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49 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

dystopie, water love, drachenmond verlag, drachenmond, drachenmondverlag

Water Love

Marion Hübinger
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 27.02.2017
ISBN 9783959912587
Genre: Fantasy

Rezension:

Water Love

Autor: Marion Hübinger
Genre: Dystopie, Romantik
Erschienen: 27.02.2017
Seiten:
312
Einband:
eBook / Taschenbuch
Verlag: Drachenmond Verlag
ISBN: 978-3-95991-258-7
Preis: 12,90€ [Taschenbuch] | 3,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Der neunzehnjährige Bela erwartet nicht mehr viel vom Leben. Nicht, nachdem seine Eltern vor drei Jahren bei einem Flugzeugunglück umgekommen und sein Großvater Laszlo, ein berühmter Maler, aus Ungarn zu ihm gezogen war. Erst recht nicht in einer Zeit, in der jeder die drastischen Bedrohungen des Klimawandels nervös verfolgt und sich fragt, wie er überleben wird. Wer zu den Waters gehört, wird das Glück haben gerettet zu werden. Seit Bela zurückdenken kann, regieren die Waters das Land. Doch Bela ist ein Landers, einer, der dazu verdammt ist, an Land zu bleiben, sollte es zur Katastrophe kommen. Warum muss ausgerechnet er sich in eine Waters verlieben? Warum muss genau in dem Moment die Smogwelle über Kiel Alarmstufe ROT auslösen und ihn und Sintje viel zu schnell wieder trennen? Als Bela im Bunker festsitzt, fragt er sich jeden Tag, ob es eine Hoffnung für ihre Liebe geben wird …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥

Wie ihr wisst, isst das Auge bekanntlich mit - und so ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich Büchern mit einem für mich ansprechenden Cover sofort eine Chance gebe, während ich andere Bücher, deren Cover mich nicht so ansprechen, ohne zu Zögern ins Aus katapultiere. In diesem Fall war es ganz klar das Cover, das mich überzeugt hat, zuzugreifen. Wer mich schon länger verfolgt, der weiß, dass ich mit Covern ein großes Problem habe, die mir mit fotogenen Modelgesichtern meine eigene Vorstellung der Charaktere zerstören. Hier ist das glücklicherweise nicht der Fall! Und es hat nicht nur keine Modellvorlagen, es ist außerdem wunderschön. Die verträumte Bucht mit der untergehenden (oder aufgehenden?) Sonne, der Titel des Buches auf Sand gebettet und von der Sonne angestrahlt. Ich finde, wir haben es hier mit einem Cover-Meisterwerk zu tun, und ich hätte es vermutlich den liebenlangen Tag angestarrt, hätte ich Waterlove nicht als eBook gelesen. Meine Hochachtung an den Designer!

Charaktere  ♥♥

Bela:  Leider bedeutet auch ein schönes Cover nicht immer, dass ich mit dem Inhalt auch 100% zufrieden bin. Ein Grund dafür ist für mich der liebe Bela. Als einer der der beiden Hauptcharaktere, aus deren Sichtweisen die einzelnen Kapitel erzählt werden, war er mir einfach zu glatt. Der junge Künstler weist während des ganzen Romans keine großartigen Fehler auf: er ist höflich, freundlich und hat einen starken Überlebenswillen. Das ist leider auch schon alles, was ich über ihn sagen kann. Er wird leider kaum äußerlich beschrieben, außer, dass im Verlauf der Geschichte seine Haare länger werden und ihm ein Bart wächst, weiß ich nicht wirklich, wie ich ihn mir vorstellen soll. Dies kann vermutlich reizvoll sein, möglichst wenig Vorgaben geben einem schließlich auch möglichst viel Freiheit in der eigenen Fantasie. Dennoch fühlte sich Bela für mich auf diese Weise nur noch vergessenswürdiger an. Er hat keine Fehler, keine Macken, keine offenen Fehden, keine Geheimnisse, keine Schwachpunkte, bis auf ein Mädchen, dass er gerade ein paar Wochen kennt und in das er sich ganz offensichtlich verknallt hat. Zwar hat Bela auch einen besten Freund und einen Opa, an dem ihm sehr viel liegt, doch er ist ohne zu Zögern bereit, das Leben dieser beiden aufs Spiel zu setzen, um nach einem Mädchen zu suchen, das er kaum kennt und das höchstwahrscheinlich nichteinmal in Gefahr ist. Weil nach so kurzer Zeit die Liebe so groß ist, sein eigenes Leben zu riskieren. (Wenn man will, könnte man argmunentieren, dass Bela also sehr wohl einen Fehler hat. Der ist allerdings weniger charakteristisch als unglaubwürdig). Man könnte also sagen, Bela definiert sich in der kurzen Zeit, die man mit ihm hat, ausschließlich durch seine Verliebtheit (und vielleicht seine künstlerische Ader). Leider hat es nicht gereicht, mich zu berühren. Ich konnte mich meistens nicht mit seinen Entscheidungen identifizieren, noch hat mich sein Schicksal viel gekümmert. Denn oft dominierte nur der Gedanke: So würde sich im lebensbedrohlichen Ausnahmezustand doch niemand aufführen!

Sintje: Mit Sintje dagegen habe ich mich wesentlich besser vertragen. Sie mag sich zwar ebenso fehlerlos und rein anfühlen wie Bela, doch hat sie zumindest ein Temperament, das mir gefällt. Sie lässt sich nicht gerne was sagen, spricht ihre Meinung laut aus und gibt gerne Kontra. Sie macht Fehler, für die sie hin und wieder büßen muss. Trotz ihres Temperaments bleibt Sintje leider fürchterlich passiv und versinkt recht schnell in Resignation, findet sich mit ihrer Situation ab. Sie versucht weder, etwas an ihrer Situation zu ändern, noch Bela auf irgendeinem Weg zu kontaktieren oder etwas über seinen Verbleib herauszufinden, sie bleibt eifnach wo sie ist und findet sich ab. Gut, das würde ich an ihrer Stelle vermutlich auch tun - schließlich kennen sich die beiden ersten seit ein paar Wochen, warum also das Risiko auf sich nehmen? Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Bela bereits ein - in meinen Augen - schwacher Charakter ist, war Sintjes fehlender Tatendrang nur noch enttäuschender. Es fehlte einfach an Gründen, an Antrieb und Spannung für Sintje zu handeln. Das ist als weniger ihre Schuld, als die Schuld des sich in der Mitte des Romans schnell abbauenden Spannungsfadens.  annungs

Schreibstil  ♥♥♥

Marion Hübingers Schreibstil hat mich im Gegensatz zu ihren Charakteren überrauschend beeindruckt. Sie benutzt eine klare, moderne Sprache, wiederholt sich wenig und ist besonders gut darin, ihre apokalyptische Welt mit kleinen Details plastischer zu machen. Ich habe es wirklich sehr genossen, mir die Nachrichtenmaschinen und futuristischen Gerätschaften vorzustellen, die sie beschreibt, die Fachworte, die sie für bislang noch nicht existierende Dinge ihrer Welt erfindet. Ich konnte mich wunderbar einfühlen und mir diese Zukunft ausmalen, die sie mir präsentiert hat, denn sie fühlte sich absolut legitim an. Leider gab es auch einige Ungereimtheiten, die mir zwischenzeitlich aufstießen. So glaube ich kaum, dass die Weltbevölkerung auf 3 Millionen Menschen hinabsinken kann, ohne, dass das Folgen auf Ökologie und Lebensweise der Menschen hat. Die Anzahl der Bewohner der Stadt Berlin allein auf der Welt ... das wäre kaum vorstellbar, alles müsste anders funktionieren. Doch die Beschreibung der Endzeit bleibt auch hier wie auch an manchen anderen Stellen des Romans inkonsequent durchgesetzt. Die Menschen scheinen weit weniger Maschinen zu gebrachen, als sie es in der Gegenwart tun, dabei wissen wir alle, wie abhängig wir inzwischen von den medialen Welt sind. Die Wahrscheinlichkeit, das dies in Zukunft - ohne genannten Grund - zurück geht, halte ich für nicht gegeben. Hinzu kommt, dass ich den Versuch, moderne gesprochene Sprache in einen Text zu übertragen, zwar mutig finde, es mich jedoch immer wieder unangenehm zusammenzucken ließ, wenn ein Charakter voll lässig daherredete. Das ist allerdings mein ganz persönlicher Geschmack (wie eigentlich alles an dieser Rezension).

Handlung  ♥♥♥

Die Handlung des Romans empfand ich als wechselartig. Zu Beginn ging mir alles etwas zu schnell. Die Annährung der beiden Protagonisten war nett, aber weder besonders spektakulär oder mitreißend, noch besonders nachvollziehbar. Wie bereits oben erwähnt, scheinen die beiden schon nach ganz wenigen Annäherungen bis über beide Ohren verliebt und verhalten sich gerade gegen Ende hin, als seien sie bereits seit mehreren Jahren ein liebendes Paar. Es gibt Liebesgeschichten, die lassen mein Herz höher schlagen und meine Hände feucht werden und zaubern mir ein verliebtes Grinsen aufs Gesicht, weil ich das Gefühl habe, die Emotionen der Charaktere absolut mitempfinden zu können. Im Falle von Water Love blieb das Feuerwerk leider aus. Und auch die Frage, ob die beiden sich wiedersehen oder nicht, ob sie zusammen kommen oder nicht, hat sich mir nur mit einem Achselzucken gestellt. Schließlich war von Anfang an klar, auf was das Ende hinaus laufen würde. Ich hatte zu Beginn kaum Zeit, die beiden kennenzulernen und mit ihnen eine Liebe aufzubauen - ebenso wenig wie sie in der Realität wahrscheinlich in der Lage gewesen wären, eine Liebe zueinander aufzubauen. Der Mittelteil des Buches zog sich dagegen eher dahin, die Beschreibungen des Bunkers waren zwar spannend und gut und realistisch, doch Belas unvernünftiges, unnachvollziehbares Verhalten war mit der Zeit nervenaufreibend, vorallem, da seine Initiative auf sich warten ließ. Gegen Ende hin wurde es für ihn viel zu leicht und das Ende fühlte sich wenig überraschend an, sondern erinnerte dafür sehr stark an bereits exisiterende Bücher des Genres. Trotzdem habe ich mich am Ende dabei erwischt, wie ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte, als die Spannung dann endlich kam und mich in ihren Bann schlug.

Gesamtwertung ♥♥♥

Würde man mich auffordern, direkt mit einem Wort zu beschreiben, wie ich Water Love fand, würde ich sagen: okay. Trotz seiner absolut schwachen und leider weniger erinnerungswürdigen Charaktere, ein paar logischen Ungereimheiten und einem eher langatmigen Mittelteil, hat mich der Großteil des Romans doch irgendwie unterhalten. Besonderen Spaß hatte ich an den Beschreibungen der dystopischen Welt, die auf diese Weise sicherlich noch nicht existiert, und vor allem vollkommen nachvollziehbar dargestellt wird. Hier punktet Marion Hübinger besonders mit ihrer detaillierten und kreativen Sprache. Außerdem haben es der Beginn und der Schluss der Geschichte geschafft, mich mit ihrer Spannung zu packen, ich kann also sehr wohl sagen, dass mich das Buch gut unterhalten hat. Ich hätte mir nur gewüscht, dass mehr Zeit darauf verwendet worden wäre, die beiden Charaktere und ihre Beziehung zueinander ordentlich einzuführen und auszugestalten, damit ich als Leserin in irgendeiner Weise mit ihnen verbunden bleibe.


Spannung ♥♥
Romantik

Humor

Gewalt

Action

 
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67 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

familie, österreich, indigo, mysteriös, suhrkamp

Indigo

Clemens J. Setz
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.11.2013
ISBN 9783518464779
Genre: Romane

Rezension:

Indigo

Autor: Clemens J. Setz
Genre: Postmoderne Literatur, Metafiktion, Mystery
Erschienen: 29.09.2016
Seiten:
 479
Einband:
Hardcover / Taschenbuch / eBook
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN:
978-3-518-42324-0
Preis:
22,95€ [Hardcover] | 10,99€ [Taschenbuch]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Im Norden der Steiermark liegt die Helianau, eine Internatsschule für Kinder, die an einer rätselhaften Störung leiden, dem Indigo-Syndrom. Jeden, der ihnen zu nahe kommt, befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Der junge Mathematiklehrer Clemens Setz unterrichtet an dieser Schule und wird auf seltsame Vorgänge aufmerksam: Immer wieder werden Kinder in eigenartigen Maskierungen in einem Auto mit unbekanntem Ziel davongefahren. Setz beginnt, Nachforschungen anzustellen, doch er kommt nicht weit; er wird aus dem Schuldienst entlassen. Fünfzehn Jahre später berichten die Zeitungen von einem aufsehenerregenden Strafprozess: Ein ehemaliger Mathematiklehrer wird vom Vorwurf freigesprochen, einen Tierquäler brutal ermordet zu haben." - Quelle: Verlag

Weihnachten und Literaturwissenschaft

Hallo meine lieben Bücherfüchse,

ich hoffe ihr genießt eine wunderbare Vorweihnachtszeit, trinkt viel Tee, lest viel und lasst euch von der Kälte nicht die Laune verderben. Ich melde mich heute mit einem Buchprojekt zurück, das ich im Rahmen meines Germanistik-Masterstudiums genauer untersucht habe. Da ich seit neustem in Wien wohne, lerne ich in letzter Zeit mehr und mehr die Vorzüge der Österreichischen Literatur kennen - und Clemens J. Setz ist ein Name, den man sich noch eine ganze Weile merken sollte. Gerade in Sachen Literatur fällt mir eine nach meinen klassischen Regeln geartete Bewertung eher schwer, weshalb ich in solchen Fällen gerne mit meinen Konventionen brechen würde. Ich werde die Rezension also nicht nach Cover, Charaktere, Schreibstil und Handlung aufteilen, sondern mich auf andere Aspekte konzentrieren, die mir wichtiger erscheinen. In der Literatur geht es nicht immer um den sinnigsten Inhalt, den melodischsten Stil oder die mitreißendsten Charaktere. Besonders in der modernen und postmodernen Literatur (im deutschsprachigen Raum) sind Experimente und Querdenkerei an der Tagesordnung. So muss ich mich also den Strömungen anpassen. Gerade solche Texte sind für eine wissenschaftliche Untersuchung besonders interessant - ob sie mir gefallen oder nicht kann ich in solchen Fällen dann nur selten genau sagen. Bitte bedenkt auch, dass es sich hier ganz allein um meine Meinung als Literaturwissenschaftlerin handelt und dass diese mit eurem Geschmack nicht übereinstimmen muss. Ich rate dennoch dazu, sich ab und zu einem Selbstexperiment zu unterziehen und der modernen Literatur eine Chance in der Welt des Populären einzuräumen, so experimentell sie auch sein mag. 

"Irgendwann gewöhnt man sich gegen alles"

Clemens J. Setz Roman Indigo präsentiert sich als gnadenlos kafkaesk konstruiertes Versatzstück realer und fiktiver Quellen, die dem Leser auf der Suche nach der Wahrheit niemals volle Befriedigung gewährt.Unter diesen Umständen gestaltet sich eine textnahe Zusammenfassung des Inhalts ebenso unbefriedigend wie unzureichend, wenngleich auch schnell geschaffen: Thema des Buches sind die sogenannten „Indigo-Kinder“. Basierend auf der esoterischen Theorie von Nancy Anne Tappe, nach der jeder Mensch von einer farbigen Aura umgeben sei und eine Gruppe von auserwählten Kindern von einer ebensolchen in indigoblau, haben die Indigo-Kinder in Setz Roman eine seltsame und direkte Auswirkung auf ihre Umgebung. Jeder, der sich ihnen nähert, erfährt nach wenigen Minuten heftige Kopfschmerzen, Brechreiz, Hautausschläge und Durchfall – selbst ihre Eltern. Um dieser krankmachenden Wirkung auf den Grund zu gehen, sie zu studieren, sie sich zu Nutze zu machen und die Gesellschaft vor ihrem Einfluss zu schützen, werden diese Kinder in einer Sondererziehungsanstalt im fiktiven Helianau untergebracht und schließlich „reloziert“ – das heißt sie verschwinden. Ein paar spärlich gesäte Hinweise lassen vermuten, dass man ihre „Einflusszone“ dazu nutzt, um bei anderen Menschen – in Gefängnissen beispielsweise – gezielt folterartige Zustände herbeizuführen, oder für beinahe okkultistische Zwecke zur Selbstmarterung innerhalb sektenartiger Strukturen benutzt werden.

Form und Aufbau

Der Roman spaltet sich dabei lose in zwei Zeit- und Erzählebenen, die sich gegenseitig abwechseln. Mittelpunkt der ersten Ebene ist Clemens J. Setz, Alter Ego des gleichnamigen Autors, der Ermittlungen über die Indigo-Kinder, ihre Wirkung und ihr Schicksal im Helianau Institut anstellt. Diese Zeitebene ist nicht chronologisch angeordnet: Sie beginnt zu Anfang seiner Recherchebemühungen, wird dann durch eine Art Flashback in die Vergangenheit unterbrochen, in der Clemens Setz Lehrpraktikant für Mathematik im Helianau Institut zum ersten Mal mit den Indigo-Kindern in Berührung kommt, und wird schließlich wieder in die erste Zeitebene zurückgeführt. Die zweite Realitätsebene wird von einem personalen Erzähler geführt, der den Alltag des ehemaligen – ausgebrannten – „Indigo“ Robert Tätzel schildert. Zeitlich ist dieser Erzählstrang im Vergleich zur ersten Erzählebene weit in der Zukunft angesetzt; einer Zukunft, in der die Augmented Reality die Welt beherrscht, virtuelle Zeitungen unsichtbar und unauffindbar werden, und die Bevölkerung von sogenannten iBalls unter ständiger Beobachtung steht.

Intertextualität und Fiktion

Unterbrochen werden die beiden Erzählebenen durch eine Sammlung diverser faksimileartiger Dokumente wie Briefe, Klappentexte oder Sekundärtexte, die versuchen, die wahre Existenz des Indigo-Phänomens mit stichhaltigen Beweisen hinreichend zu belegen – um auf diese Weise einen unkritischen Leser vom Wahrheitsgehalt des Romans zu überzeugen, oder einen kritischen Leser zur eigenen Recherche anzutreiben. So ergeben sich die meisten Quellenangaben als schlichtweg inexistent – an einer Stelle ist beispielsweise von einer Kalendergeschichte Johann Peter Hebels die Rede, die realitätsgetreu in Frakturschrift verfasst und unter dem Titel „Die Jütterin von Bonndorf“ aufgeführt ist, sich jedoch als reine Erfindung herausstellt. Die Suche nach anderen, nicht im Roman aufgeführten Quellen zum Konzept „Indigo“ verschaffte der Frustration eines wissbegierigen Lesers zumindest Linderung: Die als Urquelle bezeichnete (und bereits 2012 verstorbene) Dame Nancy Anne Tanne besitzt gar eine eigene Website (www.nancyanntappe.com) und einen Blog zum Thema Indigo (www.allaboutindigos.com) und im deutschsprachigen Raum wird das Thema der Indigo-Kinder von einem Esoterik-Blog (www.bunkahle.com) erwähnt und mit Literaturhinweisen hinterlegt. Auch das populäre Online-Nachschlagewerk Wikipedia führt einen
Artikel über das Phänomen; die in den Fußnoten angeführten Links zu weiterführenden Quellen führen inzwischen jedoch alle ins Nichts, zu nicht mehr existierenden Seiten, ganz so als handle es sich beim Indigo-Begriff um einen kurzen und inzwischen verrauchten Trend. FAZ-Redakteur Jan Wiele nennt es sehr passend: „man könnte sich kaputtgooglen“ (2012). Denn nicht nur die oben genannten Interventionen gefälschter Quellenangaben regen zur Überprüfung an, auch die innerhalb der Kapitel aufgeführten Exkurse über merkwürdige Phänomene wie einer Maus mit einem angewachsenen menschlichen Ohr auf dem Rücken, der einsamsten Telefonzelle der Welt, zwei russischen Hunden im Weltall oder der wahren Entstehungsgeschichte der Glühbirne (ein Exkurs, der einen zum Schluss des Romans wahnsinnig ungeduldig werden lässt), lassen einen modernen Leser nur allzu oft das Handy in die Hand und die Suchmaschine Google zu Rate ziehen. Dabei stößt man gleichwohl auf Wahrheiten und Unwahrheiten, wie auf geschickt in das erzählerische Gewebe eingefügte Halbwahrheiten: aus dem Zusammenhang gerissene Fotos und Namen, entfremdet und fehl am Platz und doch keine Fremdkörper, denn gäbe es das Internet nicht, würde der Fehler in der Matrix vielleicht nicht einmal jemandem auffallen. Es fühlt sich an, als würde der Text seinen Leser stetig an der Nase herumführen und ihm seine eigenen Grenzen unaufgefordert und kaltblütig aufzeigen: Wie abhängig wir vom heutigen Internetmedium sind. Wie lückenhaft unser Allgemeinwissen ist. Wie leicht es ist, Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten in ein und demselben Text zu verweben, bis ein zweifelhaft unzweifelhaftes Konstrukt entsteht, dem ganz ungeniert auf den Leim gegangen werden kann. Wie viel Zeit Autor Clemens Setz auf die Ansammlung (unnützen) Wissens verwendet haben muss, um ein derart informationsdichtes Textgewebe zu schaffen.

Meinung

Gerade die vielen, unnötig erscheinenden Exkurse, die stets abschweifenden Gedanken der beiden Protagonisten Setz und Tätzel, machen es einem oft schwer, dem eigentlichen Plot – sollte es so etwas überhaupt geben – zu folgen und wichtige sowie interessante Fakten über das eigentliche Thema, nämlich die Indigo-Kinder und ihr Verschwinden, im Kopf zu behalten. Ebenso wie die Figur Clemens Setz möchte man mehr über diese mysteriöse Krankheit erfahren, die Kinder befällt und Familien zerstört, doch sobald die Dialoge an den Rand konkreter Informationen und Aussagen schwappen, brechen die Figuren entweder mitten im Satz ab, weil sie sich nicht weiterzusprechen trauen, oder das Gespräch wird durch einen inneren Monolog seitens des Protagonisten unterbrochen. Auf diese Weise kommt der Leser nur bruchstückhaft voran, setzt sich auf knapp 500 Seiten sein Bild von der Wahrheit puzzelteilweise zusammen und muss am Ende doch feststellen, dass das große Ganze, die Antwort auf die Frage nach dem „Was genau ist da nun eigentlich passiert?“, noch immer von schwarzen Löchern des Nicht-Wissens zerfressen bleibt. Frustriert denkt er sich dann: „l’art pour l’art“, denn bestimmt geht es überhaupt gar nicht um den Inhalt. Nicht wahr, Herr Kafka?


Kurz:  Spannend, frustrierend, anstrengend, unbequem, zerpflückt, zerschunden, geflickt, verbunden. Wer dieses Buch durchhält, hat viel und nichts gewonnen.  Ich rate hier zum Selbstexperiment!

- Eure Bücherfüchsin

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1.424 Bibliotheken, 43 Leser, 2 Gruppen, 259 Rezensionen

dystopie, flawed, cecelia ahern, jugendbuch, fehlerhaft

Flawed – Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 29.09.2016
ISBN 9783841422354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Flawed - Wie perfekt willst du sein? (1)

Autor: Cecilia Ahern
Genre: Jugendbuch, Utopie/Dystopie
Erschienen: 29.09.2016
Seiten:
480
Einband:
Hardcover [DE] / Taschenbuch [UK]
Verlag:
Fischer FJB [DE] / Harper Collins [UK]
ISBN:
978-3-8414-2235-4
Preis:
 18,99€ [DE] | 7,99£ [UK]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublich süßen Freund.Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte.Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über die Perfektion. Auch nicht die Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥


Wie ihr oben sehen könnt, habe ich die englische und nicht die deutsche Version des Jugendbuch-Debüts von Cecilia Ahern gelesen. Aus diesem Grund finde ich es nur richtig, hier das Cover der UK-Version zu bewerten; das deutsche habe ich euch für den direkten Vergleich jedoch unter diesem Beitrag abgebildet. Ich finde, es kommt in keiner Weise an die Qualität des Originals heran. Das liegt für mich - allem vorran - an der wunderschönen Farbgebung, die sich einer meiner liebsten Farbkombinationen bedient: Türkis und Pink. Ich liebe die Anordnung des Covers! Celestine in der Mitte, Zentrum der Geschichte, Zentrum des Geschehens und doch weit und breit allein, wie sie es auch in der Geschichte zu sein scheint. Sie geht aus dem Schatten hin zum Licht, ein Anblick, der Hoffnung verspricht, diese wird allerdings schnell zunichte gemacht, sobald man den Buchdeckel aufschlägt. Rahmen und Schrift sind schlicht aber schön gewählt und harmonieren wunderbar mit den Farben und miteinander. Natürlich ist der Name Cecilia Ahern so groß wie möglich gehalten, trotzdem stört er nicht und setzt sich nicht über den Titel des Werks hinweg, der - wie ich finde - immernoch der erste Eye-Catcher ist. Ich konnte im Laden an diesem Prachtexemplar einfach nicht vorbeigehen... Für mich ein absolut gelungenes Cover!

Charaktere  ♥♥♥♥

Celestine North: Zu Beginn der Geschichte konnte ich mit Celestine so gut wie nichts anfangen. Sie wird einem als ein verwöhntes und furchtbar oberflächliches Gör präsentiert, das im Leben keine andere Sorgen hat, als die Auswahl ihrer Kleider oder ihrem guten Ruf. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass diese Charaktereigenschaften nicht ihre eigene Schuld sind: Sie wurden ihr von der Gesellschaft aufgezwungen. In einer Welt, in der Fehler und Fehlentscheidungen restlos bestraft werden ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder lernen, "perfekt zu sein" als oberstes Ziel im Leben betrachten. Und so fürchtet Celestine nichts mehr, als in irgendeinerweise aus der Reihe zu tanzen: bloß nicht auffallen, stets so sein wie die anderen, keinen Sinn für Individualität zulassen. Umso überraschender ist es, als sie plötzlich aus dieser ihr vorgefertigten Rolle ausbricht - und es nicht einmal bewusst wahrzunehmen scheint. Indem sie einer Person hilft, die es besonders nötig hat, bricht sie die ihr auferlegten Regeln und wirkt dabei merkwürdig fremdbestimmt. Obwohl sie sich sehr wohl bewusst ist, dass sie einen schweren Fehler begeht, tut sie so, als hätte sie mit den folgenden Konsequenzen nicht gerechnet. Was mir in Anbetracht ihrer im Vorhinein so stark thematisierten Angst, etwas falsches zu tun, doch etwas zu konstruiert vorkam. Sobald die Geschichte jedoch ins Rollen kommt erfährt Celestine eine wunderbare Charakterentwicklung, der ich mit vergnügen gefolgt bin. Vom anfänglich ängstlichen und gesichtslosen Teenager ist bald nichts mehr übrig und sie wächst zu einer starken, schlagfertigen - wenn auch noch manchmal immernoch viel zu naiven - jungen Frau heran. Sie bildet das Zentrum der Geschichte und oft wirkt es so, als wären die anderen Charaktere neben ihr nur unwichtige Statisten, denen in Bezug auf "Pagetime", Charakterentwicklung und Hintergrund viel zu wenig an Wichtigkeit beigemessen wird. Sie sind zwar da und beeinflussen Celestines Werdegang, doch keiner von ihnen scheint für den Leser unentbehrlich. Das macht es keineswegs keineswegs langweilig. Vielmehr finde ich es eine Kunst, den Fokus einer Geschichte so sehr auf eine Person zu verlagern, ohne dass dem Leser etwas fehlt. Und es ist besonders angenehm, dass die "Große Liebe", wie sie im Klappentext so wichtigtuerisch angepriesen wird, für Celestine zwar wichtig ist, in der Geschichte jedoch nicht so viel Raum bekommt, wie es für Jungendbücher heute sonst der Fall ist. Hier gibt es kein übertrieben kitschiges Drama, keine Dreiecksbeziehung, keine seitenlangen inneren Monologe der Protagonistin über ihren Liebsten - es ist da, es ist gut so, aber es ist nicht Hauptteil der Geschichte! Wie unglaublich erfrischend das Fehlen von Kitsch von Zeit zu Zeit sein kann. Und weil keiner der anderen Charaktere bezüglich Charakterschärfe und Wichtigkeit an Celestine herankommt - und weil ich im anderen Falle zu sehr in Spoilern käme - behalte ich mir vor, diesmal nur die Protagonistin vorzustellen.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Wie oben schon angedeutet habe ich Flawed diesmal auf Englisch gelesen - eines der ersten Bücher, die ich bislang komplett in einer Fremdsprache durchgezogen habe. Ich hätte es schon viel früher tun sollen. Es ist alles in allem nicht nur günstiger und hilft bei der Verbesserung meiner sprachlichen Fähigkeiten - es bringt auch gewisse Nuancen zutage, die bei einer deutschen Übersetzung häufig verloren gehen können. Cecilia Aherns Schreibstil ist, wie man es von ihrem Klassiker P. S. Ich liebe dich gewöhnt ist, sehr schlicht, aber sehr präzise. Sie schafft es mit wenigen Worten und einem wirklich sehr rasanten Erzähltempo eine unglaubliche Spannung zu erzeugen, die einen das Buch kaum mehr aus der Hand legen lässt. Es gibt einige Szenen, die aufgrund ihrer Inszenierung, ihrer grandiosen Dialoge oder ihrer tiefen Emotionalität noch lange nach beenden des Buches im Gedächtnis bleiben. An manchen Stellen finde ich persönlich die Grenze des Jugendbuchs erreicht und ich würde von einer Empfehlung für Jüngere oder zarte Beseitete wohl eher absehen, doch für alle, die mit die Tribute von Panem keine Probleme hatten, sollten auch hier beherzt zugreifen.

