder bewiesen, wie unfassbar gut sie darin ist, Charaktere zu entwerfen, die einzigartig und eigenständig sind, und eine so gruselige, nervenaufreibende Spannung aufzubauen, dass man ihre Bücher am Liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch in  Seelennacht habe ich mich voll und ganz wie zuhause gefühlt, die Charaktere sind mir unfassbar ans Herz gewachsen und ich habe mit Freude beobachtet, wie die Charaktere sich entwickeln und an dem erstarken, was im Moment mit ihnen passiert. Leider konnten keine Fragen geklärt werden, die sich mir nach dem ersten Teil der Reihe gestellt haben, und auch die Handlung lässt eher zu wünschen übrig.  Seelennacht ist zwar durchweg spannend und birgt immer wieder Szenen, die an Nervenkitzel unübertroffen sind, aber plottechnisch bewegen wir uns hier kaum weiter. Die Charaktere müssen Gefahren trotzen, lernen mit ihren Kräften umzugehen, aber zur eigenen Rahmenhandlung scheint hier nicht wirklich etwas beigetragen zu werden. Ich fürchte fast, dass Mrs. Armstrong hier Potential verspielt hat, den mittleren Band zu nutzen, um eventuell neue Charaktere oder ganze Storyelemente einzubauen. Sie hat es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht. Trotzdem ein sehr gutes Buch und ich kann es kaum erwarten, den dritten Teil zu lesen, auch wenn ich nicht will, dass diese Reihe jemals endet. Meh!

Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥♥
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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