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wölfe, tierischer protagonist, tiere, tierfantasy, freundschaften

Die Wolfs-Chroniken - Der Schwur der Wölfe

Dorothy Hearst , Ane Dahm
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.06.2015
ISBN 9783841422262
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Der Schwur der Wölfe (1)

Autor: Dorothy Hearst
Genre: Abenteuer, Jugendbuch, Fantasy
Erschienen: 25.06.2015
Seiten: 432
Einband: Paperback
Verlag: FJB
ISBN: 978-3-8414-2226-2
Preis: 14,99€ [D] | 15.50€ [A]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt
"Vor 14.000 Jahren begann die Legende der Wölfe mit einem bedeutsamen Schwur: Wir werden uns nie mit den Menschen einlassen. Und wir werden nie einen Menschen grundlos töten. Dieser Schwur bestimmt das Leben der Wölfe des Großen Tals. Bis eine junge Wölfin die Lüge, die sich hinter diesem Schwur verbirgt, entlarvt. Eine Lüge, die ihren eigenen Tod und die Zerstörung all dessen, was sie liebt, bedeuten könnte. Als die junge Wölfin Kaala unten am Fluss das kleine Mädchen TaLi vor dem Ertrinken rettet, sich mit ihr anfreundet, heimlich mit ihr zu jagen und zu spielen beginnt, riskiert sie, aus dem Rudel ausgeschlossen und aus dem Weiten Tal vertrieben zu werden. Aber auf unerklärliche Weise fühlt sich Kaala zu den Menschen hingezogen und als sie schließlich erfährt, dass sie der letzte noch lebende Wolf ist, der dazu berufen ist, die Verbindung der Menschen zur Natur zu bewahren, muss sie sich ihrer Aufgabe stellen. Und schon bald droht ein Krieg zwischen den Wölfen und den Menschen, der sie vor eine große Entscheidung stellt …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥♥
Ich kann bei diesem Cover eigentlich gar nichts anderes sagen als: Wow. Schon damals, als dieses Buch in seiner ersten Auflage als "Das Versprechen der Wölfe" erschien, war ich von dem Cover hin und weg (siehe ganz unten), doch diese Version hat sich nochmal doppelt übertroffen. Die tiefblaue, verträumte Farbgebung des Waldes im Hintergrund, der edle Rahmen, der das Bild von Wolf und Mensch und den Titel umschließt. Letzterer ist in seiner Größe sehr dominant, der eigentliche Blickfang bleibt trotzdem die Abbildung darüber, was für eine wohlüberlegte und sehr gelungene Komposition spricht. Es gibt eine Vorstellung davon, wie Kaala und TaLi gemeinsam durch den Wald rennen, ohne der eigenen Fantasie den Zündstoff zu nehmen, wie es ein Fotocover an dieser Stelle wohl getan hätte. Alles in allem habe ich an der Gestaltung absolut keinen Fehler gefunden - das Buch ist eins der schönsten in meiner Sammlung!

Charaktere  ♥♥♥♥
Kaala: Vom schwächlichen Winzjunges zur willensstarken Jungwölfin begleiten wir Kaala im ersten Band Der Schwur der Wölfe - und dabei bereitet sie uns mehr als einmal gehöriges Herzflattern. Es ist wahnsinnig spannend, dabei sein zu dürfen, wie sie heranwächst, lernt, sich in ihrem Rudel zu behaupten (oder eben nicht) und wie sie sich mit ihrer Sturheit mehrfach in scheinbar unlösbare Konflikte manövriert. Sie ist eine starke, unabhängige Jugendbuch-Heldin mit einem großen Herzen, sehr viel Mut und diesem Hauch von Lebensmüdigkeit, der spannende Geschichten erst so richtig spannend macht. Doch sind es erst ihre Fehler, die sie erst so richtig interessant machen: Sie spürt Neid und Eifersucht, beweist aber trotzdem die nötige Stärke, darüberzustehen, sie setzt ihren Willen durch, ganz gleich wie ihre Rudelmitglieder und vor allem der Leser ihre Entscheidungen bewerten, sie ist übermütig und überschätzt sich manchmal selbst, war ihr nicht immer weiterhilft. Ich war nicht immer mit ihren Taten einverstanden, sie war mir dabei aber niemals unsympathisch - im Gegenteil. Sie fühlt sich an wie ein eigenständiges Wesen, ein naives, unerfahrenes Mädchen, das alle Emotionen in sich trägt, die auch zu einem Menschen gehört, und mit Genuss Fehler macht, die der jugendliche Leichtsinn eben mit sich bringt. Ich liebe Kaala und ich kann es kaum erwarten, mich in den nächsten Band zu stürzen, um zu erfahren, was das Schicksal für sie noch so bereit hält.

Azzuen: Kaalas Wunschbruder Azzuen wirkt in der ersten Hälfte des Buches relativ unscheinbar. Recht früh beschließt er, Kaala zu folgen und zu vertrauen, ganz gleich, was sie tut oder wohin sie geht. Dass er sich dadurch selbst in Gefahr bringen könnte, kommt ihm dabei natürlich nicht in den Sinn - oder es ist ihm nicht wichtig. Dadurch wirkt er stets ein bisschen zu flach und zu schwächlich, um wirklich eine große Rolle in Kaalas Abenteuer zu spielen. Aber wie wir wissen, sind stille Wasser tief, und so entpuppt sich Azzuens Entwicklung für mich eigentlich als die größte Überraschung. Von allen Charakteren macht er die größte Wandlung durch und hat das gleichermaßen größte Potential, in den kommenden Bänden über sich herauszuwachsen. Er beweist auf jeden Fall das nötige Rückgrat dazu und wächst dem Leser mindestens genauso sehr ans Herz wie Kaala.

Ruuqo: Für den Leitwolf der Wölfe vom Schnellen Fluss empfinde ich eine leidenschaftliche Hassliebe, wie ich sie nur selten erleben durfte. Einerseits verabscheue ich ihn für seine Taten, die meisten seiner Entscheidungen und vor allem für seine Einstellung Kaala und ihren Freunden gegenüber. Mit seiner sturen, dominanten Art wirft er der Jungwölfin immer wieder scheinbar unüberwindbare Stolpersteine in den Weg und macht keinen Hehl daraus, dass er sie verabscheut. Gleichzeitig kann ich seine Entscheidungen auch sehr gut nachvollziehen, weil der Leser nur selten im Unklaren darüber gelassen wird, wie sie zustande kommen. Auf seinen Schultern lastet die Verantwortung für ein ganzes Rudel, und sein einziges Ziel ist es, sie vor allem Unheil zu schützen. Schwache, kopflose Wölfe kann er in seiner Nähe nicht gebrauchen, wenn es um das pure Überleben geht. So gesehen konnte ich für Ruuqo niemals Abneigung empfinden, im Gegenteil, so gemein er auch sein kann, irgendwie hatte ich immer das Gefühl, in zu verstehen und für seine tragische Rolle des Buhmanns gerade ganz besonders gern zu haben. Er hat es nicht leicht - ich bin gespannt, wie sein Charakter sich in den kommenden Bänden weiterentwickelt.

Tlitoo: Was wäre eine heldenhafte Wölfin ohne ihren herrlichen Sidekick? Die junge Krähe Tlitoo war für mich ein unverkennbares Highlight in Der Schwur der Wölfe. Er ist unglaublich intelligent, dafür aber auch umso aufdringlicher! Ausgestattet mit ein paar gerissenen Ideen, einem spitzen Schnabel und Flügeln, die ihn immer aus der Schusslinie manövrieren, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Kaala auf ihrem Weg zu begleiten und ihr dabei gehörig auf die Nerven zu gehen. Er steht ihr immer dann bei, wenn sie es am dringendsten braucht, beschert ihr ansonsten aber lieber die ein oder andere Schwierigkeit, um sich über sie lustig zu machen. Ein herrliches Detail der Krähen, wie sie in Dorothy Hearts Trilogie dargestellt sind, ist ihr ständiger Drang, sich in kurzen, frechen Haikus auszudrücken, wann immer ihm der Sinn danach steht. Zwar beherrscht er auch die normale Sprache mit geradlinigen Sätzen, wie sie den Wölfen und Menschen auch zueigen ist, doch nutzt er die Poesie viel lieber, um seinen Gegenüber entweder sehr geschickt zu beleidigen oder ihn rätselhaft in die Irre zu leiten. Seine scheinbar desinteressierte, schelmische Art war herrlich und lockerte die oftmals eher ernsthafte Atmosphäre des Romans auf angenehme Weise auf. Toller Charakter!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Dorothy Hearst hat einen ruhigen und spannenden Schreibstil, der trotz der mystischen Elemente in der Handlung überraschend down-to-earth geblieben ist. Man fühlt sich von der geschickten Komposition zwischen realistischem Tierreich und fantastischem Zusammenspiel der einzelnen Parteien so eingenommen, dass man immer wieder vollkommen in die Geschichte abtaucht ohne es zu merken. Weite Graslandschaften, dunkle und helle Wälder, Mondnächte, so klar, als könnte man sie greifen - das Ganze entfaltet seine ganz eigene Magie, die von der realitätsgetreuen Darstellung wölfischen Sozialverhaltens gepaart mit eher menschlich gehaltenen Charaktereigenschaften der Tiere nur noch verstärkt wird. Hearst selbst ist auf dem Gebiet der Wölfe eine Expertin, wie sie im Buche steht, denn sie hat ihr Verhalten viele Jahre lang studiert - diese Erfahrungen spiegeln sich in ihrem Roman so wunderbar wieder, dass man nicht nur das Gefühl hat, in eine fantasievolle Welt abzutauchen, sondern gleichzeitig auch etwas über die faszinierenden Tiere zu lernen, die sie bevölkern. Wie bringen Wölfe ihre Jungen durch? Wie funktioniert das Rang-System? Wie jagen Wölfe? Welche Funktion erfüllen die einzelnen Tiere in einem Rudel? Realtität trifft Fantasie auf allerhöchstem Niveau!

Handlung  ♥♥♥♥♥
Auch nach dem zweiten Lesen empfand ich die Geschichte, die Der Schwur der Wölfe erzählt, von Anfang bis Ende unfassbar spannend! Wir werden nicht nur mit einem hilflosen, neuen Leben konfrontiert, das seinen Weg finden muss, zu überleben, sondern erfahren am Rande auch, dass dieses kleine Leben entweder zu großem Glück oder zu großem Unheil verdammt ist. Natürlich beobachtet man da jeden seiner Schritte umso genauer, fürchtet um es, fühlt mit ihm, wünscht ihm Stärke, Kraft und Gerechtigkeit, doch schnell muss man einsehen, dass die Wildnis gnadenlos ist. Kaala führt uns auf eine unvergessliche Reise, tut Verbotenes, tut Richtiges, tut Falsches und bringt damit nicht nur ihr eigenes Schicksal ins Rollen, sondern auch das ihrer Freunde und Gefährten um sich herum. Auf jeder neuen Seite findet sie sich mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, sei es, weil es auf natürlichem Wege, wie die erste große Wanderung, oder von außen verursacht, wie durch Missgunst eines ihrer Rivalen. Das Buch endet in einer gefühlt gewaltigen Entladung all dieser Konflikte, zwischen Loyalität und Liebe, zwischen Heimat und Sehnsucht, zwischen Mensch und Wolf. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, auch wenn ich es manchmal gerne getan hätte, einfach, um mich den unangenehmen moralisch-ethischen Problemstellungen zu entziehen, die mich das ein oder andere Mal auf eine harte Probe gestellt haben. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥
Als ich vor einigen Jahren das erste Mal auf dieses Buch gestoßen bin, habe ich noch nicht geahnt, welch großer Schatz mir da in die Hände geraten ist. Dieses Buch hat alles, was ein gutes Jugendbuch haben muss: Eine mutige, aber nicht unfehlbare Heldin, ein spannendes Abenteuer, ein Konflikt, der Hauptfigur und Leser gleichermaßen vor die Wahl seiner ethischen und moralischen Grundsätze stellt, tolle Charaktere, und nicht zu vergessen: Der Traum eines jeden Kindes, die Welt einmal aus den Augen eines Tieres zu sehen. Das alles mach Der Schwur der Wölfe zu einem tollen Buch für Jugendliche und Erwachsene, die auf der Suche nach neuen Ideen und großen Abenteuern ihren eigenen Träumen hinterherjagen. 


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik

Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥♥♥

- Eure Bücherfüchsin

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magie, dämonen, feuer, dark fantasy, schamanin

Der Wanderer: Prologband

Dominique Stalder
Flexibler Einband: 340 Seiten
Erschienen bei SadWolf Verlag, 20.03.2016
ISBN 9783946446088
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Der Wanderer - Die Schamanin (Extended)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.03.2016
Seiten: 340
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ISBN: 978-3946446088
Preis: 5,49€ [eBook] / 14,99€ [Print]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Bist Du schon mal geheimnisvollen Spuren gefolgt oder hast Dich auf eine Reise zu Deinem eigenen Ich gemacht? Als der Wanderer nackt und erinnerungslos am Strand erwacht, ahnt er noch nichts von der Reise, die vor ihm liegt. Unter der ewigen grauen Wolkendecke streift er durch das Land, welches unter den Fehden der ansässigen Fürsten leidet, auf der Suche nach sich selbst und seinem Schicksal. Die Schamanin Drakatia nimmt sich seiner an und lehrt ihm die Wege der Magie. Doch die Magd Myrael sieht schreckliche Dinge auf sie zukommen und als schwarze Reiter auftauchen, scheinen sich ihre Visionen zu bestätigen. Was haben die Reiter mit der Ankündigung Drakatias zu tun, in Kürze ein wichtiges Ritual zu vollziehen? Und wer schickt sie? Die Zeit rennt und dem Wanderer bleibt nicht viel Zeit die Wahrheit zu ergründen. Die neue überarbeitete Extended-Version »Die Schamanin« bildet nicht nur den Prolog einer umfangreichen Saga, sondern stellt auch gleichzeitig die Geburt des Wanderers dar. In fesselnder Weise erfahren wir, wie seine Reise beginnt und was den einsamen Held der Geschichte antreibt. Die kalte, nasse Welt des Wanderers, wartet also nur darauf von seinen Lesern erkundet zu werden und bietet den düsteren Auftakt eines langen Abenteuers." - Quelle: Amazon

Cover  ♥♥♥♥
Da sich das Cover im Vergleich zur vorherigen Version nicht geändert hat, kann sich meine Meinung hier nicht großartig ändern. Auch nach mehrerem Betrachten finde ich die Farben unscheinbar aber gelungen in ihrer Komposition. Es sticht nicht sonderlich hervor, beweist dafür eine gewisse Bescheidenheit und die dunkel gehaltene Farbgebung signalisieren jedem interessierten Leser sofort Thema und Inhalt: Es ist Darkfantasy, ganz klar. Die Figuren sind sehr gut getroffen, besonders der Wanderer und die Schamanin sind wunderbar dargestellt: Drakatia strahlt eine Ruhe, Stärke und trotz ihrer sitzenden Haltung irgendwie auch Überlegenheit und Autorität aus, während der Wanderer sich eher in ihrem Hintergrund hält. Düster, hager und mit einem Vollbart trifft er meine Vorstellungen eigentlich auf den Punkt. Nur an der Dame links habe ich etwas zu bemängeln: Myrael sieht zu wenig zart und filigran aus, ihr Oberteil lässt sie aufgeplustert aussehen und ihre ganze Gestalt ist weniger detailliert geraten als der Rest. Trotzdem ein sehr schönes Cover, das ich immer wieder gerne betrachte.

Charaktere  ♥♥♥♥
Haric: Der Wanderer, wie er zum Schluss des Prologs häufiger genannt wird, hat im Vergleich zur vorherigen Version eine angenehme Eigenschaft hinzugewonnen: Er entwickelt sich! Nicht, wie ein Pokémon, sondern eher wie ein runder Charakter nach Vorstellungen der Literaturwissenschaft. Während er zu Beginn ein unbeschriebenes Blatt in den Weiten einer düsteren, windigen und grausamen Welt umherwandelt, sich wie ein Feigling vor der Gefahr versteckt (Ja, Haric. Ich kann und werde dir nicht verzeihen, dass du nicht eingegriffen hast!), entwickelt er sich unter den Fittichen seiner Brotgeberin Drakatia zu einem starken Mann, der ihr zwar vertraut, aber nicht vor ihr kuscht, sondern sie eher so auf Augenhöhe betrachtet, wie eine gute Freundin. Er fühlt sich nicht mehr an wie die Fahne im Wind, sondern hat einen aufrechten Willen und beweist an mehreren Stellen sein Rückgrat. Besonders leiden konnte ich ihn deswegen allerdings nicht, was nicht unbedingt seine Schuld ist. Er ist auch kein Charakter, den man vergöttern soll, er ist eigenständig, individuell und obwohl ich nicht alles gut fand, was er tut oder sagt, wünsche ich ihm, dass er das, was er verloren hat, bald wiederfindet!

Drakatia: Die titelgebende Schamanin Drakatia hatte in der überarbeiteten Extended Version noch mehr Screentime als noch in der Version davor - was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat! Sie ist unglaublich klug, schlagfertig und humorvoll, dabei auch unsagbar mysteriös. Ich liebe ihre Art, unangenehme Gespräche so geschickt auszutarieren wie Akrobaten Messer auf der Nase balancieren und es macht mir sehr viel Spaß, dabei zu sein, wie sie Haric das ein oder andere Mal ins Genick fährt. Allerdings wirkte sie diesmal auf mich noch netter, noch viel verbundener mit ihren Schützlingen, was mir manche ihrer Handlungen einfach weniger verständlich gemacht hat als zuvor.  

Myrael: Die liebe Jungfrau in Nöten, wie ich sie in meiner vergangenen Rezension schon beschrieben habe, hat mir in dieser Version Kopfschmerzen bereitet. Während ich zuvor noch von ihrer zarten, zerbrechlichen und zugleich liebevollen Art fasziniert war, schlug mein Eindruck von ihr mehr und mehr um, je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte. Bei ihrem ersten Auftauchen ist sie noch genau das, was ich in ihr gesehen habe: Ein aufrechte und schützenswerte junge Frau, die genau das ist, was Haric nach all der Leere, die in seinem Kopf herrscht, unbedingt gebrauchen kann. Doch ab der Mitte des Buches wird sie von einer derart lähmenden Angst geschlagen, dass sie die meiste Zeit eigentlich nur zitternd, weinend und schweigend auf ihrem Bett sitzt, während der arme Wanderer versucht herauszufinden, was mit ihr nicht stimmt. Das war in der vorigen Version zwar auch schon so, doch wurden dort ihre angstvollen Momente von ihren wachen Momenten ausbalanciert. Durch den erweiterten Content bekommen wir eine unausgeglichenere Version von My: Sie ist nur kurz stark und freundlich, dann nur noch hilflos und passiv. Den Grund ihrer Furcht lernt man zwar kennen, trotzdem bleibt ihr Zustand einfach unzureichend erklärt - und so war von der zarten Blüte der Zuneigung zwischen Haric und ihr ein für mich unverständliches Wirrwar. Als moderne Frau in einer halbwegs emanzipierten Welt, hätte ich sie am liebsten geschüttelt und ihr in den Hintern getreten!

Schreibstil  ♥♥♥♥
Der Autor hat bei der Überarbeitung seines Prologs gut arbeitet geleistet, was die elendig langen Innensichten des Hauptcharakters und seine unnötigen, irrelevanten Handlungen angeht, die ich in meiner Rezension zur ersten Version sehr bemängelt habe. Durch die fehlenden, ausufernden Beschreibungen fühlt sich die Handlung rasanter, spannender und inhaltsvoller an, was das Lesevergnügen steigert. Ganz verschwunden sind sie zwar nicht, das mussten sie aber auch nicht, denn gut gesetzt geben sie der Geschichte Detail und dem Leser die Möglichkeit, sich die Szenerie gut vorzustellen. Auch ansonsten ist sein Schreibstil noch immer schön gewählt und kunstvoll, ohne dabei versehentlich in Umgangssprache zu verfallen. Die Sätze wirken nicht mehr so oft stellenweise unbeholfen und alles in allem reifer als vorher. Trotzdem bin ich an einigen falsch verwendeten Redewendungen hängengeblieben. Die Beziehung zwischen Haric und Drakatia war wie immer schön und nuanciert beschrieben, während die zu Myrael wie oben angedeutet nicht mehr besonders überzeugend war. Eine wesentliche Sache habe ich allerdings noch zu bemängeln: Das Lektorat hat in dieser Version wirklich eine schlechte Arbeit geleistet. Das Buch ist voll von Tippfehlern und Kommafehlern: falsch gesetzte Kommas, fehlende Kommas, Kommas, wo keine hinsollen. Für die Bewertung eines Werks im Sinne des Autors finde ich Rechtschreibung nicht ausschlaggebend, denn es ist eigentlich Aufgabe des Verlags diese vor Veröffentlichung gründlich zu beseitigen. Ein oder zwei Fehler sind verzeihbar, aber in diesem Ausmaß kann ich hier nur von schlechter Arbeit sprechen.

Handlung  ♥♥♥♥
Durch die Überarbeitung hat der Handlung des Prologs sehr gut getan: Die übermäßig in die Länge gezogenen Monologe wurden etwas eingestampft und machen damit Platz für neuen Content. Die gesamte Geschichte wirkt weniger gestreckt, dafür rasant und spannend, und es gibt immer wieder neue Aufhänger, die den Leser am Ball halten. Allerdings wirken nicht alle Begegnungen des Wanderers auch wirklich gleichermaßen sinnvoll: Manchmal, wie im Falle der Reiter zum Schluss (wer das Buch kennt, der wird wissen, was ich meine), fühlen sie sich willkürlich erzeugt an, ohne wirklichen Einfluss auf die eigentliche Handlung beziehungsweise die Reise des Wanderers zu haben. Sie sind einfach da, ohne groß etwas zu bewegen. Dann spürt man deutlich, dass manche Begegnungen eingeführt wurden, um etwaige Informationen ans Licht zu führen, nur um dann wieder irgendwohin zu verschwinden und nie wieder aufzutauchen. Funktional, aber mit wenig Einfluss auf den Leser. 

Gesamtwertung  ♥♥♥♥
Der Wanderer - Die Schamanin ist der Auftakt zu Dominique Stalders Reihe um einen Mann ohne Erinnerungen, aber mit bestimmten magischen Fähigkeiten. Die Überarbeitung hat dem Roman definitiv gut getan: Neben vierzig zusätzlichen Seiten, einer Menge mehr Inhalt, weniger unnötigen Gedankengängen und einem irgendwie runder wirkenden Hauptcharakter, hat er mir sogar wesentlich besser gefallen als noch in der alten Version. Der Autor schreibt schön und detailliert, schafft es sprachlich aber nicht immer so präzise zu sein, wie er gerne möchte, wie mir an manchen Redewendungen und etwaigen Schreib- und Kommafehlern aufgefallen ist. Nichtsdestotrotz ist sein Werk spannend bis zum Schluss. Bloß Myrael hat es sich etwas bei mir verscherzt: Das liebreizend fürsorgliche Mädchen verwandelte sich in der Überarbeitung von der Jungfrau in Nöten zu einem zitternden, schweigenden Bündel ohne wirklichen Charakter, was ich sehr Schade fand. Umso besser und ausgefeilter wirken dagegen die beiden Figuren Haric und Drakatia, die einander nicht mehr wie Gönnerin und Diener, sondern wie zwei Gleichberechtigte begegnen - auch wenn das der Schamanin nicht immer so recht ist. Das Ende ist spannend und tragisch zugleich, verliert aber durch den fehlenden Bezug zu den anderen Charakteren - abseits der beiden eben genannten - an emotionaler Wichtigkeit für den Leser. Dennoch bleibt man gefangen, und der Wunsch, zu wissen, wie die Reise des Wanderers weitergeht, ist nach den letzten Seiten unbestreitbar vorhanden!


Spannung
♥♥♥♥
Romantik

Humor

Gewalt
♥♥♥
Action
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Die Sturmfalken von Olbian

Leann Porter
E-Buch Text: 451 Seiten
Erschienen bei dead soft verlag, 17.02.2016
ISBN B01BWM2ND6
Genre: Sonstiges

Rezension:


Die Sturmfalken von Olbian (1)

Autor: Leann Porter
Genre: Romance, Gay Romance, Fantasy, Krimi
Erschienen: 10.02.2016
Seiten: 576
Einband: eBook
Verlag: deadsoft Verlag
ISBN: 978-3945934715
Preis: 6,99€ [eBook] | 13,95€ [broschiert]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Die Sankanischen Spiele werfen ihre Schatten voraus und locken Kämpfer und Zuschauer aus der ganzen Welt in die Goldene Stadt. Unter ihnen der Sidhe Jawed, der unfreiwillig den Kämpfer Caron begleiten muss, und die abenteuerlustige Kaylin, die sich als Junge verkleidet einschleichen konnte. Während Kaylin sich als Knappe eines Kämpferfavoriten verdingt, hängt Jawed seinen Träumen vom Falkenmann nach, den er als Kind aus der Gefangenschaft rettete und seitdem nie wiedergesehen hat. Doch auch der undurchschaubare Caron weckt verwirrende Gefühle in ihm. Als Kaylin über die Leiche eines Kämpfers stolpert, ahnt niemand, dass das erst der Anfang einer Mordserie ist, die sie und Jawed in einen Strudel aus Gewalt und Hass ziehen wird …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥
Hier war das Cover mal wieder besonders einflussreich auf meine Entscheidung, dieses Buch zu lesen: Ich finde es unglaublich ästhetisch! Der gut aussehende Fremde im antiken, römischen Gewand, den Blick nachdenklich, geheimnisvoll abgewandt, das strahlende Rot des Umhangs, der seine Lenden verschleiert, der auf den ersten Blick unscheinbare, aber wunderschöne Hintergrund mit Bergen, Wasserfällen und verträumten Wäldern - die komplette Zusammensetzung des Bildes ist einfach wunderschön. Auch der große Falke oben rechts darf natürlich nicht fehlen, schließlich lautet der Titel des Buches nicht umsonst Die Sturmfalken von Olbian. Die Schrift, in der diese Worte das Cover verzieren, ist schön gewählt und unaufdringlich, sie lässt dem Bild an sich genug Raum, um zu wirken, und drängt sich nicht zu sehr in den Fordergrund. Das selbe gilt auch für den Namen der Autorin, auch wenn ich finde, dass sie es durchaus verdient hätte, dass man ihren Namen genauso gut lesen kann, wie den Titel! Ich habe hier absolut nichts auszusetzen. Und verdammt, ich will nur ein einziges Mal die Brust dieses Mannes berühren, ich glaube, dann wäre ich für den Rest meines Lebens selig!

Charaktere  ♥♥♥♥
Jawed: Von all den liebreizenden Charakteren in Die Sturmfalken von Olbian hatte ich mit Jawed die meisten Probleme. Er ist ein junger Halbsidhe, das heißt eine Art Halbelf, der in seinem kurzen Leben bereits so manches Leid durchstehen musste, das nicht selten von der bestimmten körperlich-geschlechtlichen Besonderheit herrührte, mit der er geboren, und die von den Menschen in seiner Umgebung nicht immer positiv aufgefasst wurde. Um Spoiler zu vermeiden, verzichte ich darauf, hier näher ins Detail zu gehen, tatsächlich war es aber das erste Mal, dass ich mit so einer Thematik in Berührung gekommen bin - und es war anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig. Mit seiner Rolle als Ausgestoßener hat er sich jedenfalls schon sehr früh in seinem Leben abgefunden, was dazu führt, dass er in seiner Schüchternheit, seinen Selbstzweifeln und seinem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein die meiste Zeit unübertroffen scheint. Viel zu oft ist er von seiner eigenen Angst gelähmt, bringt kaum ein Wort heraus, wenn er nicht gerade mit seiner besten Freundin Kaylin spricht, und ist auch ansonsten ein so passiver Charakter, dass ich ihn manchmal so sehr hätte schütteln können, dass ihm die Ohren abfallen. Aber so nervenaufreibend seine 'Ich-halte-still-bis-es-vorbei-ist'-Art auch ist, so sehr ist er mir dabei auch ans Herz gewachsen. Ich hatte das Gefühl, einen eigenständigen Charakter vor mir zu haben, der eben seine Schwächen, seine Ecken und Kanten hat. Es war einfach herrlich, zu beobachten, wie er im Verlauf des Romans beginnt, gegen seine bisherige Natur zu rebellieren, und vom verschreckten kleinen Jungen zu einem anständigen Kerl heranwächst, der auf einmal sehr genau weiß, wer er ist und wo er mal hin will. Zwar hat er seine Zurückhaltung und seine Selbstzweifel währenddessen nie ganz abgelehnt, doch das musste er auch gar nicht; auf diese Weise hatte ich das Gefühl, eine vollkommen natürliche Charakterentwicklung zu erleben: Ein Junge, der an den Geschehnissen reift, ohne seine Vergangenheit vollkommen abzulegen. Ich mochte ihn von allen Charakteren zwar am wenigsten, hätte ihn aber bis zum Schluss bestimmt nicht missen wollen!