Handlung  ♥♥♥♥♥

Die Geschichte von Celestine - ob Flawed oder nicht - fühlt sich an wie ein wilder Achterbahnritt. Nicht einmal die Einleitung gestattet dem Leser ein ruhiges Innehalten zum Kennenlernen der wichtigsten Charaktere, sondern reißt ihn direkt mitten ins Geschehen und in die Deportation einer Flawed vor den Augen ihrer Familie. Die Bedrohung wird einem also sofort und schonungslos aufs Auge gedrückt - es gibt keinen Schein, der lange bewahrt und aufrecht erhalten werden möchte. Daraufhin folgt ein Schlag auf den anderen. Es gibt keinen Alltag in dieser Geschichte, alles fühlt sich an wie ein einziger Ausnahmezustand. Oft gerät Celestine durch reines Selbstverschulden und pure Naivität in verzwickte Situationen, sodass man sich als Leser manchmal kopfschüttelnd an die Stirn fassen muss, doch alles in allem ist das Netz der Handlung gut durchstrukturiert. Langeweile war hier auf keiner Seite spürbar, nicht einmal in den Phasen zwischen den Spannungsspitzen. Wer also auf der Suche nach einer kurzweiligen und spannenden Geschichte ist, der sollte Fl awed auf jeden Fall eine Chance geben.

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Nach meiner etwa dreimonatigen Sommerpause melde ich mich aus dem Off zurück und habe einen wunderbaren Titel von einer bereits sehr bekannten Autorin mitgebracht. Die englische Version von Flawed stach mir vor ein paar Wochen in einem Flughafen-Buchhandel ins Auge und ließ mich seitdem nicht mehr los. Nicht nur hatte mich das Cover vollends überzeugt, auch der sogleich spannende Einstieg holte mich direkt ins Boot. Die zunächst etwas flache Celestine ist mir im Laufe ihrer (Leidens-)Geschichte ganz besonders ans Herz gewachsen und ich ziehe meinen Hut vor der Autorin, die es schafft, den Fokus ihrer Leser so vollkommen auf das Schicksal ihrer Heldin zu lenken, dass kein zweiter Protagonist nötig ist, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Flawed ist eine brutale und ernstzunehmende Version einer Zukunft, in der wir unser Leben von öffentlicher Reputation und Fehlerhaftigkeit abhängig machen und von dem Wunsch nach Perfektion unser Leben bestimmen lassen. Am Schluss ihres Romans schreibt die Autorin wunderbar passend:  " If there 's one message t hat I ho pe this book p ortrays, it's this : none of us are perfect. Let us not pretend that we are. Let us not be afra id that we're not. Let us not label others and pretend we are not the same. Le t us all know that to be human is to be flawed , and let us learn from every mistake made so that we don't make them ag ain." - Cecilia Ahern Amen.




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1.148 Bibliotheken, 73 Leser, 4 Gruppen, 86 Rezensionen

schottland, zeitreise, liebe, outlander, highlands

Outlander - Feuer und Stein

Diana Gabaldon , Barbara Schnell
Flexibler Einband: 1.136 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.05.2015
ISBN 9783426518021
Genre: Historische Romane

Rezension:

Feuer und Stein (Outlander 1)

Autor: Diana Gabaldon
Genre:
 Historisch, Abenteuer
Erschienen: 04.05.2015 (Neuauflage) Seiten: 1136 Einband: Taschenbuch
Verlag:
 Droemer Knaur
  ISBN: 978-3-426-51802-1
Preis: 14,99€ [Taschenbuch] | 12,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Schottland 1946: Die englische Krankenschwester Claire Randall ist in den zweiten Flitterwochen, als sie neugierig einen alten Steinkreis betritt und darin auf einmal ohnmächtig wird. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein »Outlander«." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥

Nagut, seien wir ehrlich: Das Cover der Neuauflage "Feuer und Stein" aus dem Droemer Knaur Verlag macht wirklich nicht viel her. Hätte ich nicht von vorherein nach dem Buch gesucht, wäre es mir vermutlich niemals aufgefallen - und selbst wenn, hätte ich ihm vielleicht nicht mal eine Chance zu geben. So schlicht und blau, mit ein paar Schattierungen und Schnörkeln, ist das einzig auffällige auf dem Cover die Schrift und das große Emblem, das als Fake-Lederschnalle das Gefühl vermitteln soll, man hätte es mit einem alten historischen Werk zu tun. Ein netter Kniff, aber leider nicht gut genug, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Ich mag es nicht besonders - und dass die nachfolgenden Bände gleich gestaltet sind und sich nur farblich unterscheiden, macht es leider nicht besser. Leider nur drei Sterne an dieser Stelle, und leider auch nur für die hübsche Impregnierung und dafür, dass es nicht ganz furchtbar hässlich aussieht.

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Claire Randall: Als Claire nach den ewigen Wirren des zweiten Weltkriegs endlich ihren Ehemann in die Arme schließen kann, beschließen Sie, bei einem Ausflug nach Schottland ihr Wiedersehen zu feiern. Besonders viel Zeit haben die beiden leider nicht miteinander, denn eines Tages verschwindet Claire spurlos - und erwacht in einer anderen Zeit, zweihundert Jahre von ihrem bisherigen Leben getrennt. Doch trotz der schrecklichen Geschehnisse, die kurz darauf auf sie einprasseln, ist und bleibt Claire ein starker, gesetzter und vor allem sehr pragmatischer Mensch. Sie verliert auch in den kritischsten Situationen nur selten die Nerven - was auf Ihre bisherige Karriere als Lazarett-Krankenschwester zurückzuführen ist - und begegnet jeder Bedrohung mit Mut, Intelligenz, Wortgewandtheit und einer befriedigenden Prise Humor. Sie ist keine Heldin und sie ist trotz ihres guten Herzens gezwungen, Dinge zu tun, die ihr moralisch widersprechen, um zu überleben - sie kann weder kämpfen noch kennt Sie sich mit den Gebräuchen der Zeit besonders gut auf, doch mit ihrem geschichtlichen Hintergrundwissen und ihren Kenntnissen in der Heilkunst schafft Sie sich ihren Weg. Ich bewundere Claire und ich habe jede einzelne Seite aufgesogen, um mir daraus ein Bild von ihr zu schaffen. Sie ist eigensinnig, stur und egal, ob Sie ein Messer an der Kehle hat, oder vor frischer Verliebtheit nicht mehr weiß, wo oben und unten ist: Sie lässt sich von Männern nicht blind herumkommandieren, verfolgt ihre eigenen Ziele und ist alles, was man sich als Frau von einer Romanheldin nur wünschen kann. Ich liebe es, dass sie in Krisenmomenten, statt wie gelähmt nur von ihren eigenen, panischen Empfindungen zu schwafeln, die Situation kühl analysiert und dem Leser auf diese Weise stets ein detailliertes Bild zeichnet. Dass ihr Hirn - statt blind zu verzweifeln und sich auf eine Rettung durch andere zu verlassen - stets arbeitet, wie Sie weiter handeln sollte oder welche feine Wortwahl ihr dabei helfen könnte. Ihre Beziehung zu anderen Charakteren ist tief, aber niemals so tief, dass sie sich in unnötigen Schwafeleien, in Kitsch oder einem Gedankenkarussell verlieren könnte. Einfach ein Prachtexemplar von einer Frau, einem Charakter und einer Protagonistin. Danke dafür!
Jaime Fraser: Immer, wenn ich glaube, dass ich meinen ultimativen "Bookboyfriend" - das heißt meine heimliche Bücherliebe - gefunden habe, kommt ein anderer daher, der alle anderen in den Schatten stellt. So ist es auch mit James Alexander Malcom McKenzie Fraser. Der rüstige Highlander mit dem roten Haar, den blauen Augen, der gutmütigen, selbstlosen Art, gepaart mit der entzückenden Unerfahrenheit eines Junggesellen, dem elefantenartigen Sturkopf und dem Mut eines Löwen, hat er einfach alles, wovon ich eigentlich nur träumen kann. Und doch ist er nicht makellos. Er begeht Fehler - Fehler, die ihm selbst die hingerissenste Leserin nicht verzeihen kann -, er bewegt sich stets auf einer Grenze zwischen Moral und Heldentum, die einfach unsagbar faszinierend ist. Eine Stelle, die als die in der Community am meisten diskutierte Szene gilt, ließ mich meinen Glauben an Jamie verlieren, eine andere Szene brach mir fast das Herz. Ich kann nicht sagen, wie viel ich mit den beiden Protagonisten gelitten habe, aber es hat mich Tränen und Nerven gekostet, Sie auf ihrem Weg zu begleiten. Jamie ist in diesem Buch, das eine Zeit voll von Krieg und Grausamkeiten beschreibt, ein hoffnungsvoller Stern am Horizont, der einen in dem Glauben lässt, Frieden und Gerechtigkeit existieren auch dort noch irgendwo. Ein toller Charakter - und ich bin ihm mit Herz und Seele verfallen. Aber pssst, erzählt bloß meinem Freund nichts davon. 
Dougal McKenzie: Dieses Buch strotzt nur so von einzigartigen, wichtigen und bewundernswerten Charakteren und es gibt sicherlich andere Charaktere, die ihren Platz in meiner Charakter-Bewertung mehr verdient hätten, als Dougal McKenzie. Trotzdem habe ich ihn gewählt, da er merkwürdigerweise neben den beiden Protagonisten zu meinen Lieblingen zählt. Der schon recht betagte, glatzköpfige, vollbärtige Bruder des McKenzie-Clan-Anführers ist ebenso liebens- wie hassenswert. Er arbeitet stets nach seinen eigenen Interessen, und obwohl er Loyalität schwört und dennoch sein Wort bricht, kann man sich trotzdem immer auf ihn verlassen. Er ist ein hinterlistiger kleiner Mistkerl und trotzdem ein vertrauer Verbündeter. Ich liebe es, wie auch er auf einem schmalen Grat zwischen Schwarz und Weiß, Licht und Dunkelheit, Gut und Böse balanciert, dabei für mich aber niemals an Sympathie verliert. Wenn ihr wisst, was ich meine, würde mich eure Meinung dazu brennend interessieren!
Jonathan "Black Jack" Randall: Eigentlich ist es unrecht, ihn am Schluss aufzuführen, aber der Mistkerl hat es nicht anders verdient. Diana Gabaldon hat in Jonathan Randall einen Charakter erschaffen, der mir durch Mark und Bein geschossen ist. Er ist so giftig wie eine Schlange und mindestens ebenso gefährlich - und wenn ich mich damit nicht zu weit aus dem Fenster lehne, würde ich sogar behaupten, er ist mindestens so geistesgestört wie Ramsay Bolton und Geoffrey Barratheon aus George R. R. Martins Fantasie Epos "Ein Lied von Eis und Feuer" / "Game of Thrones". Ironischerweise sind die beiden Autoren sogar befreundet, weshalb ein gegenseitiger Einfluss sicher nicht abzustreiten ist. Randall ist ein Sadist par Excellence. Er quält, er schlitzt, er zertrümmert und er widert mich an, und trotzdem ist er einer der wichtigsten Faktoren in Claires und Jaimes Geschichte - ohne ihn wäre das alles nur halb so schön. Es ist paradox, doch Jonathan Randall ist das beste Beispiel dafür, das gute Antagonisten eine gute Geschichte erst so richtig ausmachen. Macht euch darauf gefasst, dass er euch bei lebendigem Leibe (bzw. beim Lesen) das Herz aus der Brust schneidet und dabei auch noch Spaß hat. Dieser miese Lauch!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Diana Gabaldon ist eine wahre Künstlerin. Während ich zu Beginn der Geschichte Sorge hatte, dass der Schreibstil möglicherweise zu trocken und zäh sein könnte, wie man es von einem historischen Roman nun mal erwartet, hat sie mich sehr bald vom Gegenteil überzeugt. Geschrieben aus Claires Perspektive weiß die Autorin sehr genau, wie man politische Intrige und persönliches Schicksal bestmöglich miteinander abmischt, wie man mit Detailreichtum und emotionaler Bindung zu einem Charakter unerträgliche Spannung aufbaut und welche wilde Macht in emotionalen Höhepunkten liegen kann, wenn man sie selten aber bewusst einsetzt, um dem Leser das Herz wahlweise höher schlagen zu lassen oder es ihm zu zerquetschen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie unglaublich gut diese Frau ist. Wie nuanciert, wie wortgewandt, intelligent und unsagbar komplex ihr Schreibstil - nein, ihre ganze Geschichte! - ist. Man muss es selbst erlebt haben.

Handlung  ♥♥♥♥♥

Ich gebe zu, ich hatte meine Probleme, in den Roman reinzukommen. Das lag aber vor allem daran, dass ich die erste Folge der Serie gesehen hatte, bevor ich das Buch angefangen hatte, und mir die Zeit vor ihrem Sturz durch die Zeit unendlich lang vorkam. Ich wollte Action, Abenteuer und Spannung, aber so beginnt dieser Roman nicht. Feuer und Stein lässt sich Zeit, die Protagonistin einzuführen und mit vorausdeutenden Zeichen dem Leser kleine, versteckte Hinweise zu geben, was ihn im Folgenden noch erwarten könnte. Erst, wenn man die Schwelle ins 18. Jahrhundert überschritten hat, fängt man an zu begreifen, mit was für einem mächtigen Werk man es eigentlich zu tun hat. 1000 Seiten ... und ich habe mich auf keiner Einzigen davon gelangweilt. Kennt ihr das, wenn ihr regelmäßig auf die Seitenzahlen schaut, um stolz zu sehen, wie weit ihr schon gekommen seit? Beim Lesen von Feuer und Stein habe ich nur etwa alle 100-150 Seiten bewusst einen Blick auf die Seitenzahl geworfen und dann auch nur in der Angst, dass es möglicherweise bald schon vorbei sein könnte - nicht etwa, weil ich so viel Seiten hinter mich bringen wollte wie nur möglich. Ich finde, das sagt schon mehr über die Handlung des Buches aus, als ich es ohne zu Spoilern anders formulieren könnte. Das Abenteuer hat kein Ende. Es wirft einen hin und her, wiegt einen Sicherheit und Frieden und reißt einen dann zurück in die grausame Realität. Man liebt, man hasst, man weint, man lacht, man zittert, man wütet, man schreit, man schweigt, man schluckt.

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Ich habe schon viele gute Bücher gelesen. Trotzdem meide ich in der Regel Bücher, die über tausend Seiten haben, einfach weil ich weiß, dass ich sie, egal wie gut sie auch sein mögen, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der Mitte abbrechen werde, weil etwas anderes, besseres dazwischen kommt. Weil ich keine Geduld mehr habe, bis ich die Masse an Buchseiten hinter mich gebracht habe, weil ich endlich meinen SuB verkleinern will. Und obwohl ich wirklich lange gebraucht habe (4 Wochen mit im Durchschnitt 1 Stunde Lesen pro Tag), habe ich es durchgezogen ohne auch nur einen einzigen Gedanken an ein anderes Buch zu verschwenden, weil es einfach so unsagbar gut war, dass ich niemals aufhören wollte. Ich wollte die Highlands nicht verlassen, ich wollte Jamie und Claire in Sicherheit wissen, bevor ich das Schottland des 18. Jahrhunderts zurücklasse und mich in andere Geschichten vertiefe. Die Wahrheit ist: Ich bin immer noch dort. Und ich habe den zweiten Band der Reihe schon neben mir liegen und kann es nicht erwarten, nachhause zurückzukehren. Amen. 


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suche, verrat, hass, intrige, anna moffey

Nebelring - Die Magie der Silberakademie

Anna Moffey
E-Buch Text: 333 Seiten
Erschienen bei null, 15.01.2016
ISBN B01APPT262
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nebelring - Die Magie der Silberakademie (2)

Autor: Anna Moffey
Genre:
 Abenteuer, Jugendbuch, Fantasy Erschienen: 17.01.2016 Seiten: 333
Einband: eBook, Taschenbuch
Verlag: / ISBN-10: 1523264519  
ISBN-13: 978-1523264513
Preis:
 12,31€ [Taschenbuch] | 2,99€ [eBook]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Silbermagie zu studieren ist ein großes Privileg... doch Zoe Craine betritt die Akademie mit dem Wissen, dass man ihr die Schuld für den Aufstand gegen den Nebelring gibt. Der Hass der Studenten macht sie zur Außenseiterin. Zunächst ist Zoe die einsamste Studentin der Silberakademie, doch dann findet sie unerwartete Verbündete: die zurückhaltende Präsidententochter Michaena und Bess' jüngeren Bruder Lupa. Gemeinsam stoßen sie auf Experimente von grenzenloser Brutalität." - Quelle: Amazon

Cover  ♥♥♥♥♥

Wer meinen Blog verfolgt, wird sicherlich schon darauf gekommen sein, dass ich eine große Leidenschaft für Füchse und auch für die Farbe rot habe - und, dass ich schon bei Annas Nebelring - Das Lied vom Oxean vom Cover absolut hingerissen war. So geht es mir diesmal auch. Man merkt an der Farbgebung des Bildes sehr deutlich, dass sich auch an der Geschichte dahinter so einiges verändert hat: Die Farben sind dunkler, flammender und intensiver, so wie sich Zoes Situation langsam zuspitzt. Der Fuchs ist kleiner, tritt in den Hintergrund, bildet aber trotzdem immernoch den Mittelpunkt der Geschichte - diesmal sitzt er auf dem Nebelring und befindet sich nicht, wie im Teil davor, darunter. Der Fuchs Oxean kommt diesmal also direkt mit dem Nebelring in Berührung und schaut hinauf zu der Kuppel, die ihn und die Akademie der Silbermagier unter den tonnenschweren Wassermassen eines Sees einschließt. Beide, das Mädchen und der Fuchs sind einander zugewandt, verschmelzen nicht mehr, wie sie es in Band eins noch getan haben, schauen aber in die selbe Richtung und sind sich dabei nicht feindlich gesinnt. Wie genau man das nun mit dem Inhalt des Buches verbinden kann, muss jeder für sich selbst entscheiden, sobald er es gelesen hat. Ich liebe es, wie Zoes Haare durch einen fuchsroten Schleier ersetzt wurden und sie damit mit der brennenden Umgebung so halb verschmilzt. Ich könnte das Cover stundenlang anstarren und es würden mir wahrscheinlich noch 10.000 Dinge einfallen, die ich dazu sagen kann, doch ich belasse es jetzt mal bei einem verträumten 'Man-ist-das-schön!'

Charaktere  ♥♥♥♥

Zoe: Ich bin immer wieder überrascht von Zoe. Gegen ihren Willen wurde sie im ersten Teil des Buches das Aushängeschild für eine Revolution, mit der sie eigentlich gar nicht so viel zu tun haben möchte. Seither sind viele schlimme Dinge passiert und ich liebe es, wie sie sich trotz alledem noch immer tapfer hält, eingeschlossen an einem Ort, der ihr nur schlechtes wünscht, immer wieder den Mut und die Kraft aufbringt, ihren Missgönnern die Stirn zu bieten. Gleichzeitig ist sie absolut menschlich gezeichnet: Natürlich geht ihr all das sehr nah und natürlich muss sie den ein oder anderen Nervenzusammenbruch oder Heulkrampf hinter sich bringen, um dann wieder die Schultern zu straffen und weitermachen zu können. Manch einem Leser hat sie im zweiten Teil der Reihe Nebelring - Die Magie der Silberakademie etwas zu viele Tränen vergossen, doch ich persönlich finde jede einzelne von ihnen vollkommen berechtigt und psychologisch verständlich. Zoe ist eine von uns. Sie ist ein normales Mädchen mit normalen Wünschen, normalen Ängsten und einem Schicksal, das sie sich selbst nicht ausgesucht hat. Ich konnte mich wirklich gut in sie hineinversetzen und war auch diesmal wieder von ihrer Individualität und ihren eigenständigen Entscheidungen so beeindruckt, dass ich eigentlich nur mit ihr mitfiebern konnte. Ein wenig unverständlich fand ich jedoch ihren Sinneswandel gegen Ende des Buches: Sie liebt ihren Vater über alles und fürchtet um ihn, will ihn befreien und schützen um jeden Preis - und plötzlich steht sie über dieses Dilemma vollkommen drüber. Vielleicht ist ihr Sinneswandel eine logische Konsequenz aus den vorangehenden Geschehnissen, trotzdem kam er in meinen Augen so plötzlich, dass er wiederum nicht ganz nachvollziehbar war. Auch hätte ich mir gewünscht, dass sie im Verlauf der Handlung aktiver wird, dass sie anfängt darüber nachzudenken, wie sie es schaffen könnte, zu fliehen und gleichzeitig ihren Vater zu befreien. Ja, sie wird von mehreren Seiten bedroht, aber ich hatte das Gefühl, dass sie sehr schnell den Kopf in den Sand gesteckt hat, was ihre eigene Freiheit angeht. 
Lupa: Bess Bruder mit dem merkwürdigen Hut, der fröhlichen Art und dem Hang, jedem auf die Nase zu hauen, der seinen Freunden dumm kommt, hat mein Herz im Sturm erobert. Lupa ist einfach ein perfekter, verwirrter, liebenswerter Charakter, der für seine Freunde jedes Risiko auf sich nehmen würde, wenn er ihnen damit irgendwie helfen kann. Ich hätte ihn gern häufiger in Aktion erlebt, leider taucht er für meinen Geschmack etwas zu selten auf, schafft es dann aber, jede noch so unangenehme Situation aufzulockern. Er bringt eine Komponente in die Handlung, die Zoe so ein bisschen fehlt: Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass alles irgendwann gut wird.
Kurk: Mein Gott, was habe ich diesen Charakter verabscheut. Der arrogante, nervige, unheilbringende Greifer - nagut, nicht ganz so schlimm wie Quen, das muss ich zugeben -, der immer dann auftaucht, wenn man ihn am wenigsten braucht, um Zoe auf den Zeiger zu gehen. Er tut alles, um ihr den Aufenthalt an der Silberakademie möglichst schwer zu machen und bringt sie mit seiner fanatischen Fixierung auf sie sogar in Lebensgefahr. Dinge wie die, die er tut, tut man nur denjenigen Menschen an, denen man das schlimmste an den Hals wünscht. Und trotzdem scheint er nach eben diesem lebensgefährlichen Vorfall wie ausgewechselt, scheint gar nicht mehr der zu sein, den man in ihm zu sehen glaubte. Dieser 180° Sinneswandel, der da mit ihm vonstatten geht, war für mich ein bisschen unglaubwürdig. Es ging zwar nicht zu schnell, dafür aber zu abrupt, um echt zu sein - wirklich, ich habe die letzte Hälfte des Buches damit verbracht, auf der Lauer zu liegen, ob Kurk nicht plötzlich doch seine Meinung ändert. Ich vertraue ihm bis heute nicht. Verrückterweise vertraue ich in diesem Teil der Reihe auch Bess nicht mehr - warum, ist eine andere Geschichte. Diese Unwissenheit, ob und wie ehrlich die Menschen um Zoe herum wirklich sind, tragen eine so hohe psychologische Spannung in sich, dass sie den Leser vollkommen gefangen nimmt.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Teil der Nebelring-Saga, muss ich die Autorin auch diesmal wieder in höchsten Tönen loben: Anna Moffey schafft es, mit wenigen Worten und einem einfachen, geradlinigen Schreibstil Welten zu eröffnen, die so manch einem Literat verwehrt bleiben. Es ist ein unglaubliches Talent viel mit möglichst wenig Mitteln auszudrücken und ich finde, die Autorin hat dieses Talent einfach in die Wiege gelegt bekommen. Schon nach ein paar Zeilen hat der Leser eine so genaue Vorstellung von den Charakteren, der Szenerie und der Umgebung, dass er leicht vergisst, sich nicht in einem guten Film, sondern in einem Buch zu befinden. Die Charaktere wirken alle so präzise und individuell gezeichnet, dass keiner von ihnen flach oder uninteressant wirkt: Sie haben alle ihre Wünsche, Träume, Ängste und Intentionen, die in die einzelnen Dialoge und Handlungen einfließen, sodass man bald das Gefühl hat, mit Zoe in einem einzigen Netz menschlicher Gefühle festzustecken. Ich finde, Anna Moffey ist eine der feinfühligsten Autorinnen, die ich kenne, mit einer wunderbaren Beobachtungsgabe und einer noch strahlenderen Fantasie. Gleichzeitig überlässt sie dem Leser auch viel Raum, seine eigene Fantasie in die Geschichte mit einzubringen: Nicht alles wird bis ins Detail erklärt oder beschrieben, was so manchem Leser Schwierigkeiten bereiten könnte, sich in der Welt des Nebelrings zurecht zu finden. Ich genieße die Freiheit, die sie mir lässt, weiß aber auch, dass sie nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Handlung  ♥♥♥

Die Handlung von Nebelring - Die Magie der Silberakademie hat mir bei Weitem nicht so gut gefallen wie die des ersten Teils. Die erste Hälfte des Buches tauchen wir mit Zoe in die Welt des Nebelrings ein - die genau andere Seite zu der, die wir schon kennen. Doch ihr sind die Hände gebunden, denn der Nebelring hat die Gewalt über den Menschen, der ihr am wichtigsten ist, weshalb sie versucht, so gut es geht einen Alltag zu bestreiten. Dabei versucht sie möglichst, Anfeindungen stand zu halten und ihr Ding durchzuziehen: Drei Jahre lernen hinter sich bringen und dann ab dafür. Natürlich passieren immer wieder Dinge, die die Spannung aufrecht erhalten und die Informationen, die man dabei über die Welt und das Malwee sammelt, sind unglaublich interessant und wahrscheinlich auch wichtig für den weiteren Handlungsverlauf. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sich die erste Hälfte des Buches zog, ich hatte große Probleme, in die Handlung reinzukommen, einen Orientierungspunkt zu finden und mich mit Zoes neuer Situation abzufinden - die mir absolut nicht geschmeckt hat, aus der sie sich selbst aber eine gefühlte Ewigkeit lang nicht selbst befreien kann oder will. Als die Geschichte dann gegen Ende hin so richtig ins Rollen geriet, konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen. Scheinbar aussichtslose Situationen, rasante Wendungen, ... es war ein Fest für die Sinne! Bloß hätte ich mir den "letzten Showdown", die letzte dramatische, spannende Szene, bevor das Buch dem Ende zustrebt, etwas actionreicher, vielleicht sogar etwas "brutaler" gewünscht - es ist so plötzlich vorbei und man wird das Gefühl nicht los, dass Zoe noch viel mehr hätte reißen können, wenn sie sich nur getraut hätte. Spannend - absolut! Nur hat mir noch der letzte, entscheidende Kick gefehlt, der am Ende des ersten Teils definitiv vorhanden war!

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Der erste Teil der Nebelring-Saga hat mich bis ins Detail begeistert, die Charaktere, die Handlungen, die Beschreibungen und vor allem die Idee: Alles hat gestimmt. Im Vergleich dazu fällt der zweite Teil etwas ab, was nicht am Schreibstil der Autorin oder den unglaublich liebenswerten Charakteren liegt, sondern viel mehr an der Handlung. Die erste Hälfte zog sich vergleichsweise in die Länge, Zoe wirkt an manchen Stellen unangenehm passiv, obwohl der Leser sich nichts lieber wünscht, als dass sie über sich hinauswächst und beginnt, gegen die ihr so verhassten Umstände zu rebellieren. Wenn ich genauer darüber nachdenke, weiß ich glaube ich, was mir am Ende, dem finalen Showdown, so wirklich gefehlt hat: der "Endgegner". Klar, Zoe hat Feinde - und das nicht zu knapp - aber mein Lieblings-Ober-Schmieri-Fiesling aus Nebelring Band Eins bleibt bedauerlicherweise diesmal etwas im Hintergrund. Seine Vertretung schafft es nicht wirklich, an ihn heranzukommen. Aber ich bin mir sicher: Er plant etwas... und er wird Zoe im nächsten Band so richtig schön die Hölle heiß machen. Oder andersrum? :) Nichtsdestotrotz ist Nebelring - Die Magie der Silberakademie ein gelungene und auch spannende Fortsetzung, die viel Einblick in die Welt und ihre Geschichte gibt. Es werden neue, unsagbar sympathische Charaktere eingeführt, die nochmals eine ganz andere Dimension der Handlung ermöglichen. Denn wir wissen jetzt aus erster Hand, was der Nebelring so treibt. Und es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln. Ich kann es kaum erwarten, den nächsten Teil in meinen Händen zu halten!
Und hiermit sende ich eine Nachricht in die Welt des Nebelrings, ich hoffe Zoe trägt sie weiter:  ICH LIEBE DICH ESELMANN!! <3
Danke! 


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wölfe, tierischer protagonist, tiere, tierfantasy, freundschaften

Die Wolfs-Chroniken - Der Schwur der Wölfe

Dorothy Hearst , Ane Dahm
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.06.2015
ISBN 9783841422262
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Der Schwur der Wölfe (1)

Autor: Dorothy Hearst
Genre: Abenteuer, Jugendbuch, Fantasy
Erschienen: 25.06.2015
Seiten: 432
Einband: Paperback
Verlag: FJB
ISBN: 978-3-8414-2226-2
Preis: 14,99€ [D] | 15.50€ [A]

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt
"Vor 14.000 Jahren begann die Legende der Wölfe mit einem bedeutsamen Schwur: Wir werden uns nie mit den Menschen einlassen. Und wir werden nie einen Menschen grundlos töten. Dieser Schwur bestimmt das Leben der Wölfe des Großen Tals. Bis eine junge Wölfin die Lüge, die sich hinter diesem Schwur verbirgt, entlarvt. Eine Lüge, die ihren eigenen Tod und die Zerstörung all dessen, was sie liebt, bedeuten könnte. Als die junge Wölfin Kaala unten am Fluss das kleine Mädchen TaLi vor dem Ertrinken rettet, sich mit ihr anfreundet, heimlich mit ihr zu jagen und zu spielen beginnt, riskiert sie, aus dem Rudel ausgeschlossen und aus dem Weiten Tal vertrieben zu werden. Aber auf unerklärliche Weise fühlt sich Kaala zu den Menschen hingezogen und als sie schließlich erfährt, dass sie der letzte noch lebende Wolf ist, der dazu berufen ist, die Verbindung der Menschen zur Natur zu bewahren, muss sie sich ihrer Aufgabe stellen. Und schon bald droht ein Krieg zwischen den Wölfen und den Menschen, der sie vor eine große Entscheidung stellt …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥♥
Ich kann bei diesem Cover eigentlich gar nichts anderes sagen als: Wow. Schon damals, als dieses Buch in seiner ersten Auflage als "Das Versprechen der Wölfe" erschien, war ich von dem Cover hin und weg (siehe ganz unten), doch diese Version hat sich nochmal doppelt übertroffen. Die tiefblaue, verträumte Farbgebung des Waldes im Hintergrund, der edle Rahmen, der das Bild von Wolf und Mensch und den Titel umschließt. Letzterer ist in seiner Größe sehr dominant, der eigentliche Blickfang bleibt trotzdem die Abbildung darüber, was für eine wohlüberlegte und sehr gelungene Komposition spricht. Es gibt eine Vorstellung davon, wie Kaala und TaLi gemeinsam durch den Wald rennen, ohne der eigenen Fantasie den Zündstoff zu nehmen, wie es ein Fotocover an dieser Stelle wohl getan hätte. Alles in allem habe ich an der Gestaltung absolut keinen Fehler gefunden - das Buch ist eins der schönsten in meiner Sammlung!

Charaktere  ♥♥♥♥
Kaala: Vom schwächlichen Winzjunges zur willensstarken Jungwölfin begleiten wir Kaala im ersten Band Der Schwur der Wölfe - und dabei bereitet sie uns mehr als einmal gehöriges Herzflattern. Es ist wahnsinnig spannend, dabei sein zu dürfen, wie sie heranwächst, lernt, sich in ihrem Rudel zu behaupten (oder eben nicht) und wie sie sich mit ihrer Sturheit mehrfach in scheinbar unlösbare Konflikte manövriert. Sie ist eine starke, unabhängige Jugendbuch-Heldin mit einem großen Herzen, sehr viel Mut und diesem Hauch von Lebensmüdigkeit, der spannende Geschichten erst so richtig spannend macht. Doch sind es erst ihre Fehler, die sie erst so richtig interessant machen: Sie spürt Neid und Eifersucht, beweist aber trotzdem die nötige Stärke, darüberzustehen, sie setzt ihren Willen durch, ganz gleich wie ihre Rudelmitglieder und vor allem der Leser ihre Entscheidungen bewerten, sie ist übermütig und überschätzt sich manchmal selbst, war ihr nicht immer weiterhilft. Ich war nicht immer mit ihren Taten einverstanden, sie war mir dabei aber niemals unsympathisch - im Gegenteil. Sie fühlt sich an wie ein eigenständiges Wesen, ein naives, unerfahrenes Mädchen, das alle Emotionen in sich trägt, die auch zu einem Menschen gehört, und mit Genuss Fehler macht, die der jugendliche Leichtsinn eben mit sich bringt. Ich liebe Kaala und ich kann es kaum erwarten, mich in den nächsten Band zu stürzen, um zu erfahren, was das Schicksal für sie noch so bereit hält.

Azzuen: Kaalas Wunschbruder Azzuen wirkt in der ersten Hälfte des Buches relativ unscheinbar. Recht früh beschließt er, Kaala zu folgen und zu vertrauen, ganz gleich, was sie tut oder wohin sie geht. Dass er sich dadurch selbst in Gefahr bringen könnte, kommt ihm dabei natürlich nicht in den Sinn - oder es ist ihm nicht wichtig. Dadurch wirkt er stets ein bisschen zu flach und zu schwächlich, um wirklich eine große Rolle in Kaalas Abenteuer zu spielen. Aber wie wir wissen, sind stille Wasser tief, und so entpuppt sich Azzuens Entwicklung für mich eigentlich als die größte Überraschung. Von allen Charakteren macht er die größte Wandlung durch und hat das gleichermaßen größte Potential, in den kommenden Bänden über sich herauszuwachsen. Er beweist auf jeden Fall das nötige Rückgrat dazu und wächst dem Leser mindestens genauso sehr ans Herz wie Kaala.

Ruuqo: Für den Leitwolf der Wölfe vom Schnellen Fluss empfinde ich eine leidenschaftliche Hassliebe, wie ich sie nur selten erleben durfte. Einerseits verabscheue ich ihn für seine Taten, die meisten seiner Entscheidungen und vor allem für seine Einstellung Kaala und ihren Freunden gegenüber. Mit seiner sturen, dominanten Art wirft er der Jungwölfin immer wieder scheinbar unüberwindbare Stolpersteine in den Weg und macht keinen Hehl daraus, dass er sie verabscheut. Gleichzeitig kann ich seine Entscheidungen auch sehr gut nachvollziehen, weil der Leser nur selten im Unklaren darüber gelassen wird, wie sie zustande kommen. Auf seinen Schultern lastet die Verantwortung für ein ganzes Rudel, und sein einziges Ziel ist es, sie vor allem Unheil zu schützen. Schwache, kopflose Wölfe kann er in seiner Nähe nicht gebrauchen, wenn es um das pure Überleben geht. So gesehen konnte ich für Ruuqo niemals Abneigung empfinden, im Gegenteil, so gemein er auch sein kann, irgendwie hatte ich immer das Gefühl, in zu verstehen und für seine tragische Rolle des Buhmanns gerade ganz besonders gern zu haben. Er hat es nicht leicht - ich bin gespannt, wie sein Charakter sich in den kommenden Bänden weiterentwickelt.

Tlitoo: Was wäre eine heldenhafte Wölfin ohne ihren herrlichen Sidekick? Die junge Krähe Tlitoo war für mich ein unverkennbares Highlight in Der Schwur der Wölfe. Er ist unglaublich intelligent, dafür aber auch umso aufdringlicher! Ausgestattet mit ein paar gerissenen Ideen, einem spitzen Schnabel und Flügeln, die ihn immer aus der Schusslinie manövrieren, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Kaala auf ihrem Weg zu begleiten und ihr dabei gehörig auf die Nerven zu gehen. Er steht ihr immer dann bei, wenn sie es am dringendsten braucht, beschert ihr ansonsten aber lieber die ein oder andere Schwierigkeit, um sich über sie lustig zu machen. Ein herrliches Detail der Krähen, wie sie in Dorothy Hearts Trilogie dargestellt sind, ist ihr ständiger Drang, sich in kurzen, frechen Haikus auszudrücken, wann immer ihm der Sinn danach steht. Zwar beherrscht er auch die normale Sprache mit geradlinigen Sätzen, wie sie den Wölfen und Menschen auch zueigen ist, doch nutzt er die Poesie viel lieber, um seinen Gegenüber entweder sehr geschickt zu beleidigen oder ihn rätselhaft in die Irre zu leiten. Seine scheinbar desinteressierte, schelmische Art war herrlich und lockerte die oftmals eher ernsthafte Atmosphäre des Romans auf angenehme Weise auf. Toller Charakter!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Dorothy Hearst hat einen ruhigen und spannenden Schreibstil, der trotz der mystischen Elemente in der Handlung überraschend down-to-earth geblieben ist. Man fühlt sich von der geschickten Komposition zwischen realistischem Tierreich und fantastischem Zusammenspiel der einzelnen Parteien so eingenommen, dass man immer wieder vollkommen in die Geschichte abtaucht ohne es zu merken. Weite Graslandschaften, dunkle und helle Wälder, Mondnächte, so klar, als könnte man sie greifen - das Ganze entfaltet seine ganz eigene Magie, die von der realitätsgetreuen Darstellung wölfischen Sozialverhaltens gepaart mit eher menschlich gehaltenen Charaktereigenschaften der Tiere nur noch verstärkt wird. Hearst selbst ist auf dem Gebiet der Wölfe eine Expertin, wie sie im Buche steht, denn sie hat ihr Verhalten viele Jahre lang studiert - diese Erfahrungen spiegeln sich in ihrem Roman so wunderbar wieder, dass man nicht nur das Gefühl hat, in eine fantasievolle Welt abzutauchen, sondern gleichzeitig auch etwas über die faszinierenden Tiere zu lernen, die sie bevölkern. Wie bringen Wölfe ihre Jungen durch? Wie funktioniert das Rang-System? Wie jagen Wölfe? Welche Funktion erfüllen die einzelnen Tiere in einem Rudel? Realtität trifft Fantasie auf allerhöchstem Niveau!

Handlung  ♥♥♥♥♥
Auch nach dem zweiten Lesen empfand ich die Geschichte, die Der Schwur der Wölfe erzählt, von Anfang bis Ende unfassbar spannend! Wir werden nicht nur mit einem hilflosen, neuen Leben konfrontiert, das seinen Weg finden muss, zu überleben, sondern erfahren am Rande auch, dass dieses kleine Leben entweder zu großem Glück oder zu großem Unheil verdammt ist. Natürlich beobachtet man da jeden seiner Schritte umso genauer, fürchtet um es, fühlt mit ihm, wünscht ihm Stärke, Kraft und Gerechtigkeit, doch schnell muss man einsehen, dass die Wildnis gnadenlos ist. Kaala führt uns auf eine unvergessliche Reise, tut Verbotenes, tut Richtiges, tut Falsches und bringt damit nicht nur ihr eigenes Schicksal ins Rollen, sondern auch das ihrer Freunde und Gefährten um sich herum. Auf jeder neuen Seite findet sie sich mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, sei es, weil es auf natürlichem Wege, wie die erste große Wanderung, oder von außen verursacht, wie durch Missgunst eines ihrer Rivalen. Das Buch endet in einer gefühlt gewaltigen Entladung all dieser Konflikte, zwischen Loyalität und Liebe, zwischen Heimat und Sehnsucht, zwischen Mensch und Wolf. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, auch wenn ich es manchmal gerne getan hätte, einfach, um mich den unangenehmen moralisch-ethischen Problemstellungen zu entziehen, die mich das ein oder andere Mal auf eine harte Probe gestellt haben. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥
Als ich vor einigen Jahren das erste Mal auf dieses Buch gestoßen bin, habe ich noch nicht geahnt, welch großer Schatz mir da in die Hände geraten ist. Dieses Buch hat alles, was ein gutes Jugendbuch haben muss: Eine mutige, aber nicht unfehlbare Heldin, ein spannendes Abenteuer, ein Konflikt, der Hauptfigur und Leser gleichermaßen vor die Wahl seiner ethischen und moralischen Grundsätze stellt, tolle Charaktere, und nicht zu vergessen: Der Traum eines jeden Kindes, die Welt einmal aus den Augen eines Tieres zu sehen. Das alles mach Der Schwur der Wölfe zu einem tollen Buch für Jugendliche und Erwachsene, die auf der Suche nach neuen Ideen und großen Abenteuern ihren eigenen Träumen hinterherjagen. 


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik

Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥♥♥

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magie, dämonen, feuer, dark fantasy, schamanin

Der Wanderer: Prologband

Dominique Stalder
Flexibler Einband: 340 Seiten
Erschienen bei SadWolf Verlag, 20.03.2016
ISBN 9783946446088
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Der Wanderer - Die Schamanin (1)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.11.2015
Seiten: 89
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ASIN: B018DXFND4
Preis: 2,99€

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Ohne Erinnerung und Kleider erwacht der Wanderer am Strand. Fragen über Fragen verfolgen ihn. Bald findet er Obdach bei der Schamanin Drakatia, die seine Fähigkeiten erkennt. Sie lehrt ihn, wie er die Magie des Feuers beherrschen kann und spinnt dabei ihre eigenen Netze. Zusammen mit dem Mädchen Myrael leben die drei inmitten eines Sumpfes, bis zu dem Moment, in dem Drakatia eröffnet, dass sie in Kürze ein wichtiges Ritualvollziehen wird. Merkwürdige Dinge geschehen darauf. Die von Angst getriebene Myrael ahnt Schlimmes und der Wanderer beobachtet Absonderliches. Nur drei Tage hat er Zeit, um hinter das Mysterium des Rituals zu kommen. Dochdie Wahrheit und ihre Folgen sind schlimmer, als er je erwartet hätte …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥


Ich muss gestehen, auf den ersten Blick empfand ich das Cover von der Wanderer als unscheinbar, eben weil es nicht mit übertrieben knalligen Farben aus der Masse noch knalligerer Farben heraussticht, sondern sich mit seiner Düsterkeit hinter einer eher bescheidenen, angenehmen Farbgebung verbirgt. Erst bei genauerem Hinsehen eröffnet sich dem Betrachter die eigentliche Schönheit und Detailgenauigkeit des Covers, das nicht nur meine Lieblingsfarbe Türkis als zweites Grundthema trägt, sondern auch die Charaktere haar genau so darstellt, wie ich sie mir vorgestellt habe. So etwas Passendes habe ich lange nicht erlebt! Aber die meisten Cover heutzutage trauen sich auch gar nicht mehr, ihren Lesern die Vorstellung der Figuren vorweg zu nehmen. Normalerweise stehe ich dem Ganzen kritisch gegenüber - hier stört es mich gar nicht, einfach, weil die Ausführung stimmt. Einzig und allein die Darstellung von Myrael, der Figur links, gefällt mir nicht so gut, sie wirkt ein bisschen aufgebläht und zu wenig filigran für den Charakter, den sie darstellen soll. Ansonsten ein wirklich schönes Cover.

Charaktere  ♥♥♥

Haric: Unser Protagonist Haric wacht eines düsteren, verregneten Tages ohne Kleidung an einem ihm unbekannten Strand auf und stellt fest, dass er weder weiß, wer er ist, noch, wo er herkommt oder wo er sich gerade befindet. Gerade diese undefinierbare Leere, die ihn sowohl für sich selbst, als auch für den Leser wie ein unbeschriebenes Blatt wirken lässt, macht es schwierig, ihn überhaupt zu definieren oder zu charakterisieren. Ich wurde ehrlich gesagt nur sehr schwer warm mit ihm, besonders weil er sich die meiste Zeit eher unscheinbar, unterwürfig und zurückhalten verhält, was es mir schwer gemacht hat, ihn als 'Helden' der Geschichte so richtig wahrzunehmen. Erst am Ende des Buches, im Angesicht der Gefahr und der Bedrohung einer ihm sehr wichtigen Person, wächst er über sich selbst hinaus und zeigt endlich das, was ich die ganze Zeit an ihm vermisst habe: Rückrat. Endlich, dachte ich, endlich machst du den Mund auf, Haric und zeigst, was in dir steckt! Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass der gute Mann und ich in den kommenden Teilen besser miteinander auskommen werden.    

Drakatia: Ganz anders erging es mir da mit der Titel gebenden Schamanin, Drakatia, die mich von der ersten Sekunde ihres Erscheinens in ihren Bann geschlagen hat. Ihre bissige, tempramentvoll und zugleich amüsiert-überhebliche Art, Haric und Myrael zu begegnen, traf genau meinen Geschmack dessen, wie eine starke Frau zu sein hat. Sie weiß was sie will, setzt ihren Willen durch und scheut nicht davor zurück, sich das zu nehmen, was ihr (in ihren Augen) zusteht. Ich habe jede einzelne Konversation zwischen ihr und den beiden anderen Charakteren genossen und war besonders von ihrem Geheimnis fasziniert, das sich dem Leser nach und nach offenbart. Ein wirklich sehr gelungener Charakter, von dem man lange nicht weiß, ob er Freund oder Feind ist. Sehr schön!

Myrael: My ist wohl das, was man in der englischen Literaturtheorie eine "damsel-in-distress" nennen würde. Sie ist zart, herzlich, wunderhübsch und dabei beinahe zerbrechlich. Sie ist genau die Art von Charakter, die ich mich (und die Literaturwissenschaft) schon immer fasziniert hat, aber gleichzeitig dem Risiko unterliegt, vorhersehbar und langweilig zu sein. Myrael ist das nicht. Tatsächlich bringt sie mit ihrem mysteriösen, angstvollen Verhalten genau die richtige Portion Spannung in die Geschichte, die andernfalls schmerzlich gefehlt hätte. Ich mochte die Darstellung ihrer Beziehung zu Haric, deren Basis eine ganz zarte, unscheinbare Blüte der Zuneigung ist, die jederzeit zu zerbrechen droht. Lediglich ihre ewige Unzugänglichkeit und ihr stures Schweigen gegen Ende hin, trieb mich beinahe in den Wahnsinn und ist für mich die einzige Schwäche, die ich an ihrem Charakter erkennen kann.

Schreibstil  ♥♥♥

Grundsätzlich hat mir Dominique Stalders Schreibstil ganz gut gefallen. Er ist detailliert und kunstvoll, sieht sehr stark von Umgangssprache ab, was für das Darkfantasy-Genre nur gut und üblich ist. Seine Sprache ist wirklich sehr schön, bedient sich dabei einer malerischen Kraft, kommt mir an ein paar wenigen Stellen bei bestimmten Formulierungen jedoch noch etwas unbeholfen vor, was sich vor allem an bestimmten Worten und Redewendungen abzeichnet, die er immer wieder gerne benutzt. Als besonders gelungen empfand ich die Darstellung der verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Haric und den beiden Frauen, Myrael und Drakatia, die unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können. Klischeehaft ist hier nichts! Ein großer Störfaktor waren für mich jedoch die seitenlangen Innensichten des Hauptcharakters, deren Existenz an sich nichts Schlechtes ist, sie sich jedoch derart in Wiederholungen und ellenlangen Beschreibungen irrelevanter Handlungen und Gedankengänge verliert, dass es mir manchmal schwer fiel, ganz bei der Sache zu bleiben.

Handlung  ♥♥♥

Bei  Der Wanderer - Die Schamanin handelt es sich ganz klar um den Auftakt einer mehrteiligen Fantasyreihe und bildet mit seinen ca. 100 Seiten keinen ganzen, vollwertigen Roman, sondern soll den Leser langsam in Thematik und Handlung der kommenden Bücher einführen. Behält man diese Tatsache im Auge, versteht man das Konzept der Handlung leichter. Für mich persönlich hat es genau diesen Zweck erfüllt: Es hat mir Lust gemacht auf mehr und mich in dem Drang zurückgelassen, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Leider hat mich die Handlung jedoch erst gegen Ende des Buches gepackt, denn die durch die seitenweisen Innensichten des Hauptcharakters las sich die Geschichte manchmal zäh und fühlte sich unnötig in die Länge gezogen an. Die wirklich wesentlichen Stellen waren jedoch spannend gemacht und regten zum Weiterlesen an, wurden aber auch hier zum Teil sehr stark ausgereizt. Man muss diese Form des sprachlichen Detailreichtums mögen, andernfalls kann  man sich leicht darin verheddern und steckenbleiben. 

Gesamtwertung ♥♥♥

Alles in Allem war Der Wanderer - Die Schamanin für mich ein gut gelungener Anfang für etwas noch viel Größeres. Auch, wenn ich mit Haric in diesem Teil der Geschichte noch nicht so richtig warm werden konnte, so bin ich doch überzeugt davon, dass er sich spätestens mit der Suche nach seiner wahren Identität so formen wird, dass er auch für mich an Substanz gewinnt. Für die kommenden Teile wünsche ich mir, dass Harics Innensichten erhalten bleiben, sich vielleicht in Zukunft aber eher auf das Wesentliche beschränken. Es herrscht ein schmaler Grad zwischen Detailverliebtheit und Schwafelei, denn man darf nie vergessen, dass auch der Leser nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne hat. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den nächsten Teil, denn ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welche Geheimnisse und Abenteuer noch auf den Wanderer warten - denn Dominique Stalders hier abgezeichneter Ideenreichtum hat definitiv großes Potential!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt 
Action 

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Die Sturmfalken von Olbian

Leann Porter
E-Buch Text: 451 Seiten
Erschienen bei dead soft verlag, 17.02.2016
ISBN B01BWM2ND6
Genre: Sonstiges

Rezension:


Die Sturmfalken von Olbian (1)

Autor: Leann Porter
Genre: Romance, Gay Romance, Fantasy, Krimi
Erschienen: 10.02.2016
Seiten: 576
Einband: eBook
Verlag: deadsoft Verlag
ISBN: 978-3945934715
Preis: 6,99€ [eBook] | 13,95€ [broschiert]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Die Sankanischen Spiele werfen ihre Schatten voraus und locken Kämpfer und Zuschauer aus der ganzen Welt in die Goldene Stadt. Unter ihnen der Sidhe Jawed, der unfreiwillig den Kämpfer Caron begleiten muss, und die abenteuerlustige Kaylin, die sich als Junge verkleidet einschleichen konnte. Während Kaylin sich als Knappe eines Kämpferfavoriten verdingt, hängt Jawed seinen Träumen vom Falkenmann nach, den er als Kind aus der Gefangenschaft rettete und seitdem nie wiedergesehen hat. Doch auch der undurchschaubare Caron weckt verwirrende Gefühle in ihm. Als Kaylin über die Leiche eines Kämpfers stolpert, ahnt niemand, dass das erst der Anfang einer Mordserie ist, die sie und Jawed in einen Strudel aus Gewalt und Hass ziehen wird …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥
Hier war das Cover mal wieder besonders einflussreich auf meine Entscheidung, dieses Buch zu lesen: Ich finde es unglaublich ästhetisch! Der gut aussehende Fremde im antiken, römischen Gewand, den Blick nachdenklich, geheimnisvoll abgewandt, das strahlende Rot des Umhangs, der seine Lenden verschleiert, der auf den ersten Blick unscheinbare, aber wunderschöne Hintergrund mit Bergen, Wasserfällen und verträumten Wäldern - die komplette Zusammensetzung des Bildes ist einfach wunderschön. Auch der große Falke oben rechts darf natürlich nicht fehlen, schließlich lautet der Titel des Buches nicht umsonst Die Sturmfalken von Olbian. Die Schrift, in der diese Worte das Cover verzieren, ist schön gewählt und unaufdringlich, sie lässt dem Bild an sich genug Raum, um zu wirken, und drängt sich nicht zu sehr in den Fordergrund. Das selbe gilt auch für den Namen der Autorin, auch wenn ich finde, dass sie es durchaus verdient hätte, dass man ihren Namen genauso gut lesen kann, wie den Titel! Ich habe hier absolut nichts auszusetzen. Und verdammt, ich will nur ein einziges Mal die Brust dieses Mannes berühren, ich glaube, dann wäre ich für den Rest meines Lebens selig!

Charaktere  ♥♥♥♥
Jawed: Von all den liebreizenden Charakteren in Die Sturmfalken von Olbian hatte ich mit Jawed die meisten Probleme. Er ist ein junger Halbsidhe, das heißt eine Art Halbelf, der in seinem kurzen Leben bereits so manches Leid durchstehen musste, das nicht selten von der bestimmten körperlich-geschlechtlichen Besonderheit herrührte, mit der er geboren, und die von den Menschen in seiner Umgebung nicht immer positiv aufgefasst wurde. Um Spoiler zu vermeiden, verzichte ich darauf, hier näher ins Detail zu gehen, tatsächlich war es aber das erste Mal, dass ich mit so einer Thematik in Berührung gekommen bin - und es war anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig. Mit seiner Rolle als Ausgestoßener hat er sich jedenfalls schon sehr früh in seinem Leben abgefunden, was dazu führt, dass er in seiner Schüchternheit, seinen Selbstzweifeln und seinem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein die meiste Zeit unübertroffen scheint. Viel zu oft ist er von seiner eigenen Angst gelähmt, bringt kaum ein Wort heraus, wenn er nicht gerade mit seiner besten Freundin Kaylin spricht, und ist auch ansonsten ein so passiver Charakter, dass ich ihn manchmal so sehr hätte schütteln können, dass ihm die Ohren abfallen. Aber so nervenaufreibend seine 'Ich-halte-still-bis-es-vorbei-ist'-Art auch ist, so sehr ist er mir dabei auch ans Herz gewachsen. Ich hatte das Gefühl, einen eigenständigen Charakter vor mir zu haben, der eben seine Schwächen, seine Ecken und Kanten hat. Es war einfach herrlich, zu beobachten, wie er im Verlauf des Romans beginnt, gegen seine bisherige Natur zu rebellieren, und vom verschreckten kleinen Jungen zu einem anständigen Kerl heranwächst, der auf einmal sehr genau weiß, wer er ist und wo er mal hin will. Zwar hat er seine Zurückhaltung und seine Selbstzweifel währenddessen nie ganz abgelehnt, doch das musste er auch gar nicht; auf diese Weise hatte ich das Gefühl, eine vollkommen natürliche Charakterentwicklung zu erleben: Ein Junge, der an den Geschehnissen reift, ohne seine Vergangenheit vollkommen abzulegen. Ich mochte ihn von allen Charakteren zwar am wenigsten, hätte ihn aber bis zum Schluss bestimmt nicht missen wollen!

Kaylin: Sie ist nicht nur Jaweds beste Freundin, sondern gleichzeitig auch das sturste, selbstbewussteste und wahrhaftig bewundernswerteste Mädchen, das ich bislang in einem Buch kennen lernen durfte. Als Tochter der Köchin des Moguls auf Kronnor ist sie, ähnlich wie Jawed, nur aus anderen Gründen, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und musste früh lernen, sich durchzusetzen. Ihr größter Traum ist es, die goldene Stadt Sanka eines Tages mit eigenen Augen zu sehen, Abenteuer zu erleben und die Welt zu bereisen. Und sie ist dabei keineswegs auf den Mund gefallen: Sie flucht wie ein echter Kerl, sagt was sie denkt, selbst wenn ihr Gegenüber ein gemeiner Schläger ist, und ist gerissen wie ein Fuchs, wenn es darum geht, Geheimnisse zu lüften und Verbrechen aufzuklären. Ich liebe sie. Wie gebannt habe ich ihre Abenteuer verfolgt, habe mit ihr (wenn auch innerlich!) gekämpft, gelacht und gewütet, immer mit dem Gefühl im Bauch, in ihr eine Person gefunden zu haben, mit der ich mich identifizieren, zu der ich aber auch aufschauen kann. Wie gerne hätte ich ihren Mumm, ihre sture Dickköpfigkeit und ihre Schlagfertigkeit, um Dinge zu erreichen, die mir manchmal wie unmöglich vorkommen. Im Verlauf des Romans macht auch Kaylin eine Entwicklung durch - sie verliert ihren jugendlichen Leichtsinn zwar nicht vollkommen, aber sie entwickelt sich zu einer jungen Frau, die weiß, worauf es im Leben ankommt. Ich ziehe meinen Hut vor der Autorin, die eine so unfassbar tolle Figur ins Leben gerufen hat. Danke!

Caron: Wenn er das erste Mal auftaucht, ist er wie ein unbeschriebenes Blatt. Er ist ein sehr ernster, nachdenklicher und damit besonders geheimnisvoller Charakter, der sich oft selbst im Weg steht und damit irgendwie unberechenbar wirkt. Das findet auch Jawed, der in ihm das erste Mal eine Person - außer Kaylin - findet, die ihn so akzeptiert, wie er wirklich ist. Caron ist verdammt sexy und auf eine warme, besonders maskuline Art fürsorglich, die mein Herz regelmäßig zum Schmelzen gebracht hat. Gleichzeitig ist er kein Mann vieler Worte, sondern der Tat, und lässt seinen Gegenüber (und seinen Leser!) mehr als einmal ratlos zurück, wenn er sich mal wieder etwas in den Kopf gesetzt hat, von dem niemand etwas ahnen kann. Er hat mir gut gefallen, doch er wirkte mir manchmal auch ein bisschen zu flach. Anders als Jawed oder Kaylin, die beide so ihre Schwächen haben, fühlt sich Caron nicht nur an wie ein unbeschriebenes Blatt, sondern trägt auch noch diesen bitteren Beigeschmack mit sich, einfach unfehlbar zu sein. Er ist einfach zu perfekt. Er macht immer alles richtig. Er sieht unglaublich gut aus. Er ist ein unvergleichlicher Kämpfer. Und er weiß immer was zu tun ist. Wer könnte ihn nicht lieben? Mit ihm geht vieles zu schnell und zu einfach, was schade ist, denn im Grunde ist er ein toller Charakter. Mit etwas mehr Tiefe und ein paar mehr Fehlern wäre er eventuell noch etwas interessanter!

Thore: Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss! Der Norrländer aus dem Hause Hammerfjäll hat es mir vom ersten Moment an einfach angetan. Er ist ein charmanter, immer gut gelaunter Zeitgenosse, der zur Verlockung eines guten Biers niemals Nein sagen wird, und sich mit seiner dickköpfigen Abenteuerlust mehr als einmal in Gefahr bringt. Für mich ist Thore der Inbegriff dessen, was einen tollen Mann ausmacht: Er hat Humor, er ist aufregend, schlagfertig, manchmal einen Tacken zu frech, dabei aber immer charmant. Weil er seine letzten Münzen regelmäßig für Bier und Frauen auf den Kopf haut, ist er eigentlich immer pleite und kann sich kaum eine gute Ausrüstung für die Sankanischen Spiele leisten, - was ihn allerdings nicht weniger ehrgeizig daran glauben lässt, der Sieger der Spiele zu sein. Gemeinsam mit Kaylin bildet er ein so harmonisches Team, dass ich gar nicht genug von den beiden und ihrem geschickten, verbalen Schlagabtausch bekommen konnte. Anders als Caron ist Thore nicht geradlinig, sondern auf seine Weise chaotisch und irgendwie eckig. Seine Vergangenheit, die nur am Rande zur Sprache kommt, hängt wie ein geheimnisvoller Schatten über ihm, behindert ihn im Grunde aber nicht dabei, sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Würde ich an dieser Stelle mehr schreiben, käme ich eventuell ins Spoilern, weshalb ich Thore nun Thore sein lasse und ihn euch damit ehrlich ans Herz lege! 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Bevor ich mich auf Die Sturmfalken von Olbian eingelassen habe, habe ich es mit der Leseprobe versucht - und ich war von Leann Porters Schreibstil sofort gefangen genommen. Sie schafft es, sehr geschickt den alten Stil, wie man ihn aus High-Fantasy-Romanen kennt mit der modernen Umgangssprache zu verweben, ohne dass die beiden Stile sich dabei im Weg stehen oder sich irgendwie störend voneinander abheben. Obwohl wir uns aber in einem Setting befinden, dass die römisch-griechische Antike mit Tunika, Sandalen, Sänften und Wagenrennen zum Vorbild hat und diese geschickt mit Fantasyinhalten wie übernatürlichen Fähigkeiten vermischt, sind mir auch ein paar Bezüge zur Realität aufgefallen, die nicht so recht in die Zeit passen wollten. Diese waren aber so gering gestreut, dass sie mich eher zum wissenden Schmunzeln gebracht haben, als wirklich zu stören. Die Dialoge sind durchweg großartig geschrieben, die humorvollen, schlagfertigen Kabbeleien bringen frischen Wind und immer wieder Freude mit sich, und irgendwann hat man das verführerische Gefühl, selbst Teil der Geschichte zu sei, weil einem die Charaktere so plastisch vorkommen, als könne man selbst das Wort an sie richten. Ich war durchweg zufrieden und kann sagen: Dieses Buch ist wieder mal ein Buch, in dem ich mich zuhause gefühlt habe!