Kaylin: Sie ist nicht nur Jaweds beste Freundin, sondern gleichzeitig auch das sturste, selbstbewussteste und wahrhaftig bewundernswerteste Mädchen, das ich bislang in einem Buch kennen lernen durfte. Als Tochter der Köchin des Moguls auf Kronnor ist sie, ähnlich wie Jawed, nur aus anderen Gründen, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und musste früh lernen, sich durchzusetzen. Ihr größter Traum ist es, die goldene Stadt Sanka eines Tages mit eigenen Augen zu sehen, Abenteuer zu erleben und die Welt zu bereisen. Und sie ist dabei keineswegs auf den Mund gefallen: Sie flucht wie ein echter Kerl, sagt was sie denkt, selbst wenn ihr Gegenüber ein gemeiner Schläger ist, und ist gerissen wie ein Fuchs, wenn es darum geht, Geheimnisse zu lüften und Verbrechen aufzuklären. Ich liebe sie. Wie gebannt habe ich ihre Abenteuer verfolgt, habe mit ihr (wenn auch innerlich!) gekämpft, gelacht und gewütet, immer mit dem Gefühl im Bauch, in ihr eine Person gefunden zu haben, mit der ich mich identifizieren, zu der ich aber auch aufschauen kann. Wie gerne hätte ich ihren Mumm, ihre sture Dickköpfigkeit und ihre Schlagfertigkeit, um Dinge zu erreichen, die mir manchmal wie unmöglich vorkommen. Im Verlauf des Romans macht auch Kaylin eine Entwicklung durch - sie verliert ihren jugendlichen Leichtsinn zwar nicht vollkommen, aber sie entwickelt sich zu einer jungen Frau, die weiß, worauf es im Leben ankommt. Ich ziehe meinen Hut vor der Autorin, die eine so unfassbar tolle Figur ins Leben gerufen hat. Danke!

Caron: Wenn er das erste Mal auftaucht, ist er wie ein unbeschriebenes Blatt. Er ist ein sehr ernster, nachdenklicher und damit besonders geheimnisvoller Charakter, der sich oft selbst im Weg steht und damit irgendwie unberechenbar wirkt. Das findet auch Jawed, der in ihm das erste Mal eine Person - außer Kaylin - findet, die ihn so akzeptiert, wie er wirklich ist. Caron ist verdammt sexy und auf eine warme, besonders maskuline Art fürsorglich, die mein Herz regelmäßig zum Schmelzen gebracht hat. Gleichzeitig ist er kein Mann vieler Worte, sondern der Tat, und lässt seinen Gegenüber (und seinen Leser!) mehr als einmal ratlos zurück, wenn er sich mal wieder etwas in den Kopf gesetzt hat, von dem niemand etwas ahnen kann. Er hat mir gut gefallen, doch er wirkte mir manchmal auch ein bisschen zu flach. Anders als Jawed oder Kaylin, die beide so ihre Schwächen haben, fühlt sich Caron nicht nur an wie ein unbeschriebenes Blatt, sondern trägt auch noch diesen bitteren Beigeschmack mit sich, einfach unfehlbar zu sein. Er ist einfach zu perfekt. Er macht immer alles richtig. Er sieht unglaublich gut aus. Er ist ein unvergleichlicher Kämpfer. Und er weiß immer was zu tun ist. Wer könnte ihn nicht lieben? Mit ihm geht vieles zu schnell und zu einfach, was schade ist, denn im Grunde ist er ein toller Charakter. Mit etwas mehr Tiefe und ein paar mehr Fehlern wäre er eventuell noch etwas interessanter!

Thore: Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss! Der Norrländer aus dem Hause Hammerfjäll hat es mir vom ersten Moment an einfach angetan. Er ist ein charmanter, immer gut gelaunter Zeitgenosse, der zur Verlockung eines guten Biers niemals Nein sagen wird, und sich mit seiner dickköpfigen Abenteuerlust mehr als einmal in Gefahr bringt. Für mich ist Thore der Inbegriff dessen, was einen tollen Mann ausmacht: Er hat Humor, er ist aufregend, schlagfertig, manchmal einen Tacken zu frech, dabei aber immer charmant. Weil er seine letzten Münzen regelmäßig für Bier und Frauen auf den Kopf haut, ist er eigentlich immer pleite und kann sich kaum eine gute Ausrüstung für die Sankanischen Spiele leisten, - was ihn allerdings nicht weniger ehrgeizig daran glauben lässt, der Sieger der Spiele zu sein. Gemeinsam mit Kaylin bildet er ein so harmonisches Team, dass ich gar nicht genug von den beiden und ihrem geschickten, verbalen Schlagabtausch bekommen konnte. Anders als Caron ist Thore nicht geradlinig, sondern auf seine Weise chaotisch und irgendwie eckig. Seine Vergangenheit, die nur am Rande zur Sprache kommt, hängt wie ein geheimnisvoller Schatten über ihm, behindert ihn im Grunde aber nicht dabei, sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Würde ich an dieser Stelle mehr schreiben, käme ich eventuell ins Spoilern, weshalb ich Thore nun Thore sein lasse und ihn euch damit ehrlich ans Herz lege! 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Bevor ich mich auf Die Sturmfalken von Olbian eingelassen habe, habe ich es mit der Leseprobe versucht - und ich war von Leann Porters Schreibstil sofort gefangen genommen. Sie schafft es, sehr geschickt den alten Stil, wie man ihn aus High-Fantasy-Romanen kennt mit der modernen Umgangssprache zu verweben, ohne dass die beiden Stile sich dabei im Weg stehen oder sich irgendwie störend voneinander abheben. Obwohl wir uns aber in einem Setting befinden, dass die römisch-griechische Antike mit Tunika, Sandalen, Sänften und Wagenrennen zum Vorbild hat und diese geschickt mit Fantasyinhalten wie übernatürlichen Fähigkeiten vermischt, sind mir auch ein paar Bezüge zur Realität aufgefallen, die nicht so recht in die Zeit passen wollten. Diese waren aber so gering gestreut, dass sie mich eher zum wissenden Schmunzeln gebracht haben, als wirklich zu stören. Die Dialoge sind durchweg großartig geschrieben, die humorvollen, schlagfertigen Kabbeleien bringen frischen Wind und immer wieder Freude mit sich, und irgendwann hat man das verführerische Gefühl, selbst Teil der Geschichte zu sei, weil einem die Charaktere so plastisch vorkommen, als könne man selbst das Wort an sie richten. Ich war durchweg zufrieden und kann sagen: Dieses Buch ist wieder mal ein Buch, in dem ich mich zuhause gefühlt habe!

Handlung  ♥♥♥♥
Auch wenn die Handlung zu Beginn des Romans eine Weile braucht, um in Rollen zu kommen, ist sie doch bis zum Schluss unsagbar spannend. Das gilt vor allem für die eine Hälfte des Buches, die quasi Kaylins Geschichte erzählt: Waghalsig stürzt sie sich in jedes Abenteuer, das ihr in den Sinn kommt, bis sie sich irgendwann mitten in den Ermittlungen eines grausamen Verbrechens wiederfindet. An ihrer Seite der verplante, jedoch nicht weniger liebreizende Thore, auf der anderen ihr bester Freund Jawed, auf der Suche nach einem Neuanfang. Immer und immer wieder werden neue, liebenswerte Charaktere eingeführt, gegen Ende des Buches jagt ein Plottwist den anderen und man kann wirklich nicht mehr aufhören zu lesen. Bei anderen Hälfte des Buches, die sich mit Jaweds Schicksal beschäftigt, geht es dabei nicht halb so spannend zu. Mit seiner stets passiven Haltung überlässt er die Bühne des Geschehens oft lieber Caron und Kaylin, während er wartend in seinem Zimmer sitzt und sich immer wieder seinen Zweifeln ergibt, was irgendwann nicht nur redundant, sondern mit der Zeit auch nervig ist. Immer wieder habe ich ihn innerlich angeschrieen: 'Verdammt, Jawed, mach was. Raus aus deinem Kokon, rein ins Leben!', aber ich wurde nur kaum bis gar nicht erhört. Während Kaylin das Leben sucht, sucht Jawed die Liebe und mit ihrem Finden fühlt sich seine Geschichte ab der Mitte des Buches irgendwie viel zu abgeschlossen an. Die paar gestreuten Konflikte, die sich dann noch zwischen ihn und sein Glück stellen, wirkten leider konstruiert und viel zu durchschaubar, sodass man als Leser nur die Hand vor die Stirn schlagen und rufen konnte: "Mensch, Jawed! Das ist doch offensichtlich!". Ich war froh, als er im letzten Drittel des Buches schließlich doch ein wenig an aktivem Part gewonnen und sich in die Handlung mit eingemischt hat - auf diese Weise wurden die beiden Erzählstränge wieder sinnvoll miteinander verwoben. Ich denke, ohne Kaylin ist Jaweds Leben viel zu langweilig, erst in ihrer Gegenwart blüht er so richtig auf! Im Großen und Ganzen habe ich das Buch aber von Anfang bis Ende sehr genossen. Es war wahnsinnig spannend die beiden Hauptcharaktere auf ihrer Suche zu begleiten und mit ihnen Gefahren und Missverständnisse zu durchleben - Kaylins Erzählstrang war für beide spannend und actionreich genug, weshalb sich die Ausflüge in Jaweds Liebesleben wie eine willkommene Abwechslung und eine angenehme Erholung vom Stress der Ereignisse angefühlt haben.

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Ich denke jeder, der über Jaweds Schwächen - sowohl seine charakterlichen als auch seine erzählerischen - hinwegsehen kann, und wer grundsätzlich nichts gegen Gay Romance Elemente und intime Sexszenen hat, der wird mit Die Sturmfalken von Olbian eine tolle Zeit haben. Die Geschichte ist spannend bis zum Schluss, die Welt ist faszinierend, die Charaktere sind wunderbar gestaltet, sodass man das Gefühl hat, sich inmitten einer großen Familie zu bewegen. Kaylin und Thore haben für mich Jaweds und Carons Schwächen sehr gut ausgebügelt, sodass ich beide Erzählstränge sehr gerne verfolgt habe. Ich mochte es sehr gern, dass die Geschichte zum Schluss mehr Krimi und Action war als Fantasy und Romance. Wer sich in eine wundervolle Welt nach antikem Vorbild entführen lassen will, ohne dabei an der hochgestochen-altertümlichen Sprache zu ertrinken, und wer gerne spannende Unterhaltung mit romantischen Elementen erlebt, dem sein dieses Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Es hat mir viele schöne Stunden beschert! Danke dafür!


Spannung
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Romantik
♥♥♥♥
Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥♥♥

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Maybe Not

Colleen Hoover
E-Buch Text: 129 Seiten
Erschienen bei Atria Books, 24.11.2014
ISBN 9781476799841
Genre: Liebesromane

Rezension:


Maybe Not

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: Dezember 2015
Seiten: 160
Einband: eBook [auch als TB verfügbar]
Verlag: Simon & Schuster
ISBN: 9781501125713
Preis: 2,49$ [Amazon-eBook-Preis]

Rating: ♥♥♥♥


Achtung! Zurzeit nur auf Englisch verfügbar!
Inhalt

"When Warren has the opportunity to live with a female roommate, he instantly agrees. It could be an exciting change. 

Or maybe not. 

Especially when that roommate is the cold and seemingly calculating Bridgette. Tensions run high and tempers flare as the two can hardly stand to be in the same room together. But Warren has a theory about Bridgette: anyone who can hate with that much passion should also have the capability to love with that much passion. And he wants to be the one to test this theory. Will Bridgette find it in herself to warm her heart to Warren and finally learn to love? 

Maybe. 
Maybe not." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥
Zugegeben, das (englische) Cover von Maybe Not spricht mich jetzt nicht unbedingt an. Langweilige, reinweiße Bettwäsche auf der in großen Lettern der Titel der Spin-Off-Novel prangt, darunter in blinkendem Rot der Name der Autorin ... Das Einzige, was mir beim Anblick dieser Gestaltung in den Sinn kommt ist: 'Oh, eine oberflächliche Bettgeschichte'. Dass sich in den Großbuchstaben des Titels ein weiteres Bild versteckt, nämlich das eines sich küssenden Pärchens, habe ich tatsächlich erst auf den fünften Blick gesehen. Und leider muss ich zugeben, dass es meinen ersten Eindruck des Covers nicht mehr sonderlich beeinflussen konnte. Es ist langweilig, einfallslos und vermittelt nicht nur ein falsches Bild der Geschichte, sondern wird ihr auch ihn keiner Weise gerecht. Im Laden würde ich diesem Buch keinerlei Beachtung schenken. Zum Glück habe ich es als eBook gekauft und gelesen, sodass ich mich nicht ständig über das lieblose Äußere ärgern musste. Ich kann nur hoffen, dass unsere deutschen Verlagsmenschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Gestaltung des Covers haben, sollten sie es jemals lizensieren und veröffentlichen - Ich würde es dem Buch wünschen.

Charaktere  ♥♥♥
Warren: In meiner Rezension zu Maybe Someday habe ich meinen ersten Eindruck zu ihm als Charakter bereits preisgegeben, in Maybe Not hat er diesen sogar noch übertroffen: In der Hauptgeschichte, in der er ja leider nur eine relativ kleine Rolle spielt, vermittelte er mir immer den Eindruck, man könne ihn einfach nicht ernst nehmen, selbst dann wenn er auf jemanden furchtbar sauer ist. In ihm vereinten sich Naivität und Unreife mit einer großen Portion Herzlichkeit und Offenheit. Kurz um: Man muss Warren einfach lieb haben. Aber man kann ihn einfach nicht ernst nehmen - so dachte ich. In seinem Versuch, Bridgette zu lieben und zu hassen gleichzeitig, mit ihr den emotionalen Eiertanz zu bestreiten, ihre eisige Hülle anzukratzen, hat ich mich vollkommen davon überzeugt, dass in ihm doch etwas von dem vernünftigen 'Ich-will-mich-an-dich-anlehnen'-Mann steckt, den Frauen heutzutage noch immer so verzweifelt suchen. Und nicht nur das große Kind, das nicht eine Sekunde ernst bleiben kann, und sich ganz ungeniert Pornos im Gemeinschaftswohnzimmer anschaut, unabhängig davon, wie seine Mitbewohner das eigentlich finden. Apropos Pornos: In Maybe Not erfährt man übrigens endlich, warum Warren so viel Zeit darauf verwendet, sich den ganzen Tag Schmuddelfilme anzusehen. Das solltet ihr aber ganz allein herausfinden!

Bridgette: Auch hier muss ich wieder ein kleines Geständnis ablegen. Ich mag Bridgette nicht besonders. Von Anfang an nicht. Ich weiß, ich weiß, wahrscheinlich werdet ihr jetzt entweder Lachen oder mit den Schultern zucken, weil ihr wisst, dass Bridgette nämlich eines ganz bestimmt nicht ist - nämlich zum Liebhaben. Aber ich erkläre euch jetzt auch warum. Eigentlich hat es ja so seinen Reiz, endlich mal einen Charakter zu erleben, der bissig, immer mies gelaunt, unnahbar und verdammt gemein ist. Blöderweise kann sie mich mit diesen Eigenschaften überhaupt nicht überzeugen. Ja, sie will mit ihrer harten Schale ihren doch so weichen Kern schützen, weil sie eine wirklich ach so schlimme Kindheit hinter sich hat. Trotzdem kam ich über einen Gedanken nie hinweg: 'Verdammt, so benimmt sich doch keiner!'. Bridgette wirkt auf mich nicht wie ein realer Mensch - ganz im Gegenteil zu Ridge (Maybe Someday) beispielsweise - sondern wie das aufgeplusterte Konzept des Menschen, den sie eigentlich darstellen soll. Alles an ihr wirkt aufgesetzt und übertrieben, so, dass ich über sie vielleicht ein oder zwei Mal schmunzeln kann, sie mir im Großen und Ganzen einfach nicht vorstellen kann. Ich konnte - und kann es bis heute nicht - keine Verbindung zu mir aufbauen, sie war mir beinahe gleichgültig. Ich habe ihre Handlungen, Reaktionen, Intentionen und Gefühle nicht verstanden oder nachvollziehen können, weshalb mir der Ausgang ihrer Geschichte eigentlich relativ egal war. Das wurde auch nicht besser, als Warren es schafft, ihr zumindest irgendwie näher zu kommen. Eigentlich habe ich Maybe Not nur für und wegen des gutmütigen Warren gelesen, in der Hoffnung, dass auch er endlich die Liebe seines Lebens findet. Tut mir leid, Bridgette. Es liegt nicht an dir. Ich glaube, es liegt allein an mir. Aber ich wünsche dir trotzdem alles Gute.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Wenn ihr meinen Blog schon länger verfolgt, dann wisst ihr sicherlich, dass ich Colleen Hoover für ihren Schreibstil sehr bewundere. Sie schafft es wirklich, etwas in meinem Inneren zu berühren, ohne dabei besonders ausgefallen oder schmalzig zu werden. Auch in Maybe Not stellt sie ihr können wieder unter Beweis, diesmal allerdings auf eine ganz andere Art! Die gesamte Novelle ist nämlich aus Warrens Sicht geschrieben, was der ganzen Geschichte nicht nur die Ernsthaftigkeit nimmt und ihr eine gesunde Portion gut getimten Humor hinzufügt, sondern auch für Leser, die nicht so geübt darin sind, Englisch zu lesen oder zu verstehen, sehr gut und sehr leicht zu lesen ist. Wer schon immer Mal nach einer Gelegenheit gesucht hat, ein kurzes Buch auf Englisch zu lesen, um zu sehen, wie weit man kommt, dem kann ich Maybe Not sehr ans Herz legen: Ihr werdet sicher keine großen Probleme haben. Und dazu ist es auch noch für den ein oder andere Lacher gut. Besonders beeindruckend fand ich, dass Colleen seine Gedanken so authentisch zu Papier gebracht hat. Im Gegensatz zu Bridgette dachte ich mir so oft: 'Ich wusste es! Männer denken so!' - Vielleicht bestätigt sie mir damit aber nur, was wir Frauen von Männern denken, als die tatsächliche Wahrheit. Aber Männer denken doch nun mal oft an Sex - oder? Ich kann nur empfehlen: Gebt dem Buch eine Chance. Es ist einfach faszinierend zu beobachten, wie Colleen es schafft, ihren Schreibstil an die verschiedenen Tonarten ihrer Charaktere anzupassen. Und noch faszinierender, die Gedanken dieser Charaktere tatsächlich auch zu denken.

Handlung  ♥♥♥♥
Nur mal so zur Warnung vorweg: Maybe Not ist eine Spin-Off-Novel, das bedeutet, es ist eine kurze Nebengeschichte, die sich zeitlich mit der Hauptgeschichte von Maybe Someday überschneidet, jedoch vom Umfang her nur etwa die Hälfte umfasst. Dass auf knapp 200 Seiten jetzt nicht so wahnsinnig viel passieren kann, sollte damit klar sein. Tatsächlich spart Colleen hier an Zeit, indem sie immer wieder gut gezielte Zeitsprünge einbaut, die der ganzen Geschichte eine Dynamik verpassen und sie nie langweilig werden lassen. Wir begleiten Warren und Bridgette über ihr erstes Treffen, ihre ersten Streiche, ihre ersten Annäherungsversuche bis hin zu ihrem gemeinsamen Durchbruch (badumm tss!). Nebenbei erfahren wir pikante Details über Bridgettes Leben und ihren Hintergrund, Themen die in der Hauptgeschichte zugunsten von Ridge und Sydney eher kurz gehalten wurden. Und wir erfahren, dass Warren eine Schwester hat, die ihr Leben irgendwie nur so halb auf die Reihe kriegt. Und dann gibt es da noch ... Streit. Viel Streit. Auch wenn der beim Leser meistens eher ein wissendes Schmunzeln als ein dramatisches Seufzen oder ein genervtes Augenverdrehen hervorruft. Die Handlung war kurz, knackig, geprägt von vielen Auf und Abs, aber allen voran eines: Sehr pikant und sehr sexy! Das, was manchem Liebhaber gegenseitig körperlichen Aussprachen in Maybe Someday gefehlt hat, wird hier in geballtem Content nachgeholt. Aber keine Sorge, die Geschichte geht darin keinesfalls unter. Und wenn Liebe und guter Sex sich die Waage halten, hat man doch wirklich alles richtig gemacht?

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Um es also mal auf einen Punkt zu bringen: Maybe Not ist eine niedliche kleine Nebengeschichte zum emotionalen Großmeisterwerk Maybe Someday und führt uns nicht nur in die Gedankenwelt des lieben, herzlichen und ein bisschen vertrottelten Warren ein, sondern bringt uns auch Bridgette etwas näher. Auch wenn ich, wie oben bereits begründet, mit ihr nicht so ganz warm geworden bin, habe ich ihre Geschichte sehr gerne verfolgt und hatte ein paar vergnügte Stunden mit dem Buch. Es ist humorvoll, sexy und so leicht geschrieben, dass es eigentlich auch für Anfänger der englischen Sprache ganz gut zu lesen ist. Besonders faszinierend ist, wie Colleen Hoover es schafft, mit ein paar einfachen Worten nicht nur ganze Tsunamis an Gefühlen auszulösen, sondern ihre Charaktere so individuell und treffend zu gestalten. Für jeden, der eine nette Auszeit braucht und nicht allzu viel Tiefe in der Story erwartet, ist Maybe Not definitiv ans Herz zu legen. Ganz besonders den Hoover-Fans unter euch. Viel Spaß!

Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥♥♥
Gewalt

Action


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liebe, colleen hoover, musik, maybe someday, ridge

Maybe Someday

Colleen Hoover , Kattrin Stier
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.03.2016
ISBN 9783423740180
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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lynn, make it count, oceanside, jared, oceansid

Make it count - Gefühlsbeben

Carrie Price
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2015
ISBN 9783426518120
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Make it count: Gefühlsbeben (2)

Autor: Carrie Price
Genre: Romance, New Adult, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 01.12.2015
Seiten: 240
Einband: Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-51812-0
Preis: 8,99€

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt
"Lynn hat das Kleinstadtleben hinter sich gelassen. Zu viel Schmerz verbindet sie mit Oceanside. Am College in Boston gibt sie sich kühl und sarkastisch. Der Einzige, der sie durchschaut, ist der unverschämt gut aussehende Jared Parker. Sein bloßer Anblick lässt die Mädchen reihenweise dahinschmelzen. Nur Lynn scheint gegen seine Reize immun zu sein. Aber wieso hat sie trotzdem jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn sie ihn sieht? Wird er es schaffen, die harte Schale um Lynns Herz zu durchbrechen?" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥
Fast ein bisschen zu kitschig, war mein erster Gedanke, als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt. Aber gleichzeitig war ich von den warmen, sommerlichen Farben, den hübschen Kleidern der abgebildeten Protagonisten und ihrer sanften Haltung irgendwie gefangen genommen. Eigentlich bildet es doch genau das ab, was wir uns von einem Buch wie diesem erwarten: Eine warme Atmosphäre, ein bisschen Romantik, ein bisschen Liebe. Abzüge gibt es aber trotzdem: Die abgebildete Dame trifft vom Kleidungsstil leider überhaupt nicht den Geschmack der Protagonistin Lynn, die sich nämlich gerade bewusst gegen alles Mädchenhafte sträubt, weil sie es hasst, die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen zu müssen. Auch wenn's hübsch aussieht: Es passt leider nicht ganz!

Charaktere  ♥♥♥♥
Lynn Chase: Lynn Chase ist anders. Sie will nicht das sein, was andere Leute von ihr erwarten, ihre Eltern nicht, ihre Mitschüler nicht. Lieber trägt sie die Haare ganz kurz, Jeans und T-Shirt, eher so, wie man sich einen typischen Normalo eben vorstellt. Zur gleichen Zeit versucht sie ihre innere Unsicherheit mit toughen Sprüchen und einer Maske der ablehnenden Kälte zu überspielen und andere Menschen von sich fern zu halten. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Die ersten 50 Seiten mit Lynn waren für mich die Hölle. Nicht nur, weil man plötzlich in das Geschehen gerissen wird und seitenlange kitschig-dramatische Gedankengänge und Panikattacken aus ihrer Sicht ertragen muss, sondern auch, weil sie grundsätzlich einfach alles um sich herum ablehnt. Ich fand es wahnsinnig anstrengend, einer Person zu folgen, die alles dramatisiert und fatalisiert, ohne selbst zu wissen, was eigentlich passiert ist. Gott sei Dank ändert sich Lynns furchtbare Einstellung damit, dass sie es irgendwie schafft, Jared Parker an sich heranzulassen. Zurück blieb dann nur eine toughe Querulantin, die ihrem Gegenüber gerne die Stirn bietet und nur ab und zu in den Verzweiflungs-Modus verfällt, dann, wenn es auch für den Leser nachvollziehbar ist. Identifizieren konnte ich mich mit ihr dadurch zwar nicht, doch irgendwann hat sich eine gewisse Spannung eingestellt: Ich wollte wissen, ob Jared es schafft, ihre harte Schale zu knacken und sie aus ihrem immer währenden Kreis der Verzweiflung und Selbstverachtung herauszuziehen. Ich mochte sie so ganz gern. 

Jared Parker: Jared Parker ist das typische, weibliche Objekt der Begierde, allerdings einer von der Sorte, der nicht etwa unerreichbar ist wie Alexander von Cambridge (Royal-Saga), sondern den man nach Möglichkeit sogar in freier Wildbahn finden zu können glaubt: Mittelgroß, braune Haare, dunkle, anziehende Augen, Barkeeper und ab und zu auch Türsteher, was seine natürlichen Brust- und Oberarmmuskeln erklärt, offenes, freundliches Verhalten, doch irgendwo hinter seiner netten, warmen und schützenden Fassade brodelt ein Geheimnis, das man nicht so ganz zu fassen kriegt. Und wenn er einen dann auch noch ab und an an sich heranzieht, tief in die Augen blickt und lächelt, dann weiß man, was man sich die ganze Zeit gewünscht hat - so geht es zumindest Lynn und ich kann sie, verdammt nochmal, verstehen! Denn die Mischung aus texanischer Rauheit und sanfter Verletzlichkeit lässt jedes Frauenherz höher schlagen. Dafür mangelt es ihm allerdings auch an Individualität, denn man kann keinen stereotypen Frauenschwarm erschaffen, ohne, dass es nicht schon tausende vor einem getan haben. Aber das macht nichts, denn in Anbetracht dessen, was ich von Gefühlsbeben erwartet habe, trifft Jared genau meinen Geschmack und meine Wunschvorstellung für einen männlichen Protagonisten in einem Leichtkost-Liebesroman. 

Schreibstil  ♥♥♥
Gefühlsbeben ist das Werk einer deutschen Autorin unter einem amerikanischen Synonym und man merkt einfach, dass sich die sprachliche Nuancierung um ein vielfaches bemerkbarer macht, wenn man ein Buch in der Originalsprache ließt, als wenn man auf eine Übersetzung angewiesen ist. Carrie Price schreibt sehr einfühlsam und gefühlvoll und schafft es, Gefühle wie Schmerz, Trauer und Glück gleichermaßen mitreißend wie nachvollziehbar darzustellen. Nachvollziehbar zwar, in der ersten Hälfte allerdings eher weniger nachfühlbar, denn dort bekommen wir die geballte Ladung Verzweiflung und Selbsthass der Protagonistin ins Gesicht geschleudert, ohne so recht zu wissen, was eigentlich los ist. Auf diese Weise kommt die erste Begegnung mit Jared eher überdramatisiert, kitschig und sogar merkwürdig vor; anders wäre es vielleicht, hätte man die Szene eher in die Mitte oder den Schluss eingebaut, nachdem dem Leser klar war, weshalb die Protagonistin einem Nervenzusammenbruch nahe ist. Aus dem genervten Augen verdrehen vom Anfang wurde gegen Ende hin aber schließlich doch ein zufriedenes Lächeln, als sich die übertriebene Dramatik in der Sprache abgebaut und einen gemäßigteren Ton angenommen hatte. Na gut. Der Patzer vom Anfang sei verziehen, denn der Rest ist sogar ganz schön mitreißend beschrieben. 