Handlung  ♥♥♥♥
Auch wenn die Handlung zu Beginn des Romans eine Weile braucht, um in Rollen zu kommen, ist sie doch bis zum Schluss unsagbar spannend. Das gilt vor allem für die eine Hälfte des Buches, die quasi Kaylins Geschichte erzählt: Waghalsig stürzt sie sich in jedes Abenteuer, das ihr in den Sinn kommt, bis sie sich irgendwann mitten in den Ermittlungen eines grausamen Verbrechens wiederfindet. An ihrer Seite der verplante, jedoch nicht weniger liebreizende Thore, auf der anderen ihr bester Freund Jawed, auf der Suche nach einem Neuanfang. Immer und immer wieder werden neue, liebenswerte Charaktere eingeführt, gegen Ende des Buches jagt ein Plottwist den anderen und man kann wirklich nicht mehr aufhören zu lesen. Bei anderen Hälfte des Buches, die sich mit Jaweds Schicksal beschäftigt, geht es dabei nicht halb so spannend zu. Mit seiner stets passiven Haltung überlässt er die Bühne des Geschehens oft lieber Caron und Kaylin, während er wartend in seinem Zimmer sitzt und sich immer wieder seinen Zweifeln ergibt, was irgendwann nicht nur redundant, sondern mit der Zeit auch nervig ist. Immer wieder habe ich ihn innerlich angeschrieen: 'Verdammt, Jawed, mach was. Raus aus deinem Kokon, rein ins Leben!', aber ich wurde nur kaum bis gar nicht erhört. Während Kaylin das Leben sucht, sucht Jawed die Liebe und mit ihrem Finden fühlt sich seine Geschichte ab der Mitte des Buches irgendwie viel zu abgeschlossen an. Die paar gestreuten Konflikte, die sich dann noch zwischen ihn und sein Glück stellen, wirkten leider konstruiert und viel zu durchschaubar, sodass man als Leser nur die Hand vor die Stirn schlagen und rufen konnte: "Mensch, Jawed! Das ist doch offensichtlich!". Ich war froh, als er im letzten Drittel des Buches schließlich doch ein wenig an aktivem Part gewonnen und sich in die Handlung mit eingemischt hat - auf diese Weise wurden die beiden Erzählstränge wieder sinnvoll miteinander verwoben. Ich denke, ohne Kaylin ist Jaweds Leben viel zu langweilig, erst in ihrer Gegenwart blüht er so richtig auf! Im Großen und Ganzen habe ich das Buch aber von Anfang bis Ende sehr genossen. Es war wahnsinnig spannend die beiden Hauptcharaktere auf ihrer Suche zu begleiten und mit ihnen Gefahren und Missverständnisse zu durchleben - Kaylins Erzählstrang war für beide spannend und actionreich genug, weshalb sich die Ausflüge in Jaweds Liebesleben wie eine willkommene Abwechslung und eine angenehme Erholung vom Stress der Ereignisse angefühlt haben.

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Ich denke jeder, der über Jaweds Schwächen - sowohl seine charakterlichen als auch seine erzählerischen - hinwegsehen kann, und wer grundsätzlich nichts gegen Gay Romance Elemente und intime Sexszenen hat, der wird mit Die Sturmfalken von Olbian eine tolle Zeit haben. Die Geschichte ist spannend bis zum Schluss, die Welt ist faszinierend, die Charaktere sind wunderbar gestaltet, sodass man das Gefühl hat, sich inmitten einer großen Familie zu bewegen. Kaylin und Thore haben für mich Jaweds und Carons Schwächen sehr gut ausgebügelt, sodass ich beide Erzählstränge sehr gerne verfolgt habe. Ich mochte es sehr gern, dass die Geschichte zum Schluss mehr Krimi und Action war als Fantasy und Romance. Wer sich in eine wundervolle Welt nach antikem Vorbild entführen lassen will, ohne dabei an der hochgestochen-altertümlichen Sprache zu ertrinken, und wer gerne spannende Unterhaltung mit romantischen Elementen erlebt, dem sein dieses Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Es hat mir viele schöne Stunden beschert! Danke dafür!


Spannung
♥♥♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥
Humor
♥♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥♥♥

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Maybe Not

Colleen Hoover
E-Buch Text: 129 Seiten
Erschienen bei Atria Books, 24.11.2014
ISBN 9781476799841
Genre: Liebesromane

Rezension:


Maybe Not

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: Dezember 2015
Seiten: 160
Einband: eBook [auch als TB verfügbar]
Verlag: Simon & Schuster
ISBN: 9781501125713
Preis: 2,49$ [Amazon-eBook-Preis]

Rating: ♥♥♥♥


Achtung! Zurzeit nur auf Englisch verfügbar!
Inhalt

"When Warren has the opportunity to live with a female roommate, he instantly agrees. It could be an exciting change. 

Or maybe not. 

Especially when that roommate is the cold and seemingly calculating Bridgette. Tensions run high and tempers flare as the two can hardly stand to be in the same room together. But Warren has a theory about Bridgette: anyone who can hate with that much passion should also have the capability to love with that much passion. And he wants to be the one to test this theory. Will Bridgette find it in herself to warm her heart to Warren and finally learn to love? 

Maybe. 
Maybe not." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥
Zugegeben, das (englische) Cover von Maybe Not spricht mich jetzt nicht unbedingt an. Langweilige, reinweiße Bettwäsche auf der in großen Lettern der Titel der Spin-Off-Novel prangt, darunter in blinkendem Rot der Name der Autorin ... Das Einzige, was mir beim Anblick dieser Gestaltung in den Sinn kommt ist: 'Oh, eine oberflächliche Bettgeschichte'. Dass sich in den Großbuchstaben des Titels ein weiteres Bild versteckt, nämlich das eines sich küssenden Pärchens, habe ich tatsächlich erst auf den fünften Blick gesehen. Und leider muss ich zugeben, dass es meinen ersten Eindruck des Covers nicht mehr sonderlich beeinflussen konnte. Es ist langweilig, einfallslos und vermittelt nicht nur ein falsches Bild der Geschichte, sondern wird ihr auch ihn keiner Weise gerecht. Im Laden würde ich diesem Buch keinerlei Beachtung schenken. Zum Glück habe ich es als eBook gekauft und gelesen, sodass ich mich nicht ständig über das lieblose Äußere ärgern musste. Ich kann nur hoffen, dass unsere deutschen Verlagsmenschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Gestaltung des Covers haben, sollten sie es jemals lizensieren und veröffentlichen - Ich würde es dem Buch wünschen.

Charaktere  ♥♥♥
Warren: In meiner Rezension zu Maybe Someday habe ich meinen ersten Eindruck zu ihm als Charakter bereits preisgegeben, in Maybe Not hat er diesen sogar noch übertroffen: In der Hauptgeschichte, in der er ja leider nur eine relativ kleine Rolle spielt, vermittelte er mir immer den Eindruck, man könne ihn einfach nicht ernst nehmen, selbst dann wenn er auf jemanden furchtbar sauer ist. In ihm vereinten sich Naivität und Unreife mit einer großen Portion Herzlichkeit und Offenheit. Kurz um: Man muss Warren einfach lieb haben. Aber man kann ihn einfach nicht ernst nehmen - so dachte ich. In seinem Versuch, Bridgette zu lieben und zu hassen gleichzeitig, mit ihr den emotionalen Eiertanz zu bestreiten, ihre eisige Hülle anzukratzen, hat ich mich vollkommen davon überzeugt, dass in ihm doch etwas von dem vernünftigen 'Ich-will-mich-an-dich-anlehnen'-Mann steckt, den Frauen heutzutage noch immer so verzweifelt suchen. Und nicht nur das große Kind, das nicht eine Sekunde ernst bleiben kann, und sich ganz ungeniert Pornos im Gemeinschaftswohnzimmer anschaut, unabhängig davon, wie seine Mitbewohner das eigentlich finden. Apropos Pornos: In Maybe Not erfährt man übrigens endlich, warum Warren so viel Zeit darauf verwendet, sich den ganzen Tag Schmuddelfilme anzusehen. Das solltet ihr aber ganz allein herausfinden!

Bridgette: Auch hier muss ich wieder ein kleines Geständnis ablegen. Ich mag Bridgette nicht besonders. Von Anfang an nicht. Ich weiß, ich weiß, wahrscheinlich werdet ihr jetzt entweder Lachen oder mit den Schultern zucken, weil ihr wisst, dass Bridgette nämlich eines ganz bestimmt nicht ist - nämlich zum Liebhaben. Aber ich erkläre euch jetzt auch warum. Eigentlich hat es ja so seinen Reiz, endlich mal einen Charakter zu erleben, der bissig, immer mies gelaunt, unnahbar und verdammt gemein ist. Blöderweise kann sie mich mit diesen Eigenschaften überhaupt nicht überzeugen. Ja, sie will mit ihrer harten Schale ihren doch so weichen Kern schützen, weil sie eine wirklich ach so schlimme Kindheit hinter sich hat. Trotzdem kam ich über einen Gedanken nie hinweg: 'Verdammt, so benimmt sich doch keiner!'. Bridgette wirkt auf mich nicht wie ein realer Mensch - ganz im Gegenteil zu Ridge (Maybe Someday) beispielsweise - sondern wie das aufgeplusterte Konzept des Menschen, den sie eigentlich darstellen soll. Alles an ihr wirkt aufgesetzt und übertrieben, so, dass ich über sie vielleicht ein oder zwei Mal schmunzeln kann, sie mir im Großen und Ganzen einfach nicht vorstellen kann. Ich konnte - und kann es bis heute nicht - keine Verbindung zu mir aufbauen, sie war mir beinahe gleichgültig. Ich habe ihre Handlungen, Reaktionen, Intentionen und Gefühle nicht verstanden oder nachvollziehen können, weshalb mir der Ausgang ihrer Geschichte eigentlich relativ egal war. Das wurde auch nicht besser, als Warren es schafft, ihr zumindest irgendwie näher zu kommen. Eigentlich habe ich Maybe Not nur für und wegen des gutmütigen Warren gelesen, in der Hoffnung, dass auch er endlich die Liebe seines Lebens findet. Tut mir leid, Bridgette. Es liegt nicht an dir. Ich glaube, es liegt allein an mir. Aber ich wünsche dir trotzdem alles Gute.

Schreibstil  ♥♥♥♥♥
Wenn ihr meinen Blog schon länger verfolgt, dann wisst ihr sicherlich, dass ich Colleen Hoover für ihren Schreibstil sehr bewundere. Sie schafft es wirklich, etwas in meinem Inneren zu berühren, ohne dabei besonders ausgefallen oder schmalzig zu werden. Auch in Maybe Not stellt sie ihr können wieder unter Beweis, diesmal allerdings auf eine ganz andere Art! Die gesamte Novelle ist nämlich aus Warrens Sicht geschrieben, was der ganzen Geschichte nicht nur die Ernsthaftigkeit nimmt und ihr eine gesunde Portion gut getimten Humor hinzufügt, sondern auch für Leser, die nicht so geübt darin sind, Englisch zu lesen oder zu verstehen, sehr gut und sehr leicht zu lesen ist. Wer schon immer Mal nach einer Gelegenheit gesucht hat, ein kurzes Buch auf Englisch zu lesen, um zu sehen, wie weit man kommt, dem kann ich Maybe Not sehr ans Herz legen: Ihr werdet sicher keine großen Probleme haben. Und dazu ist es auch noch für den ein oder andere Lacher gut. Besonders beeindruckend fand ich, dass Colleen seine Gedanken so authentisch zu Papier gebracht hat. Im Gegensatz zu Bridgette dachte ich mir so oft: 'Ich wusste es! Männer denken so!' - Vielleicht bestätigt sie mir damit aber nur, was wir Frauen von Männern denken, als die tatsächliche Wahrheit. Aber Männer denken doch nun mal oft an Sex - oder? Ich kann nur empfehlen: Gebt dem Buch eine Chance. Es ist einfach faszinierend zu beobachten, wie Colleen es schafft, ihren Schreibstil an die verschiedenen Tonarten ihrer Charaktere anzupassen. Und noch faszinierender, die Gedanken dieser Charaktere tatsächlich auch zu denken.

Handlung  ♥♥♥♥
Nur mal so zur Warnung vorweg: Maybe Not ist eine Spin-Off-Novel, das bedeutet, es ist eine kurze Nebengeschichte, die sich zeitlich mit der Hauptgeschichte von Maybe Someday überschneidet, jedoch vom Umfang her nur etwa die Hälfte umfasst. Dass auf knapp 200 Seiten jetzt nicht so wahnsinnig viel passieren kann, sollte damit klar sein. Tatsächlich spart Colleen hier an Zeit, indem sie immer wieder gut gezielte Zeitsprünge einbaut, die der ganzen Geschichte eine Dynamik verpassen und sie nie langweilig werden lassen. Wir begleiten Warren und Bridgette über ihr erstes Treffen, ihre ersten Streiche, ihre ersten Annäherungsversuche bis hin zu ihrem gemeinsamen Durchbruch (badumm tss!). Nebenbei erfahren wir pikante Details über Bridgettes Leben und ihren Hintergrund, Themen die in der Hauptgeschichte zugunsten von Ridge und Sydney eher kurz gehalten wurden. Und wir erfahren, dass Warren eine Schwester hat, die ihr Leben irgendwie nur so halb auf die Reihe kriegt. Und dann gibt es da noch ... Streit. Viel Streit. Auch wenn der beim Leser meistens eher ein wissendes Schmunzeln als ein dramatisches Seufzen oder ein genervtes Augenverdrehen hervorruft. Die Handlung war kurz, knackig, geprägt von vielen Auf und Abs, aber allen voran eines: Sehr pikant und sehr sexy! Das, was manchem Liebhaber gegenseitig körperlichen Aussprachen in Maybe Someday gefehlt hat, wird hier in geballtem Content nachgeholt. Aber keine Sorge, die Geschichte geht darin keinesfalls unter. Und wenn Liebe und guter Sex sich die Waage halten, hat man doch wirklich alles richtig gemacht?

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Um es also mal auf einen Punkt zu bringen: Maybe Not ist eine niedliche kleine Nebengeschichte zum emotionalen Großmeisterwerk Maybe Someday und führt uns nicht nur in die Gedankenwelt des lieben, herzlichen und ein bisschen vertrottelten Warren ein, sondern bringt uns auch Bridgette etwas näher. Auch wenn ich, wie oben bereits begründet, mit ihr nicht so ganz warm geworden bin, habe ich ihre Geschichte sehr gerne verfolgt und hatte ein paar vergnügte Stunden mit dem Buch. Es ist humorvoll, sexy und so leicht geschrieben, dass es eigentlich auch für Anfänger der englischen Sprache ganz gut zu lesen ist. Besonders faszinierend ist, wie Colleen Hoover es schafft, mit ein paar einfachen Worten nicht nur ganze Tsunamis an Gefühlen auszulösen, sondern ihre Charaktere so individuell und treffend zu gestalten. Für jeden, der eine nette Auszeit braucht und nicht allzu viel Tiefe in der Story erwartet, ist Maybe Not definitiv ans Herz zu legen. Ganz besonders den Hoover-Fans unter euch. Viel Spaß!

Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥♥♥
Gewalt

Action


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liebe, colleen hoover, musik, maybe someday, ridge

Maybe Someday

Colleen Hoover , Kattrin Stier
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.03.2016
ISBN 9783423740180
Genre: Jugendbuch

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lynn, make it count, oceanside, jared, oceansid

Make it count - Gefühlsbeben

Carrie Price
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2015
ISBN 9783426518120
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Make it count: Gefühlsbeben (2)

Autor: Carrie Price
Genre: Romance, New Adult, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 01.12.2015
Seiten: 240
Einband: Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-51812-0
Preis: 8,99€

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt
"Lynn hat das Kleinstadtleben hinter sich gelassen. Zu viel Schmerz verbindet sie mit Oceanside. Am College in Boston gibt sie sich kühl und sarkastisch. Der Einzige, der sie durchschaut, ist der unverschämt gut aussehende Jared Parker. Sein bloßer Anblick lässt die Mädchen reihenweise dahinschmelzen. Nur Lynn scheint gegen seine Reize immun zu sein. Aber wieso hat sie trotzdem jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn sie ihn sieht? Wird er es schaffen, die harte Schale um Lynns Herz zu durchbrechen?" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥
Fast ein bisschen zu kitschig, war mein erster Gedanke, als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt. Aber gleichzeitig war ich von den warmen, sommerlichen Farben, den hübschen Kleidern der abgebildeten Protagonisten und ihrer sanften Haltung irgendwie gefangen genommen. Eigentlich bildet es doch genau das ab, was wir uns von einem Buch wie diesem erwarten: Eine warme Atmosphäre, ein bisschen Romantik, ein bisschen Liebe. Abzüge gibt es aber trotzdem: Die abgebildete Dame trifft vom Kleidungsstil leider überhaupt nicht den Geschmack der Protagonistin Lynn, die sich nämlich gerade bewusst gegen alles Mädchenhafte sträubt, weil sie es hasst, die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen zu müssen. Auch wenn's hübsch aussieht: Es passt leider nicht ganz!

Charaktere  ♥♥♥♥
Lynn Chase: Lynn Chase ist anders. Sie will nicht das sein, was andere Leute von ihr erwarten, ihre Eltern nicht, ihre Mitschüler nicht. Lieber trägt sie die Haare ganz kurz, Jeans und T-Shirt, eher so, wie man sich einen typischen Normalo eben vorstellt. Zur gleichen Zeit versucht sie ihre innere Unsicherheit mit toughen Sprüchen und einer Maske der ablehnenden Kälte zu überspielen und andere Menschen von sich fern zu halten. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Die ersten 50 Seiten mit Lynn waren für mich die Hölle. Nicht nur, weil man plötzlich in das Geschehen gerissen wird und seitenlange kitschig-dramatische Gedankengänge und Panikattacken aus ihrer Sicht ertragen muss, sondern auch, weil sie grundsätzlich einfach alles um sich herum ablehnt. Ich fand es wahnsinnig anstrengend, einer Person zu folgen, die alles dramatisiert und fatalisiert, ohne selbst zu wissen, was eigentlich passiert ist. Gott sei Dank ändert sich Lynns furchtbare Einstellung damit, dass sie es irgendwie schafft, Jared Parker an sich heranzulassen. Zurück blieb dann nur eine toughe Querulantin, die ihrem Gegenüber gerne die Stirn bietet und nur ab und zu in den Verzweiflungs-Modus verfällt, dann, wenn es auch für den Leser nachvollziehbar ist. Identifizieren konnte ich mich mit ihr dadurch zwar nicht, doch irgendwann hat sich eine gewisse Spannung eingestellt: Ich wollte wissen, ob Jared es schafft, ihre harte Schale zu knacken und sie aus ihrem immer währenden Kreis der Verzweiflung und Selbstverachtung herauszuziehen. Ich mochte sie so ganz gern. 

Jared Parker: Jared Parker ist das typische, weibliche Objekt der Begierde, allerdings einer von der Sorte, der nicht etwa unerreichbar ist wie Alexander von Cambridge (Royal-Saga), sondern den man nach Möglichkeit sogar in freier Wildbahn finden zu können glaubt: Mittelgroß, braune Haare, dunkle, anziehende Augen, Barkeeper und ab und zu auch Türsteher, was seine natürlichen Brust- und Oberarmmuskeln erklärt, offenes, freundliches Verhalten, doch irgendwo hinter seiner netten, warmen und schützenden Fassade brodelt ein Geheimnis, das man nicht so ganz zu fassen kriegt. Und wenn er einen dann auch noch ab und an an sich heranzieht, tief in die Augen blickt und lächelt, dann weiß man, was man sich die ganze Zeit gewünscht hat - so geht es zumindest Lynn und ich kann sie, verdammt nochmal, verstehen! Denn die Mischung aus texanischer Rauheit und sanfter Verletzlichkeit lässt jedes Frauenherz höher schlagen. Dafür mangelt es ihm allerdings auch an Individualität, denn man kann keinen stereotypen Frauenschwarm erschaffen, ohne, dass es nicht schon tausende vor einem getan haben. Aber das macht nichts, denn in Anbetracht dessen, was ich von Gefühlsbeben erwartet habe, trifft Jared genau meinen Geschmack und meine Wunschvorstellung für einen männlichen Protagonisten in einem Leichtkost-Liebesroman. 

Schreibstil  ♥♥♥
Gefühlsbeben ist das Werk einer deutschen Autorin unter einem amerikanischen Synonym und man merkt einfach, dass sich die sprachliche Nuancierung um ein vielfaches bemerkbarer macht, wenn man ein Buch in der Originalsprache ließt, als wenn man auf eine Übersetzung angewiesen ist. Carrie Price schreibt sehr einfühlsam und gefühlvoll und schafft es, Gefühle wie Schmerz, Trauer und Glück gleichermaßen mitreißend wie nachvollziehbar darzustellen. Nachvollziehbar zwar, in der ersten Hälfte allerdings eher weniger nachfühlbar, denn dort bekommen wir die geballte Ladung Verzweiflung und Selbsthass der Protagonistin ins Gesicht geschleudert, ohne so recht zu wissen, was eigentlich los ist. Auf diese Weise kommt die erste Begegnung mit Jared eher überdramatisiert, kitschig und sogar merkwürdig vor; anders wäre es vielleicht, hätte man die Szene eher in die Mitte oder den Schluss eingebaut, nachdem dem Leser klar war, weshalb die Protagonistin einem Nervenzusammenbruch nahe ist. Aus dem genervten Augen verdrehen vom Anfang wurde gegen Ende hin aber schließlich doch ein zufriedenes Lächeln, als sich die übertriebene Dramatik in der Sprache abgebaut und einen gemäßigteren Ton angenommen hatte. Na gut. Der Patzer vom Anfang sei verziehen, denn der Rest ist sogar ganz schön mitreißend beschrieben. 

Handlung  ♥♥♥♥
Eine schöne Handlung ist für einen guten Liebesroman immer das A und O. In Gefühlsbeben begeben wir uns mit Lynn und Jared auf eine Reise auf der Suche nach der Wahrheit und einem Weg, mit ihr klarzukommen. Dabei 'reisen' wir tatsächlich, denn die beiden unternehmen einen Ausflug nach Oceanside, Lynns alte Heimat, und erarbeiten sich gemeinsam die schreckliche Vergangenheit, die sie bis heute in ihre Gedanken und Gefühle verfolgt, die sie einfach nicht loslassen will. Viel Action passiert dabei natürlich nicht, aber das wird hier ja auch nicht gefordert. Viel interessanter ist der schleichende Prozess, in dem die beiden Charaktere beginnen, erst umeinander herumzuschleichen und sich einander schließlich zu öffnen - psychologisch gesehen ist die Darstellung ihrer Annäherung gut und überzeugend gelungen. Abzüge gibt es allerdings für den zum Schluss stark hinkonstruierten Turning-Point, der die beiden, nachdem sie sich relativ nahe gekommen sind, doch noch irgendwie zu Problemen und Missverständnissen führt, ohne, dass es hätte sein müssen. Ohne ein letztes Aufbäumen zum Schluss wäre die Handlung mit ihrer Spannung vielleicht zu flach abgefallen, ich denke trotzdem, dass man es auch eleganter hätte lösen können. Besonders gut hat mir der Bezug zu Make it count Band Eins, Gefühlsgewitter von Ally Taylor gefallen: Die beiden Protagonistinnen begegnen sich nämlich und verbinden damit die beiden Einzelbände geschickt miteinander. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥
Wer mich schon länger verfolgt, der weiß, dass mich Ally Taylors Gefühlsgewitter irgendwie nicht so wirklich vom Hocker gehauen hat. Damals kam mir alles übertrieben kitschig und unglaubwürdig vor und ehrlich gesagt hatte ich bei Gefühlsbeben nichts anderes erwartet. Wer allerdings wenig erwartet, der wird ab und an mal positiv überrascht - so läuft das eben. Und ich muss sagen: Ja, Carrie Price hat mich sehr überrascht. Mal von dem sprachlich schwachen und anstrengenden Anfang und dem stark konstruierten Turning-Point am Ende abgesehen, war ich von diesem Buch sogar so sehr begeistert, dass es mir noch drei Tage nach Abschluss in den Gedanken nach hing. Ich mochte es gern, zu sehen, wie die starre, querulantische Protagonistin Lynn unter dem warmen, fürsorglichen Verhalten des Barmanns Jared aufweicht, sich ihm offenbart und hingibt, während ihn ganz andere Sorgen planen, von denen sie gar keine Ahnung hat. Sprachlich und gefühlsmäßig hat es mich gepackt und mir ein paar kuschelige Lesestunden beschert, die ich in keiner Weise bereue. Wer lockere, verträumte Liebesgeschichten mag, kann hier ruhig mal einen Blick riskieren


Spannung
♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥
Gewalt
♥♥
Action


~ Die Bücherfüchsin

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fantasy, seelennacht, simon, darkest powers, chloe

Darkest Powers: Seelennacht

Kelley Armstrong , Christine Gaspard
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.11.2013
ISBN 9783426507810
Genre: Fantasy

Rezension:

Seelennacht - Die Dunklen Mächte (2)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 2013)
Seiten: 368
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50781-0
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Ich hatte recht. In Lyle House gehen tatsächlich erschreckende Dinge vor sich. Ich bin keineswegs hier, weil ich verhaltensauffällig, sondern weil ich eine Totenbeschwörerin bin. Ich kann mit den Geistern von Toten reden. Ich kann Tote auferstehen lassen. Meine Kräfte sind unberechenbar. Denn ich bin das Ergebnis eines fehlgeschlagenen genetischen Experiments. Meine Schöpfer, die Edison Group, haben Angst vor mir - und vor den anderen Jugendlichen in Lyle House. Wir sind tickende Zeitbomben. Daher haben sie beschlossen, ihr Experiment endlich zu einem Ende zu bringen. Und uns bleibt nur noch eins: um unser Leben zu rennen..." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥

Auch hier wieder kurz anzumerken: Ich habe die alte, gebundene Auflage der Reihe gelesen und werde deswegen das alte Cover bewerten. Die neuen Ausgaben habe ich unten in diesem Post abgebildet, damit ihr euch ein Bild machen könnt!
Während das Cover des ersten Bands in ein nächtliches Blau getaucht ist, ist dieser zur farblichen Abgrezung grünlich gestaltet. Ich mag das Zusammenspiel der Farben, wenn beide Bücher nebeneinander im Regal stehen - sie harmonieren auch besonders gut mit dem dritten und letzten Band der Reihe. Tatsächlich gefällt mir das Cover von Band Zwei sogar besser, als das des ersten, die abgebildete Frau sieht weniger lethargisch, dafür aber um einiges entschlossener aus. Sie ist hübsch anzusehen und auch, wenn sie nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Chloe passen will, was Alter und Aussehen betrifft, finde ich die Gestaltung im Gesamten sehr gut. Unten links sieht man einen nur schwach beleuchteten Gang, der an ein Krankenhaus oder eine Klinik erinnert. Diese verboten, mystische Darstellung eines der im Buch vorkommenden Schauplätze macht optisch viel her und rundet das Cover für mich schön ab. 

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Chloe Saunders: In meiner Rezension zum ersten Band  Schattenstunde habe ich ja schon ausführlich begründet, weshalb mir Chloe als Protagonistin besonders ans Herz gewachsen ist. In  Seelennacht hat sie diesen ersten Eindruck bei mir sogar noch gefestigt: Ihre Charakterentwicklung ist bemerkenswert. Vom eher langweiligen, unscheinbaren und verwöhnten Mauerblümchen entwickelt sie sich zu einer starken jungen Frau, die sagt, was sie denkt, was sie will und ihre Entscheidungen selbstständig und wohl überlegt trifft. Besonders gut gefällt mir ihre Art und Weise, ihre Probleme zu überdenken und letztlich immer den logischsten, nachvollziehbarsten Weg zu wählen. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, deren Hirn sich ausschaltet, wenn in ihrer Nähe ein hübscher Junge auftaucht oder die Autorin einfach nicht weiß, wie sie sonst Spannung aufbauen soll, wenn nicht über die Dummheit ihrer Charaktere. Chloe fühlt sich an wie eine eigenständige, authentische Person, mit der ich wunderbar identifizieren kann, weil sie mir das Gefühl gibt, das Abenteuer Seite an Seite mit ihr zu erleben. Toll!

Victoria Enright: Wer hätte gedacht, dass ich in meiner Rezension Victoria Enright, kurz genannt 'Tori', auch nur in einem Wort erwähnen würde? Sie ist eine Schlange, durch und durch gemein, hinterhältig, neidisch, verwöhnt und kratzbürstig und würde keine Sekunde zögern, einen von uns ans Messer zu liefern, wenn sie dadurch einen ihrer Fingernägel vor dem Abbrechen bewahren könnte. Aber wie ekelhaft Malfoy zu Harry auch sein mag, er ist kein durch und durch böser Mensch. Und das Gleiche gilt auch für Prinzessin Victoria. Auch wenn sie furchtbar nervtötend ist und es schafft, mit ihrer Starrsinnigkeit all meine Lieblingscharaktere zu gefährden, kann ich ihr doch nichts Böses an den Hals wünschen, weil ich weiß, dass in ihr ein guter Kern steckt und sie einfach unter besonderen Umständen groß geworden ist. Diese haarscharfe Linie zwischen Sympathie und blankem Hass ist unfassbar schwer zu konstruieren und ich ziehe meinen Hut vor Kelley Armstrong, dass sie es schafft, selbst den unliebsamsten Charakter für mich unentbehrlich zu machen. Ich liebe Toris dumme Sprüche, die zwar verletzend und nicht zuletzt voll von neidischem Gift sind, aber an Wortgewandtheit und Kreativität unübertroffen bleiben. Ich liebe es, wenn Tori giftig wird. Passiert mir eher selten. 

Derek Souza: Chloe hat es nicht leicht mit Derek. Denn einerseits fühlt sie sich an seiner Seite besonders wohl - was hauptsächlich freundschaftlich, zeitweise aber auch anderweitig begründet ist -, andererseits bringt er sie zur absoluten Weißglut. Derek hat die schlechte Angewohnheit, socially awkward zu sein, was bedeutet, dass er nicht richtig weiß, wie er mit anderen Menschen umgehen soll. Ständig ist er zu rau, zu unfreundlich und zu mürrisch, was ihn in den Augen anderer abstoßend macht, oder er neigt dazu, immer genau dann zu schweigen, wenn es wichtig wäre, etwas zu sagen. Vor allem aber hat er eine große Vorliebe dafür, Chloe für jeden noch so kleinen Fehler zur Schnecke zu machen, auch dann, wenn sie gar nichts dafür kann. Natürlich sorgt das für den ein oder anderen Konflikt, doch auch hier schlägt Kelley Armstrong grandioses Talent zu, einzigartige, selbstständige Charaktere erschaffen zu können: Auch Derek entwickelt sich, entfernt sich von seiner 'Einsamer-Wolf-Lebensphilosophie' und wird an den Geschehnissen stärker, offener und runder. Ich liebe Derek, denn er ist nicht der typische, perfekte und wunderhübsche Jugendbuchcharakter, den man erwartet hätte. Er ist der Junge von Nebenan, der mit einer Bürde geboren wurde, die er sich nicht aussuchen konnte. 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Kelley Armstrong ist für mich eine der begabtesten Autorinnen, wenn es um Mystery und Urban Fantasy geht. Sie schafft es, die Spannung immer auf einem angenehmen, aber anspornenden Level zu halten und sie nur zu gewissen Anlässen voll aufzudrehen, sodass man das Gefühl bekommt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können, damit einem nicht ein Detail, eine nervenaufreibende Szene durch die lappen geht. Ich liebe es, wie sie sich traut, in einem Jugendbuchroman auch mal morbide, dunkel und zum Teil auch eklig zu werden, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Schaurige Szenen, Begegnungen mit halb verwesten Leichen und Verfolgungsjagden in der Dunkelheit gehen ihr so natürlich von der Hand, dass sich selbst mir dabei die Nackenhaare aufstellen. Ihre Charaktere sind stets glaubwürdig, geben einem das Gefühl, selbst irgendwann in so eine abstruse Situation geraten zu können und lassen einen stets verständnisvoll nicken, wenn ein Charakter mit der aktuellen Situation ins Hadern kommt. Man spürt einfach, dass sie sonst Erwachsenenromane schreibt, aber das tut der Qualität ihrer Jugendbücher keinen Abbruch. Ein besonderes Highlight sind ihre zeitlose Wortwahl, die einem das Gefühl gibt, die Handlung könnte sich gleich heute in der eigenen Heimatstadt abspielen, und die wortgewandten Dialoge, mit denen sie einen mehr als einmal zum Schmunzeln bringt - oder wahlweise ein spannungsgeladenes Kribbeln in die Fingerspitzen zu zaubern. Kelley Armstrongs Schreibstil ist wunderbar, schaurig und gleichzeitig so gemütlich, dass man am liebsten gar nicht mehr daraus auftauchen möchte.

Handlung  ♥♥♥

Für die Handlung gibt es von mir diesmal ein paar Abzüge für  Seelennacht, was keinesfalls daran liegt, dass nicht genug passieren würde: Es passiert tatsächlich eine ganze Menge. Die Nerven sind stets zum Zerreißen angespannt, man vermutet hinter jeder Ecke eine Gefahr und in den meisten Fällen stellt sich diese Vermutung sogar als wahr heraus. Man bekommt kaum Zeit zum durchatmen und schon sind unsere Helden wieder mitten in einer gefährlichen Situation, die ihnen den Kopf kosten könnte. Das Problem dabei ist allerdings, dass man trotzdem das Gefühl hat, dass die Story sich trotzdem nicht weiterbewegt. Als würden wir auf der Stelle treten. Informationen über die Welt der Paranormalen, die Gründe oder Ausmaße ihrer Kräfte sind mau gesät, fast gar nicht vorhanden, denn unsere liebsten Protagonisten befinden sich die meiste Zeit des zweiten Bandes auf der Flucht, außer Stande irgendwelche Informationen einzuholen oder auch nur irgendeinen Fortschritt zu erlangen. Ich hätte mir mehr Einblicke in das Leben der Paranormalen gewünscht, vielleicht jemanden, der die Charaktere lehrt, mit ihren frisch gewonnenen Kräften umzugehen. Während des ersten Bands kamen mir tausend Fragen, von denen keine einzige in  Seelennacht beantwortet werden konnte. Ich fürchte fast, der nächste und letzte Band wird zu schnell vorbei gehen, zu wenig ins Detail gehen und meine Fragen so schnell und oberflächlich beantworten, dass es mich nicht befriedigt. Wenn das der Fall ist, frage ich mich: Wofür dann überhaupt der zweite Band? Hätte man diesen Teil dann nicht einfach weglassen können, um gleich mit dem Finale weiterzumachen?

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Mit Band Zwei der 'Die Dunklen Mächte' Reihe hat mir Kelley Armstrong mal wieder bewiesen, wie unfassbar gut sie darin ist, Charaktere zu entwerfen, die einzigartig und eigenständig sind, und eine so gruselige, nervenaufreibende Spannung aufzubauen, dass man ihre Bücher am Liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch in  Seelennacht habe ich mich voll und ganz wie zuhause gefühlt, die Charaktere sind mir unfassbar ans Herz gewachsen und ich habe mit Freude beobachtet, wie die Charaktere sich entwickeln und an dem erstarken, was im Moment mit ihnen passiert. Leider konnten keine Fragen geklärt werden, die sich mir nach dem ersten Teil der Reihe gestellt haben, und auch die Handlung lässt eher zu wünschen übrig.  Seelennacht ist zwar durchweg spannend und birgt immer wieder Szenen, die an Nervenkitzel unübertroffen sind, aber plottechnisch bewegen wir uns hier kaum weiter. Die Charaktere müssen Gefahren trotzen, lernen mit ihren Kräften umzugehen, aber zur eigenen Rahmenhandlung scheint hier nicht wirklich etwas beigetragen zu werden. Ich fürchte fast, dass Mrs. Armstrong hier Potential verspielt hat, den mittleren Band zu nutzen, um eventuell neue Charaktere oder ganze Storyelemente einzubauen. Sie hat es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht. Trotzdem ein sehr gutes Buch und ich kann es kaum erwarten, den dritten Teil zu lesen, auch wenn ich nicht will, dass diese Reihe jemals endet. Meh!

Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥♥
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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830 Bibliotheken, 24 Leser, 1 Gruppe, 95 Rezensionen

geneva lee, liebe, royal desire, erotik, royal

Royal Desire

Geneva Lee , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.03.2016
ISBN 9783734102844
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Enttäuscht und verletzt hat Clara ihre Beziehung zu Prinz Alexander nach einer letzten gemeinsamen Nacht beendet. Sie stürzt sich in die Arbeit, um ihn zu vergessen – vergeblich. Die Erinnerungen an ihn, an ihre gemeinsame Zeit lassen sich nicht auslöschen. Und Alexander ist kein Mann, der so leicht aufgibt. Kann er Clara von seiner wahren Liebe überzeugen? Und wird sie zu ihm stehen, wenn er seine dunkle Vergangenheit vor ihr enthüllt?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover  ♥♥♥♥♥
Das Cover von Royal Desire wurde nach dem selben, schlichten Prinzip gestaltet wie schon Band Eins Royal Passion, und ich muss gestehen, dass ich mich - je länger ich mich mit dem Cover auseinandersetze - selbst immer wieder dabei erwische, von dem Cover magisch angezogen zu werden: Sei es online, auf meinem eReader oder im Laden, das elegante Silber, die hübschen Randverzierungen und der dezente Schriftzug in hübschen, wenig aufdringlichen Farben bringen mich dazu, es in die Hand nehmen und den Inhalt ergründen zu wollen. Ganz egal, ob ich es schon gelesen habe, ob ich es gut fand oder nicht... Ich bin so überrascht über eine so zielgenaue und hübsche Gestaltung, dass ich eigentlich nur fünf Punkt geben kann!

Charaktere  ♥♥♥
Clara Bishop: Wer meine Rezension zu Band Eins schon gelesen hat, der weiß, dass ich mit Clara schon damals sehr hart ins Gericht gegangen bin. Auch in Royal Desire hat sie mich als Protagonistin jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen, trotzdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich diesmal weit weniger Probleme mit ihr hatte als zuvor. Trotzdem sie Alexander mit Haut und Haar verfallen ist und daraus auch keinen Hehl macht, bietet sie ihm diesmal mehrmals erfolgreich die Stirn, mit dem Hintergedanken, sich nicht alles von ihm gefallen zu lassen. Obwohl sie bei ihm regelmäßig schwach wird - was ich in Anbetracht seiner Unwiderstehlichkeit durchaus verstehen kann - weiß sie ganz genau, was sie will und was sie nicht will, und zögert nicht, ihm ihre und vor allem seine Grenzen aufzuzeigen. Abgesehen davon, dass sie es schafft, genug Rückrat zu beweisen, um meinen Respekt nicht zu verlieren, ist an ihr nicht besonders viel dran, was sie in irgendeiner Art und Weise einzigartig machen könnte. Sie hat weder besondere Vorlieben oder Abneigungen - auch nicht im sexuellen Sinne -, noch einen besonders spannenden Job oder zumindest irgendwelche Hobbies. Die Beziehung zu ihrer Familie wird zwar erwähnt, doch wirklich in Berührung kommt sie mit ihr so selten, dass man daraus auch nicht wirklich ein Charakteristikum machen kann. Eigentlich charakterisiert sie sich im Großen und Ganzen nur durch ihre Beziehung zu Alexander, die auf einem stets ermüdenden Spiel von Dominanz und Unterwerfung gründet, das wie halb herzig dahinkonstruiert, wenn nicht sogar abgeschaut wirkt. Mehr kann ich zu Clara eigentlich nicht sagen. Schade.

Alexander von Cambridge: Ich liebe Alexander, wirklich. Er ist ein Mann, wie er nur in den kühnsten Fantasien ein jeder Frau existieren kann: sexy, undurchschaubar, dominant, wortgewandt, charmant und von Zeit zu Zeit auf genau richtige Weise auch mal körperlich bedrohlich, wie es pure, Testosteron geladene Männlichkeit nun mal will. In Royal Desire war ich ihm sogar noch eine Spur mehr verfallen als noch in Royal Passion, was vor allem auf seine endlich durchscheinende, gefühlvolle Seite zurückzuführen ist - denn wer kann einem Mann widerstehen, der all diese Traummann-Eigenschaften besitzt und dann auch noch seinen weichen Kern offenbart? Niemand! (Oder zumindest niemand, der gerne auch mal Traumvorstellungen hinterherhechelt). Ein ganz ganz dicker Minuspunkt war aber auch in diesem Band wieder der grausam schlechte Dirtytalk, mit dem Alexander es schafft alles, was er sich bei mir so mühsam aufgebaut hat, wieder zunichte zu machen. Etwa alle fünf Seiten bespringt er Clara wie eine dreckige Wildsau und bombardiert sie mit peinlichen, unerotischen Phrasen wie 'Ich will deine Mus*** fi**en, bis [körperliche Ausfallerscheinung insert here]'. Mehrmals auf einer Seite lässt einen die vulgäre Sprache zusammenzucken, solange, bis man absolut abgestumpft und gelangweilt einfach weiterblättert, weil man sich denkt 'Ja, ja, macht hinne, ich will wissen, wie es weitergeht...'. Anders als Clara hat Alexander zwar prägende Dinge in seiner Vergangenheit und in seiner Gegenwart, die ihn auf seine ganz eigene Art schleifen, doch als eigenständigen Charakter konnte ich ihn dennoch nicht ernst nehmen. Statt normalen Gesprächen über Gott und die Welt geht es Alexander - auch wenn er es leugnet - immer nur um eins: Sex, Sex, Sex. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, doch lässt sich aus Sex allein eben keine glaubwürdige Beziehung aufbauen, die den Leser in irgendeiner Weise berührt. Sie mögen einander lieben, weil es so auf dem Papier steht, doch hätte ich gern mehr von den beiden gehabt als bloßes, ständiges Gerammel. Einmal weniger einlochen, einmal mehr ein tiefgreifendes Gespräch... das wäre alles, was ich mir wünsche. Colleen Hoover schafft es doch auch!

Schreibstil  ♥♥
Ich weiß, ich habe den ersten Band der Reihe sehr gut bewertet, was den Schreibstil betrifft, doch ich musste nach Royal Desire mein Urteil noch einmal überdenken. Nicht, dass mir Geneva Lees Schreibstil nicht gefallen hätte, wenn es mal gerade nicht um Sex ging: Im Grunde hat sie einen schönen, flüssigen Schreibstil und weiß, wie sie mit Subtilität und Offensichtlichkeit gleichermaßen umgehen muss, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Doch Sex nimmt in diesem Band einfach einen so unfassbar großen Teil der Geschichte ein, dass ich gar nicht mehr darüber hinwegsehen kann! Sex, schön und gut. Viel Sex - auch gut! Aber sehr viel Sex und gleichzeitig sehr viel Abwechslung ... nah. Doch eher ein no go. Ständig die selben Worte, die immer gleichen Phrasen, die immer und immer gleichen Abläufe. Er spielt mit ihr, sie unterwirft sich, will ihn in sich spüren, er rammelt sie besinnungslos bis hin zu drei Multiplen Orgasmen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Nach dem ersten Schuss kann er gleich weitermachen, ganz so als hätte er gleich mehrere bunte Liebespillen geschluckt, und hat sowieso den größten Schw*** von allen. Mal ehrlich. Sinnlich ist was anderes. Und glaubwürdig erst recht. Wenn es nicht gefühlt 90% des Buches ausmachen würde, hätte ich vermutlich nichts dagegen einzuwenden, doch das war nun doch etwas too much für mich. Nimmt man den schrecklichen, oberpeinlichen Dirtytalk dazu, bei dem ich mir regelmäßig das Lachen verkneifen musste, weil er an Banalität nicht zu überbieten war, reicht das schon, um das Buch nach 50 Seiten einfach beiseite zu legen. Doch auch wenn man den mit der Zeit langweiligen Teil der sexuellen Übernatürlichkeit hinter sich gelassen hat, bleibt man von ewigen Wiederholungen nicht verschont: Denn Claras stets auf Dauerschleife laufenden Gedanken darüber, wie heiß Alexander ist, wie sehr sie ihn vergöttert und andersrum, wie schwierig ihre Beziehung ist und ob sie das wirklich kann und will ... kann und will man nach kurzer Zeit schon nicht mehr hören. Sie hat kein anderes Thema. Keine anderen Sorgen. Muss das sein?

Handlung  ♥♥
Wenn ich dachte, Royal Passion hätte bereits wenig Handlung gehabt, kann ich von Royal Desire bedenkenlos genau dasselbe behaupten: Es hat keine Handlung. Auf knapp 400 Seiten bekommen wir eine volle Ladung Sex, BDSM, Herzschmerz, Zweifel, Selbstzweifel und Selbsthass vom Feinsten, doch statt sich stets wiederholenden Phrasen und ein oder zwei äußerst konstruierten Spannungspitzen erleben wir mit Clara und Alexander eigentlich nichts. Wenn sie nicht gerade dabei sind, sich gegenseitig zu befingern, sorgen sie sich um ihre gemeinsame Zukunft unter den Royals, die allerdings viel zu wenig vorkommen, um einen Titel wie "Royal XY" überhaupt zu rechtfertigen. Wo ist der feine, englische Hof, wenn man ihn am meisten erwartet? Die Tea Time, die Dinner, die Jagden, die Bälle und Wohltätigkeitsveranstaltungen? Wo ist der teure Schmuck, die Etikette, die königliche Familie? Das bisschen, was die Geschichte zumindest auf irgendeine Weise interessant gemacht hätte, kommt viel zu kurz ... Schade darum. Ich habe Hoffnung, dass dieses Grundthema im dritten Band schließlich wieder aufgenommen und ausgekostet wird. Mal sehen!

Gesamtwertung ♥♥♥
Obwohl es in Bezug auf die Eigenständigkeit der Protagonistin und die Sexiness ihres königlichen Liebhabers durchaus Fortschritte gibt, haben mich Schreibtil und Handlung von Royal Desire geradezu in den Wahnsinn getrieben. Nicht nur war mir ständige Dirtytalk zuwider, weil ich mich ständig zwischen Fremdschämen und Loslachen zu entscheiden hatte, sondern auch die ewigen Wiederholungen - vor allem was die Gedanken der Protagonistin und die Beschreibungen des Akts an sich angeht -, die nicht vorhandene Handlung und die zwar konstruierte, aber dennoch viel zu kurz gekommene Rahmenhandlung haben mich mit mir hadern lassen, ob ich überhaupt weiterlesen sollte. Zum Glück hat meine Leidenschaft für Alexander ausgereicht, um mich am Ball zu halten. Und irgendwie will ich eben doch wissen, wie es ausgeht... Irgendwas scheint mich also doch beeindruckt zu haben. Hoffentlich schafft es der dritte und letzte Teil die Schwächen des zweiten auszubügeln und zumindest die Thematik des englischen Königsadels wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dazu ist allerdings ein bisschen weniger Gevögel und ein bisschen mehr Handlung nötig. Mal sehen...


Spannung
♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor

Gewalt
♥♥♥
Action
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236 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

geister, schattenstunde, fantasy, chloe, simon

Darkest Powers - Schattenstunde

Kelley Armstrong , Christine Gaspard
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2013
ISBN 9783426507803
Genre: Fantasy

Rezension:

Schattenstunde - Die Dunklen Mächte (1)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Darkfantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 02.05.2013)
Seiten: 416
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN: 978-3-426-50780-3
Preis: 8,99€ [D]

Rating: ♥♥♥♥

Inhalt

"Die dunklen Mächte begehren auf - Band 1 der "Darkest Powers"-Serie Ich heiße Chloe Saunders, und mein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Ich wollte immer eine ganz normale Jugendliche sein. Doch heute weiß ich nicht einmal mehr, was das ist, normal sein. Alles begann an dem Tag, an dem ich meinen ersten Geist sah – und er mich. Nun kommen immer mehr Tote auf mich zu. Und da das alles andere als normal ist, wurde ich nach Lyle House geschickt – angeblich ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Aber da steckt mehr dahinter. Und die anderen Jugendlichen hier sind auch nicht einfach nur durchgeknallt. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich muss versuchen, den dunklen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Denn nur so kann ich die Toten, die immer näher kommen, zum Schweigen bringen …" - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥♥

Eines Vorweg: Da ich die Versionen der ersten Auflage von 2010 ergattert habe, bewerte ich das Cover der alten Ausgabe, da es das ist, unter dem ich selbst das Buch gelesen habe. Mir ist klar, dass es seit 2013 bereits ein anderes Cover gibt - zur allgemeinen Übersicht werde ich es am Ende der Rezension abbilden. Es fällt mir leichter, das alte Cover zu bewerten, da es mir weitaus besser gefällt als das Neue; und das, obwohl es ein Fotocover ist! Ich liebe, wie Schrift und Hintergrund in der Dunkelheit mit einem düsteren Blau in Szene gesetzt sind, wie Titel, Untertitel und Autorin den Großteil des Covers einnehmen, ohne störend oder Protzig zu wirken und wie geheimnisvoll das abgebildete Mädchen mit der Nacht verschmilzt. Abzüge gebe ich hier, weil die gezeigte Person - obgleich schön anzuschauen - in keiner Weise auf die Beschreibung der Hauptfigur Chloe Saunders passen will, ganz egal wie ich es drehe oder wende. Ich sehe in ihr einfach keine 15-jährige, etwas in sich gekehrte Schülerin, die in der Schule nie besonders aufgefallen ist. Nur ein hübsches Model über 20. Nichtsdestotrotz schafft es das Cover, die Gänsehautatmosphäre des Romans gut festzuhalten und gibt vor allem einen Vorgeschmack auf die darin vorkommende Örtlichkeit: Lyle House. Ich mag es!

Charaktere  ♥♥♥♥

Chloe Saunders: Zuerst wurde ich nicht warm mit Chloe, was ein wohl immer wiederkehrendes Problem von mir mit Jugendbuch-Protagonistinnen ist. Sie kam mir vor allem unsympathisch und wie ein Fähnchen im Wind vor, die lieber den Mund hält und sich wie ein braves Mädchen verhält, anstatt sich für die Dinge einzusetzen, die sie wirklich glaubt. Doch glücklicherweise macht Chloe im Verlauf der Handlung eine solche Charakterentwicklung durch, dass ich meine anfängliche Meinung über sie gegen Ende hin einfach revidieren musste. Sie ist sehr intelligent und durchschaut die Situationen sehr schnell - und wenn sie einmal ratlos ist, stellt sie Überlegungen an, die sich mit denen des Lesers sehr stark überschneiden. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, die das Offensichtliche nicht sehen und erst mit der Nase in die Pfütze gedrückt werden müssen, um zu erkennen, was gerade vor sich geht. Das war sehr erfrischend! Auch, dass sie - aufgrund ihrer Leidenschaft für Film und Drehbuch - immer wieder intermediale Anspielungen macht und die Geschehnisse des Romans damit ein bisschen auf die Schippe nimmt, hat mir sehr gut gefallen. So denkt sie zum Beispiel häufiger: "Hm, also in einem guten Drehbuch wäre das jetzt so und so... aber nein, wir sind hier ja im echten Leben, das kann gar nicht sein!" Hat mir gut gefallen! Auch in Bezug auf Jungs entpuppt sich Chloe sehr schnell als angenehme Hauptfigur: Ihr vorrangiges Interesse bleibt immer, die Handlung so gut es geht voranzutreiben. Es gibt die ein oder andere Szene, in der sie errötet,weil sie einen Jungen Oberkörper frei sieht oder wenn er ihr ungewöhnlich nahe kommt, doch diese Szenen sind so rar und so natürlich beschrieben - sie ist immerhin 15 Jahre alt -, dass sie nicht stören. Es ist angenehm, dass Liebe in diesem Teil der Trilogie (ich weiß noch nicht, wie es mit den anderen Teilen aussieht) keine Rolle spielt, wie es in anderen Vertretern des Genres der Fall ist. Wenn Chloe lernt, ihre übernatürliche Gabe zu akzeptieren, wird sie ein zunehmend ernst zu nehmender Charakter. Ich bin gespannt, wo die Trilogie sie noch hinführt.

Derek Souza: Ich liebe Derek Souza! Und nein, er ist kein Märchenprinz! Es wird sogar an mehreren Stellen im Buch erwähnt, dass Derek Souza kein Typ ist, dem ein Mädchen im jugendlichen Alter auch nur einen zweiten Blick schenken würde. Er ist mitten in der Pubertät, riecht nach schweiß, hat ein pickliges Gesicht, ist riesengroß, ist schweigsam und grummelig und wenn er einmal den Mund aufmacht, halten ihn alle um ihn herum für ein großes Ar***lo**, weil er für andere Menschen, außer seinem Bruder Simon, kein Interesse hat. Außerdem ist er überdurchschnittlich stark und gleichermaßen intelligent, weshalb er sich von anderen Menschen generell lieber fernhält. Natürlich hat Chloe so ihre Probleme mit Derek, während sie in Lyle House darauf wartet, dass man sie wieder in das normale Leben eines Teenagers entlässt. Aber die Art und Weise wie sich die beiden im Laufe des Romans anfreunden, beide auf ihre Weise speziell und eigentlich ohne jegliche Sympathie füreinander... ist einfach niedlich. Und ja, ich sage 'anfreunden', weil sie sich wirklich einfach nur anfreunden. Das ganze war so erfrischend, dass ich mich ganz entspannt in die Handlung fallen lassen konnte, ohne vorher schon zu wissen, was passiert. Ein ganz toller Charakter, dem mehr Aufmerksamkeit zusteht, als ihm in seiner Welt so recht zu teil wird... Und dann ist da ja auch noch dieses dunkle Geheimnis, das ihn und seinen Aufenthalt in Lyle House umrankt. Seid gespannt!

Simon Bae: Simon Bae ist Halbkoreaner, äußerst charmant, ein großartiger Basketballer und schrecklich besitzergreifend und beschützend, wenn es um seinen Pflegebruder Derek geht. Die beiden sin gemeinsam bei seinem Vater aufgewachsen und teilen ein dunkles Geheimnis, das in diesem Teil des Buches leider noch nicht so wirklich aufgedeckt werden soll. Er ist zwar nicht der typische Frauenschwarm, in Anbetracht der Tatsache, dass es nur zwei Jungs in Lyle House gibt und sein Bruder diese Position nicht gerade erfüllt, jedoch ein irgendwie unfreiwilliger Anwärter auf diesen Platz. Ich liebe seine lässige Art und seine coolen Sprüche, ohne dass er dabei übertrieben machohaft wirkt. Auch bei ihm gilt das selbe, was ich schon bei Chloe für gut befunden hatte: Sein erstes Interesse gilt seinem Bruder, nicht irgendwelchen Mädchen. Obwohl er Chloe sehr gut leiden kann, was man anhand seiner Körpersprache gut ablesen kann, ist er ihr doch nicht verfallen und zieht sie auch nicht vor. Generell ist die Beziehung der beiden Brüder zur Protagonistin irgendwie zart, geradezu zerbrechlich, so wie sie nun einmal ist, wenn man sich gerade mal eine Woche lang kennt. Sehr schöne Charakterkonstellation! 

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Ich habe es bisher noch nicht erwähnt, aber ich bin ein großer Fan von Kelley Armstrong, obwohl ihre Bücher bereits seit mehreren Jahren nicht mehr oder nur noch in kleinen Mengen aufgelegt werden. Ich liebe ihre Otherworld-Reihe, die als Vorlage zur Serie 'Bitten' fungiert und fand schon damals, dass die Autorin einen außerordentlich tollen Schreibstil hat, der sich immer zwischen mystisch-düster, geheimnisvoll, humorvoll und sexy bewegt, ohne dabei übertrieben klischeehaft in die Sparte 'Romantasy' zu gehören. Ähnlich ist es auch bei  Schattenstunde, mit dem Unterschied, dass sie sich hier das erste Mal auf das gefährliche Jugendbuch-Terrain begeben hat. 'Sexy' fällt hier also vollkommen raus, was übrig bleibt ist das, was oben schon genannt wurde: mystisch-düster, geheimnisvoll und auch zeitweise äußerst humorvoll. Es gab Momente, da habe ich gelacht, es gab Momente, da habe ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht und es gab Momente, die waren so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Alles in Allem hat sich Kelley Armstrongs Schreibstil für mich angefühlt, als würde ich 'nachhause kommen' - ein Gefühl das, wie jeder Buchliebhaber weiß, äußerst wertvoll ist, denn es bedeutet, dass man ein Buch jederzeit aufschlagen und in es hineintauchen kann, und sich dann, ganz egal was passiert, mit den Charakteren und dem Setting pudelwohl fühlt. Deswegen gibt es hier volle Punktzahl für mich!

Handlung  ♥♥♥♥

So gut mir der Schreibstil von  Schattenstunde auch gefallen hat, ein paar Kritikpunkte in Bezug auf die Handlung habe ich schon. Am meisten hat mich gestört, dass die ersten Hälfte des Buches leider so gut wie gar nichts passiert und man sich erst einmal so weit durchkämpfen muss, um mit den Charakteren und dem Setting überhaupt erst warm zu werden. Chloe denkt sehr viel, sie macht sich zum Teil Seiten lang Gedanken, was nun eigentlich mit ihr und mit Lyle House vorgeht, und wie sie das alles überhaupt erst verarbeiten soll. Weil sie sich in der ersten Zeit sehr stark vom Rest der Insassen absondert - was psychologisch gesehen auch relativ verständlich ist -, bekommen die anderen Charaktere erst sehr spät genug 'Screentime', um sie überhaupt als vollwertige Nebencharaktere und nicht nur als Randcharaktere wahrnehmen zu können. Zwar gibt es vereinzelt starke Szenen, die einen vor Spannung gar nicht mehr loslassen, aber die sind leider so weit gesät, dass sich die Handlung (zumindest am Anfang) anfühlt wie hoher Wellengang auf See: Spannung, Spannungsabfall, Tiefpunkt, Spannung, Spannungsabfall, Tiefpunkt. Hat man dann den 'Zenit' der Handlung überschritten und die zweite Hälfte erreicht, wird es schlagartig so spannend, dass ich, die ich eigentlich immer sehr schnell einschlafe, die ganze Nacht durchgelesen habe. Chloe lernt, sich langsam mit ihrer Fähigkeit, Geister zu sehen, abzufinden, und hat so einige unheimliche, unheimliche Begegnungen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Und dann sind da ja auch noch die anderen Insassen von Lyle House, die allesamt so ihre ganz persönlichen Geheimnisse haben ... Wirklich, ein ganz tolles Buch, wenn man sich erst einmal durchgebissen hat. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Ich habe es ja schon erwähnt, ich vergöttere Kelley Armstrong und  Schattenstunde hat mir wiedereinmal bewiesen, warum ich das tue. Sicher, es gibt die ein oder andere Sache, die besser hätte sein können, wie etwa das Cover oder die Spannungskurve in der ersten Hälfte des Buches, doch rückwirkend gesehen kann ich beim Gedanken an dieses Buch eigentlich nur liebevoll lächeln. Die Charaktere sind - für Teenager - wirklich schön gezeichnet, mit Klischees ist Mrs. Armstrong sehr vorsichtig umgegangen und hat es geschafft, zumindest mit Chloe, Derek und Simon eigenständige, individuelle Charaktere zu erschaffen, die ihre Vor- und Nachteile haben und sich nicht von den gängigen Prototypen der Jugendbuch-Massenproduktion abholen lassen.  Schattenstunde ist gerade zum Ende hin sehr, sehr spannend und hat die ein oder andere Szene, die so unheimlich und gänsehautverdächtig ist, dass ich es für die angestrebte Zielgruppe fast 'too much' finde. Immerhin geht es hier um Geister... und was man für schaurige Geschichten mit Geistern erzählen kann... das wusste ich bisher nicht einmal. Man könnte sagen, ich befinde mich hier auf absolutem Neuland. Und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen. Unbedingt reinlesen!