Handlung  ♥♥♥♥
Eine schöne Handlung ist für einen guten Liebesroman immer das A und O. In Gefühlsbeben begeben wir uns mit Lynn und Jared auf eine Reise auf der Suche nach der Wahrheit und einem Weg, mit ihr klarzukommen. Dabei 'reisen' wir tatsächlich, denn die beiden unternehmen einen Ausflug nach Oceanside, Lynns alte Heimat, und erarbeiten sich gemeinsam die schreckliche Vergangenheit, die sie bis heute in ihre Gedanken und Gefühle verfolgt, die sie einfach nicht loslassen will. Viel Action passiert dabei natürlich nicht, aber das wird hier ja auch nicht gefordert. Viel interessanter ist der schleichende Prozess, in dem die beiden Charaktere beginnen, erst umeinander herumzuschleichen und sich einander schließlich zu öffnen - psychologisch gesehen ist die Darstellung ihrer Annäherung gut und überzeugend gelungen. Abzüge gibt es allerdings für den zum Schluss stark hinkonstruierten Turning-Point, der die beiden, nachdem sie sich relativ nahe gekommen sind, doch noch irgendwie zu Problemen und Missverständnissen führt, ohne, dass es hätte sein müssen. Ohne ein letztes Aufbäumen zum Schluss wäre die Handlung mit ihrer Spannung vielleicht zu flach abgefallen, ich denke trotzdem, dass man es auch eleganter hätte lösen können. Besonders gut hat mir der Bezug zu Make it count Band Eins, Gefühlsgewitter von Ally Taylor gefallen: Die beiden Protagonistinnen begegnen sich nämlich und verbinden damit die beiden Einzelbände geschickt miteinander. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Wer mich schon länger verfolgt, der weiß, dass mich Ally Taylors Gefühlsgewitter irgendwie nicht so wirklich vom Hocker gehauen hat. Damals kam mir alles übertrieben kitschig und unglaubwürdig vor und ehrlich gesagt hatte ich bei Gefühlsbeben nichts anderes erwartet. Wer allerdings wenig erwartet, der wird ab und an mal positiv überrascht - so läuft das eben. Und ich muss sagen: Ja, Carrie Price hat mich sehr überrascht. Mal von dem sprachlich schwachen und anstrengenden Anfang und dem stark konstruierten Turning-Point am Ende abgesehen, war ich von diesem Buch sogar so sehr begeistert, dass es mir noch drei Tage nach Abschluss in den Gedanken nach hing. Ich mochte es gern, zu sehen, wie die starre, querulantische Protagonistin Lynn unter dem warmen, fürsorglichen Verhalten des Barmanns Jared aufweicht, sich ihm offenbart und hingibt, während ihn ganz andere Sorgen planen, von denen sie gar keine Ahnung hat. Sprachlich und gefühlsmäßig hat es mich gepackt und mir ein paar kuschelige Lesestunden beschert, die ich in keiner Weise bereue. Wer lockere, verträumte Liebesgeschichten mag, kann hier ruhig mal einen Blick riskieren


Spannung
♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥
Gewalt
♥♥
Action


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fantasy, seelennacht, simon, darkest powers, chloe

Darkest Powers: Seelennacht

Kelley Armstrong , Christine Gaspard
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.11.2013
ISBN 9783426507810
Genre: Fantasy

Rezension:

Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50781-0
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Ich hatte recht. In Lyle House gehen tatsächlich erschreckende Dinge vor sich. Ich bin keineswegs hier, weil ich verhaltensauffällig, sondern weil ich eine Totenbeschwörerin bin. Ich kann mit den Geistern von Toten reden. Ich kann Tote auferstehen lassen. Meine Kräfte sind unberechenbar. Denn ich bin das Ergebnis eines fehlgeschlagenen genetischen Experiments. Meine Schöpfer, die Edison Group, haben Angst vor mir - und vor den anderen Jugendlichen in Lyle House. Wir sind tickende Zeitbomben. Daher haben sie beschlossen, ihr Experiment endlich zu einem Ende zu bringen. Und uns bleibt nur noch eins: um unser Leben zu rennen..." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥

Auch hier wieder kurz anzumerken: Ich habe die alte, gebundene Auflage der Reihe gelesen und werde deswegen das alte Cover bewerten. Die neuen Ausgaben habe ich unten in diesem Post abgebildet, damit ihr euch ein Bild machen könnt!
Während das Cover des ersten Bands in ein nächtliches Blau getaucht ist, ist dieser zur farblichen Abgrezung grünlich gestaltet. Ich mag das Zusammenspiel der Farben, wenn beide Bücher nebeneinander im Regal stehen - sie harmonieren auch besonders gut mit dem dritten und letzten Band der Reihe. Tatsächlich gefällt mir das Cover von Band Zwei sogar besser, als das des ersten, die abgebildete Frau sieht weniger lethargisch, dafür aber um einiges entschlossener aus. Sie ist hübsch anzusehen und auch, wenn sie nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Chloe passen will, was Alter und Aussehen betrifft, finde ich die Gestaltung im Gesamten sehr gut. Unten links sieht man einen nur schwach beleuchteten Gang, der an ein Krankenhaus oder eine Klinik erinnert. Diese verboten, mystische Darstellung eines der im Buch vorkommenden Schauplätze macht optisch viel her und rundet das Cover für mich schön ab. 

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Chloe Saunders: In meiner Rezension zum ersten Band  Schattenstunde habe ich ja schon ausführlich begründet, weshalb mir Chloe als Protagonistin besonders ans Herz gewachsen ist. In  Seelennacht hat sie diesen ersten Eindruck bei mir sogar noch gefestigt: Ihre Charakterentwicklung ist bemerkenswert. Vom eher langweiligen, unscheinbaren und verwöhnten Mauerblümchen entwickelt sie sich zu einer starken jungen Frau, die sagt, was sie denkt, was sie will und ihre Entscheidungen selbstständig und wohl überlegt trifft. Besonders gut gefällt mir ihre Art und Weise, ihre Probleme zu überdenken und letztlich immer den logischsten, nachvollziehbarsten Weg zu wählen. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, deren Hirn sich ausschaltet, wenn in ihrer Nähe ein hübscher Junge auftaucht oder die Autorin einfach nicht weiß, wie sie sonst Spannung aufbauen soll, wenn nicht über die Dummheit ihrer Charaktere. Chloe fühlt sich an wie eine eigenständige, authentische Person, mit der ich wunderbar identifizieren kann, weil sie mir das Gefühl gibt, das Abenteuer Seite an Seite mit ihr zu erleben. Toll!

Victoria Enright: Wer hätte gedacht, dass ich in meiner Rezension Victoria Enright, kurz genannt 'Tori', auch nur in einem Wort erwähnen würde? Sie ist eine Schlange, durch und durch gemein, hinterhältig, neidisch, verwöhnt und kratzbürstig und würde keine Sekunde zögern, einen von uns ans Messer zu liefern, wenn sie dadurch einen ihrer Fingernägel vor dem Abbrechen bewahren könnte. Aber wie ekelhaft Malfoy zu Harry auch sein mag, er ist kein durch und durch böser Mensch. Und das Gleiche gilt auch für Prinzessin Victoria. Auch wenn sie furchtbar nervtötend ist und es schafft, mit ihrer Starrsinnigkeit all meine Lieblingscharaktere zu gefährden, kann ich ihr doch nichts Böses an den Hals wünschen, weil ich weiß, dass in ihr ein guter Kern steckt und sie einfach unter besonderen Umständen groß geworden ist. Diese haarscharfe Linie zwischen Sympathie und blankem Hass ist unfassbar schwer zu konstruieren und ich ziehe meinen Hut vor Kelley Armstrong, dass sie es schafft, selbst den unliebsamsten Charakter für mich unentbehrlich zu machen. Ich liebe Toris dumme Sprüche, die zwar verletzend und nicht zuletzt voll von neidischem Gift sind, aber an Wortgewandtheit und Kreativität unübertroffen bleiben. Ich liebe es, wenn Tori giftig wird. Passiert mir eher selten. 

Derek Souza: Chloe hat es nicht leicht mit Derek. Denn einerseits fühlt sie sich an seiner Seite besonders wohl - was hauptsächlich freundschaftlich, zeitweise aber auch anderweitig begründet ist -, andererseits bringt er sie zur absoluten Weißglut. Derek hat die schlechte Angewohnheit, socially awkward zu sein, was bedeutet, dass er nicht richtig weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Ständig ist er zu rau, zu unfreundlich und zu mürrisch, was ihn in den Augen anderer abstoßend macht, oder er neigt dazu, immer genau dann zu schweigen, wenn es wichtig wäre, etwas zu sagen. Vor allem aber hat er eine große Vorliebe dafür, Chloe für jeden noch so kleinen Fehler zur Schnecke zu machen, auch dann, wenn sie gar nichts dafür kann. Natürlich sorgt das für den ein oder anderen Konflikt, doch auch hier schlägt Kelley Armstrong grandioses Talent zu, einzigartige, selbstständige Charaktere erschaffen zu können: Auch Derek entwickelt sich, entfernt sich von seiner 'Einsamer-Wolf-Lebensphilosophie' und wird an den Geschehnissen stärker, offener und runder. Ich liebe Derek, denn er ist nicht der typische, perfekte und wunderhübsche Jugendbuchcharakter, den man erwartet hätte. Er ist der Junge von Nebenan, der mit einer Bürde geboren wurde, die er sich nicht aussuchen konnte. 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Kelley Armstrong ist für mich eine der begabtesten Autorinnen, wenn es um Mystery und Urban Fantasy geht. Sie schafft es, die Spannung immer auf einem angenehmen, aber anspornenden Level zu halten und sie nur zu gewissen Anlässen voll aufzudrehen, sodass man das Gefühl bekommt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, damit einem nicht ein Detail, eine nervenaufreibende Szene durch die lappen geht. Ich liebe es, wie sie sich traut, in einem Jugendbuchroman auch mal morbide, dunkel und zum Teil auch eklig zu werden, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Schaurige Szenen, Begegnungen mit halb verwesten Leichen und Verfolgungsjagden in der Dunkelheit gehen ihr so natürlich von der Hand, dass sich selbst mir dabei die Nackenhaare aufstellen. Ihre Charaktere sind stets glaubwürdig, geben einem das Gefühl, selbst irgendwann in so eine abstruse Situation geraten zu können und lassen einen stets verständnisvoll nicken, wenn ein Charakter mit der aktuellen Situation ins Hadern kommt. Man spürt einfach, dass sie sonst Erwachsenenromane schreibt, aber das tut der Qualität ihrer Jugendbücher keinen Abbruch. Ein besonderes Highlight sind ihre zeitlose Wortwahl, die einem das Gefühl gibt, die Handlung könnte sich gleich heute in der eigenen Heimatstadt abspielen, und die wortgewandten Dialoge, mit denen sie einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringt - oder wahlweise ein spannungsgeladenes Kribbeln in die Fingerspitzen zu zaubern. Kelley Armstrongs Schreibstil ist wunderbar, schaurig und gleichzeitig so gemütlich, dass man am liebsten gar nicht mehr daraus auftauchen möchte.

Handlung  ♥♥♥

Für die Handlung gibt es von mir diesmal ein paar Abzüge für  Seelennacht, was keinesfalls daran liegt, dass nicht genug passieren würde: Es passiert tatsächlich eine ganze Menge. Die Nerven sind stets zum Zerreißen angespannt, man vermutet hinter jeder Ecke eine Gefahr und in den meisten Fällen stellt sich diese Vermutung sogar als wahr heraus. Man bekommt kaum Zeit zum durchatmen und schon sind unsere Helden wieder mitten in einer gefährlichen Situation, die ihnen den Kopf kosten könnte. Das Problem dabei ist allerdings, dass man trotzdem das Gefühl hat, dass die Story sich trotzdem nicht weiterbewegt. Als würden wir auf der Stelle treten. Informationen über die Welt der Paranormalen, die Gründe oder Ausmaße ihrer Kräfte sind mau gesät, fast gar nicht vorhanden, denn unsere liebsten Protagonisten befinden sich die meiste Zeit des zweiten Bandes auf der Flucht, außer Stande irgendwelche Informationen einzuholen oder auch nur irgendeinen Fortschritt zu erlangen. Ich hätte mir mehr Einblicke in das Leben der Paranormalen gewünscht, vielleicht jemanden, der die Charaktere lehrt, mit ihren frisch gewonnenen Kräften umzugehen. Während des ersten Bands kamen mir tausend Fragen, von denen keine einzige in  Seelennacht beantwortet werden konnte. Ich fürchte fast, der nächste und letzte Band wird zu schnell vorbei gehen, zu wenig ins Detail gehen und meine Fragen so schnell und oberflächlich beantworten, dass es mich nicht befriedigt. Wenn das der Fall ist, frage ich mich: Wofür dann überhaupt der zweite Band? Hätte man diesen Teil dann nicht einfach weglassen können, um gleich mit dem Finale weiterzumachen?

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Mit Band Zwei der 'Die Dunklen Mächte' Reihe hat mir Kelley Armstrong mal wieder bewiesen, wie unfassbar gut sie darin ist, Charaktere zu entwerfen, die einzigartig und eigenständig sind, und eine so gruselige, nervenaufreibende Spannung aufzubauen, dass man ihre Bücher am Liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch in  Seelennacht habe ich mich voll und ganz wie zuhause gefühlt, die Charaktere sind mir unfassbar ans Herz gewachsen und ich habe mit Freude beobachtet, wie die Charaktere sich entwickeln und an dem erstarken, was im Moment mit ihnen passiert. Leider konnten keine Fragen geklärt werden, die sich mir nach dem ersten Teil der Reihe gestellt haben, und auch die Handlung lässt eher zu wünschen übrig.  Seelennacht ist zwar durchweg spannend und birgt immer wieder Szenen, die an Nervenkitzel unübertroffen sind, aber plottechnisch bewegen wir uns hier kaum weiter. Die Charaktere müssen Gefahren trotzen, lernen mit ihren Kräften umzugehen, aber zur eigenen Rahmenhandlung scheint hier nicht wirklich etwas beigetragen zu werden. Ich fürchte fast, dass Mrs. Armstrong hier Potential verspielt hat, den mittleren Band zu nutzen, um eventuell neue Charaktere oder ganze Storyelemente einzubauen. Sie hat es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht. Trotzdem ein sehr gutes Buch und ich kann es kaum erwarten, den dritten Teil zu lesen, auch wenn ich nicht will, dass diese Reihe jemals endet. Meh!

Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥♥
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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650 Bibliotheken, 25 Leser, 0 Gruppen, 84 Rezensionen

geneva lee, royal desire, liebe, erotik, royal

Royal Desire

Geneva Lee , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.03.2016
ISBN 9783734102844
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Enttäuscht und verletzt hat Clara ihre Beziehung zu Prinz Alexander nach einer letzten gemeinsamen Nacht beendet. Sie stürzt sich in die Arbeit, um ihn zu vergessen – vergeblich. Die Erinnerungen an ihn, an ihre gemeinsame Zeit lassen sich nicht auslöschen. Und Alexander ist kein Mann, der so leicht aufgibt. Kann er Clara von seiner wahren Liebe überzeugen? Und wird sie zu ihm stehen, wenn er seine dunkle Vergangenheit vor ihr enthüllt?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover  ♥♥♥♥♥
Das Cover von Royal Desire wurde nach dem selben, schlichten Prinzip gestaltet wie schon Band Eins Royal Passion, und ich muss gestehen, dass ich mich - je länger ich mich mit dem Cover auseinandersetze - selbst immer wieder dabei erwische, von dem Cover magisch angezogen zu werden: Sei es online, auf meinem eReader oder im Laden, das elegante Silber, die hübschen Randverzierungen und der dezente Schriftzug in hübschen, wenig aufdringlichen Farben bringen mich dazu, es in die Hand nehmen und den Inhalt ergründen zu wollen. Ganz egal, ob ich es schon gelesen habe, ob ich es gut fand oder nicht... Ich bin so überrascht über eine so zielgenaue und hübsche Gestaltung, dass ich eigentlich nur fünf Punkt geben kann!

Charaktere  ♥♥♥
Clara Bishop: Wer meine Rezension zu Band Eins schon gelesen hat, der weiß, dass ich mit Clara schon damals sehr hart ins Gericht gegangen bin. Auch in Royal Desire hat sie mich als Protagonistin jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen, trotzdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich diesmal weit weniger Probleme mit ihr hatte als zuvor. Trotzdem sie Alexander mit Haut und Haar verfallen ist und daraus auch keinen Hehl macht, bietet sie ihm diesmal mehrmals erfolgreich die Stirn, mit dem Hintergedanken, sich nicht alles von ihm gefallen zu lassen. Obwohl sie bei ihm regelmäßig schwach wird - was ich in Anbetracht seiner Unwiderstehlichkeit durchaus verstehen kann - weiß sie ganz genau, was sie will und was sie nicht will, und zögert nicht, ihm ihre und vor allem seine Grenzen aufzuzeigen. Abgesehen davon, dass sie es schafft, genug Rückrat zu beweisen, um meinen Respekt nicht zu verlieren, ist an ihr nicht besonders viel dran, was sie in irgendeiner Art und Weise einzigartig machen könnte. Sie hat weder besondere Vorlieben oder Abneigungen - auch nicht im sexuellen Sinne -, noch einen besonders spannenden Job oder zumindest irgendwelche Hobbies. Die Beziehung zu ihrer Familie wird zwar erwähnt, doch wirklich in Berührung kommt sie mit ihr so selten, dass man daraus auch nicht wirklich ein Charakteristikum machen kann. Eigentlich charakterisiert sie sich im Großen und Ganzen nur durch ihre Beziehung zu Alexander, die auf einem stets ermüdenden Spiel von Dominanz und Unterwerfung gründet, das wie halb herzig dahinkonstruiert, wenn nicht sogar abgeschaut wirkt. Mehr kann ich zu Clara eigentlich nicht sagen. Schade.

Alexander von Cambridge: Ich liebe Alexander, wirklich. Er ist ein Mann, wie er nur in den kühnsten Fantasien ein jeder Frau existieren kann: sexy, undurchschaubar, dominant, wortgewandt, charmant und von Zeit zu Zeit auf genau richtige Weise auch mal körperlich bedrohlich, wie es pure, Testosteron geladene Männlichkeit nun mal will. In Royal Desire war ich ihm sogar noch eine Spur mehr verfallen als noch in Royal Passion, was vor allem auf seine endlich durchscheinende, gefühlvolle Seite zurückzuführen ist - denn wer kann einem Mann widerstehen, der all diese Traummann-Eigenschaften besitzt und dann auch noch seinen weichen Kern offenbart? Niemand! (Oder zumindest niemand, der gerne auch mal Traumvorstellungen hinterherhechelt). Ein ganz ganz dicker Minuspunkt war aber auch in diesem Band wieder der grausam schlechte Dirtytalk, mit dem Alexander es schafft alles, was er sich bei mir so mühsam aufgebaut hat, wieder zunichte zu machen. Etwa alle fünf Seiten bespringt er Clara wie eine dreckige Wildsau und bombardiert sie mit peinlichen, unerotischen Phrasen wie 'Ich will deine Mus** fi*en, bis [körperliche Ausfallerscheinung insert here]'. Mehrmals auf einer Seite lässt einen die vulgäre Sprache zusammenzucken, solange, bis man absolut abgestumpft und gelangweilt einfach weiterblättert, weil man sich denkt 'Ja, ja, macht hinne, ich will wissen, wie es weitergeht...'. Anders als Clara hat Alexander zwar prägende Dinge in seiner Vergangenheit und in seiner Gegenwart, die ihn auf seine ganz eigene Art schleifen, doch als eigenständigen Charakter konnte ich ihn dennoch nicht ernst nehmen. Statt normalen Gesprächen über Gott und die Welt geht es Alexander - auch wenn er es leugnet - immer nur um eins: Sex, Sex, Sex. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, doch lässt sich aus Sex allein eben keine glaubwürdige Beziehung aufbauen, die den Leser in irgendeiner Weise berührt. Sie mögen einander lieben, weil es so auf dem Papier steht, doch hätte ich gern mehr von den beiden gehabt als bloßes, ständiges Gerammel. Einmal weniger einlochen, einmal mehr ein tiefgreifendes Gespräch... das wäre alles, was ich mir wünsche. Colleen Hoover schafft es doch auch!

Schreibstil  ♥♥
Ich weiß, ich habe den ersten Band der Reihe sehr gut bewertet, was den Schreibstil betrifft, doch ich musste nach Royal Desire mein Urteil noch einmal überdenken. Nicht, dass mir Geneva Lees Schreibstil nicht gefallen hätte, wenn es mal gerade nicht um Sex ging: Im Grunde hat sie einen schönen, flüssigen Schreibstil und weiß, wie sie mit Subtilität und Offensichtlichkeit gleichermaßen umgehen muss, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Doch Sex nimmt in diesem Band einfach einen so unfassbar großen Teil der Geschichte ein, dass ich gar nicht mehr darüber hinwegsehen kann! Sex, schön und gut. Viel Sex - auch gut! Aber sehr viel Sex und gleichzeitig sehr viel Abwechslung ... nah. Doch eher ein no go. Ständig die selben Worte, die immer gleichen Phrasen, die immer und immer gleichen Abläufe. Er spielt mit ihr, sie unterwirft sich, will ihn in sich spüren, er rammelt sie besinnungslos bis hin zu drei Multiplen Orgasmen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Nach dem ersten Schuss kann er gleich weitermachen, ganz so als hätte er gleich mehrere bunte Liebespillen geschluckt, und hat sowieso den größten Schw*** von allen. Mal ehrlich. Sinnlich ist was anderes. Und glaubwürdig erst recht. Wenn es nicht gefühlt 90% des Buches ausmachen würde, hätte ich vermutlich nichts dagegen einzuwenden, doch das war nun doch etwas too much für mich. Nimmt man den schrecklichen, oberpeinlichen Dirtytalk dazu, bei dem ich mir regelmäßig das Lachen verkneifen musste, weil er an Banalität nicht zu überbieten war, reicht das schon, um das Buch nach 50 Seiten einfach beiseite zu legen. Doch auch wenn man den mit der Zeit langweiligen Teil der sexuellen Übernatürlichkeit hinter sich gelassen hat, bleibt man von ewigen Wiederholungen nicht verschont: Denn Claras stets auf Dauerschleife laufenden Gedanken darüber, wie heiß Alexander ist, wie sehr sie ihn vergöttert und andersrum, wie schwierig ihre Beziehung ist und ob sie das wirklich kann und will ... kann und will man nach kurzer Zeit schon nicht mehr hören. Sie hat kein anderes Thema. Keine anderen Sorgen. Muss das sein?

Handlung  ♥♥
Wenn ich dachte, Royal Passion hätte bereits wenig Handlung gehabt, kann ich von Royal Desire bedenkenlos genau dasselbe behaupten: Es hat keine Handlung. Auf knapp 400 Seiten bekommen wir eine volle Ladung Sex, BDSM, Herzschmerz, Zweifel, Selbstzweifel und Selbsthass vom Feinsten, doch statt sich stets wiederholenden Phrasen und ein oder zwei äußerst konstruierten Spannungspitzen erleben wir mit Clara und Alexander eigentlich nichts. Wenn sie nicht gerade dabei sind, sich gegenseitig zu befingern, sorgen sie sich um ihre gemeinsame Zukunft unter den Royals, die allerdings viel zu wenig vorkommen, um einen Titel wie "Royal XY" überhaupt zu rechtfertigen. Wo ist der feine, englische Hof, wenn man ihn am meisten erwartet? Die Tea Time, die Dinner, die Jagden, die Bälle und Wohltätigkeitsveranstaltungen? Wo ist der teure Schmuck, die Etikette, die königliche Familie? Das bisschen, was die Geschichte zumindest auf irgendeine Weise interessant gemacht hätte, kommt viel zu kurz ... Schade darum. Ich habe Hoffnung, dass dieses Grundthema im dritten Band schließlich wieder aufgenommen und ausgekostet wird. Mal sehen!

Gesamtwertung ♥♥♥
Obwohl es in Bezug auf die Eigenständigkeit der Protagonistin und die Sexiness ihres königlichen Liebhabers durchaus Fortschritte gibt, haben mich Schreibtil und Handlung von Royal Desire geradezu in den Wahnsinn getrieben. Nicht nur war mir ständige Dirtytalk zuwider, weil ich mich ständig zwischen Fremdschämen und Loslachen zu entscheiden hatte, sondern auch die ewigen Wiederholungen - vor allem was die Gedanken der Protagonistin und die Beschreibungen des Akts an sich angeht -, die nicht vorhandene Handlung und die zwar konstruierte, aber dennoch viel zu kurz gekommene Rahmenhandlung haben mich mit mir hadern lassen, ob ich überhaupt weiterlesen sollte. Zum Glück hat meine Leidenschaft für Alexander ausgereicht, um mich am Ball zu halten. Und irgendwie will ich eben doch wissen, wie es ausgeht... Irgendwas scheint mich also doch beeindruckt zu haben. Hoffentlich schafft es der dritte und letzte Teil die Schwächen des zweiten auszubügeln und zumindest die Thematik des englischen Königsadels wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dazu ist allerdings ein bisschen weniger Gevögel und ein bisschen mehr Handlung nötig. Mal sehen...


Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor

Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥

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220 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

fantasy, geister, schattenstunde, chloe, darkest powers

Darkest Powers - Schattenstunde

Kelley Armstrong , Christine Gaspard
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2013
ISBN 9783426507803
Genre: Fantasy

Rezension:

Schattenstunde - Die Dunklen Mächte (1)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Darkfantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 02.05.2013)
Seiten: 416
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50780-3
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Die dunklen Mächte begehren auf - Band 1 der "Darkest Powers"-Serie Ich heiße Chloe Saunders, und mein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Ich wollte immer eine ganz normale Jugendliche sein. Doch heute weiß ich nicht einmal mehr, was das ist, normal sein. Alles begann an dem Tag, an dem ich meinen ersten Geist sah – und er mich. Nun kommen immer mehr Tote auf mich zu. Und da das alles andere als normal ist, wurde ich nach Lyle House geschickt – angeblich ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Aber da steckt mehr dahinter. Und die anderen Jugendlichen hier sind auch nicht einfach nur durchgeknallt. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich muss versuchen, den dunklen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Denn nur so kann ich die Toten, die immer näher kommen, zum Schweigen bringen …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥

Eines Vorweg: Da ich die Versionen der ersten Auflage von 2010 ergattert habe, bewerte ich das Cover der alten Ausgabe, da es das ist, unter dem ich selbst das Buch gelesen habe. Mir ist klar, dass es seit 2013 bereits ein anderes Cover gibt - zur allgemeinen Übersicht werde ich es am Ende der Rezension abbilden. Es fällt mir leichter, das alte Cover zu bewerten, da es mir weitaus besser gefällt als das Neue; und das, obwohl es ein Fotocover ist! Ich liebe, wie Schrift und Hintergrund in der Dunkelheit mit einem düsteren Blau in Szene gesetzt sind, wie Titel, Untertitel und Autorin den Großteil des Covers einnehmen, ohne störend oder Protzig zu wirken und wie geheimnisvoll das abgebildete Mädchen mit der Nacht verschmilzt. Abzüge gebe ich hier, weil die gezeigte Person - obgleich schön anzuschauen - in keiner Weise auf die Beschreibung der Hauptfigur Chloe Saunders passen will, ganz egal wie ich es drehe oder wende. Ich sehe in ihr einfach keine 15-jährige, etwas in sich gekehrte Schülerin, die in der Schule nie besonders aufgefallen ist. Nur ein hübsches Model über 20. Nichtsdestotrotz schafft es das Cover, die Gänsehautatmosphäre des Romans gut festzuhalten und gibt vor allem einen Vorgeschmack auf die darin vorkommende Örtlichkeit: Lyle House. Ich mag es!

Charaktere  ♥♥♥♥

Chloe Saunders: Zuerst wurde ich nicht warm mit Chloe, was ein wohl immer wiederkehrendes Problem von mir mit Jugendbuch-Protagonistinnen ist. Sie kam mir vor allem unsympathisch und wie ein Fähnchen im Wind vor, die lieber den Mund hält und sich wie ein braves Mädchen verhält, anstatt sich für die Dinge einzusetzen, die sie wirklich glaubt. Doch glücklicherweise macht Chloe im Verlauf der Handlung eine solche Charakterentwicklung durch, dass ich meine anfängliche Meinung über sie gegen Ende hin einfach revidieren musste. Sie ist sehr intelligent und durchschaut die Situationen sehr schnell - und wenn sie einmal ratlos ist, stellt sie Überlegungen an, die sich mit denen des Lesers sehr stark überschneiden. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, die das Offensichtliche nicht sehen und erst mit der Nase in die Pfütze gedrückt werden müssen, um zu erkennen, was gerade vor sich geht. Das war sehr erfrischend! Auch, dass sie - aufgrund ihrer Leidenschaft für Film und Drehbuch - immer wieder intermediale Anspielungen macht und die Geschehnisse des Romans damit ein bisschen auf die Schippe nimmt, hat mir sehr gut gefallen. So denkt sie zum Beispiel häufiger: "Hm, also in einem guten Drehbuch wäre das jetzt so und so... aber nein, wir sind hier ja im echten Leben, das kann gar nicht sein!" Hat mir gut gefallen! Auch in Bezug auf Jungs entpuppt sich Chloe sehr schnell als angenehme Hauptfigur: Ihr vorrangiges Interesse bleibt immer, die Handlung so gut es geht voranzutreiben. Es gibt die ein oder andere Szene, in der sie errötet,weil sie einen Jungen Oberkörper frei sieht oder wenn er ihr ungewöhnlich nahe kommt, doch diese Szenen sind so rar und so natürlich beschrieben - sie ist immerhin 15 Jahre alt -, dass sie nicht stören. Es ist angenehm, dass Liebe in diesem Teil der Trilogie (ich weiß noch nicht, wie es mit den anderen Teilen aussieht) keine Rolle spielt, wie es in anderen Vertretern des Genres der Fall ist. Wenn Chloe lernt, ihre übernatürliche Gabe zu akzeptieren, wird sie ein zunehmend ernst zu nehmender Charakter. Ich bin gespannt, wo die Trilogie sie noch hinführt.

Derek Souza: Ich liebe Derek Souza! Und nein, er ist kein Märchenprinz! Es wird sogar an mehreren Stellen im Buch erwähnt, dass Derek Souza kein Typ ist, dem ein Mädchen im jugendlichen Alter auch nur einen zweiten Blick schenken würde. Er ist mitten in der Pubertät, riecht nach schweiß, hat ein pickliges Gesicht, ist riesengroß, ist schweigsam und grummelig und wenn er einmal den Mund aufmacht, halten ihn alle um ihn herum für ein großes Ar**lo*, weil er für andere Menschen, außer seinem Bruder Simon, kein Interesse hat. Außerdem ist er überdurchschnittlich stark und gleichermaßen intelligent, weshalb er sich von anderen Menschen generell lieber fernhält. Natürlich hat Chloe so ihre Probleme mit Derek, während sie in Lyle House darauf wartet, dass man sie wieder in das normale Leben eines Teenagers entlässt. Aber die Art und Weise wie sich die beiden im Laufe des Romans anfreunden, beide auf ihre Weise speziell und eigentlich ohne jegliche Sympathie füreinander... ist einfach niedlich. Und ja, ich sage 'anfreunden', weil sie sich wirklich einfach nur anfreunden. Das ganze war so erfrischend, dass ich mich ganz entspannt in die Handlung fallen lassen konnte, ohne vorher schon zu wissen, was passiert. Ein ganz toller Charakter, dem mehr Aufmerksamkeit zusteht, als ihm in seiner Welt so recht zu teil wird... Und dann ist da ja auch noch dieses dunkle Geheimnis, das ihn und seinen Aufenthalt in Lyle House umrankt. Seid gespannt!

Simon Bae: Simon Bae ist Halbkoreaner, äußerst charmant, ein großartiger Basketballer und schrecklich besitzergreifend und beschützend, wenn es um seinen Pflegebruder Derek geht. Die beiden sin gemeinsam bei seinem Vater aufgewachsen und teilen ein dunkles Geheimnis, das in diesem Teil des Buches leider noch nicht so wirklich aufgedeckt werden soll. Er ist zwar nicht der typische Frauenschwarm, in Anbetracht der Tatsache, dass es nur zwei Jungs in Lyle House gibt und sein Bruder diese Position nicht gerade erfüllt, jedoch ein irgendwie unfreiwilliger Anwärter auf diesen Platz. Ich liebe seine lässige Art und seine coolen Sprüche, ohne dass er dabei übertrieben machohaft wirkt. Auch bei ihm gilt das selbe, was ich schon bei Chloe für gut befunden hatte: Sein erstes Interesse gilt seinem Bruder, nicht irgendwelchen Mädchen. Obwohl er Chloe sehr gut leiden kann, was man anhand seiner Körpersprache gut ablesen kann, ist er ihr doch nicht verfallen und zieht sie auch nicht vor. Generell ist die Beziehung der beiden Brüder zur Protagonistin irgendwie zart, geradezu zerbrechlich, so wie sie nun einmal ist, wenn man sich gerade mal eine Woche lang kennt. Sehr schöne Charakterkonstellation! 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Ich habe es bisher noch nicht erwähnt, aber ich bin ein großer Fan von Kelley Armstrong, obwohl ihre Bücher bereits seit mehreren Jahren nicht mehr oder nur noch in kleinen Mengen aufgelegt werden. Ich liebe ihre Otherworld-Reihe, die als Vorlage zur Serie 'Bitten' fungiert und fand schon damals, dass die Autorin einen außerordentlich tollen Schreibstil hat, der sich immer zwischen mystisch-düster, geheimnisvoll, humorvoll und sexy bewegt, ohne dabei übertrieben klischeehaft in die Sparte 'Romantasy' zu gehören. Ähnlich ist es auch bei  Schattenstunde, mit dem Unterschied, dass sie sich hier das erste Mal auf das gefährliche Jugendbuch-Terrain begeben hat. 'Sexy' fällt hier also vollkommen raus, was übrig bleibt ist das, was oben schon genannt wurde: mystisch-düster, geheimnisvoll und auch zeitweise äußerst humorvoll. Es gab Momente, da habe ich gelacht, es gab Momente, da habe ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht und es gab Momente, die waren so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Alles in Allem hat sich Kelley Armstrongs Schreibstil für mich angefühlt, als würde ich 'nachhause kommen' - ein Gefühl das, wie jeder Buchliebhaber weiß, äußerst wertvoll ist, denn es bedeutet, dass man ein Buch jederzeit aufschlagen und in es hineintauchen kann, und sich dann, ganz egal was passiert, mit den Charakteren und dem Setting pudelwohl fühlt. Deswegen gibt es hier volle Punktzahl für mich!

Handlung  ♥♥♥♥

So gut mir der Schreibstil von  Schattenstunde auch gefallen hat, ein paar Kritikpunkte in Bezug auf die Handlung habe ich schon. Am meisten hat mich gestört, dass die ersten Hälfte des Buches leider so gut wie gar nichts passiert und man sich erst einmal so weit durchkämpfen muss, um mit den Charakteren und dem Setting überhaupt erst warm zu werden. Chloe denkt sehr viel, sie macht sich zum Teil Seiten lang Gedanken, was nun eigentlich mit ihr und mit Lyle House vorgeht, und wie sie das alles überhaupt erst verarbeiten soll. Weil sie sich in der ersten Zeit sehr stark vom Rest der Insassen absondert - was psychologisch gesehen auch relativ verständlich ist -, bekommen die anderen Charaktere erst sehr spät genug 'Screentime', um sie überhaupt als vollwertige Nebencharaktere und nicht nur als Randcharaktere wahrnehmen zu können. Zwar gibt es vereinzelt starke Szenen, die einen vor Spannung gar nicht mehr loslassen, aber die sind leider so weit gesät, dass sich die Handlung (zumindest am Anfang) anfühlt wie hoher Wellengang auf See: Spannung, Spannungsabfall, Tiefpunkt, Spannung, Spannungsabfall, Tiefpunkt. Hat man dann den 'Zenit' der Handlung überschritten und die zweite Hälfte erreicht, wird es schlagartig so spannend, dass ich, die ich eigentlich immer sehr schnell einschlafe, die ganze Nacht durchgelesen habe. Chloe lernt, sich langsam mit ihrer Fähigkeit, Geister zu sehen, abzufinden, und hat so einige unheimliche, unheimliche Begegnungen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Und dann sind da ja auch noch die anderen Insassen von Lyle House, die allesamt so ihre ganz persönlichen Geheimnisse haben ... Wirklich, ein ganz tolles Buch, wenn man sich erst einmal durchgebissen hat. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Ich habe es ja schon erwähnt, ich vergöttere Kelley Armstrong und  Schattenstunde hat mir wiedereinmal bewiesen, warum ich das tue. Sicher, es gibt die ein oder andere Sache, die besser hätte sein können, wie etwa das Cover oder die Spannungskurve in der ersten Hälfte des Buches, doch rückwirkend gesehen kann ich beim Gedanken an dieses Buch eigentlich nur liebevoll lächeln. Die Charaktere sind - für Teenager - wirklich schön gezeichnet, mit Klischees ist Mrs. Armstrong sehr vorsichtig umgegangen und hat es geschafft, zumindest mit Chloe, Derek und Simon eigenständige, individuelle Charaktere zu erschaffen, die ihre Vor- und Nachteile haben und sich nicht von den gängigen Prototypen der Jugendbuch-Massenproduktion abholen lassen.  Schattenstunde ist gerade zum Ende hin sehr, sehr spannend und hat die ein oder andere Szene, die so unheimlich und gänsehautverdächtig ist, dass ich es für die angestrebte Zielgruppe fast 'too much' finde. Immerhin geht es hier um Geister... und was man für schaurige Geschichten mit Geistern erzählen kann... das wusste ich bisher nicht einmal. Man könnte sagen, ich befinde mich hier auf absolutem Neuland. Und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen. Unbedingt reinlesen!


Spannung
♥♥
Romantik
Humor
Gewalt
Action

- Eure Bücherfüchsin

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dystopie, liebe, kiemen, owen, atlantis

Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden

Kevin Emerson ,
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.10.2015
ISBN 9783453596450
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden (1)

Autor: Kevin Emerson
Genre: Jugendbuch, Science Fiction
Erschienen: 12. Oktober 2015
Seiten: 432
Einband: Taschenbuch
Verlag: heyne>fliegt
ISBN: 978-3-453-59645-0
Preis: 8,99€ [D] / 9,30€ [A]

Rating: ♥♥

Inhalt

"Die Menschheit hat nur noch eine Chance... Owen Parker lebt in einer Welt, die durch die Klimaerwärmung nahezu unbewohnbar geworden ist: Um den tödlichen Strahlen der Sonne zu entfliehen, haben die Menschen ihre Städte unter riesige Kuppeln verlegt. Bei einem Tauchunfall im Feriencamp entdeckt Owen außergewöhnliche Fähigkeiten an sich. Fähigkeiten, die der Menschheit das Überleben ermöglichen könnten. Gemeinsam mit seiner attraktiven Tauchlehrerin Lilly sucht er einen Weg, die Gabe zu begreifen und zu kontrollieren. Doch damit schrecken die beiden dunkle Kräfte auf, die diese Suche um jeden Preis verhindern wollen." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥

Auch hier bestätigt sich mal wieder, was ich in meinen restlichen Rezensionen immer wieder betone: Ich bin kein Freund von Foto-Covers. Denn so schön die darauf abgebildeten Gestalten auch sein mögen, sie wirken oftmals viel zu steif in Szene gesetzt und aus Perfektionsgründen bis zur Entfremdungnachbearbeitet. Mit ihrem leeren Zombieblick stellen sich die hübschen Fotomodels, die oftmals gar nicht wissen, wofür sie eigentlich fotografiert werden, zwischen mich und meine Vorstellungskraft. Obwohl die Farben bei  Die Vertriebenen hübsch gewählt wurden, gefällt mir die Gesamtgestaltung des Covers eher weniger - ironischerweise passen die abgebildeten Figuren trotzdem sehr gut zu den im Buch beschriebenen Charakteren Lily und Owen: er ein wenig jünger und schmächtiger, nicht der typische sexy Muskelprotz von nebenan, sie mit ihrem undurchdringlich schwarzem Haar und dem Revoluzzerblick - passt! Nichtsdestotrotz gefällt mir die Aufmachung etwa so gut, wie das Buch im Allgemeinen: mittelmäßig.

Charaktere  ♥♥

Owen Parker:  Beim Lesen habe ich mich immer wieder dabei erwischt, dass meine Meinung über Owen stets zwischen Gleichgültigkeit und Abneigung schwankte. Obwohl ich es eigentlich gut finden müsste, dass er sich von den gängigen Prototypen eines Jugendbuch-Helden unterscheidet, indem er eben nicht dem Schönheits-, Sportlichkeits- und Beliebtheitsideal derselben unterwirft, trotzdem wirkte Owen - vielleicht gerade deshalb - auf mich schwächlich, weinerlich, missgünstig, passiv und zu einem großen Teil auch nervig. 'Bloß nicht auffallen' ist seine Devise im Feriencamp, während er seinen Mitschülern hinterher schlurft wie ein totaler Langweiler. Sobald er bemerkt, dass in ihm Kräfte schlummern, die andere nicht haben, wird er überheblich und fantasiert, seine neu gewonnene Fähigkeit gegen Leech einzusetzen, einen Jungen, den er nicht leiden kann, weil er andere, eingeschlossen ihm selbst, schikaniert. Allein das zeugt nicht gerade von großer Charakterstärke, denn abseits seiner übernatürlichen Kraft bringt er es einfach nicht auf die Reihe, sich gegen seinen Rivalen zu behaupten und ihn mit 'fairen Mitteln' zu stellen. Im Umgang mit ihm "unterlegeneren" Mitschülern benimmt er sich arrogant und abfällig, als gäbe er sich nur mit ihnen ab, weil er keine andere Wahl hat. Hinzu kommt seine übertriebene Besessenheit von Lily, seiner nur wenig älteren Schwimmtrainerin, der er vom ersten Moment an verfallen ist und ihr hinterher dackelt wie ein debiler Köter, in der Hoffnung sie könne irgendwann auf ihn aufmerksam werden. Und obwohl er sich in ihrer Nähe wie ein Volltrottel aufführt, ihr immer nur zustimmt und sie dann plötzlich stehen lässt, als es ernst wird, hat er damit wohl sogar Erfolg. In meinen Augen ist Owen kein Held, er ist nicht einmal ein angenehmer Zeitgenosse. Er mag gut möglich sein, dass mir sein Charakterbild missfällt, weil er von einem männlichen Autor abseits weiblicher Idealvorstellungen geschaffen wurde, aber Owen gibt mir als Leserin einfach nicht den geringsten Grund, warum ich ihn mögen oder mich auch nur für ihn interessieren sollte. 
Lily: Lily war im Vergleich zu Owen ein echter Lichtblick! Sie ist wortgewandt, charmant, selbstsicher und immer positiv, obgleich nicht immer optimistisch. Sie hat die Gefahr, die sich hinter Camp Eden verbirgt, schon sehr früh bemerkt und versucht, ihr Freunde davon zu überzeugen, die sie wiederum für eine nervige Verschwörungstheoretikerin halten. Auf ihre freche und zugleich sehr freundliche Art und Weise beeindruckt sie Owen - und auch andere Jungs in ihrem Umfeld -, scheint selbst aber nur am Rande Interesse für solcherlei Sachen wie Liebe zu haben, denn das Geheimnis um Camp Eden nimmt den Hauptteil ihrer Denkleistung ein. Sie ist eine starke Persönlichkeit, neigt allerdings zu einer sympathischen Portion Naivität, die nicht nur die Charaktere um sie herum, sondern auch den Leser von Zeit zu Zeit schmunzeln lässt. Wie ein kleines Mädchen, dass gerade ihre Liebe zu Boybands entdeckt hat, steckt sie auf fanatische Weise mit dem Kopf in den Wolken, sodass man sie, ihre Ideen und ihre übertriebenen Gefühlswallungen nicht immer ganz ernst nehmen kann. Bis zum Ende des Buches konnte ich allerdings nicht verstehen, dass jemand wie sie Interesse an jemandem wie Owen haben sollte: Das mag jetzt auf den ersten Moment oberflächlich klingen, aber im Vergleich zu ihr ist Owen flach, unsympathisch und schwächlich, weshalb die beiden in meinen Augen nicht im Geringsten zueinander passen. Vielleicht liegt das an der Erzählperspektive: Ein Mann schreibt aus der Perspektive eines pubertierenden Jungen, der kaum Charakter hat, aber trotzdem das schöne, starke und zeitweise uninteressierte Mädchen abbekommt. Soll das seiner Zielgruppe Mut machen?

Schreibstil  ♥♥♥

Kevin Emersons Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, stilistisch einwandfrei und seine Sprache einfach, wie es sich für das Jugendbuchgenre eben gehört. Da das Buch aus Owens Sicht geschrieben worden ist, haben mich die Einblicke in sein pubertierendes Jungenhirn meistens eher weniger interessiert, die vor allem die ersten drei Viertel des Buches dominieren. Erst, als Owen und Lily langsam das Geheimnis um das Camp Eden lüften, wurde es richtig spannend und der Autor versteht es ganz gut, Spannung aufzubauen und den Leser trotz nerviger Hauptfigur am Ball zu halten. Ein ganz besonders gewichtiger Kritikpunkt an Emersons Stil ist für mich, dass er sich nie allzu lange mit der selben Szene aufhält und somit immer irgendwie gehetzt wirkt, was besonders den dramatischen und wirklich interessanten Szenen einen großen Abbruch tut. So werden auf einen brutalen Fund im Forschungszentrum mit dramatischen, potentiell tränenreichen Folgen lediglich zwei läppische Seiten im Buch verwendet, ohne viel auszuschmücken, ohne das ganze emotionale Potential aus der Szene zu holen. Mir scheint einfach, dass der Autor sich vor der Konfrontation mit solch sensiblen Themen eher scheut, sie der Spannung wegen aber verwenden möchte. Also macht er es sich lieber besonders leicht und beschneidet die Blume ihrer Blüten, bis nur noch der grüne, lebensfähige Stumpf übrig bleibt. Schade. 

Handlung  ♥♥

Wie weiter oben schon genannt fand ich das letzte Viertel der Handlung besonders spannend. Davor basierte die Handlung auf der üblichen Einführung wichtiger - dafür aber gleichermaßen uninteressanter - Charaktere, ihrer Beziehung untereinander und der ewigen Wiederholung und Weiterentwicklung von Theorien zum Thema 'Warum Camp Eden böse ist'. Sicherlich, hin und wieder passieren vereinzelt auch Dinge, die den Leser stirnrunzelnd zurück lassen, doch darauf wird, wie schon gesagt, nicht besonders viel Zeit verwendet. Handlung und Setting von die Vertriebenen haben ein großes Potential für ein episches Abenteuer, werden gegen Ende hin sogar überraschend brutal für ein Jugendbuch, bleiben jedoch nicht intensiv genug, um vollends zu begeistern. Es gibt vereinzelte Episoden aus der Vergangenheit, die den Rahmen der Haupthandlung aufsprengen und sich wie Fremdkörper inmitten einer Szene platzieren, um die Spannung möglichst in die länge zu ziehen, ohne viel Zeit an unnötige Beschreibungen zu verlieren. Stattdessen werden die eher störenden Episoden zur Erklärung der Umstände genutzt, bis es auch dem langsamsten Leser wie Schuppen von den Augen fällt. Wenig elegant, dafür aber umso effizienter gelöst. Kann man mögen, muss man aber nicht. Wenn eine entscheidende Szene, in der es soeben um den Tod eines wichtigen Charakters geht, plötzlich von seitenlangen, langatmigen Erklärungen zerschossen wird, nur eines blöden Cliffhangers wegen, dann finde ich das als Leser eher anstrengend und muss gestehen, dass ich das Buch vor Wut einen Moment aus der Hand legen musste, um mich anschließend durch den langweiligen Part bis zum spannenden Kern hindurchzufressen. Mein Ding war es nicht. 

Gesamtwertung ♥♥

To put it in a nutshell:  Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden hat mich im Vergleich zu anderen Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, sehr enttäuscht. Trotz der zum Teil sehr spannenden Szenen und einer Hintergrundgeschichte mit großem Potential, fühlte sich der erste Teil der Atlantis-Reihe so zäh, oberflächlich und schwach an wie sein Hauptcharakter Owen. Der war mit seiner stets weinerlichen Einstellung, seinem geringen Selbstbewusstsein und seinem schwachen Charakter in Bezug auf andere Personen eher lästig und wenn er mich nicht gerade nicht die Bohne interessiert hat, dann hat er meine Nerven bis zum Zerreißen strapaziert. Lily, obgleich ihrer frechen, freundlichen, aber naiven Art, konnte das Leseerlebnis für mich nur wenig verbessern, da ich mich immer fragen musste, was um alles in der Welt sie an Owen findet. Auch die restlichen Charaktere waren so schwach, dass sie hier kaum erwähnenswert sind. Trotzdem hat mich das Setting und das Potential der Hintergrundgeschichte so überzeugt, dass ich dem zweiten Band gerne eine Chance geben will, die Schwächen des ersten wieder auszugleichen. Vielleicht habe ich Glück und Owen macht endlich eine Entwicklung durch, die mir gefällt.


Spannung ♥♥
Romantik
Humor
Gewalt♥♥♥
Action

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fantasy, das lied vom oxean, anna moffey, nebelring, magie

Nebelring - Das Lied vom Oxean

Anna Moffey
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 05.12.2014
ISBN 9781503074071
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nebelring - Das Lied vom Oxean (1)

Autor : Anna Moffey
Genre: Fantasy
Erschienen: 2014
Seiten: 380
Einband: eBook (auch als Taschenbuch)
Verlag: /
ASIN: B00QMHEWWC
Preis: 0,99€ 

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Wahre stets dein Gesicht.“ Zoe Craine kennt ihren Vater nicht, obwohl sie ihn jeden Tag sieht. Er ist krank und in einem Traumzustand gefangen, aus dem heraus er seine Umgebung nicht wahrnimmt. Der Gründer der umstrittenen Organisation namens Nebelring hat ihn mit der neuen, auf Malwee-Substanz basierenden Silbermagie gefährlich vergiftet. Eine Heilung gibt es bislang nicht und doch ist es genau das, was Zoe sich ersehnt. An ihrem sechzehnten Geburtstag vertraut sie diesen Wunsch ihrer Geburtstagskerze und den Freunden ihres Vaters an und ahnt dabei nicht, dass sie sich direkt in einen Aufstand gegen den Nebelring wünscht." - Quelle: Amazon

Cover  ♥♥♥♥♥

Absolute Liebe! Wer meinen Blog verfolgt und mich eventuell auch kennt, der weiß, wie sehr ich in Füchse und alles drumherum vernarrt bin, sodass ich an diesem Cover einfach nicht vorbeischauen konnte. Und seien wir doch mal ehrlich: Es ist ein absoluter Blickfang! Die wunderschönen Farben, die tolle Fotocollage, die magisch-mystische Stimmung der Bilder, die dezente Farbgebung der Schrift und wie sie sich in den Gesamteindruck einfügt. Ich habe absolut keine Wünsche offen bei diesem Cover - und das passiert mir dann doch eher selten! 

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Zoe: Zoe Craine ist eine der faszinierendsten Protagonisten, die ich jemals begleiten durfte. Klar, man könnte auf den ersten Blick meinen, sie gehöre zu diesen stereotypen Jugendbuch-Hauptfiguren: sechzehnjährige Heldinnen, die plötzlich mitten im Geschehen stehen und es auf immer gleiche Weise denken, handeln, fühlen und sprechen, bis sie sich schließlich zu einer starken und mutigen Heldin entwickeln. Ja, Zoe ist sechzehn. Ja, Zoe steht plötzlich mitten im Geschehen und weiß nicht wohin mit sich. Und ja, sie wird sicherlich irgendwann zu einer Heldin werden. Aber was sie von all diesen anderen langweiligen, wie maschinell gefertigten Heroinnen abhebt, ist ihre absolut unwiderstehliche Individualität und lebhafte, in sich vollkommen stimmige Art zu denken und zu handeln. Ihre Sorge um ihren Vater, den sie über alles liebt und dessen Wohl sie sogar über ihr eigenes stellen würde. Ihre Hilflosigkeit gegenüber den Vorfällen, mit denen sie konfrontiert wird, die ihren bisherigen Horizont übersteigen und ihr Angst machen. Ich liebe es, dass Zoe Schwächen hat, wie sie jeder von uns hat, wie sie in allem eigentlich ein vollkommen durchschnittlicher Teenager ist, nicht besonders sportlich, nicht besonders stark und schon gar nicht dafür gemacht, Auge einer Revolution zu sein. Ich war mit ihren Entscheidungen nicht immer einverstanden und manchmal, wenn sie sich über einen der anderen Charaktere gegrämt hat, fand ich ihre Reaktion vielleicht übertrieben. Andererseits vermittelte mir das auch das Gefühl, dass Zoe kein gesichtsloser, austauschbarer Sandsack, sondern ein vollkommen eigenständig denken und handelndes Subjekt ist. Sie hat Fehler, sie hat Stärken und Schwächen, sie ist - anders als etwa Katniss Everdeen aus  Die Tribute von Panem - fähig zu großen, menschlichen Emotionen, die in ihrer Zeichnung so tief und verständlich waren, dass es mich einfach mitgerissen hat. Und obwohl ich Zoe nicht immer leiden konnte, besonders im Umgang mit den Freunden ihres Vaters, war ich von ihr als Figur so sehr beeindruckt, dass es mich einfach mitgerissen hat. Was für eine Leistung!

Bess: Mal abgesehen davon, dass eine Hündin, die ich kannte, Bess hieß, habe ich mich mit der Zeit richtig an den Namen gewöhnt und finde inzwischen, dass die Autorin keinen besseren hätte finden können. Bess ist das, was man als geübte Jugendbuch-Leserin sofort als die große Liebe der Protagonistin erkennt, ohne, dass man viel von ihm gelesen haben muss. Doch auch hier schafft es Anna Moffey sich gegen bestehende Stereotypen zu stemmen und ihren Charakteren einen ganz eigenen Weg aufzuzeigen: Bess ist mutig, gutmütig, wortgewandt, und auf seine Weise geheimnisvoll und frech. Klar spürt man, dass zwischen ihm und Zoe eine Verbindung besteht, ein kleiner, heißer Funken, der aber erfrischenderweise endlich mal nicht im Mittelpunkt der Handlung breitgetreten wird, sondern sich verschämt am Rande der Geschichte bewegt. So langsam, schrittweise, wie das mit der Liebe eben so kommt - besonders, wenn man ständig auf der Flucht ist. Da gibt es kein "Nach-Fünfzig-Seiten-Schon-Hals-Über-Kopf-Verliebt-Sein" und "An-Nichts-Mehr-Anderes-Denken-Können". Die beiden wachsen zusammen, ja. Sie entwickeln eine Zuneigung für einander, ja, vielleicht. Aber es geht in einem so realistischen Tempo voran, dass es dem Leser Spaß macht, im Text nach kleinen, fein gestreuten Andeutungen für eine wachsende Liebe zu suchen, anstatt sich von der Gewalt überdimensional aufgeplusterter, total übertriebener Liebesstürme erschlagen zu sehen. Ich liebe es, dass Bess nicht der große, starke, sexy Typ mit den stattlichen Muskeln, unwiderstehlichen Körper und hübschen Gesicht ist. Bess ist ... Bess. Er ist geschickt und flink und natürlich auch auf seine Weise hübsch. Aber an Bess ist nichts oberflächlich aufgebauscht oder übertrieben. Er ist eben ein Junge, dem das Leben nicht gut mitgespielt hat, und der trotzdem das Lächeln nie verlernt hat. Ich liebe Bess. Und ich ziehe meinem Hut vor ihm!

TaikNebelring - Das Lied vom Oxean birgt so viele tolle, individuelle Charaktere, die einfach nur zum Liebhaben sind, dass es mir schwer fällt mich für einen zu entscheiden, den ich neben Zoe und Bess noch vorstellen könnte. Taik scheint mir da eine gute Wahl zu sein, denn er ist nicht nur einer der außergewöhnlicheren, sondern auch einer der wichtigeren Charaktere. Als Geschichtensammler ist er immer schon weit gereist, hat dabei auch noch den Ruf, dass die Frauen ihm regelmäßig zu Füßen liegen und dabei auch noch eine unfassbar charmante, abgedrehte Art, mit der er Zoe im Verlauf der Ereignisse immer wieder eine Stütze ist. Dabei tun sich dem Leser immer wieder Fragen auf, die zu klären er einfach verweigert: Woher kommt er? Wieso ist er so alt und sieht trotzdem so jung aus? Und wieso hat er diese merkwürdigen Wellen-Augen, die alle um ihn herum so sehr faszinieren? Zu Beginn macht es noch den Eindruck, Taik sei ein verrückter, alter Einsiedler, den man nicht so recht ernst nehmen kann. Doch im Laufe der Zeit verändert sich dieser erste Eindruck und seine Verrücktheit, die am Anfang noch relativ im Mittelpunkt seiner Person stand, fällt plötzlich von ihm ab, wird nur noch am Rande spürbar, während er hinter den anderen Charakteren und dem Geschehen zurücktritt. Schade! Auch, wenn ich den späteren Taik genauso leiden konnte, wie den anfänglichen, hätte ich mir dennoch ein bisschen mehr von diesem verrückten Funken auch während der Flucht gewünscht, aber vielleicht wäre das dem Ernst der Lage auch nicht gerecht geworden. Alles in allem ein toller Charakter, den man einfach liebgewinnen muss!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Noch nie ist mir eine Autorin begegnet, die einen so unvergleichlichen, realistischen und zugleich melodischen Schreibstil hat! Tatsächlich hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass ich mich mitten in einem guten Film befinde. Die Beschreibungen waren so wundervoll detailliert, ohne übertrieben ausfällig zu sein und die Art und Weise, wie die Autorin es schafft, die kleinsten, dem Anschein nach unbedeutenden Momente einzufangen, um aus ihnen ein großes Ganzes zu schaffen, ist einfach faszinierend. Hier gibt es keine abgedroschenen, wiederkehrenden Phrasen, sondern ausgefallene, hinreißende Formulierungen, die von einer ganz besonderen Beobachtungsgabe der Autorin sprechen. Die Dialoge sind allesamt feinsinnig, mitreißend und zeichnen die Figuren so gut, dass jeder einzelne von ihnen schon nach wenigen Seiten als ein vollwertig ausgefeilter Charakter erscheint. Ich würde Anna Moffey ganz dringend ans Herz legen, ihr Talent unbedingt auch im Bereich Drehbuch einzusetzen - die Filme, die unter ihrer Feder entstünden, wären einfach großartig inszeniert! Ihr Schreibstil, ihre Sprache und die Art, wie sie mit wenigen Worten Spannung aufbauen kann, ohne dabei zu schnell oder zu langsam zu sein, ist einfach wahnsinnig gut. Es gibt viele Indiautoren, bei denen ich im Laufe des Lesens das Gefühl habe, dass ihre Sprache nicht angemessen ausgereift ist, um überhaupt zu veröffentlichen. Bei Anna Moffey hatte ich durchgängig das Gefühl, es mit einem ausgewachsenen Profi zu tun zu haben, die jedes Wort so gekonnt setzt, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Ich ziehe meinen Hut, Anna, und ich frage mich bis heute, warum die Verlage sich so ein großes Talent wie dich entgehen lassen!

Handlung  ♥♥♥♥

Hier muss ich tatsächlich ein bisschen Kritik anmelden. Denn obwohl ich  Nebelring - Das Lied vom Oxean von vorne bis hinten genossen habe, so hatte ich doch zu Anfang das Gefühl, dass die Story nicht so recht in Schwung kommen will. Richtig spannend und mitreißend wird es tatsächlich erst ab der Hälfte des Buches, vorher wird viel Wert darauf gelegt, die Haupt- und Nebencharaktere angemessen einzuführen, die Welt zu erklären und Beziehungen zwischen den Figuren zu zeichnen. Das ist zunächst natürlich nichts schlechtes und ich habe von Beginn an jede Zeile in mich aufgesogen, doch ich kann mir vorstellen, dass es dort draußen Leserinnen und Leser gibt, die sich von zu vielen Namen und zu vielen internen Zusammenhängen abschrecken lassen und so die Chance verpassen, tief in eine der - für mich! - vielversprechendsten Fantasygeschichten seit Langem einzutauchen. Die eigentliche Handlung, bei der tatsächlich auch Plot technisch etwas voran geht, fällt dadurch etwas kurz, aber dadurch nicht weniger spannend aus. Es gibt überraschend wenige Klischees, einzigartige Charaktere, faszinierende, neue Ideen und eine spannungsgeladene Szene nach der anderen, sodass man gegen Ende hin kaum dazu kommt, richtig durchzuatmen, weil man vor Anspannung die Luft anhalten muss. Die Handlungen der Charaktere sind immer nachvollziehbar und realitätsnah, was den Leser nochmals tiefer in das Geschehen reißt, als vollkommen übertriebene, aus der Luft gegriffene Cyberschlachten. Wer sich also von der relativ langen Einführungsphase des Romans nicht abschrecken lässt und sich gerne in einer ganz eigenen, charmanten Welt verliert, der kann hier beherzt zugreifen!