Spannung
♥♥
Romantik
Humor
Gewalt
Action

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dystopie, liebe, kiemen, owen, atlantis

Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden

Kevin Emerson ,
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.10.2015
ISBN 9783453596450
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden (1)

Autor: Kevin Emerson
Genre: Jugendbuch, Science Fiction
Erschienen: 12. Oktober 2015
Seiten: 432
Einband: Taschenbuch
Verlag: heyne>fliegt
ISBN: 978-3-453-59645-0
Preis: 8,99€ [D] / 9,30€ [A]

Rating: ♥♥

Inhalt

"Die Menschheit hat nur noch eine Chance... Owen Parker lebt in einer Welt, die durch die Klimaerwärmung nahezu unbewohnbar geworden ist: Um den tödlichen Strahlen der Sonne zu entfliehen, haben die Menschen ihre Städte unter riesige Kuppeln verlegt. Bei einem Tauchunfall im Feriencamp entdeckt Owen außergewöhnliche Fähigkeiten an sich. Fähigkeiten, die der Menschheit das Überleben ermöglichen könnten. Gemeinsam mit seiner attraktiven Tauchlehrerin Lilly sucht er einen Weg, die Gabe zu begreifen und zu kontrollieren. Doch damit schrecken die beiden dunkle Kräfte auf, die diese Suche um jeden Preis verhindern wollen." - Quelle: Verlag

Cover  ♥♥♥

Auch hier bestätigt sich mal wieder, was ich in meinen restlichen Rezensionen immer wieder betone: Ich bin kein Freund von Foto-Covers. Denn so schön die darauf abgebildeten Gestalten auch sein mögen, sie wirken oftmals viel zu steif in Szene gesetzt und aus Perfektionsgründen bis zur Entfremdungnachbearbeitet. Mit ihrem leeren Zombieblick stellen sich die hübschen Fotomodels, die oftmals gar nicht wissen, wofür sie eigentlich fotografiert werden, zwischen mich und meine Vorstellungskraft. Obwohl die Farben bei  Die Vertriebenen hübsch gewählt wurden, gefällt mir die Gesamtgestaltung des Covers eher weniger - ironischerweise passen die abgebildeten Figuren trotzdem sehr gut zu den im Buch beschriebenen Charakteren Lily und Owen: er ein wenig jünger und schmächtiger, nicht der typische sexy Muskelprotz von nebenan, sie mit ihrem undurchdringlich schwarzem Haar und dem Revoluzzerblick - passt! Nichtsdestotrotz gefällt mir die Aufmachung etwa so gut, wie das Buch im Allgemeinen: mittelmäßig.

Charaktere  ♥♥

Owen Parker:  Beim Lesen habe ich mich immer wieder dabei erwischt, dass meine Meinung über Owen stets zwischen Gleichgültigkeit und Abneigung schwankte. Obwohl ich es eigentlich gut finden müsste, dass er sich von den gängigen Prototypen eines Jugendbuch-Helden unterscheidet, indem er eben nicht dem Schönheits-, Sportlichkeits- und Beliebtheitsideal derselben unterwirft, trotzdem wirkte Owen - vielleicht gerade deshalb - auf mich schwächlich, weinerlich, missgünstig, passiv und zu einem großen Teil auch nervig. 'Bloß nicht auffallen' ist seine Devise im Feriencamp, während er seinen Mitschülern hinterher schlurft wie ein totaler Langweiler. Sobald er bemerkt, dass in ihm Kräfte schlummern, die andere nicht haben, wird er überheblich und fantasiert, seine neu gewonnene Fähigkeit gegen Leech einzusetzen, einen Jungen, den er nicht leiden kann, weil er andere, eingeschlossen ihm selbst, schikaniert. Allein das zeugt nicht gerade von großer Charakterstärke, denn abseits seiner übernatürlichen Kraft bringt er es einfach nicht auf die Reihe, sich gegen seinen Rivalen zu behaupten und ihn mit 'fairen Mitteln' zu stellen. Im Umgang mit ihm "unterlegeneren" Mitschülern benimmt er sich arrogant und abfällig, als gäbe er sich nur mit ihnen ab, weil er keine andere Wahl hat. Hinzu kommt seine übertriebene Besessenheit von Lily, seiner nur wenig älteren Schwimmtrainerin, der er vom ersten Moment an verfallen ist und ihr hinterher dackelt wie ein debiler Köter, in der Hoffnung sie könne irgendwann auf ihn aufmerksam werden. Und obwohl er sich in ihrer Nähe wie ein Volltrottel aufführt, ihr immer nur zustimmt und sie dann plötzlich stehen lässt, als es ernst wird, hat er damit wohl sogar Erfolg. In meinen Augen ist Owen kein Held, er ist nicht einmal ein angenehmer Zeitgenosse. Er mag gut möglich sein, dass mir sein Charakterbild missfällt, weil er von einem männlichen Autor abseits weiblicher Idealvorstellungen geschaffen wurde, aber Owen gibt mir als Leserin einfach nicht den geringsten Grund, warum ich ihn mögen oder mich auch nur für ihn interessieren sollte. 
Lily: Lily war im Vergleich zu Owen ein echter Lichtblick! Sie ist wortgewandt, charmant, selbstsicher und immer positiv, obgleich nicht immer optimistisch. Sie hat die Gefahr, die sich hinter Camp Eden verbirgt, schon sehr früh bemerkt und versucht, ihr Freunde davon zu überzeugen, die sie wiederum für eine nervige Verschwörungstheoretikerin halten. Auf ihre freche und zugleich sehr freundliche Art und Weise beeindruckt sie Owen - und auch andere Jungs in ihrem Umfeld -, scheint selbst aber nur am Rande Interesse für solcherlei Sachen wie Liebe zu haben, denn das Geheimnis um Camp Eden nimmt den Hauptteil ihrer Denkleistung ein. Sie ist eine starke Persönlichkeit, neigt allerdings zu einer sympathischen Portion Naivität, die nicht nur die Charaktere um sie herum, sondern auch den Leser von Zeit zu Zeit schmunzeln lässt. Wie ein kleines Mädchen, dass gerade ihre Liebe zu Boybands entdeckt hat, steckt sie auf fanatische Weise mit dem Kopf in den Wolken, sodass man sie, ihre Ideen und ihre übertriebenen Gefühlswallungen nicht immer ganz ernst nehmen kann. Bis zum Ende des Buches konnte ich allerdings nicht verstehen, dass jemand wie sie Interesse an jemandem wie Owen haben sollte: Das mag jetzt auf den ersten Moment oberflächlich klingen, aber im Vergleich zu ihr ist Owen flach, unsympathisch und schwächlich, weshalb die beiden in meinen Augen nicht im Geringsten zueinander passen. Vielleicht liegt das an der Erzählperspektive: Ein Mann schreibt aus der Perspektive eines pubertierenden Jungen, der kaum Charakter hat, aber trotzdem das schöne, starke und zeitweise uninteressierte Mädchen abbekommt. Soll das seiner Zielgruppe Mut machen?

Schreibstil  ♥♥♥

Kevin Emersons Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, stilistisch einwandfrei und seine Sprache einfach, wie es sich für das Jugendbuchgenre eben gehört. Da das Buch aus Owens Sicht geschrieben worden ist, haben mich die Einblicke in sein pubertierendes Jungenhirn meistens eher weniger interessiert, die vor allem die ersten drei Viertel des Buches dominieren. Erst, als Owen und Lily langsam das Geheimnis um das Camp Eden lüften, wurde es richtig spannend und der Autor versteht es ganz gut, Spannung aufzubauen und den Leser trotz nerviger Hauptfigur am Ball zu halten. Ein ganz besonders gewichtiger Kritikpunkt an Emersons Stil ist für mich, dass er sich nie allzu lange mit der selben Szene aufhält und somit immer irgendwie gehetzt wirkt, was besonders den dramatischen und wirklich interessanten Szenen einen großen Abbruch tut. So werden auf einen brutalen Fund im Forschungszentrum mit dramatischen, potentiell tränenreichen Folgen lediglich zwei läppische Seiten im Buch verwendet, ohne viel auszuschmücken, ohne das ganze emotionale Potential aus der Szene zu holen. Mir scheint einfach, dass der Autor sich vor der Konfrontation mit solch sensiblen Themen eher scheut, sie der Spannung wegen aber verwenden möchte. Also macht er es sich lieber besonders leicht und beschneidet die Blume ihrer Blüten, bis nur noch der grüne, lebensfähige Stumpf übrig bleibt. Schade. 

Handlung  ♥♥

Wie weiter oben schon genannt fand ich das letzte Viertel der Handlung besonders spannend. Davor basierte die Handlung auf der üblichen Einführung wichtiger - dafür aber gleichermaßen uninteressanter - Charaktere, ihrer Beziehung untereinander und der ewigen Wiederholung und Weiterentwicklung von Theorien zum Thema 'Warum Camp Eden böse ist'. Sicherlich, hin und wieder passieren vereinzelt auch Dinge, die den Leser stirnrunzelnd zurück lassen, doch darauf wird, wie schon gesagt, nicht besonders viel Zeit verwendet. Handlung und Setting von die Vertriebenen haben ein großes Potential für ein episches Abenteuer, werden gegen Ende hin sogar überraschend brutal für ein Jugendbuch, bleiben jedoch nicht intensiv genug, um vollends zu begeistern. Es gibt vereinzelte Episoden aus der Vergangenheit, die den Rahmen der Haupthandlung aufsprengen und sich wie Fremdkörper inmitten einer Szene platzieren, um die Spannung möglichst in die länge zu ziehen, ohne viel Zeit an unnötige Beschreibungen zu verlieren. Stattdessen werden die eher störenden Episoden zur Erklärung der Umstände genutzt, bis es auch dem langsamsten Leser wie Schuppen von den Augen fällt. Wenig elegant, dafür aber umso effizienter gelöst. Kann man mögen, muss man aber nicht. Wenn eine entscheidende Szene, in der es soeben um den Tod eines wichtigen Charakters geht, plötzlich von seitenlangen, langatmigen Erklärungen zerschossen wird, nur eines blöden Cliffhangers wegen, dann finde ich das als Leser eher anstrengend und muss gestehen, dass ich das Buch vor Wut einen Moment aus der Hand legen musste, um mich anschließend durch den langweiligen Part bis zum spannenden Kern hindurchzufressen. Mein Ding war es nicht. 

Gesamtwertung ♥♥

To put it in a nutshell:  Die Vertriebenen - Flucht aus Camp Eden hat mich im Vergleich zu anderen Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, sehr enttäuscht. Trotz der zum Teil sehr spannenden Szenen und einer Hintergrundgeschichte mit großem Potential, fühlte sich der erste Teil der Atlantis-Reihe so zäh, oberflächlich und schwach an wie sein Hauptcharakter Owen. Der war mit seiner stets weinerlichen Einstellung, seinem geringen Selbstbewusstsein und seinem schwachen Charakter in Bezug auf andere Personen eher lästig und wenn er mich nicht gerade nicht die Bohne interessiert hat, dann hat er meine Nerven bis zum Zerreißen strapaziert. Lily, obgleich ihrer frechen, freundlichen, aber naiven Art, konnte das Leseerlebnis für mich nur wenig verbessern, da ich mich immer fragen musste, was um alles in der Welt sie an Owen findet. Auch die restlichen Charaktere waren so schwach, dass sie hier kaum erwähnenswert sind. Trotzdem hat mich das Setting und das Potential der Hintergrundgeschichte so überzeugt, dass ich dem zweiten Band gerne eine Chance geben will, die Schwächen des ersten wieder auszugleichen. Vielleicht habe ich Glück und Owen macht endlich eine Entwicklung durch, die mir gefällt.


Spannung ♥♥
Romantik
Humor
Gewalt♥♥♥
Action

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82 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

das lied vom oxean, fantasy, nebelring, oxean, malwee

Nebelring - Das Lied vom Oxean

Anna Moffey
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 05.12.2014
ISBN 9781503074071
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nebelring - Das Lied vom Oxean (1)

Autor : Anna Moffey
Genre: Fantasy
Erschienen: 2014
Seiten: 380
Einband: eBook (auch als Taschenbuch)
Verlag: /
ASIN: B00QMHEWWC
Preis: 0,99€ 

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Wahre stets dein Gesicht.“ Zoe Craine kennt ihren Vater nicht, obwohl sie ihn jeden Tag sieht. Er ist krank und in einem Traumzustand gefangen, aus dem heraus er seine Umgebung nicht wahrnimmt. Der Gründer der umstrittenen Organisation namens Nebelring hat ihn mit der neuen, auf Malwee-Substanz basierenden Silbermagie gefährlich vergiftet. Eine Heilung gibt es bislang nicht und doch ist es genau das, was Zoe sich ersehnt. An ihrem sechzehnten Geburtstag vertraut sie diesen Wunsch ihrer Geburtstagskerze und den Freunden ihres Vaters an und ahnt dabei nicht, dass sie sich direkt in einen Aufstand gegen den Nebelring wünscht." - Quelle: Amazon

Cover  ♥♥♥♥♥

Absolute Liebe! Wer meinen Blog verfolgt und mich eventuell auch kennt, der weiß, wie sehr ich in Füchse und alles drumherum vernarrt bin, sodass ich an diesem Cover einfach nicht vorbeischauen konnte. Und seien wir doch mal ehrlich: Es ist ein absoluter Blickfang! Die wunderschönen Farben, die tolle Fotocollage, die magisch-mystische Stimmung der Bilder, die dezente Farbgebung der Schrift und wie sie sich in den Gesamteindruck einfügt. Ich habe absolut keine Wünsche offen bei diesem Cover - und das passiert mir dann doch eher selten! 

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Zoe: Zoe Craine ist eine der faszinierendsten Protagonisten, die ich jemals begleiten durfte. Klar, man könnte auf den ersten Blick meinen, sie gehöre zu diesen stereotypen Jugendbuch-Hauptfiguren: sechzehnjährige Heldinnen, die plötzlich mitten im Geschehen stehen und es auf immer gleiche Weise denken, handeln, fühlen und sprechen, bis sie sich schließlich zu einer starken und mutigen Heldin entwickeln. Ja, Zoe ist sechzehn. Ja, Zoe steht plötzlich mitten im Geschehen und weiß nicht wohin mit sich. Und ja, sie wird sicherlich irgendwann zu einer Heldin werden. Aber was sie von all diesen anderen langweiligen, wie maschinell gefertigten Heroinnen abhebt, ist ihre absolut unwiderstehliche Individualität und lebhafte, in sich vollkommen stimmige Art zu denken und zu handeln. Ihre Sorge um ihren Vater, den sie über alles liebt und dessen Wohl sie sogar über ihr eigenes stellen würde. Ihre Hilflosigkeit gegenüber den Vorfällen, mit denen sie konfrontiert wird, die ihren bisherigen Horizont übersteigen und ihr Angst machen. Ich liebe es, dass Zoe Schwächen hat, wie sie jeder von uns hat, wie sie in allem eigentlich ein vollkommen durchschnittlicher Teenager ist, nicht besonders sportlich, nicht besonders stark und schon gar nicht dafür gemacht, Auge einer Revolution zu sein. Ich war mit ihren Entscheidungen nicht immer einverstanden und manchmal, wenn sie sich über einen der anderen Charaktere gegrämt hat, fand ich ihre Reaktion vielleicht übertrieben. Andererseits vermittelte mir das auch das Gefühl, dass Zoe kein gesichtsloser, austauschbarer Sandsack, sondern ein vollkommen eigenständig denken und handelndes Subjekt ist. Sie hat Fehler, sie hat Stärken und Schwächen, sie ist - anders als etwa Katniss Everdeen aus  Die Tribute von Panem - fähig zu großen, menschlichen Emotionen, die in ihrer Zeichnung so tief und verständlich waren, dass es mich einfach mitgerissen hat. Und obwohl ich Zoe nicht immer leiden konnte, besonders im Umgang mit den Freunden ihres Vaters, war ich von ihr als Figur so sehr beeindruckt, dass es mich einfach mitgerissen hat. Was für eine Leistung!

Bess: Mal abgesehen davon, dass eine Hündin, die ich kannte, Bess hieß, habe ich mich mit der Zeit richtig an den Namen gewöhnt und finde inzwischen, dass die Autorin keinen besseren hätte finden können. Bess ist das, was man als geübte Jugendbuch-Leserin sofort als die große Liebe der Protagonistin erkennt, ohne, dass man viel von ihm gelesen haben muss. Doch auch hier schafft es Anna Moffey sich gegen bestehende Stereotypen zu stemmen und ihren Charakteren einen ganz eigenen Weg aufzuzeigen: Bess ist mutig, gutmütig, wortgewandt, und auf seine Weise geheimnisvoll und frech. Klar spürt man, dass zwischen ihm und Zoe eine Verbindung besteht, ein kleiner, heißer Funken, der aber erfrischenderweise endlich mal nicht im Mittelpunkt der Handlung breitgetreten wird, sondern sich verschämt am Rande der Geschichte bewegt. So langsam, schrittweise, wie das mit der Liebe eben so kommt - besonders, wenn man ständig auf der Flucht ist. Da gibt es kein "Nach-Fünfzig-Seiten-Schon-Hals-Über-Kopf-Verliebt-Sein" und "An-Nichts-Mehr-Anderes-Denken-Können". Die beiden wachsen zusammen, ja. Sie entwickeln eine Zuneigung für einander, ja, vielleicht. Aber es geht in einem so realistischen Tempo voran, dass es dem Leser Spaß macht, im Text nach kleinen, fein gestreuten Andeutungen für eine wachsende Liebe zu suchen, anstatt sich von der Gewalt überdimensional aufgeplusterter, total übertriebener Liebesstürme erschlagen zu sehen. Ich liebe es, dass Bess nicht der große, starke, sexy Typ mit den stattlichen Muskeln, unwiderstehlichen Körper und hübschen Gesicht ist. Bess ist ... Bess. Er ist geschickt und flink und natürlich auch auf seine Weise hübsch. Aber an Bess ist nichts oberflächlich aufgebauscht oder übertrieben. Er ist eben ein Junge, dem das Leben nicht gut mitgespielt hat, und der trotzdem das Lächeln nie verlernt hat. Ich liebe Bess. Und ich ziehe meinem Hut vor ihm!

TaikNebelring - Das Lied vom Oxean birgt so viele tolle, individuelle Charaktere, die einfach nur zum Liebhaben sind, dass es mir schwer fällt mich für einen zu entscheiden, den ich neben Zoe und Bess noch vorstellen könnte. Taik scheint mir da eine gute Wahl zu sein, denn er ist nicht nur einer der außergewöhnlicheren, sondern auch einer der wichtigeren Charaktere. Als Geschichtensammler ist er immer schon weit gereist, hat dabei auch noch den Ruf, dass die Frauen ihm regelmäßig zu Füßen liegen und dabei auch noch eine unfassbar charmante, abgedrehte Art, mit der er Zoe im Verlauf der Ereignisse immer wieder eine Stütze ist. Dabei tun sich dem Leser immer wieder Fragen auf, die zu klären er einfach verweigert: Woher kommt er? Wieso ist er so alt und sieht trotzdem so jung aus? Und wieso hat er diese merkwürdigen Wellen-Augen, die alle um ihn herum so sehr faszinieren? Zu Beginn macht es noch den Eindruck, Taik sei ein verrückter, alter Einsiedler, den man nicht so recht ernst nehmen kann. Doch im Laufe der Zeit verändert sich dieser erste Eindruck und seine Verrücktheit, die am Anfang noch relativ im Mittelpunkt seiner Person stand, fällt plötzlich von ihm ab, wird nur noch am Rande spürbar, während er hinter den anderen Charakteren und dem Geschehen zurücktritt. Schade! Auch, wenn ich den späteren Taik genauso leiden konnte, wie den anfänglichen, hätte ich mir dennoch ein bisschen mehr von diesem verrückten Funken auch während der Flucht gewünscht, aber vielleicht wäre das dem Ernst der Lage auch nicht gerecht geworden. Alles in allem ein toller Charakter, den man einfach liebgewinnen muss!

Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Noch nie ist mir eine Autorin begegnet, die einen so unvergleichlichen, realistischen und zugleich melodischen Schreibstil hat! Tatsächlich hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass ich mich mitten in einem guten Film befinde. Die Beschreibungen waren so wundervoll detailliert, ohne übertrieben ausfällig zu sein und die Art und Weise, wie die Autorin es schafft, die kleinsten, dem Anschein nach unbedeutenden Momente einzufangen, um aus ihnen ein großes Ganzes zu schaffen, ist einfach faszinierend. Hier gibt es keine abgedroschenen, wiederkehrenden Phrasen, sondern ausgefallene, hinreißende Formulierungen, die von einer ganz besonderen Beobachtungsgabe der Autorin sprechen. Die Dialoge sind allesamt feinsinnig, mitreißend und zeichnen die Figuren so gut, dass jeder einzelne von ihnen schon nach wenigen Seiten als ein vollwertig ausgefeilter Charakter erscheint. Ich würde Anna Moffey ganz dringend ans Herz legen, ihr Talent unbedingt auch im Bereich Drehbuch einzusetzen - die Filme, die unter ihrer Feder entstünden, wären einfach großartig inszeniert! Ihr Schreibstil, ihre Sprache und die Art, wie sie mit wenigen Worten Spannung aufbauen kann, ohne dabei zu schnell oder zu langsam zu sein, ist einfach wahnsinnig gut. Es gibt viele Indiautoren, bei denen ich im Laufe des Lesens das Gefühl habe, dass ihre Sprache nicht angemessen ausgereift ist, um überhaupt zu veröffentlichen. Bei Anna Moffey hatte ich durchgängig das Gefühl, es mit einem ausgewachsenen Profi zu tun zu haben, die jedes Wort so gekonnt setzt, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Ich ziehe meinen Hut, Anna, und ich frage mich bis heute, warum die Verlage sich so ein großes Talent wie dich entgehen lassen!

Handlung  ♥♥♥♥

Hier muss ich tatsächlich ein bisschen Kritik anmelden. Denn obwohl ich  Nebelring - Das Lied vom Oxean von vorne bis hinten genossen habe, so hatte ich doch zu Anfang das Gefühl, dass die Story nicht so recht in Schwung kommen will. Richtig spannend und mitreißend wird es tatsächlich erst ab der Hälfte des Buches, vorher wird viel Wert darauf gelegt, die Haupt- und Nebencharaktere angemessen einzuführen, die Welt zu erklären und Beziehungen zwischen den Figuren zu zeichnen. Das ist zunächst natürlich nichts schlechtes und ich habe von Beginn an jede Zeile in mich aufgesogen, doch ich kann mir vorstellen, dass es dort draußen Leserinnen und Leser gibt, die sich von zu vielen Namen und zu vielen internen Zusammenhängen abschrecken lassen und so die Chance verpassen, tief in eine der - für mich! - vielversprechendsten Fantasygeschichten seit Langem einzutauchen. Die eigentliche Handlung, bei der tatsächlich auch Plot technisch etwas voran geht, fällt dadurch etwas kurz, aber dadurch nicht weniger spannend aus. Es gibt überraschend wenige Klischees, einzigartige Charaktere, faszinierende, neue Ideen und eine spannungsgeladene Szene nach der anderen, sodass man gegen Ende hin kaum dazu kommt, richtig durchzuatmen, weil man vor Anspannung die Luft anhalten muss. Die Handlungen der Charaktere sind immer nachvollziehbar und realitätsnah, was den Leser nochmals tiefer in das Geschehen reißt, als vollkommen übertriebene, aus der Luft gegriffene Cyberschlachten. Wer sich also von der relativ langen Einführungsphase des Romans nicht abschrecken lässt und sich gerne in einer ganz eigenen, charmanten Welt verliert, der kann hier beherzt zugreifen!

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Nebelring - Das Lied vom Oxean hat mich von vorne bis hinten durchweg überzeugt. Autorin Anna Moffey hat ein unfassbar großes Talent für die Zeichnung ganz individuell eigenständiger Charaktere und ein tolles Gefühl für Sprache, sodass ich mich von der ersten Seite an wie in einen großartig inszenierten Fantasy-Film versetzt vorgekommen bin. Tolle Dialoge, tolle Charaktere, tolle Handlung, tolle, neue Ideen und gleichzeitig das Fehlen von unrealistischen Klischees hat mich nach dem Lesen fasziniert und begeistert zugleich zurückgelassen. Ein kleines Manko für ungeduldige Leser könnte es sein, dass sich der erste Teil des Buches vergleichsweise zieht, da hier die Einführung vieler einzigartiger Charaktere und einer faszinierenden, neuen Weltordnung passiert; erst ab der zweiten Hälfte stürzt sich die Handlung in eine Berg- und Talbahnfahrt der Spannung, die einen vollkommen mitreißt. Mich hat die Länge zu Beginn nicht gestört, denn ich war viel zu getragen von den bunten Bildern, die die Autorin mit ihrer farbigen, fantasievollen und nicht einen Moment langweiligen Sprache herbeizuzaubern weiß. Absolut filmreif in Sprache, Stil und Komposition! Ich bin absolut begeistert und ich freue mich schon wie wild auf den zweiten Teil! Mehr davon!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt ♥♥♥
Action 


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1.087 Bibliotheken, 25 Leser, 8 Gruppen, 60 Rezensionen

fantasy, kvothe, magie, universität, patrick rothfuss

Die Furcht des Weisen Band 1

Patrick Rothfuss , Jochen Schwarzer , Wolfram Ströle
Fester Einband: 859 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 07.11.2014
ISBN 9783608938166
Genre: Fantasy

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1.514 Bibliotheken, 32 Leser, 1 Gruppe, 283 Rezensionen

erotik, liebe, geneva lee, royal, sex

Royal Passion

Geneva Lee , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.01.2016
ISBN 9783734102837
Genre: Erotische Literatur

Rezension:


Royal Passion (1)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 448
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-641-18200-7
Preis: 3,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥


Inhalt

"Auf ihrer Abschlussfeier an der Oxford University trifft Clara Bishop auf einen attraktiven Fremden. Ohne Vorwarnung zieht er sie an sich, küsst sie leidenschaftlich und verschwindet. Clara hat keine Ahnung, wer der Unbekannte ist – bis ein Bild von ihnen beiden in der Zeitung auftaucht: Ihr heißer Flirt ist Prinz Alexander von Cambridge, Thronfolger von England, königlicher Bad Boy … Dieser Mann ist gefährlich, in ihm lauern Abgründe, die Clara ins Verderben stürzen können. Ist Clara dieser magischen Anziehungskraft gewachsen?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover  ♥♥♥♥

Royal Passion hat ein schönes, schlichtes Cover ganz nach meinem Geschmack. Während der letzten Wochen bin ich mehrmals darüber gestolpert, wurde von seiner schlichten Schönheit wie magisch angezogen, bis ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe: Ich musste meine Neugierde stillen und wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Sicher, man hätte gestaltungstechnisch sicherlich mehr herausholen können, aber alles in allem ist es doch die Wirkung, die zählt und die wurde bei mir sicher nicht verfehlt!

Charaktere  ♥♥♥

Clara Bishop: Zugegeben, anders als bei anderen Büchern des Genres sind Claras Gefühle für Alexander durchaus nachvollziehbar. Ihre Beziehung zu ihm wurde zwar (unglaubwürdig) stürmisch eingefädelt, doch ihr Verlauf war meiner Meinung nach langsam und zumindest dergestalt glaubwürdig, dass ich mich gut in die beiden hineinversetzen konnte. Gleichzeitig ist Clara für mich eine der langweiligsten Protagonistinnen seit langem und bisher konnte ich noch nicht ausloten, ob es daran liegt, dass ich in dem Genre mit Protagonistinnen bereits gut bedient bin, oder daran, dass der Text sie einfach nicht gut darstellt. Wie ein Fähnchen im Wind gehorcht sie Alexander aufs Wort, lässt sich bedenkenlos naiv von ihm um den Finger wickeln, um dann festzustellen "Oh, er ist der Kronprinz. Der ist jetzt aber nicht so angenehm." Obwohl er sie vor den Konsequenzen gewarnt hat. Die paar Mal, in denen sie versucht, aus dieser unterwürfig-passiven Rolle auszubrechen, scheitert sie in meinen Augen kläglich, was sie in keinem besseren Licht darstellen lässt. Sie hat keine interessanten Hobbies außer zu shoppen, was sie, da sie aus einer wohlhabenden Familie kommt, mit ihrer Freundin auch gern mal mehrmals die Woche tut. Obwohl sie genug Geld auf ihrem Treuhandfond liegen hat, will sie nichts lieber, als für eine Menschenrechtsorganisation im Büro zu Arbeiten - ein Vorhaben, das ihr durchaus zuzuschreiben ist, dafür allerdings zu wenig thematisiert wird, um es wirklich als spannend zu empfinden. Stattdessen sitzt sie in einem Massenbüro in einer Bürobox und tippt irgendwelche Daten in den Computer - dann hätte man ihr auch gleich einen anderen Job zuschreiben können. Für eine Internetfirma vielleicht. Darüber und über die Tatsache, dass auch ihr "großes Geheimnis" bei mir keinerlei Gefühle auslöste und sich für mich in ihrem Verhalten eher unglaubwürdig präsentierte, war ich mehr als enttäuscht. Sie füllt sich flach und langweilig an, die paar Eckpunkte, die ihrem Charakter gegeben wurden, wurden nicht gut genug ausgearbeitet, um sie zu einer autonomen Figur zu formen und die Tatsache, dass sie sich wie ein Fähnchen im Wind bewegt und dabei keinerlei wirkliche Entwicklung durchmacht, haben das Leseerlebnis für mich stark eingeschränkt. Aus der Masse weiblicher Ich-Erzählerinnen im Kosmos der Eros-Romanzen sticht sie damit wohl kaum hervor. Schade.

Alexander von Cambridge: Wenn ich an Alexander denke, fällt mir nur eins ein: heiß! Und wie! Dunkle Haare, blaue Augen, eine gefährliche, tierische Art mit seiner Umgebung umzugehen, launisch, cholerisch, redegewandt und dabei auf seine ganz eigene, dezente Weise ein gutmütiger Kerl. Mit Geheimnissen. Und man muss der Autorin ganz klar lassen, dass sie es versteht, diese Geheimnisse so dezent zu verpacken, dass man als Leser(in) die ganze Zeit das Gefühl hat, man bekäme hungrig nur ein paar Brotkrümel gestreut. Sicher, wenn ich Clara wäre, wäre ich Alexander auch verfallen. An dieser Stelle muss ich beläufig erwähnen, dass ich 50 Shades of Grey nicht gelesen habe, der Vergleich zu Mr. Grey online allerdings beinahe einstimmig erfolgt. Auch Alexander hat einen äußerst ausgeprägten Kontrollzwang - man könnte es auch Trieb nennen - und hat dabei keine Hemmungen auch in die BDSM-Szene abzudriften. War mir neu. War interessant. Und hätte Alexander dabei bloß den Mund gehalten, wäre es sicherlich auch anregend gewesen. Denn neben 'sanfter Gewalt', wie sie nur beim Sex entstehen kann, hat er auch eine rege Vorliebe für Dirty Talk, der dabei weder gut noch besonders originell ist (was allerdings auch an der Übersetzung liegen könnte). Wiederholungen über Wiederholungen, Worte, die für mich alles andere als ansprechend, sondern eher abschreckend sind und das zu jedem möglichen Zeitpunkt. Am Anfang war es irritierend und neu, aufregend und irgendwie spannend. Gegen Ende hin ging mir sein Gerede beim und vor dem Sex so auf die Nerven, dass ich seine direkte Rede oft einfach übersprungen habe. Denn abgesehen davon sind seine Ideen, Claras Lust auf die Spitze zu treiben, abwechslungsreich und gut zu lesen. Wenn auch etwas zu schnell, zu oft und dadurch zu unglaubwürdig, um wahr zu sein. Alles in Allem trifft Alexander jedoch genau meinen Geschmack, wenn es darum geht, einen Mann zu verkörpern, den ich beim Lesen als sexy empfinden soll (bis auf das Problem mit dem vielen Reden vielleicht. Hihi!). Ich bin regelmäßig dahin geschmolzen und war am Ende sogar so weit in ihn verknallt, dass mir das Ende des ersten Bandes Herzschmerz bereitete. Hach...

Schreibstil  ♥♥♥♥

Geneva Lee schreibt wirklich gut. Sehen wir von dem - für mich üblichen - Kritikpunkt einmal ab, dass die Sexszenen, die in diesem Buch wirklich WIRKLICH häufig vorkommen, stets mit den immer gleichen Begriffen und Worten beschrieben werden, die Frau immer schon nach zwei Minuten kommt und dabei regelmäßig multiple Orgasmen erlebt, wie es für das Genre eben üblich ist, kann ich eigentlich über nichts klagen. Lee schafft es, eine fiktive Welt des neueren Adels zu schaffen, in die ich mich vollkommen hineinversetzen konnte, deren Charaktere - bis auf Clara vielleicht - liebenswürdig (auf die ein oder andere Weise) und einzigartig hervortreten und in der ich mich einfach von vorne bis hinten wohlgefühlt habe. Die Dialoge sind scharfsinnig, wortgewandt und zum Teil erheiternd komisch, die Art, wie die Charaktere in ihrem Sozialgefüge funktionieren gibt dem Leser das Gefühl, sich in einem familiären Netz zu bewegen, so lange, bis man seine "Pappenheimer" eben kennt. Sie hat mich mitgerissen, fasziniert, in mir Emotionen ausgelöst und mich mit ihrem unwiderstehlichen Hauptcharakter so gefangen, dass ich bis zum Schluss dabei geblieben bin, nur um zu erfahren, wie sich seine Geschichte entwickelt (nicht etwa Claras...). Ein schöner, leichter Schreibstil mit hübschen Formulierungen und dem ein oder anderen Stilmittel, das mich stark an meinen eigenen Schreibstil erinnert hat. Schön! Für das nächste Mal würde ich mir mehr Abwechslung bei den Formulierungen sexueller Handlungen und ... ein bisschen weniger Sex im Allgemeinen wünschen. In diesem Fall zählt sicherlich: nur selten ist besonders.

Handlung  ♥♥♥

Eine Bewertung der Handlung fällt mir schwer ... ich fühle mich zugegebenermaßen eher hin- und hergerissen. Einerseits habe ich mich zwar gut unterhalten gefühlt, besonders im Hinblick auf den Zwiespalt, in dem Alexander sich befindet, andererseits musste ich bis zum Schluss feststellen, dass an der Handlung nichts wirklich neu oder in gewisser Weise originell ist. Die beiden finden zusammen, es gibt einen Grund ihre Beziehung anzuzweifeln, es kommt zum Streit, sie finden erneut zusammen - und das Spiel geht so weiter. Das Schlimme ist, dass der Leser und die Hauptfiguren allesamt wissen und ahnen, was auf sie zukommt, sie sich aber trotzdem immer weiter hineinbegeben, um vielleicht doch irgendwie noch ihr Glück herauszufordern. Irgendwie ironisch. Diese Vorhersehbarkeit sei der Handlung jedoch verziehen. Wir befinden uns hier in einem Genre, dessen Möglichkeiten zur Neuerschaffung doch eher mau sind. So gesehen entspricht die Handlung eigentlich genau dem, was man von ihr erwartet. Liebe, Sex, Herzschmerz ... und eine Menge Probleme, die gelöst werden wollen. Aber müssen wirklich drei Bände sein? Drei? Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich die jetzige Handlung noch so weit strecken lässt, ohne redundant oder langweilig zu werden. Aber vielleicht kann mich der zweite Band ja etwas Besseren belehren.

Gesamtwertung ♥♥♥

Rückwirkend gesehen würde ich sagen, dass es sich bei Royal Passion um ein gutes, jedoch eher durchschnittliches Buch des Genres handelt. Die Autorin hat es geschafft, mich mit ihrem tollen Schreibstil, ihren schönen Ideen und ihrem heißen männlichen Protagonisten zu überzeugen, während mich die weibliche Hauptfigur eher gelangweilt hat und mich Alexanders Versuche, sexy Dirty Talk zu betreiben, eher abgeschreckt als angesprochen haben. Die Handlung ist zwar nichts besonderes, aber sie birgt ein stetes Maß an Spannung, sprachlicher Gewandtheit und zum Teil auch Wortwitz, sodass man sich sehr leicht sehr gut unterhalten lassen kann. Aber Achtung: hier wartet Sex, viel Sex. Und der ist mit Vorsicht zu genießen, wenn man einen leichten Hang zur Prüderie hat ;) . Alles in allem hat mir das Buch gut, aber nicht sehr gut gefallen und ich schaue dem zweiten Band sowohl mit Spannung, als auch mit der Angst entgegen, das er mich bloß enttäuschen wird. Abwarten!


Spannung
♥♥♥
Romantik
♥♥♥♥♥
Humor
♥♥
Gewalt
♥♥♥
Action
♥♥


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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

fantasy krimi, london, 19. jahrhundert, jack the ripper, zeitreise

Feuerrot

Julia Seuschek
E-Buch Text: 94 Seiten
Erschienen bei null, 21.11.2015
ISBN B018C9EKEC
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Herzprickeln

Olivia LaFey
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 03.12.2015
ISBN 9781519365682
Genre: Sonstiges

Rezension:

Herzprickeln

Autor: Olivia LaFey

Genre: Erotik, Romantik, Slice of Life

Erschienen: 15.12.2015

Seiten: 151

Einband: eBook (auch als Taschenbuch)

Verlag: /

ASIN: B019E4FWBE

Preis: 0,99€ 


Rating: ♥♥♥♥♥


Inhalt

"Ausgerechnet Womanizer Alessandro wird Anatomie-Praktikumspartner von Einserkandidatin Lana. Das Thema: Sex. Natürlich ist Alessandro Feuer und Flamme, während die ehemalige Ballerina Lana weder dem heißen Thema noch ihrem nicht weniger heißen Partner etwas abgewinnen kann. Auf der Suche nach geeigneten «Darstellern» für das gewagte Projekt schlittern die beiden durch diverse Rotlicht-Etablissements – Mit verheerenden Folgen. Denn auf einmal wird aus Projekt Sex Projekt Herzprickeln. Aber was verbirgt sich hinter Alessandros anziehender Frauenheldfassade, die urplötzlich bröckelt, als Lana bedrohliche Nachrichten erhält? Ist er doch der Badboy in dem perfiden Spiel, das ein Unbekannter treibt? Lana muss handeln - Und gerät in einen verwirrenden Strudel aus Angst, blindem Verlangen und einem anderen, zarteren Gefühl, das laut Projektkonzept überhaupt nicht vorgesehen war. Ein prickelnd frischer Lesespaß mit einem ordentlichen Schuss Spannung." - Quelle: Amazon


Cover  ♥♥♥♥

Lange, lange habe ich gespannt auf das Cover zu Herzprickeln gewartet und habe gehofft, dass es so ungefähr dem entspricht, was ich mir beim Lesen die ganze Zeit vorgestellt habe - und es wurde sogar noch viel besser! Ich liebe, liebe, liebe das Cover! Das helle, in grau gehaltene Hauptmotiv mit den blutroten Lippen, das Stethoskop über der Schulter, passend zu den medizinischen Themen, die das Setting ausmachen, der verschmitzte Finger, der ein kleines, erotisches Geheimnis verspricht und der Name der Autorin hübsch dezent als Tattoo auf der Schulter der Dame, die Svetlana sein könnte. Gefällt mir gut! Vor allem, da ich ständig ihre Lippen anstarren muss - sie laden wirklich dazu ein. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Schriftart des Titels. Die Farbe passt ganz wunderbar, aber die Herzchen in den dicken, verspielten Buchstaben sind mir ein kleines bisschen too much. Trotzdem ein herrlich passendes Cover!


Charaktere  ♥♥♥♥♥

Svetlana: Ich fand Svetlana einfach wunderbar. Sie ist herrlich verklemmt, hat aus irgendeinem Grund schreckliche Schwierigkeiten damit, sich anderen, besonders Männern, zu öffnen und ja ... bekommt - und das obwohl sie Medizin studiert - die einfachsten Begriffe der Sexualkunde nicht über die Lippen. Natürlich ist sie damit das gefundene Fressen für alle um sie herum, die damit ihre Spielchen treiben; allen voran Alessandro. Lanas Entwicklung im Verlauf der Geschichte hat mich wirklich erstaunt: Während sie am Anfang noch nicht so recht weiß, wohin mit sich, ihrem Leben und ihrem Liebesleben und sich von Grund auf ständig unterschätzt, schafft sie es gegen Ende hin, zu einem runden, selbstbewussten und ganz besonders liebenswürdigen Charakter heranzuwachsen, mit dem ich mich einfach wunderbar identifizieren konnte. Ich hatte Angst, dass sie eines von diesen Mädchen ist, das sich ganz im Schatten ihres erotisierenden Liebhabers versteckt und sich dabei stets von ihm retten und einlullen lässt. Dem ist nicht so! Zum Schluss erhebt sie sich derart über ihre stereotypen Rollenauflagen, dass mir geradezu die Kinnlade runtergeklappt ist. Super! Trotzdem gab es an der ein oder anderen Stelle den ein oder anderen Aufreger für mich, denn sie neigt auch schon mal zur Kopflosigkeit und - das ist etwas, das ich bei Hauptcharakteren immer ganz, ganz kritisch finde - neigt zu vorschnellen Schlüssen und begreift sehr, sehr viel langsamer als der Leser, sodass ich ihre Schlussfolgerungen häufig mit einem frustrierten Kopfschütteln quittieren musste. Aber gut, das sei ihr verziehen, denn ansonsten ist sie wirklich ein wunderbarer Charakter, um sich ganz in der Gesichte zu verlieren. 


Alessandro: Zugegeben, zuerst dachte ich "Oh nein, nicht schon wieder so einer" ... das ist vermutlich der Fluch derjenigen, die zu viele Romantik- und Erotikromane lesen. Sandro allerdings hat mich, trotz seiner zunächst sehr vorhersehbaren Art, vollkommen überzeugt. Denn anders, als ich erwartet hatte, entpuppte er sich nicht als das "Harte-Schale-Weicher-Kern-Erotisierender-Liebhaber-Exemplar" von einem Mann, sondern als eine Art Bad Boy, wie es genau meinen Nerv trifft. Ohne zu viel verraten zu wollen: Er ist bestimmt liebevoll, behutsam, manchmal dominant, verschmitzt sexy - ohne dabei übertrieben prollohaft zu sein - und an genau der richtigen Stelle "verrucht böse", ohne wirklich ernsthafte, moralische Grenzen zu überschreiten. Er ist genau der Richtige, um in Svetlana ungekannte Gelüste zu wecken, sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken und ihr zur Seite zu stehen, wenn sie die Powerfrau in sich entdeckt. Ein herrlicher Mann! Bitte werde doch Realität, ja? Vielleicht zu perfekt? Mir egal. Genau die richtige Mischung Good-Guy und Bad-Boy für mich! Schluss, Aus, Ende. Achtung: meine Meinung. Ihr seid gerne eingeladen, euch ein eigenes Urteil zu bilden. :)


Schreibstil  ♥♥♥♥♥

Olivia weiß es, ich weiß es und gleich wisst ihr es auch: Ich liebe, liebe, liebe ihren Schreibstil. Er liest sich wie Butter, ist herrlich witzig und erfrischend und so geistreich, dass ich schnell feststellen musste, mich bei einem Erotikroman noch nie SO gut unterhalten gefühlt zu haben, ganz unabhängig der sexuell pikanten Szenen. Sehr häufig habe ich mich dabei erwischt, mit einem breiten Grinsen in der S-Bahn zu sitzen und mich über einen ihrer herrlich situationskomischen Dialoge zu bekichern. Ihr Text strahlt so viel Lebensfreude aus - und das nicht nur zwischen den Zeilen -, dass ich mich beim Lesen ständig gefühlt habe, als läge ich in einer wohlig warmen Badewanne mit einem Glas Whiskey in der Hand und ließe mir von einem Latino mit Namen Sandro die verspannten Schultern massieren. Okay, vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber ich meine es eben wirklich ernst. Olivias Schreibstil ruft in mir eine tiefe Zufriedenheit hervor und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr lesen. Jetzt. Sofort! Ein kleines Manko hatte ich zu Beginn der Geschichte trotzdem: Die Sexszenen waren mir persönlich ein wenig zu verschämt, zu vorsichtig und zu dürftig beschrieben, um die Geschichte wirklich im Sinne der "Erotik" einzuordnen. Bis ich dann zum Schluss gemerkt habe, dass das gar nicht in Olivias Schreibstil, sondern einzig und allein Lanas Perspektive begründet liegt, denn sie selbst hat Probleme, sich zu öffnen und dadurch wirken ihre Beschreibungen ein weniger verhalten und beschämt. Im Verlauf der Geschichte werden die Szenen dann zunehmend pikanter, deutlicher, selbstbewusster beschrieben und regen mehr und mehr auch die Fantasie an - und das ist es doch schließlich, was es soll, oder? So gesehen kann man dieses "Manko" nicht als "Manko" beschreiben, sondern bloß als einen wundervollen Kunstgriff sich entfaltender, sexueller Einflüsse. 


Handlung  ♥♥♥♥

Zugegeben, die Handlung fällt, was das Genre angeht, jetzt nicht unbedingt aus dem Rahmen: Verklemmte Studentin trifft heißen, selbstbewussten Latino-Mitstudenten und bekommt mit ihr die Aufgabe, einen Vortrag über Sexualität zu halten. Klar, das Lana, die noch nicht einmal "Vagina" aussprechen kann, ohne sich zu verschlucken, damit ein Problem hat. Sandro jedoch weiß ganz genau, wo er sie "anzupacken" hat, um sie ganz langsam in das Thema "einzuführen". Bei ihrer gemeinsamen Recherche entdecken sie nicht nur die körperlichen Vorzüge ihres Themas, sondern erleben auch merkwürdige Abenteuer, die die beiden zusammenschweißen und den Leser zunehmend belustigen. Dann bekommt Svetlana unheimliche Droh-SMS und das ganze nimmt plötzlich eine spannende Wendung, die, nach ein bisschen Mitdenken, gar nicht mehr so spannend ist. Trotzdem schafft es Olivia den Leser mit vielen, kleinen, originellen Ideen zu fesseln und dabei in genau richtigem Maße zum Lächeln, Mitfiebern und - ja - auch ein bisschen zum Sabbern zu bringen. Besonders die bereits erwähnte Wendung, die mit Lanas Charakterentwicklung unmittelbar zusammenhängt, hat mich vom Hocker gehauen, denn damit hatte ich nun so gar nicht gerechnet. Besonders erfrischend war es, dass es in der Geschichte unnötig kompliziert und nervtötend dramatisch zwischen den beiden Hauptcharakteren zuging. Klar gibt es Konflikte, Momente des Zweifels, Zorn und Tränen, aber alles in Maßen. Und Sandro bleibt dabei so unfassbar gelassen und souverän, dass man nie das Gefühl hat, es wäre too much (wie manchmal bei Bad Romeo & Broken Juliet). Für einen Roman der Genres Romantik und Erotik fand ich die Geschichte außerordentlich gut ausgearbeitet, spannend, ergreifend und vor allem - genau im richtigen Maße wichtig. Hat mir gut gefallen!


Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Ich hatte das außerordentliche Vergnügen, Olivias Herzprickeln vor ein paar Monaten probe zu lesen und war schon damals nicht nur überrascht, sondern auch total begeistert. Sie hat es geschafft einen Erotikroman zu schreiben, dessen Handlung nicht vollkommen abgedroschen, sondern in höchstem Maße unterhaltsam ist und damit genau richtig ist für Abende voll guter Laune und Entspannung - und ein bisschen prickelnde Erotik. Ich hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen und trotz der ein oder anderen Sache, die mich gestört hat, finde ich Herzprickeln den - für mich persönlich - besten Romantik/Erotikroman von all denen, die ich bisher lesen durfte und ich kann ihn nur jedem gütlich ans Herz legen, der einfach mal verschmitzt lächeln und abschalten möchte. Einfach genießen!



Spannung

♥♥

Romantik

Humor

Gewalt

♥♥

Action


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wanderer, düste, schamanin

Der Wanderer - Die Schamanin

Dominique Stalder
E-Buch Text: 89 Seiten
Erschienen bei SadWolf Verlag, 20.11.2015
ISBN 9783946446019
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Wanderer - Die Schamanin (1)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.11.2015
Seiten: 89
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ASIN: B018DXFND4
Preis: 2,99€

Rating: ♥♥♥

Inhalt

"Ohne Erinnerung und Kleider erwacht der Wanderer am Strand. Fragen über Fragen verfolgen ihn. Bald findet er Obdach bei der Schamanin Drakatia, die seine Fähigkeiten erkennt. Sie lehrt ihn, wie er die Magie des Feuers beherrschen kann und spinnt dabei ihre eigenen Netze. Zusammen mit dem Mädchen Myrael leben die drei inmitten eines Sumpfes, bis zu dem Moment, in dem Drakatia eröffnet, dass sie in Kürze ein wichtiges Ritualvollziehen wird. Merkwürdige Dinge geschehen darauf. Die von Angst getriebene Myrael ahnt Schlimmes und der Wanderer beobachtet Absonderliches. Nur drei Tage hat er Zeit, um hinter das Mysterium des Rituals zu kommen. Dochdie Wahrheit und ihre Folgen sind schlimmer, als er je erwartet hätte …" - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥


Ich muss gestehen, auf den ersten Blick empfand ich das Cover von der Wanderer als unscheinbar, eben weil es nicht mit übertrieben knalligen Farben aus der Masse noch knalligerer Farben heraussticht, sondern sich mit seiner Düsterkeit hinter einer eher bescheidenen, angenehmen Farbgebung verbirgt. Erst bei genauerem Hinsehen eröffnet sich dem Betrachter die eigentliche Schönheit und Detailgenauigkeit des Covers, das nicht nur meine Lieblingsfarbe Türkis als zweites Grundthema trägt, sondern auch die Charaktere haar genau so darstellt, wie ich sie mir vorgestellt habe. So etwas Passendes habe ich lange nicht erlebt! Aber die meisten Cover heutzutage trauen sich auch gar nicht mehr, ihren Lesern die Vorstellung der Figuren vorweg zu nehmen. Normalerweise stehe ich dem Ganzen kritisch gegenüber - hier stört es mich gar nicht, einfach, weil die Ausführung stimmt. Einzig und allein die Darstellung von Myrael, der Figur links, gefällt mir nicht so gut, sie wirkt ein bisschen aufgebläht und zu wenig filigran für den Charakter, den sie darstellen soll. Ansonsten ein wirklich schönes Cover.

Charaktere  ♥♥♥

Haric: Unser Protagonist Haric wacht eines düsteren, verregneten Tages ohne Kleidung an einem ihm unbekannten Strand auf und stellt fest, dass er weder weiß, wer er ist, noch, wo er herkommt oder wo er sich gerade befindet. Gerade diese undefinierbare Leere, die ihn sowohl für sich selbst, als auch für den Leser wie ein unbeschriebenes Blatt wirken lässt, macht es schwierig, ihn überhaupt zu definieren oder zu charakterisieren. Ich wurde ehrlich gesagt nur sehr schwer warm mit ihm, besonders weil er sich die meiste Zeit eher unscheinbar, unterwürfig und zurückhalten verhält, was es mir schwer gemacht hat, ihn als 'Helden' der Geschichte so richtig wahrzunehmen. Erst am Ende des Buches, im Angesicht der Gefahr und der Bedrohung einer ihm sehr wichtigen Person, wächst er über sich selbst hinaus und zeigt endlich das, was ich die ganze Zeit an ihm vermisst habe: Rückrat. Endlich, dachte ich, endlich machst du den Mund auf, Haric und zeigst, was in dir steckt! Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass der gute Mann und ich in den kommenden Teilen besser miteinander auskommen werden.    

Drakatia: Ganz anders erging es mir da mit der Titel gebenden Schamanin, Drakatia, die mich von der ersten Sekunde ihres Erscheinens in ihren Bann geschlagen hat. Ihre bissige, tempramentvoll und zugleich amüsiert-überhebliche Art, Haric und Myrael zu begegnen, traf genau meinen Geschmack dessen, wie eine starke Frau zu sein hat. Sie weiß was sie will, setzt ihren Willen durch und scheut nicht davor zurück, sich das zu nehmen, was ihr (in ihren Augen) zusteht. Ich habe jede einzelne Konversation zwischen ihr und den beiden anderen Charakteren genossen und war besonders von ihrem Geheimnis fasziniert, das sich dem Leser nach und nach offenbart. Ein wirklich sehr gelungener Charakter, von dem man lange nicht weiß, ob er Freund oder Feind ist. Sehr schön!

Myrael: My ist wohl das, was man in der englischen Literaturtheorie eine "damsel-in-distress" nennen würde. Sie ist zart, herzlich, wunderhübsch und dabei beinahe zerbrechlich. Sie ist genau die Art von Charakter, die ich mich (und die Literaturwissenschaft) schon immer fasziniert hat, aber gleichzeitig dem Risiko unterliegt, vorhersehbar und langweilig zu sein. Myrael ist das nicht. Tatsächlich bringt sie mit ihrem mysteriösen, angstvollen Verhalten genau die richtige Portion Spannung in die Geschichte, die andernfalls schmerzlich gefehlt hätte. Ich mochte die Darstellung ihrer Beziehung zu Haric, deren Basis eine ganz zarte, unscheinbare Blüte der Zuneigung ist, die jederzeit zu zerbrechen droht. Lediglich ihre ewige Unzugänglichkeit und ihr stures Schweigen gegen Ende hin, trieb mich beinahe in den Wahnsinn und ist für mich die einzige Schwäche, die ich an ihrem Charakter erkennen kann.

Schreibstil  ♥♥♥

Grundsätzlich hat mir Dominique Stalders Schreibstil ganz gut gefallen. Er ist detailliert und kunstvoll, sieht sehr stark von Umgangssprache ab, was für das Darkfantasy-Genre nur gut und üblich ist. Seine Sprache ist wirklich sehr schön, bedient sich dabei einer malerischen Kraft, kommt mir an ein paar wenigen Stellen bei bestimmten Formulierungen jedoch noch etwas unbeholfen vor, was sich vor allem an bestimmten Worten und Redewendungen abzeichnet, die er immer wieder gerne benutzt. Als besonders gelungen empfand ich die Darstellung der verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Haric und den beiden Frauen, Myrael und Drakatia, die unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können. Klischeehaft ist hier nichts! Ein großer Störfaktor waren für mich jedoch die seitenlangen Innensichten des Hauptcharakters, deren Existenz an sich nichts Schlechtes ist, sie sich jedoch derart in Wiederholungen und ellenlangen Beschreibungen irrelevanter Handlungen und Gedankengänge verliert, dass es mir manchmal schwer fiel, ganz bei der Sache zu bleiben.

Handlung  ♥♥♥

Bei  Der Wanderer - Die Schamanin handelt es sich ganz klar um den Auftakt einer mehrteiligen Fantasyreihe und bildet mit seinen ca. 100 Seiten keinen ganzen, vollwertigen Roman, sondern soll den Leser langsam in Thematik und Handlung der kommenden Bücher einführen. Behält man diese Tatsache im Auge, versteht man das Konzept der Handlung leichter. Für mich persönlich hat es genau diesen Zweck erfüllt: Es hat mir Lust gemacht auf mehr und mich in dem Drang zurückgelassen, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Leider hat mich die Handlung jedoch erst gegen Ende des Buches gepackt, denn die durch die seitenweisen Innensichten des Hauptcharakters las sich die Geschichte manchmal zäh und fühlte sich unnötig in die Länge gezogen an. Die wirklich wesentlichen Stellen waren jedoch spannend gemacht und regten zum Weiterlesen an, wurden aber auch hier zum Teil sehr stark ausgereizt. Man muss diese Form des sprachlichen Detailreichtums mögen, andernfalls kann  man sich leicht darin verheddern und steckenbleiben. 

Gesamtwertung ♥♥♥

Alles in Allem war Der Wanderer - Die Schamanin für mich ein gut gelungener Anfang für etwas noch viel Größeres. Auch, wenn ich mit Haric in diesem Teil der Geschichte noch nicht so richtig warm werden konnte, so bin ich doch überzeugt davon, dass er sich spätestens mit der Suche nach seiner wahren Identität so formen wird, dass er auch für mich an Substanz gewinnt. Für die kommenden Teile wünsche ich mir, dass Harics Innensichten erhalten bleiben, sich vielleicht in Zukunft aber eher auf das Wesentliche beschränken. Es herrscht ein schmaler Grad zwischen Detailverliebtheit und Schwafelei, denn man darf nie vergessen, dass auch der Leser nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne hat. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den nächsten Teil, denn ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welche Geheimnisse und Abenteuer noch auf den Wanderer warten - denn Dominique Stalders hier abgezeichneter Ideenreichtum hat definitiv großes Potential!


Spannung  ♥♥
Romantik 
Humor 
Gewalt 
Action 

- Eure Bücherfüchsin

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wanderer, mysteriöser protagonist, schamanin, spannend, vereinnahmend

Der Wanderer - Die Schamanin

Frank David
E-Buch Text: 103 Seiten
Erschienen bei Edition Anna Perenna, 23.11.2014
ISBN B00Q381OB2
Genre: Romane

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509 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

liebe, theater, leisa rayven, new adult, schauspiel

Bad Romeo und Broken Juliet - Ich werde immer bei dir sein

Leisa Rayven ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.10.2015
ISBN 9783596033232
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich werde immer bei dir sein (2)

Autor: Leisa Rayven
Genre: Romantik, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 22.10.2015
Seiten: 416
Einband: Klappenbroschur
Verlag: Fischer Paperback
ISBN: 978-3-596-03323-2
Preis: 14,99€ (D) / 15,50€ (A)

Rating: ♥♥♥♥


Inhalt

"Bad Romeo & Broken Juliet: Die atemberaubende Liebesgeschichte geht weiter. Aber wie viele zweite Chancen kann man bei seiner ersten großen Liebe bekommen?

„Ich würde dich gerne küssen.“ Ethan flüstert jetzt, und mir stockt der Atem. „Das denke ich fast jeden Tag. Es ist echt erbärmlich, wie oft ich es mir vorstelle. Ich dachte, ich wäre über dich hinweg. Aber das bin ich nicht.“

Ethan und Cassandra teilen den Traum vom ganz großen Broadway-Erfolg. Doch die Auswahlverfahren für die zu besetzenden Rollen werden für sie immer wieder zu schicksalhaften Begegnungen: Ihre Körper ziehen sich so sehr an, dass die Spannung auf der Bühne nahezu greifbar ist. 
Hinter den Kulissen herrscht hingegen Krieg. Cassandra ist sich sicher: nie wieder Ethan! Doch jetzt steht er vor ihrer Tür und will für die wahre Liebe kämpfen." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥

Das Cover von  Ich werde immer bei dir sein gefällt mir aus den selben Gründen nicht, die ich schon beim ersten Teil  Wohin du auch gehst schon angemerkt hatte: Es ist einfach too much. Zu viel Kitsch, zu viel Gold, zu viel Bling-Bling - und eigentlich habe ich auch nur zugegriffen, weil ich den ersten Teil kannte und liebte, sonst wäre dieses Buch womöglich vollkommen an mir vorbeigegangen. Ein blaues, zertrümmertes Herz aus Rosenblättern, das sich langsam wieder zusammensetzt, vor einem goldglänzenden Hintergrund. Es gibt auf dem Markt wahrscheinlich kein Cover, das mehr "herzerreißende Liebesschnulze mit Happy End!" schreit, als dieses. Es erregt allerdings auf alle Fälle Aufmerksamkeit, wenn man daran vorbeikommt, dass ist ja schließlich auch sein Job. Gefallen muss es mir deswegen aber nicht. 