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Nebelring - Das Lied vom Oxean hat mich von vorne bis hinten durchweg überzeugt. Autorin Anna Moffey hat ein unfassbar großes Talent für die Zeichnung ganz individuell eigenständiger Charaktere und ein tolles Gefühl für Sprache, sodass ich mich von der ersten Seite an wie in einen großartig inszenierten Fantasy-Film versetzt vorgekommen bin. Tolle Dialoge, tolle Charaktere, tolle Handlung, tolle, neue Ideen und gleichzeitig das Fehlen von unrealistischen Klischees hat mich nach dem Lesen fasziniert und begeistert zugleich zurückgelassen. Ein kleines Manko für ungeduldige Leser könnte es sein, dass sich der erste Teil des Buches vergleichsweise zieht, da hier die Einführung vieler einzigartiger Charaktere und einer faszinierenden, neuen Weltordnung passiert; erst ab der zweiten Hälfte stürzt sich die Handlung in eine Berg- und Talbahnfahrt der Spannung, die einen vollkommen mitreißt. Mich hat die Länge zu Beginn nicht gestört, denn ich war viel zu getragen von den bunten Bildern, die die Autorin mit ihrer farbigen, fantasievollen und nicht einen Moment langweiligen Sprache herbeizuzaubern weiß. Absolut filmreif in Sprache, Stil und Komposition! Ich bin absolut begeistert und ich freue mich schon wie wild auf den zweiten Teil! Mehr davon!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥
Action 


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fantasy, kvothe, magie, universität, patrick rothfuss

Die Furcht des Weisen Band 1

Patrick Rothfuss , Jochen Schwarzer , Wolfram Ströle
Fester Einband: 859 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 07.11.2014
ISBN 9783608938166
Genre: Fantasy

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1.248 Bibliotheken, 35 Leser, 0 Gruppen, 248 Rezensionen

erotik, geneva lee, liebe, royal passion, royal

Royal Passion

Geneva Lee , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.01.2016
ISBN 9783734102837
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Royal Passion (1)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 448
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-641-18200-7
Preis: 3,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥


Inhalt

"Auf ihrer Abschlussfeier an der Oxford University trifft Clara Bishop auf einen attraktiven Fremden. Ohne Vorwarnung zieht er sie an sich, küsst sie leidenschaftlich und verschwindet. Clara hat keine Ahnung, wer der Unbekannte ist – bis ein Bild von ihnen beiden in der Zeitung auftaucht: Ihr heißer Flirt ist Prinz Alexander von Cambridge, Thronfolger von England, königlicher Bad Boy … Dieser Mann ist gefährlich, in ihm lauern Abgründe, die Clara ins Verderben stürzen können. Ist Clara dieser magischen Anziehungskraft gewachsen?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover  ♥♥♥♥

Royal Passion hat ein schönes, schlichtes Cover ganz nach meinem Geschmack. Während der letzten Wochen bin ich mehrmals darüber gestolpert, wurde von seiner schlichten Schönheit wie magisch angezogen, bis ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe: Ich musste meine Neugierde stillen und wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Sicher, man hätte gestaltungstechnisch sicherlich mehr herausholen können, aber alles in allem ist es doch die Wirkung, die zählt und die wurde bei mir sicher nicht verfehlt!

Charaktere  ♥♥♥

Clara Bishop: Zugegeben, anders als bei anderen Büchern des Genres sind Claras Gefühle für Alexander durchaus nachvollziehbar. Ihre Beziehung zu ihm wurde zwar (unglaubwürdig) stürmisch eingefädelt, doch ihr Verlauf war meiner Meinung nach langsam und zumindest dergestalt glaubwürdig, dass ich mich gut in die beiden hineinversetzen konnte. Gleichzeitig ist Clara für mich eine der langweiligsten Protagonistinnen seit langem und bisher konnte ich noch nicht ausloten, ob es daran liegt, dass ich in dem Genre mit Protagonistinnen bereits gut bedient bin, oder daran, dass der Text sie einfach nicht gut darstellt. Wie ein Fähnchen im Wind gehorcht sie Alexander aufs Wort, lässt sich bedenkenlos naiv von ihm um den Finger wickeln, um dann festzustellen "Oh, er ist der Kronprinz. Der ist jetzt aber nicht so angenehm." Obwohl er sie vor den Konsequenzen gewarnt hat. Die paar Mal, in denen sie versucht, aus dieser unterwürfig-passiven Rolle auszubrechen, scheitert sie in meinen Augen kläglich, was sie in keinem besseren Licht darstellen lässt. Sie hat keine interessanten Hobbies außer zu shoppen, was sie, da sie aus einer wohlhabenden Familie kommt, mit ihrer Freundin auch gern mal mehrmals die Woche tut. Obwohl sie genug Geld auf ihrem Treuhandfond liegen hat, will sie nichts lieber, als für eine Menschenrechtsorganisation im Büro zu Arbeiten - ein Vorhaben, das ihr durchaus zuzuschreiben ist, dafür allerdings zu wenig thematisiert wird, um es wirklich als spannend zu empfinden. Stattdessen sitzt sie in einem Massenbüro in einer Bürobox und tippt irgendwelche Daten in den Computer - dann hätte man ihr auch gleich einen anderen Job zuschreiben können. Für eine Internetfirma vielleicht. Darüber und über die Tatsache, dass auch ihr "großes Geheimnis" bei mir keinerlei Gefühle auslöste und sich für mich in ihrem Verhalten eher unglaubwürdig präsentierte, war ich mehr als enttäuscht. Sie füllt sich flach und langweilig an, die paar Eckpunkte, die ihrem Charakter gegeben wurden, wurden nicht gut genug ausgearbeitet, um sie zu einer autonomen Figur zu formen und die Tatsache, dass sie sich wie ein Fähnchen im Wind bewegt und dabei keinerlei wirkliche Entwicklung durchmacht, haben das Leseerlebnis für mich stark eingeschränkt. Aus der Masse weiblicher Ich-Erzählerinnen im Kosmos der Eros-Romanzen sticht sie damit wohl kaum hervor. Schade.

Alexander von Cambridge: Wenn ich an Alexander denke, fällt mir nur eins ein: heiß! Und wie! Dunkle Haare, blaue Augen, eine gefährliche, tierische Art mit seiner Umgebung umzugehen, launisch, cholerisch, redegewandt und dabei auf seine ganz eigene, dezente Weise ein gutmütiger Kerl. Mit Geheimnissen. Und man muss der Autorin ganz klar lassen, dass sie es versteht, diese Geheimnisse so dezent zu verpacken, dass man als Leser(in) die ganze Zeit das Gefühl hat, man bekäme hungrig nur ein paar Brotkrümel gestreut. Sicher, wenn ich Clara wäre, wäre ich Alexander auch verfallen. An dieser Stelle muss ich beläufig erwähnen, dass ich 50 Shades of Grey nicht gelesen habe, der Vergleich zu Mr. Grey online allerdings beinahe einstimmig erfolgt. Auch Alexander hat einen äußerst ausgeprägten Kontrollzwang - man könnte es auch Trieb nennen - und hat dabei keine Hemmungen auch in die BDSM-Szene abzudriften. War mir neu. War interessant. Und hätte Alexander dabei bloß den Mund gehalten, wäre es sicherlich auch anregend gewesen. Denn neben 'sanfter Gewalt', wie sie nur beim Sex entstehen kann, hat er auch eine rege Vorliebe für Dirty Talk, der dabei weder gut noch besonders originell ist (was allerdings auch an der Übersetzung liegen könnte). Wiederholungen über Wiederholungen, Worte, die für mich alles andere als ansprechend, sondern eher abschreckend sind und das zu jedem möglichen Zeitpunkt. Am Anfang war es irritierend und neu, aufregend und irgendwie spannend. Gegen Ende hin ging mir sein Gerede beim und vor dem Sex so auf die Nerven, dass ich seine direkte Rede oft einfach übersprungen habe. Denn abgesehen davon sind seine Ideen, Claras Lust auf die Spitze zu treiben, abwechslungsreich und gut zu lesen. Wenn auch etwas zu schnell, zu oft und dadurch zu unglaubwürdig, um wahr zu sein. Alles in Allem trifft Alexander jedoch genau meinen Geschmack, wenn es darum geht, einen Mann zu verkörpern, den ich beim Lesen als sexy empfinden soll (bis auf das Problem mit dem vielen Reden vielleicht. Hihi!). Ich bin regelmäßig dahin geschmolzen und war am Ende sogar so weit in ihn verknallt, dass mir das Ende des ersten Bandes Herzschmerz bereitete. Hach...

Schreibstil  ♥♥♥♥

Geneva Lee schreibt wirklich gut. Sehen wir von dem - für mich üblichen - Kritikpunkt einmal ab, dass die Sexszenen, die in diesem Buch wirklich WIRKLICH häufig vorkommen, stets mit den immer gleichen Begriffen und Worten beschrieben werden, die Frau immer schon nach zwei Minuten kommt und dabei regelmäßig multiple Orgasmen erlebt, wie es für das Genre eben üblich ist, kann ich eigentlich über nichts klagen. Lee schafft es, eine fiktive Welt des neueren Adels zu schaffen, in die ich mich vollkommen hineinversetzen konnte, deren Charaktere - bis auf Clara vielleicht - liebenswürdig (auf die ein oder andere Weise) und einzigartig hervortreten und in der ich mich einfach von vorne bis hinten wohlgefühlt habe. Die Dialoge sind scharfsinnig, wortgewandt und zum Teil erheiternd komisch, die Art, wie die Charaktere in ihrem Sozialgefüge funktionieren gibt dem Leser das Gefühl, sich in einem familiären Netz zu bewegen, so lange, bis man seine "Pappenheimer" eben kennt. Sie hat mich mitgerissen, fasziniert, in mir Emotionen ausgelöst und mich mit ihrem unwiderstehlichen Hauptcharakter so gefangen, dass ich bis zum Schluss dabei geblieben bin, nur um zu erfahren, wie sich seine Geschichte entwickelt (nicht etwa Claras...). Ein schöner, leichter Schreibstil mit hübschen Formulierungen und dem ein oder anderen Stilmittel, das mich stark an meinen eigenen Schreibstil erinnert hat. Schön! Für das nächste Mal würde ich mir mehr Abwechslung bei den Formulierungen sexueller Handlungen und ... ein bisschen weniger Sex im Allgemeinen wünschen. In diesem Fall zählt sicherlich: nur selten ist besonders.

Handlung  ♥♥♥

Eine Bewertung der Handlung fällt mir schwer ... ich fühle mich zugegebenermaßen eher hin- und hergerissen. Einerseits habe ich mich zwar gut unterhalten gefühlt, besonders im Hinblick auf den Zwiespalt, in dem Alexander sich befindet, andererseits musste ich bis zum Schluss feststellen, dass an der Handlung nichts wirklich neu oder in gewisser Weise originell ist. Die beiden finden zusammen, es gibt einen Grund ihre Beziehung anzuzweifeln, es kommt zum Streit, sie finden erneut zusammen - und das Spiel geht so weiter. Das Schlimme ist, dass der Leser und die Hauptfiguren allesamt wissen und ahnen, was auf sie zukommt, sie sich aber trotzdem immer weiter hineinbegeben, um vielleicht doch irgendwie noch ihr Glück herauszufordern. Irgendwie ironisch. Diese Vorhersehbarkeit sei der Handlung jedoch verziehen. Wir befinden uns hier in einem Genre, dessen Möglichkeiten zur Neuerschaffung doch eher mau sind. So gesehen entspricht die Handlung eigentlich genau dem, was man von ihr erwartet. Liebe, Sex, Herzschmerz ... und eine Menge Probleme, die gelöst werden wollen. Aber müssen wirklich drei Bände sein? Drei? Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich die jetzige Handlung noch so weit strecken lässt, ohne redundant oder langweilig zu werden. Aber vielleicht kann mich der zweite Band ja etwas Besseren belehren.

Gesamtwertung ♥♥♥

Rückwirkend gesehen würde ich sagen, dass es sich bei Royal Passion um ein gutes, jedoch eher durchschnittliches Buch des Genres handelt. Die Autorin hat es geschafft, mich mit ihrem tollen Schreibstil, ihren schönen Ideen und ihrem heißen männlichen Protagonisten zu überzeugen, während mich die weibliche Hauptfigur eher gelangweilt hat und mich Alexanders Versuche, sexy Dirty Talk zu betreiben, eher abgeschreckt als angesprochen haben. Die Handlung ist zwar nichts besonderes, aber sie birgt ein stetes Maß an Spannung, sprachlicher Gewandtheit und zum Teil auch Wortwitz, sodass man sich sehr leicht sehr gut unterhalten lassen kann. Aber Achtung: hier wartet Sex, viel Sex. Und der ist mit Vorsicht zu genießen, wenn man einen leichten Hang zur Prüderie hat ;) . Alles in allem hat mir das Buch gut, aber nicht sehr gut gefallen und ich schaue dem zweiten Band sowohl mit Spannung, als auch mit der Angst entgegen, das er mich bloß enttäuschen wird. Abwarten!


Spannung
♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥


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fantasy krimi, london, 19. jahrhundert, jack the ripper, zeitreise

Feuerrot

Julia Seuschek
E-Buch Text: 94 Seiten
Erschienen bei null, 21.11.2015
ISBN B018C9EKEC
Genre: Sonstiges

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Herzprickeln

Olivia LaFey
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 03.12.2015
ISBN 9781519365682
Genre: Sonstiges

Rezension:

Herzprickeln

Autor: Olivia LaFey

Genre: Erotik, Romantik, Slice of Life

Erschienen: 15.12.2015

Seiten: 151

Einband: eBook (auch als Taschenbuch)

Verlag: /

ASIN: B019E4FWBE

Preis: 0,99€ 


Rating: ♥♥♥♥♥


Inhalt

"Ausgerechnet Womanizer Alessandro wird Anatomie-Praktikumspartner von Einserkandidatin Lana. Das Thema: Sex. Natürlich ist Alessandro Feuer und Flamme, während die ehemalige Ballerina Lana weder dem heißen Thema noch ihrem nicht weniger heißen Partner etwas abgewinnen kann. Auf der Suche nach geeigneten «Darstellern» für das gewagte Projekt schlittern die beiden durch diverse Rotlicht-Etablissements – Mit verheerenden Folgen. Denn auf einmal wird aus Projekt Sex Projekt Herzprickeln. Aber was verbirgt sich hinter Alessandros anziehender Frauenheldfassade, die urplötzlich bröckelt, als Lana bedrohliche Nachrichten erhält? Ist er doch der Badboy in dem perfiden Spiel, das ein Unbekannter treibt? Lana muss handeln - Und gerät in einen verwirrenden Strudel aus Angst, blindem Verlangen und einem anderen, zarteren Gefühl, das laut Projektkonzept überhaupt nicht vorgesehen war. Ein prickelnd frischer Lesespaß mit einem ordentlichen Schuss Spannung." - Quelle: Amazon


Cover  ♥♥♥♥

Lange, lange habe ich gespannt auf das Cover zu Herzprickeln gewartet und habe gehofft, dass es so ungefähr dem entspricht, was ich mir beim Lesen die ganze Zeit vorgestellt habe - und es wurde sogar noch viel besser! Ich liebe, liebe, liebe das Cover! Das helle, in grau gehaltene Hauptmotiv mit den blutroten Lippen, das Stethoskop über der Schulter, passend zu den medizinischen Themen, die das Setting ausmachen, der verschmitzte Finger, der ein kleines, erotisches Geheimnis verspricht und der Name der Autorin hübsch dezent als Tattoo auf der Schulter der Dame, die Svetlana sein könnte. Gefällt mir gut! Vor allem, da ich ständig ihre Lippen anstarren muss - sie laden wirklich dazu ein. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Schriftart des Titels. Die Farbe passt ganz wunderbar, aber die Herzchen in den dicken, verspielten Buchstaben sind mir ein kleines bisschen too much. Trotzdem ein herrlich passendes Cover!


Charaktere  ♥♥♥♥♥

Svetlana: Ich fand Svetlana einfach wunderbar. Sie ist herrlich verklemmt, hat aus irgendeinem Grund schreckliche Schwierigkeiten damit, sich anderen, besonders Männern, zu öffnen und ja ... bekommt - und das obwohl sie Medizin studiert - die einfachsten Begriffe der Sexualkunde nicht über die Lippen. Natürlich ist sie damit das gefundene Fressen für alle um sie herum, die damit ihre Spielchen treiben; allen voran Alessandro. Lanas Entwicklung im Verlauf der Geschichte hat mich wirklich erstaunt: Während sie am Anfang noch nicht so recht weiß, wohin mit sich, ihrem Leben und ihrem Liebesleben und sich von Grund auf ständig unterschätzt, schafft sie es gegen Ende hin, zu einem runden, selbstbewussten und ganz besonders liebenswürdigen Charakter heranzuwachsen, mit dem ich mich einfach wunderbar identifizieren konnte. Ich hatte Angst, dass sie eines von diesen Mädchen ist, das sich ganz im Schatten ihres erotisierenden Liebhabers versteckt und sich dabei stets von ihm retten und einlullen lässt. Dem ist nicht so! Zum Schluss erhebt sie sich derart über ihre stereotypen Rollenauflagen, dass mir geradezu die Kinnlade runtergeklappt ist. Super! Trotzdem gab es an der ein oder anderen Stelle den ein oder anderen Aufreger für mich, denn sie neigt auch schon mal zur Kopflosigkeit und - das ist etwas, das ich bei Hauptcharakteren immer ganz, ganz kritisch finde - neigt zu vorschnellen Schlüssen und begreift sehr, sehr viel langsamer als der Leser, sodass ich ihre Schlussfolgerungen häufig mit einem frustrierten Kopfschütteln quittieren musste. Aber gut, das sei ihr verziehen, denn ansonsten ist sie wirklich ein wunderbarer Charakter, um sich ganz in der Gesichte zu verlieren. 


Alessandro: Zugegeben, zuerst dachte ich "Oh nein, nicht schon wieder so einer" ... das ist vermutlich der Fluch derjenigen, die zu viele Romantik- und Erotikromane lesen. Sandro allerdings hat mich, trotz seiner zunächst sehr vorhersehbaren Art, vollkommen überzeugt. Denn anders, als ich erwartet hatte, entpuppte er sich nicht als das "Harte-Schale-Weicher-Kern-Erotisierender-Liebhaber-Exemplar" von einem Mann, sondern als eine Art Bad Boy, wie es genau meinen Nerv trifft. Ohne zu viel verraten zu wollen: Er ist bestimmt liebevoll, behutsam, manchmal dominant, verschmitzt sexy - ohne dabei übertrieben prollohaft zu sein - und an genau der richtigen Stelle "verrucht böse", ohne wirklich ernsthafte, moralische Grenzen zu überschreiten. Er ist genau der Richtige, um in Svetlana ungekannte Gelüste zu wecken, sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken und ihr zur Seite zu stehen, wenn sie die Powerfrau in sich entdeckt. Ein herrlicher Mann! Bitte werde doch Realität, ja? Vielleicht zu perfekt? Mir egal. Genau die richtige Mischung Good-Guy und Bad-Boy für mich! Schluss, Aus, Ende. Achtung: meine Meinung. Ihr seid gerne eingeladen, euch ein eigenes Urteil zu bilden. :)


Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Olivia weiß es, ich weiß es und gleich wisst ihr es auch: Ich liebe, liebe, liebe ihren Schreibstil. Er liest sich wie Butter, ist herrlich witzig und erfrischend und so geistreich, dass ich schnell feststellen musste, mich bei einem Erotikroman noch nie SO gut unterhalten gefühlt zu haben, ganz unabhängig der sexuell pikanten Szenen. Sehr häufig habe ich mich dabei erwischt, mit einem breiten Grinsen in der S-Bahn zu sitzen und mich über einen ihrer herrlich situationskomischen Dialoge zu bekichern. Ihr Text strahlt so viel Lebensfreude aus - und das nicht nur zwischen den Zeilen -, dass ich mich beim Lesen ständig gefühlt habe, als läge ich in einer wohlig warmen Badewanne mit einem Glas Whiskey in der Hand und ließe mir von einem Latino mit Namen Sandro die verspannten Schultern massieren. Okay, vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber ich meine es eben wirklich ernst. Olivias Schreibstil ruft in mir eine tiefe Zufriedenheit hervor und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr lesen. Jetzt. Sofort! Ein kleines Manko hatte ich zu Beginn der Geschichte trotzdem: Die Sexszenen waren mir persönlich ein wenig zu verschämt, zu vorsichtig und zu dürftig beschrieben, um die Geschichte wirklich im Sinne der "Erotik" einzuordnen. Bis ich dann zum Schluss gemerkt habe, dass das gar nicht in Olivias Schreibstil, sondern einzig und allein Lanas Perspektive begründet liegt, denn sie selbst hat Probleme, sich zu öffnen und dadurch wirken ihre Beschreibungen ein weniger verhalten und beschämt. Im Verlauf der Geschichte werden die Szenen dann zunehmend pikanter, deutlicher, selbstbewusster beschrieben und regen mehr und mehr auch die Fantasie an - und das ist es doch schließlich, was es soll, oder? So gesehen kann man dieses "Manko" nicht als "Manko" beschreiben, sondern bloß als einen wundervollen Kunstgriff sich entfaltender, sexueller Einflüsse. 


Handlung  ♥♥♥♥

Zugegeben, die Handlung fällt, was das Genre angeht, jetzt nicht unbedingt aus dem Rahmen: Verklemmte Studentin trifft heißen, selbstbewussten Latino-Mitstudenten und bekommt mit ihr die Aufgabe, einen Vortrag über Sexualität zu halten. Klar, das Lana, die noch nicht einmal "Vagina" aussprechen kann, ohne sich zu verschlucken, damit ein Problem hat. Sandro jedoch weiß ganz genau, wo er sie "anzupacken" hat, um sie ganz langsam in das Thema "einzuführen". Bei ihrer gemeinsamen Recherche entdecken sie nicht nur die körperlichen Vorzüge ihres Themas, sondern erleben auch merkwürdige Abenteuer, die die beiden zusammenschweißen und den Leser zunehmend belustigen. Dann bekommt Svetlana unheimliche Droh-SMS und das ganze nimmt plötzlich eine spannende Wendung, die, nach ein bisschen Mitdenken, gar nicht mehr so spannend ist. Trotzdem schafft es Olivia den Leser mit vielen, kleinen, originellen Ideen zu fesseln und dabei in genau richtigem Maße zum Lächeln, Mitfiebern und - ja - auch ein bisschen zum Sabbern zu bringen. Besonders die bereits erwähnte Wendung, die mit Lanas Charakterentwicklung unmittelbar zusammenhängt, hat mich vom Hocker gehauen, denn damit hatte ich nun so gar nicht gerechnet. Besonders erfrischend war es, dass es in der Geschichte unnötig kompliziert und nervtötend dramatisch zwischen den beiden Hauptcharakteren zuging. Klar gibt es Konflikte, Momente des Zweifels, Zorn und Tränen, aber alles in Maßen. Und Sandro bleibt dabei so unfassbar gelassen und souverän, dass man nie das Gefühl hat, es wäre too much (wie manchmal bei Bad Romeo & Broken Juliet). Für einen Roman der Genres Romantik und Erotik fand ich die Geschichte außerordentlich gut ausgearbeitet, spannend, ergreifend und vor allem - genau im richtigen Maße wichtig. Hat mir gut gefallen!


Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Ich hatte das außerordentliche Vergnügen, Olivias Herzprickeln vor ein paar Monaten probe zu lesen und war schon damals nicht nur überrascht, sondern auch total begeistert. Sie hat es geschafft einen Erotikroman zu schreiben, dessen Handlung nicht vollkommen abgedroschen, sondern in höchstem Maße unterhaltsam ist und damit genau richtig ist für Abende voll guter Laune und Entspannung - und ein bisschen prickelnde Erotik. Ich hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen und trotz der ein oder anderen Sache, die mich gestört hat, finde ich Herzprickeln den - für mich persönlich - besten Romantik/Erotikroman von all denen, die ich bisher lesen durfte und ich kann ihn nur jedem gütlich ans Herz legen, der einfach mal verschmitzt lächeln und abschalten möchte. Einfach genießen!



Spannung

♥♥

Romantik

Humor

Gewalt

♥♥

Action


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wanderer, düste, schamanin

Der Wanderer: Die Schamanin - Prolog einer Saga

Dominique Stalder
E-Buch Text: 89 Seiten
Erschienen bei SadWolf Verlag, 20.11.2015
ISBN 9783946446019
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Wanderer - Die Schamanin (1)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.11.2015
Seiten: 89
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ASIN: B018DXFND4
Preis: 2,99€

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Ohne Erinnerung und Kleider erwacht der Wanderer am Strand. Fragen über Fragen verfolgen ihn. Bald findet er Obdach bei der Schamanin Drakatia, die seine Fähigkeiten erkennt. Sie lehrt ihn, wie er die Magie des Feuers beherrschen kann und spinnt dabei ihre eigenen Netze. Zusammen mit dem Mädchen Myrael leben die drei inmitten eines Sumpfes, bis zu dem Moment, in dem Drakatia eröffnet, dass sie in Kürze ein wichtiges Ritualvollziehen wird. Merkwürdige Dinge geschehen darauf. Die von Angst getriebene Myrael ahnt Schlimmes und der Wanderer beobachtet Absonderliches. Nur drei Tage hat er Zeit, um hinter das Mysterium des Rituals zu kommen. Dochdie Wahrheit und ihre Folgen sind schlimmer, als er je erwartet hätte …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥


Ich muss gestehen, auf den ersten Blick empfand ich das Cover von der Wanderer als unscheinbar, eben weil es nicht mit übertrieben knalligen Farben aus der Masse noch knalligerer Farben heraussticht, sondern sich mit seiner Düsterkeit hinter einer eher bescheidenen, angenehmen Farbgebung verbirgt. Erst bei genauerem Hinsehen eröffnet sich dem Betrachter die eigentliche Schönheit und Detailgenauigkeit des Covers, das nicht nur meine Lieblingsfarbe Türkis als zweites Grundthema trägt, sondern auch die Charaktere haar genau so darstellt, wie ich sie mir vorgestellt habe. So etwas Passendes habe ich lange nicht erlebt! Aber die meisten Cover heutzutage trauen sich auch gar nicht mehr, ihren Lesern die Vorstellung der Figuren vorweg zu nehmen. Normalerweise stehe ich dem Ganzen kritisch gegenüber - hier stört es mich gar nicht, einfach, weil die Ausführung stimmt. Einzig und allein die Darstellung von Myrael, der Figur links, gefällt mir nicht so gut, sie wirkt ein bisschen aufgebläht und zu wenig filigran für den Charakter, den sie darstellen soll. Ansonsten ein wirklich schönes Cover.

Charaktere  ♥♥♥

Haric: Unser Protagonist Haric wacht eines düsteren, verregneten Tages ohne Kleidung an einem ihm unbekannten Strand auf und stellt fest, dass er weder weiß, wer er ist, noch, wo er herkommt oder wo er sich gerade befindet. Gerade diese undefinierbare Leere, die ihn sowohl für sich selbst, als auch für den Leser wie ein unbeschriebenes Blatt wirken lässt, macht es schwierig, ihn überhaupt zu definieren oder zu charakterisieren. Ich wurde ehrlich gesagt nur sehr schwer warm mit ihm, besonders weil er sich die meiste Zeit eher unscheinbar, unterwürfig und zurückhalten verhält, was es mir schwer gemacht hat, ihn als 'Helden' der Geschichte so richtig wahrzunehmen. Erst am Ende des Buches, im Angesicht der Gefahr und der Bedrohung einer ihm sehr wichtigen Person, wächst er über sich selbst hinaus und zeigt endlich das, was ich die ganze Zeit an ihm vermisst habe: Rückrat. Endlich, dachte ich, endlich machst du den Mund auf, Haric und zeigst, was in dir steckt! Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass der gute Mann und ich in den kommenden Teilen besser miteinander auskommen werden.    

Drakatia: Ganz anders erging es mir da mit der Titel gebenden Schamanin, Drakatia, die mich von der ersten Sekunde ihres Erscheinens in ihren Bann geschlagen hat. Ihre bissige, tempramentvoll und zugleich amüsiert-überhebliche Art, Haric und Myrael zu begegnen, traf genau meinen Geschmack dessen, wie eine starke Frau zu sein hat. Sie weiß was sie will, setzt ihren Willen durch und scheut nicht davor zurück, sich das zu nehmen, was ihr (in ihren Augen) zusteht. Ich habe jede einzelne Konversation zwischen ihr und den beiden anderen Charakteren genossen und war besonders von ihrem Geheimnis fasziniert, das sich dem Leser nach und nach offenbart. Ein wirklich sehr gelungener Charakter, von dem man lange nicht weiß, ob er Freund oder Feind ist. Sehr schön!

Myrael: My ist wohl das, was man in der englischen Literaturtheorie eine "damsel-in-distress" nennen würde. Sie ist zart, herzlich, wunderhübsch und dabei beinahe zerbrechlich. Sie ist genau die Art von Charakter, die ich mich (und die Literaturwissenschaft) schon immer fasziniert hat, aber gleichzeitig dem Risiko unterliegt, vorhersehbar und langweilig zu sein. Myrael ist das nicht. Tatsächlich bringt sie mit ihrem mysteriösen, angstvollen Verhalten genau die richtige Portion Spannung in die Geschichte, die andernfalls schmerzlich gefehlt hätte. Ich mochte die Darstellung ihrer Beziehung zu Haric, deren Basis eine ganz zarte, unscheinbare Blüte der Zuneigung ist, die jederzeit zu zerbrechen droht. Lediglich ihre ewige Unzugänglichkeit und ihr stures Schweigen gegen Ende hin, trieb mich beinahe in den Wahnsinn und ist für mich die einzige Schwäche, die ich an ihrem Charakter erkennen kann.

Schreibstil  ♥♥♥

Grundsätzlich hat mir Dominique Stalders Schreibstil ganz gut gefallen. Er ist detailliert und kunstvoll, sieht sehr stark von Umgangssprache ab, was für das Darkfantasy-Genre nur gut und üblich ist. Seine Sprache ist wirklich sehr schön, bedient sich dabei einer malerischen Kraft, kommt mir an ein paar wenigen Stellen bei bestimmten Formulierungen jedoch noch etwas unbeholfen vor, was sich vor allem an bestimmten Worten und Redewendungen abzeichnet, die er immer wieder gerne benutzt. Als besonders gelungen empfand ich die Darstellung der verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Haric und den beiden Frauen, Myrael und Drakatia, die unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können. Klischeehaft ist hier nichts! Ein großer Störfaktor waren für mich jedoch die seitenlangen Innensichten des Hauptcharakters, deren Existenz an sich nichts Schlechtes ist, sie sich jedoch derart in Wiederholungen und ellenlangen Beschreibungen irrelevanter Handlungen und Gedankengänge verliert, dass es mir manchmal schwer fiel, ganz bei der Sache zu bleiben.

Handlung  ♥♥♥

Bei  Der Wanderer - Die Schamanin handelt es sich ganz klar um den Auftakt einer mehrteiligen Fantasyreihe und bildet mit seinen ca. 100 Seiten keinen ganzen, vollwertigen Roman, sondern soll den Leser langsam in Thematik und Handlung der kommenden Bücher einführen. Behält man diese Tatsache im Auge, versteht man das Konzept der Handlung leichter. Für mich persönlich hat es genau diesen Zweck erfüllt: Es hat mir Lust gemacht auf mehr und mich in dem Drang zurückgelassen, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Leider hat mich die Handlung jedoch erst gegen Ende des Buches gepackt, denn die durch die seitenweisen Innensichten des Hauptcharakters las sich die Geschichte manchmal zäh und fühlte sich unnötig in die Länge gezogen an. Die wirklich wesentlichen Stellen waren jedoch spannend gemacht und regten zum Weiterlesen an, wurden aber auch hier zum Teil sehr stark ausgereizt. Man muss diese Form des sprachlichen Detailreichtums mögen, andernfalls kann  man sich leicht darin verheddern und steckenbleiben. 

Gesamtwertung ♥♥♥

Alles in Allem war Der Wanderer - Die Schamanin für mich ein gut gelungener Anfang für etwas noch viel Größeres. Auch, wenn ich mit Haric in diesem Teil der Geschichte noch nicht so richtig warm werden konnte, so bin ich doch überzeugt davon, dass er sich spätestens mit der Suche nach seiner wahren Identität so formen wird, dass er auch für mich an Substanz gewinnt. Für die kommenden Teile wünsche ich mir, dass Harics Innensichten erhalten bleiben, sich vielleicht in Zukunft aber eher auf das Wesentliche beschränken. Es herrscht ein schmaler Grad zwischen Detailverliebtheit und Schwafelei, denn man darf nie vergessen, dass auch der Leser nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne hat. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den nächsten Teil, denn ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welche Geheimnisse und Abenteuer noch auf den Wanderer warten - denn Dominique Stalders hier abgezeichneter Ideenreichtum hat definitiv großes Potential!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt 
Action 

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wanderer, mysteriöser protagonist, schamanin, spannend, vereinnahmend

Der Wanderer - Die Schamanin

Frank David
E-Buch Text: 103 Seiten
Erschienen bei Edition Anna Perenna, 23.11.2014
ISBN B00Q381OB2
Genre: Romane

Rezension:  
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liebe, schauspielerei, leisa rayven, new adult, theater

Bad Romeo und Broken Juliet - Ich werde immer bei dir sein

Leisa Rayven ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.10.2015
ISBN 9783596033232
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich werde immer bei dir sein (2)

Autor: Leisa Rayven
Genre: Romantik, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 22.10.2015
Seiten: 416
Einband: Klappenbroschur
Verlag: Fischer Paperback
ISBN: 978-3-596-03323-2
Preis: 14,99€ (D) / 15,50€ (A)

Rating: ♥♥♥♥


Inhalt

"Bad Romeo & Broken Juliet: Die atemberaubende Liebesgeschichte geht weiter. Aber wie viele zweite Chancen kann man bei seiner ersten großen Liebe bekommen?

„Ich würde dich gerne küssen.“ Ethan flüstert jetzt, und mir stockt der Atem. „Das denke ich fast jeden Tag. Es ist echt erbärmlich, wie oft ich es mir vorstelle. Ich dachte, ich wäre über dich hinweg. Aber das bin ich nicht.“

Ethan und Cassandra teilen den Traum vom ganz großen Broadway-Erfolg. Doch die Auswahlverfahren für die zu besetzenden Rollen werden für sie immer wieder zu schicksalhaften Begegnungen: Ihre Körper ziehen sich so sehr an, dass die Spannung auf der Bühne nahezu greifbar ist. 
Hinter den Kulissen herrscht hingegen Krieg. Cassandra ist sich sicher: nie wieder Ethan! Doch jetzt steht er vor ihrer Tür und will für die wahre Liebe kämpfen." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥

Das Cover von  Ich werde immer bei dir sein gefällt mir aus den selben Gründen nicht, die ich schon beim ersten Teil  Wohin du auch gehst schon angemerkt hatte: Es ist einfach too much. Zu viel Kitsch, zu viel Gold, zu viel Bling-Bling - und eigentlich habe ich auch nur zugegriffen, weil ich den ersten Teil kannte und liebte, sonst wäre dieses Buch womöglich vollkommen an mir vorbeigegangen. Ein blaues, zertrümmertes Herz aus Rosenblättern, das sich langsam wieder zusammensetzt, vor einem goldglänzenden Hintergrund. Es gibt auf dem Markt wahrscheinlich kein Cover, das mehr "herzerreißende Liebesschnulze mit Happy End!" schreit, als dieses. Es erregt allerdings auf alle Fälle Aufmerksamkeit, wenn man daran vorbeikommt, dass ist ja schließlich auch sein Job. Gefallen muss es mir deswegen aber nicht. 


Charaktere  ♥♥♥♥

Cassandra Taylor: Mit unserer Broken Juliet hatte ich auch im zweiten Teil der Geschichte so meine Probleme. Obwohl ich ihren Schmerz nach der Trennung und ihre Probleme, danach wieder auf die Beine zu kommen, sehr wohl nachfühlen konnte, kamen mir ihre Handlungen an manchen Stellen so merkwürdig und sinnlos vor, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Vielleicht kann ich es mir aber auch einfach nur nicht vorstellen, dass man seiner verflossenen Liebe auch drei Jahre nach dem Schlussstrich noch immer so hinterher trauert, als wäre die Trennung erst gestern gewesen. Vielleicht war ich aber auch noch nie so richtig verliebt. Nichtsdestotrotz habe ich ihre Entwicklung bis zum Schluss mit Begeisterung verfolgt, habe mit ihr gelitten, mit ihr geliebt, gehasst und getrauert, auch wenn ich regelmäßig dachte: "Mädchen, reiß dich zusammen!". Sie ist tatsächlich gebrochen, genau so, wie es der Untertitel der Reihe prophezeit - doch das heißt nicht, dass sie nicht in der Lage ist, sich Stück für Stück wieder zusammenzusetzen!
Ethan Holt: Ich gebe es zu: Ich bin absolut verliebt in Ethan. Gegenwartsethan, Vergangenheitsethan, ganz egal, wenn ich die Möglichkeit hätte, ihm persönlich zu begegnen, würde ich mit ihm Pferde stehlen. Obwohl er eigentlich überhaupt keine Ahnung hat, was er tut, schafft er es, nicht nur Cassies Herz, sondern auch das der Leserinnen reihenweise gefangen zu nehmen und rückt sie einfach nicht mehr heraus. Es ist unfassbar interessant zu beobachten, wie sich der misstrauische, beziehungsunfähige Junge sich letztlich zu einem starken und gefühlvollen Mann entwickelt und es aus eigener Kraft - aber mit ein bisschen Hilfe - schafft, seine ureigenen Ängste zu überwinden. Letztere waren zwar auch der Grund, warum ich das Buch regelmäßig frustriert in die Ecke pfeffern wollte, aber hey, vermutlich ging es ihm da nicht anders. Die ganze Zeit dachte ich "Junge, jetzt komm doch endlich mal klar!" und wollte nicht verstehen, warum er schon wieder Mist bauen muss. Andererseits wurde sein psychologischer Hintergrund im Verlauf der Geschichte so plausibel erklärt, dass ich ihm gar nicht lange böse sein konnte. Chapeau!


Schreibstil  ♥♥♥♥

Leisa Rayvens Schreibstil ist eine bunte Mischung aus flüssig, humorvoll, romantisch, dramatisch, mitreißend und lebendig und hat mir damit unfassbar schöne Stunden und ein herrliches Lese-Erlebnis beschert. Selten litt ich unter einer Liebesgeschichte solche Stimmungsschwankungen, wie bei Bad Romeo & Broken Juliet. Besonders toll fand ich die Art und Weise, mit der sie die verschiedensten Textsorten dafür gebraucht hat, dem Leser die Zwickmühle der beiden Hauptcharaktere näher zu bringen - neben den normalen, erzählten Handlungen, die abwechselnd in der Vergangenheit und der Gegenwart stattfinden, finden wir nämlich auch noch dezent gestreut Tagebucheinträge und Flashbacks in diese Handlungen eingewoben. Damit fand ich nicht nur ein so heiß ersehnter Perspektivenwechsel statt, sondern dem Leser wurde gegen Ende hin immer deutlicher gemacht, dass die beiden Handlungsstränge - Vergangenheit und Gegenwart - gerade dabei sind, dezent ineinander überzugehen. Fasziniert habe ich beobachtet, wie ich besonders die Flashbacks zum Schluss einfach nur noch mit Begeisterung inhaliert habe, weil sie so sehr zur Spannung beigetragen haben. Einen gewichtigen Kritikpunkt habe ich aber dennoch: Obgleich mir die intimen Szenen zwischen Ethan und Cassie gut gefallen haben, wurden sie mit der Zeit trotzdem irgendwie redundant und vorhersehbar. Immer die selben Griffe, die selben Worte für die selben Beschreibungen und die selben übertrieben-aufgebauschten körperlichen Gefühlsregungen auf die kleinsten Berührungen. Alles schön und gut, alles schön und glaubhaft - aber bitte in Maßen. Ich sage nicht, dass man diese Szenen streichen sollte, es bloß gereicht sie nicht auf die immer wieder gleiche Weise zu beschreiben. Sonst wird es irgendwann langweilig!



Handlung  ♥♥♥♥

Die Handlung von Bad Romeo & Broken Juliet ist ein einziges, symmetrisch-paralleles Gebilde von Annäherung und Abstoßung, Schmerz und Glückseligkeit, Misstrauen und Liebe. Bewegen sich die Charaktere in der Gegenwart aufeinander zu, tun sie es auch in der darauffolgenden Vergangenheits-Episode. Stoßen sie einander ab, geschieht es in beiden Handlungssträngen ebenfalls parallel. Ist zu Beginn der Geschichte (in Band 1) Ethan derjenige, der ein gravierendes Problem mit Vertrauen hat, ist es zum Schluss (in Band 2) Cassie, der es so geht. Und so weiter und sofort. Ich habe die Entwicklung der Handlung mit Begeisterung und Staunen verfolgt und habe mich gefragt, wie eine Autorin es schafft, einer solch gleichmäßigen Struktur zu folgen, ohne hin und wieder auszubrechen. Ein Problem hatte ich mit diesem 'System' schließlich doch, denn genau wie bei den immer wieder gleich beschriebenen Sexszenen, gab es auch im Großen und Ganzen immer wieder Dinge, die sich wieder und wieder wiederholt haben, Gespräche die so oder so ähnlich schon einmal stattgefunden haben oder Probleme, Gefühle und andere Dinge, die wir schon in Band 1 miterleben konnten. Für mich war es einfach zu viel - eine Pirouette zu viel, ein Theaterstück zu viel, ein Streit zu viel, einmal Sex zu viel, einmal zu viel Sturheit. Die Geschichte hätte sich schon viel früher zu einem guten Ende wenden können und hätte mir und Cassie damit viel Leid erspart. In meinen Augen wären keine zwei Bände nötig gewesen, um aus Ethan und Cassie eine tolle Liebesgeschichte zu machen, aber vielleicht bin ich da auch nur zu kritisch. Rein vom Aufbau her finde ich die Geschichte nämlich äußerst gut gelungen. 



Gesamtwertung ♥♥♥♥

Alles in Allem hat mir die Geschichte um die beiden Jungschauspieler und ihre Unfähigkeit, eine rechte Beziehung zu führen, sehr gut gefallen. Trotz der Meinungsverschiedenheiten, die ich manchmal mit Cassie hatte, konnte ich gut mit ihr fühlen, mit ihr leiden und lieben und war Ethan dabei mit Haut und Haar verfallen. Genau deswegen wollte ich einfach, dass die beiden endlich zusammen finden, endlich glücklich werden und ihre dämlichen Kindereien endlich hinter sich lassen. Zwei Bände mit über 400 Seiten hat es dazu gebraucht. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen! Nichtsdestotrotz bin ich glücklich über den Ausgang der Geschichte und die positive Botschaft, die sie mit sich bringt und ich kann nur von Glück sagen, dass ich damals, trotz meiner offensichtlichen Geschmacksverirrung das Cover betreffend, trotzdem zugegriffen hatte. Denn trotz aller Meckereien, die ich anzumerken hatte, hat sich Bad Romeo & Broken Juliet zu einer meiner allerliebsten Lieblingsgeschichten hochgearbeitet. Die letzte Seite zu lesen fühlte sich an, als würde ich einer neu gewonnenen Familie den Rücken zukehren. Ich vermisse Ethan und Cassie jetzt schon.



Spannung
♥♥
Romantik

Humor

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Ein Sommer am See

Mariko Tamaki , Jilian Tamaki , Tina Hohl
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.05.2015
ISBN 9783956400254
Genre: Comics

Rezension:

Ein Sommer am See

Autor: Mariko Tamaki
Illustrationen: Jillian Tamaki
Kategorie: Graphic Novel
Genre: Slice of Life, Coming of Age
Erschienen: 16.07.2015
Bände: 1/1
Seiten: 320
Verlag: Reprodukt
ISB N: 978-3-95640-025-4
Preis: 29€
Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Jeden Sommer verbringt Rose mit ihren Eltern die Ferien im selben Haus am See. Dort trifft sie ihre Sommerfreundin Windy. Sie ist für Rose die kleine Schwester, die sie nie hatte. Doch in diesem Sommer ist alles anders. Roses Eltern hören nicht auf, sich zu streiten, und auch zwischen Rose und Windy hat sich etwas verändert. Rose kann den kindlichen Spielen von früher nicht mehr viel abgewinnen, vielmehr beobachtet sie fasziniert und verstört zugleich die älteren Teenager, die schon erste sexuelle Erfahrungen machen.

Eine flirrend leichte Sommergeschichte über die Zeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsenwerden – voller Geheimnisse, Sorgen und Erwartungen. Bereits “Skim”, das preisgekrönte erste Buch der kanadischen Cousinen Mariko und Jillian Tamaki, erregte 2008 Aufmerksamkeit weit über die Grenzen des Comics hinaus." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥♥
Gestoßen bin ich auf  Ein Sommer am See auf der diesjährigen Buchmesse in Wien, auf der der Reprodukt-Verlag (unter einigen anderen deutschen Comic- und Graphic Novel Verlagen) ungewöhnlich, aber erfreulich stark vertreten war. Gerade die unscheinbare Aufmachung des Covers fachte bei jedem meiner Besuche immer wieder aufs Neue meine Neugier an, das immerhin 320 Seiten schwere 'Buch' in die Hand zu nehmen und aufzuschlagen, um herauszufinden, was sich hinter diesem schlichten, aber unglaublich schönen Cover verbirgt. Schon auf den ersten Blick habe ich mich in die blaustichigen, melancholisch-düsteren Zeichnungen verliebt, die sich - angefangen beim Cover - durch die ganze Graphic Novel ziehen. Besonders die verträumte Darstellung der beiden Hauptcharaktere, Windy (nur zur Hälfte) und Rose, die sich, allein in der Abgeschiedenheit des weiten, weißen Himmels, gerade mitten im Sprung befinden, um gleich in das kühle Nass des Sees zu tauchen, spiegelt die Stimmung der Graphic Novel unerwartet gut wieder. Sehr schönes Cover!

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Rose: Rose befindet sich gerade in einer sehr wichtigen Phase ihres Lebens - sie steht an der Schwelle zur Pubertät. Als sie in diesem Jahr mit ihren Eltern zu ihrem alljährlichen Sommerurlaub an den See fährt, trifft sie dort ihre Freundin Windy wieder, von der sie verwundert feststellt, wie kindisch sie sich - in ihren Augen - eigentlich verhält. Beim Lesen musste ich immer wieder bewundernd feststellen, wie stark die einzelnen Stimmungen des jungen, pubertierenden Mädchens (so wie ich es selbst noch in Erinnerung hatte)  von Autorin und Illustratorin eingefangen und wiedergespiegelt wurden. Ich fühlte mich immer wieder wie in Rose hineinversetzt und wurde von der jeweiligen Stimmung angesteckt, die sie gerade empfand: war sie melancholisch-verträumt, erwischte ich mich ebenfalls dabei, war sie glücklich und tollte mit Windy herum, zauberte es mir ein Lächeln auf die Lippen. Zwar war ich mit ihren Handlungen nicht immer ganz einverstanden, aber das musste ich auch nicht sein. Rose ist ein authentischer, lebhafter Charakter, der Fehler begeht, tief im Gefühlschaos steckt und dabei Dinge sagt und tut, die wir alle nur allzu gut kennen, auch wenn wir - aus der Sicht unseres jetzigen, viel älteren Ichs - keinen Bezug mehr zu diesen, unseren, früheren Entscheidungen haben. Es ist verrückt, wie die beiden Tamaki-Cousinen einen Charakter schaffen, der genau dieses Gefühl wiederzugeben versteht. 

Windy: Bei Windy ist es in etwa das Gleiche. Anders als ihre langjährige Freundin Rose, hat sie den letzten Schritt in die Phase der Pubertät noch nicht gemacht und versteht es schon deswegen, ihr Leben leichter und mit kindlichem Irrsinn zu leben. Als Adoptivtochter einer ehemaligen Hippie-Dame mit veganem Lebensstil versteht sie es trotzdem - auf ihre eigene Weise -, was es heißt, ein Rebell zu sein. Sie lacht viel und ausgelassen, spielt gern Streiche, ist witzig und hat ein großes Mundwerk, aber ein dafür viel zu kleines Selbstbewusstsein, wie an manchen Stellen deutlich wird. Auch wenn sie gerne großspurig über 'Erwachsenenkram' redet und so tut, als wüsste sie, wovon sie spricht, und sich mit masochistischem Vergnügen immer wieder Horrorfilme ab 18 anschaut, merkt man doch gerade in solchen Momenten, dass sie für diese Themen noch längst nicht reif genug ist, auch wenn sie es gerne wäre. Gerade deswegen macht es sie rasend, dass sie das Gefühl hat, mit Rose nicht mehr, wie noch im Jahr zuvor, auf einer Wellenlänge zu sein und fühlt sich von deren Gefühls- und Gedankenwelt mehr und mehr ausgeschlossen. Während Rose fasziniert eine Gruppe Jugendlicher beobachtet, zieht sich Windy zusehends davor zurück und möchte eigentlich gar nichts mit ihnen zu tun haben. Auch hier zeigt sich wieder die grandiose Beobachtungsgabe der beiden Autorinnen, die es schaffen, dem Leser die Psyche dieser beiden Mädchen so detailverliebt darzulegen. Windy war mein Highlight!

Zeichenstil  ♥♥♥♥♥

Die Zeichnerin Jillian Tamaki, die mit ihrer Cousine gemeinsam das Projekt  Ein Sommer am Seevollendete, ist Nordamerikanerin mit - wie ihr Nachname sagt - japanischen Wurzeln. Vielleicht habe ich gerade deswegen so beherzt zugegriffen, als ich die Graphic Novel das erste Mal in die Finger bekam, denn mit japanischen Zeichenstilen kenne ich mich aus. Das faszinierende an diesem hier ist, dass Jillian Tamaki eine perfekte Mischung aus amerikanischem und japanischem Stil geschaffen hat, die sich in klaren, dicken Outlines, runden Gesichtern, simplen Artworks und ausdrucksstarken Gesichtern niederschlägt. Die wiedergegebenen Emotionen sind viel tiefer und realistischer, als sie ein Manga je darstellen könnte, dafür hat die japanische, schlichte Schönheit ihren ganz eigenen, faszinierenden Reiz. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich minutenlang ein und das selbe Bild angestarrt habe, um die Stimmung in mich aufzusaugen, die Emotionen herauszufiltern und die Schönheit der Bilder auf mich wirken zu lassen. Besonders gut gefallen mir die natürlichen Körperproportionen der Charaktere, die jedem einzelnen einzigartige Eigenschaften zuordnet: mal groß und dürr, klein und rund, klein und knochig, groß und untersetzt, kurvig, faltig, sportlich, klapprig. Es gab keine Stereotypen, keine unrealistischen, dürren, keine übertrieben schönen Charaktere. Jeder hat seine Fehler, seine Ecken und Kanten, Momente, die sie schön oder hässlich erscheinen lassen. Das, was Jillian Tamaki hier geschaffen hat, ist für mich Kunst. 

Handlung  ♥♥♥♥♥

Wer hier eine aufregende Handlungen voller Plottwists und actiongeladenen Szenen erwartet, der ist ganz falsch.  Ein Sommer am See fühlte sich für mich an wie ein Kurzurlaub in die Psyche zweier Mädchen, die noch nicht recht wissen, wie sie dem Leben begegnen sollen - und weg von Bildschirm, Medien und einer Welt voller Lügen und falscher Schönheitsideale. Wir folgen Rose in den Urlaub an den See, sehen, was sie sieht, fühlen, was sie fühlt und finden, mitten in einer Identitätskrise heraus, dass ihre Eltern nicht mehr glücklich miteinander sind. Wir spüren ihre Angst vor einer - nie ausgesprochenen - Scheidung und die Kälte, mit der ihre Mutter ihr und ihrem Vater plötzlich begegnet. Wir beobachten mit ihren Augen fasziniert, angewidert und neugierig zugleich, wie eine Gruppe Jugendlicher in Sex (ohne explizite Szenen), Alkohol und Drogen versinkt und fürchten uns vor dieser, ihrer Zukunftsvision. Der Fokus der Graphic Novel liegt hier nicht auf der Handlung, er liegt auf den Worten, der Stimmung und vor allem: auf der Entwicklung der einzelnen Charaktere und ihrer Beziehung untereinander. Ein unglaublich schönes, verträumtes Werk, dass es wert ist, immer und immer wieder in die Hand genommen zu werden - und wenn es nur ist, um in den wundervollen Zeichnungen zu versinken. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Ein Sommer am See ist für mich ein absoluter Glückgriff und ein richtiger Schatz. Als ich die Graphic Novel das erste Mal sah, wusste ich nicht, ob ich mich auf ein solches Experiment einlassen wollte - weg von Büchern und klassischen Mangas, wie ich sie sonst lese, und hin zu den in simple Zeichenkunst verpackten, literarischen Geschichten. Ich muss sagen, dass ich einen Kauf noch nie weniger bereut habe als jetzt.  Ein Sommer am See ist unglaublich schön und fordert den Leser mit einer unscheinbaren Intelligenz heraus, sich Stimmungen hinzugeben, Kontroversen zu überdenken und sich in die Welt eines anderen hineinzuversetzen, um ihn zu verstehen. Die noch dazu besonders ausdrucksstarken Zeichnungen von schlichter Schönheit haben mich absolut fasziniert und überzeugt, dass sich hinter dem Wort Graphic Novel eine feingliedrige Kunstform verbirgt. Einfach toll!

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julia dessalles, drachen, rubinsplitter, fantasy, rubinsplitter:funkenschlag

Rubinsplitter: Funkenschlag

Julia Dessalles
Flexibler Einband: 406 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 20.08.2015
ISBN 9781516869015
Genre: Fantasy

Rezension:

Rubinsplitter - Funkenschlag (1)

Autor: Julia Dessalles
Genre: Fantasy, Phantastik, Magie
Freigabe: keine
Erschienen: 20.08.2015
Seiten: 406
Einband: Taschenbuch
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1516869015
Preis: 3,99€ (eBook) / 10,70€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Das Überleben von Salvya, einer magischen Welt voll ungezügelter Phantasie, liegt in Rubys Hand. Ausgerechnet sie, Miss Unsichtbar, soll die Prinzessin aus der Prophezeiung sein und die finstere Herrscherin Thyra vernichten. Wäre da nicht Rockstar Kai mit seinen verdammten Kusslippen, hätte sie längst aufgegeben. Doch auf einmal überschlagen sich die fürchterlichen Ereignisse und die Rettung Salvyas wird für Ruby zur Herzensangelegenheit. Wird es ihr gelingen, den Funken zu zünden, der Salvyas Schicksal besiegelt?" - Quelle: Drachenmond Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥

Aufmerksam wurde ich auf Rubinsplitter - Funkenschlag gerade wegen seines unglaublich tollen Covers, das mir beim Scrollen durch Facebook direkt ins Auge gesprungen ist. Einmal gesehen, war meine Neugierde für die fantastische Geschichte sofort geweckt und ich setzte - nach einigen Nachforschungen wo und wie - "alle Hebel in Bewegung", dieses Buch so schnell wie möglich in meinen Händen zu halten. Die kunstvolle Gestaltung des Mädchengesichts, das - durch Rauch gezeichnet - in zwei chinesische Glücksdrachen übergeht, hat meinen Nerv für das Element Feuer und die asiatische Kultur genau getroffen und sieht, egal wie man es dreht und wendet, einfach atemberaubend aus. Am liebsten würde ich Rubinsplitter einfach den lieben langen Tag anstarren! - Schon allein deswegen hat das Cover 5/5 Punkten verdient. 

Charaktere  ♥♥♥♥

Ruby: Unsere Protagonistin Ruby macht im Verlauf der Handlung eine unglaubliche Entwicklung durch. Während ich am Anfang irgendwie nicht so richtig warm mit ihr wurde, weil sie mir farblos, blass und charakterlos vorkam, verwandelte sie sich direkt vor meinen Augen in eine bunte, emotionsgeladene Knutschkugel, mit der ich mich einfach wunderbar identifizieren konnte. Wie überrascht ich im Nachhinein war, dass mein Empfinden, Ruby sei ein blasser Charakter, absolut gewollt war und im Laufe der Geschichte aufgeklärt werden konnte, kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Ich empfand es als eine großartige erzählerische Leistung, sie - als Protagonistin - für den Leser genauso zu zeichnen und auszuformen, wie sie auch von den anderen Charakteren drumherum wahrgenommen wird! Als ich endlich dahinter kam, konnte ich mich besonders gut in sie hineinversetzen und die Geschichte aus nächster Nähe erleben. Denn wer stolpert nicht gern in eine fremde, bunt-fantastische Welt und stellt dann fest, dass es genau dieser Ort ist, nach dem man sein ganzes Leben lang gesucht hat? Das Einzige, was mich daran ein bisschen gestört hat, war die Tatsache, dass Ruby tatsächlich nicht ein einziges Mal darüber nachdenkt, in ihre bisherige Welt zurückzukehren. Dass sie kein Heimweh hat ist - in Anbetracht ihrer 'Herkunft' durchaus erklärlich -, aber dass ein Teenager nicht ein einziges Mal an seine Eltern denkt, wenn er mit zwei 'betrunkenen' Rocker-Drachen in eine völlig fremde Welt gerät und dort, trotz der Tatsache, dass sie sich die meiste Zeit schlecht behandelt fühlt, bereitwillig mehrere Tage zubringt, ohne auch nur an Zuhause zu denken, das kam mir ein bisschen unnatürlich vor. Ansonsten habe ich Ruby als Charakter sehr genossen!   

Kai: Ach Kai! Meine Gefühle für ihn waren etwa so zwiegespalten, wie die Zunge einer salvyanischen Zuckerschlange. Zu Anfang der Geschichte hätte ich ihn für sein unverschämtes Verhalten ständig Ohrfeigen können! Einerseits führt er sich einfach auf wie das letzte Kind auf Erden, schmollt und tobt, ist kindisch und leidet an einer chronischen Gummibärchensucht - andererseits ist er ein verdammter Badboy mit tollen Sprüchen und einer so lässigen Art, die mich einfach wünschen lässt, ich wäre Ruby. Und so ging es unserer Protagonistin sicherlich auch die ganze Zeit, bloß, dass sie sich von Kai - aus unerklärlichen Gründen - ganz schön viele Gemeinheiten gefallen lassen muss. Aus einem Grund, den er selber noch nicht einmal nennen kann, empfindet Kai für Ruby nämlich von Anfang an eine ungewöhnliche Hassliebe, die ihn dazu bringt, sie von sich stoßen zu wollen, sie auf der anderen Seite aber am liebsten nie wieder gehen lassen würde. Zu allem Überfluss hat der Junge mit den giftgrünen Haaren noch ganz andere Probleme wegzustecken, die nicht zuletzt mit seiner schlimmen Vergangenheit und seinen magischen Kräften zu tun haben. Im Grunde habe ich Kai das eine Drittel der Geschichte gehasst, das zweite Drittel habe ich ihn vergöttert und das dritte und letzte Drittel habe ich ihn bemitleidet - bloß nicht genau in dieser Reihenfolge. Ob und wie ihr Kai findet, das müsst ihr natürlich selbst herausfinden - ich kann sagen, dass er mehr als nur eine Emotion in mir gereizt hat und dafür kann ich ihn eigentlich nur bewundern!