Charaktere  ♥♥♥♥

Cassandra Taylor: Mit unserer Broken Juliet hatte ich auch im zweiten Teil der Geschichte so meine Probleme. Obwohl ich ihren Schmerz nach der Trennung und ihre Probleme, danach wieder auf die Beine zu kommen, sehr wohl nachfühlen konnte, kamen mir ihre Handlungen an manchen Stellen so merkwürdig und sinnlos vor, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Vielleicht kann ich es mir aber auch einfach nur nicht vorstellen, dass man seiner verflossenen Liebe auch drei Jahre nach dem Schlussstrich noch immer so hinterher trauert, als wäre die Trennung erst gestern gewesen. Vielleicht war ich aber auch noch nie so richtig verliebt. Nichtsdestotrotz habe ich ihre Entwicklung bis zum Schluss mit Begeisterung verfolgt, habe mit ihr gelitten, mit ihr geliebt, gehasst und getrauert, auch wenn ich regelmäßig dachte: "Mädchen, reiß dich zusammen!". Sie ist tatsächlich gebrochen, genau so, wie es der Untertitel der Reihe prophezeit - doch das heißt nicht, dass sie nicht in der Lage ist, sich Stück für Stück wieder zusammenzusetzen!
Ethan Holt: Ich gebe es zu: Ich bin absolut verliebt in Ethan. Gegenwartsethan, Vergangenheitsethan, ganz egal, wenn ich die Möglichkeit hätte, ihm persönlich zu begegnen, würde ich mit ihm Pferde stehlen. Obwohl er eigentlich überhaupt keine Ahnung hat, was er tut, schafft er es, nicht nur Cassies Herz, sondern auch das der Leserinnen reihenweise gefangen zu nehmen und rückt sie einfach nicht mehr heraus. Es ist unfassbar interessant zu beobachten, wie sich der misstrauische, beziehungsunfähige Junge sich letztlich zu einem starken und gefühlvollen Mann entwickelt und es aus eigener Kraft - aber mit ein bisschen Hilfe - schafft, seine ureigenen Ängste zu überwinden. Letztere waren zwar auch der Grund, warum ich das Buch regelmäßig frustriert in die Ecke pfeffern wollte, aber hey, vermutlich ging es ihm da nicht anders. Die ganze Zeit dachte ich "Junge, jetzt komm doch endlich mal klar!" und wollte nicht verstehen, warum er schon wieder Mist bauen muss. Andererseits wurde sein psychologischer Hintergrund im Verlauf der Geschichte so plausibel erklärt, dass ich ihm gar nicht lange böse sein konnte. Chapeau!


Schreibstil  ♥♥♥♥

Leisa Rayvens Schreibstil ist eine bunte Mischung aus flüssig, humorvoll, romantisch, dramatisch, mitreißend und lebendig und hat mir damit unfassbar schöne Stunden und ein herrliches Lese-Erlebnis beschert. Selten litt ich unter einer Liebesgeschichte solche Stimmungsschwankungen, wie bei Bad Romeo & Broken Juliet. Besonders toll fand ich die Art und Weise, mit der sie die verschiedensten Textsorten dafür gebraucht hat, dem Leser die Zwickmühle der beiden Hauptcharaktere näher zu bringen - neben den normalen, erzählten Handlungen, die abwechselnd in der Vergangenheit und der Gegenwart stattfinden, finden wir nämlich auch noch dezent gestreut Tagebucheinträge und Flashbacks in diese Handlungen eingewoben. Damit fand ich nicht nur ein so heiß ersehnter Perspektivenwechsel statt, sondern dem Leser wurde gegen Ende hin immer deutlicher gemacht, dass die beiden Handlungsstränge - Vergangenheit und Gegenwart - gerade dabei sind, dezent ineinander überzugehen. Fasziniert habe ich beobachtet, wie ich besonders die Flashbacks zum Schluss einfach nur noch mit Begeisterung inhaliert habe, weil sie so sehr zur Spannung beigetragen haben. Einen gewichtigen Kritikpunkt habe ich aber dennoch: Obgleich mir die intimen Szenen zwischen Ethan und Cassie gut gefallen haben, wurden sie mit der Zeit trotzdem irgendwie redundant und vorhersehbar. Immer die selben Griffe, die selben Worte für die selben Beschreibungen und die selben übertrieben-aufgebauschten körperlichen Gefühlsregungen auf die kleinsten Berührungen. Alles schön und gut, alles schön und glaubhaft - aber bitte in Maßen. Ich sage nicht, dass man diese Szenen streichen sollte, es bloß gereicht sie nicht auf die immer wieder gleiche Weise zu beschreiben. Sonst wird es irgendwann langweilig!



Handlung  ♥♥♥♥

Die Handlung von Bad Romeo & Broken Juliet ist ein einziges, symmetrisch-paralleles Gebilde von Annäherung und Abstoßung, Schmerz und Glückseligkeit, Misstrauen und Liebe. Bewegen sich die Charaktere in der Gegenwart aufeinander zu, tun sie es auch in der darauffolgenden Vergangenheits-Episode. Stoßen sie einander ab, geschieht es in beiden Handlungssträngen ebenfalls parallel. Ist zu Beginn der Geschichte (in Band 1) Ethan derjenige, der ein gravierendes Problem mit Vertrauen hat, ist es zum Schluss (in Band 2) Cassie, der es so geht. Und so weiter und sofort. Ich habe die Entwicklung der Handlung mit Begeisterung und Staunen verfolgt und habe mich gefragt, wie eine Autorin es schafft, einer solch gleichmäßigen Struktur zu folgen, ohne hin und wieder auszubrechen. Ein Problem hatte ich mit diesem 'System' schließlich doch, denn genau wie bei den immer wieder gleich beschriebenen Sexszenen, gab es auch im Großen und Ganzen immer wieder Dinge, die sich wieder und wieder wiederholt haben, Gespräche die so oder so ähnlich schon einmal stattgefunden haben oder Probleme, Gefühle und andere Dinge, die wir schon in Band 1 miterleben konnten. Für mich war es einfach zu viel - eine Pirouette zu viel, ein Theaterstück zu viel, ein Streit zu viel, einmal Sex zu viel, einmal zu viel Sturheit. Die Geschichte hätte sich schon viel früher zu einem guten Ende wenden können und hätte mir und Cassie damit viel Leid erspart. In meinen Augen wären keine zwei Bände nötig gewesen, um aus Ethan und Cassie eine tolle Liebesgeschichte zu machen, aber vielleicht bin ich da auch nur zu kritisch. Rein vom Aufbau her finde ich die Geschichte nämlich äußerst gut gelungen. 



Gesamtwertung ♥♥♥♥

Alles in Allem hat mir die Geschichte um die beiden Jungschauspieler und ihre Unfähigkeit, eine rechte Beziehung zu führen, sehr gut gefallen. Trotz der Meinungsverschiedenheiten, die ich manchmal mit Cassie hatte, konnte ich gut mit ihr fühlen, mit ihr leiden und lieben und war Ethan dabei mit Haut und Haar verfallen. Genau deswegen wollte ich einfach, dass die beiden endlich zusammen finden, endlich glücklich werden und ihre dämlichen Kindereien endlich hinter sich lassen. Zwei Bände mit über 400 Seiten hat es dazu gebraucht. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen! Nichtsdestotrotz bin ich glücklich über den Ausgang der Geschichte und die positive Botschaft, die sie mit sich bringt und ich kann nur von Glück sagen, dass ich damals, trotz meiner offensichtlichen Geschmacksverirrung das Cover betreffend, trotzdem zugegriffen hatte. Denn trotz aller Meckereien, die ich anzumerken hatte, hat sich Bad Romeo & Broken Juliet zu einer meiner allerliebsten Lieblingsgeschichten hochgearbeitet. Die letzte Seite zu lesen fühlte sich an, als würde ich einer neu gewonnenen Familie den Rücken zukehren. Ich vermisse Ethan und Cassie jetzt schon.



Spannung
♥♥
Romantik

Humor

Gewalt

Action


- Eure Bücherfüchsin

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Ein Sommer am See

Mariko Tamaki , Jilian Tamaki , Tina Hohl
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.05.2015
ISBN 9783956400254
Genre: Comics

Rezension:

Ein Sommer am See

Autor: Mariko Tamaki
Illustrationen: Jillian Tamaki
Kategorie: Graphic Novel
Genre: Slice of Life, Coming of Age
Erschienen: 16.07.2015
Bände: 1/1
Seiten: 320
Verlag: Reprodukt
ISB N: 978-3-95640-025-4
Preis: 29€
Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Jeden Sommer verbringt Rose mit ihren Eltern die Ferien im selben Haus am See. Dort trifft sie ihre Sommerfreundin Windy. Sie ist für Rose die kleine Schwester, die sie nie hatte. Doch in diesem Sommer ist alles anders. Roses Eltern hören nicht auf, sich zu streiten, und auch zwischen Rose und Windy hat sich etwas verändert. Rose kann den kindlichen Spielen von früher nicht mehr viel abgewinnen, vielmehr beobachtet sie fasziniert und verstört zugleich die älteren Teenager, die schon erste sexuelle Erfahrungen machen.

Eine flirrend leichte Sommergeschichte über die Zeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsenwerden – voller Geheimnisse, Sorgen und Erwartungen. Bereits “Skim”, das preisgekrönte erste Buch der kanadischen Cousinen Mariko und Jillian Tamaki, erregte 2008 Aufmerksamkeit weit über die Grenzen des Comics hinaus." - Quelle: Verlag


Cover  ♥♥♥♥♥
Gestoßen bin ich auf  Ein Sommer am See auf der diesjährigen Buchmesse in Wien, auf der der Reprodukt-Verlag (unter einigen anderen deutschen Comic- und Graphic Novel Verlagen) ungewöhnlich, aber erfreulich stark vertreten war. Gerade die unscheinbare Aufmachung des Covers fachte bei jedem meiner Besuche immer wieder aufs Neue meine Neugier an, das immerhin 320 Seiten schwere 'Buch' in die Hand zu nehmen und aufzuschlagen, um herauszufinden, was sich hinter diesem schlichten, aber unglaublich schönen Cover verbirgt. Schon auf den ersten Blick habe ich mich in die blaustichigen, melancholisch-düsteren Zeichnungen verliebt, die sich - angefangen beim Cover - durch die ganze Graphic Novel ziehen. Besonders die verträumte Darstellung der beiden Hauptcharaktere, Windy (nur zur Hälfte) und Rose, die sich, allein in der Abgeschiedenheit des weiten, weißen Himmels, gerade mitten im Sprung befinden, um gleich in das kühle Nass des Sees zu tauchen, spiegelt die Stimmung der Graphic Novel unerwartet gut wieder. Sehr schönes Cover!

Charaktere  ♥♥♥♥♥

Rose: Rose befindet sich gerade in einer sehr wichtigen Phase ihres Lebens - sie steht an der Schwelle zur Pubertät. Als sie in diesem Jahr mit ihren Eltern zu ihrem alljährlichen Sommerurlaub an den See fährt, trifft sie dort ihre Freundin Windy wieder, von der sie verwundert feststellt, wie kindisch sie sich - in ihren Augen - eigentlich verhält. Beim Lesen musste ich immer wieder bewundernd feststellen, wie stark die einzelnen Stimmungen des jungen, pubertierenden Mädchens (so wie ich es selbst noch in Erinnerung hatte)  von Autorin und Illustratorin eingefangen und wiedergespiegelt wurden. Ich fühlte mich immer wieder wie in Rose hineinversetzt und wurde von der jeweiligen Stimmung angesteckt, die sie gerade empfand: war sie melancholisch-verträumt, erwischte ich mich ebenfalls dabei, war sie glücklich und tollte mit Windy herum, zauberte es mir ein Lächeln auf die Lippen. Zwar war ich mit ihren Handlungen nicht immer ganz einverstanden, aber das musste ich auch nicht sein. Rose ist ein authentischer, lebhafter Charakter, der Fehler begeht, tief im Gefühlschaos steckt und dabei Dinge sagt und tut, die wir alle nur allzu gut kennen, auch wenn wir - aus der Sicht unseres jetzigen, viel älteren Ichs - keinen Bezug mehr zu diesen, unseren, früheren Entscheidungen haben. Es ist verrückt, wie die beiden Tamaki-Cousinen einen Charakter schaffen, der genau dieses Gefühl wiederzugeben versteht. 

Windy: Bei Windy ist es in etwa das Gleiche. Anders als ihre langjährige Freundin Rose, hat sie den letzten Schritt in die Phase der Pubertät noch nicht gemacht und versteht es schon deswegen, ihr Leben leichter und mit kindlichem Irrsinn zu leben. Als Adoptivtochter einer ehemaligen Hippie-Dame mit veganem Lebensstil versteht sie es trotzdem - auf ihre eigene Weise -, was es heißt, ein Rebell zu sein. Sie lacht viel und ausgelassen, spielt gern Streiche, ist witzig und hat ein großes Mundwerk, aber ein dafür viel zu kleines Selbstbewusstsein, wie an manchen Stellen deutlich wird. Auch wenn sie gerne großspurig über 'Erwachsenenkram' redet und so tut, als wüsste sie, wovon sie spricht, und sich mit masochistischem Vergnügen immer wieder Horrorfilme ab 18 anschaut, merkt man doch gerade in solchen Momenten, dass sie für diese Themen noch längst nicht reif genug ist, auch wenn sie es gerne wäre. Gerade deswegen macht es sie rasend, dass sie das Gefühl hat, mit Rose nicht mehr, wie noch im Jahr zuvor, auf einer Wellenlänge zu sein und fühlt sich von deren Gefühls- und Gedankenwelt mehr und mehr ausgeschlossen. Während Rose fasziniert eine Gruppe Jugendlicher beobachtet, zieht sich Windy zusehends davor zurück und möchte eigentlich gar nichts mit ihnen zu tun haben. Auch hier zeigt sich wieder die grandiose Beobachtungsgabe der beiden Autorinnen, die es schaffen, dem Leser die Psyche dieser beiden Mädchen so detailverliebt darzulegen. Windy war mein Highlight!

Zeichenstil  ♥♥♥♥♥

Die Zeichnerin Jillian Tamaki, die mit ihrer Cousine gemeinsam das Projekt  Ein Sommer am Seevollendete, ist Nordamerikanerin mit - wie ihr Nachname sagt - japanischen Wurzeln. Vielleicht habe ich gerade deswegen so beherzt zugegriffen, als ich die Graphic Novel das erste Mal in die Finger bekam, denn mit japanischen Zeichenstilen kenne ich mich aus. Das faszinierende an diesem hier ist, dass Jillian Tamaki eine perfekte Mischung aus amerikanischem und japanischem Stil geschaffen hat, die sich in klaren, dicken Outlines, runden Gesichtern, simplen Artworks und ausdrucksstarken Gesichtern niederschlägt. Die wiedergegebenen Emotionen sind viel tiefer und realistischer, als sie ein Manga je darstellen könnte, dafür hat die japanische, schlichte Schönheit ihren ganz eigenen, faszinierenden Reiz. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich minutenlang ein und das selbe Bild angestarrt habe, um die Stimmung in mich aufzusaugen, die Emotionen herauszufiltern und die Schönheit der Bilder auf mich wirken zu lassen. Besonders gut gefallen mir die natürlichen Körperproportionen der Charaktere, die jedem einzelnen einzigartige Eigenschaften zuordnet: mal groß und dürr, klein und rund, klein und knochig, groß und untersetzt, kurvig, faltig, sportlich, klapprig. Es gab keine Stereotypen, keine unrealistischen, dürren, keine übertrieben schönen Charaktere. Jeder hat seine Fehler, seine Ecken und Kanten, Momente, die sie schön oder hässlich erscheinen lassen. Das, was Jillian Tamaki hier geschaffen hat, ist für mich Kunst. 

Handlung  ♥♥♥♥♥

Wer hier eine aufregende Handlungen voller Plottwists und actiongeladenen Szenen erwartet, der ist ganz falsch.  Ein Sommer am See fühlte sich für mich an wie ein Kurzurlaub in die Psyche zweier Mädchen, die noch nicht recht wissen, wie sie dem Leben begegnen sollen - und weg von Bildschirm, Medien und einer Welt voller Lügen und falscher Schönheitsideale. Wir folgen Rose in den Urlaub an den See, sehen, was sie sieht, fühlen, was sie fühlt und finden, mitten in einer Identitätskrise heraus, dass ihre Eltern nicht mehr glücklich miteinander sind. Wir spüren ihre Angst vor einer - nie ausgesprochenen - Scheidung und die Kälte, mit der ihre Mutter ihr und ihrem Vater plötzlich begegnet. Wir beobachten mit ihren Augen fasziniert, angewidert und neugierig zugleich, wie eine Gruppe Jugendlicher in Sex (ohne explizite Szenen), Alkohol und Drogen versinkt und fürchten uns vor dieser, ihrer Zukunftsvision. Der Fokus der Graphic Novel liegt hier nicht auf der Handlung, er liegt auf den Worten, der Stimmung und vor allem: auf der Entwicklung der einzelnen Charaktere und ihrer Beziehung untereinander. Ein unglaublich schönes, verträumtes Werk, dass es wert ist, immer und immer wieder in die Hand genommen zu werden - und wenn es nur ist, um in den wundervollen Zeichnungen zu versinken. 

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Ein Sommer am See ist für mich ein absoluter Glückgriff und ein richtiger Schatz. Als ich die Graphic Novel das erste Mal sah, wusste ich nicht, ob ich mich auf ein solches Experiment einlassen wollte - weg von Büchern und klassischen Mangas, wie ich sie sonst lese, und hin zu den in simple Zeichenkunst verpackten, literarischen Geschichten. Ich muss sagen, dass ich einen Kauf noch nie weniger bereut habe als jetzt.  Ein Sommer am See ist unglaublich schön und fordert den Leser mit einer unscheinbaren Intelligenz heraus, sich Stimmungen hinzugeben, Kontroversen zu überdenken und sich in die Welt eines anderen hineinzuversetzen, um ihn zu verstehen. Die noch dazu besonders ausdrucksstarken Zeichnungen von schlichter Schönheit haben mich absolut fasziniert und überzeugt, dass sich hinter dem Wort Graphic Novel eine feingliedrige Kunstform verbirgt. Einfach toll!

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julia dessalles, drachen, rubinsplitter, fantasy, rubinsplitter:funkenschlag

Rubinsplitter: Funkenschlag

Julia Dessalles
Flexibler Einband: 406 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 20.08.2015
ISBN 9781516869015
Genre: Fantasy

Rezension:

Rubinsplitter - Funkenschlag (1)

Autor: Julia Dessalles
Genre: Fantasy, Phantastik, Magie
Freigabe: keine
Erschienen: 20.08.2015
Seiten: 406
Einband: Taschenbuch
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1516869015
Preis: 3,99€ (eBook) / 10,70€ (broschiert)

Rating: ♥♥♥♥♥

Inhalt

"Das Überleben von Salvya, einer magischen Welt voll ungezügelter Phantasie, liegt in Rubys Hand. Ausgerechnet sie, Miss Unsichtbar, soll die Prinzessin aus der Prophezeiung sein und die finstere Herrscherin Thyra vernichten. Wäre da nicht Rockstar Kai mit seinen verdammten Kusslippen, hätte sie längst aufgegeben. Doch auf einmal überschlagen sich die fürchterlichen Ereignisse und die Rettung Salvyas wird für Ruby zur Herzensangelegenheit. Wird es ihr gelingen, den Funken zu zünden, der Salvyas Schicksal besiegelt?" - Quelle: Drachenmond Verlag

Cover  ♥♥♥♥♥

Aufmerksam wurde ich auf Rubinsplitter - Funkenschlag gerade wegen seines unglaublich tollen Covers, das mir beim Scrollen durch Facebook direkt ins Auge gesprungen ist. Einmal gesehen, war meine Neugierde für die fantastische Geschichte sofort geweckt und ich setzte - nach einigen Nachforschungen wo und wie - "alle Hebel in Bewegung", dieses Buch so schnell wie möglich in meinen Händen zu halten. Die kunstvolle Gestaltung des Mädchengesichts, das - durch Rauch gezeichnet - in zwei chinesische Glücksdrachen übergeht, hat meinen Nerv für das Element Feuer und die asiatische Kultur genau getroffen und sieht, egal wie man es dreht und wendet, einfach atemberaubend aus. Am liebsten würde ich Rubinsplitter einfach den lieben langen Tag anstarren! - Schon allein deswegen hat das Cover 5/5 Punkten verdient. 

Charaktere  ♥♥♥♥

Ruby: Unsere Protagonistin Ruby macht im Verlauf der Handlung eine unglaubliche Entwicklung durch. Während ich am Anfang irgendwie nicht so richtig warm mit ihr wurde, weil sie mir farblos, blass und charakterlos vorkam, verwandelte sie sich direkt vor meinen Augen in eine bunte, emotionsgeladene Knutschkugel, mit der ich mich einfach wunderbar identifizieren konnte. Wie überrascht ich im Nachhinein war, dass mein Empfinden, Ruby sei ein blasser Charakter, absolut gewollt war und im Laufe der Geschichte aufgeklärt werden konnte, kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Ich empfand es als eine großartige erzählerische Leistung, sie - als Protagonistin - für den Leser genauso zu zeichnen und auszuformen, wie sie auch von den anderen Charakteren drumherum wahrgenommen wird! Als ich endlich dahinter kam, konnte ich mich besonders gut in sie hineinversetzen und die Geschichte aus nächster Nähe erleben. Denn wer stolpert nicht gern in eine fremde, bunt-fantastische Welt und stellt dann fest, dass es genau dieser Ort ist, nach dem man sein ganzes Leben lang gesucht hat? Das Einzige, was mich daran ein bisschen gestört hat, war die Tatsache, dass Ruby tatsächlich nicht ein einziges Mal darüber nachdenkt, in ihre bisherige Welt zurückzukehren. Dass sie kein Heimweh hat ist - in Anbetracht ihrer 'Herkunft' durchaus erklärlich -, aber dass ein Teenager nicht ein einziges Mal an seine Eltern denkt, wenn er mit zwei 'betrunkenen' Rocker-Drachen in eine völlig fremde Welt gerät und dort, trotz der Tatsache, dass sie sich die meiste Zeit schlecht behandelt fühlt, bereitwillig mehrere Tage zubringt, ohne auch nur an Zuhause zu denken, das kam mir ein bisschen unnatürlich vor. Ansonsten habe ich Ruby als Charakter sehr genossen!   

Kai: Ach Kai! Meine Gefühle für ihn waren etwa so zwiegespalten, wie die Zunge einer salvyanischen Zuckerschlange. Zu Anfang der Geschichte hätte ich ihn für sein unverschämtes Verhalten ständig Ohrfeigen können! Einerseits führt er sich einfach auf wie das letzte Kind auf Erden, schmollt und tobt, ist kindisch und leidet an einer chronischen Gummibärchensucht - andererseits ist er ein verdammter Badboy mit tollen Sprüchen und einer so lässigen Art, die mich einfach wünschen lässt, ich wäre Ruby. Und so ging es unserer Protagonistin sicherlich auch die ganze Zeit, bloß, dass sie sich von Kai - aus unerklärlichen Gründen - ganz schön viele Gemeinheiten gefallen lassen muss. Aus einem Grund, den er selber noch nicht einmal nennen kann, empfindet Kai für Ruby nämlich von Anfang an eine ungewöhnliche Hassliebe, die ihn dazu bringt, sie von sich stoßen zu wollen, sie auf der anderen Seite aber am liebsten nie wieder gehen lassen würde. Zu allem Überfluss hat der Junge mit den giftgrünen Haaren noch ganz andere Probleme wegzustecken, die nicht zuletzt mit seiner schlimmen Vergangenheit und seinen magischen Kräften zu tun haben. Im Grunde habe ich Kai das eine Drittel der Geschichte gehasst, das zweite Drittel habe ich ihn vergöttert und das dritte und letzte Drittel habe ich ihn bemitleidet - bloß nicht genau in dieser Reihenfolge. Ob und wie ihr Kai findet, das müsst ihr natürlich selbst herausfinden - ich kann sagen, dass er mehr als nur eine Emotion in mir gereizt hat und dafür kann ich ihn eigentlich nur bewundern!

Amygdala: Amy ist für Kai so etwas wie ein Mutterersatz und gleichzeitig eine gute Freundin, denn sie hat sich lange Zeit um ihn und seinen besten Kumpel Ali gekümmert. Die Fünfunddreißigjährige mit der Fähigkeit, ihr Alter nach Belieben zu verändern, ist ein unglaublich heiterer, sympathischer Charakter, der im Laufe des ersten Bandes leider viel zu wenig vorkommt. Sie ist diejenige, die Ruby findet, sie erkennt und dazu bringt, in ein magisches Auto zu steigen, das sie an den Ort bringen soll, an den sie rechtmäßig gehört. Alles, was ich von Amygdala im ersten Teil der Buchreihe gelernt habe ist, dass sie von allen Charakteren der witzigste und phantasievollste ist. Immer habe ich gehofft, dass sie Ruby jederzeit als gutherzige Erklärbärin zur Seite steht, aber leider kam doch dann alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich wünsche mir mehr Amygdala! Jetzt!

Schreibstil  ♥♥♥♥

Der Schreibstil von Autorin Julia Dessalles ist anders, anders jedoch im positiven Sinne: Sie schreibt unglaublich fantasievoll und bunt - man könnte fast meinen quietsch-bunt - und schafft neue Welten, neue Wesen und neue Ideen wie aus der hohlen Hand, sodass ich mir eigentlich nur zu gern einen Blick in ihren Kopf wünsche, um zu sehen, welche Schätze sie dort noch verborgen hält. Hinzu kommt eine entzückende Prise Humor, die mir jede noch so langweilige U-Bahn-Fahrt zur Arbeit gezuckert und versüßt hat. Während ich mich regelmäßig beim Schmunzeln, ja sogar Grinsen, erwischt habe, weiß ich auch, dass ihr Humor möglicherweise nicht für jeden gleichermaßen zugänglich ist. Wenn man nicht selbst eine quietsch-bunte, kindlich-fantasievolle und hoffnungslos-romantische Seite oder ein inneres Kind hat, das ab und zu mal Ausgang braucht, könnte man mit Julia Dessalles Humor oder ihrer Art zu schreiben anecken, ja, sie vielleicht als zu 'kindisch' oder nicht ernst genug verstehen. Auch zeichnet sich ihr Schreibstil durch ein rasantes, manchmal gehetztes Erzähltempo aus, was immer wieder mal dazu geführt hat, dass ich das Gefühl hatte, mir würden wichtige Informationen fehlen, die mir dabei helfen könnten, das Geschehen detailgenauer vor meinem inneren Auge erscheinen zu lassen. Dieser fehlende Detailgrad kann einerseits störend, andererseits herausfordernd sein, je nach dem wie fantasievoll man selbst ist. Mehr als einmal fiel es mir schwer, dem Geschehen zu folgen, während andere Stellen ganze Kinofilme in meinem Kopf verursachten. Ich würde mir für die Zukunft ein bisschen weniger Tempo und ein bisschen mehr Detailgrad wünschen, um noch tiefer in die Geschichte eintauchen zu können!

Handlung  ♥♥♥♥

'Bunt' und 'ausgefallen' sind die ersten Adjektive, die mir zur  Rubinsplitters Handlung einfallen. Ruby, die etwas molligere (wobei man nie wirklich erfährt ob sie nun wirklich mollig ist oder nur glaubt, mollig zu sein), an Selbstbewusstsein kränkelnde Schülerin, die für beinahe jeden in ihrem Umfeld unsichtbar ist, findet sich eines Tages als Security auf einem Rockkonzert wieder, wird von einer verrückten alten Frau im Minirock entführt und ... ach was sage ich, lest es selbst! Die Geschichte strotzt vor verrückten Ideen und einem verschmitzten Augenzwinkern, ist spannend, romantisch und witzig zugleich. Der Fokus liegt dabei sehr stark auf der stets wechselnden Beziehung zwischen Kai und Ruby, die einerseits nicht mit, andererseits aber auch  nicht ohne einander auskommen. Die action-geladenen Szenen (bis auf die epische Endszene) waren mir persönlich manchmal ein bisschen zu schnell vorbei, sodass ich, was Spannung angeht, nicht richtig in Fahrt gekommen bin. Das ist allerdings verzeihlich, denn, wenn man eine neue Welt erschafft, dann will diese erstmal richtig vorgestellt und eingeführt werden. Für den nächsten Band würde ich mir vielleicht einen Almanach der Salvyanischen Wesenheiten und vielleicht eine Karte wünschen, um noch mehr dieses 'Fantasy-Feeling' zu bekommen und richtig in Salvya eintauchen zu können. Dahingehend hat sich der erste Teil der (insgesamt vierteiligen?) Reihe wie eine langsame Einführung in die eigentliche Geschichte angefühlt. Ich bin gespannt, was noch kommt!

Gesamtwertung ♥♥♥♥

Wie eben schon gesagt, hatte der Auftakt der  Rubinsplitter-Reihe den Charakter einer - zugegeben rasanten - Einleitung in etwas viel Größeres. Charaktere, Kreaturen und Orte werden eingeführt, das System der speziellen 'Magie', die in Salvya herrscht werden dem Leser verständlich gemacht, der genau wie Ruby erst lernen muss, was es heißt, Teil von Salvya zu sein. Besonders gut hat mir die Entwicklung der Hauptperson gefallen, die im Laufe der Geschichte nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihren Ursprüngen zurückfindet, was ihr ungemein an Kraft gegeben hat.  Rubinsplitter hat mich beim Lesen einfach ungemein glücklich gemacht, mir stetig ein Lächeln entlockt, hat sich aber Alles in Allem ein wenig zu schnell und zu wenig fassbar angefühlt. Bisher habe ich das Gefühl, die magische Welt nur an der Oberfläche gekratzt zu haben und eigentlich noch nicht so recht zu wissen, wo die Reise eigentlich hinführt - das eher 'abgehackte' Ende unterstützt das ein bisschen. Andererseits kann ich es auch kaum erwarten, nach Salvya zurück zu kehren, mehr zu erfahren, die liebenswürdigen Charaktere wiederzutreffen und meine eigene Fantasie tatkräftig beim Lesen mit in die Geschichte einfließen zu lassen. Ich bin mehr als gespannt auf das, was noch kommt und glaube, es wird sogar noch besser, als das, was  Rubinsplitter - Funkenschlag und hier schon liefert!

Spannung
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