Amygdala: Amy ist für Kai so etwas wie ein Mutterersatz und gleichzeitig eine gute Freundin, denn sie hat sich lange Zeit um ihn und seinen besten Kumpel Ali gekümmert. Die Fünfunddreißigjährige mit der Fähigkeit, ihr Alter nach Belieben zu verändern, ist ein unglaublich heiterer, sympathischer Charakter, der im Laufe des ersten Bandes leider viel zu wenig vorkommt. Sie ist diejenige, die Ruby findet, sie erkennt und dazu bringt, in ein magisches Auto zu steigen, das sie an den Ort bringen soll, an den sie rechtmäßig gehört. Alles, was ich von Amygdala im ersten Teil der Buchreihe gelernt habe ist, dass sie von allen Charakteren der witzigste und phantasievollste ist. Immer habe ich gehofft, dass sie Ruby jederzeit als gutherzige Erklärbärin zur Seite steht, aber leider kam doch dann alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich wünsche mir mehr Amygdala! Jetzt!

Schreibstil  ♥♥♥♥

Der Schreibstil von Autorin Julia Dessalles ist anders, anders jedoch im positiven Sinne: Sie schreibt unglaublich fantasievoll und bunt - man könnte fast meinen quietsch-bunt - und schafft neue Welten, neue Wesen und neue Ideen wie aus der hohlen Hand, sodass ich mir eigentlich nur zu gern einen Blick in ihren Kopf wünsche, um zu sehen, welche Schätze sie dort noch verborgen hält. Hinzu kommt eine entzückende Prise Humor, die mir jede noch so langweilige U-Bahn-Fahrt zur Arbeit gezuckert und versüßt hat. Während ich mich regelmäßig beim Schmunzeln, ja sogar Grinsen, erwischt habe, weiß ich auch, dass ihr Humor möglicherweise nicht für jeden gleichermaßen zugänglich ist. Wenn man nicht selbst eine quietsch-bunte, kindlich-fantasievolle und hoffnungslos-romantische Seite oder ein inneres Kind hat, das ab und zu mal Ausgang braucht, könnte man mit Julia Dessalles Humor oder ihrer Art zu schreiben anecken, ja, sie vielleicht als zu 'kindisch' oder nicht ernst genug verstehen. Auch zeichnet sich ihr Schreibstil durch ein rasantes, manchmal gehetztes Erzähltempo aus, was immer wieder mal dazu geführt hat, dass ich das Gefühl hatte, mir würden wichtige Informationen fehlen, die mir dabei helfen könnten, das Geschehen detailgenauer vor meinem inneren Auge erscheinen zu lassen. Dieser fehlende Detailgrad kann einerseits störend, andererseits herausfordernd sein, je nach dem wie fantasievoll man selbst ist. Mehr als einmal fiel es mir schwer, dem Geschehen zu folgen, während andere Stellen ganze Kinofilme in meinem Kopf verursachten. Ich würde mir für die Zukunft ein bisschen weniger Tempo und ein bisschen mehr Detailgrad wünschen, um noch tiefer in die Geschichte eintauchen zu können!

Handlung  ♥♥♥♥

'Bunt' und 'ausgefallen' sind die ersten Adjektive, die mir zur  Rubinsplitters Handlung einfallen. Ruby, die etwas molligere (wobei man nie wirklich erfährt ob sie nun wirklich mollig ist oder nur glaubt, mollig zu sein), an Selbstbewusstsein kränkelnde Schülerin, die für beinahe jeden in ihrem Umfeld unsichtbar ist, findet sich eines Tages als Security auf einem Rockkonzert wieder, wird von einer verrückten alten Frau im Minirock entführt und ... ach was sage ich, lest es selbst! Die Geschichte strotzt vor verrückten Ideen und einem verschmitzten Augenzwinkern, ist spannend, romantisch und witzig zugleich. Der Fokus liegt dabei sehr stark auf der stets wechselnden Beziehung zwischen Kai und Ruby, die einerseits nicht mit, andererseits aber auch  nicht ohne einander auskommen. Die action-geladenen Szenen (bis auf die epische Endszene) waren mir persönlich manchmal ein bisschen zu schnell vorbei, sodass ich, was Spannung angeht, nicht richtig in Fahrt gekommen bin. Das ist allerdings verzeihlich, denn, wenn man eine neue Welt erschafft, dann will diese erstmal richtig vorgestellt und eingeführt werden. Für den nächsten Band würde ich mir vielleicht einen Almanach der Salvyanischen Wesenheiten und vielleicht eine Karte wünschen, um noch mehr dieses 'Fantasy-Feeling' zu bekommen und richtig in Salvya eintauchen zu können. Dahingehend hat sich der erste Teil der (insgesamt vierteiligen?) Reihe wie eine langsame Einführung in die eigentliche Geschichte angefühlt. Ich bin gespannt, was noch kommt!

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Wie eben schon gesagt, hatte der Auftakt der  Rubinsplitter-Reihe den Charakter einer - zugegeben rasanten - Einleitung in etwas viel Größeres. Charaktere, Kreaturen und Orte werden eingeführt, das System der speziellen 'Magie', die in Salvya herrscht werden dem Leser verständlich gemacht, der genau wie Ruby erst lernen muss, was es heißt, Teil von Salvya zu sein. Besonders gut hat mir die Entwicklung der Hauptperson gefallen, die im Laufe der Geschichte nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihren Ursprüngen zurückfindet, was ihr ungemein an Kraft gegeben hat.  Rubinsplitter hat mich beim Lesen einfach ungemein glücklich gemacht, mir stetig ein Lächeln entlockt, hat sich aber Alles in Allem ein wenig zu schnell und zu wenig fassbar angefühlt. Bisher habe ich das Gefühl, die magische Welt nur an der Oberfläche gekratzt zu haben und eigentlich noch nicht so recht zu wissen, wo die Reise eigentlich hinführt - das eher 'abgehackte' Ende unterstützt das ein bisschen. Andererseits kann ich es auch kaum erwarten, nach Salvya zurück zu kehren, mehr zu erfahren, die liebenswürdigen Charaktere wiederzutreffen und meine eigene Fantasie tatkräftig beim Lesen mit in die Geschichte einfließen zu lassen. Ich bin mehr als gespannt auf das, was noch kommt und glaube, es wird sogar noch besser, als das, was  Rubinsplitter - Funkenschlag und hier schon liefert!

Spannung
♥♥
Romantik
Humor
Gewalt
Action


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dorf, mystery, geheimnis, wald, historisch

Das verlorene Dorf

Stefanie Kasper
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.04.2015
ISBN 9783442479771
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das verlorene Dorf

Autor: Stephanie Kasper
Genre: Historisch, Mystery
Freigabe: keine
Erschienen: 20.04.2015
Seiten: 384
Einband: Taschenbuch
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47977-1
Preis: 9,99€ (D) / 10,30€ (A)

Rating: ♥♥♥♥


Inhalt

"Oberbayern 1843: Als sich die junge Waise Rosalie in den Bauern Romar verliebt, scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch die Waisenhausvorsteherin warnt Rosalie vor dieser Ehe und macht sonderbare Andeutungen. Rosalie heiratet Romar dennoch und folgt ihm in sein Heimatdorf, das tief im Wald verborgen liegt. Eines Nachts hört Rosalie ein Neugeborenes weinen, das am nächsten Tag als angebliche Totgeburt begraben wird. Dann kommt eine junge Frau, mit der Rosalie sich angefreundet hat, auf mysteriöse Weise zu Tode. Rosalie wird bald bewusst, dass in Romars Dorf nichts ist, wie es scheint – und dass auch sie selbst in tödlicher Gefahr schwebt ..." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥♥

Das Cover von  Das verlorene Dorf hat mich von Anfang an angesprochen: die düstere Farbgebung zwischen blau, grau und dunkelgrün trifft genau meinen Nerv und fühlt sich kühl und unheimlich an. Schaut man sich das Bild länger an, meint man beinahe die Feuchtigkeit des Nebels und die Kälte des wolkenverhangenen Himmels zu spüren und auch das raue 'KRAH KRAH' der Krähen und der erdige Geruch des Waldes kommen einem beim Betrachten ganz unwillkürlich in den Sinn. Zumindest geht es mir so. Aber vielleicht habe ich auch nur eine blühende Fantasie! Vergleicht man jedenfalls Cover und Inhalt wird man sehr schnell feststellen: kaum ein anderes Bild hätte die mulmig-düstere und bedrohlich-kalte Stimmung des Buches besser einfangen können als dieses. Man fühlt sich geradezu mitten im Wald, irgendwo in Haberatshofen und damit dem Grauen seiner Bewohner ausgesetzt. Wunderbar ausgewählt! 

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Rosalie: Durch einen Gendefekt wurde Rosalie mit elfenbeinfarbener Haut, weißblonden Haaren und roten Augen geboren - sie ist ein Albino und damit damals wie heute ein äußerst seltener Anblick. Man kann sich sehr wohl vorstellen, in welche Schwierigkeiten sie ihr ungewöhnliches Äußeres bringt, besonders vor dem Hintergrund des noch immer sehr konservativen 19. Jahrhunderts: als Säugling von ihren Eltern mitten im Wald ausgesetzt, wurde sie von einer Kirchenschwester gefunden und im Waisenhaus großgezogen, doch bis auf ihre Ziehmutter und Retterin findet sie dort weder Zuneigung, Freunde oder irgendeinen Anschluss. Im Gegenteil - von so gut wie jedem um sie herum, seien es die anderen Schwestern oder die anderen Kinder, wird sie als "Nachmensch" und "Hexenkind" verstoßen und gefürchtet. Das ändert sich auch nicht, als Rosalie schließlich erwachsen wird und als Köchin in einem Waisenhaus versucht einen Platz im Leben zu finden. Als eines Tages Romar, ein Mann aus Haberatshofen, das Waisenhaus besucht und ihr schon nach kurzer Zeit seine tiefste Zuneigung beteuert, ändert sich ihr Leben drastisch. Sie wird seine Frau und geht mit ihm nach Haberatshofen, ein kleines Dorf mitten im Wald, das Fremde grundsätzlich ablehnt und dessen Einwohner kaum jemand zu Gesicht bekommt. Ich mag Rosalie, denn sie macht im Verlauf der Geschichte eine so unfassbare Wandlung durch, dass man nicht anders kann, als die ganze Zeit nur stolz auf sie zu sein: von der zurückgezogenen, wortkargen, unsicheren Rosalie ohne einen Platz in der Welt wird sie zu einer selbstbewussten, starken - und für das 19. Jahrhundert sogar "relativ" emanzipierten" - Ehefrau, die bereit ist alles zu geben, um die zu schützen, die sie liebt. Dabei ist sie manchmal sehr naiv, um nicht zu sagen gutgläubig, doch in Anbetracht der Tatsache, dass ihr oftmals nichts anderes übrig bleibt, als immer nur das Beste von allen zu denken, weil es sie sonst den einzigen Ort kosten könnte, der ihr je ein Zuhause war, ist psychologisch mehr als nachvollziehbar. Sie ging mir dabei niemals auf die Nerven und ich habe mit Rosalie gebangt, gelitten, gelacht und sie geliebt! 
Romar: Als Romar das erste Mal auftaucht kam er mir schon suspekt vor: zotteliges Haar mit einem geflochtenen Bart, heruntergekommene Kleidung und mit dem Geruch des Waldes an seiner Haut, habe ich mir immer einen schrumpeligen Waldschrat vorgestellt. Mit der Zeit wandelte sich mein Bild von Romar, denn er entwickelt sich im Laufe des Buches sowohl für den Leser, als auch für Rosalie zu einem äußerst ambivalenten Charakter. Während man im einen Moment glaubt, dass er seine frisch angetraute Ehefrau liebt und ehrt, verhält er sich ihr gegenüber auf der anderen Seite immer wieder abweisend, hart und rau, sodass man plötzlich vom Gegenteil überzeugt ist. Genau wie alle anderen Dorfbewohner ignoriert er all ihre Fragen, all ihre Sorgen und Unsicherheiten und schweigt darüber, quält und grämt sich jedoch sichtlich dabei. Manchmal hätte ich ihn am liebsten geschüttelt oder geschlagen, damit er ihr endlich die Wahrheit sagt. Genau wie der Rest des Dorfes lässt Romar einen oft Zweifeln. Ist er eine Bedrohung für Rosalie? Wird er sie schützen? Liebt er sie? Liebt er sie nicht? Welche Verbrechen versucht er zu verstecken? Auch Romar habe ich geliebt. Trotz seiner stets Zweifel säenden Art hatte er etwas unfassbar Faszinierendes, das mich lange bei der Stange gehalten hat. Es fühlte sich an, als sei Romar der einzige Anhaltspunkt dafür, dass mit dem Dorf Haberatshofen etwas nicht stimmt und man erwartet ständig, dass die Wahrheit irgendwann aus ihm heraus bricht, während man gleichzeitig fürchtet, dass er Rosalie jederzeit in den Rücken fallen könnte. Trotz allem behandelt er sie, gerade für das noch immer patriarchalisch geprägte, deutsche 19. Jahrhundert, die meiste Zeit überraschend gut und auf ebenbürtiger Ebene. Nur in besonders verzweifelten Momenten erinnert er sie daran, dass sie seine Ehefrau ist und ihren Mann nicht hinterfragen sollte. Historisch nicht ganz korrekt oder vielleicht bloß eine ganz frische Liebe? Either way: Romar hat mir sehr gut gefallen!
Sara: Romars Cousine Sara war für mich genau wie Romar stets sehr ambivalent: Auf der einen Seite wirkt sie - anders als die anderen Haberatshofener - offen, aufgeschlossen, fröhlich und immer ehrlich und erschleicht sich damit nicht nur einen Platz in Rosalies Herzen, sondern auch in dem des Lesers. Auf der anderen Seite wirkt sie einfach immer zu perfekt, zu liebenswürdig und zu aufgeschlossen, sodass man die ganze Zeit Angst hat, dass Rosalie hier einer grandiosen Lügnerin auf den Leim geht, die bloß ihr Vertrauen erschleichen möchte. Dabei findet man weder beweise für Saras Unschuld, noch für ihre Schuld und das treibt einen durchweg in den Wahnsinn, besonders, wenn man Zeuge wird, welche Geheimnisse Rosalie ihrer Freundin Sara so alles anvertraut. Man ist darauf angewiesen, ihr einfach zu vertrauen, genau wie Rosalie es tut. Und trotzdem ist da immer dieser bohrende Zweifel, der besonders dann aufkeimt, wenn Sara genau wie Romar Rosalies Fragen einfach übergeht. Sehr gelungen!

Schreibstil  ♥♥♥♥

Stefanie Kaspers Schreibstil ist zwar nicht übermäßig anspruchsvoll oder detailliert, dafür aber unglaublich feinfühlig, atmosphärisch und dem historischen Thema durchaus angemessen. Dabei fühlt er sich oft eigentümlich und genau im richtigen Maße altmodisch an, um genau in die Zeit zu passen, in der die Handlung spielt, ohne dabei die Zielgruppe 'Gelegenheitsleser' zu verfehlen. Dieser schmale Grad zwischen gut verständlicher und historisch angemessener Sprache hat mich sehr fasziniert. Besonders gut fand ich dabei die Beschreibungen des örtlichen und dörflichen Lebens, der hierarchisch-patriarchalisch geprägten Gesellschaft und der ärmlichen Einfachheit des Alltags. Gleichzeitig fühlt sich Kaspers Roman durch die relativ modern gezeichnete Figuren zeitlos an, sodass es mir - bevor ich die Jahreszahl kannte - relativ schwer viel, die Handlung einer bestimmten Epoche zuzuordnen. Die Geschichte hätte sich ebenso gut im 20. Jahrhundert abspielen können. Wichtige zeitgeschichtliche Themen wie Krieg, Krankheit, Armut, Hungersnot, etc. werden nur sehr leicht angerissen und weniger thematisiert. Das ist aber verzeihlich, denn die Handlung spielt sich ohnehin hauptsächlich in einem von der Gesellschaft abgeschiedenen Dorf ab, das unter seinen ganz eigenen Bedingungen und Regeln existiert. Erwartet man bei Das verlorene Dorf jedoch korrekte historische Fakten und Darstellungen, könnte man enttäuscht werden. Ansonsten hat mir die Mischung zwischen historisch, zeitlos und modern den Zugang zum Text eher erleichtert. Ganz besonders schön fand ich die sprachlichen Facetten "Emotion" und "Atmosphäre", die in diesem Roman besonders fein nuanciert ausgearbeitet sind. Man wird stets herausgefordert Worte und Handlungen einer Person start voneinander zu unterscheiden und dabei auf die kleinsten Veränderungen in ihrem Verhalten wahrzunehmen. Ein besonders schönes Beispiel hierfür ist die - in der Literaturgeschichte sehr, sehr bekannte - körperliche Reaktion auf die eigene Unehrlichkeit: Wenn ein Charakter ganz offensichtlich lügt, fährt er sich zumeist unbewusst mit den Fingern oder der Hand über den Mund. Als Literaturwissenschaftlerin habe ich mich über dieses sprachliche Detail in einem belletristischen Roman ganz besonders gefreut. 

Handlung  ♥♥♥♥

Es hat bei mir eine ganze Weile gedauert, bis ich so richtig in die Handlung des Buches reingekommen bin. Gerade zu Beginn hat es einige Längen, die sie für mich ganz besonders durch die Ungerechtigkeiten ergeben haben, denen Rosalie in ihrer Zeit im Waisenhaus ausgesetzt ist. Die ganze Zeit dachte ich: Nun ist es aber gut, wir wissen nun, dass Rosalie ein armes Mäuschen ist - aber was ist denn nun mit dem Dorf? Auch wollte ich mit Rosalies schüchterner Selbst-Ausgrenzung nicht so recht warm werden. Erst, als sie schließlich ins Dorf kommt, beginnt die Geschichte an Spannung zuzunehmen. Dabei vollführt die Handlung aber keinen rasanten, unfassbaren Schlenker, die einen vor Spannung fast vom Sitz pusten, sondern die Intensität - das "Gänsehaut-Feeling", das sich einstellt - steigt ganz langsam an und schickt dem Leser bohrende Zweifel, während sich Rosalie sich in ihrem gewöhnlichen Bäuerinnen-Dasein einlebt und dabei die Charaktere kennen und lieben lernt. Einzig und allein die Ahnung, dass etwas nicht stimmt und die dafür fehlenden Beweise halten den Leser bei der Stange und die gut gestreuten Vorfälle, die sowohl als Bedrohung, als auch als Zufall deutbar sind, erinnern einen regelmäßig daran, dass Rosalie sich in großer Gefahr befinden könnte. Mein Problem dabei: Sowohl Rosalie als auch der Leser werden sehr schnell gewarnt, das etwas mit dem Dorf nicht stimmt und die Hinweise sind zwar sporadisch gestreut, aber dabei oftmals so offensichtlich gestaltet, dass den Leser irgendwann nur noch die Naivität der Protagonistin Rosalie von der Wahrheit trennt. Soll heißen: Ich hatte das Geheimnis des Dorfes schon nach den ersten hundert Seiten entschlüsselt und musste darauf warten, dass Rosalie auch endlich dahinter kommt, oder zumindest anfängt, sich die Wahrheit einzugestehen. Nichtsdestotrotz sind Spannung und Atmosphäre des Buches so gut gewählt - und Rosalies Schicksal bleibt bis zum Schluss unvorhersehbar - dass ich das Lesen durchweg genossen habe. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Das verlorene Dorf hat mich mehr als nur überrascht. Da ich ohne große Erwartungen an das Buch herangegangen bin - und eigentlich auch gar keine Erfahrungen mit historischen oder mysteriösen Romanen habe - konnte ich eigentlich auch gar nicht groß enttäuscht werden. Mit seiner liebreizenden Protagonistin, seiner ungreifbaren gruselig-düsteren Atmosphäre, seiner schockierenden Grundthematik und seinem zeitlos-sprachlichen Aufbau hat mich Stefanie Kapers Roman komplett überzeugt und ich würde ihn sofort jedem ans Herz legen, der kein Problem mit moralisch verwerflichen oder grenzwertigen Themen und ein bisschen Grusel-Schauer hat. Wunderbar kurzweiliges Buch zur Halloween-Zeit und mit einem Ende, bei dem mir das Lachen im Hals stecken geblieben ist!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt 
Action 

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märchen, fee, hexenjäger, julia adrian, magie

Die Dreizehnte Fee - Entzaubert

Julia Adrian
Buch: 220 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 28.10.2015
ISBN 9783959911320
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Dreizehnte Fee - Entzaubert (2)

Autor: Julia Adrian

Genre: Fantasy, Mythen & Legenden, (Romantik)

Freigabe: keine

Erschienen: 22.10.2015

Seiten: 220

Einband: eBook

Verlag: Drachenmond

ISBN: 978-3-95991-132-0

Preis: 2,99€ (eBook) / 12,00€ (broschiert)


Rating: ♥♥♥♥♥


Inhalt

"Ich bin der Anfang, ich bin das Ende." Fünf Feen fielen unter dem Schwert des Hexenjägers. Jetzt ist es die Königin, die er jagt. Im hohen Norden sieht die Dreizehnte Fee dem Urteil der verbliebenen Schwestern entgegen. Und nur eine weiß das Ende, doch ihre Macht schwindet und mit ihr die einzige Chance das Rätsel um die Erweckung der gefährlichsten aller Feen zu entschlüsseln. Sieh hin, flüstert die Königin. Lerne, was es heißt, mich zu betrügen!" - Quelle: Amazon


Cover  ♥♥♥♥♥

Genau wie beim Cover des ersten Teils kann ich eigentlich nur sagen: dieses Cover ist wunderschön! Ich liebe die Farbnuancen zwischen Dunkel-, Eisblau und Rotbraun, die hellen, zierlichen Ornamente, die den Titel einrahmen und erst auf den zweiten Blick preisgeben, dass es sich eigentlich um einen Spiegel handelt - einen der drei (?) Spiegel der Feenmutter. Die Farbgebung und die hell glänzenden Blätter und Zapfen am Rande des Covers erinnern an einen kalten aber klaren Wintertag und an den Frost, der sich unnachgiebig über alles legt, was ihm erreichbar ist. Erst nach dem Lesen wird klar, wie gut das Cover eigentlich zum Inhalt der Geschichte passt, denn die Eishexe spielt in diesem Band eine größere Rolle als noch zuvor. Mehr weiß ich nicht zu sagen - einfach wunderschön!


Charaktere  ♥♥♥♥♥

Lilith: Die Dreizehnte Fee - oder auch Hexe, wie sie im Volksmund von den Menschen genannt wird. Bevor sie von ihren 12 anderen Schwestern in eine schreckliche Falle gelockt wurde, durch die sie nicht nur 1000 Jahre ihres Lebens, sondern auch ihre Kräfte verlor, war sie die Königin der Feen und die Herrscherin über Pandora. Aber sie ist auch Lilith, die große Schwester der Feenkinder, das sanfte Mädchen, das sich nach nichts anderem mehr sehnt, als nach der Liebe, die sich all die Zeit selbst verboten hat. Ich liebe es, wie Lilith sich im Laufe des zweiten Bandes immer mehr entwickelt: Sie steckt irgendwo fest zwischen der stolzen Königin und dem Mädchen, das sie wirklich ist und weiß nie so recht, wie sie mit diesen beiden Persönlichkeiten umgehen soll, die dauerhaft um die Kontrolle kämpfen. Einerseits will sie blutige Rache an ihren Schwestern nehmen, die ihr ihre Magie gestohlen und unter sich aufgeteilt haben. Andererseits liebt sie ihre Schwestern mehr als sich selbst und kann es nicht ertragen, dass eine nach der anderen der Königin oder dem Hexenjäger zum Opfer fällt. Dieses Hin-und-Hergerissen-Sein nimmt einen als Leser unglaublich mit, denn irgendwie kann man beide Seiten verstehen, auch, wenn man die Königin, die in ihr schlummert, mehr als alles andere fürchtet. Ich wünsche Lilith, dass sie es im dritten und letzten Band endlich schafft, Frieden mit sich, der Königin und ihren Schwestern zu finden und endlich das Leben leben kann, das sie sich so sehr wünscht: Seite an Seite mit dem Hexenjäger. Aber warum habe ich so ein ungutes Gefühl, dass ihr ein Happy End niemals bestimmt ist?


Hexenjäger: Leider spielt der Hexenjäger im zweiten Band der Fee eher eine untergeordnete, aber nichtsdestotrotz wichtige Rolle. Von einer der Feenschwestern gelenkt, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, alle 13 Feen zu finden und zu töten, die mit Magie und Grausamkeit das Leben der Menschen zur Hölle machen. Auch er befindet sich durchweg in einem schrecklichen Zwiespalt, denn die Einzige, die ihm dabei helfen kann, die Hexen zu töten, ist die 13. Fee - Lilith. Seit er sie im ersten Teil aus dem Turm befreit hat, um sie als Waffe zu missbrauchen, scheint er undefinierbare Gefühle für sie zu haben: einerseits hasst er sie, denn sie ist sein Feind und die grausamste von allen (zumindest die Königin, die in ihr schlummert), andererseits ist sie feingliedrig, zerbrechlich und liebenswert und immer wieder verfällt er ihrem Zauber, liebt sie, zieht sie an sich - nur um sie im nächsten Moment von sich zu stoßen. Lieber Hexenjäger, ich weiß, dass du Lilith liebst, sei kein Narr und stoße sie von dir für das, was sie irgendwann mal gewesen ist! Schlimm, das er mich nicht hören kann. Und noch schlimmer, das ich noch so lange auf den dritten Band warten muss, um herauszufinden, wie es mit den beiden weitergeht. Ahhhh!


Eishexe: Die Eishexe ist Liliths älteste Schwester, die erste, die nach ihr kam und ich führe sie hier stellvertretend für alle anderen Feen-Schwestern auf, die ich leider nicht einzeln besprechen kann. Jede von ihnen ist einzigartig, jede von ihnen hat ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Leid, ihre eigene Schwachstelle - sie sind alle großartig! Die Eishexe ist eines der besten Beispiele, dass nicht nur Lilith und der Hexenjäger unter einem ewigen Zwiespalt leiden, auch die Feen tun das. Einerseits fürchten sie die grausame Königin, die ihre Schwester einmal gewesen ist und die ihnen das Leben zur Hölle gemacht hat, doch andererseits lieben sie Lilith, die fürsorgliche Schwester, die sie als Kinder beschützt und gehütet hat. Und trotzdem müssen sie sie jetzt bekämpfen, denn Lilith ist die einzige, die die Feen töten und ihre Herrschaft beenden kann. Solange die Königin irgendwo in ihr schlummert, können sie nicht aufhören, sie zu bekämpfen. Einsam lebt die Eishexe in ihrem Palast ganz im Norden, in einem Saal voller Bücher, ohne Gesellschaft, fernab von den Menschen, die sie ohnehin nur töten wollen. Sie bringt den Winter, die Kälte, das Eis, tut das, was von ihr als Herrscherin über das kalte Element verlangt wird und zieht so erst Recht den Zorn der Menschen auf sich. Gleichzeitig sammelt sie Porträts der Menschen, die ihrer Magie zum Opfer fallen, damit keiner von ihnen vergessen wird. Sie ist missverstanden und einsam, hat nur gelernt, sich mit Grausamkeit selbst zu schützen - genau wie ihre Schwestern. Was habe ich mit ihr gelitten!


Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Julia Adrians Schreibstil ist unfassbar - unfassbar! - gut. So etwas habe ich (ganz besonders im Fantasy/Jugendbuch-Bereich) noch nie erlebt. Sie schafft es mit kurzen, präzisen Sätzen Welten zu bauen und Emotionen zu vermitteln und ihre Sprache hat dabei so einen ganz bestimmten magischen Klang, vor dem ich nur ehrfürchtig das Haupt neigen kann. Ich liebe es, wie sie den Leser oft im Unklaren lässt, indem sie Namen oder Wahrheiten weglässt oder nur andeutet, sodass man immer das Gefühl hat, dass man ganz nah dran ist, alles zu verstehen, die Geschichte zu entschlüsseln, aber es fehlt einem der letzte Baustein. Es ist schwer in Worte zu fassen, welches hochgradig kunstvolles Spiel Julia Adrians Sprache da mit uns treibt. Sie erschafft Welten und doch ist einem als Leser der Blick auf das Ganze irgendwie verwehrt, bis sie selbst entscheidet, wann sie das Geheimnis auflösen möchte. So beschreibt sie eine Szene aus der Sicht der Fee, die den Turm betritt und "sie" dort sitzen sieht. Sie unterhält sich mit "ihr" und man versucht verzweifelt aus der Konversation und den Umständen herauszufinden, mit wem sie gerade spricht, wen die Fee denn nun vor sich hat - und erst am Schluss der Szene fällt es einem wie Schuppen von den Augen, jetzt hat man es, das letzte fehlende Puzzelteil. Das klingt jetzt vielleicht frustrierend für diejenigen, die Julia Adrians Schreibstil noch nie gekostet haben, aber das ist es nicht - im Gegenteil: es hält einen ständig auf Trab, sodass man das Buch eigentlich nie aus der Hand legen will, weil einem immerzu eine Frage unter den Nägeln brennt, weil man immer ein Rätsel hat, das es zu lösen gilt und nach dessen Auflösung man hungert. So etwas habe ich noch nie erlebt! 


Handlung  ♥♥♥♥♥

Die Handlung der Fee ist gar nicht so richtig in Worte zu fassen, denn der erste und der zweite Teil schließen sich so nahtlos aneinander an, dass ich gar nicht mehr so recht weiß, wo Anfang und Ende ist. Lilith befindet sich auf der größten Reise ihres Lebens, auf der Suche nach Rache und Liebe gleichermaßen trifft sie die Menschen, die sie früher gequält hat, persönlich und erfährt am eigenen Leib, was es heißt, unter der grausamen Herrschaft der Hexen zu leiden. Dabei stolpert sie von einer Bedrohung in die nächste, trifft eine Schwester nach der anderen, entschlüsselt ihr eigenes Geheimnis, das sie selbst längst vergessen hat und lässt den Leser dabei niemals los. Nie. Es gibt keinen richtigen Spannungsbogen, es fühlt sich mehr an wie eine riesige Sinuskurve, die einen immer wieder zwischen Gefahr und Erkenntnis hin und her wirft. Selbst die Szenen der Vergangenheit saugt man als Leser in sich auf, nicht nur, weil der grandiose Schreibstil einen dazu treibt, sondern auch, weil man mehr wissen will, weil man alles in sich aufsaugen will und endlich verstehen will, wie die Fee in die Situation gekommen ist, in der sie jetzt feststeckt. Es gibt keine langweiligen Klischees, keine Dinge, die irgendwie schon mal da gewesen sind und einen deswegen langweilen könnten. Für mich ist die gesamte Geschichte bis zum jetzigen Zeitpunkt komplett unvorhersehbar und darum so wahnsinnig faszinierend. Danke für dieses Kunstwerk, Julia!

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Die Magie, die mich schon beim ersten Teil der Fee so fasziniert hat, hat nun auch beim zweiten Teil Die Dreizehnte Fee - Erwachen komplett von mir Besitz ergriffen. Ein Buch wie dieses habe ich noch nie in den Händen gehalten und ich bin mir sicher, dass es auch in Zukunft kaum ein Buch geben wird, dass hier mithalten kann. Es ist einzigartig in seiner Geschichte, seiner Komposition, seiner Idee und Julia Adrians Schreibstil ist einfach unvergleichlich. Bitte hör niemals auf zu schreiben, bitte lass die Fee niemals enden, denn ich würde sie wirklich schrecklich vermissen! Und weil ich eben schon so viel geschwärmt habe, fällt mir jetzt nichts mehr ein. Die Dreizehnte Fee sollte jeder gelesen haben! Lieblingsbuch! Ende!


Spannung

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Romantik

Humor

Gewalt

Action



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liebe, make it count, oceanside, new adult, gefühlsgewitter

Make it count - Gefühlsgewitter

Ally Taylor
E-Buch Text: 196 Seiten
Erschienen bei null, 19.03.2014
ISBN B00J4Y44JG
Genre: Liebesromane

Rezension:

Make it count: Gefühlsgewitter (1)

Autor: Ally Taylor

Genre: Romance, Erotik, Slice of Life

Freigabe: Keine

Erschienen: 01.10.2015

Seiten: 272

Einband: Taschenbuch

Verlag: Knaur

ISBN: 978-3-426-51811-3

Preis: 8,99€


Rating: ♥♥



Inhalt

"Als Katie auf der Highschool den mysteriösen Bad Boy Dillen kennenlernt, zieht er sie an wie ein Magnet. Dabei war ihre Welt bisher alles andere als rosarot, denn seit dem plötzlichen Tod ihres Vaters lebt sie bei ihrer lieblosen Mutter in der Kleinstadt Oceanside. Dillen weckt in Katie eine nie gekannte Leidenschaft, und bald ist sie ihm mit Haut und Haaren verfallen. Obwohl Dillen sich zunächst kühl und abweisend gibt, verlieren sich die beiden in einem Strudel aus wilden Träumen und heißem Verlangen. Doch dann holt die Realität sie ein …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥

Wieder ein Fotocover, aber diesmal ein wirklich schönes! Ich liebe die Art und Weise, wie die Protagonisten in Szene gesetzt wurden: verträumt aneinandergeschmiegt, kurz bevor es zu einem lang ersehnten Kuss kommt - es spiegelt eine Szene im Buch so genau wieder, dass ich nur applaudieren kann. Das Schöne ist hier, dass durch die Darstellung der beiden Körper, ohne Abbildung Gesichts, genug Platz für die eigene Fantasie bleibt, sich die Charaktere selbst vorzustellen. Ich mag diesen voyeuristisch-vorsichtigen Blick von der Seite und musste während des Lesens immer wieder mal auf das Cover schauen, um meine Vorstellungen mit der Abbildung zu vergleichen. Dass die Kleidung der beiden genau zu dem passt, was auch im Text immer wieder beschrieben wird, finde ich hier ein schönes Schmankerl am Rande. Schönes Cover - ich mag's!


Charaktere  ♥♥

Katie Williams: Was soll ich sagen? Mit Katie wurde ich während des Lesens einfach nicht wirklich warm. Wir beide hatten eine schwierige Zeit miteinander. Zu Beginn der Geschichte finden wir Katie als ein seelisch vollkommen zerstörtes Mädchen vor, das die Welt nur durch einen grauen Schleier der Melancholie, Trauer und Gleichgültigkeit betrachtet. Ich weiß, was es bedeutet, einen wichtigen Menschen im Leben zu verlieren und ich kann sehr gut nachvollziehen, wie man sich dabei fühlt. Trotzdem war ich nach mehreren duzend Seiten nicht mehr ganz so verständnisvoll für die ewig andauernden, tristen Innensichten, ihr bockiges, abweisendes Verhalten gegenüber den Menschen um sie herum und vor Allem für ihr ewiges Selbstmitleid. Das übrigens wie weggeblasen ist, als sie dem unglaublich gut aussehenden Dillen in die Arme stolpert und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Innerhalb von wenigen Tagen (ich glaube, es waren ungefähr 3) entwickelt sich eine heiße, herzzerreißende Liebesgeschichte mit ihm, voller Drama und ... Tränen. Katie weint viel. Sie weint selbst dann, wenn sie gar keinen Grund dazu hat. Irgendwann ist es einfach auch Mal gut. Trotz ihrer stoischen, abweisenden Art und dem vielen Geweine schafft sie es trotzdem, dass sich nicht nur Dillen, sondern gleich noch drei weitere Männer für sie interessieren oder wahlweise verlieben. Kaum - und das sagt sie selbst - hat sie mit Dillen etwas mehr als 8 Sätze gesprochen, ist sie erfüllt von Liebe und bereit, am zweiten Tag mit ihm ihr erstes Mal zu erleben, denn sie haben einen ganzen Nachmittag zusammen mit Reden verbracht ... und deshalb ist er der Richtige. Ich konnte darüber nur den Kopf schütteln. Ich hätte es verstanden, wenn die Autorin zumindest längere, klar erkenntliche Zeitsprünge von mehreren Wochen eingebaut hätte, aber so...? So wirkte es über alle Maßen unglaubwürdig.


Dillen Walker: Vom ersten Moment an ist er Katies Objekt der Begierde ... ja, gerade zu Obsession. Er ist ein unnahbarer Typ mit undurchdringlichem Blick, leicht nach unten verzogenen Lippen und einer traumhaft-muskulösen Statur. Doch natürlich verbirgt sich hinter seiner harten Schale nicht nur ein weicher Kern, sondern auch ein so dunkles Geheimnis, dass er die ganze Liebesgeschichte mit Katie nicht wirklich an sich heranlassen kann. Eigentlich ist er ein richtiger Womanizer, der gerne auch Mal für eine schnelle Nummer offen ist, aber die kurze Bekanntschaft mit Katie scheint ihn so zu berühren, dass er in ihr nicht nur Fleisch, sondern eine Frau sieht. Er hat einen außerordentlichen Beschützerinstinkt und eine in sich brodelnde Wut, die manchmal ganz unvorbereitet hervorbricht. Ein Herzensbrecher sondergleichen. Ich mochte ihn gern, aber er hat mich nicht wirklich überzeugt oder überrascht. Für ihn gilt das selbe, wie für Katie: nach ein paar kurzen Tagen, ein paar wenigen gewechselten Sätzen verliebt er sich Hals über Kopf und ist bereit, alles für sie zu tun. Gerne will ich an Liebe auf den ersten Blick glauben, aber so schnell ... geht das mit der Liebe und dem Vertrauen dann doch wieder nicht.


Andrew MacDougall: Und wieder mal ist es der Side-Kick, der mein Leserherz in Flammen setzt und nicht nicht die Erscheinung des eigentlichen Helden. Irgendwie passiert mir das ständig! Andrew ist Katies Stiefbruder, der Sohn ihres Stiefvaters und somit nicht mit ihr verwandt. Trotzdem leben sie gemeinsam mit der Familie in dem riesigen Familienanwesen und freunden sich gleich am ersten Abend an. Andrew kifft, säuft und steht auf illegale Autorennen, aber im Umgang mit Katie ist er ein wahrer Gentleman und zeigt seine wahre, weiche, fürsorgliche Seite. Im Gegensatz zu Dillen ist er stets gut gelaunt (was vielleicht oder vielleicht auch nicht an seinem Marihuana-Konsum liegen könnte), immer für Katie da und sieht dazu auch noch wahnsinnig gut aus. Natürlich verliebt er sich schon innerhalb der ersten zwei Tage Hals über Kopf in seine Stiefschwester, ist stets da, wenn sie jemanden zum Reden oder Weinen braucht und kümmert sich liebevoll. Gleich von Anfang an bietet er ihr seine Nummer mit den Worten 'Wo immer du auch bist, ich bin nur einen Anruf entfernt'. Wirklich ein lieber Kerl, der aber im Vergleich zu Dillen für Katie absolut uninteressant ist. Schade. Aber es wäre vielleicht einfach zu einfach gewesen!


Schreibstil  ♥♥

Zuerst dachte ich: Wow! Was für eine tolle, bildgewaltige Sprache mit tollen Beschreibungen von Gedanken und Gefühlen, genauso, wie ich es am liebsten habe! Wirklich, Ally Taylor Schreibstil ist toll und hat ein großes Potential. Aber schon nach wenigen Seiten habe ich gemerkt, dass sich die schönsten (und manchmal auch die nichtigsten) immer und immer wiederholt haben. Immer das Ziehen in ihrem Bauch, immer seine Hände auf ihrem Körper, immer und immer wieder das selbe Bild, wie Lippen aneinander saugen oder sich Tränen in ihren Augen sammeln. Manche Formulieren kamen sogar drei oder vier Mal auf gleiche Weise oder nur leicht abgewandelt vor, sodass ich mir gegen Ende des Buches wirklich ein bisschen blöd vorkam und mich fragte, ob ich mir das vielleicht nur einbildete. Aber nein: Wiederholungen über Wiederholungen. Es ist, als habe die Autorin diese paar Formulierungen auswendig gelernt, um sie immer dann rauszuholen, wenn ihr gerade die Worte fehlen. Schade eigentlich, denn ich glaube, es gibt genug Worte auf der Welt, um das Liebesspiel zwischen zwei Menschen zu beschreiben, wenn auch niemals die richtigen, um es in all seiner Tiefe zu erfassen. Schade...


Handlung  ♥♥

Für einen Liebesroman ist die Handlung sehr typisch und klischeebehaftet (daraus wird allerdings auch im Anhang des Buches kein großer Hehl gemacht, denn dort steht eigens geschrieben: "Ally Taylor ist die, die [...] im Klischee badet [...]." S. 265). Wie ich weiter oben schon angemerkt habe, verlieben sich die beiden Protagonisten auf den ersten Blick in einander und binnen weniger Tage geht es Schlag auf Schlag: ein Drama folgt auf das nächste, dann das erste Mal, dann der große Showdown mit Eifersuchtsszene, dann die schöne, romantische Versöhnung. So sind die meisten Bücher des Genres aufgebaut und für gewöhnlich habe ich damit auch kein großes Problem, solange es zumindest glaubwürdig bleibt. Die Tatsache, dass sich die komplette Handlung innerhalb von drei bis vier Tagen abspielen soll, da keine anderen zeitlichen Angaben gemacht wurden, und Katie schon nach 8 mit Dillen gewechselten Sätzen der Meinung ist, dass er der Mann fürs Leben ist, das kam mir so aus der Luft gegriffen vor, dass ich eher enttäuscht als beglückt zurückblieb. Auch, dass Katie - trotz dem sie mir schrecklich unsympathisch war - gleich drei Männern einen Korb geben musste trug nicht gerade zur Glaubwürdigkeit des Romans bei. Es war dann doch ein bisschen too much.


Gesamtwertung ♥♥

Ich hatte keine übermäßigen Erwartungen bei diesem Roman, das muss ich zugeben. Trotzdem hat er mich mit seiner übertriebenen Unglaubwürdigkeit, seiner unsympathischen Protagonistin und dem für mich viel zu schnellen Handlungsablauf trotzdem eher enttäuscht. Liebe auf den ersten Blick schön und gut, aber doch sollte man auch hier die Grenzen der Realität nicht überschreiten. Ich denke, für Leser, die sich gerne in Klischees verlieren (was ich ja auch gerne mal tue), sich von Romantik, Drama und Herzschmerz mitreißen lassen und sich dabei nicht von den Wiederholungen in der Beschreibung stören lassen, für die ist es bestimmt ein toller Roman für Zwischendurch. Auch ich habe das Buch interessiert verfolgt und musste gegen Ende feststellen, dass ich bei der finalen Versöhnung doch ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte, weil es irgendwie niedlich war. Auf jeden Fall sollte man hier nicht das größte romantische Abenteuer des Jahres erwarten.


- Eure Bücherfüchsin

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träume, silber, kerstin gier, liebe, fantasy

Silber - Das dritte Buch der Träume

Kerstin Gier
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 08.10.2015
ISBN 9783841421685
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Silber - Das dritte Buch der Träume

Autor: Kerstin Gier

Genre: (Low-)Fantasy, Romantik

Freigabe: Jugendbuch (ab 14 Jahren)

Erschienen: 08.10.2015

Seiten: 464 

Einband: Hardcover

Verlag: Fischer Verlag

ISBN: 978-3-8414-2168-5

Preis: 19,99€ (D) / 20,60€ (A)


Rating: ♥♥♥


Klappentext

Der Korridor mit seinen verschiedenfarbigen Türen und dem sanften Licht hätte heiter und friedlich wirken können, aber das tat er nicht. Die Stille hatte etwas Lauerndes, und es war nicht auszumachen, von wo das Licht überhaupt kam. Trotzdem liebte ich diesen Ort und die Vorstellung, dass hinter jeder der Türen eine andere Seele träumte, und alle Menschen auf der Welt durch dieses Labyrinth miteinander verbunden waren. Es war ein magischer Ort, geheimnisvoll und gefährlich...


Inhalt

"Es ist März, in London steht der Frühling vor der Tür – und Liv Silber vor drei Problemen. Erstens: Sie hat Henry angelogen. Zweitens: Die Sache mit den Träumen wird immer gefährlicher. Arthur hat Geheimnisse der Traumwelt ergründet, durch die er unfassbares Unheil anrichten kann. Er muss unbedingt aufgehalten werden. Drittens: Livs Mutter Ann und Graysons Vater Ernest wollen im Juni heiraten. Und das böse Bocker, die Großmutter von Grayson, hat für die Hochzeit ihres Sohnes große Pläne, allerdings ganz andere als die Braut. Liv hat wirklich alle Hände voll zu tun, um die drohenden Katastrophen abzuwenden …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥

Das Cover des dritten und letzten Teil der Silbertrilogie ist wirklich hübsch anzuschauen. Der silbern glänzende Einband sieht aus, als sei er wahrhaftig aus flüssigem Silber gegossen, und fühlt sich angenehm glatt an. Ich mag die Farbkombination der darauf abgebildeten Eidechse ("Barcelona"!) - schwarz und rot - in Kombination, weil es nicht mit dem silbernen Hintergrund konkurriert. Trotzdem finde ich, dass es, trotzdem es ein Eye-Catcher für Kunden ist, einfach ein bisschen nach 'too much' aussieht. Auf Dauer ist das glänzende Silber sehr anstrengend anzuschauen und hat nichts von den angenehm-träumerischen Farben seiner Vorgänger (Schwarz und Türkis). Apropos Türkis: Nimmt man den silbernen Umschlag ab, befindet sich darunter das Hardcover in wunderschönem matt-hellem Türkis, mit einer darauf abgebildeten Fee, die wirklich wunderschön aussieht, mit dem Inhalt des Buches aber komischerweise nicht wirklich in Verbindung steht ... deswegen nur 4 von 5 möglichen Punkten von mir. 


Charaktere  ♥♥♥

Liv Silber: Ich mochte Liv Silber vom ersten Buch an. Sie ist aufgeweckt, etwas verrückt und ganz frei Schnauze, genau wie ich es am liebsten habe. Zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester Mia, ihrem Kindermädchen Lottie und ihrem Hund Buttercup ist sie schon um die halbe Welt gereist, doch inzwischen in London gelandet und wohnt seitdem mit dem Verlobten ihrer Mutter und seinen zwei Kindern, Grayon und Florence, unter einem Dach. Es ist wirklich herrlich zu beobachten, wie sich Liv, die schon immer etwas anders war, in der Schule einlebt, die einzigartigsten Bekanntschaften macht und die düsteren Geheimnisse des Traum-Korridors enthüllt. Leider hatte ich gerade im langersehnten dritten Band das Gefühl, Liv schlagen - oder zumindest wachrütteln - zu müssen: Sie verhält sich ungewohnt passiv und während ihr Freund Henry, ihre Schwester Mia und ihr Stiefbruder Grayson nicht nur alles für sie tun, sondern auch noch alle Geheimnisse ohne sie herausfinden, um sie ihr fertig auf dem Serviertablett zu präsentieren, rührt Liv in diesem Band kaum selbst einen Finger. Alles lässt sie sich vorkauen, ist im Fall einer Bedrohung so gelähmt, dass sie sich nicht Mal bewegen kann und schafft es nicht mal, einen dämlichen Krankenwagen selbst zu rufen, wenn es nötig ist. Hinzu kommt ihr merkwürdiger Stolz an den falschen Stellen, der sie wirklich dumme Dinge zu dummen Zeiten sagen lässt und der es ihr offenbar verbietet, ihren Stiefbruder Grayson zumindest mit einer Umarmung zu zeigen, wie gern sie ihn hat, obwohl sie mehr als einmal das Bedürfnis dazu hat! Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Wo ist die wissbegierige, starke, zielstrebige Liv der ersten beiden Teile hin?


Henry Harper: Das ewige Hin- und Her zwischen Liv und ihm war zwar nie so schlimm, wie in anderen Büchern dieser Fraktion, aber nichtsdestotrotz war mir Henry immer suspekt. Und warum? Weil er einfach ... abgrundtief ... wirklich ... unfassbar perfekt ist. Er sieht gut aus, ist Teil des beliebten Sportlerteams der Schule, ist lieb und zuvorkommend, hat eine zerrüttete Familie, weshalb er sich rührend um seine beiden jüngeren Geschwister kümmert (er geht mit seiner 4-jährigen Schwester zum Kinderschwimmen. Also wenn das mal nicht perfekt ist!), hat einen ausgiebigen Beschützer-Instinkt, ohne dabei zu aufdringlich zu sein, manchmal ist er geheimnisvoll, er weiß, wann er am besten schweigt und wann er die richtigen Dinge sagen muss. Bis zum Schluss des letzten Buches habe ich damit gerechnet, dass sich Henry als psychopathischer Mörder oder boshafter Drahtzieher hinter der ganzen Sache entpuppt, doch Fehlanzeige! Selbst, als Liv im Begriff ist, ihn beinahe zu betrügen - wenn auch nur im Traum -, ist er offen für ihre Gründe und super verständnisvoll. Das kann doch echt nicht sein! Dieser Mann hat keine Fehler - keine! Er ist nicht mal besonders temperamentvoll oder hat eine besonders merkwürdige Marotte - nichts! Gerade aus diesem Grund konnte ich ihn nicht NICHT mögen, aber er war auch nicht gerade mein Lieblingscharakter, einfach aus dem Grund, weil seine Romanze mit Liv einfach viel zu rund verlief. Vielleicht bin ich aber auch nur verwöhnt oder hatte falsche Erwartungen seit dem letzten Teil. Weil es zwischen den beiden so gut läuft, konzentriert sich das dritte Buch auch kaum auf die Beziehung der beiden, sondern eher auf alles andere.


Arthur Hamilton: Arthur, Arthur. Seit dem ersten Band stand er bei mir unter Generalverdacht, was sich bis zum Schluss wohl auch wirklich ausgezahlt hat. Als Henrys und Graysons ehemaliger bester Freund ist er Dreh- und Angelpunkt von (fast) allem Bösen und Gemeinen, was so vor sich geht. Zumindest nimmt er kein Blatt vor den Mund es immer wieder selbst zu beteuern. Er ist gutaussehend, einflussreich, durchtrieben und - meiner Meinung nach - irgendwie psychisch gestört, nach all dem, was er sich schon geleistet hat. Seine gemeinen Sticheleien haben meinen Sinn für Gerechtigkeit nicht nur einmal heftig gekitzelt und ich hätte ihm am Liebsten eigenhändig die Ohren langgezogen. Allerdings fand ich auch, das sein ewiges Fies-Sein nicht gerade für Spannung gesorgt hat. Wenn etwas Schlimmes geschah, viel der Verdacht sofort auf ihn und wurde (allerdings nicht immer!) auch bestätigt. Irgendwann ist es auch mal gut mit Arthurs ewiger Giftspritzerei! Die ewige Schwarz-Weiß-Malerei, die in der Gegenüberstellung von Henry und Arthur betrieben wurde, ging mir irgendwann ziemlich auf die Nerven. Ein ganz passabler Bösewicht, aber eben einfach zu leicht zu durchschauen.


Grayson Spencer: Da es so viele Charaktere gibt, die es wert wären, sie hier genauer zu besprechen, habe ich mich dazu entschieden, zumindest noch meinen Lieblingscharakter nennen: Grayson. Oh man, ich liebe Grayson! Er ist nicht nur Florences Bruder, Livs Stiefbruder und Henrys bester Freund, er ist außerdem einfach zum Anbeißen knuddelig. Genau wir Henry spielt er im erfolgreichsten Sportteam der Schule, hat allerdings große Schwierigkeiten seine guten Noten zu halten, da er mit Sport und Traum-Magie schon ganz schön überfordert ist. Anders als die beiden Hauptcharaktere beherrscht er diese nämlich nicht halb so gut, weshalb er hart daran arbeitet, besser zu werden, um sich gegen Bedrohungen zu schützen. Aber leider fällt ihm das alles nicht so wirklich in den Schoß. Außerdem hat er täglich einen riesengroßen Appetit, ist ein wenig schusselig, aber wirklich sehr gutmütig und an den richtigen Stellen auch mal rasend vor Wut. Bis zum Ende des dritten Bands hätte ich schwören können, dass er ein Auge auf seine Stiefschwester geworfen hat, auch, wenn er es wohl niemals zugegeben hätte. Auch Widersacher Arthur macht Liv an einer Stelle aufmerksam: "Fühlt sich toll an, von gleich zwei Männern geliebt zu werden, hm?" - Leider wird der Faden mit Grayson nicht wirklich aufgegriffen, was ich sehr schade finde, da er mir als Livs Partner viel besser gefallen hätte. Aber naja! Wozu gibt es Fanfictions?


Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Kerstin Gier hat einen unvergleichbar locker-flockigen Schreibstil, der einfach nur dahingleitet, sodass man gar nicht bemerkt, dass man innerhalb weniger Stunden viele hundert Seiten verschlungen hat. Ihr wohl größtes Merkmal ist der zarte, für sie ganz eigene und typische Witz, den sie in ihren Erzählungen an den Tag legt, der einem die Charaktere näher bringt und einem immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Sie versteht es, Spannung aufzubauen und selbst dort, wo gerade keine Spannung herrscht, eine Sucht nach dem Text zu generieren, die einen unerbittlich immer weiter lesen lässt. Wie war das noch mit Lottie und Charles? Oder die morgendlichen Besuche von das Bocker? Ich hätte mich ewig in den kleinen Szenen zwischen der eigentlichen Handlung aufhalten können und es wäre mir gar nicht aufgefallen, dass ich bereits über 400 Seiten gelesen habe. Einfach herrlich! Eine Eigenheit, die sie dabei auffälligerweise immer wieder verwendet, sie die teilweise Seitenlangen einschübe, in denen sie, wie beiläufig, die wirklich wichtigen und spannenden Informationen fallen lässt. Ein Beispiel: Liv sitzt mit ihrer Familie und der schrecklichen Großtante ihrer Stiefgeschwister (das Bocker) am Tisch und unterhält sich über eine bevorstehende Hochzeit - und plötzlich gleitet sie in Gedanken an die letzte Nacht und die Geschehnisse werden uns nicht gleichzeitig, sondern rückwirkend erzählt. Wie sie durch den Traum-Korridor geschlichen ist. Wie sie Arthur getroffen hat. Wie sie sich mit Henry und Grayson besprochen hat. Seitenweise, bis man vergessen hat, das Liv ja eigentlich noch am Küchentisch sitzt. Und dann wird man plötzlich durch eine Bemerkung eines anderen Charakters wieder in das aktuelle Geschehen zurückgeholt. Von dieser Erzähltechnik war ich wirklich sehr fasziniert, auch wenn sie mir ab und zu wirklich auf die Nerven ging. Wenn ich zum Beispiel das Geschehen in der Gegenwart beobachten wollte und dann ein Einschub kam, um Spannung aufzubauen ... grr. Cliffhanger der anderen Art - aber gut!


Handlung  ♥♥

Von der Handlung an sich war ich wirklich sehr enttäuscht - und als ich das Buch endlich zuklappen konnte, hallte nur eine einzige Frage in meinem Kopf wieder: Das wars jetzt oder wie? Die oben schon genannte Passivität der Hauptperson, durch deren Augen man gezwungen war, alles zu beobachten, ließ einen kaum wirklich am Geschehen teilhaben. Es gab kaum Plot-Twists und der - zugegebenermaßen - vorhandene Spannungsbogen verpuffte in einer in 20 Seiten kurzen Szene, die weder besonders action-, spannungs- oder erkenntnisgeladen war. Das Buch strotzte vor Wiederholungen der letzten beiden Teile, es gab keine großen Intrigen, keine dramatischen Wendungen, kaum Streits und selbst die gruselige 'unbekannte' Bedrohung war sehr schnell zu durchschauen. Von einem Buch, das derart beworben wurde und sich 'das große Finale' nennt, hätte ich doch durchaus mehr erwartet als nur ein bisschen Charakter-Konturierung, Ratespiel und relativ unspektakulärer Abschlussszene. Es gab nicht einmal einen Höhepunkt und wenn ich die Handlung nun in den wichtigsten Stichpunkten wiedergeben müsste, dann könnte ich es wahrscheinlich in drei Worten. Schade! Auch die irgendwie konstruiert wirkende Beziehungsproblematik um Livs erstes Mal war nicht nur nicht nachvollziehbar und irgendwie nervig, sondern in ihrer Auflösung sofort gegessen - und obwohl ihr erstes Mal durch das Buch hinweg groß aufgebauscht und angekündigt wird, bekommen wir am Ende nicht mal in einem einzigen Satz erklärt, ob es denn nun dazu gekommen ist oder nicht. Aber so perfekt wie Henry ist, war es wahrscheinlich das beste erste Mal in der Geschichte der Geschichten! 


Gesamtwertung ♥♥♥

Versteht mich nicht falsch, ich habe das Buch wirklich sehr genossen und ich finde auch, dass sich das Lesen gelohnt hat. Trotzdem war ich - angesichts der großen Werbung im Vorhinein und der rasanten Story der anderen Teile - mehr als nur enttäuscht über das, was ich am Ende geboten bekommen habe. Für mich fühlt sich der dritte Teil nicht an, wie ein vollwertiger Abschlussband, sondern eher wie eine Zusatznovelle mit Geschichten aus der Traumwelt, sozusagen ein langersehntes Wiedersehen mit längst verloren geglaubten Charakteren. Mit der Hoffnung auf einen epischen Endkampf, der die beiden Vorgänger weit übertreffen würde, blieb ich bis zum Schluss am Ball und am Ende irgendwie frustriert zurück. Zwar hat es Spaß gemacht, die Geschichte zu verfolgen und die unzähligen, herzigen Charaktere dabei zu beobachten, wie sie miteinander interagieren, aber das war auch schon alles. Auch, wenn es kein schlechtes Buch ist - schon allein wegen Kerstin Giers flüssigem und witzigem Schreibstil - war ich am Ende mehr enttäuscht als befriedigt. Schade...


Spannung

♥♥

Romantik

Humor

Gewalt

Action




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dystopie, liebe, jugendbuch, die bestimmung, veronica roth

Die Bestimmung

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbt, 08.09.2014
ISBN 9783570309360
Genre: Jugendbuch

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